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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 205-208

 

 

DIE KONZENTRISCHE SCHRIFT. ZUM WERK HERTA MÜLLERS


Paola Bozzi

 


Zweifellos nimmt die rumäniendeutsche Literatur der 80er Jahre einen festen Platz im Ensemble dessen ein, was man ‘deutsche Gegenwartsliteratur’ nennt. Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Tatsache, daß eine Autorin wie Herta Müller so leicht der deutschen Literatur zugeschlagen wurde, allein dem Umstand geschuldet ist, daß ihre Literatursprache Deutsch ist und daß sie, als sie in die Bundesrepublik emigrierte, gleichsam in das politisch-kulturelle Territorium dieser Sprache ‘heimgekehrt’ war (1). Ihre Literatur, die in den meisten Fällen gerade die Suche nach der Bedeutung von so schwierigen Begriffen wie ‘deutsch’, ‘Identität’ oder ‘Assimilation’ belegt, enttäuscht diejenigen Leser und Interpreten, die sich von ihr feste und eindeutige Definitionen dieser Phänomene erwarten. Die Arbeit der Schriftstellerin Herta Müller bietet vielmehr den Rezipienten die Gelegenheit, über diejenigen Begriffe nachzudenken, mit denen die Geschichte deutschsprachiger Literatur im Ausland gemeinhin diskutiert wird.

Der Satz Wilhelm von Humboldts “die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache”, der in bezug auf die deutschsprachige Literatur im Ausland so gerne zitiert wird, kann kaum Geltung haben (2). Eine Definition der Begriffe ‘fremd’ und ‘eigen’ zum Asymptotischen ist hier ebenso einseitig wie eine Zielvorstellung ins Schwerpunkthafte. Das führt wieder zur Erkenntnis, daß die Qualität jeglicher Literatur, einschließlich derjenigen des deutschsprachigen Auslands, nicht in kulturgesetzlich festen Standpunkten zu suchen ist, sondern eher in den Kräften, die diese Literatur ins Wanken bringen. Wir befinden uns in einer Zeit “des Verschwindens, des Tilgens von Ort und Zeit in der Rasanz von Hochgeschwindigkeiten, des Auslöschens von Erfahrungen durch permanente Bilderfluten, die in Echtzeit eingespielt werden”  (3), des Aufbrechens binärer Oppositionen. In Anlehnung an die These von Jan Watrak soll hier daher der wichtige theoretisch-praktische Aspekt einer allgemeinen Theorie der Heimat zur Diskussion gestellt werden, in der das Fremde und das Eigene sich durchdringen und einander bedingen (4).

Zu beschreiben ist ganz allgemein das Spannungsverhältnis zwischen den Positionen der jungen Generationen des deutschsprachigen Auslands und den von der Tradition verbürgten kulturellen und geschichtlichen Mittelpunkten des Deutschtums. Die nachgeborenen Generationen können sich dem zentralen Ereignis in der Geschichte des modernen Deutschtums nur durch eine Bewegung nähern, die hier - in Analogie und als Differenz - als eine “konzentrische” Bewegung bezeichnet wird. So stellen die nicht-deutsche Gesellschaft und die deutsche Tradition die beiden Spannungs- und Fixpunkte dar, auf die die junge rumäniendeutsche Literatur der Gegenwart konzentrisch ausgerichtet ist. Am Beispiel Herta Müllers soll nachgezeichnet werden, wie sich die junge Literatur des deutschsprachigen Auslands den Zentren des traditionellen Selbstverständnisses des Deutschtums nähert, ohne ihr Ziel zu erreichen.

Nicht aus der Tradition deutscher Identität und Literatur entstehen die Werke der Schriftstellerin, sondern aus einer Differenz zu ihr - eine Differenz, die durch die Ausrichtung ihres Schreibens an den Fixpunkten deutschen Daseins vermindert wird. Die konzentrische Schrift Herta Müllers hat ihren Ausgangspunkt außerhalb des Schmerzzentrums der jüngsten Geschichte. Ihr Ansatzpunkt ist die Gegenwart, die ohne den Bezug auf den Nationalsozialismus freilich nicht zu denken ist und auf die das Schreiben deshalb unwillkürlich bezogen ist. In der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus versucht die konzentrische Schrift, sich auf diesem Weg der zentralen Erfahrung in der jüngeren Geschichte des Deutschtums zu nähern und wird dabei doch immer wieder in die eigene Gegenwart zurückgeworfen. Es geht um “eine Literatur der Verlustanzeigen, eine der negativen Dialektik, die beschreibt, was nicht mehr so einfach zu haben ist” (5). Der Begriff der ‘konzentrischen Schrift’ soll zuerst die interpretatorische Aufmerksamkeit auf diese konkrete Eigenart der literarischen Arbeit Herta Müllers lenken.

Die jungen Banater Autoren haben sich aus einer und gegen eine Bauernkultur entwickelt. Es gehört zu den wenigen Konstanten der Kultur- und Literaturgeschichte, daß das Plädoyer für eine neue Kultur sich gern die Generation der Eltern zum Opponenten wählt. Bereits Wilhelm Solms hatte die Genauigkeit der Sprache Herta Müllers mit der Randposition der jungen Generation in Zusammenhang gebracht: “Vielleicht hängt ihre so verblüffend einfache und präzise Sprache mit der Skepsis gegenüber der Sprache ihrer Umgebung, dem Dialekt der Banater Dörfer wie dem Hochdeutsch der Schule und der öffentlichen Medien zusammen.” (6) Die Autorin selbst hat dazu in einem Gespräch vermerkt, als Vertreter eines geschlossenen und isolierten Kreises seien die Banatschwaben immer darauf bedacht gewesen, nicht oberflächlich zu sprechen, also Sprache korrekt zu verwenden und über sie zu reflektieren. (7)

Der konzentrischen Schrift fällt nicht nur die Aufgabe zu, den sprachlichen Kontinuitäten und der linguistischen Gleichschaltung der Alltagssprache zu widerstreben, sondern sie hat sie allererst sichtbar zu machen. Der Aspekt der sprachlichen Manifestation von ‘Eigenem’ und ‘Fremdem’ gerät hier natürlich immer wieder in den Fluchtpunkt der Reflexion, reflektiert sich aber in der jüngeren Literatur nicht in einem bewußten Bekenntnis zur Sprache als eigentlicher Heimat. Vor dem Selbstverlust rettet nicht die erhaltene Muttersprache (8), vielmehr erweist sie sich, ganz im Gegenteil, als Bedrohung für die persönliche Identität: “Mein Minderheitendeutsch, jetzt wirst du angeknüpft. Jetzt wird der Faden dir zum Strick.” (9) Wenn sich im unfreien Osten die negative Macht der Sprache zeigte, indem sie als Mittel der Kontrolle und des Verhörs benutzt wurde, so zeigte sich im freien Westen im besten Fall nur ihre Ohnmacht: “Angekommen wie nicht da. Am Sand wie an den Ufern. Und langsamer als irgendwo fehlt mir die Einsicht. Mein Sprachzug und mein Minderheitendeutsch.” (10)

Das Werk Herta Müllers markiert nämlich die langwierige, aber endgültige Trennung vom Küchendeutschen der Kindheit, von der “harte[n] deutsche[n] Quittensprache” und der “Kinderbettsprache” (11), deren Symbol das “Herz-tier” ist: “Ich sagte zu Georg: Schau, dein Herztier zieht aus. Georg hob mein Kinn mit dem Daumen hoch: Du mit deinem schwäbischen Herztier, lachte er. [...] Unsere Herztiere flohen wie Mäuse. Sie warfen das Fell hinter sich ab und verschwanden im Nichts.” (12)

Die Bewegung der konzentrischen Schrift - getrieben von dem Wunsch nach Verstehen - nähert sich den zentralen Elementen des Deutschtums, ohne aber ganz in deren Kraftzentrum einzutreten. So ‘verändert’ sich im authentischen Rückblick auch ihre Sprache (13) und ihre banatschwäbische Heimat (14). Gerade als Annäherung an den archaisch anmutenden Lebensraum von Kindheit und Jugend sind die Prosaminiaturen der Niederungen zugleich auch ein Dokument der Isolierung, der Entfremdung und Entfernung, die verstärkt werden durch eine latent fortlebende faschistische Vergangenheit. Das Dorf als Enklave der deutschen Minderheit bleibt Reservat faschistischen Gedankensguts und zeigt als böses Panoptikum nur übersichtlicher und im verkleinertem Maßstab die Fratze des totalitären Staates: es gleicht “einer schwarzen Insel” oder einer “riesengroße[n] Kiste aus Zaun und Mauer”.(15)

Durch ihre Kindheitserinnerungen und schwäbische Dorfchronik hat Herta Müller eigentlich beliebte Schemata der Heimatliteratur aufgenommen. Doch der Blickwinkel, aus dem diese Welt betrachtet wird, ist ungewöhnlich. Herta Müllers Erinnerungen an ihre Kindheit, an Dorf und Heimat in Rumänien münden nicht in einen Autobiographismus traditioneller Couleur, der die im Gedächtnis bewahrte Zeit wieder vergegenwärtigt. Die Wurzeln des Schreibens der Autorin haben einen sehr subjektiven Ansatzpunkt: die sprachlose Kindheit, die Perspektive des außerhalb der Erwachsenenwelt stehenden, kindlichen Wahrnehmungs-Ich und die damit zusammenhängende Aufhebung der Grenze zwischen Innen und Außen. Das “Herztier” der Kindheit ist der gemeinsame Mittelpunkt, der bei aller Differenz ihre Texte durchgängig bestimmt. Es bezeichnet jenen Teil des Individuums, der sich der Entmenschlichung entgegensetzt (16), damit man “nie ins Herz der Welt gerissen” (17) wird: “Ich hatte mich fast in der Hand, nur ein winziges Teil machte nicht mit. Vielleicht war es das Herztier.” (18)

Ernst Bloch verknüpfte das nostalgische Moment des Heimatbegriffs dialektisch mit einem utopischen, als er ‘Heimat’ definierte als “etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war” (19). In diesem Sinne verkörpert die Erinnerung als utopische Wieder-Holung und Selbstvergewisserung der Kindheit das Zentrum im Werk Herta Müllers. Als “Herztier” ist sie organisierendes Prinzip eines Textes, der aus Sprüngen und Assoziationen besteht; sie setzt beliebig ein und breitet ihre Bilder aus. Der Begriff der ‘konzentrischen Schrift’ soll daher auch eine spezifische Perspektivierung der literarischen Arbeit Herta Müllers bezeichnen. Ihre Werke entwerfen eine Poetik des Randes, die gesteuert wird über die Wahrnehmungsperspektive eines subjektiven (authentischen) oder “eigensinnigen” Blicks (20): das beobachtende Zentrum der Texte organisiert sich am Rand des Beschriebenen (21). Die Erzählung Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt gibt ein prägnantes Beispiel dafür, wie der subjektive Blick zu einem fremden Blick wird und als solcher das Verhältnis des Betrachters zu den Gegenständen bestimmt (22). Die Literatur versucht nämlich - wie es Max Frisch einmal formuliert hat - ‘das Eigene von außen’ zu betrachten, es zu ‘verfremden’, ‘um die Fremde verstehen zu können’ (23): sie steht im Zeichen einer Dialektik der Fremde. Denn die Erfahrung der Fremde stimuliert nicht nur den hermeneutischen Prozeß, der zum Verständnis des Anderen führt und es im besten Fall zum Eigenen macht: die Erfahrung von Fremde kann ebenso die Inversion des Eigenen auslösen, die Fremdwerdung des Eigenen, die kritische Distanzierung vom Vertrauten. Wenn jedoch das Fremde gar nicht wirklich das Fremde ist, so ist die Begegnung mit ihm am Ende auch keine Begegnung. Seine Formulierung, genauer: seine schriftliche Fixierung, dekonstruiert sich selbst (24).

Nähe und Fremdheit - Heimat und Exil beziehen sich nämlich bei Herta Müller mehrfach und meist in Paradoxa aufeinander.(25)

Barfüßiger Februar dokumentiert die tief wurzelnde Fremdheit im eigenen Land: “Bleiben zum Gehn” und “Angekommen wie nicht da” umreißen, als Leitsätze, die schmerzlichen Stationen von Warten, Ausreisen und Ankommen (26). Sie beschreiben aber auch das paradoxe Schicksal jedes Rumänendeutschen, der im Lande als Mitglied des Nazivolkes verspottet und endlich in Deutschland zweierlei bewußt wurde: er gehörte nicht in die deutsche Welt, konnte aber nicht mehr in die ehemalige Heimat zurück. Wenn man durch die deutsche Muttersprache eine Außenseiterstellung in der rumänischen Heimat einnahm, bot die Bundesrepublik paradoxerweise keine Alternative - man sah sich noch immer im Abseits. Fremde in der Heimat, doch nicht daheim in der Fremde: “Wenn Rumänien nicht ihre Heimat war, dann ist Deutschland auch nicht ihr Exil. (27)” Herta Müller hält in Barfüßiger Februar diese ortslose Zustandserfahrung in ähnlich zugespitzter Form fest: “Das Wohnen ist kein Ort”’ (28), während Klaus Hensel unter Berufung auf Bloch konstatiert, “Daß es so etwas wie /Heimat nicht gibt, jetzt/Hier. (29)” Heimat gibt es also weder früher noch jetzt, weder dort noch hier. Es gibt sie nur als Hoffnung im Nirgendwo.

Die von solchen Annäherungen und Absonderungen, von Berührungswünschen und von Distanzierungsnot bestimmte Bewegung der jungen rumäniendeutschen Literatur der Gegenwart wird von Terminologien wie “Min-derheitenliteratur”, “marginale Literatur” oder “kleine Literatur” kaum getroffen; diese laufen vielmehr Gefahr, kulturelle Erscheinungen vor allem als soziologische Phänomene zu begreifen (was sie auch - aber nicht nur - sind). Gewichtige Unterschiede in der kulturellen Selbstdarstellung einzelner Minderheiten werden unter dem verallgemeinernden Oberbegriff “Minoritätenliteratur” allzuleicht ignoriert. Begriffe wie “Literatur der Ränder” (30) oder “marginale Literatur” suggerieren zudem den Eindruck einer gewissen gesellschaftlichen Statik und messen die Dynamik der künstlerischen Tätigkeit vor allem nach den Gesetzen, die das gesellschaftliche Koordinatenfeld beherrschen; das mag hilfreich sein, solange man die junge deutschsprachige Literatur aus Rumänien allein in ihrer Beziehung zur nicht deutschsprachigen Umwelt bestimmen möchte. Zur Betrachtung ihres Verhältnisses zur ethnischen und kulturellen Bezugsgröße des Deutschtums aber erweist sich solch ein Vorgehen nicht als produktiv: Als deutschsprachige Literatur ist die junge deutschsprachige Literatur aus Rumänien alles andere als eine Minderheitenliteratur.

Deleuze und Guattari haben in ihrem Kafka-Buch an Kafkas Begriff einer “kleinen Literatur” erinnert und als Literatur “einer Minderheit, die sich einer großen Sprache bedient”, definiert (31). Die drei von Deleuze und Guattari beschriebenen Merkmale einer kleinen Literatur sind ihr sprachlicher Deterritorialisierungskoeffizient, der aus der Benutzung einer Sprache außerhalb ihres eigentlichen und vitalen Sprachraumes entsteht; der hohe Grad ihres politischen Charakters, da durch den Druck der Enge der individuelle Ort in den Raum des Öffentlichen, des Politischen geschoben wird; und schließlich die Tendenz, daß in einer kleinen Literatur allen Äußerungen kollektiver Wert zukommt (32). Die kollektive Aussagenverkettung, die subjektive Äußerungen in Äußerungen des Kollektivs transformiert, begründet den solidarischen und damit potentiell revolutionären Effekt der kleinen Literaturen. Auch wenn Deleuze und Guattari nicht eigens darauf hinweisen, so ist hier doch zu erwähnen, daß dieser Effekt auch dafür verantwortlich ist, daß Leser, die außerhalb der Minderheit stehen, dazu tendieren werden, den einzelnen Text in erster Linie als Ausdruck eines kollektiven und nicht eines individuellen Bewußtseins aufzufassen. Und dies wird auch durch die Logik des politischen Charakters von kleinen Literaturen nahegelegt, dergemäß der marginalen Literatur der Luxus verwehrt ist, sich im Konkreten, Partikularen und Individuellen zu verwirklichen.

Bei Herta Müller ist dagegen der eigensinnige Blick der selbstgesetzten Wahrnehmung Grundlage und Ausgangspunkt für das Erkenntnisvermögen überhaupt: nur so kann die subjektive Beschreibung in ihren Texten Wahrheiten aufdecken, die bisher im Verborgenen lauerten. Die politische Relevanz, die ihre literarische Arbeit besitzt, liegt im Widerstand gegen die Enteignung der individuellen Sinnlichkeit, in einer Privatheit, die politisch ist.

 


ANMERKUNGEN:

(1) Vgl. dazu S. Weigel: Literatur der Fremde - Literatur in der Fremde. In K. Briegleb/ S. Weigel (Hgg.): Gegenwartsliteratur seit 1968. Bd. 12. München u. Wien: Hanser 1992 (= Hanser Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Hg. v. R. Grimminger), S. 182-229, hier insbes. S. 227.

(2) S. dazu die im Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart erschienene Sonderausgabe “Denn meine Heimat ist, was ich schreibe”: Zeitgenössische deutschsprachige Literatur in den Vereinigten Staaten von Amerika, in: Zeitschrift für Kulturaustausch, 39 (1989) 1. Vj.

(3) W. Jung: Exzentrik und Exterritorialität. Statt einer Einleitung. In W. Delabar/ W. Jung/ I. Pergande (Hgg.): Neue Generation - Neues Erzählen. Deutsche Prosa-Literatur der achtziger Jahre. Opladen: Westdeutscher Verl. 1993, S. 9-14, hier S. 13.

(4) J. Watrak: Das Fremde als Komponente des Begriffs der Heimat. In E. Iwasaki (Hg.): Begegnung mit dem ‘Fremden’: Grenzen - Traditionen - Vergleiche. Akten des VIII. Internationalen Germanisten-Kongresses, Tokyo 1990. Bd. 2 (Sektion 1: Theorie der Alterität. Hg. v. Y. Shichiji) München: Iudicium Verl. 1991, S. 207-214, hier insbes. S. 213.

(5) W. Jung, Exzentrik und Exterritorialität, S. 13.

(6) W. Solms: Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur. In Ders.: Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur. Marburg: Hitzenroth 1990, S. 11-24, hier S. 15.

(7) Vgl. dazu: Mir erscheint jede Umgebung lebensfeindlich. Ein Gespräch mit der rumäniendeutschen Schriftstellerin Herta Müller. In: Süddeutsche Zeitung, 16.11.1984.

(8) Die entgegengesetzte These vertritt P. Pabisch: Die Fremde als Heimat? Betrachtungen zur auslandsdeutschen Literatur seit den fünfziger Jahren. In: Begegnung mit dem ‘Fremden’, Bd. 2, S. 262-270, hier insbes. S. 267f.

(9) H. Müller: Barfüßiger Februar. Berlin: Rotbuch 1987 u. 1990, S. 123.

(10) Ebd.

(11) Dies.: Herztier. Reinbek b.H.: Rowohlt 1994, S. 198 bzw. S. 35.

(12) Ebd., S. 89.

(13) Vgl. dazu dies.: Mein Schlagabtausch, mein Minderheitendeutsch. In: Dies., Barfüßiger Februar, S. 123f.

(14) Vgl. dazu C. Ottmers: Schreiben und Leben. Herta Müller, Der Teufel sitzt im Spiegel. Wie Wahrnehmung sich erfindet (1991). In P. M. Lützeler (Hg.): Poetik der Autoren. Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Frankfurt a.M.: Fischer 1994, S. 279-293, hier insbes. S. 284.

(15) Vgl. H. Müller: Niederungen. Berlin: Rotbuch 1984 u. 1988, S. 41 bzw. S. 87.

(16) Vgl. dazu T.R. Kuhnle: La Résistence des Monades. “Herztier” de Herta Müller. In: Germanica 17 (1995) (= Les Littératures minoritaires de langue allemande après 1945), S. 14-24, hier insbes. S. 29.

(17) H. Müller, Barfüßiger Februar, S. 80f.

(18) Dies., Herztier, S. 111.

(19) E. Bloch: Das Prinzip Hoffnung. Bd. 3. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1959, S. 1628.

(20) F. Apel: Schreiben, Trennen. Zur Poetik des eigensinnigen Blicks bei Herta Müller. In N. O. Eke (Hg.): Die erfundene Wahrnehmung. Annäherung an Herta Müller. Paderborn: Igel-Verl. Wiss. 1991 (Reihe Literatur- und Medienwissenschaft; 7), S. 22-31.

(21) Vgl. dazu auch N. O. Eke: Augen/Blicke oder: Die Wahrnehmung der Welt in den Bildern. Annäherung an Herta Müller. In: ebd., S. 7-21, hier insbes. S. 12.

(22) H. Müller: Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt. Berlin: Rotbuch 1986 u. 1989; nur mit einem fremden Blick kann der Müller Windisch im langsamen Abschiednehmen mit erhöhter Klarsicht das wahrnehmen, was ihm doch familiär ist; der fremde Blick auf die vertraute Welt kann aber gefährlich werden: vgl. dazu ebd., S. 24.

(23) Vgl. W. Hinderer: Produzierte und erfahrene Fremde. Zu den Funktionen des Amerika-Themas bei Bertolt Brecht. In A. Wierlacher (Hg.): Das Fremde und das Eigene. Prolegomena zu einer interkulturellen Germanistik. München: Iudicium Verl. 1985 (= Publikationen der Gesellschaft für interkulturelle Germanistik 1), S. 47-64, hier insbes. S. 48.

(24) N. Meklenburg: Poetik der Alterität. In: Begegnung mit dem ‘Fremden’, Bd. 6 (Sektion 10: Die Fremdheit der Literatur. Sektion 11: Rezeption. Hg. v. Y. Shichiji), S. 20-26, hier insbes. S. 20.

(25) Vgl. dazu H. Müller: Reisende auf einem Bein. Reinbek b.H.: Rowohlt 1989, S. 61: “Ausländerin im Ausland”; S. 10: “Es wäre eine Nähe gewesen in zwei Sprachen, die sich nicht verstanden”; S. 25, wo die Erinnerung an die Heimat noch fremder macht: “Da die fremden Personen vertraute Personen im Kehlkopf trugen, waren sie nicht bloß Fremde. Sie waren fremder als Fremde”; S. 166: “Irene weigerte sich, an Abschied zu denken.”

(26) Vgl. Dies., Barfüßiger Februar, S. 122f.

(27) W. Solms: “Ankunft”. In: Nachruf auf die rumäniendeutsche Literatur, S. 234-257, hier S. 257.

(28) H. Müller, Barfüßiger Februar, S. 96.

(29) Zit. nach W. Solms, “Ankunft”, S. 239.

(30) P. Pabisch, Die Fremde als Heimat, S. 263.

(31) G. Deleuze/ F. Guattari: Kafka. Pour une littérature mineure. Paris: Minuit 1975, hier zit. nach der dt. Übers. Kafka. Für eine kleine Literatur (Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1976); für eine Anwendung des Begriffs der “kleinen Literatur” auf die fünf deutschsprachigen Literaturen hat bereits S. Weigel in dem o.g. Beitrag Literatur der Fremde - Literatur in der Fremde (“Fünf deutschsprachige Literaturen oder für eine ‘kleine Literatur’“, S. 226-229, insbesondere S. 229) plädiert.

(32) Deleuze/Guattari, a.a.O., S. 25f.: “Gerade wegen ihres Mangels an großen Talenten fehlen ihr die Bedingungen für individuelle Aussagen, die ja stets Aussagen des einen oder anderen ‘Meisters’ wären und sich von der kollektiven Aussage trennen ließen. Somit erweist sich der relative Talentmangel durchaus als günstiger Umstand: Er gestattet, etwas anderes als eine Literatur der großen Meister zu konzipieren. Was der einzelne Schriftsteller schreibt, konstituiert bereits ein gemeinsames Handeln, und was er sagt oder tut, ist bereits politisch, auch wenn die anderen ihm nicht zustimmen.”

 

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