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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 13.-14. Jg., 1-2 (26-27) / 2004, 1-2- (28-29) / 2005, S. 403-407

 


DEUTSCHE KINDER- UND JUGENDLITERATUR


in Rumänien 1945-1989. Ein Bericht
 


Annemarie Weber

 

   „Deutsche Kinderliteratur in Rumänien 1945-1989“ ist ein Forschungsprojekt der Universität Bielefeld, das aus Fördermitteln der deutschen Bundesregierung finanziert wurde.[1] Federführend waren Professor Dr. Norbert Hopster und seine Assistentin Dr. Petra Josting von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft (an der Bielefelder Uni kurz LiLi genannt). Annemarie Weber wurde als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Dauer des Projektes angestellt.

   Das Projekt war eingebunden in den an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld vorhande­nen Schwerpunkt zur historischen Erforschung der Kinder- und Jugendliteratur (i.f. KJL). Die Forschungsarbeit zielte speziell auf die theoretische wie mate­riale Erfassung der KJL in der Zeit des "Dritten Reiches". Ein Handbuch der KJL im Dritten Reich soll demnächst in der Metzlerschen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart erscheinen.

   Ursprünglich war das Projekt zur Erforschung der rumäniendeutschen KJL auf zwei Jahre veranschlagt. Denn das Thema ist abgesehen von einigen wenigen Einzelaspekten so gut wie unerforscht geblieben. Schon vor der Wende galt die KJL im rumäniendeutschen Wertesystem als Laienressort oder als gelegentliche Spielwiese für Autoren, die sich ansonsten in der Hochliteratur, oder von unserem Standpunkt aus gesehn, der „Erwachsenenliteratur“ ihre literarischen Sporen verdienen wollten. Auch in der Germanistik war und ist sie eine Randerscheinung, fast eine Nebensächlichkeit, mit der sich ernstzunehmende Literaturhistoriker nicht oder nur nebenbei auseinandersetzen. Der Grund dafür liegt nicht – wie man jetzt annehmen könnte - im Hochmut der Germanisten, sondern er liegt im System: Die Lehrerausbildung in Rumänien fand bis vor kurzem auf Lyzeumsebene statt, die wissenschaftliche und didaktische Auseinandersetzung mit der Kinderliteratur war deshalb allein unter den Pädagogen, - d. h. den Lehrerinnen des Pädagogischen Lyzeums und ihren Schülerinnen - eine echte Notwendigkeit. Die einzige systematische Darstellung der deutschen und rumäniendeutschen KJL bisher ist bezeichnenderweise eine von Praktikerinnen in den endsiebziger Jahren erstelltes Lehrbuch für das Pädagogische Lyzeum[2]. Es kann hingegen angenommen werden, daß wenn sich die Lehrerausbildung an den Universitäten in Rumänien durchsetzt und der Bedarf an deutschsprachigen Grundschullehrerinnen weiterhin besteht, die KJL auch in Rumänien ein germanistischer Forschungsschwerpunkt werden könnte.

   Wer sich heute mit der deutschsprachigen KJL der kommunistischen Zeit in Rumänien auseinandersetzen will, findet noch fast alle Fragen offen: Was lasen die Eltern ihren Kindern vor, bzw. was konnten sie im Buchhandel an deutschen Kin­derbüchern kaufen, was und in welcher Menge und Zusammensetzung erwarben sie von sonstwo, was befand sich in den öffentlichen Bibliotheken, welche Buchimporte aus dem deutschsprachigen Ausland in welcher Höhe wurden getä­tigt, welche rumänischen Bücher wurden von den rumänischen Verlagen auch in deutscher Sprache herausgegeben, welche deutschen Titel auch ins Rumänische übertragen? Was wurde in den deutschsprachigen Schulen an Kinder- und Ju­gendbüchern empfohlen und behandelt? Wie war das Fach Kinder- und Jugendli­teratur in der Ausbildung der Erzieherinnen und Lehrerinnen gestaltet? Welche In­halte wurden im rumäniendeutschen Kinderbuch vermittelt? Welches waren die bevorzugten Textsorten und Darstellungsweisen? Gab es spezifische (rumäniendeutsche) Kindheitsbilder? Wie haben sich diese im Laufe von vier Jahrzehnten entwickelt und verändert? Welches waren die wechselnden Vor- bzw. Gegenbilder (in der rumänischen, der bundesdeutschen, der DDR-KJL)? Wie wurde die rumäniendeutsche KJL gefördert (Verlagspolitik) und rezensiert (kritische Rezeption)? Was unterschlug die Zensur? Was hat erfolgreiche Autoren (Franz Hodjak, Wer­ner Söllner, Richard Wagner) dazu bewogen, Kinderliteratur zu schreiben?

   Da das Thema mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, Kräften und Vorarbeiten nicht umfassend behandelt werden konnte (es wurde nur ein Jahr mit nur einer Mitarbeiterin bewilligt) stellte sich die Frage der Prioritäten. Wir entschieden uns für die Grundlagensicherung, also für eine möglichst umfassende Bestandsauf­nahme des in Rumänien öffentlich und privat aufbewahrten Bestandes an deutschsprachigen Kinder- und Jugendbüchern aus der kommunistischen Zeit.

   Wir orientierten uns dabei an dem Stand der deutschen KJL-Forschung. „Das Interesse an der Geschichtsschreibung der Kinder- und Jugendliteratur hat sich bisher fast ausschließlich auf die Texte selbst beschränkt“, stellte die renommierte KJL-Forscherin Bettina Hurrelmann 1992 fest. „Voraussetzungen des Lesens, situative Lesebedingungen, Lektüreformen und ihre Bedeutungen in sich verändernden Sozialisationskontexten blieben weitgehend außerhalb der Betrachtung.“[3] Dieser Befund gilt noch immer. Die Forderung nach einer historischen und sozialisationstheoretischen Perspektive ist für die Erforschung der rumäniendeutschen KJL mit Nachdruck zu stellen; als reine Textgeschichte ist sie nicht beschreibbar. Die Textproduktion ist nur im Zusammenhang der politischen Zwänge und wech­selnden Konjunkturen, der ideologischen Vorgaben und des allgemeinen öffentli­chen Diskurses zu verstehen, wie auch im Zusammen- und Widerspiel von priva­ten Wertesystemen und öffentlichem Wertekanon, von dem, was geschrieben und gelesen werden sollte, und dem, was tatsächlich gelesen und geschrieben wurde.

   Im Hinblick hierauf ergaben sich folgende Aufgaben:

   a. Die bibliographische Erfassung

1.    der von rumäniendeutschen Autoren geschriebenen und in Rumänien ver­legten KJ-Bücher

2.    der aus dem Rumänischen bzw. anderen Sprachen ins Deutsche übersetzten und in Rumänien verlegten KJ-Bücher

3.    der für den einheimischen Markt importierten deutschen und deutschsprachigen KJ-Bücher.

   Durch die Aussiedlung und die damit verbundene Auflösung der Haushalte ist der private Bildungsschatz der Rumäniendeutschen in der kommunistischen Zeit heute kaum noch rekonstruierbar. Viele Jahre nach dem Ende jener Epo­che ist auch zeitlich die Grenze erreicht, jenseits derer Zeitzeugen (Autoren, Verleger, Buchhändler, Illustratoren, Kinder von damals) kaum noch befragt werden können.

   b. Die Bestandsaufnahme von noch vorhandenen Kinderzim­merbibliotheken in Rumänien soll der tatsächlich genutzte Bücherpool der rumäniendeutschen Kin­der und Jugendlichen aufgezeigt werden, gleichzeitig soll die Spanne zwi­schen öffentlich und privat im Büchergeschäft deutlich gemacht werden. Eine Aufgabenstellung, die dem typisch rumäniendeutschen Rechtfertigungsdrang entsprungen sein mag, liegt auch im Interesse der Geldgeber: Unter anderem sollen gängige Vorurteile über die Sprach- und Bildungsdefizite von Spätaussiedlern mit dem Aufzeigen der im Herkunftsland effektiv genutzten Bildungsmög­lichkeiten in deutscher Sprache wissenschaftlich widerlegt werden.

   Bisheriger Forschungsstand[4]

   Das Projekt muß Ende 2001 abgeschlossen sein. Die Arbeit daran ist noch in vollem Gange. Bisher wurden drei private Bücherbestände erfaßt, deren Besitzer zwei verschiedenen Generationen angehören (der 1970 und der 1980 Geborenen). Insgesamt fünf Privatsammlungen sollen erfaßt werden. Wir suchen derzeit noch Besitzer von Kindheitsbeständen, deren Grundstock möglichst aus den ersten Nachkriegsjahren datiert sowie von Leuten, die auf dem Lande zuhause sind. Kinderzimmerbibliotheken älterer Jahrgänge, die nicht bibliographisch gepflegt, sondern quasi natürlich aufgebaut und verbraucht wurden, sind schwer aufzutreiben. Ebenso unbefriedigend war bisher die Suche nach Leuten, die auf dem Dorf wohnen und ihre Bücher aus der Kindheit aufbewahrt haben. Für Hinweise sind wir dankbar.

   Die bibliographische Erfassung des öffentlichen Bestandes erfolgt in drei staatlichen Bibliotheken: der Nationalbibliothek und der Akademiebibliothek in Bukarest und der ASTRA-Bibliothek in Hermannstadt.

   Alle drei Bibliotheken stehen mit der elektronischen Erfassung ihrer Bestände noch am Anfang, Priorität bei der Aufnahme in das computerisierte Verzeichnis haben die Erscheinungen der Nachwendezeit. Heute kaum noch gelesene Bücher, etwa die deutschen Titel der Jahre 1945-1989, haben in den nächsten Jahren geringe Chancen, den Sprung aus den herkömmlichen Zettelkästen auf die Bildschirme der Bibliotheksnutzer zu schaffen. Ihre bibliographische Erfassung ist allein schon aus diesem Grund sehr mühselig. Die Bukarester Nationalbibliothek haben wir in unsere Recherche aufgenommen, weil wir von der Annahme ausgingen, die sich leider als Illusion erwies und uns sehr viel Zeit gekostet hat, daß sie das „depozit legal“, also die Pflichtexemplare aller in Rumänien erschienener Drucke aufbewahre. Das stimmt zwar in der Theorie, aber zwischen Theorie und Praxis klafft eine so große Lücke, daß wir zwei weitere öffentliche Bibliotheken in unsere Recherche einbeziehen mußten. Auch wenn die Verlage in jener Zeit die Pflichtexemplare sehr viel disziplinierter als heute an die Bibliotheken ablieferten und die Bibliotheken sie akribisch erfaßten, wurde die Pflege der Bestände nicht mehr mit der gleichen Disziplin betrieben. Schließlich haben Revolution, ein verheerender Brand, das Bewußtsein der Stunde Null, davon begünstigtes Chaos und das Aufweichen vormals akzeptierter Werte wie Schutz des öffentlichen Eigentums und Disziplin in der Nationalbibliothek und auch andernorts ihre Spuren hinterlassen, bzw. Spuren gelöscht.

   In der Hermannstädter ASTRA-Bibliothek gibt es seit rund zwanzig Jahren keine deutsche Fachkraft mehr, die die deutschen Bestände pflegen könnte. Das Desinteresse an diesem durchaus stattlichen Bestand hatte im Nachhinein betrachtet auch seine guten Seiten: die „schwarzen Listen“ mit den Autoren und Büchern, die aus dem öffentlichen Bereich in den „Fondul S“ (von secret) verbannt werden mußten, ignorierte man mehr oder weniger. Oskar Pastior, persona non grata seit seiner „Fahnenflucht“ 1968, konnte im ASTRA- Zettelkasten mit seinem Kinderbuch „Ralph in Bukarest“ unbeschadet die politischen Säuberungsmaßnahmen der sechziger, siebziger und achtziger Jahre überdauern, bis – Ende der achtziger oder Anfang der neunziger Jahre (?) auf wundersame Weise das Buch samt Bibliothekszettel verschwand.

   Grundsätzlich werden nämlich laut Auskunft einer ASTRA-Mitarbeiterin, die seit den endsiebziger Jahren für die Pflege der Zettelkästen mit zuständig ist, keine fiches entfernt, auch wenn die Bücher aus dem einen oder anderen Grund kassiert werden, weil man bestrebt sei, die Bestände zu erhalten und notfalls antiquarisch zu vervollständigen. In einigen Fällen findet man tatsächlich Zettel, deren Bücher ordnungsgemäß in den siebziger oder achtziger Jahren während einer Inventur ausgetragen wurden, andererseits fehlen bekannte Titel im Zettelkasten, von denen man annehmen sollte, daß sie einmal zum Bestand der Bibliothek gehört haben. Auch hier klafft Theorie und Praxis auseinander. Zur Ehrenrettung der Hermannstädter Bibliothekare und ihres Direktors sei hier allerdings festgestellt, daß sie unsere Recherche mit großer Offenheit und sehr viel Entgegenkommen fördern.

   Die Erfassung der öffentlichen Bestände wird also ein anvisiertes Ziel, nämlich die komplette Erfassung der    zwischen 1945 und 1989 in Rumänien deutsch erschienenen KJ-Bücher nicht leisten können, sie wird aber eine Zustandsbeschreibung der jetzt noch vorhandenen Bestände an deutscher und deutschsprachigen KJ-Büchern liefern, die, in einem späteren Schritt, über das Internet verfügbar gemacht werden soll.

   Die Schwierigkeiten der Titelerfassung liegen jedoch nicht nur in solch eher äußerlichen Unzulänglichkeiten (dazu zählen auch die ungenauen Angaben auf den Zetteln, von denen viele offenkundig von deutschunkundigem Personal bzw. von bibliothekarisch nicht versierten Praktikanten angefertigt wurden). Die eigentlichen Schwierigkeiten beginnen dort, wo der Bereich Jugendliteratur von der Erwachsenenliteratur abgegrenzt werden soll. Gehört Goethes Werther heute noch zur Jugendlektüre? Ja, denn er wird in der Schule als Pflichtlektüre (bzw. Zusatzlektüre) verordnet. Ist aber eine Zwangslektüre des Werther oder des Faust gleichzusetzen mit der lustvollen Lektüre von 70 Karl-May-Bänden? Und dabei sind die einen wie die anderen Werke nicht speziell für Jugendliche geschrieben worden. Und überhaupt, was heißt in diesem Zusammenhang Jugend? Solche Fragen können einen schier zur Verzweiflung bringen, wenn man vor den Zettelkästen der Bibliothek sitzt, und es vergeht kaum ein Tag, wo man nicht ein Set Titel löscht aus seinen Listen und andere, bisher verschmähte Titel, aufnimmt. Sucht man Rat in der bisherigen Forschung, findet man so ziemlich alle Modelle und Möglichkeiten. Seit letztem Jahr gibt es ein Standardwerk, das alle bisherigen Definitionen der KJL analysiert und zusammenfaßt. Die Quintessenz dieses Buches[5] schickt der Autor, der deutsche Germanist, Literaturhistoriker und Herausgeber Hans-Heino Ewers seiner Analyse voraus:

Es wird... davon ausgegangen, daß es eine allumfassende, in jeder Hinsicht und zu allen Zeiten gültige Definition dieses kulturellen Phänomens [der Kinder – und Jugendliteratur, Anm A. W.] nicht geben kann und daß es auch gar nicht sinnvoll ist, danach zu suchen. [...] Wir haben es bei der Kinder- und Jugendliteratur nicht mit einem klar umgrenzten Gegenstandsfeld, sondern mit einer Mehrzahl, einer Gruppe kultureller Felder zu tun, die sich zwar in hohem Maße überlappen, doch jeweils verschiedene Ränder aufweisen.[6]

   Ewers sortiert die Abgrenzungskriterien in handlungsbedingte und textbedingte. Die Lektüreentscheidungen, Auswahlakte und Absichtsbekundungen der Vermittler wie der Leser sind Handlungen, mit deren Hilfe der Autor insgesamt sieben Textkorpora entwickelt, davon sollen hier nur die drei für uns relevantesten genannt werden: die Kinder- und Jugendlektüre (womit alles gemeint ist, was Kinder und Jugendliche zu einem bestimmten Zeitpunkt an Literatur konsumieren), die intentionale Kinder- und Jugendliteratur (was Kinder und Jugendliche nach Meinung diverser Erwachsener lesen sollten) und die spezifische Kinder- und Jugendliteratur, also die von vornherein für Kinder und Jugendliche geschaffene Literatur. Dazu kommen wertende textbezogene Kriterien, etwa das der Angemessenheit (kind- bzw. jugendgemäße Literatur) oder der ästhetische Anspruch (gute, „echte“ KJL).

   Beim Zusammenstellen einer Bibliographie kann der von Ewers gebotene Überblick über die verschiedenen Auswahlkriterien einem die Entscheidung für bzw. gegen den einen oder anderen Titel zwar nicht abnehmen, aber zur Kohärenz des eigenen Standpunktes zwingen. Da es Positivlisten bzw. Erhebungen über die Lektüre deutschsprachiger Kinder und Jugendlicher in Rumänien aus kommunistischer Zeit unseres Wissens nicht gibt, läßt sich der Korpus der Kinder- und Jugendlektüre nur anhand der privaten Bücherbestände feststellen und ist in jedem Fall individuell anders, nur ein geringer Teil der Titel konnte in mehreren Privatbeständen verzeichnet werden. In der öffentlichen Bibliothek läßt sich hingegen der Korpus an intendierter KJL besser erfassen, zu dem beispielsweise auch die Kriterion-Schulausgaben zählen, und mit allergrößter Genauigkeit kann der Korpus der adressatenspezifischen, durch Aufmachung und Illustrierung besonders gekennzeichneten Kinder- und Jugendbücher[7] verzeichnet werden.

   Auch die Frage nach der altersmäßigen Abgrenzung der KJL läßt viele Varianten zu. Während in Westdeutschland bis Mitte der siebziger Jahre das Kinderbuch für Leser bis 10/11 galt und das Jugendbuch für 12-14jährige Leser, wurde in der wissenschaftlichen Diskussion der DDR Kinderliteratur als die spezifische Literatur für Leser unter 14 bezeichnet und Jugendliteratur als diejenige für Leser zwischen 14 und 18.[8] Mitte der siebziger Jahre sortierten die vom DDR-Buchexportunternehmen herausgegeben Bücherkataloge die Titel aus dem Bereich Kinder- und Jugendliteratur nach folgenden Altersgruppen: Vorschulalter, Lesealter 7-9, 10-12, 13-16. Während in der DDR das jugendliche Leserpublikum Mitte der siebziger Jahre also jünger wurde (wahrscheinlich unter dem Einfluß der Sowjetunion, wo man die Mittelschule mit 16 beendete), alterte das jugendliche Leserpublikum in Westdeutschland etwas: Die Verlage gaben vermehrt Bücher auch für Leser ab 14 heraus. Heute gilt in Deutschland die Jugend erst mit der Schulausbildung als abgeschlossen, also mit Anfang 20.

   In Rumänien waren Altersempfehlungen in Büchern nicht üblich. In der ASTRA-Bibliothek sind in der Abteilung Kinder- und Jugendliteratur Leser bis zu 14 Jahren zugelassen, bis zu dem Zeitpunkt also, wenn sie das Recht auf einen eigenen Personalausweis haben.

   Die privaten Bestände sind auch in diesem Punkt eine wichtige Ergänzung der Bestandsaufnahme Sie relativieren das Alterskriterium wie auch das Kriterium der Angemessenheit. Die Lektürewünsche der Kinder entsprechen nur bedingt den Vorstellungen der Erwachsenen. Andererseits konsumieren in Häusern, wo die spezifische Kinder- und Jugendliteratur fehlt, die Kinder oft schon früh die im Haus vorrätige Erwachsenenliteratur, seien es nun die Heftchenromane der Mutter oder Dantes Göttliche Komödie, die der Bruder von der Hochschule mitgebracht hat. Um diese Lektüreerlebnisse zu eruieren, reicht – wie wir festgestellt haben - die Bestandsaufnahme der kindereigenen Bibliothek nicht aus. Fragebogen und narrative Interviews müssen deshalb ergänzend eingesetzt werden.

   Am Ende der Forschungsarbeit werden mehrere Korpora stehen mit einer jeweils anderen Zusammensetzung und ihrer eigenen Geschichte. Die Vielschichtigkeit des Lektüreangebots und die Kontextualität der originalen rumäniendeutschen Bucherzeugnisse für Kinder und Jugendliche werden daraus ersichtlich werden.


[1] Vorgelegt auf der Jahrestagung des Germanisten an der Lucian-Blaga-Universität in Hermannstadt/Sibiu (26.-28. April 2001); erschienen gekürzt in: Karpatenrundschau (Beilage der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, Bukarest), 19. Mai 2001, S. III.

[2] Kelp, Erna / Maurer, Ute: Kinder und Jugendliteratur : Lehrbuch für die XII. Klasse des pädagogischen Lyzeums. - Bucuresti: Editura didactica si pedagogica, 1980.

[3] Hurrelmann, Bettina: Stand und Aussichten der historischen Kinder- und Jugendliteraturforschung. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 17 (1992) 1, S. 135.

[4] Stand April 2001. (Wir wären der Verfasserin dankbar, wenn sie demnächst der ZGR über den neuesten Stand dieser Recherchen berichten würde. Die Red. der ZGR.)

[5] Ewers, Hans-Heino: Literatur für Kinder und Jugendliche: eine Einführung in grundlegende Aspekte des Handlungs- und Symbolsystems Kinder- und Jugendliteratur; mit einer Auswahlbibliographie Kinder- und Jugendliteraturwissenschaft zsgest. von Annegret Völpel. - München: Fink, 2000. - (UTB für Wissenschaft; Studienbücher Literatur und Medien; 2124).

[6] a. a. O., S. 15.

[7] Ewers läßt als Kinder- und Jugendbuch „einzig und allein (adressatenspezifische) Buchgattungen“ gelten, „die durch Aufmachung und Illustrierung ein besonderes Gepräge aufweisen und über eine eigene Geschichte verfügen“ (vgl. Ewers, Hans-Heino: Was ist Kinder- und Jugendliteratur? In: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur / hrsg. von Günter Lange. – Baltmannsweiler: Schneider-Verl. Hohengehren, 2000, 1, S. 10).

[8] Ewers, Taschenbuch, S. 14.

 

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Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

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