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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 8. Jg., 15-16 / 1999, S. 196-198

 

 

GOETHES MITTELALTER-IMAGE

András F. Balogh



“Die Neigung der sämtlichen Jugend zu dem Mittelalter halte ich mit Ihnen für einen Übergang zu höhern Kunstregionen” -- schrieb Goethe 1810 an Carl Friedrich Graf von Reinhard, und er setzte seine Überlegungen sehr optimistisch fort: “doch verspreche ich mir viel Gutes davon. Jene Gegenstände fordern Innigkeit, Naivetät, Detail und Ausführung, wodurch denn alle und jede Kunst vorbereitet wird. Es braucht freilich noch einige Lustra, bis diese Epoche durchgearbeitet ist, und ich halte dafür, daß man ihre Entwicklung und Auflösung weder beschleunigen kann noch soll.” (1)

Mit diesen rückblickenden Worten legte Goethe Zeugnis davon ab, daß das Mittelalter für ihn und für seine Generation ein Grundstein der Bildung und des poetischen Anfangs war; seinen eigenen Werdegang modellhaft betrachtend schätzte er also das gesamte Mittelalter als einen wichtigen Ausgangspunkt zur Aneignung der Kultur ein und empfahl das Studium dieser Epoche der “Jugend”, eigentlich der Generation der Romantiker, deren Mittelalterbild er dann später nicht billigte. Eine endogene Entwicklung der Kultur hielt Goethe ohne das Studium des Mittelalters für nicht möglich. Der Dichter aus Weimar hat jedoch weitere Erklärungen zum Mittelalter abgegeben, die die Rekonstruktion seines Mittelalterbildes ermöglichen. Noch als junger Jurist schrieb er -- ebenfalls rückblickend -- die folgenden Sätze:

“Um jedoch einen Boden zu finden, worauf man poetisch fußen, um ein Element zu entdecken, in dem mam freisinnig atmen könnte, war man einige Jahrhunderte zurückgegangen, wo sich aus einem chaotischen Zustande ernste Tüchtigkeiten glänzend hervortaten, und so befreundete man sich auch mit der Dichtkunst jener Zeiten. Die Minnesänger lagen zu weit von uns ab; die Sprache hätte man erst studieren müssen und das war nicht unsere Sache: wir wollten leben und nicht lernen.

Hans Sachs, der wirklich meisterliche Dichter, lag uns am nächsten. Ein wahres Talent, freilich nicht wie jene Ritter und Hofmänner, sondern ein schlichter Bürger, wie wir uns auch zu sein rühmten. Ein didaktischer Realism sagte uns zu, und wir benutzten den leichten Rhythmus, den sich willig anbietenden Reim bei manchen Gelegenheiten. Es schien diese Art so bequem zur Poesie des Tages und deren bedurften wir jede Stunde.” (2)

Diese Zeilen wurden 1776 geschrieben und sie tragen in sich die lebendige Erinnerung an die ereignisvollen Sturm-und-Drang-Zeiten, als Goethe und seine Freunde mehr erleben und aufnehmen wollten, als ihnen Zeit zur Verfügung stand. Durch dieses Bekenntnis tut sich vor uns ein weitgespannter Bogen auf, den Goethe -- der einige Jahre später auch für die mittelhochdeutschen Werke Interesse zeigen wird und nicht nur den “verständlichen” Hans Sachs liest -- hier vom Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert zieht. Die Anfänge des Mittelalters sind irgendwo in der Völkerwanderungszeit nach der Antike zu suchen. Von den Dichtern dieser großen historischen Zeitspanne wird als poetisches Vorbild Hans Sachs gewählt, der -- aus heutiger Sicht -- eigentlich nicht zum Mittelalter zu rechnen ist, sondern zur schwer beschreibbaren Zeit des 16. Jahrhunderts, zur Literatur der Reformation. Für Goethe erschien aber die “mittlere Zeit” oder die “Mittelzeit” als eine große und ungeteilte Epoche, die von der Antike bis zum Barock reichte, so daß Hans Sachs problemlos in diese Epoche eingeteilt werden konnte.

Die Auffassung über diese große Periode, vor allem aber die Benennung “mittlere Zeit” oder “Mittelzeit”, folgt teilweise dem Verständnis des Humanismus, der das Mittelalter als Zeit zwischen der Geburt Christi und dem Jüngsten Gericht, mutatis mutandi die Zeit zwischen dem Altertum und der Neuzeit. Die Goethezeit hat diese Periode längst überholt, der Dichter spricht immer aus einer gut konturierten historischen Distanz über das Mittelalter. (Es ist aber zu vermerken, daß Goethe auch seine eigenen Entwicklungsstadien als historisch überholte Perioden verstand, so war die kritische Distanz zum Mittelalter eine konsequent durchgeführte Denkweise.)

Die Deutung dieser Periode, bzw. die Inhalte, die aus dieser Periode wahrgenommen worden sind, bewegen sich vor allem im Umkreis des Religiösen und des Unzeitlichen. Das Mittelalter ist in der Auffassung des Dichters die Zeit der Heiligen, die Seltsames durchführen, es ist die Zeit der Heroen, die besondere Taten vollbringen, es ist die Zeit der überzeitlichen Ereignisse, die menschliche Größe und tiefe Weisheit verraten. Manche Helden dieser Epoche weisen transzendentale Fertigkeiten wie Hellsehen und Aufspüren der Vergangenheit auf -- sei hier nur an die Erzählung Amelets Geschichte nach dem Saxo Grammatikus erinnert, wo der Hauptheld aus dem Geschmack des Brotes auf die ehemalige Schlacht auf dem Acker, woher das Korn kam, schließen konnte.

Das Mittelalter erscheint beim jungen Goethe als eine zeitlich nicht genau fixierte Epoche. Die Forschung von heute tendiert deshalb dazu, alle Schriftstücke, die eine überzeitliche erzählte Zeit haben, zur Mittelalterrezeption Goethes zu rechnen. Spielt sich der König von Thule in dieser Periode ab? Eine Motivanalyse gibt keine eindeutige Antwort, nur die im Gedicht kurz angedeutete Herrschaftsform, die Monarchie, läßt uns auf das Mittelalter schließen. Aber es kommt noch etwas anderes dazu: Für Goethe, aber auch für seine Zeitgenossen, erschien das Mittelalter als eine Zeit der Tugenden, als die Männer ihr gegebenes Wort noch hielten, als Treue bis zum Grab galt. Man glaubte die in der eigenen Zeit vermißten Tugenden im Mittelalter erkennen zu können, womit diese Periode moralisch stark aufgewertet wurde.

“Die geharnischten Ritter, die alten Burgen, die Treuherzigkeit, Rechtlichkeit und Redlichkeit, besonders aber die Unabhängigkeit der handelnden Personen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Der Vorleser trat sein Möglichstes, und die Gesellschaft kam außer sich.” (3)

So schrieb Goethe über die zeitgenössische Rezeption mittelalterlicher Inhalte. Der Schriftsteller des Götz von Berlichingen ist von der Freiheit und dem Freiheitswillen der mittelalterlichen Ritter fasziniert und diese Faszination büßt mit der Zeit nichts ein; die Autonomie der Persönlichkeit im Mittelalter, die Freiheit der Menschen, die keine gesellschaftlichen Zwänge über sich ergehen lassen wollen, wird sowohl vom Stürmer-und-Dränger als auch von dem Klassiker Goethe gefeiert. Die Erweiterung des Horizonts des Dichters bedeutete eine vertiefte Auseinandersetzung mit den damals bekannten Werken des Mittelalters. Goethe las und kannte das Nibelungenlied, König Rother, Tristan und Isolde und viele nordische Lieder. Die Sprachprobleme wurden scheinbar überwunden, so blieb er nicht mehr lange bei Hans Sachs stehen. Dennoch bildete dieser Autor einen interessanten Bezugspunkt für die Annäherung Goethes an das Mittelalter, weil der Dichter den Nürnberger als Urtalent einschätzte. Zwei wichtige Gedichte sind ihm gewidmet, die der poetischen Kraft, der aufsprudelnden und prickelnden Elementargewalt der Poesie bei Sachs ein Denkmal setzen. Im Gedicht Hans Sachsens poetische Sendung versucht Goethe eine persönliche Beziehung zu Hans Sachs aufzubauen: Nach der Schilderung der Lebenssituation des Schusters folgen Zeilen, die die große persönliche Zuneigung zu diesem Dichter bezeugen. Das Gedicht liefert in seinen wichtigsten Teilen eine poetische Charakterisierung des Stils von H. Sachs:

Unser Meister das all ersicht
Und freut sich dessen wundersam,
Denn es dient sehr in seinem Kram.
Von wannen er sich eignet sehr
Gut Exempel und gute Lehr',
Erzählt das eben fix und treu,
Als wär' er selbt gesein dabei. (4)

Die mimetische Annäherung an den Gegenstand, der einfache Stil, das direkte Erzählen des vermeintlichen mittelalterlichen Dichters, die Themenwahl aus dem unmittelbaren Umkreis, die eine lebensnahe Haltung voraussetzt, sowie die poetisch-moralische Botschaft der Texte werden hier hervorgehoben: Heute, nach einer Forschungsanstregung von 200 Jahren, kann man wissen, daß diese Eigenschaften nur auf einen Teil des poetischen Schaffens des Mittelalters zutreffen, denn komplizierte Erzählsituationen, schwer verständige, mit Symbolen und Andeutungen überladene Texte waren keine Seltenheit. Es ist allerdings einzuräumen, daß zu Goethes Lebzeiten nur wenig aus dem Mittelalter bekannt und dies noch dazu unerforscht war, so daß Goethe eine Fehlinformation nicht vorzuwerfen ist.

Angesichts des Umfangs des Goetheschen Oeuvres ist das aus mosaikartigen Äußerungen bestehende Mittelalterbild recht bescheiden. In seinen Jugendjahren schrieb Goethe in Briefen, in Fragmenten und auch in etlichen poetischen Werken manche Zeilen über die Volksbücher, er war von der “deutschen Baukunst”, also von der Gotik, fasziniert; die Minnesänger und die Heldendichter samt der nordischen Mythologie gaben ihm Impulse. Die politische Konstellation ermöglichte ebenfalls eine günstige Aufnahme des Mittelalters, denn die Territorialfürsten des 18. Jahrhunderts in der Autonomiebewegungen des Mittelalters gerne ihr Vorbild sahen, und deshalb alles förderten, was mit dem Mittelalter in Verbindung stand.

Eine nächste Etappe der Beschäftigung mit dem Mittelalter zeichnet sich zwischen 1780 und 1804 ab und wird von der Forschungsliteratur (5) durch ein Goethe-Zitat benannt: “Durch's Läuterfeuer”. Die Motive, die Textsegmente, die er aus den frühen Zeiten aufgegriffen hat, gehen wie durch ein Läuterfeuer und bekommen eine neue poetische Deutung. Kaum ein Motiv behält seinen ursprünglichen Inhalt, alles wird in das Klassische transponiert. Die Werke, die Motive des Mittelalters aufweisen, sind Reinecke Fuchs, die Deutschen Ritterstücke und selbst in den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten entdeckt man Szenen, die auf das Mittelalter hinweisen. In dieser Kette von Erzählungen thematisiert ein Text die späte Ehe eines italienischen Handelsmannes und dann den Ehebruch der jungen Frau. Goethe sucht in dieser Erzählung, ebenfalls in die unzeitliche Epoche des Mittelalters verpflanzt, nach der Innigkeit der Liebe, nach der Harmonie des Lebens, nach den beständigen Werten der menschlichen Existenz. So wird aus dem Mittelalter eine Art Bestätigung der klassischen und ewigen Werte.

Die nächste Etappe seiner Beschäftigung mit dem Mittelalter benannte Goethe selbst als “Rücktendenz nach dem Mittelalter”. Er war konfrontiert mit der entstehenden Literaturwissenschaft und mit den Romantikern, die ebenfalls eine besondere Neigung zum Mittelater zeigten. Goethe ging hier seine eigene Wege, er wurde weder von der romantischen noch von der “wissenschaftlichen” Auffassung beeinflußt. In Briefen kommt er besonders oft auf dieses Thema zurück: Fr. Heinrich von der Hagen, Eichstätt, Knebel, Graf von Reinhard, W. Grimm sind die Adressaten dieser Briefe, die allgemeine und kurze Überlegungen zu den Goethe bekannten alten Texte beinhalten; es wird die Poetizität der mittelalterlichen Literatur, die Kraft und Stärke der Dichter und der Stellenwert der alten Literatur in der damaligen Zeit behandelt. In dieser Etappe kommt dem Nibelungenlied eine besondere Rolle zu: Goethe schätzte dieses Epos besonders hoch, da er darin ein Hort der nationalen Existenz entdeckte. Ein gefährlicher Weg ist damit eingeschlagen worden, der bis zum Heraufbeschwören der Nibelungentreue in Goebbels Rede vor Stalingrad führte; aber zur Zeit der Napoleonischen Kriege galt das Nibelungenlied als eine poetische Bastion gegen die Fremdherrschaft, es galt als eine Sicherung der nationalen Einheit der Deutschen. Das Nibelungenlied wurde in der Mittwochgesellschaft regelmäßig gelesen und an positiven Äußerungen Goethes zu diesem Text fehlt es nicht.

In der Goetheschen Lebensauffassung nimmt das Mittelalter -- verglichen mit anderen Problemen -- einen eher bescheidenen Platz ein. Dennoch kann man sagen, daß das Mittelalter bei Goethe als ein verstecktes Vorbild fungierte, da in seinem Leben die Autonomie der Persönlichkeit, die moralischen Werte, eine Sehnsucht nach dem Transzendentalen stets mit dem Mittelalter verbunden war.


NOTE:

(1) In: Johann Wolfgang von Goethe: Werke. Hg. Erich Trunz. Bd. 3. Hamburg 1948-1964. S. 137. Das unter-suchte Material und damit die Auswahl der Zitate folgt die Anthologie Goethe über das Mittelalter. Hg. Jens Haustein. Frankfurt/M 1990. Zitiert wird jedoch aus den bekannten Ausgaben.

(2) In: Goethes Werke. Hg. im Auftr. der Großherzogin Sophie von Sachsen. 4. Abteilungen. Bde. 1-133. Bd.29. S. 83.

(3) In: Goethes Werke. Hg. im Auftr. der Großherzogin Sophie von Sachsen. 4. Abteilungen. Bde. 1-133. Bd.21. S. 197.

(4) Hans Sachsens poetische Sendung. In: Goethes Werke. Hg. im Auftr. der Großherzogin Sophie von Sachsen. 4. Abteilungen. Bde. 1-133. Bd.16. S. 121-129.

(5) Siehe das Nachwort zur Anzhologie: Goethe über das Mittelalter. Hg. Jens Haustein. Frankfurt/M 1990. S. 139.
 

 

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