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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 13.-14. Jg., Heft 1-2 (26-27) / 2004, 1-2 (28-29) / 2005, S. 264-282

 

 

Übersetzung als Tanz in Ketten

Aspekte der Übertragung des Romans von Hans Bergel ins Rumänische

 


Anita-Andrea Széll

 

Einleitung

   Wenn man sich eine Zeit lang mit Übersetzungen beschäftigt, hört man immer wieder die Frage: „Ist die Übersetzung nicht ein linguistisches Problem?“ Auf diese Frage gibt es leider bis heute keine exakte Antwort. Es gibt Linguisten, die behaupten, Übersetzungen könnten nur durch die Linguistik geforscht werden; die Literaturwissenschaftler sind davon überzeugt, dass die Übersetzung von Texten (meist von literarischen oder belletristischen) ausschließlich eine Angelegenheit der Literatur und der Literaturwissenschaftler ist. Sie sind der Ansicht, dass sprachwissenschaftlich orientierte Übersetzungsstudien kein grundlegendes theoretisches Angebot für die Erforschung der literarischen Übersetzung zur Verfügung stellen können. Diese Theorie erfordert zumindest eine Modifizierung. Es gibt Annäherungen und Methoden, die aus der Linguistik stammen, und die erfolgreich auf Übersetzungen angewendet werden können. Außerdem existieren Konzepte zum Sprachstudium, welche auch bei literarischen Übersetzungen hilfreich sind.

   Die vorliegende Arbeit ist ein Versuch, eine Untersuchung eines kleinen Teils der Übersetzung vorzunehmen, wobei sowohl linguistische Konzepten und Methoden als auch die praktische Analyse der literarischen Übersetzung eine Rolle spielen.  Es handelt sich grundsätzlich um eine Untersuchung zur Theorie und Praxis der Übersetzung. Außer der Analyse der Übersetzung bezweckt dieser Aufsatz, das Werk eines rumäniendeutschen Schriftstellers ausgehend von der Übersetzungstheorie und -praxis zu untersuchen. Es sollte bewiesen werden, dass auch Literatur außerhalb Deutschlands besondere Werte anbietet und spannend sein kann und was noch wichtiger ist: die Literatur, die regionale Themen behandelt, könnte für die Übersetzungsforschung ein weites Forschungsfeld erschließen, weil man bei der Untersuchung regionaler Werke Erfahrungen beim sprachspezifischen Übersetzungen sammeln kann. Die vielfältigen Überlagerungen der verschiedensten nationalen, ethnischen, religiösen Vorstellungen und Werte, welche jeweils für das Heimatland des Autors charakteristisch sind, führt zu einer spezifischen Schichtung der Sprache; man kann nicht ausschließlich  von einer einzigen homogenen Sprache sprechen. Deshalb bedeutet die Rezeption deutscher Schriftsteller außerhalb Deutschlands eine immer neue Herausforderung für die Übersetzer.

   Das Werk von Hans Bergel umfasst ein äußerst weites, schwer zu überblickendes Textangebot, aber in dieser Arbeit wurde nur einer der bedeutenden Romane des Autors untersucht, der wichtigste aus “rumäniendeutscher” Sicht. Dieses Prosawerk erscheint mir als besonders repräsentativ und das aus unterschiedlichen Gründen. Anhand dieses Werks wurden übersetzungstheoretische und -praktische Überlegungen angestellt; die Aufteilung der Arbeit hängt mit diesen Kriterien zusammen. Verschiedene, meist linguistische Untersuchungsmethoden  sind angewandt worden. Die Untersuchung stützt sich vor allem auf theoretische Erörterungen von Christiane Nord, Mary Snell-Hornby oder Eugène Nida.*)

   Die Literatur der deutsch schreibenden Autoren außerhalb Deutschlands wurde von der „großen deutschen Literatur“ wenig beachtet, gerade deshalb lohnt es sich,  diese Werke „regionaler“ Schriftsteller zu untersuchen. Diese Werke werfen interessante Fragen im Hinblick auf die Praxis der Übersetzung auf, und die Texte - sowohl in der AS, als auch in der ZS – sind durchaus in der Lage, eine Ergänzung zur ausgangssprachlichen bzw. zielsprachlichen Literatur anzubieten.

 

1. Linguistische Modelle der Übersetzung

   Die Übersetzung eines Romans wirft unterschiedliche Fragen auf. Man muß erstens rekonstruieren, was im Kopf des Übersetzers vorgeht, während er sich mit einem Text in einer fremden Sprache auseinandersetzt. Der Übersetzer erhält einen Text, in unserem Fall einen Roman in deutscher Sprache (die Ausgangssprache ist demnach Deutsch), und dieser Text erscheint später in rumänischer Sprache als Ergebnis einer langen und mühevollen Übersetzungsarbeit. Was muss der Übersetzer tun, um diesen deutschen Text ins Rumänische übertragen zu können? Seine Arbeit kann nur dann erfolgreich sein, wenn er bestimmte Regeln der Übersetzung in Betracht zieht, aber oft genug sind diese Regeln nicht so leicht zu formulieren, weil der Prozess der Übersetzung in der “black box”[1] des Übersetzers abläuft, und was uns zur Verfügung steht, sind nur die Ausgangsdaten und das jeweilige Ergebnis.

   Die Linguistik hat sich seit eh und je für diesen internalisierten Prozess interessiert, weil ein Modell der Übersetzung auch als Modell für die Textproduktion und das Textverständnis dienen könnte. Man könnte ein Schema entwerfen, wie sich der Gedanke in der Sprache verwirklicht, und man könnte mit diesem Schema auch den Weg von der Sprache zu den Gedanken beschreiben. Der Übersetzer muss aus einem Zeichensystem in ein anderes wechseln, aber einen unmittelbaren Übergang[2] gibt es nicht; der Prozess der Übersetzung ist auf mehrere Phasen verteilt. Welches diese Phasen sind, kann man bis heute nicht genau sagen, aber es gibt mindestens eine Phase der Analyse und eine der Synthese. In der analytischen Phase untersucht der Übersetzer den Text der Ausgangssprache (AS), während in der Synthesephase der Text in der Zielsprache (ZS) aufgebaut wird.

   Einige Untersuchungen bestimmen zwischen Analyse und Synthese eine dritte Phase, die der Umwandlung; sie sind davon überzeugt, dass während der Umwandlung eine dritte, vermittelnde Sprache am Werk ist. Wie aber diese vermittelnde Sprache funktioniert, konnte bis heute nicht geklärt werden, auch nicht, um welche Vermittelungssprache es sich eigentlich handelt. Gibt es in unserem Fall eine “Vermischung” zwischen dem Deutschen und Rumänischem? Und falls eine solche Mixtur im Kopf des Übersetzers überhaupt vorhanden ist, wie manifestiert sie sich? In Wörtern, Sätzen, Absätzen oder größeren Textabschnitten?

   Die Theorie einer sogenannten “Zwischensprache” setzt voraus, dass im Kopf des Übersetzers gleichzeitig zwei Sprachen (hier Deutsch und Rumänisch) vorhanden sind und funktionieren.  Das ist keineswegs einfach.  Es gibt verschiedene Übersetzungsmodelle, die von namhaften Übersetzungstheoretikern ausgearbeitet wurden; diese Modelle wurden nach verschiedenen Klassifikationskriterien systematisiert. Die zwei wichtigsten Modelle sind das denotative und das transformative Modell; sie wurden schon in den 60er Jahren von russischen Linguisten ausgearbeitet.

1.1. Das denotative (situative) Modell

   Die Anhänger des denotativen Übersetzungsmodells gründen ihre Theorie darauf, dass die uns umgebende Wirklichkeit für alle die gleiche ist; während des sprachlichen Kontakts sind nur die sprachlichen Zeichen verschieden, die Gegenstände (Denotatum) sind gleich. Dieser Theorie zufolge verläuft die Übersetzung[3] wie folgt: während der Analyse führt der Übersetzer die Zeichen der AS in die Welt der Gegenstände, die uns bekannt sind, zurück, in der Phase der Analyse beschreibt er die gleichen Gegenstände mit den Hilfe der ZS.

Nach diesem Zwei-Schritt-Schema besteht der Translationsprozeß aus zwei Phasen, der Analyse (auch Dekodier- oder Verständnisphase) und der Synthese (auch Enkodier-, Rekonstruktions- oder Reverbalisierungsphase). Der Ausgangstext (AT) wird in der ersten Phase vom Translator rezipiert und in möglichst all seinen Aspekten erfasst und analysiert und in der zweiten Phase zielsprachlich neuformuliert.[4]

   Dieses Modell spiegelt den Prozess der Übersetzung im Großen und Ganzen richtig, weil man die entsprechenden Termini der ZS tatsächlich nur mit der Hilfe der Wirklichkeit oder der wirklichen Situation auffinden kann. Es gibt Fälle, z.B. wenn ein Gegenstand oder eine Erscheinung keine entsprechende Benennung in der ZS aufweist, dann muss der Begriff vom Übersetzer kommen; dieser kennt den Gegenstand oder die Erscheinung der AS, und er soll ihn/sie auf irgend eine Art in die ZS übertragen. Man verfährt nach dem denotativen Modell, wenn man Realien oder Zeichen einer fremden Kultur übersetzen will. In diesem Fall kann der Übersetzer das fremde Wort so übernehmen, wie es in der AS erscheint, oder aber er kann ein Wort in der ZS erfinden, muß dann jedoch  unbedingt das Denotatum der AS kennen. Man übersetzt nach dem denotativen Modell auch dann, wenn ein Gegenstand, eine Ereignis oder eine Situation in der ZS nur auf eine einzige Weise beschrieben werden kann (z.B. Es lebe hoch!; Sã trãiascã!; Long live!).

   Das denotativen Modell hat leider auch einen Nachteil. Man kann nicht vermuten, dass der Übersetzer, nachdem er die Wirklichkeit untersucht hat, die Zeichen der AS vergißt und den betreffenden Teil der Wirklichkeit, die Erscheinung oder die Situation ausschließlich mit Hilfe der ZS kennzeichnet. Wenn es eine solche Situation gäbe, müßten wir vermuten, dass es in dieser mittleren Phase ein Denken ohne Sprache gibt, was selbstverständlich nicht in Frage kommt.[5] Das Zwei-Schritt-Schema beruht auf der Annahme, dass es sich beim Übersetzen um eine Verwechslung der Kodes handelt. „Das Zwei-Schritt-Schema suggeriert, dass rezeptive Kompetenz in AS und produktive Kompetenz in ZS bereits die Voraussetzung für das Translator-Sein bedeuteten.“ [6]

   In dieser Arbeit wurde als Beispieltext ein Abschnitt aus einem Roman eines rumäniendeutschen Autors gewählt, so konnte man leicht zeigen, dass die produktive Kompetenz des Übersetzers nicht zu sehr in Anspruch genommen wurde.

   Betrachten wir zunächst diesen Abschnitt des Romans:

Dies Land Sybembürgen ist allenthalben mit hohen Bergen umgeben, gleich wie ein statt mit guten Bollwerken von außen umbmaueret, vun inwendig wol mit stette erbauwen, unter welchen die führnembsten sint Cronenstett, Hermenstett, Scheßburg, Medwisch, Nösen, Clausenburg, Millenbach, Wyssenburg. Und es ist ein träfflich volck in diesem land, gebrauchen sich der teütschen sprachen.[7]

   Wenn man das liest, kann man gleich verschiedenen Namen erkennen, Namen einiger Städte, die für einen deutschen Leser irgendwie fremd klingen. Und jetzt entsteht eine merkwürdige Situation: die deutschen Leser nehmen zum Kenntnis, dass es sich um siebenbürgische Städte handelt; für den Rumäniendeutschen (inzwischen gibt es immer weniger!) haben diese Namen eine unmissverständliche Bedeutung. Aber wichtig wäre es zu wissen, wie die rumänischen Leser diesen Namen rezipieren. Der Text wurde von George Guþu wie folgt übersetzt:

Þara aceasta Transsilvania este împrejmuitã de peste tot cu munþi înalþi, asemeni unui oraº înzidit în afarã cu bastioane bune, având construite în interior multe oraºe, dintre care cele mai arãtoase sunt Cronenstett, Millenstett, Scheßburg, Medwisch, Nösen, Clausenburg, Millenbach, Wyssenburg. ªi existã un popor brav în aceastã þarã care se foloseºte de limba nemþeascã.[8]

   Beginnen wir mit dem Wort “Sybembürgen”. Das Wort erscheint bei Guþu als „Transsilvania“. Im Originaltext handelt es sich um einen Reisebericht von Sebastian Münster, „ein Mann aus der Lutherzeit“, wie Bergel ihn nennt. Natürlich erscheint das Wort „Siebenbürgen“ in einer archaischen Form, und diese Archaisierung wurde von Guþu im rumänischen Text wiedergegeben (er schreibt Transsilvania mit zwei „s“). Das ist alles verständlich, man könnte sagen, es sei eine „anständige“ Übersetzung. Wie geht es aber weiter? Die Namen der Städte erscheinen bei Guþu so, wie sie im deutschen Text anzutreffen sind. Der Übersetzer hat also seine Wahl getroffen: er hat diese Namen unverändert wiedergegeben, obwohl es für alle auch eine rumänische Entsprechung gibt. Ob er damit wieder archaisieren will, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen, aber das war wahrscheinlich seine Absicht. Die rumänischen Leser verstehen sicherlich nicht, worum es geht, und sie können sich die geographische Lage nicht problemlos vorstellen. Der Übersetzer hätte diesmal nicht archaisieren müssen, sondern (wenigstens in Klammer) die rumänische Entsprechungen zu zitieren gehabt.*1 Auch wenn er die zeitgenössischen deutschen Bezeichnungen verwendet hätte (z.B. statt Cronenstett Kronstadt usw.), hätten die rumänischen Leser die Absicht nicht verstehen können. Nicht einmal ein rumänischer Akademiker muss unbedingt wissen, was Scheßburg oder Hermenstett bedeutet, weil er einfach keine deutschen Vorfahren, Verwandten oder Bekannten besitzt und sich nicht mit archaischen Toponymen beschäftigt hat. Man könnte dem entgegenhalten, dass die schöne Wortklänge der Reformationszeit verloren gehen, wenn man die rumänischen Entsprechungen verwendet, aber wir sind der Meinung: man sollte lieber das „s“ in „Transsilvania“ opfern, statt im rumänischen Text Verwirrung anzurichten.*2 Außerdem erscheint „Hermenstett“ im rumänischen Text als „Millenstett“, hoffentlich handelt es sich dabei bloß um einen Druckfehler!*3

1.2. Das transformative Modell

   Es gibt eine Zwischenphase in dem Prozess der Übersetzung, die bei dem denotativen Modell (Zwei-Schritt-Schema) nicht berücksichtigt wurde. In dieser Zwischenphase spielt sich der eigentliche Transfer ab. Sie ist im Drei-Schritt-Schema[9] zwischen Verstehens- und Reproduktionsphase eingeschaltet, und daraus ergeben sich die drei Phasen: Analyse (Dekodierung, Verständnisphase – auch im Zwei-Schritt-Schema vorhanden), Transfer (Umkodierung – neues Element) und Synthese (Re- oder Neukodierung – auch im Zwei-Schritt-Schema vorhanden). Der Übersetzer löst die ausgangssprachliche Nachricht in ihre einfachsten und strukturell am leichtesten zu erkennenden Formen auf, dann transferiert er den ausgangssprachlichen Text auf diese Ebene und strukturiert ihn in der ZS, wie es für die von ihm ins Auge gefassten Leser am angemessensten ist. In der zweiten Phase tritt die translatorische Kompetenz des Translators zu ihrem Recht, weil der Übersetzer hier seine Strategien entwirft.

   Dieses transformative Modell beruht auf der Vorstellung, dass das Ziel des Übersetzens die „Realisierung einer sprachlichen Kommunikation zwischen Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, sei.“[10] Der Vorstellung, dass die Übersetzung eine Reihe von Transformationen innerhalb einer Sprache darstellt, kann in der Übersetzungskritik gut angewendet werden. Man kann dadurch den Grad der Äquivalenz leichter bestimmen. Eine Unvollkommenheit des Modells ist, dass es eben wie das denotative Modell, die AS und die ZS voneinander trennt und dabei nicht beachtet, welch wichtige Rolle die ausgangssprachliche Form bei der Formulierung des Textes in der ZS spielt.

Jeder Übersetzungsprozeß ist ein bipolarer Vorgang, der sich in der Gestaltung eines zielsprachlichen Textes unter ständiger Rückbindung an einen ausgangssprachlichen Text erfüllt. Dabei muß der Übersetzer sich ständig bemühen, optimale Äquivalenzen in der ZS zu finden und sich ebenso konsequent am ausgangssprachlichen Text orientieren, um sich der Adäquatheit dieser Äquivalenzen zu versichern.[11]

   Nehmen wir einige Worte aus unserem Beispieltext. „…wo der Bergkessel sich verengt und den Häusern, Türmen und Straßen die Luft abzuschnüren scheint.“[12] Das gibt der rumänische Text so wieder: „…într-un loc în care vãioaga dintre munþi se-ngusteazã, pãrând cã sufocã turnurile, casele ºi strãzile.“[13]

   Der Übersetzer ersetzt einen deutschen Ausdruck mit einem einzigen rumänischen Wort. Das ist ein sehr rationales Verfahren, weil er in der Transferphase die eigentliche Erscheinung sucht, und nachdem er diese Situation identifiziert, findet er eine sprachliche Form dafür in der ZS. Es wäre unangebracht, den Ausdruck wörtlich zu übersetzen, aber der erfahrene Übersetzer vermeidet solche Fallen. Auch an anderen Stellen beweist Guþu seiner Übersetzererfahrung*4: „es greift nach mir“[14]  wurde natürlich mit „dã sã mã cuprindã”[15] übersetzt und nicht mit „mã apucã“. Die letztere Lösung könnte für den Leser irreführend sein, außerdem könnte sie eine pejorative Wirkung haben. Es gibt eine Stelle, an welcher der Übersetzer den Originaltext überbietet. „Ich handelte wie unter einem Zwang[16], liest man im Deutschen, und in der Übertragung steht: „Acþionam ca sub imperiul unei constrângeri[17]. Im rumänischen Text gibt es hier einen gewissen Bedeutungs-Überschuß, was nicht begrüßenswert ist, weil der eigentliche Sinn nicht verändert wird, sondern nur stärker akzentuiert erscheint, aber eine solche Steigerung ist in der Regel erlaubt.*5

1.3. Das semantische Modell

   „Man beurteilt einen Autor meist nach seinem Stellvertreter, dem Übersetzer…“[18] Eben deswegen ist es sehr wichtig, dass der ZT inhaltlich, stilistisch und auch vom ästhetisch-künstlerischen Standpunkt aus den Originaltext wiedergibt. Die Anhänger des semantischen Modells behaupten, dass man eine völlige Übereinstimmung zwischen den AT und ZT nur dann verwirklichen kann, wenn man ständig den Sinn/die Bedeutung vor Augen hat. Der Sprecher kann bei einen einzigen Satz gewöhnlich entscheiden, ob er eindeutig oder mehrdeutig ist; bei zwei Sätzen kann man bestimmen, ob diese Sätze eine gemeinsame Bedeutung besitzen, d.h. ob sie Synonyme bilden. Das spielt in der Übersetzung eine wichtige Rolle. Nach dem semantischen Modell teilt der Übersetzer die Wörter der AS in semantische Bestandteilen auf, d.h. er führt den Originaltext während der ausgangssprachlicher Analyse nicht auf Grundlexeme und grammatische Strukturen zurück, sondern auf elementare semantische Strukturen, auf Seme (Grundbedeutungen). Der Übergang von einer Sprache in eine andere geschieht aufgrund einer semantischen Tiefenstruktur, einem System elementarer Bedeutungen. Das ist eine sehr „moderne“ Theorie, aber sie enthält keine Erklärung dafür, wie sich diese elementaren Bedeutungen innerhalb der semantischen Tiefenstruktur organisieren. Der Translator versteht zuerst den AT, dann drückt er in dem ZT aus, was er verstanden hat, d.h. den Sinn des Textes. Der Sinn eines jeden Textes bedeutet den gemeinsamen Teil, wie er in allen Texten anzutreffen sein könnte. Das semantische Modell spiegelt den Prozeß der Übersetzung von mehreren Standpunkten aus. Der Übersetzer führt die Sätze der AS tatsächlich auf Sinnverbindungen zurück, anstatt sie auf Grundlexeme oder grammatische Strukturen zurückzuführen.[19] Dieses Modell kann uns keine Antwort darauf geben, wie man verfahren sollte, wenn die ausgangssprachliche Form den zielsprachlichen Ausdruck gar nicht beeinflusst, deshalb muss man die zielsprachliche Entsprechung mit Hilfe der Sprechsituation oder des kommunikativen Zwecks finden.

   Was sollte z.B. der Übersetzer des Romans „Der Tanz in Ketten“ machen, wenn er Stellen im Originaltext entdeckt, die im Rumänischen durch andere Wendungen übertragbar sind?

Und wieder – während ich das Torzum Archivgebäude aufstieß und über die Steinköpfe des Hofs auf eine Holztreppe zuschritt – dachte ich:[20]

   So steht es in dem deutschen Text, aber im Rumänischen lautet ein Teil des Satzes:

…îndreptându-mi paºii pe pavajul de piatrã din curte spre o scarã de lemn, îmi ziceam din nou:[21]

   Nach dem semantischen Modell passen hier die Wörter aus dem AT und dem ZT nicht zueinander. In keiner Tiefenstruktur könnte “denken” als Äquivalent von “sagen” auftauchen. Die Übersetzung in diesem Fall ist genau so richtig, wie sie ist; die Wörter müssen nicht immer dieselbe Bedeutung haben, um im AT und ZT den gleichen Wert zu besitzen. So versagt in diesem Fall das semantische Modell, was beweist, dass ein Übersetzungsmodell sich außerordentlich schwer erarbeiten läßt.

1.4. Das Modell des Äquivalenzniveaus

   In Wirklichkeit will der Übersetzer immer den leichtesten Weg, den der sprachlichen Zeichen aus dem AT in den ZT, betreten; er wählt den mühevolleren Weg nur dann, wenn es anders nicht möglich ist. Während seiner Arbeit verwendet der Übersetzer mehrere Modelle, und das Niveau des Übergangs wird im Einzelfall von der jeweils konkreten Aufgabe des Übersetzers bestimmt.

   Komissarov[22] unterscheidet fünf Niveaus des Übergangs in seinem Werk:

1.     das Niveau der sprachlichen Zeichen;

2.     das Niveau der Äußerung;

3.     das Niveau der Mitteilung;

4.     das Niveau der Situation;

5.     das Niveau des kommunikativen Zwecks.

   Der russische Wissenschaftler geht davon aus, dass der Sprecher/der Sender immer ein Ziel verfolgt, z.B. will er den Leser über etwas informieren oder ihn beeinflussen. Dabei handelt es sich um das Niveau des kommunikativen Zwecks. Um dieses Ziel zu erreichen, informiert der Sender den Empfänger über Gegenstände, Personen oder Ereignisse und über die Verbindungen, die zwischen ihnen entstehen; so etwas nannte man das Niveau der Situation. Die Situation kann nicht in ihrer Ganzheit erfasst werden, man beschreibt immer und wieder ihre unterschiedlichen Aspekte. Alle Situationen können mit unterschiedlichen Mitteilungen beschrieben werden. Das bezeichnet man als das Niveau der Mitteilung. Wenn der Sender die Mitteilung bestimmt, muß er die sprachlichen Zeichen in eine bestimmte Ordnung einfügen. In dieser Reihe weisen die Elemente verschiedene Strukturen oder Abfolgen auf. Die Varianten unterscheiden sich voneinander nur in der Strukturierung der Mitteilung – das ist das Niveau der Äußerung. Schließlich können wir in unseren Äußerungen verschiedene Wörter anwenden und zwar auf dem Niveau der sprachlichen Zeichen.

   Nach Komissarov  ist demnach die Verwirklichung jedes Textes das Ergebnis einer differenzierten Wahl. Der Sender wählt unter mehreren Situationen aus  in Abhängigkeit vom jeweiligen kommunikativen Zweck; aus mehreren Äußerungen zwecks Feststellung und Mitteilung; und unter mehreren sprachlichen Zeichen während der Verwirklichung der Äußerungen. Im Falle von Textverständnis geht der Empfänger den gleichen Weg in umgekehrter Reihenfolge.Immer bestimmt der kommunikative Zweck die Wahl der zielsprachlichen Entsprechung: z.B. wenn es sich in dem AT um das sprachliche Verhalten des Einzelnen handelt. Einen weit verbreiteten und häufig erwähnten Fehler der Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche enthält folgender Satz: “’O, wie glücklich bin ich, dass Sie endlich gekommen sind’ – prallten die ‚r’-en im Munde der Gräfin.“ Um solche grobe Fehler zu vermeiden, muß man den kommunikativen Zweck ständig im Augen behalten. Das Modell von Komissarov beseitigt die Einseitigkeit des denotativen und transformativen Modells und spiegelt die Vielfalt der Entscheidungen während der Arbeit des Übersetzers, der nicht nur auf Grund einer einzigen Strategie zu handeln vermag. Der Übersetzer geht nicht immer diesen mühsamen Weg; in Wirklichkeit übersetzen die Translatoren die Elemente auf dem Niveau der sprachlichen Zeichen.[23]

 

 1.5. Die Übersetzung als Zusammenwirken von zwei Sprachen

   In der Tat kann man das ständige Hin und Her des Übersetzers zwischen der AS und der ZS beobachten; er erwägt das Verhältnis der ausgangssprachlichen und zielsprachlichen Zeichen zueinander und zur Wirklichkeit. Die zielsprachliche Entsprechung, die schon gefunden worden ist, kann das Verständnis des AT erleichtern oder aber in die Irre führen. Der Übersetzer muß manchmal Lösungen verwerfen, obwohl diese ihm in einem früheren Zustand der Übersetzung als richtig erschienen sind. Den Prozeß der Übersetzung kann man sich als das Zusammenwirken von zwei Sprachen vorstellen. Die linguistischen Modellen der Übersetzung tragen zu einem leichteren Verständnis des Übersetzungsprozesses bei.

…ein Werk wird einer inhaltlichen, stilistischen, u.U. auch ästhetisch-künstlerischen Wertung unterzogen, ein Autor und seine Schöpfung beurteilt, dies aber nun nicht anhand des originals, sondern aufgrund einer Übersetzung.[24]

   Eine gute Übersetzung*6 ist also ein Glied in einer Kette zum Erreichen eines Gesamtzieles, deren Zweck nicht in der Übersetzung, sondern in dem exakten Verständnis des Originaltextes besteht.

2. Äquivalenzforderungen an die Übersetzung

   „German Äquivalenz is a relatively new word, first recorded in Sanders‘ dictionary of 1876 with the definition ‚Wertgleichheit‘.“[25] Äquivalenz meint die Gleichwertigkeit des Textes der AS und der ZS; die Bestimmung dieses Begriffs ist ein wichtiges Anliegen der linguistischen Übersetzungstheorie: „What all the linguistically oriented schools of translation theory have in common however, is the central concept of translation equivalence (German Äquivalenz).“[26]

2.1. Eine allgemeine Bestimmung der Äquivalenz

   Der Übersetzer und der Leser stellen ihre jeweils eigenen Äquivalenzforderungen. Der Leser vermutet die Äquivalenz, während der Übersetzer sie hervorbringen muss. Von einer Übersetzung wird im allgemeinen erwartet, dass sie textgetreu ist. Das Verhalten des Lesers ist sehr einfach, er bringt das unbedingte Vertrauen auf: was er als Übersetzung in die Hand nimmt, hält er für ein Äquivalent des Originaltextes. Gefällt ihm das Werk nicht, hat er eine schlechte Meinung von dem Autor. Der Übersetzer möchte die Äquivalenz schaffen, aber das gelingt ihm nicht immer. Die Diskussion um Texttreue vs. Freiheit beim Übersetzen bewegt sich ständig im Kreise, weil es einerseits „Treue“ andererseits „sklavische Treue“[27] gibt, und man den Grad der Freiheit nicht immer genau bestimmen kann:

Äquivalenz soll beim Übersetzen hergestellt werden sowohl zwischen dem Gesamttext des Originals und der zielsprachlichen Version als auch zwischen den einzelnen Übersetzungseinheiten.[28]

   Manche Wissenschaftler, z.B. Katharina Reiß, halten die Äquivalenz für eine Bedingung der Übersetzung, und unter allen Umständen sollte diese Äquivalenz vollständig sein. Eine zweite Möglichkeit geht davon aus, dass die Äquivalenz nie vollständig sein kann. Der ZT stimmt nur teilweise mit dem AT überein, und man muss in beiden Fällen die gleichen Züge entdecken und systematisieren können. Eine dritte Richtung geht daraus aus, dass es so viele Realisationen von Äquivalenz gibt, so viele Texttypen vorhanden sind.

2.2. Die Äquivalenz-Auffassung von Catford

   In seinem „Linguistic Theory of Translation“ unterscheidet Catford zwischen „textual equivalence“ und „formal Correspondence“. Die „formale Korrespondenz“ – schreibt Catford – „ist jede Kategorie der ZS, über die man feststellen kann, dass sie genau jene Stelle in der Struktur der ZS besetzt, welche die entsprechende Kategorie der AS in der Struktur der AS.“ Jeder ZS-Ausdruck, der als „equivalent“ einer gegebenen AS-Form betrachtet wird, gilt als „textual equivalent“. Das ist eine ziemlich vage Bestimmung. Nach Catfords Meinung tritt die formale Korrespondenz sehr selten auf, weil die Sprachsysteme sehr unterschiedlich sind, und es passiert fast nie, dass ein Lexem oder eine grammatische Struktur die gleiche Stellung innerhalb der beiden Sprachsysteme einnimmt. Die Auffassung von Catford wurde von Mary Snell-Hornby heftig angegriffen. Sie hält Catfords Argumente für unzulänglich, und glaubt, dass man keine allgemein gültige Regel aufstellen kann, die auf alle Beispiele anwendbar ist:

Catford bases his approach on isolated and even absurdly simplistic sentences of the type propagated in theories of transformational grammar as well as on isolated words; from such examples he derives ‚translation rules‘, which fall far short of the complex problems presented by real-life translation.[29]

   Snell-Hornby weist auf die Ungenauigkeit und Ambiguität des Begriffs „Äquivalenz“ in der Übersetzungstheorie hin. Der stark vorbelastete Äquivalenzbegriff ist als Maßstab zur Beurteilung einer Übersetzung nicht geeignet, weil eine Symmetrie vorausgesetzt wird, die es zwischen zwei Sprachen nicht gibt.

2.3. Die Äquivalenz-Auffassung von Nida

   In „Toward a Science of Translating“ unterscheidet Nida zwei Äquivalenztypen: formale Äquivalenz und dynamische Äquivalenz. Er versteht unter formaler Äquivalenz etwas ganz anderes als Catford. Formale Äquivalenz entsteht, wenn der Übersetzer den AT für wichtig hält, und Inhalt und Form des AT beibehalten will. Tatsächlich gibt es eine Logik in diesem Sinn, denn Shakespeare-Übersetzungen z.B. kann man nur dann richtig genießen, wenn Inhalt und Form treu wiedergegeben wurden. Eine Theorie der Übersetzung nach der formalen Äquivalenz soll nicht verworfen werden, weil sie sich als eine wertvolle Art von Übersetzungen erweisen könnte, vor allem für bestimmte Texte und Empfänger.

   Im Falle der dynamischen Äquivalenz hat der Übersetzer ständig den ZT vor Augen. Der Empfänger soll den Eindruck erhalten: „Ich hätte das eben so gesagt, wie es in der Übersetzung steht.“ Nach der Meinung von Nida sollte der Übersetzer die Spuren der fremden Sprache beseitigen, dafür aber müsste er Veränderungen im Bereich der Lexik und Grammatik vornehmen. Die grammatischen Veränderungen kann man am leichtesten durchführen, weil sie aufgrund der unterschiedlichen Struktur der Sprachen sowieso verpflichtend sind:

Translating consists in reproducing in the receptor language the closest natural equivalent of the source language message, first in terms of meaning and secondly in terms of style.[30]

   Also Nida zufolge ist die Wiedergabe des Stils von großer Bedeutung. Der Übersetzer muss stets berücksichtigen, dass es zwischen zwei Sprachen große stilistische Unterschiede geben kann. Beispielsweise könnte die englische Prosa in rumänischer Übertragung trocken anmuten, deshalb sollte der Übersetzer versuchen, die stilistische Abstufungen einer Sprache dem Stil einer anderen anzupassen. Eine weitere Bedingung für eine gute Übersetzung wäre, dass die Übersetzung eine eben solche Wirkung bei den Lesern des ZT auslöse, wie der Originaltext bei den Lesern des AT. Bei der Bibelübersetzung für die Eskimos musste man darauf achten, dass diese den Begriff „Lamm“ nicht kennen. Deshalb hat man „Lamm Gottes“ durch „Seehund Gottes“ ersetzt.

2.4. Was soll in einer Übersetzung beibehalten werden?

   Was steuert den Übersetzer während der Übersetzung? Welches ist das wichtigste Moment der Übersetzung?  Im folgenden wird versucht, auf diese Fragen Antworten zu finden. Das wichtigste Moment einer Übersetzung ist ohne Zweifel der Codewechsel, ein Prozess, der oft Besonderheiten aufweisen kann. Es gibt übersetzungsspezifische Transformationsvorgänge, es gibt aber auch allgemeine Prinzipien, die vom Übersetzer befolgt werden müssen.

2.4.1. Das Prinzip der Befolgung der zielsprachlichen Norm

   Der Übersetzer muss die Verbindung zwischen zwei verschiedenen Sprachen herstellen, zwischen zwei Völkern, die verschiedene Sprachen sprechen, deshalb hält es der Übersetzer für sehr wichtig, dass der Leser der ZL (Zielliteratur) die entsprechende Information erhält; der Übersetzer ordnet seine Tätigkeit ganz diesem Zweck unter und befolgt dementsprechend einige allgemeine übersetzerische Prinzipien. Er kann unter den möglichen Lösungen in der ZS wählen und seine Wahl wird aufgrund der erwähnten Prinzipien getroffen. Das wichtigste Prinzip ist, dass der Leser der ZL berücksichtigt wird. Der Übersetzer gibt sich Mühe, sich so auszudrücken, dass der Leser der ZT die Übersetzung verstehen kann. Das heißt nichts anderes, als dass der Übersetzer die Normen der ZS befolgt.

2.4.2. Das Prinzip der Explizitation

   Der Übersetzer darf demnach unter mehreren möglichen Lösungen wählen, und er versucht immer diejenige Variante zu wählen, die explizit genug ist und besser erläutert als jede andere. Das wird als Prinzip der Explizitation bezeichnet. Es kann vorkommen, dass der Übersetzer zusätzliche Elemente mit der Absicht verwendet, eine bessere Aufklärung zu ermöglichen und dass er dabei Elemente verwendet, die in dem AT nicht vorhanden sind; es kann auch sein, dass er bloß Worte mit einem reicheren semantischen Umfeld sucht und die Satzstruktur auflockert, um den Text expliziter erscheinen zu lassen. Dadurch werden die Übersetzungen immer expliziter, ausführlicher und redundanter als das Original.

2.4.3. Das Prinzip der Befolgung der übersetzerischen Norm

   Der Übersetzer bündelt während seiner Arbeit Kenntnisse, er hat einen Beruf, der eigene Regeln befolgt. Die Erfahrung der vorangegangenen Übersetzergenerationen wird  an die Nachfolger weitergegeben; viele Übersetzer gehen so vor, wie sie es von ihren Vorgängern gelernt haben. Es ist deshalb durchaus möglich, dass die Übersetzer häufig traditionelle Verfahren verwenden und ihre Entscheidungen anhand des Wissens und der Erfahrungen namhafter Experten treffen. Es ist ebenso möglich, dass neben der Norm der ZS auch eine Norm der Übersetzung existiert. Ein Linguist hebräischer Herkunft, Gideon Toury, hat auf diese Norm der Übersetzung hingewiesen und sie untersucht. Eine allgemeingültige Norm gibt es nicht, es gibt bloß die Vermutung, dass die Übersetzer dazu neigen, manche Lösungen zu akzeptieren oder abzulehnen, weil schon die Vorgängergeneration es so getan hat.

2.4.4. Übersetzungsspezifische Transformationsvorgänge

   Die Übersetzerprinzipien implizieren allgemeine Übersetzerstrategien, mit deren Hilfe die Übersetzer ihre Tätigkeit ausüben, unabhängig davon, aus welcher Sprache und in welche Sprache sie übersetzen. Die Übersetzerstrategien werden von den Übersetzern routinemäßig eingesetzt. Diese Strategien erklären nicht alles, aber sie können manchmal als Ausgangspunkt für die Entscheidungen des Übersetzers dienen. Die Verwendung der allgemeinen Übersetzerstrategien ist die Grundlage der übersetzungsspezifische Transformationsoperationen.

2.4.5. Sprachspezifische Transformationsvorgänge

   Die Übersetzer verwenden während ihrer Tätigkeit auch individuelle Strategien. Es gibt Übersetzer, die den Satz aufteilen, andere Übersetzer würden so etwas nie tun, weil sie den AT für zu wichtig halten. Es gibt Übersetzer, die stets viele Verben benützen, d.h. sie formulieren den Text der AS so um, dass in der Struktur des ZT der Verbalkomplex vorherrscht. Andere Übersetzer halten die Einhaltung der gattungsspezifischen Normen für wichtiger als die Einhaltung der Übersetzernormen.

   Man muss darum mit einer Mannigfaltigkeit der individuellen Übersetzungsstrategien rechnen. Diese Strategien verdichten sich zu konkreten Sprachpaaren; der Übersetzer ist nicht einfacher Textvermittler, sondern auch ein Vermittler von Sprache. Es gehört zu seiner fachlichen Kompetenz, dass er seine eigene Strategien erarbeitet und anwendet. Er muss sich im Rahmen zweier Sprachen „frei bewegen“, indem er bestimmte Teile des AT routinemäßig übersetzt. Diese Routineoperationen sind die sprachspezifischen Transformationsoperationen.

2.4.6. Kulturspezifische Transformationsvorgänge

   Kulturspezifika (kulturelle Eigenheiten) sind für jede Übersetzung von herausragender Bedeutung. Man kann unterschiedliche Kulturmuster nicht ganzheitlich und systematisch beschreiben, weil der Begriff der Kultur heute noch sehr umfassend gefasst ist. Der amerikanischer Ethnologe Ward H. Goodenough gibt eine durchaus praktikable Definition der Kultur:

… culture is not a material phenomenon; it does not consist of things, people, behavior, or emotions. It is rather an organization of these things. It is the form of things that people have in mind, their models for perceiving, relating, and otherwise interpreting them. As such, the things people say and do, their social arrangements and events, are products or by-products of their culture as they apply it to the task of perceiving and dealing with their circumstances.[31]

   Alle literarische Texte sind Teil der Kultur, in der sie geschrieben wurden. Der Übersetzer eines literarischen Textes ist auch ein „Kulturvermittler“:

If language is an integral part of culture, the translator needs not only proficiency in two languages, he must also be at home in two cultures. In other words, he must be bilingual and bicultural. The extent of his knowledge, proficiency and perception determines not only his ability to produce the target text, but also his understanding of the source text.[32]

   Ein Übersetzer möchte sein Schäfchen ins Trockne bringen, also seine Strategien sowohl anhand der Sprachpaare, als auch der verschiedenen Kulturen entwerfen, um den Unterschied zwischen zwei (oder mehreren) Kulturen überbrücken zu können. Die routineartige Verwendung dieser Strategien legt den Grundstein für kulturspezifische Transformationsoperationen.

 

                                                         J. Buscha: Deutsches Übungsbuch. S. 33.

 

3. Übersetzung im Spiegel der Soziolinguistik

   Bezogen auf die literarische Übersetzung wird betont, dass nicht nur die Bedeutung, sondern auch der “Koloritwert” des Originals zu erhalten sei. Übersetzungen wiesen seit eh und je eine gesellschaftliche Bedeutung auf, oft erregte die “gesellschaftliche” Seite mehr Aufmerksamkeit als der sprachliche oder linguistische Part der Übersetzung. Aus soziolinguistischer Perspektive sind die grundlegenden Kategorien für die Beurteilung der Übersetzung Raum und Zeit (zur Zeit gehört auch das historische Selbstverständnis einer Welt). Der Stellenwert eines Textes ist stets ein Teil der menschlichen Kultur. Welche kulturspezifische Merkmale kennzeichnen demnach die Textsituation? Der Text besitzt in seiner Welt eine Funktion, die seine Texthaftigkeit begründet; es gibt einen Zusammenhang von Situation und kommunikativer Funktion des jeweiligen Textes. Im Folgenden werden Besonderheiten der Übersetzung anhand der konkreten Übersetzungsversion systematisch mit dem Ausgangstext verglichen und beschrieben.

3.1. Die Wiedergabe der sprachlichen Charakteristika

   Bei der Übersetzung von belletristischen Werken ist die Wiedergabe der Spracheigenheiten der Gestalten eines Romans, einer Erzählung usw. von besonderer Bedeutung. Die sprachspezifischen Merkmale der Gestalten wurden vom Autor (dem Sender) ausgearbeitet, deshalb ist es unumgänglich, sich mit den Beweggründen des Autors auseinanderzusetzen. Der Autor (Sender) ist bei seinem Text der “Gesetzgeber”, und die Situation des Translators (Übersetzers) ist durchaus mit der des Textproduzenten vergleichbar: er kann, entsprechend der Senderintention nach Vertextungsregeln und Konventionen der ZS den ZT innerhalb eines gewissen Sprachraums individuell gestalten oder die Gestaltungsmerkmale des AT nachahmen, vorausgesetzt, dass eine solche Nachahmung nicht gegen die ZS-Textnormen verstößt und tatsächlich möglich ist. Bei der Wiedergabe der sprachlichen Charakteristika wäre allerdings eine individuelle Gestaltung eben so gefährlich wie eine sklavische Nachahmung. Der Autor könnte in der ZS einige kulturspezifische  Ausdrücke individuell umformulieren, aber das bedeutet nicht, dass die Leser diese Formen problemlos verstehen können. Auch wenn es um eine Nachahmung geht, ist das Verständnis des ZT schwierig, weil die Bedeutungen der nachgeahmten Ausdrücke (Begriffe) für die Leser des ZT völlig im Dunkel bleiben.

   Wie könnte man die soziolinguistische Spezifika der Sprache in einer Übersetzung beibehalten? Wie könnte der Translator diese Spezifika wiedergeben? Für einen guten Übersetzer sind alle vom Autor und vom Text vorgegebenen Daten (Informationen) relevant, wenn er eine gute Übersetzung vorlegen will:*7

Innerhalb des durch Zeit, Raum, Kultur und durch die Grundfunktionen der Kommunikation vorgegeben Rahmens sind zunächst alle Daten relevant, die Aufschluß geben können über die Intention des Senders, über den von ihm angesprochenen Empfängerkreis mit seinem kulturellen Hintergrund, Ort, Zeit und Anlaß der Textproduktion, sowie solche Daten, die Hinweise auf bestimmte zu erwartende textinterne Merkmale (idiolektale, dialektale, soziolektale Sprachvarianten, Epochenstil usw.)geben können.[33]

   Das führt uns z.B. zu folgenden Fragen: Woher stammt der Sender? Wann ist er geboren/hat er geschrieben? Welche besonderen Ereignisse in seinem Leben haben sein Denken und Fühlen geprägt? Nun muß man prüfen, wie die benötigten Senderdaten zu beschaffen sind. Zu dieser Arbeit wurden wertvolle Informationen vom Autor selbst geliefert.

Für die folgenden Romanpersonen gibt es reale Vorbilder: Peter Römers, Herbert Alischer, Rolf Kaltendorff (nur der Kaltendorff des Kapitels Das Schattenkabinett!). Außerdem: Gisela, Stella, Kokosch, Stavaride, Kollár, [...] Trifa, Christiane. Die realen Namen dieser Personen nenne ich hier nicht; zum Teil leben sie noch.[34]

   Man kann sehen, dass die Gestalten des Romans meist aus dem realen Leben genommen sind, deshalb kann der Autor ihre Sprechweise an einigen Orten wirklichkeitstreu wiedergeben. Was tut der Übersetzer bei der Wiedergabe dieser Charakteristika?

   Guþu kennt alle relevanten Informationen zum Roman, und er kann die sprachlichen Eigenheiten dementsprechend adäquat ins Rumänische übertragen. Im deutschen Text sprechen an einer Stelle der Hauptmann und der Unteroffizier über Kokosch, und die Sprechweise der Offiziere wird im Rumänischen penibel*8 genau wiedergeben.

Der Hauptmann ... fragte den Unteroffizier: ‘Sagen Sie, wer ist der Kerl da im letzten Glied? Ja, der – der da rumsteht wie im Foyer des Theaters.’ Der Unteroffizier knallte die Hacken zusammen und schrie: ‘Genosse Hauptmann, das ist der Kokosch! […] Das ist der Tausendsassa des ganzen Lagers, Genosse Hauptmann, ein Zauberer, jawohl! Der macht wie die Straßenbahn in Bukarest, wenn sie bremst, wie eine Bruthenne oder wie eine läufige Kuh, wie eine dreijährige, jawohl! Der zerschlägt mit einem Fausthieb einen kopfgroßen Stein und, der Teufel hol’mich, Genosse Hauptmann, wenn er will, kann er sogar den Teufel nachahmen, ha, nicht nur einen, Genosse Hauptmann, der ahmt alle Teufel dieser Welt nach!’[35]

   Im rumänischen Text wird das wie folgt wiedergegeben:

„Cãpitanul ... îl întrebã pe subofiþer: ‘Spuneþi-mi, cine-i individul din ultimul rând? Da, ãla care stã de parcã-i întru-n foaier de teatru.’ Subofiþerul bãtu din cizme ºi strigã: ‘Tovarãºe cãpitan, ãsta-i Cocoº! […] Ãsta-i un drac de om, în tot lagãrul, tovarãºe cãpitan, un vrãjitor, da, chiar aºa! Face ca tramvaiul din Bucureºti care pune frânã, ca cloºca, sau ca o vacã în cãlduri în vârstã de teri ani, da, chiar aºa! Cu o singurã loviturã de pumn sparge o piatrã cât capul de groasã ºi, sã mã ia dracu’, tovarãºe cãpitan, dacã vrea, poate sã-l imite ºi pe diavol, ba, ce zic unul, tovarãºe cãpitan, pe toþi diavolii din lume!’“[36]

   Der Erzähler dieses Kapitels mit dem Titel Der Teufelstriller ist Hans Bergel selbst, er kannte Kokosch[37] und die anderen Protagonisten der Szene persönlich. Deshalb kann er die Sprache einer bestimmten Gesellschaftsschicht so exakt wiedergeben, und deshalb hat auch der Übersetzer hier eine ziemlich einfache Aufgabe: Er muß nur die entsprechenden Termini in seiner eigenen Sprache finden.*9

   Es hätte sein können, dass Kokosch in irgendeinem deutschen Dialekt spricht (diesenfalls hätte der Autor den Lokalkolorit auf Deutsch wiedergegeben), dann hätte Guþu seinerseits üerlegen müssen, ob es möglich gewesen wäre, einen rumänischen Dialekt für den deutschen Originaltext auszuwählen.

3.2. Die Übersetzung der Dialekteigentümlichkeiten

   In einigen literarischen Werken verwendet der Autor einen Dialekt, um den Lokalkolorit wiederzugeben. Diese Werke heißen in der Regel Landesromane und nicht Regionalromane, wie dies von manchen Kritikern behauptet wird. In einem Regionalroman geht es um die Darstellung einer Region, aber der Autor selbst verwendet dazu weder Dialekt noch regionale Umgangssprache. In einem Dialekt wird jedoch der Landesroman geschrieben, und eben weil im Text viele spezifische Ausdrücke vorhanden sind, wird die Übersetzung eines solchen Textes schwieriger. Was macht der Übersetzer, wenn er z.B. einen deutschen Text erhält, dieser Text aber in einem Dialekt geschrieben wurde, der dann in eine andere Sprache, in unserem Fall ins Rumänische, übersetzt werden muss? Durch welche rumänische Mundart kann man beispielsweise das Bayerische ersetzen? Oder das Schwäbische? Es scheint hoffnungslos, einen solchen rumänischen Dialekt zu finden, mit dem man dann die Atmosphäre eines deutschen Romans, der im Dialekt geschrieben wurde, wiedergeben könnte.*10

3.3. Sprachspezifische Realien

   In dem Roman Der Tanz in Ketten handelt es sich zum Glück nicht um einen Dialekt, trotzdem gibt es hier und dort sprachspezifische Realien. Was ist bei diesem Thema überraschend? Genannte Realien sind nicht nur deutsche Wörter, sondern auch rumänische und ungarische, denn der Schriftsteller stammt aus einer Umgebung, wo alle drei Sprachen (Deutsch, Rumänisch und Ungarisch) nebeneinander im Gebrauch waren. Das führte dazu, dass an manchen Stellen die Übersetzung sehr schwierig ist, an anderen Stellen wieder leicht fällt; darauf  wird später noch eingegangen.

   Es gibt eine äußerst interessante Stelle des Romans, und eine dort angebotene, noch interessantere Lösung des Übersetzers. Im deutschen Text lesen wir:

Sie [darunter sind die saxones gemeint] kamen, erfuhr ich, in den Tagen der Staufenkaiser rheinauf –und donauabwärts auf der Nibelungenstraße, dann durch die ungarische Pußta, durch die Samosch – Pässe und über die Hügel im Norden ins unerschlossene, fast menschenöde Hochland, als städte-, burgen- und straßenbauende ‘Gäste’ von den Königen der ungarischen Stephanskrone gerufen.[38]

   Diese Stelle kann man auch im rumänischen Text wieder antreffen:

Au venit aici, dupã cum am aflat, pe vremea împãraþilor din dinastia Staufen, coborând de-a lungul Rinului ºi al Dunãrii, pe drumul nubelungilor, apoi prin pusta ungarã, prin strâmtorile Someºului ºi printer colinele din nord pânã la podiºul încã neexplorat, aproape lipsit de populaþie, chemaþi de regii*11 ungureºti a lui ªtefan în calitate de ‘oaspeþi’ care sã construiascã oraºe, cetãþi ºi drumuri.[39]

   Im deutschen Text gibt es vier deutsche und drei ungarische Wörter, die sehr genau ins Rumänische übersetzt werden sollten, damit die Leser verstehen, worum es sich handelt. Die deutschen Wörter sind: Stauferkaiser, rheinauf, donauabwärts, Nibelungenstraße. Die ungarische Wörter: Pußta, Samosch-Pässe und Stephanskrone. Der Begriff Gäste (rum. oaspeþi) wurde hier nicht behandelt, weil es offensichtlich ist, dass der Übersetzer den rumänischen Ausdruck unmittelbar aus dem Lateinischen übernommen hat (oaspeþi = lat. hospites), und das war die einzige und außerdem die angemessendste Lösung, weil die Sachsen in dem berühmten Siedlungsbrief als hospites bezeichnet wurden.

   Über den Siedlungsbrief! Es hieß (und heißt auch jetzt) das Andreanum, denn der ungarische König, Andreas II. (II. András) war derjenige, der die saxones nach Siebenbürgen gerufen hat. In der deutschen Variante wird das so ausgedrückt: „von den Königen der ungarischen Stephanskrone gerufen“. Das ist auch richtig, weil König Stephan (ung. István) der Begründer des ungarischen Staates und damit der erste ungarische König war; deshalb können alle späteren Könige (auch Andreas II.) als Nachfolger von Stephan, also Angehörige der Stephanskrone bezeichnet werden, um so mehr, als alle diese Könige – bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts - aus der Árpádendynastie stammen.

   In der rumänischen Übersetzung liest man: „chemaþi de regii coroanei ungureºti a lui ªtefan...” Das ist ungefähr dasselbe, aber man muss darauf aufpassen, dass hier eigentlich nicht Stephan am wichtigsten ist, sondern die Krone, und die Siebenbürger Sachsen wurden von Andreas und nicht von Stephan gerufen. Nicht der Name des ersten Königs sollte betont werden, sondern die staatliche Einheit, die König Stephan I. geschaffen hat; das ist dem deutschen Text eindeutig zu entnehmen.*12

   Die anderen beiden ungarischen Worte, Samosch und Pussta,  haben in der rumänischen Version unterschiedliche Schicksale. Aus Samosch wurde Someº, und natürlich verstehen die rumänischen Leser, worum es geht, aber Pußta bleibt auch im Rumänischen  pusta, und man kann sicher sein, dass ein Großteil der rumänischen Leser keine Ahnung hat, was pusta (ung. puszta) eigentlich bedeutet. Der Übersetzer müßte deshalb in einer Fußnote die Bedeutung des Wortes erläutern.*13

   Die deutschen Wörter sind oft leicht zu übersetzen: die Stauferkaiser, rheinauf und donauabwärts bereiteten dem Übersetzer keinerlei Schwierigkeiten. Es gab eine Entsprechung für allen diese Wörter auch in der ZS. Aber was macht man mit Nibelungenstraße? Der Ausdruck wurde mit drumul nibelungilor übersetzt, also Straße mit drum, und das war richtig und fiel dem Übersetzer keineswegs schwer. Der rumänische Leser weiß allerdings immer noch nicht, wer die Nibelungen sind. Das sollte in einer Fußnote oder wenigstens innerhalb des Textes (obwohl die letzte Variante nicht zu empfehlen ist!) erläutert werden.*14

   Es gibt noch einen interessanten Fall, einen merkwürdigen Namen im Roman: Kokosch. Dieser Name erscheint in der Übersetzung als Cocoº; die Bedeutung dieses Wortes auf Rumänisch ist Hahn. Cocoº war der Name eines Freundes des Autors (früher wurde schon darauf hingewiesen, dass Hans Bergel Cocoº persönlich gekannt hat); dieser Name verliert im deutschen Text jegliche Schattierung. Dieser Cocoº wurde im Roman als der Teufelstriller bezeichnet (ein ganzes Kapitel trägt diesen Titel), und eben deshalb ist es sehr wichtig, dass er diesen Namen trägt, denn er heißt Teufelstriller, weil er so viele Laute nachahmen kann. Diese Eigenschaft hat auch etwas mit den Besonderheiten eines Hahnes zu tun. In der deutschen Variante erscheint aber der Name Kokosch, und der deutsche Leser fühlt die feine Schattierung im Namen des Teufelstrillers nicht. Hier handelt es sich eigentlich nicht um ein übersetzerisches Manko, sondern der Autor hat einfach eine Wahl getroffen, weil der Autor derjenige ist, der den rumänischen Namen zuerst ins Deutsche übertrug, und erst danach wurde dieser Name wieder ins Rumänische „rückübersetzt“.*15

   Man kann ruhig behaupten, dass man es – wenn man die Realien einer Sprache ganz einfach in eine andere überträgt – geschehen kann, dass ohne erläuternde Anmerkungen die Leser den ZT nicht verstehen. Wenn man diese Realien mit einem anderen Ausdruck der ZS ersetzen will, erleidet das Kolorit dieser Wörter Einbüsse, und es besteht die Gefahr, dass der Nuancenreichtung der Übersetzung eingeschränkt werden kann. Bei der Übertragung der Realien muß man sowohl die AS, als auch die ZS in Betracht ziehen, und beide sehr gut kennen, was nicht einfach ist.

   Das wichtigste Ereignis der Übersetzung ist der Kodewechsel. Es gibt Verfahren, die abhängig von den Sprachpaaren oder Gattungen vom Übersetzer immer vorgenommen werden müssten; diese sind sehr wichtige, die allerwichtigsten Transformationsverfahren. Im folgenden werden Transformationsverfahren behandelt, die aus der Perspektive der Soziolinguistik unerlässlich sind; außerdem durch wird die Erläuterung dieser Verfahren deutlich gemacht, warum die Übersetzung eines rumäniendeutschen Romans so interessant und wichtig ist. Als Transformationsverfahren wurden hier alle Verfahren behandelt, die der Übersetzer verwendet, um aus einem AT einen ZT zu schaffen. Der Übersetzer dekodiert die Kode einer Sprache, aber gleichzeitig stellt er Betrachtungen über Formen der AS und der ZS, und er verwandelt (transformiert) sie aus der AS in die ZS.

   Eine sehr schwere Aufgabe wäre die Dekodierung der spezifischen Ausdrücke einer AS. Die einzelnen Worte benötigen eine sehr genaue Übersetzung, was leider nicht immer möglich ist. Es gibt dennoch einige Transformationsverfahren, vor allem solche lexikalischer Art, die in solchen Fällen mit Erfolg eingesetzt werden könnten. Diese Transformationsverfahren finden auf der Ebene der Wörter, Wortverknüpfungen oder Syntagmen statt. Was während der Übersetzung unverändert bleiben sollte, ist der Sinn des Textes, deshalb kann es geschehen, dass im Bereich der Lexik der AS und der ZS Unterschiede auftauchen, weil jeder Sprache die Wirklichkeit anders aufgliedert.

   Und jetzt soll die Erklärung dafür folgen, warum gesagt wurde, dass die Übersetzung eines rumäniendeutschen Romans wichtig oder interessant, auch sehr kompliziert ist. Alles dreht sich um den Wortschatz. Der Wortschatz eines solchen Romans (in unserm Fall ist es ein Roman, aber natürlich könnte es sich auch um eine andere literarische Gattung handeln) enthält Ausdrücke, die zwar nicht für die AS, dafür umso mehr für die ZS verständlich sind, weil der Schriftsteller oft Worte und Begriffe seiner Heimat einfügt, und diese werden in der Übersetzung als bekannt vorausgesetzt; der Übersetzer muß sich nicht die Mühe geben, entsprechende Ausdrücke für die Realien zu finden. Im Text kommen solche Wörter, wie Piaþa Chibrit, Strada Cavaleria oder Floreasca Park vor; Guþu muss diese Wörter nicht mehr umwandeln, was stellenweise seine Aufgabe erleichtert. Aber nur manchmal. Denn es kann vorkommen, dass es in der ZS wirklich keinen Ausdruck für ein Wort der AS gibt, z.B. im Falle der phraseologischen Wendungen, dann muß der Übersetzer nach einer Entsprechung dafür in seiner eigenen Sprache suchen, was keine leichte Aufgabe ist. Und es gibt nicht nur phraseologische Wendungen, sondern auch Wortspiele, die sehr schwer zu übersetzen sind. An einer Stelle des AT steht: „Solche Geschichten ... gehören zu ihrem Hexen-Einmaleins...“[40] Die Rede ist hier natürlich von Sicherheitspolizei, aber wie übersetzt man Hexen-Einmaleins ins Rumänische? „Poveºti dintr-astea ... fac parte din repertoriul lor vrãjitoresc...“[41]

   Man kann sehen, dass es im Rumänischen keine genaue Entsprechung für den deutschen Ausdruck gibt. Der Übersetzer löst die Situation, wie er kann, übrigens löst er sie sehr gut, weil man das in der ZS nur so hätte sagen können. Aber die Entsprechung wird trotzdem länger, und hat auch einen erläuternden Charakter, den sie eigentlich nicht haben sollte.

   Oder es gibt im AT ein Wortspiel in Versform: „Wiedewiedewitt-Bumbum!-sang er und rief: ‘Alle singen und marschieren mit’.“[42] Im Rumänischen wurde dieser Textabschnitt wie folgt wiedergegeben: „Hopa-hopa-hopa-hop-bum-bum!-zise el strigând: ‘Toatã lumea cântã ºi se-ncoloneazã’.“[43] Auch hier konnte der Übersetzer die Aufgabe nicht endgültig zufriedenstellend lösen, denn marschieren bedeutet nicht se-ncoloneazã*16, trotzdem ist das Lösungsnagebot akzeptabel, weil die Lösung in der ZS natürlich klingt, was bei Übertragungen sehr wichtig ist. Und es gibt noch Ausdrücke, wie „keinen Sitzfleisch haben“ oder „Höflichkeitsfloskel“, für die der Übersetzer nicht immer annehmbare Lösungen finden kann, und er macht jedes Mal das Bestmöglichste daraus.*17

   Die Übertragung eines rumäniendeutschen Romans fällt manchmal schwer, manchmal gelingt sie bestens, ebenso wie es im Leben eines immer kleiner werdenden Volkes innerhalb des Karpatenbogens vorkommen kann. Schon allein deshalb wäre die Übersetzung solcher Romane – die Ist-Situationen festhalten - äußerst begrüßenswert. George Guþu hat große Anstrengungen unternommen, und es hat sich gelohnt, wenn man die Äußerung Hans Bergels selbst berücksichtigt:

   Erst beim Lesen der Guþu-Übersetzung habe ich die Absicht erkannt, die mich bei der Niederschrift leitete.[44] *18

 

Literatur:

Quellen:

6.     Bergel, Hans: Der Tanz in Ketten. 3. Aufl. Innsbruck: Wort und Welt 1995.

7.     Bergel, Hans: Dans în lanþuri.Übers.von George Guþu. Braºov: Arania 1994.

Sekundärliteratur:

8.     Gerzymisch-Arbogast, Heidrun: Übersetzungswissenschaftliches Propädeutikum. Tübingen: Francke 1994.

9.     Klaudy, Kinga: Bevezetés a forditás elméletébe. Budapest: Scholastica 1999.

10.  Klaudy, Kinga: Bevezetés a forditás gyakorlatába. Budapest: Scholastica 1999.

11.  Koller, Werner: Einführung in die Übersetzungswissenschaft. Heidelberg 1979.

12.  Newmark, Peter: Approaches to Translation. Oxford; Frankfurt/M. 1981.

13.  Nida, Eugene: Towards a science of Translating. Leiden 1964.

14.  Nord, Christiane: Textanalyse und Übersetzen. Theoretische Grundlagen, Methode und didaktische Anwendung einer übersetzungsrelevanten Textanalyse. 2. Aufl. Heidelberg: Julius Groos 1991.

15.  Reiß, Katharina: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik. München: Max Hueber 1971.

16.  Snell-Hornby, Mary: Translation Studies. An Integrated Approach. Amsterdam: J. Benjamin Publ. Comp. 1988.

17.  Übersetzen, verstehen, Brücken bauen. B.8. Göttinger Beiträge zur internationalen Übersetzungs-forschung. Hrsg. Von Armin Paul Frank u.a. Erich Schmidt Vl. Berlin.1993.


 


*) Da der Schriftleiter der ZGR auch der Übersetzer des hier untersuchten Romans von Bergel ist, wäre nicht uninteressant, experimentell (gelegenetlich) auch seine Sicht der Dinge anzubringen – freilich nur dort, wo wissenschaftlichem Herangehen das Eindringen in – zugegeben schwer nachvollziehbare - Denkmechanismen versagt.

[1] Vgl. Nida, Eugene A.: Towards a Science of Translating. Leiden 1964.

[2] Vgl. Gerzümisch-Arbogast, Heidrun: Übersetzungswissenschaftliches Propädeutikum. Tübingen: Francke 1994, S. 28-29.

[3] Vgl. Nord, Christiane: Textanalyse und Übersetzen. Theoretische Grundlagen, Methode und didaktische Anwendung einer übersetzungsrelevanten Textanalyse. 2. Auflage. Heidelberg 1991, S. 34.

[4] Nord, Christiane: Textanalyse und Übersetzen, S. 34.

[5] Vgl. Klaudy, Kinga: Bevezetés a forditás elméletébe. Scholastica. Budapest 1999.

[6] Nord, Christiane: Textanalyse und Übersetzen, S. 35.

[7] Bergel, Hans: Der Tanz in Ketten. Innsbruck: Wort und Welt 1995.

[8] Bergel, Hans: Dans în lanþuri. Braºov:  Arania 1994. Übersetzung von George Guþu.

*1 Eine Relativierung der Aussage der Wissenschaftlerin wäre hier sehr wohl am Platze gewesen: Wir (d.h. die Verfasserin) meinen, wir hätten an dieser Stelle so ... verfahren etc. Sie kann dem Übersetzer nichts vorschreiben, auch im Nachhinein nicht. Sie darf, ja muß ihre Meinung äußern, ohne jedoch den Übersetzer in ein Prokrustes Bett hinein zu zwängen. (G.G.)

*2 Theorien lassen sich immer durch Übersetzungspraxis weder ganz bestätigen noch ganz widersprechen. Theorien, auch wissenschaftliche, sind bloß Sicht-Weisen, Stand-Punkte, Blick-Winkeln. Der Übersetzer hatte mehr Vertrauen in die Bildungsfähigkeit seiner Leser, die sich über den Zusammenhang Transilvania (d.h. Siebenbürgen) und Deutsche leicht informieren, logischerweise auch schnell herausbekommen können, was hinter den archaischen Bezeichnungen steckt. Übersetzung darf nicht bloß Vorgekautes anbieten, sondern auch anstacheln, neugierig machen, produktive „Verwirrung“ stiften, damit sich der Leser regt, mit denkt, ja mit übersetzt. (G.G.)

*3 Es handelt sich um einen bedauerlichen Eingabefehler – in vorwegnehmender Kontamination mit „Millenbach“/Mühlbach. (G.G.)

[9] Vgl. Nord, Christiane: Textanalyse und Übersetzen, S. 35.

[10] Komissarov, V.N.: A forditás folyamatának nyelvészeti modelljei. In: A forditás tudomány. (verf. von Bart István u. Klaudy Kinga. Tankönyvkiadó. Budapest 1986, S. 151.

[11] Reiß, Katharina: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik. München.: Hueber 1971, S. 11.

[12] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten. S. 150.

[13] Bergel, H.: Dans în lanþuri, S. 118.

*4 Übersetzererfahrung ist vielleicht das Gefährlichste am ganzen Verfahren. Sie kann leicht der Routine Vorschub leisten, den Übersetzer blind machen gegenüber neuen Lösungsmöglichkeiten, infolge dessen seine luzide Kreativität erlahmen lassen. Der Übersetzer muß stets auf Abenteuer aus sein, waghalsig neue Pfade aufspüren und befolgen – Lavinen von Mißverständnissen zum Trotz. (G.G.)

[14] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten, S. 150.

[15] Bergel, H.: Dans în lanþuri, S. 119.

[16] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten, S. 151.

[17] Bergel, H.: Dans în lanþuri, S. 119.

*5 Man achte auf fragwürdige Begriffe wie „begrüßenswert“, „Regel“ bzw. „erlauben“; wer begrüßt wen/was? Wer stellt die Regel auf? Wer erlaubt – was genau?! Doch nicht etwa der Wissenschaftler?! Übersetzungspraxis ist – vor allem, überwiegend jedoch in der Belletristik - ständig regelwidrig, weil immer wieder einfallsreich, nicht selten ein (auch als halsbrecherisch in Kauf genommenes) Wagnis, ein Versuch, über den eigenen Schatten zu springen, innere Verzweiflung angesichts des über-zu-setzenden Textes. Die Verzweiflung will in einem unverkennbar exorzierenden sprachlichen Wutausbruch im Zielsprachlichen vollgültig, kreativ-verständlich ankommen. (G.G.)

[18] Reiß, K.: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzung, S.10.

[19] Vgl. Klaudy, K.: Bevezetés a forditás elméletébe, S. 81 ff.

[20] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten, S. 150.

[21] Bergel, H.: Dans în lanþuri, S. 119.

[22] Vgl. Komissarov, V. N.: A forditás folyamatának nyelvészeti modellje, S. 153.

[23] Vgl. Klaudy, K.: Bevezetés a forditás elméletébe, S. 85.

[24] Reiß, K.: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzung, S. 10.

*6 Stereotyper, wissenschaftlich vollkommen unbrauchbarer, weil subjektiv-vager Evaluierungsvergriff. Übersetzungsleistung liegt jenseits von „gut“/“schlecht“, auch wenn dieses <jenseits> unter Umständen genau ein <Dazwischen> darstellen könnte/dürfte. (G.G.)

[25] Snell-Hornby, Mary: Translation Studies. An Integrated Approach. Amsterdam 1988, S. 17.

[26] Vgl. a.a.O., S. 15.

[27] Vgl. Nord, Ch.: Textanalyse und Übersetzen, S. 25.

[28] Reiß, K.: Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik, S. 11ff.

[29] Snell-Hornby, M.: Tanslation Studies, S. 20.

[30] Nida, E.: Towards a Science of Translating, S. 12.

[31] Goodenough, Ward H.: Cultural Anthropology and Linguistics. 1964, S. 36. In: Snell-Hornby, M. Translation studies, S. 40.

[32] Snell-Hornby, M.: Translation Studies, S. 42.

*7 Immer wieder der breite Angriffsflächen bietende Umgang mit qualitativ unfaßbaren Begriffen: „guter Übersetzer“, „gute Übersetzung“. (G.G.)

[33] Nord, Ch.: Textanalyse und Übersetzen. S. 50-51.

[34] Bergel, Hans. Brief an Széll Anita vom 20.03.2003, S. 2.

*8 Angemessener, Mißverständnisse vermeidender müßte es hier heißen: „akribisch“. (G.G.)

[35] Bergel, Hans: Der Tanz in Ketten. S. 174-175.

[36] Bergel, Hans: Dans în lanþuri. S. 137-138.

[37]Kokosch in Dem Teufelstriller hieß realiter Cocoº und war ein Freund von mir (in diesem Kapitel ist nichts von mir dazukomponiert, die Handlung ereignete sich so wie geschildert)...“ Hans Bergel: Brief an Széll Anita, siehe oben,  S. 2.

*9 Nichts kann beim Übersetzen „einfach“ sein. Alles ist qualvoll Erkämpftes im Ringen mit der Trägheit sprachlichen Ausdrucks, mit der Verlockung der leicht, unüberprüft, naiv erfaßten, platten Wiedergabe. Wenn der Autor Niederungen und Gipfeln seiner Sprache beherrscht, so muß der Übersetzer auf seiner Höhe sein – und zwar sowohl in der Ausgangs- als auch in der Zielsprache. Sonst ist das Eklat vorprogrammiert. (G.G.)

*10 Hoffnungslosigkeit sitzt dem Übersetzer im Nacken, schaut ihm über die Schulter und lacht sich ins Fäustchen: gelegentlich laufen ihr die Augen über, wenn sich der Übersetzer angesichts eines nach seinen Kriterien und nach seinem Empfinden angemessenen Äquivalentes vor (Schaden)Freude die Hände reibt. Auch in dem hier angesprochenen Fall hat der Übersetzer nach einer akzeptablen, meist kompromißlerisch angelegten Lösung zu suchen: Möglich wäre es, eine der jeweiligen rumänischen Mundarten zu gebrauchen, wobei kulturfeldbedingt die moldauische archaisierender, die oltenische karikierender, die Banater dagegen belustigender wirken könnte. (G.G.)

[38] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten. S.153.

*11 Falsch zitiert! Siehe weiter unten, wo richtig zitiert wird. Hier wurde gerade die Hauptsache ausgelassen: „coroanei“, was zu Verständnisschwierigkeiten führte. Siehe unsere nächste Anmerkung. (G.G.)

Als Redakteur und Textverarbeiter war ich kollegialerweise, wie das in den nun fast 13 Jahren seit Erscheinen der ZGR tausendfach geschehen, geneigt, diesen Schönheitsfehler stillschweigend auszumerzen, doch die etwas weiter folgenden Ausführungen ermahnten mich, diesmal nicht wie gewohnt zu verfahren, sondern auf scheinbar kleine Risiken hinzuweisen, die der Analyse Streiche spielen können. (G.G.)

[39] Bergel, H.: Dans în lanþuri. S.121.

*12 Auch dem rumänischen. Nun, es liegt auf der Hand, daß nicht nur die Übersetzer, sondern auch Wissenschaftler (neben dem Zitierverfahren) durchuas hermeneutisch-denotative Probleme haben können. Eindeutig liegt der Akzent des übersetzten Textes an dieser Stelle genau dort, wo er auch im Originaltext liegt: bei den „Königen der ungarichen Stefanskrone“ („regii coroanei ungureºti a lui ªtefan“). Die Könige einer chronologisch vorher etablierten Krone (freilich Symbol eines Einheitsstaates) dürfte keiner von den Lesern mit dem moldauischen Fürsten ªtefan verwechseln. Was den Übersetzer anbetrifft, so wußte er durchaus, daß es sich im Falle des hier verwendeten Begriffs „Krone“ kontextbedingt um ein pars pro toto handelte. Dieser Erkenntnis trägt die rumänische Fassung voll Rechnung. (G.G.)

*13 Die Fußnote erweist sich allerdings hier als nötiger als dort. Denn da liegt ein totaler Irrtum vor. Man schlage nur in einem einfachen Wörterbuch der rumänischen Sprache nach – das Wort „pusta, pustã ist überall zu finden, so daß es durchaus anzunehmen ist, daß jeder halbwegs durch die Schule gegangene rumänische Leser mit diesem Wort nicht die geringste Schwierigkeit hat. Es verhält sich hier wie mit den Wörtern: „savana, savanã” „tundra, tundrã”. Ein bißchen Allgemeinbildung setzt der Übersetzer bei seinen Lesern schon voraus! Wenn sich jedoch der Übersetzer genauenstens zu informieren hat, so entfällt diese Pflicht beim Wissenschaftler keineswegs.

*14 Wiederum Fußnote? Oder vertritt die Verfasserin etwa eine Generation, bei der Allgemeinbildung so klein geschrieben, um nicht zu sagen so defizitär ist? Bald wird sich eine jede Übersetzung auf diese Art und Weise und im neuen Kulturfeld unserer Zeit zu einer abhandlungsähnlich aussehenden Edition ausarten. Kein Wunder, wenn in einem solchen Falle dem Leser wirklich jede Lust am Lesen leicht vergeht.

*15 Wie der Übersetzung so kann auch dem Originaltext eine Aura des Geheimnisvollen, Dunklen, Exotischen anhaften. Im Deutschen hat der Name Kokosch in der Tat etwas an Semantik eingebüßt, dem deutschen Leser ist es jedoch kaum wichtig, was dabei verlorengeht (Hahn), er ist vielmehr von der Gestalt, vom Auftritt und vom Charakter dieses Menschen mit exotischem Namen fasziniert, von seiner teuflischen Kraft, die dem erdrückenden Haftgreuel trotzt und sich und die anderen seelisch von der erlittenen Erniedrigung befreit.

[40] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten. S. 38.

[41] Bergel, H.: Dans în lanþuri. S. 32.

[42] Bergel, H.: Der Tanz in Ketten. S. 67.

[43] Bergel, H.: Dans în lanþuri. S. 54.

*16 “Coloanele“ sind in der Regel Marschformationen. Überhaupt wird der Begriff Lösung von der Verfasserin recht undefiniert, also oft mit variabler Semantik verwendet. (G.G.)

*17 Nun könnte man da schon debattieren: Der Übersetzer tut immer sein Bestes oder holt das Beste daraus? (G.G.)

[44] Bergel, H.: Brief an Széll Anita, a.a.O.,  S.5.

*18 Das will ja aber wirklich was heißen: Der Autor hat einen gewichtigeren erkenntnistheoretischen Ertrag aus der Lektüre der rumänischen Übertragung seines Romans als die eher ums Be- oder Widerlegen der einen oder anderen theoretisch verfrachteten Äußerung bemühte Wissenschaftlerin. Da Bergel des Rumänischen bis ins Detail mächtig ist, kommt sein Geständnis einer unschätzbaren Danksagung an den Übersetzer gleich. Der Verfasserin sei für die von uns hier wahrgenommene Möglichkeit eines in den deutschsprachigen Publikationen in Rumänien – meines Wissens – erstmaligen öffentlichen Dialogs gedankt. (G.G.)

 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 13.-14. Jg., Heft 1-2 (26-27) / 2004, 1-2 (28-29) / 2005, S. 264-282

 

 

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