Home | BAC/Teze | Biblioteca | Jobs | Referate | Horoscop | Muzica | Dex | Games | Barbie

 

Search!

     

 

Index | Forum | E-mail

   

 Bine ati venit in sectiunea dedicata limbii si literaturii germane. In aceasta sectiune veti avea posibilitatea sa descoperiti multe lucruri utile care speram sa va ajute la cursuri. Willkommen bei ScoalaOnline!

 

 
 
 
 
 + Click:  Grupuri | Newsletter | Portal | Ziare,Radio/TV | Forum discutii | Premii de excelenta | Europa





 

 

 

Zuruck zum index

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 309-324

 

 

BÜCHER- UND ZEITSCHRIFTENSCHAU



KÁROLY CSÚRI (Hg.), ZYKLISCHE KOMPOSITIONSFORMEN IN GEORG TRAKLS DICHTUNG.

Szegeder Symposion. 309 S., Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 1996.

Zyklische Kompositionsformen in Georg Trakls Dichtung waren Gegenstand eines internationalen Symposions - immerhin schon des vierten(!) -, das im Herbst 1994 am Germanistischen Institut der Attila-József-Universität Szeged stattfand. Der vom dortigen Lehrstuhlinhaber für Österreichische Literatur, Károly Csúri, herausgebenene Band vereinigt die Beiträge dieses Symposions, dessen Themenstellung, wie der Herausgeber einleitend ausführt, den Terminus “Zyklus” von vornherein planvoll durch die Paraphrase “zyklische Kompositionsform” ersetzt hat; erlaubt die allgemeinere Formulierung doch, “selbst anhand von Einzelgedichten sinnvoll über zyklische Strukturierungsverfahren zu sprechen” (S.VII) und damit die Diskussion auf der Ebene des Einzelgedichtes anzuschließen an den Befund von Hans-Georg Kemper, der angesichts von Trakls Entwürfen “das eigentümliche Ineinander von Kreis- und Zielkomposition” konstatiert und daraus auf konkurrierende Grundintentionen hinsichtlich der von Trakl angestrebten Gestalt der Gedichte geschlossen hat. (1)  “Die nächste Größenordnung bilden die drei- und mehrteiligen Gedichte, die, ähnlich den Einzelgedichten, praktisch in allen Sammlungen [...] mehrfach vertreten sind. Der Kreis erweitert sich schließlich bis hin zu den Teilzyklen und dem Gesamtzyklus des Bandes Sebastian im Traum, die auch im engeren Sinne der traditionellen Auffassung als Teilzyklen bzw. Gesamtzyklus gelten.” (S.VII)

Wer den Band zur Hand nimmt, darf sich aufgrund seines Titels wie auch des Vorworts von Csúri zweierlei erhoffen. Erstens Aufschlüsse über die Komposition respektive die Konstruktion von Einzelgedichten sowie über deren Organisation zu größeren Komplexen in Trakls Gedichtwerk ... Aufschlüsse mithin, die sich für die Analyse und Interpretation, also das Verständnis der oft ‘dunkel’ anmutenden Trakl-Gedichte fruchtbar machen lassen sollten. Zweitens eine Wiederbelebung philologischer Bemühungen um den “Zyklus”-Begriff (2), der - ungeachtet der Tatsache, daß der Terminus häufig und gerne benutzt wird - seit den grundlegenden Arbeiten von Joachim Müller (3) und Helen Meredith Mustard (4) einer trennschärferen Bestimmung sowohl als auch deren inhaltlich differenzierteren Ausgestaltung noch harrt. (5)

Bevor ich auf diese Aspekte zurückkomme, sei hier auf einen Mißstand hingewiesen, der leider nicht nur (und nicht einmal vor allem) dieses Bandes Erscheinungsbild prägt. Offenbar gehen selbst renommierte Verlagshäuser, jetzt jedenfalls auch Max Niemeyer!, im Gefolge elektronischer Textverarbeitung dazu über, auf eine verlagsseitige Schlußredaktion ihrer Produktion zu verzichten. Was dabei herauskommt, wenn die vom Herausgeber oder gar den Beiträgern auf Disketten zur Verfügung gestellten Dateien direkt in Druck gehen, mag dem Verlag Personalkosten sparen. Für sein Renommée jedoch und das Ansehen des Mediums Buch scheint es schlechterdings fatal, wenn buchtechnische Standards, deren Befolgung vor fünf Jahren noch selbstverständlich war, heute unterlaufen werden. Oder beleidigt es lediglich mein allzu ästhetisches Empfinden, wenn sogar gegenüberliegende Seiten nicht mehr mit demselben Abstand vom unteren Seitenrand schließen (vgl. z.B. S.58f.)?

Auch hätten sich Seitenumbrüche mit irritierend viel Freiraum (vgl. zumal S.159f., aber z.B. auch S.122f.) durch den Einsatz eines Textverarbeitungsprogramms, das das Überfließen von Anmerkungen auf die nächstfolgende Seite ermöglicht, verlagsseitig wohl vermeiden lassen. Des weiteren hätte eine Schlußredaktion vermutlich erkannt, daß auf S.136, S.194 (Anm. 30) und S.270 (Anm. 51) irrtümlich Absatzmarken gesetzt sind, wo sie ersichtlich nicht hingehören. Vielleicht wären ihr selbst die wenigen - konvertierungsbedingten? - Ausreißer im Zeichensatz (vgl. S.32, Anm. 11, S.37, Anm. 30, S.44f., Anm. 55, 56, 58 und 60 <Geist [!]>) nicht entgangen. Andere Schnitzer hingegen - so muß es S.6, Anm. 20 “Castrum Peregrini” statt “Cäsium Peregrini”, S.9, Anm. 35 (vgl. leider auch S.296) “lyric cycle” statt “lyric circle” und S.81, Z.3 “Einklang” statt “Ausklang” (immerhin ein Gedichttitel von Trakl!) heißen - gehen möglicherweise allein auf das Konto der jeweiligen Beiträger, hätten sie doch eine Fahnenkorrektur keinesfalls passieren dürfen (6). Unerklärlich ist mir schließlich auch, weshalb Titel zwar im fortlaufenden Text in aller Regel kursiv gesetzt sind, in erörternden - nicht bloß anführenden - Anmerkungen aber nie. Diesbezüglich wäre eine einheitliche Handhabung nicht einmal so sehr aus ästhetischen Gründen wünschenswert: Sie diente vielmehr einem rascheren Verstehen, indem sie dem Leser die Orientierung im (Gesamt-)Text erleichtern würde.

Zurück aber zu den Erträgen des Szegeder Trakl-Symposions. Grundsätzliche Erwägungen zur “Poetik literarischer Zyklen” stellen in seinem gleichnamigen Aufsatz Wolfgang Braungart sowohl als auch Iris Denneler in ihrem, dem zweiten des Bandes, an. Braungart weist gleich eingangs klug darauf hin, daß die Semantik der geometrischen Metapher Kreis die Diskussion um den Zyklus-Begriff (Stichwort: “Mittelpunktsbezogenheit” der Gedichte (7) ) von je her beeinflußt habe und dieser auch künftig als Terminus brauchbar nur dann sei, “wenn die von der metaphorischen Struktur des Begriffs herrührenden semantischen Merkmale nicht einfach übergangen werden.” (S.2) Dies gelte umso mehr, weil die Kreis-Metapher sich der Autonomieästhetik (Kant; Karl Philipp Moritz, für den das Kunstwerk sich “in sich selber ründen” mußte <ebd.>) verdankt. Deren Verbindlichkeit sei für die Kunst der Moderne, die das Fragment bevorzuge, zwar keineswegs selbstverständlich. “Aber die Fragmentarisierung des Sinns zwingt nicht notwendig zur Fragmentarisierung der Form und schließt deshalb zyklisches Sich-Abschließen nicht aus.” (S.2) Mindestens leserseitig gelte vielmehr, daß “interne Wiederholungen in einem Ensemble von Texten eines Autors und zumal bei Trakl [stetst für die Erfahrung einer besonderen textlichen Kohärenz [sorgent und [...] damit die Erwartung, daß ein Zyklus vorliegen könnte, heraus[fordernt.” (S.5) Dem stehen “Schwierigkeit, Dunkelheit und Düsternis des einzelnen Textes oder einzelner Textelemente” (S.17) laut Braungart nicht nur nicht entgegen. Da sie “die Erfahrung hoher Bedeutsamkeit keineswegs aus [schließent” (S.19), komme das zyklische Prinzip im Gegenteil hier sogar stärker zum Tragen, nämlich “als Versuch einer ästhetischen Ordnungsleistung und, für den Leser, als Suche nach einer ästhetischen Ordnungserfahrung” (S.17).

Während Dennelers gleichfalls auf einer Art Rezeptionsästhetik basierender, aber die Schriften von Jacques Lacan mit heranziehender Beitrag (Textbegehrlichkeiten oder Was fasziniert am Zyklus? <S.29-47>) die Gewichte zwischen textinternen motivischen Rekurrenzen und dem, was der Leser im Vollzug der Lektüre aus ihnen macht, zumindest rhetorisch so weit zu(un)gunsten des Rezipienten verschiebt (“[Kturzum alles, was relevant bzw. signifikant erscheinen soll, legt er, der Leser, fest.” <S.39>), daß allein die im Chaos - beliebig? - Ordnung erzeugende Implikation der “Lesart ‘Zyklus’” (S.47) bei ihr in den Blick gerät, balanciert Braungarts Arbeit dem Text eingeschriebene Merkmale einerseits und das Begehren zyklischer Gestalt durch den Leser andererseits durch die Annahme eines Zusammenhangs zwischen Literatur und Ritual aus: “Ritual (8) wie Literatur sind symbolische Bedeutungsordnungen, deren Sinn in ihrem (Nach-)Vollzug liegt. [...] Auch die zyklische Struktur, deren entscheidende Merkmale Progression, Iteration und Variation sind, verlangt die nachvollziehende Erfahrung. [...] Zyklisch ist häufig auch die interne Verlaufsstruktur von Ritualen, insofern ihre einzelnen Handlungsschritte um ein ihnen gemeinsames ‘Thema’, eine ihnen gemeinsame Intention und Funktion organisiert sind” (S.20f.). Bezogen auf Trakl führt dies zu erwartbaren Folgerungen und einer Überraschung. Ergibt der Eindruck von Zyklizität, semantischer Kohärenz und in hohem Maße Geschlossenheit des Traklschen Bildraums, so Braungart, sich aus der infolge des relativ engen motivisch-thematischen Spektrums “für das Werk grundlegende[n] Wiederholungsstruktur” (S.25) zum einen und aus der “Verbindung von Mythopoesie und Zyklus” (S.26) zum anderen, so konstituiert deren Zusammenwirken “eine ästhetische Ordnung, die in der apokalyptischen Trauer [...] noch tröstlich sein kann, weil eine andere Stimme als unsere eigene das Leid immer und immer wieder ausspricht.” (Ebd.) Unverhofft virulent wird damit die “Frage nach der Bedeutung des Katholizismus für [den Protestantent Trakl” (ebd.); wirkt seine “völlige Destruktion jeder religiösen Sinngebung [...docht umso eindringlicher, weil in der zyklischen Struktur die [...] religiöse Welt [...] und ihre rituelle Ordnung des Lebens ästhetisch noch immer anwesend und wirksam ist” (S.27).

Ganz anders gelagert ist demgegenüber der Beitrag von Csúry. Seine weitgehend werkimmanente Analyse der frühen Poesie Trakls dient der Herausarbeitung von “Grundprizipien in statu nascendi”, so der Titel der Arbeit, da sich “in den oft schablonenhaften Kompositionen bereits gewisse Vorformen jener Strukturprinzipien erkennen [lassent, die Aufbau und Kohärenz vieler Gedichte der späten Phase bestimmen.” (S.49) Mit Zyklus und Zyklizität hat dies allerdings nur insofern zu tun, als nach Csúri “[itn einem hypothetischen Erklärungsmodell für Trakls reife Dichtung [...] Strukturprinzipien wie die Zyklus-Schemata bzw. Zyklus-Fragmente der Tages- und Jahreszeiten [...] eine besondere Rolle erhalten [sollten].” (S.51) U.a. eben diesem Aspekt der Tages- und Jahreszeiten geht anschließend Hans Esselborn (Wiederkehr und Ende <S.87-106>) nach. Die Leitbegriffe seines Aufsatzes - “zyklische und finale Strukturen” (S.87) - lehnen sich an die Begrifflichkeit Hans-Georg Kempers (“Kreis- und Zielkomposition”) (9) an. Anders als Kemper hält Esselborn aber dafür, “daß Wiederkehr und Ende bei Trakl untrennbar zusammengehören, wenn auch mit unterschiedlicher Gewichtung in einzelnen Werkphasen” (S.88). Das Ende sei dabei stets ambivalent: “[E]s kann Teil eines Zyklus sein, der danach fortgesetzt wird, oder es kann dessen Abbruch und Auflösung signalisieren.” (Ebd.) Dies deshalb, weil, wie Esselborn überzeugend darlegt, alle zyklischen Vorgänge - also nicht nur der Lauf des Tages oder des Jahrs, sondern auch “der Kreislauf der Triebspannung, die Wiederkehr mythischer oder existenzieller Situationen und die Wiederholung der verdrängten oder vergessenen seelischen Vergangenheit” (S.104) - bei Trakl nie als geschlossener Kreis, sondern stets nur in einem Ausschnitt, so z.B. als Übergang vom Abend zur Nacht, vergegenwärtigt werden. “Daraus entsteht der falsche Eindruck eines Endes, das im Rahmen des Zyklus verbleibt, so daß eine Fortsetzung möglich ist.” (Ebd.) Das radikale Ende hingegen finde sich kaum. Vielmehr sei selbst der Tod “als radikalstes Modell des Endes [...] meist relativiert durch eine mythische, christliche oder psychologische Perspektive, die im Bild der Metamorphose, Auferstehung oder Sublimation,[!] einen Neuanfang oder eine transfigurierte Fortdauer ermöglicht.” (Ebd.) Gleich Braungart sieht im übrigen auch Esselborn die Funktion der formalen und motivischen Rekurrenzen in Trakls Dichtung zumal darin, eine eigene poetische Welt zu begründen: “Sie grenzen von der Außenwelt ab und zelebrieren eine Art tröstlichen ästhetischen Rituals jenseits von Chaos und Verfall.” (S.88)

Was die Ausbildung und Entwicklung zyklischer Kompositionsformen angeht, so meint Wilhelm Methlagl (Die ewige Wiederkehr in Trakls Lyrik <S.107-120>), mit Friedrich Nietzsche den “aktuellste[nt und damals unmittelbar normsetzen-de[nt Zubringer” (S. 107) auch für Trakl namhaft machen zu können. Zwar erscheinen, wie Methlagl selbst konzediert, “[i]m Verhältnis zu der von mir postulierten Omnipräsenz Nietzsches in Trakls Werk [...] die überlieferten Zeugnisse seiner jeweils aktuel-len Einstellung zu Nietzsche [... geradezu] verzweifelt spärlich.” (S. 107f.) An der Intensität der Nietzsche-Rezeption im Umkreis des Brenner ist aber kein Zweifel. Die dem Traklschen Werk eignende Kohärenz ließe sich von da her in der Tat suggestiv “als Umsetzung des sprachlich-musikalischen Modells der ‘ewigen Wiederkehr des Gleichen’ ins Lyrische” verstehen (vgl. S.117). Daß allerdings “auch noch der ganze Komplex der Entstehungsvarianten als Prozeß von Setzung, ‘Lüge’, Verwerfung, Neusetzung [...] diachron als modellhaftes Spiel nach den Regeln der ‘ewigen Wiederkehr’ gedeutet werden [kannt” (ebd.), scheint denn doch zu spekulativ, als daß für eine solche Behauptung nicht stichhaltige Belege beigebracht werden müßten. Die aber bleibt uns Methlagl schuldig. Gleichwohl bedenkenswert ist die von ihm konstatierte Abkehr von Nietzsche “seit etwa Herbst 1912” (S.117); eine Abkehr, die sich freilich “nur im Rahmen der bisher aus Nietzsche entwickelten [...] Gestaltungs-Voraussetzungen vollziehen ließ[.].” (S. 118). Für die Bände Gedichte (1913) und Sebastian im Traum (1915) gälten demnach nämlich andere Gesetze als für das in Sammlung 1909 vereinigte und bekannt-lich zu Lebzeiten nicht publizierte Traklsche Frühwerk. Im vorliegenden Band spricht zwar bereits die sehr gründliche Studie Csúris dagegen, daß in Trakls Dichtung erst 1912, so Methlagl, eine “konsequente[.] Umkehrung der zyklischen Struktur als Symbol des ansteigenden Lebens ins Absteigende, Nächtliche, Winterliche [..., damit] eine Korrektur der Lehre des Zarathustra [...] und eine verhüllte Polemik gegen den Nietzsche-Kult der Epoche” (S.120) sich Bahn gebrochen haben könnte. Obwohl das dergestalt noch für die Abkehr in Anspruch genommene Vorbild in seiner Omnipräsenz für Trakl wohl weder vor dem 23.11.1912 (vgl. ebd.) noch gar für die folgenden zwei Jahre Lebenszeit hiebfest belegbar sein dürfte, braucht man aber kein Prophet zu sein, um vorauszusehen, daß der mögliche Einfluß von Nietzsche - neben dem von Braungart angespielten ästhetischen Katholizismus - künftig eines der in der Trakl-Forschung kontrovers diskutierten Themen sein wird.

Obwohl gleichfalls von den Kategorien und der Begrifflichkeit Kempers ausgehend, gelangt Jaak De Vos in seinen Überlegungen zum zyklischen Kompositionsprinzip zu Schlußfolgerungen, die denen von Esselborn diametral entgegengesetzt sind. De Vos versteht das Verfahren Trakls als “artistisch-konstruktivistisch” (S.129), geprägt von der “Geometrie der Komposition” (S.129ff.), der “Komposition als Konstruktion” (S.131ff.) der “kompositorische[nt Verschlüsselung (S.133ff.) und der “DeKonstruktion als Kompositionsprinzip” (S.137 ff.). Abermals sind es Analysen von Einzelgedichten, die hier das Bemühen um “Die Quadratur des Kreises”, so der Titel der Arbeit, bei Trakl ver-deutlichen sollen. Die von Esselborn beobachtete Ausschnittstechnik hat laut De Vos ebenso wie die zu beobachtende Reduktion beispielsweise der Farbvariationen im Spätwerk jedoch nicht allein konstruktionslogische Gründe. “Von der romantischen Vorstellung trennt Trakl der weltanschauliche Unterschied, daß der Dichter der Moderne den Glauben an [...] die Rückkehr oder Wiedergewinnung des goldenen Zeitalters aufgegeben bzw. ihn nie geteilt hat.” (S.146) Deshalb gebe es in der Regel auch kein Futurum in Trakls Gedichten: “Der Kreis rundet sich nicht - oder mit einem Paradox formuliert: rundet sich gerade wohl - aber hört dann auf. Das Zyklische [...t strafft sich bei Trakl zu einer abrupt geschlossenen Linie” (S.147), die keine Wiederkehr, sondern einen “quasi nie enden wollende[nt Dauerzustand” (ebd., Anm. 48) der Verfallenheit und des Verfalls evoziert.

“[Gtanz allgemein als das Motiv des verdunkelnden Verfalls” (S.150) bezeichnet Eric Williams (Schweigendes Tönen: Zur Wiederkehr der Flöten <S.149-167>) ein vielen Gedichten Trakls zugrunde liegendes Muster. Indem sein Beitrag dem Flötenmotiv in Trakls letztem Gedicht, Grodek, genauer: der strukturellen Funktion von “Schweigen” und “Flöten” in diesem Gedicht wie auch im Gesamtwerk mit einer auf Lacan und Julia Kristeva basierten Lektüre nachgeht, entdeckt Williams bei Trakl Wunschbilder “einer ‘entfremdeten’ Psyche, die eine Wiederkehr zur imaginären Heimat anstrebt, die jedoch unweigerlich vom Motiv des verdunkelnden Verfalls unterminiert werden.” (S.158) Eng verbunden mit der Wiederkehr der Schwestergestalt signalisierten die Flöten “die unterschwellige Gegenwart eines Hauserschen Wunsches, aus einem Exil nach Hause in den Schutz der weiblich-mütterlichen Geborgenheit zurückzukehren [...], eine subtile Rück-kehr zum Wohllaut einer Wahrnehmungswelt, die nicht nur dem Tönen der Waffen, sondern auch dem Tönen des Symbolischen, der Sprache, vorangeht.” (S.157)

Einen Blick auf größere Textkomplexe wagen erst die letzten vier Arbeiten des Bandes. Eberhard Sauermann wirft in seinem gleichnamigen Beitrag die Frage nach “Zyklische[nt Strukturen in Trakls ‘Helian’” auf, fragt m.a.W., “ob der gegliederte Einzeltext Helian einen ‘Grenzfall’ zyklischer Dichtung darstellt” (S.170). Indem seine eingehende Analyse die Fülle von Figuren, die häufigen Zeitangaben - Tages- sowohl als auch Jahreszeiten, wobei der Wechsel der ersteren oft mit Ortswechseln korrespondiert -, die Bewegungen eines Menschen von einem Ort zum anderen, die Bezeichnungen für und von Farben respektive Licht und schließlich für und von Tönen durchmustert sowie insbesondere den Schlußabschnitt als eventuell planvolle Wiederaufnahme und Zusammenfassung der vier ihm voranstehenden diskutiert, gelangt Sauermann zu dem (vielleicht etwas zu) zurückhaltend formulierten Ergebnis, daß im Helian zwar “kunstvolle Verknüpfungen auf mehreren Ebenen und von verschiedenem Grad [...] eine Schein-Ordnung von Einzelbildern, eine Abfolge vermeintlich narrativer Elemente evozieren.” (S.186) Dabei seien “Elemente der Kreiskomposition (wie auch solche der Zielkomposition) [...zu] erkennen”. (Ebd.) Dies lasse sich jedoch mit Kemper beschreiben, “womit die Frage nach zyklischen Strukturen in diesem Gedicht beantwortet scheint” (ebd.; Hervorh. des Verf.).

Einen anderen Weg geht Sieglinde Klettenhammer (Figurationen des Weiblichen in der Lyrik Georg Trakls <S.189-215>), die unter Berufung auf Miroslav Cervenka bereits “Gedichten des gleichen Genres, die nach inneren Kriterien gegliedert sind und die parallel oder in der Weise angeordnet sind, daß sie sich im Motiv entsprechen” (10) , zyklischen Charakter zusprechen möchte. Folgerichtig untersucht sie mit zwei Figurationen des Weiblichen, der “Dirne” und der “Schwester”, in Teilzyklen des Bandes Sebastian im Traum “poetisierte oder unbestimmte Figuren” (S.195); waren doch gerade solche, wie Klettenhammer plausibel zu machen vermag, “für Trakl und seine zeitgenössischen Rezipienten [alst ein motivisch-thematischer Aspekt sowohl auf der produktionsästhetischen als auch auf der rezeptionsästhetischen Ebene von zentraler Bedeutung” (ebd.). Mit Die Verfluchten, Sonja und Afra rücken unter dem Gesichtspunkt der Dirnen-Figur allerdings bloß drei der acht Gedichte des vermeintlichen Teilzyklus Der Herbst des Einsamen in den Blick, während die Schwester-Gestalt, da sie nicht nur in Siebengesang des Todes, sondern auch in der Abteilung Gesang des Abgeschiedenen (vgl. das Gedicht Frühling der Seele) und mehrmals in Traum und Umnachtung begegnet, sich eben deshalb als Zentralfigur schlecht einem der drei Teilzyklen zuordnen läßt. Das Interesse am Zyklischen verliert sich denn auch in diesem Beitrag sehr bald.

Klettenhammers Beobachtung, daß die Figuren der Sonja und Afra bei Trakl entgegen der literarischen wie auch der christlichen Tradition “in der Einheit der Gegegensätze” verbleiben (vgl. S.206), wie überhaupt “die Figurenzeichnung der weiblichen Gestalten bestimmt von der Parallelführung von Geschlechtlichkeit, Unschuld und Ausgesetztheit [ist]” (S.212), scheint mir freilich fruchtbar. Ihr korrespondiert auch die allgemeinere Einsicht der mit Kategorien aus Theodor W. Adornos Negativer Dialektik und ästhetischen Theorie operierenden Arbeit von Alfred Doppler (Strukturformen der dreiteiligen Gedichtkompositionen Georg Trakls <S.217-225>), wonach die Dialektik bei Trakl, auch als “die Synthese nicht mehr darstellbar [scheintt, das Gespräch verstummt” (S.217), dennoch weitergeführt wird bis “zur bestimmten Negation von Bild und Gegenbild” (ebd.) im Spätwerk: “An die Stelle der Synthese tritt eine ungelöste Spannung, die für Trakl die letzte mögliche Form von Hoffnung ist.” (Ebd.) Wirke “[d]er Trost der Synthese (wie im ‘Spaziergang’) [...] in Trakls dreiteiligen Gedichten konventionell und aufgesetzt” (S.225), so sei anders die bestimmte Negation als poetische Figur ästhetisch nicht nur deshalb überzeugend, weil sie “keine bloße Verneinung” (ebd.) ist; werde in ihr und durch sie doch gerade “das primär Nichtsprachliche im Sprachlichen als Mitteilung wirksam [...], als das, was sich zusammengefaßt als ‘Musikalisierung’ kundtut.” (Ebd.)

Recht eigentlich sensationell ist schließlich der Beitrag von Gunther Kleefeld zu nennen. “Maß und Gesetz. Zahlenkompositorik [wieso nicht ‘-komposition’?] in Georg Trakls Gedichtband ‘Sebastian im Traum’” nämlich tritt den Beweis an, daß Philologen des Verszeilen-, Wort-, Silben- und Buchstaben-Zählens, des Rechnens und, mehr noch, des Athanasius Kirchers Arithmologia: sive de abditis numerorum mysteriis (erschienen zu Rom anno 1665) kundig sein müßten, um in der Tat den Bauplan der Sammlung entschlüsseln zu können. Kurz gesagt - denn man muß das ohnehin (leider mitsamt stellenweise gehäuft auftretenden Druckfehlern) (11) lesen, sonst hält man es schlicht nicht für möglich -, stößt Kleefeld beim Nachrechnen allüberall auf die zahlensymbolisch bedeutsame Sieben bzw. auf die “7+1” als “Trakls Grundkombination” (S.283). Gleichsam en passant vermag er zudem, “den verschollenen Text Trauer [...als] ein Gedicht mit vier Reimquartetten, höchstwahrscheinlich [...] eine unmittelbare Vorstufe des Gedichts Menschliche Trauer vom Oktober 1914” (S.248), wahrscheinlich zu machen, die Datierung der 3. Fassung des Gedichts Passion (“schon vor dem 6. März 1914 entstanden” <ebd.>) zurechtzurücken sowie die Gestalt eines weiteren Textes in Umrissen zu rekonstruieren: “Das verschollene Gedicht Ausgang umfaßte 3 reimlose Strophen und 15 Verszeilen.” (Ebd.) Auch wenn die Untersuchung vielleicht, wie Kleefeld selbst konzediert, “in dem einen oder anderen Fall Zusammenhänge aufgezeigt haben sollte, die vom Dichter selbst nicht in dieser Weise kalkuliert waren” (S.281), so läßt sich an dem Befund kaum mehr rütteln, daß “Trakls Gedichtband Sebastian im Traum [...] in einer geradezu kabbalistischen Weise nach zahlenkompositorischen Gesichtspunkten aufgebaut [ist].” (S.285)

Kleefeld sieht Trakl mit dieser Poetik “ganz in der Tradition des Symbolismus” (S.282) und stellt ihn damit Charles Baudelaire und nicht zuletzt Stefan George zur Seite. Dafür spricht, nimmt man die in dem Band versammelten Erträge des Szegeder Symposions nur alles in allem, so manches. Längst hat die Trakl-Philologie sich zu einer ausgewachsen, die gleich der Beschäftigung mit Hölderlin oder mit Celan die Sache von Spezialisten ist. Das hat nicht nur Vorteile. Die Präponderanz von Kempers Konzept der Kreiskomposition hemmt z.B. Sauermann, aus seiner Analyse Schlüsse zu ziehen, die über ihren Gegenstand, Trakl, hinausreichen, nämlich zu einer historisch-kritischen Adjustierung der nach wie vor vorrangig auf Textensemble des 19. Jahrhunderts zugeschnittenen Auffassung von Zyklus hätten beitragen können. Der vorliegende Band entschädigt dafür mit Arbeiten wie der spektakulären von Kleefeld, an denen zum mindesten wohl in der Trakl-Forschung künftig kein Weg vorbeiführen wird.

P.S. Der Band enthält als Dokumentation des in den Beiträgen zitierten Schrifttums ein umfangreiches Literaturverzeichnis (S.291-299). Ein Verzeichnis der Beiträger samt deren Anschriften hingegen fehlt.

S. 309-313

Wolfgang Schaller


NOTA:

(1) Vgl. Hans-Georg Kemper, Georg Trakls Entwürfe. Aspekte zu ihrem Verständnis. Tübingen: Max Niemeyer, 1970 (= Studien zur deutschen Literatur, 19), S.97 bzw. für das Zitat S.103.

(2) Ein Überblick über die Diskussion des Begriffs und die einschlägige Literatur findet sich in dem Artikel von Claus-Michael Ort, Zyklische Dichtung. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Zweite Auflage. Band 4: Sl-Z. Hg. von Klaus Kanzog und Achim Masser. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1984, S.1105-1120.

(3) Das zyklische Prinzip in der Lyrik. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift 20, 1932, S.1-20.

(4) The Lyric Cycle in German Literature. New York: Columbia University Press, 1946 (= Germanic Stud-ies, New Series, 17).

(5) Cordula Gerhard, Das Erbe der “Großen Form”. Untersuchungen zur Zyklus-Bildung in der expressionistischen Lyrik. Frankfurt a.M., Bern, New York: Verlag Peter Lang, 1986 (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 1, 910) leistet dies nur zum Teil. Die von ihr vorgeschlagene idealtypische Unterscheidung zwischen einem “Oberflächenstrukturzyklus des Nacheinander” und einem “Tiefenstrukturzyklus des In- und Nebeneinander” (S.217) ist allemal diskutabel, beruht jedoch auf den keineswegs unproblematischen Kategorien der Arbeit von Müller (wie Anm. 3).

(6) Fehlerhaft ist auch die Wiedergabe des Schlußabschnitts von Trakls Helian (vgl. S.180): Dessen dritte (V.7-9) und vierte (V.10-13) Strophe erscheinen als eine, weil nach Vers 9 die Leerzeile fehlt.

(7) Die Bezogenheit seiner Einzelgedichte auf einen motivischen Mittelpunkt, das “thematische Apriori”, gilt seit Müller (wie Anm. 3), S.5f. als konstitutives Kennzeichen des lyrischen Zyklus.

(8) Vgl. grundlegend dazu Ders., Ritual und Literatur. Tübingen: Max Niemeyer, 1996 (= Konzepte der Sprach- und Literaturwissenschaft, 53).

(9) Wie Anm. 1.

(10) Miroslav Cervenka, Der Bedeutungsaufbau des literarischen Werks. Hg. von Frank Boldt und Wolf-Dieter Stempel. München: Fink, 1978 (= Theorie und Geschichte der Literatur und der schönen Künste, Texte und Abhandlungen, 36), S.142; hier zitiert nach Sieglinde Klettenhammer, a.a.O., S.195.

(11) S.235f. und S.237, Z.20 fehlt nach “die” jeweils wohl “HKA” als Sigle für die Historisch-kritische (Trakl-) Ausgabe, und allein auf S.272 finden sich “Dabe”


*
* *



WALTER ENGEL, DEUTSCHE LITERATUR IM BANAT (1840-1939);

der Beitrag deutscher Kulturzeitschriften zum banatschwäbischen Geistesleben, Julius Groos Verlag, Heidelberg 1982, 290 S.

Für ein kultur- und literaturkritisches Profil des Banats der letzten Jahre des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Beschreibung des Zeitgeistes und der historischen und der damit zusammenhängenden ortsspezifischen politischen und kulturellen Begebenheiten unerläßlich. Zu diesem Zweck erwei-sen sich vor allem die Periodika jener Epoche als besonders wertvolle Quellen, die nicht nur das gei-stige oder das politische Interesse eines bestimmten Publikums zu widerspiegeln vermögen, sondern auch Tendenzen des deutschsprachigen literarischen Lebens im Banat beschreiben.

Diesem Thema greift Walter Engel in seinem Buch Deutsche Literatur im Banat (1840-1939); der Beitrag deutscher Kulturzeitschriften zum banatschwäbischen Geistesleben auf, das eigentlich seine Dissertationsschrift mit dem Titel: Das literarische Schrifttum im Spiegel der Banater deutschsprachigen literarisch-kulturellen Periodika (1840-1939) (Referent Univ.-Prof. Dr. Dietrich Harth, Koreferent Univ.-Prof. Dr. Klaus Heitmann) darstellt, die von der Neuphilologischen Fakultät der Universität Heidelberg angenommen wurde. Im Jahre 1982 erschienen, gehört es deshalb nicht zu den Neuerscheinungen, verdient jedoch ohne Zweifel in der "Zeitschrift der Germanisten Rumäniens" nicht zuletzt deshalb vorgestellt zu werden, weil man dem großen Interesse Rechnung tragen muß, dessen sich in letzter Zeit die deutschsprachige Literatur Rumäniens erfreut.

Engels Beschäftigung mit den Banater Periodika ist eine Erweiterung seiner Forschungen, die er zur Zusammenstellung einer Anthologie der Monatsschrift Von der Heide für den Kriterion-Verlag Bukarest durchführte. Vor allem die Bedeutung der verschiedenen Publikationen im kulturell-literarischen Bereich der angegebenen Zeitspanne war für die unternommenen Untersuchungen im Rahmen seines Studiums ausschlaggebend: Banater Publikationen wie die Wochenzeitung Temeswarer Wochenblatt (1840–1849), Euphrosine (1851, zweimal wöchentlich), die monatliche Romänische Revue (1885 – 1894), Banater Monatshefte (1933-1939) und Von der Heide (1909–1919, 1922–1927, 1937), sowie die Vierteljahresschrift Banater Deutsche Kulturhefte (1927–1931). Insgesamt zählt die Kollektion dieser Publikationen rund 15000 Seiten.

Bevor eine eingehende Analyse der angeführten Publikationen vorgenommen wird, enthält die Arbeit auch eine kurze Einführung in die Geschichte der Banater Schwaben einerseits, andererseits auch eine Beschreibung der kulturellen Entwicklung jener Periode (1. Kapitel: Einleitung. Aufgabenstellung und Methodische Fragen, 2. Kapitel: Kurze Einführung in die Geschichte und Kultur der Banater Schwaben). Entscheidender Faktor in dieser geschichtlich uneinheitlichen Zeitspanne war in erster Linie die Förderung der deutschen Muttersprache, vor allem im Schulwesen, aber auch durch die Kunst: besonders wichtige Impulse des kulturellen Lebens sind dem Theater zu verdanken, doch eine entscheidende Rolle in der Entstehung des nationalen und historischen Selbstbewußtseins der Schwaben aus dem Banat spielten eben die eigenen Publikationen, die zwischen den Jahren 1771 und 1942 eine Anzahl von 160 verschiedenen Periodika erreichten, wobei gegen Ende des 19. Jahrhunderts in fast jeder größeren deutschen Gemeinde eine eigene Publikation erschien.

Eine Systematisierung und Besprechung der wichtigsten kulturell-literarischen Periodika ist im Hinblick auf eine solche große Anzahl von Publikationen, die somit von einem regen politischen und kulturellen Interesse der Banater Bevölkerung zeugen, ist für eine kritische Betrachtung des künstlerischen und kulturellen Lebens jener Zeitspanne von großer Wichtigkeit. Walter Engels Deutsche Literatur im Banat kommt einer solchen Forderung entgegen und bietet - neben einer detailreichen Analyse der oben erwähnten Zeitschriften im dritten Kapitel (Das literarische Schrifttum in den deutschsprachigen literarisch-kulturellen Periodika. Bestandaufnahme und Interpretation) auch eine Übersicht, (4. Kapitel: Zusammenfassung), in der die Beziehungen zur Literatur des deutschen Sprachraums besprochen werden, aber auch der geistige Austausch zwischen den Nationalitäten dieses Sprachraumes, im allgemeinen zwischen der rumänischen und deutschen Kultur, behandelt wird.

Außerdem muß auf das äußerst hilfreiche bio-bibliographische Verzeichnis der deutschen Autoren aus dem Banat aufmerksam gemacht werden, das in erster Linie als Orientierungshilfe für den Leser gedacht wurde. Engels Buch ist somit eine besonders wertvolle Darstellung einer ereignisreichen Zeitspanne in der Geschichte der deutschen Bevölkerung des Banats.

S. 313-314

ªtefan Alexe


*
* *


DEUTSCHE SPRACHE UND LITERATUR IN SÜDOSTEUROPA - ARCHIVIERUNG UND DOKUMENTATION.

Beiträge der Tübinger Fachtagung vom 25. - 27. Juni 1992. Hrsg. v. Anton Schwob u. Horst Fassel, Verlag Südostdeutsches Kulturwerk, München 1996, 327 S.

Das Südostdeutsche Kulturwerk München und das Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde Tübingen veranstalteten vom 25. bis 27. Juni 1992 eine Tagung mit dem Thema “Dokumentation und Archivierung”. Die veränderten Voraussetzungen, die sich durch den Zusammenbruch des Kommunismus erwiesen, ermöglichten die Vertiefung und den Ausbau der Kontakte zu Fachkollegen aus Ostmittel- und Südosteuropa im Bereich der deutschen Sprache und Literatur. Die dort vorgestellten Referate, durch Beiträge ergänzt, sind in diesem Band nach vier Jahren veröffentlicht worden. Die Studien und Aufsätze sind nach den Bereichen Sprach- und Literaturwissenschaft gegliedert, so wie sie während der Tagung gehalten wurden.

Über Mundart und Standardsprache äußerte sich Kurt Rein in seinem Beitrag Mundarten und Hochsprache in Südosteuropa und ihre Erforschung unter den besonderen Sprachbedingungen dieses Raumes. Nach einer kurzen Geschichte der Sprachinseldialektologie stellt der Autor die Frage, inwiefern eine Sprachinselidentität an eine eigene Sprache gebunden ist, und ob diese aus Dialekt und Hochsprache oder nur aus einem besteht. Typisch für eine Sprachinsel sind Bilinguismus und Diglossie, die als Mehrbelastung empfunden werden. Zum Abbau solcher Mehrsprachigkeit gibt es zwei typologische “historische Lösungen”: die elsässische und die baltische. Diese Tendenzen zeigen sich auch in Rumänien. Anschließend werden dringende Aufga-ben der südostdeutschen Sprach- und Dialektforschung aufgezählt. Karl Manherz bringt in seinem Beitrag Die donauschwäbischen Mundarten und ihre Erforschung in Ungarn, nebst einer Einteilung der ungardeutschen Mundarten auch einen Überblick über die Entwicklung der hier betriebenen Dialektologie: am Anfang des Jahrhunderts erfolgte durch G. Petz eine Materialsammlung ohne eine Einordnung der Mundarten in ein System, es wurden einzelne Ortsmundarten beschrieben; unter H. Schmidt entstand eine sprachgeographische Schule, die jedoch nicht die innere Entwicklung der Mundarten beachtete. Erst in der Nachkriegszeit erfuhr die Mundartforschung durch Claus Jürgen Hutterer, Karl Mollay und andere einen Aufschwung. Interessant ist die Schlußfolgerung, zu der Brigitte Bruckner in ihrem Beitrag Die Struktur der Mundarten im mittleren Südsiebenbürgen kommt. Anhand der gegenwärtigen Verteilung der palatalisierten bzw. gutturalisierten Alveolare (geht von westgerm. langem Vokal i:, u: und Diphthong eu + t,d,n aus), zeigt es sich, daß die Siedlungsgeschichte Südsiebenbürgens mit dem horizontal-räumlichen Sprachausgleich zu verbinden ist: die Mundarten der ehemaligen Schenker Kapitelsgemeinden (erste Siedlungswelle) weisen z.T. gutturale Formen auf, jene der ehemaligen Kosder Kapitelsgemeinden (spätere Siedlungswelle) weisen überwiegend palatalisierte Formen auf, und die geographisch dazwischen liegenden Gemeinden, die als “Mischmundarten” bezeichnet werden könnten, enthalten sowohl gutturalisierte als auch palatalisierte Formen. Die Fragen, die sich Walter Hoffmann in seinem Beitrag Zur Situation der rheinischen Mundarten in der Gegenwart stellt und zu beantworten versucht, beziehen sich auf das Nord-Süd-Gefälle im Dialektgebrauch des mittel- und niederfränkischen Raumes. Tendiert der rheinische Raum zum südlichen Paradigma (mit hoher Dialektkompetenz) oder dem nördlichen (mit deutlich weniger Dialektkompetenz)? Beeinflußt die seit Ende der 70er Jahre propagierte “Mundartwelle” die rheinischen Dialekte in Richtung süd- oder norddeutscher Verhältnisse? Die Untersuchungen zeigen, daß die nördlichen Räume zu niederdeutschen und die südli-chen zu oberdeutschen Verhältnissen tendieren. Wolfgang Kleiber hebt im Beitrag Zur Erhebung von Fachwortschätzen in Süd-osteuropa. Erfahrungen und Vorschläge aus dem Umkreis des Wortatlas der kontinentalgermanischen Winzerterminologie (WKW) die Methodenprobleme der empirischen Feldforschung hervor. Zu beachten sind: Ortsrepräsentativität (Ortspunktauswahl), Dialektkompetenz der Informanten, ihre Fachkompetenz und die Altersschichtkompatibilität (Altersgruppe). Wünschenswert ist die Erhebung landwirtschaftlich-bäuerlich geprägter Fachsprachen, Handwerkfach-sprachen im bäuerlich-dörflichen Bereich und Handwerkfachsprachen im städtischen Bereich. In seinem Beitrag Überlegungen zu sprachgeographischen und sprachsoziologischen Forschungen im Banat. Ein Plädoyer für einen “Banaterdeutschen Sprachatlas” macht Peter Wiesinger konkrete Vorschläge zur sprachgeographischen Darstellung der Dialektverhältnisse im Banat. Als Vorbilder könnten einerseits der “Sprachatlas der deutschen Schweiz” und andererseits der “Mittelrheinische Sprachatlas” (MRhSA) von Günther Bellmann dienen. Hans Gehl erläutert in Datenerhebung in der Mundartforschung folgende Formen der Datenerhebung: direkte Erhebung, indirekte Erhebung, Selbstbefragung, Beobachtung und Schallaufnahme. Als Probleme der Feldforschung erweisen sich die Beziehung Explorator-Gewährsperson, die Auswahl der Gewährsperson und das Interviewverfahren. Im Beitrag Datenverarbeitung: Transkription, Verzettelung und EDV-Anwendung hält Joachim Göschel das Transkripti-onsinventar der Association Phonetique Internationale für das geeignetste, um das durch Erhebung gewonnene Sprachmaterial phonetisch genau zu transkribieren. Diejenigen, die die Transkription erstellen, müssen in Phonetik theoretisch und praktisch ausgebildet sein. Raphaella Lauf informiert im selben Beitrag darüber, wie zur Bearbeitung der Daten Programme verschiedener Rechnertypen verwendet werden können. Arno Ruoff berichtet in Mundartenvarianten. Bericht über das Projekt “Dokumentation donauschwäbischer Mundarten” über die Tübinger Arbeitsstelle “Sprache in Südwestdeutschland” (aus der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Spracharchiv entstanden), die mehr als 1500 Tonbandaufnahmen aus Baden-Württemberg und den Nachbargebieten hergestellt hat. Es wurden nebst Einheimischen auch Heimatvertriebene befragt, da bei den letzteren genügend Kenntnisse über einzelne donauschwäbische Dörfer vorhanden waren. Die diesbezügliche Publikation soll die Geschichte der Donauschwaben behandeln, die Grundzüge der Herkunftsmundarten aufstellen und die Entwicklung der donauschwäbischen Mundarten bis 1945 verfolgen. Die Mundarten der verschiedenen Siedlungsgebiete sollen beschrieben und mit Texten und Karten dokumentiert werden. Auch eine Tonkassette mit Ausschnitten aus Tonbandaufnahmen soll beigefügt werden. Berichte über die im Bereich der Dialektsyntax erzielten Ergebnisse bringt Katharina Wild in Statistisch-syntaktische Untersuchungen ungarndeutscher Mundarten.

Die Untersuchungen anhand von Tonbandaufnahmen betreffen die Syntax der “Fuldaer” ungarndeutschen Mundarten. Es geht um die Ermittlung der Positionsvarianten der einzelnen Elemente und ihnen zugrunde liegenden Stellungsprinzipien, wie auch des Einflusses, den Verbkomplexe auf die nominalen Elemente haben. Der Einfluß der ungarischen Sprache wird in einigen Fällen vermutet, kann aber nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Folgende sechs Aufsätze gehen auf Gestaltungsmöglichkeit und Zielsetzung von Mundartwörterbüchern ein. Helmut Protze zeigt in Das Sprachinselwörterbuch. Seine Gestaltung und Bedeutung für Sprachwissenschaft, Volkskunde und Geschichte, daß es schon seit den ersten Mundartwörterbüchern (18. Jh.) eine enge Verbindung der Dialektologie mit anderen Wissenschaften gibt. Die Sprachinselwörterbücher haben Wert für die Sprachwissenschaft, die Volkskunde, die Sozialgeschichte und die Geschichte, denn das aufgenommene Material erhellt z.B. die Binnenmundarten im ursprünglichen Auszugsgebiet der Begründer von Sprachinseln (siehe Siebenbürgen), klärt historische Abläufe, ehemalige und erhaltene Sachkulturen oder veranschaulichen den Übergang von der Ein- zur Zwei- oder Mehrsprachigkeit. Aus Rudolf Posts Beitrag Das Pfälzische Wörterbuch - Abgrenzung, Materialsammlung und Erarbeitung erfahren wir, daß das dokumentierte Areal das damals zu Bayern gehörige Gebiet der linksrheinischen Pfalz, die pfälzisch geprägten Siedlungsgebiete in Ost- und Südosteuropa und das Pennsylvaniadeutsche umfaßt. Die Sammelphase begann 1913 (Leiter Ernst Christmann, Nachfolger J. Krämer) anhand von Fragebögen. Andere Quellen sind die Mundartliteratur, die Archivalien und Editionen aus dem pfälzischen Raum. Seit den 50er Jahren wurde Mundart auf Tonband aufgenommen. Der Verfasser stellt auch die Gliederung der Wörterbuchartikel vor. In Das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch innerhalb der deutschen Mundartforschung. Eigenheiten und Aufbau macht uns Sigrid Haldenwang mit der Struktur des Wörterbuchs bekannt. Hier wird nur auf die jetzige Bearbeitung des Wörterbuchs hingewiesen, die sich von der von Adolf Schullerus begonnenen Anlage dadurch unterscheidet, daß sie das Sprachliche in den Vordergrund rückt und die volkskundlichen und kulturgeschichtlichen Exkurse vermeidet. Auch wird nicht eine internationale Lautschrift, sondern eine eigene verwendet. Die Wörterbuchartikel strukturieren sich in drei Teile: 1) Angabe der Lautvarianten, 2) Wortbedeutung und 3) Zusammensetzungen. Miteinbezogen ist die siebenbürgische Urkundensprache, wenn die Belege Bedeutung für die Geschichte der deutschen Sprache in Siebenbürgen haben. Anschließend an jede Bedeutung stehen Synonyme. Erklärungen zur Etymologie und dem Vorkommen der Stichwörter sind auch vorhanden. Das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch umfaßt auch den nordsiebenbürgischen Mundartraum, ist aber nicht ein parallelles Unternehmen zum Nordsiebenbürgisch - Sächsischen Wörterbuch, über welches Gisela Richter in ihrem Beitrag Zu Anlage und Anliegen des Nordsiebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuchs berichtet. Erschienen waren bis zur Veröffentlichung dieses Bandes die ersten drei Bände des Wörterbuchs. Gründer des synchronisch angelegten Wörterbuchs war Fr. Krauss, seit 1980 erfolgt die Erarbeitung durch Gisela Richter und Helga Fessler. Der Wörterbuchartikel umfaßt einen Lautkopf, Angaben zur Morphologie, eine Gliederung nach Bedeutungen, die durch Beispielsätze illustriert werden. Die Beispielsätze gewähren aber auch Einblick in die Fragen der Syntax. Nach eigenen Angaben der Verfasserin, sind die etymologischen Deutungen nicht konsequent unternommen worden. Hans-Henning Smolka versucht in Zum Problem von Mischung und Ausgleich in der siebenbürgischen Wortgeographie den Ausgleich der Mundarten in der Wortgeographie durch den Vergleich mit dem binnendeutschen Raum konkret zu überprüfen. Dazu verwendet er den SDWA und den DWA, wobei er 10 Karten zum Vergleich aus-wählt.

Die Ergebnisse sind folgende: der westmittel-deutsche Gesamtcharakter des Siebenbürgischen deutet sich auf lexikalischer Ebene an; das westliche Südsiebenbürgen und das Nösnerland ist mit dem West- und dem Ostmitteldeutschen und mit dem Bairischen vergleichbar. Was den Osten Siebenbürgens betrifft (mit seinen niederdeutschen Reliktbeständen), so ist keine Vergleichbarkeit mit einem binnendeutschen Raum festzustellen. Hier müssen entweder im Binnenraum oder im Ostsaum Siebenbürgens starke Veränderungen stattgefunden haben. Peter Kottler berichtet über den Gegenwärtigen Stand und Perspektiven der Arbeit am “Wörterbuch der Banater deutschen Mundarten”. Die Datenerhebung begann 1957 mit Hilfe der Studenten unter der Leitung des Lehrstuhlinhabers Dr. Stefan Binder, wobei 160 Ortschaften erfaßt wurden. Es wurden Diplomarbeiten und Banater deutsche Mundartliteratur exzerpiert. Tonbandaufnahmen müssen noch transkribiert werden. Weitere Erhebungen waren während der 80er Jahre nicht mehr möglich, da diese von der Universität nicht mehr finanziert wurden. 1986 erstellte man die Endform des Buchstaben D, doch auf Vorschlag von Prof. Stefan Binder begann man eine Umschreibung der Artikel. Das Wörter-buch stellt mehrere Mundarttypen nebeneinander: das Süd- und Ostfränkische, das Rheinfränkische, das Bairische (innerhalb dessen das Nordbairische) und den fränkisch-bairischen Mischtypus. Der Vorschlag, ein einziges Wörterbuch für alle donau-schwäbische Gebiete zu erarbeiten wäre schwerlich zu realisieren, da die Banater Mundarten schon sehr vielfältig sind und das einen komplizierten Aufbau der Artikel fordern würde. Maria Papsonova untersucht die Entwicklungstendenzen des Frühneuhoch-deutschen anhand der wichtigsten Rechtssammlung der Slowakei, der “Zipser Willkür” (älteste überlieferte Handschrift aus dem 15. Jh). In Die Entwicklung der Schreibsprache in der Zips am Beispiel der “Zipser Willkür” gelangt sie zum Ergebnis, daß hier die selben Entwicklungen wie im zentralen Sprachraum stattfanden. Der Beitrag von Halrun Reinholz Die Zweisprachigkeit Banater Schüler als Problem der Deutschdidaktik unterstreicht (ausgehend von der sprachlichen Situation des Banats) die Notwendigkeit, die Zweisprachigkeit als Ausbildungsziel in deutschen Schulen zu setzen. Man solle die Muttersprache durch kontrastives Arbeiten fördern, den Schülern die Sprachvarietäten bewußt machen und sie darauf aufmerksam machen, daß sich die deutsche Sprachnorm nicht immer mit dem rumäniendeutschen oder rumänischsprachigen Alltag vereinbaren läßt.

Folgende Studien und Aufsätze gehören zur lite-raturwissenschaftlichen Abteilung. Es sei darauf aufmerksam gemacht, das Literatur hier nicht nur als Belletristik, sondern als Schrifttum im weitesten Sinne aufgefaßt wird. In Deutschsprachige Veröffentlichungen im Raum des historischen Ungarn: Erschließung - Sammlung - Benutzung von Wolf-gang Kessler erfährt man, daß die Südosteuropa-Bibliographie ein vernachlässigtes Thema ist, besonders die Aufarbeitung der im Raum des historischen Ungarns bis zum II. Weltkrieg gedruckten deutschen Schriften. Um die Bibliographie zusammenzustellen, greift man zu den Regionalbibliographien, zur historischen und germanistischen Fachbibliographie, die Hinweise auf Arbeiten über die entsprechenden Regionen enthalten. Dazu tragen auch die Nationalitätenbibliographien, die Ortsmonographien und die sprachwissenschaftliche Literatur bei. Bibliotheken im Raum des historischen Ungarns und in der Bundesrepublik Deutschland besitzen deutschsprachige Hungarica und ergänzen oft die Bibliographie. Erfaßt werden auch die deutsch-sprachigen Zeitungen und Zeitschriften. Stefan Si-enerths Beitrag Pietismus in Siebenbürgen. Die Briefe des Sachsenkomes Andreas Teutsch an August Hermann Francke geht von den Kopien der acht Briefe des Hermannstädter Bürgermeisters und Königsrichters Andreas Teutsch (1669-1730) zwischen 1708 und 1714 an den Repräsentanten des Hallischen Pietismus aus. Aus dem Briefwechsel (nur die Briefe von A. Teutsch liegen vor) sind der Lebenslauf und die Weltanschauung des Siebenbürgers herauszulesen. Konrad Gündisch, in “Germanistisches” in der Siebenbürgischen Bibliothek Gundelsheim, bringt eine Parallelle zwischen Erwin Wittstocks unvollendetem Roman Das Jüngste Gericht in Altbirk und dem Schloß Horneck in Gundelsheim am Neckar, einem der umfangreichsten Dokumentationszentren, das siebenbürgische Literatur, Theaterwesen, Sprache, Publizistik und Kunst belegt. Der Volkskundler Gottfried Habenicht berichtet in seinem Beitrag Das Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde über die hier vorgenommenen Sammeltätigkeiten und existierenden Aufnahmen. Anton Unterkircher betitelt seinen Beitrag Das EDV-Projekt des Innsbrucker “Brenner-Archivs”.

Das Brenner-Archiv wurde 1964 an der Universität Innsbruck gegründet, die den Nachlaß von Ludwig von Fickers, seine Zeitschrift Der Brenner und die Nachlässe von Brenner-Autoren (Wittgenstein, Adorno, Heidegger, Meschendörfer, Alscher u.a.) verwaltet. Seit den 80er Jahren ist das Brenner-Archiv bestrebt, anhand von RAK (Regeln für wissenschaftliche Bibliotheken), Christoph Königs Richtlinien zur Verwaltung und wissenschaftliche Erschließung von Nachlässen in Literaturarchiven und von EDV-Programm BIBOS (Bibliotheksorganisationssystem) EDV einzuführen. In Die deutschsprachige Presse in Ungarn im Überblick. Eine Budapester Dokumentation bringt Maria Rozsa wertvolle Daten über die Existenz deutschsprachiger Zeitungen, Zeitschriften, Provinzialblätter und Fachorgane einzelner Berufsgruppen, beginnend mit dem 18. Jh. bis 1945. Aus der Geschichte der Bibliothek des Ordenshauses der Piaristen und des Minoritenkonvents in Szeged von Andras Varga erfahren wir, daß die zwei Klosterbibliotheken das wichtigste Informationszentrum in Südostungarn von der Türkenherrschaft bis zum I. Weltkrieg waren. Mit dem Übergang der Kirchengüter ins Staatseigentum (1949/50) wurde der größte Teil der Sammlungen zerstreut. Monica Vlaicu wendet sich in Das politische und das Vereinsleben der Deutschen in Rumänien, 1918 - 1945. Quellen aus den Beständen des Staatsarchivs Hermannstadt an jene, die Informationen über Vereine suchen, deren Tätigkeit sich auf ganz Siebenbürgen und nach 1919 auch sämtliche Siedlungsgebiete Großrumäniens mit deutscher Bevölkerung erfaßte. Ein sehr umfangreiches Material steht zur Verfügung, das aus gut bekannten Gründen vor 1989 nicht zugänglich war. Karl Kurt Kleins Briefwechsel mit rumänischen Gelehrten von Ioan Dordea bezieht sich auf den Zeitraum 1919-1944. Es geht hervor, daß Karl Kurt Klein in enger Beziehung mit rumänischen Persönlichkeiten stand: mit Lehrern, Forschern, Herausgebern, Kulturwis-senschaftlern, Dichter, Philosophen, Volkskundlern, Archivisten u.a. Kurz erwähnt seien hier nur Traian Bratu, Simion Mândrescu, Jean Livescu, Ion Bianu, Sextil Puscariu, Dumitru Caracostea, Radu Rosetti, Nicolae Iorga, Lucian Blaga. Durch den Beitrag von Horst Fassel Deutsche Literatur in den Sammlungen der Universitätsbibliothek Jassy werden wir darüber informiert, daß man in der Universitätsbibliothek Jassy für eine Grundlagenliteratur, die für das Germanistikstudium nötig ist, gesorgt hat. Hier ist auch deutsche Literatur aus den Provinzen Rumäniens vorhanden. Die Möglichkeiten der Nutzung von Quellen zur Geschichte der Deutschen aus Südosteuropa in serbischen Archiven sind, so wie Antal Hegedüs berichtet, beschränkt. Das am 26. Januar 1990 verabschiedete Gesetz beinhaltet, daß ein ausländischer Staatsangehöriger nur mit einer Sondergenehmigung forschen darf, die von den obersten Behörden der Republik oder Provinz erteilt wird. Genehmigung wird nicht erteilt, wenn es um Staatsgeheimnisse, Verletzung der Interessen der Gesellschaft oder der Bürger geht. Ioan Dordea bringt in Das neue Archivgesetz in Rumänien. Änderungen im Gesetzentwurf eine kurze Geschichte der rumänischen Staatsarchive: sie wurde 1831 als Institution gegründet, mit 1950 begann die Zentralisierung und die Beschränkung des Zugangs der Forscher, nach 1989 erfolgte die Entpolitisierung der Institution und des Personals. Seit 1992 gibt es die “Gesellschaft der Archivare und der Freunde des Archivs”. Der Gesetzentwurf, dem die Regierung 1992 zustimmte, betrifft den Status der Staatsarchive, die Verpflichtungen bezüglich der Bewahrung, Ordnung und Konservierung des Schriftguts.

Dieser Band enthält eine Vielzahl wichtiger Beiträge besonders zur Dialektologie, aber auch zur Geschichte, Kultur und Sprache der Deutschen in Südosteuropa. Die Vielzahl der hier angeschnittenen Fragen und Problemen, der vorgestellten Untersuchungen und erzielten Ergebnissen sind wertvolle wissenschaftliche Informationen für den Sprach- und Literaturforscher.

S. 314-317

Alvina Ivãnescu

*
* *



HERTA MÜLLER, IN DER FALLE. 64 S.,

Wallstein Verlag, Göttingen, 1996. (Politik - Sprache - Poesie: Bonner Poetik-Vorlesungen, Bd. II)

Geboren am 17.08.1953 in Nitzkydorf im Kreis Timis, genießt Herta Müller aufgrund der poetischen Qualität ihrer Erzählungen und Romane in der literarischen Öffentlichkeit Deutschlands heute ein Renommée, wie es als Autorin allenfalls noch der Lyrikerin und Trägerin des Georg-Büchner-Preises 1996, Sarah Kirsch, zukommt. Ausweise dessen sind die Verleihung des Kleist-Preises 1994 an die in Hamburg lebende Schriftstellerin ebenso wie die Aufmerksamkeit, derer sich ihre Bücher in den Literaturbeilagen und Feuilletons der überregionalen Tages- und Wochenzeitungen - etwa der ZEIT, der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen,... - für gewöhnlich sicher sein können.

Müllers jüngste Veröffentlichung, In der Falle, ist freilich kaum wahrgenommen worden. Vielleicht liegt das daran, daß es sich um einen schmalen Band handelt, noch dazu einen, der nicht bei Rowohlt, sondern in dem kleinen Göttinger Verlag Wallstein erschienen ist. Möglicherweise spielt auch eine Rolle, daß Müller mit diesem Buch - nach einem Band gesammelter Essays (Hunger und Seide. Reinbek bei Hamburg 1995) - abermals keinen Nachfolge-Roman zu der atmosphärisch beklemmend dichten, bis an die Schmerzgrenze der Präzision vorangetrie-benen Erzähl- und Beschreibungsprosa von Herztier (Reinbek bei Hamburg 1994) vorgelegt hat, sondern scheinbar ein Nebenwerk. Wohin die drei Vorlesungen über Theodor Kramer (1897-1958), Ruth Klüger und Inge Müller (1925-1966) gleichwohl führen, wird eingangs der ersten Vorlesung klar:

Die Bücher, von denen ich reden will, sind mit einem sehr hohen Preis (meist einem zu hohen) von ihren Autoren bezahlt worden. Daher sind sie nicht bloß Literatur [...]. Sie sind mehr als das, weil gleichzeitig Beweis für die persönliche Integrität schreibender Personen. Sie stellen ohne Fingerzeig moralische Maßstäbe vor Augen, die unter drastischem, politischem Druck, in Situationen der Lebensbedrohung nicht aufgegeben worden sind. // Die Autoren dieser Texte waren durch ihre Bücher für mich jahrelang Menschen, deren Freundschaft ich mir gewünscht und vorgestellt habe, wenn ich Halt suchte in Ceausescus Rumänien. Sie waren für mich persönliche Beispiele. Ich wollte es verdienen, mit ihnen befreundet zu sein [...] (S. 6).

“[Dtie persönliche Integrität schreibender Personen”, “moralische Maßstäbe [...], die unter drastischem, politischem Druck [...] nicht aufgegeben worden sind” und “Menschen, deren Freundschaft ich mir gewünscht und vorgestellt habe, wenn ich Halt suchte in Ceauºescus Rumänien” - das führt geraden Weges ins Zentrum des Literatur- und damit zugleich Selbstverständnisses der Autorin, kurz: ins Zentrum von Herta Müllers Poetik. Die hier über andere spricht, sie spricht immer auch von sich selbst; spricht von ihren und anderer Erfahrungen in der Falle, mit Literatur. Einmal steht wie von ungefähr “[D]er 'Gebrauch des Menschen' (Alexander Tisma)” (S. 53) als Titel da, und es fällt einem ein, daß alle Bücher Müllers von dem Gebrauch handeln, den in geschlossenen Gesellschaften Menschen von Menschen machen. Davon, daß Angst ihm vorausgeht und wie diese Angst im persönlichen Widerstand gegen die Norm nicht geringer wird, sondern bewußt. Wie sie zur Angst wird, ins Leere zu stürzen,... weshalb der “Verweigerer” (S. 14) Freunde braucht, die in der gleichen Situation sind, und “Bücher fürs Leben gegen die Angst” (S. 20).

In der Falle berichtet von einem Umgang mit Texten, der zu Recht nur in Anführungsstrichen “'Gebrauch'“ (S. 19) heißt, weil er viel mehr ist als das. “Ruth Klüger spricht von 'gebundener Sprache' in haltloser Zeit. Mit Gedichteaufsagen hielt sie sich aufrecht bei stundenlangen Apellen in Auschwitz. Theodor Kramer schrieb sich täglich mindestens ein Gedicht.” (S. 18) Sie selbst habe sich auf dem Weg zu einer Freundin, bei der sie ihre Texte versteckte, “angstlos” gemacht, indem sie Gedichte, die andere geschrieben hatten, vor sich hinsprach: “Ich war so vermessen, zu glauben, mir könne nichts passieren, schließlich stecke ich ja mitten in einem Gedicht” (S.19). Eines der so gebrauchten Gedichte gehört zu den schönsten von Sarah Kirsch:

Dieser Abend, Bettina, es ist
Alles beim Alten. Immer
Sind wir allein, wenn wir den Königen schreiben
Denen des Herzens und jenen
Des Staats. Und noch
Erschrickt unser Herz
Wenn auf der anderen Seite des Hauses
Ein Wagen zu hören ist. (S.20)

Herta Müllers Poetik - das macht dieser schmale Band deutlich - ist keine des postmodernen l'art pour l'art. Eher schon die einer Gebrauchsliteratur im eben skizzierten Sinn. Mithin am ehesten eine der Angst. Einer Angst, die der Autorin den Blick schärft und sie als Leserin hellhörig macht für die Angst, die anderer Bücher diktiert hat: “Die Texte, von denen ich reden will, sind das aus der Todesangst hinausgehetzte Wort, das auf dem Papier steht. Jeder Satz behält diese Angst und zieht beim Lesen die gleichen Kreise wieder, aus dem er entstanden ist.” (S.9) “Beim Lesen schnappt die Falle wieder zu. Es ist [...] Angst im Spiel. Nachgetragene Angst um den Autor, aber auch um sich selbst.” (S.16) Dabei geht es keineswegs darum, Angst - wie auch immer - erst zu erzeugen. Mit vordergründigem Nervenkitzel und Schauerromantik hat Müllers Poe-tik so wenig gemein wie etwa Vlad Tepes mit Vincent Pryce in der Rolle des 'Dracula'. Nur wenn die Worte authentische Angst schon enthalten, stillen sie nämlich auch Angst. “Sie können die Angst nicht nehmen. Doch sie beruhigen, ohne zu täuschen, indem sie die Angst noch einmal bestätigen.” (S.19)

Solche “Bücher fürs Leben gegen die Angst” (S.20) sind für Müller die von Kramer, Klüger und Inge Müller, weil sich in ihnen persönlich Gelebtes, Moral und Sprache untrennbar verschränken. “Was diese Sprache treibt, ist eine Direktheit, die sich, weil sie die Todesspur nicht verlassen kann, keine Zeit nimmt. [...] Sie braucht jenseits des konkreten Vorgangs kein zusätzliches Wort. Die Wahl der Worte ist Haltung und vom ethischen Anspruch nicht zu trennen. Dies Buch [Ruth Klüger, weiter leben. Eine Jugend. Göttingen: Wallstein, 1992t beweist, daß Moral den Umgang mit Sprache so unfehlbar prägt wie den Umgang mit dem Alltag der Welt. Daß Kompromißlosigkeit diesen Umgang ganz bestimmt oder gar nicht. Und sie funktioniert als Verantwortung für andere nur dann, wenn sie unsichtbar, schon für das eigene Selbstverständnis nötig ist.” (S.26f.) Oder - über Inge Müller, die auf deutscher Seite “als letztes Aufgebot des Krieges aufgestellt [wurde...: stie gehörte zu Hitlers Kindern mit dem Himmelsschlüssel am Hals” (S.52) -: “Für [... sie] war persönliche Moral kleinste Geste. Bei ihr wird von innen gemessen. Das Ich wird von dem Punkt, wo es sich vor sich selber fürchten muß, keinen Schritt weggeführt.” (S.53)

Daß Moral eine innere Haltung ist, “etwas Privates” (S.28), das, weil fürs Selbstverständnis unentbehrlich, entweder ganz ist, intakt, oder gar nicht; etwas, das den Einzelnen daher auf nichts als sich selbst, auf sein Bild im Spiegel, verweist und zurückwirft, wann und wo immer der Alltag vom schlechten 'Gebrauch des Menschen' beherrscht wird, - dies hat Herta Müller aus eigener Erfahrung in Hunger und Seide wie folgt formuliert: “Je eigentlicher, je zuverlässiger Widerstand war, um so mehr war er weiter nichts als eine moralische Geste. Er begann im eigenen Schädel, im Alleinsein vor seinem eigenen Bild. Er kam aus dem Festhalten an moralischen Vorstellungen von sich selbst. Aus dem Bedürfnis, trotz aller lebenslästiger Konsequenzen anständig zu bleiben. Politisch wurde er viel später und nur als Ganzes, also im nachhinein, als Reaktion der Macht.” (A.a.O., S.91f.) Ebendort war auch von Angst schon die Rede: “Mit Mut ist die schlimmste Wendung, die das eigene Leben beim Verlassen der Norm schon genommen hat, nicht zu fassen. Aber mit Angst. Nur sie macht eigenwillig und stur. Und nur die Angst stellt den wirklichen Zustand so groß vor den Blick, daß man dem Schein nicht mehr folgen kann. Sie tickt anders als die Norm, nicht von außen, sondern von innen. In dieser Angst wird man besessen, [...] wird man gezwungen, sich selbst zu entsprechen, weil die Lüge der Gesellschaft unbrauchbar wird für den eigenen Halt und über die Kante fällt.” (A.a.O., S.92)

Die eben zitierte Passage - und dies scheint mir wichtig - macht Angst als die emotionale Kehrseite und damit Entsprechung einer Moral kenntlich, die sich aus nichts als persönlichem Anstand und Selbstachtung speist. Nicht gegen die Angst zu leben, sondern ihr nachzugeben, heißt deshalb für Müller, zum Mitläufer oder Täter zu werden. In der Falle faßt diesen Befund lapidar in drei Sätze. “Mitschuld ist niemals Folge, sondern Gleichzeitigkeit in dem, was man tut.” (S.8) Und: “Ich lebte in einer Diktatur und wollte nicht mitschuldig werden. Und das ging nur von Anfang an, nur solange noch keine Schuld begonnen hatte.” (S.9) Müller kommt daher auch nicht umhin, die bei Kriegsende kaum zwanzigjährige Inge Müller als Luftwaffenhelferin der deutschen Wehrmacht “wahrlich auf der anderen Seite” stehen zu sehen, “[u]nd mit einem Ziel, das für Theodor Kramer und Ruth Klüger den Tod bedeutet” (S.53). Sie weist aber auch, und zu Recht, darauf hin, daß Müller, Mitarbeiterin und erste Frau des Dramatikers Heiner Müller, sich selbst lebenslang nicht anders gesehen und damit, bis in die Konsequenz ihres Freitods hinein, auf sich genommen hat, “was eine ganze Kriegsgeneration nach 1945 wegsteckt. Sie tritt auf der Stelle, in und vor dem neuen Staat DDR, der seinen Nationalsozialismus schnell an den Westen delegiert und sich als antifaschistisch definiert hat. [...] Inge Müller steht herum, mahnt und stört. Sie ist hängen geblieben an sich selbst von damals, im Krieg. [...] Sie bezieht sich nicht nur auf das eigene Tun, sondern auf das verbrecherische Ganze. Und sie schlägt sich herum mit der Frage, wie es gewesen wäre, mit ihr, wenn sie ein paar Jahre früher geboren und in den Krieg befohlen worden wäre.” (S.52f.) “Der Faden, an den sie ihr Leben zu hängen versucht,” jener Faden, der 1966 zerreißt, “ist gedreht aus geraubter Menschenwürde und Selbstvorwürfen.” (S.52)

Wohlgemerkt nicht daß “von außen gesehen [...] die Schuld der Inge Müller nicht real [ist]” (S.52), sondern einzig die Weigerung, sich gemäß der Raison des ostdeutschen Teilstaats später selbst schuldlos zu sprechen, rückt Müller für Müller zu Klüger und Kramer: “Sie sind so gleich in ihrer psychischen Struktur [...]. Hätte ein angstloser Täter nicht die Falle gebaut, hätten unzählige ängstliche Täter und Mitläufer die Falle nicht bedient, wäre keiner der drei Autoren zerbrochen.” (S.53) Dahinter steht eine Typologie, die - auf der Annahme fußend, “daß Menschen in allen Diktaturen (so unterschiedlich sie auch sein mögen) vor ähnlichen Grundsituationen stehen” (S.11) - den angstlosen Täter, den ängstlichen Täter, den Mitläufer und den Verweigerer kennt (vgl. S.11ff.). Letzterer “wird zum Staatsfeind” (S.14). Für ihn “ist die Falle gebaut” (S.14f.). Und nur er, falls er überlebt, “hat im Schreiben keinerlei Leichtigkeit. Was er schreibt, muß sich noch einmal in den gleichen Bahnen drehen, in die das Noch-am-Leben-sein geschleudert worden ist. [...]Was dann auf dem Blatt steht, liest sich wie: weiter leben (Ruth Klüger). Oder: die wahrheit ist man hat mir nichts getan (Theodor Kramer). Oder: wenn ich schon sterben muß (Inge Müller).” (S.16) Es liest sich wie Herztier von Herta Müller. Und In der Falle läßt ahnen, warum.

S. 317-319

Wolfgang Schaller


*
* *



EUROLINGUA DEUTSCH. DEUTSCH ALS FREMDSPRACHE FÜR ERWACHSENE.

Autoren: Hermann Funk und Mi-chael Koenig. 1. Auflage 1996, Cornelsen-Verlag Berlin.


eurolingua ist eigentlich ein Projekt, „ein einheitliches, auf die Bedürfnisse Erwachsener zugeschnittenes Lehrwerksystem” (wie es sich selbst im Prospekt vorstellt) für mehrere europäische Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Der Europarat war Auslöser dieses Projektes. eurolingua Deutsch erfüllt die Anforderungen, die von der International Certificate Conference (ICC) für Fremdsprachenzertifikate gestellt wurden; es entspricht den Vorgaben des Goethe-Institutes und führt zum Zertifikat Deutsch als Fremdsprache.

Das Lehrwerk eurolingua Deutsch hat drei Bände, besteht aus Lehr- und Arbeitsbuch in einem, einem Vokabeltaschenbuch, einem Lernerhandbuch, einem Lehrerhandbuch und Hörcasetten / CD für jeden Band. Nach dem Durcharbeiten ist der Lernende auf das Zertifikat DaF vorbereitet. Bd. 1 ist 1996 erschienen, September 1997 folgt Bd. 2, Januar 1998 folgen Bd. 3 und das Lehrerhandbuch. Die Autoren - Dr. Hermann Funk und Michael Koenig, beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Fachbereich DaF der Germanistik an der Universität-Gesamthochschule Kassel/BRD - haben nach eigenen Aussagen dieses Lehrwerk für Erwachsene mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Lerngewohnheiten (unter-schiedliche Charaktere, Alters- und Berufsgruppen) geschrieben. Weil Erwachsenenbildungskurse heterogen sind und weil die meisten Sprachkurse am Abend (wenn die Aufnahme- und Lernfähigkeit eingeschränkt ist) stattfinden, mußte das Lehrwerk an-ders gestalten werden. Die Motivation muß aufrecht erhalten werden, denn wir dürfen nicht vergessen, daß einiges an Durchhaltevermögen und Fleiß nötig ist, um eine Fremdsprache zu erlernen. Die Lernenden dürfen sich nicht quälen, sonst verlieren sie schnell ihr Interesse.

Der Aufbau der Einheiten (kurz, wegen der nötigen Abwechslung - 24 Einheiten und 3 Optionen in jedem Band) ist linear. Sie sind attraktiv gestaltet und klar strukturiert. Eine Übersicht am Anfang jeder Einheit stellt vor, welche kommunikativen, grammatischen, landeskundlichen und lerntechnischen Inhalte im weiteren vermittelt werden. Die Transparenz der Struktur ist eine wesentliche Hilfe für den Lerner. Der Lernende orientiert sich leichter im Lehrwerk: er kann ganz schnell überblicken, wozu das erworbene Wissen führt, wie man das Gelernte verwenden kann, wie das Lernen führt aber auch wie er am besten lernt. Der Erwerb von Lernstrategien und -techniken - das sogenannte Lernen lernen - ist im Lehrprozeß integriert. Die Kreativität der Lernenden braucht Impulse vom Lehrbuch. Der Lerner gewinnt dadurch mehr Selbständigkeit als beim Benutzen anderer Erwachsenenlehrwerken. So kann er an einer Veranstaltung fehlen, ohne große Schwierigkeiten bei der eigenständigen Bearbeitung des betreffenden Lehrstoffes zu haben. Diese Selbständigkeit und Sicherheit führen zu einem Motivationsniveau der Lerner schon in der Anfangsphase. Schwerpunkte der Spracharbeit sind Hörverstehen und Leseverstehen, Grammatik, Dialog und Wortschatzarbeit, die mit Hilfe interessanter Themen bearbeitet werden. Die Themen wurden so ausgewählt, daß sie Erwachsene interessieren, wie Alltag, Beruf, Freizeit und Reisen (Themen zum allgemeinen Interesse der Erwachsenen) aber auch Auseinandersetzungen mit gesellschaftlichen Problemen aus interkultureller Sicht (Geschmack, Feste und Feiertage, Männer und Frauen, usw.) kann man da finden. Schon im Anfangskurs werden intellektuelle Anreize gegeben sowie erwachsenengerechte Themen angeboten, um nicht wieder - wie üblich - auf einfache aber inhaltlich banale und fade Themen zu kommen, die die Lerner leicht verstehen würden.

Die Wortschatzarbeit wird leichter mit Hilfe der Mindmaps erleichtert: ein besser organisierter Wort-schatz wird leichter gelernt. Die primäre Kategorien, sowie das Neu-mit-Alt-Prinzip und das Erkennen des Primärwissens kann man hier erkennen. Mnemotechnische Hilfen, sowie das Prinzip von Geben/ Nehmen von Hilfen stehen als Grundstein in der Wortschatzarbeit. Wortschatz- und Dialogarbeit werden zusammen mit Grammatik geübt. Die sanfte Wortschatz- und Grammatikprogression fördern schnelle Fortschritte; die natürliche Progression ist nötig. Keine Tabellen (im Falle der Grammatik) werden dem Lerner vorgegeben - diese müssen sie selbst nach induktivem Lernen unter Leitung der Dozenten erarbeiten. In eurolingua Deutsch spielen Dialog- und Wortschatzarbeit, Grammatik, Hör- und Leseverstehen eine gleichrangige Rolle.

Eine Rückkehr zum „Altmodischen” kann man in der Textsortenauswahl erkennen: die literarischen Texte erscheinen schon früh. Die authentischen Texte bringen die Lernenden auf authentische Aufgaben.
Die Übungen und Aufgaben, sowie die Unterrichtsvorschläge fördern die handlungsorientierte Kommunikation. Spielend kommt man zum Spracherwerb.

Warum ist eurolingua Deutsch anders? Man kehrt zum alten System des Lehr- und Arbeitsbuches zurück. Am Ende stehen ein alphabetisches Wörterverzeichnis, die Hörtexte, die im Buch nicht abgedruckt sind und die Übungsschlüssel.

Das einsprachige Vokabelheft ist etwas ganz neues aber auch ganz altes zugleich. Dr. Hermann Funk, einer der zwei Autoren sagt, sie hätten bemerkt, daß die Glossare sowieso beschrieben sind. Also warum nicht den Lernenden gleich die Gelegenheit geben, das ganz gezielt im Fremdsprachenunterricht zu machen? Daher ist das Vokabelheft dreispaltig angelegt: In der linken Spalte steht der deutsche Eintrag, in der mittleren haben die Lernende die Möglichkeit, selbst die Übersetzung einzutragen, während in der dritten Spalte ein Satz steht, welcher das betreffende Wort im Kontext präsentiert. Zweisprachige Glossare in zentralen Ausgangssprachen - Englisch, Französisch, Spanisch und Russisch - können das Vokabelheft ersetzen.

Die Cassetten und Cds enthalten außer den Texten aus dem Kursbuch auch viele andere Hör-Verstehenübungen, denn nur das Gehörte kann man aussprechen. Durch das Üben des Hörverstehens kann man schneller zur korrekteren Aussprache und zur Verbesserung der Sprachfähigkeit kommen.

Das Lernerhandbuch soll dem Lerner helfen, den eigenen Lernprozeß selber zu steuern (Fördern des autonomen Lernens). Es wurde in drei Teile eingeteilt: Lernen zu lernen enthält alle Lern- und Arbeitstrategien; Kommunikation enthält eine Anreihung der kommunikativen Situationen und eine Redemittelliste, die für das Zertifikat DaF relevant ist; Grammatik faßt alle im Kurs vorgestellten Strukturen zusammen - eine systematische Grammatik der deutschen Sprache bis zum Zertifikatsniveau (ein einziges Buch für alle drei Lehrbücher).

Die Kursleiterhandbücher für jedes Lehrbuch werden noch erarbeitet. Sie sollen Tips zu Unterrichtsgestaltung und -ablauf sowie landeskundliche Informationen enthalten.

Wir können also sagen, daß wir eine neue Ära der Lehrwerke vor uns haben. Leichter, schneller, besser, interessanter. Ist das nicht, was jeder von uns im Unterricht will? Lerner und Lehrende können durch dieses neue interkulturelle Lehrwerk neue Erfahrungen machen. Kennenlernen und probieren, auf eigene Haut wirken lassen wäre für mich das Motto des neuen Konzepts eurolingua.

S. 319-320

Ioana Velica

*
* *



JURA SOYFER, ASTFEL A MURIT UN PARTID

(Rum. von Elena Viorel), Dacia, Cluj-Napoca 1996, 166 S.

Astfel a murit un partid ist nur eines der zahlreichen Werke des in der deutschsprachigen Literaturgeschichte fast unbekannten judenabstämmigen Jura Soyfer, dessen kurzes Leben (1912-1939) selbst die tragische Geschichte der Menschheit vom Anfang des Jahrhunderts erzählt. Am 8. Dezember 1912 in Harkow (Rußland) geboren, findet Jura Soyfer mit seiner Familie im Wien der zwanziger Jahren ein neues Zuhause. Bereits zur Zeit des Gymnasiums ergreift er Partei in den Reihen der Sozialisten, eine politische Wahl, die später, während seines Germanistik- und Geschichtestudiums, konkretere Formen annehmen sollte. Seine ersten Schriften sind politische Kabarettstücke im Sinne der Sozial-Demokratischen Partei. Es folgen Veröffentlichun-gen in den Zeitschriften “Schulkampf” und “Arbeiter-Zeitung”. Der Roman So starb eine Partei (rum. Astfel a murit un partid entstand 1934, wurde jedoch erst in den siebziger Jahren in der DDR gedruckt. Das Gesamtwerk Jura Soyfers erschien 1980 in Wien.

Dem Roman So starb eine Partei wurde von der Jura-Soyfer-Gesellschaft eine besondere Aufmerk-samkeit in der von ihr herausgegebenen Internationalen Zeitschrift für Kulturwissenschaft “Jura Soyfer” (Nr. 2/1997) gewidmet. Diesbezüglich bemerkte man, daß die Soyfer-Rezeption in Rumänien eher karg sei und deshalb der in Elena Viorels Übersetzung erschienene Roman willkommen sei als Beitrag zur Bekanntmachung und Verbreitung der soyferschen Schreiben. “Gerade heute, da wiederum über Sozialfragen, Sicherheitssysteme heftige Auseinandersetzungen geführt werden, sind Soyfers Schriften, die den Weg in die Gewalt darstellen, sich aber gegen Krieg und Gewalt mit modernen literarischen Mitteln wenden, hochaktuell” (a.a.O., S. 5), bemerkt der Verfasser des Editorials, der kein anderer ist als der wissenschaftliche Direktor des Instituts für die Erforschung und Fürderung österreichischer und Internationaler Prozesse, Dr. Herbert Arlt..

Der Roman schildert die geschichtlichen Begebenheiten im “roten” Wien der Arbeiterkreise. Es ist dies eine Stadt, deren Universum reduziert zu sein scheint, während die zahlreichen Gestalten des Romans (Zehetner, Dworak, Gellert, Blum, Dreher u. a.) wie ein mächtiger Fluß von Willen uns Leideenschaft den Leser mitreißen. Es ist das Wien Canettis oder Schnitzlers, gesehen jedoch aus einer anderen, nahezu modernen Sicht. Außerdem kann man bei Soyfer sehr klar das politische Element erkennen, die Indifferenz des Volkes dem Nationalsozialismus gegenüber und die überwiegend atheistische Politik jener Zeit, die in einem überwiegend christlich-katholischen Land keine Chance zum Überleben hatte. Soyfers Personengestaltung erfolgt nicht in der Darstellung einzelner Charakterzüge (obwohl man dieses erwarten würde), sondern im Aufbau grotesker, karikaturartiger Bilder, die eine jede Gestalt charakterisieren und ein jedes Schicksal einleuchtend schildern..

Der Roman des im Buchenwald verstorbenen Jura Soyfer ist nicht nur als eine sozialkritische Darstellung zu verstehen, sondern kann auch als ein zeitgenössischer Roman gelesen werden. Denn wenn das Kriegsbild und die vielen geschichtlichen Daten eliminiert werden, bleibt die in ihm aufgeworfene soziale Problematik gegenwartsbeständig. Der Roman bringt dadurch nicht nur eine Illustrierung der Gesellschaft jener Zeiten, sondern entpuppt sich auch als eine äußerst angenehme und interessante Lektüre.

S. 320

Radu-Mihai Alexe


*
* *



MIRCEA CÃRTãRESCU: NOSTALGIA. ROMAN.

Berlin Volk & Welt 1997. Aus dem Rumänischen von Gerhardt Csejka. 448 S.

Der 1956 in Bukarest geborene Mircea Cartarescu, ein Vertreter der jüngeren rumänischen Schriftstellergeneration, hat mit seinem 1993 erschienenen und bereits in mehrere Sprachen übersetzten Prosaband Nostalgia - eine kürzere Fassung war schon 1989 unter dem Titel Visul (Der Traum) publiziert worden - ein Werk vorgelegt, das nun durch die gelungene Übersetzung von Gerhardt Cseika dem deutschen Publikum zugänglich gemacht wurde und angesichts dessen man ausrufen möchte: endlich ein Buch, das der rumänischen Wirklichkeit nicht aus der sozialen Mitleidsperspektive oder mit dem Pathos politischer Anklage begegnet, sondern mit den Augen und dem Willen des Künstlers!

Fünf eigenständige Erzählungen - ein ‘Prolog’, ein ‘Epilog’ und ein dreifach gegliederter Hauptteil mit dem Titel ‘Nostalgie’ - formen diesen Roman, dessen Einheit in der Reflexion der künstlerischen Existenz und im Vorgang des Erinnerns gesehen werden kann. Nicht die Proustsche “memoire involontaire”, sondern ein willentliches Erzeugen und Hervorbringen erzählerischer Wirklichkeit bilden die geheime Triebkraft dieses Werks. Nostalgie in diesem Verstande wäre dann gerade nicht sehnsuchtsvolle Evokation von Vergangenem, sondern Inbesitznahme der verlorenen Zeit mit den Mitteln des magischen, mythischen, phantastischen und surrealistischen Erzählens, das auch Elemente der Science Fiction- und Fantasy-Literatur mit einbegreift. Statt der Erzeugung von Gegenwart in der Geschichte dominiert als Telos des Romans die Substitution der Geschichte durch die erzählerische Gegenwart.

Alle Protagonisten des Romans können als Me-tamorphosen, Parabeln oder Sinnbilder des Künstlers gedeutet werden: der Roulettspieler aus dem ‘Prolog’, der wie Jakob mit dem Engel kämpft und das Unmögliche, die Realität des Fiktionalen, möglich macht; der Knabe Mendebilus, der wie ein Skalde mit Sagen aus mythischer Vorzeit seine Spielkameraden verzaubert, die Zwillinge, die den platonischen Mythos von der ursprünglichen Einheit der Ge-schlechter insofern überbieten, als sich Andrei, der Mann, leibhaftig in Gina, seine Freundin, verwandelt; Valli und Swetlana, die dem sog. REM, der Utopie des Erzählens auf der Spur sind, und schließlich der Architekt Emil Popescu aus dem ‘Epilog’, dessen künstlerisches Schaffen in einem kosmischen Geschehen kulminiert.

Nostalgia ist ein Künstlerroman, ebenso aber auch ein Jugend- und Adoleszenzroman. Die Orte der Kindheit, das Leben in den Hinterhöfen und in den Wohnblocks, die Spiele der Jungen und Mädchen werden lebendig und zugleich ins Traumhaft-Halluzinatorische verwandelt, etwa wenn Nanas Kameradinnen beim Spielen im Hof in einer Art Realprophetie ihr ganzes Leben proleptisch durchlaufen. Zahlreiche Passagen des Romans tragen autobiographischen und diaristischen Charakter, so daß sich oftmals die Grenze zwischen Schilderungen des Pubertären und pubertären Schilderungen nicht so recht ziehen läßt, vor allem wenn es um Themen wie die höhere Mission und die Unsterblichkeit des Schriftstellers oder die Bestimmung der Frau geht.

Nostalgia ist auch ein Stadtroman, ein Roman über Cartarescus Bukarest, das es vielleicht schon bald so wenig mehr geben wird wie Döblins Berlin: wunderbare Porträts und Miniaturen zur Calea Mosilor, zur Piata Obor, eine Vielfalt von urbanen Eindrücken und lebendigen Straßenszenen wie die des im Winter von einem Auto überfahrenen Straßenköters. Überhaupt liegt Cartarescus Stärke in der hingebungsvollen und minutiösen Beschreibung, zugleich aber auch in der phantastischen und magischen Anreicherung der Wirklichkeit, die an Garca Márquez und Cortázar gemahnt, die in Nostalgia auch ausdrücklich genannt sind. Phantastik und Erinnerung gehören zusammen, wie etwa bei der Schilderung der Liebesnacht im Bukarester Antipa-Museum, bei der die naturkundlichen Exponate zum Leben erwachen und das Liebespaar schließlich auf die nächtliche Piata Victoriei hinaustreiben.

Nostalgia ist schließlich ein utopischer Roman, ein Roman, der die Utopie des Erzählens beschwört. In einem verlassenen Lagerschuppen trifft Swetlana auf den Erzähler, der gerade an der Geschichte schreibt, in der sie ist: die Erfahrung der grenzenlosen Präsenz des REM bewirkt also die Aufhebung der Grenze zwischen Realität und Fiktionalität, die Erzählung bringt erst eigentlich die Wirklichkeit hervor. Diesem postmodernen Konzept widerspricht aber in der schriftstellerischen Praxis Cartarescu das Festhalten am allwissenden Erzähler, sei es in kontrolliert eingesetzten Kommentaren oder Anreden an den Leser, sei es in der Kreation eines Fantasy-Wesens aus dem Kapitel REM, das als Erzählprinzip fingiert. Das Erzählen wird dadurch gerade nicht zu sich selbst befreit, in die Polyphonie aus metaliterarischen Reflexionen, protokollierten Traumsequenzen, assoziativen Erinnerungsresten, literarischen Anspielungen, literaturgeschichtlichen Zitaten, magischen Projektionen, populärwissenschaftlichen Diskursen, märchenhaften Elementen mischt sich ein Mißton, die Stimme des Autors. Sie erklingt, formal gesehen, auch in der Formlosigkeit des gesamten Romans und gleicht darin Berninis Daphne, die - dem Dichtergotte vorauseilend - sich halb nur in einen Lorbeer verwandelt hat. Wenn ein Werk Cartarescus Opus Pate gestanden hat, so stammt es nicht von im Roman explizit genannten Dichtern wie Rilke, Kafka, Thomas Mann, Eliot, Huysmans, d’Annunzio, Proust, Eminescu oder Arghezi, sondern von Ovid: postmoderne Metamorphosen des Erzählens, die nicht mit einer creatio ex nihilo anheben, sondern in einer kosmischen Schöpfung enden.

S. 321

Markus Fischer


*
* *



HELMUT BÖTTIGER: ORTE PAUL CELANS.

Paul Zsolnay Verlag 1996, 175 S.

Ein Buch über Paul Celan kann von vornherein mit dem wachen Interesse vieler Leser rechnen. Der Gegenstand ist derart brisant, daß er mit hundertprozentiger Sicherheit für ein solches Interesse sorgt. Denn die Literatur zu diesem aus der Bukowina stammenden Dichter nimmt ständig zu - die neueren Bände gleich zweier historisch-kritischer Ausgaben regen zu Auseinadersetzungen mit Werk und Biographie dieses Dichters wesentlich an. Von den jüngsten, die Diskussion um ihn fördernden Beiträgen seien an dieser Stelle erwähnt: John Felstiner, Paul Celan. Eine Biographie (Beck, München 1997; Besprechung von Jean Bollack in der “Neuen Zürcher Zeitung” vom 2.-3. August 1997, S. 59), Bernhard Paha, Die “Spur” im Werk Paul Celans. Eine "wiederholte" Lesung Jaques Derridas (Gießen: Kletsmeier, 1997), Alois Keller, ...in eines Anderen Sache. Analysen zu fünf Gedichten Paul Celans (Berlin u.a.: Lang, 1997), Lydia Kölle, Paul Celans pneumatisches Judentum: Gott-Rede und menschliche Existenz nach der Soah. (Mainz: Matthias-Grünewald-Verlag, 1977) sowie die dem Übersetzer Celan gewidmete Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Marbacher Schiller-Nationalmuseum: “Fremde Nähe” - Celan als Übersetzer.

Daß sich ein solches Buch nicht nur seitens der Leser, sondern auch der Kritik starker Beachtung erfreut, beweisen die Stellungnahmen in der Fachwelt. Weite Teile des 1996 herausgegebenen Bandes von Böttiger wurden bereits am 19. Dezember 1992 in der “Frankfurter Rundschau”, S. ZB 3, veröffentlicht. Nach dem Erscheinen wurde er durch Andreas Breitenstein in der “Neuen Zürcher Zeitung” vom 26./27. Oktober 1996, S. 65, ausführlich präsentiert und kommentiert und angesichts der Verkrampfung vieler Literaturwissenschaftler wegen seiner “Leichtigkeit” für “lesenswert” erklärt. Leider war uns Herta Müllers öffentliche Stellungnahme zu diesem Buch (und darüber hinaus zum Autor Paul Celan) bis jetzt noch nicht zugänglich.

In der Tat, Böttigers Buch ist in jeder Hinsicht “lesenswert”: vom einfachen Leser, dem sonst prätiös dargestellte Zusammenhänge von Leben und Literatur, von Biographie und Text hier in einem einleuchtender Art und Weise sicht- und verstehbar werden, aber auch vom Fachmann, der den souveränen, vom Alptraum der überwältigenden Sekundärliteratur weitgehend befreiten Duktus bewundert. Denn nicht von ungefähr merkt Böttiger über die Zelebrierung der “Textbeschwörung” in der Celan-Sekundärliteratur an: “Die Germanistik hat Paul Celan zu einem mythischen Text gemacht, in dem nur Höheres zur Sprache findet und nur Tiefes aufscheint.” (S. 16) Böttiger will mit seinem Buch nachweisen, daß das menschliche und lyrische Phänomen Celan “unmittelbar mit biographischen Erfahrungen und gesellschaftlichen Zurichtungen zusammenhängt.” (Ebd.) Die Textverschiebungen, die beim Vergleichen der “FR”-Fasung mit der (späteren) Buchfassung feststellbar sind, lassen erkennen, daß der Verfasser zugunsten einer strengeren, dennoch komprehensiblen Darstellung auf manchen Balast verzichtet hat.

Das Buch Böttigers umreißt einprägsam Orte eines menschlichen und poetischen Werdegangs. Czernowitz und die Bukowina der 30er Jahre und deren motivträchtige geistige Landschaft (mit Hin-weisen auf Immanuel Weissglas und Moses Rosenkranz), die Bukarester Jahre, die “...ein Resonanzraum auch für den späten Celan” (S. 58) geblieben seien (ein Gedanke, der unsere eigenen vergleichend-motivtypologischen Versuche um die “rumänische Koordinate” der Lyrik Paul Celans empirisch bestätigt*); s. unsere Leipziger Dissertation von 1997), der Wiener Aufenthalt mit seinem surrealistischen Intermezzo und mit subtilen Auswüchsen im Werk Celans und Ingeborg Bachmanns, einem eigenwilligen “innerlyrischen Dialog” (S. 100) im “imaginativen Raum” (Drei Wege zum See oder Malina), Paris als “Ort der Leere”, als “Ort des letzten Exils” (S. 115), wo die “Leere” durch den Ferndialog mit Nelly Sachs oder - seit 1962 - verstärkt mit “Freunden aus der Heimat” Rumänien (S. 119 bzw. 127) gefüllt wurde. Hinzu kommen geistige “Orte” wie Prag (Briefwechsel mit Franz Wurm) oder der Sprachbereich einiger Wissenschaftszweige (Bota-nik, Mineralogie, Geologie). Geringerer Beachtung erfreut sich im Buch Celans Verhältnis zum geistigen “Ort” Deutschland, an dem er - wie er sich selbst einmal ausdrückte - nur “lesenderweise” (Brief an Nina Casian vom 6. April 1970; s. G.G., Die Lyrik Paul Celans und der geistige Raum Rumäniens. Bukarest 1990, S. 253), d.h. “förmlich” (Jean Bollack) weilte.

Böttigers Buch macht das “Bewußtwerden der Identität” Celans, “das Sich-Abarbeiten an dieser Identität” in komplexer Weise deutlich. Versucht Böttiger in seinem Diskurs kohärent zu sein, so gelingt es ihm jedoch nicht, dem Verdacht zu entgehen, daß er selbst jener von ihm beanstandeten “Textbeschwörung” widerstandslos gehorcht: seine langatmige Corona-Deutung (S. 66-78) wird neben der intertextuellen und “interlyrischen” Protokollie-rung von Berührungen Celanscher und Bachmannscher (ab S. 79) sowie Büchnerscher Texte (ab S. 155) zu einem Paradebeispiel von “Textbeschwörung” - allerdings in des Wortes bestem Sinn. Ähnlich verhält es sich mit Böttigers Versuch, die “Verkarstung der Celanschen Sprache” (S. 174) mit Texten aus der späten Schaffenszeit zu belegen.

Auch wenn dieses Buch keine wesentlich neuen Erkenntnisse in die Celan-Forschung einbringt (s. z.B. Bernhard Böschenstein, Sigrid Weigel /Hg./, Poetische Korrespondenzen. Vierzehn Beiträge. Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997), so zeigt es anschaulich, wie der Dichter Paul Celan seinen Traum um die Macht der Worte in die “anonyme Endlandschaft” (S. 5) des Cimetiére Thiais zurückgenommen hat. Dabei geht der journalistische Duktus Böttigers mit der literaturwissenschaftlichen Gegenstandsbewältigung als glücklicher Wurf Hand in Hand.

George Gutu

*) Dazu äußert sich auch Dieter Schlesak in einem demnächst in den Münchner “Südostdeutschen Vierteljahresblättern”, in denen auch unsere Besprechung erstmalig veröffentlicht wurde, erscheinenden Beitrag; G.G.
 

S. 322

*
* *

 


KUNISCH, JOHANNES (HG.): AUFKLÄRUNG UND KRIEGSERFAHRUNG. DER SIEBENJÄHRIGE “WELTKRIEG” -1756-1763

- in klassischen Texten der Zeitzeugen: Archenholtz, Friedrich der Große, Borie, Abbt. Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag. 1996 (Bibliothek deutscher Klassiker) (1)

Die 1996 in der “Bibliothek deutscher Klassiker” erschienene Textantologie bietet einen anregenden Anlaß, das komplexe Verhältnis zwischen Kultur und Krieg unter einem neuen Gesichtspunkt zu betrachten. Der Herausgeber Johannes Kunisch, der die Wiederveröffentlichung fast vergessener Texte der aufklärerischen Publizistik zum ersten Mal in einer kritischen Ausgabe unternimmt, versucht die Stimmung im Umfeld des Siebenjährigen Krieges anhand von Texten der Zeitzeugen zu rekonstruiren.

Die Auswahl nimmt Texte verschiedener Gattungen auf: Zeugnisse der Geschichtsschreibung, Staatsschriften und Essays, die sich auf den Dritten Schlesischen Krieg als beziehen. Die Texte konzentrieren sich um die Geschichte des Siebenjährigen Krieges von Archenholtz und illustrieren die ästhetische Auffassung des 18. Jahrhunderts, die die Geschichtsschreibung als Ausdrucksweise noch zu der “schönen” Literatur zurechnete. Friedrich der Große ist in der Sammlung nicht mit seiner Geschichte des Siebenjährigen Krieges vertreten, sondern mit zwei kürzeren Arkanschriften, die sich auf das Militär beziehen. Kunisch argumentiert seine Entscheidung im Zusammenhang mit der Ignorierung dieses ausführlichen Werks des preußischen Königs wegen seiner politisch programmatischen Tendenz, einen Krieg als gerecht zu etablieren. Als Pendant zur preußisch kriegerischen Konzeption wirkt eine Staatsschrift von Valentin de Borie, einem kaiserlichen politischen Gegener des Königs. Thomas Abbts Abhandlung: Vom Tode für das Vaterland wird als repräsentative Schrift für die Entwicklung eines deutschen Nationalbewußtseins während des Siebenjährigen Krieges in die Sammlung aufgenommen.

In der Einleitung zur Ausgabe wird die mediale Funktionalisierung publizistischer Texte mit bellizistischer Thematik argumentiert. Kunisch bemerkt, daß die “aufklemmende und in zahlreichen Literaturgattungen äußernde Vaterlandsliebe auf dieser frühen Stufe ihrer Entfaltung noch nicht jene aggressiv abgrenzende Tendenz aufwies, wie sie dann seit den Befreiungkriegen immer vehementer auftreten sollte.” Die eigentümliche Verknüpfung von Politik mit einem philantropischen Kosmopolitismus wird als ein typisch aufklärerischer Zug hervorgehoben.

Die Rigorosität in der Aufstellung dieser Ausgabe besteht in der interdisziplinären Betrachtung der Texte und in ihrer Erläuterung durch zahlreiche Anmerkungen, die eine gründliche Dokumentation in Bereichen belegen, die dieses Grenzgebiet definieren, wie Literatur, Philosophie, Geschichte, Soziologie, Militärtheorie, sowie in der Sorge für die Bewahrung der spezifischen grammatischen und lautlichen Eigenheiten im behutsamen Unternehmen einer ortographischen Modernisierung.

Der Herausgeber weist auf faszinierende Kohärenzen, die anhand dieser nichtfiktionalen Texte zwischen politischer Publizistik und Rhetorik im Zeitalter der Aufklärung illustriert werden. Die Geschichte von Archenholtz nähert sich absichtlich stilistisch dem Volksbuch, der appelative Charakter der Abhandlung von Abbt zielt auf Popularität, im Gegensatz zur nüchternen Auffassung Friedrich des Großen, die einen bestimmten Adressatenkreis anspricht. Die Zugänglichkeit des Texts von Borie wird vom Kanzleistil, der eine heute kaum verständliche Syntax und Wortwahl voraussetzt, erschwert.

Hauptimpuls zur Aufstellung dieser Antologie war die Veranschaulichung aufklärerischer Texte und die Erläuterung mittels moderner Argumentationsweise der vielzitierten Behauptung von Goethe in Dichtung und Wahrheit (1811): “Der erste wahre und höhere eigentliche Lebensgehalt kam durch Friedrich den Großen und die Taten des Siebenjährigen Krieges in die deutsche Poesie.” Kunisch läßt die ganze Passage anbringen, auch den weniger berücksichtigten Teil nationalistischer Färbung: “Die Preußen und mit ihnen das protestantische Deutschland gewannen also für die Literatur einen Schatz, welcher der Gegenpartei fehlte und dessen Mangel sie durch keine nachherige Bemühung hat ersetzen können.” Der literarische Anlaß: Goethes synthetische Formulierung der Grundlagen für die Entstehung einer Nationalliteratur wird mit systematischen Bezügen auf Schriftsteller wie Ramler, Gleim und Lessing untermauert.

Mit der hier vorgestellten Sammlung wird beabsichtigt, die Wirkung des Siebenjährigen Krieges auf humanistische Bereiche, wie Historiographie und politische Publizistik, zu dokumentieren.

Aufklärung und Kriegserfahrung ist ein weiteres Werk, das das Interesse der Historiker für die Schriften zum Siebenjährigen Krieg artikuliert und als Pendant zu den literarischen Zeugnissen betrachtet werden kann, die zum integrativen Verständnis des geistigen Klimas in einem aufklärerischen und zugleich von bellizistischen Tendenzen animierten Deutschland des 18. Jahrhunderts zeugen.

S. 323

Mirela Ioniþã
 


NOTE:

(1) Inhalt: 1.) Johann Wihelm von Archenholtz: Geschichte des Siebenjährigen Krieges in Deutschland von 1756 bis 1763 (1793); 2.) Friedrich der Große: Betrachtungen über die Taktik und einige Aspekte des Krieges oder Betrachtungen über einige Veränderungen in der Art der Kriegsführung (1758) 3.) Friedrich der Große: Betrachtungen über die militärischen Talente und den Charakter Karls XII., Königs von Schweden (1759) 4.) Thomas Abbt: Vom Tode für das Vaterland (1761) 5.) Ägyd Valentin von Borie: Staatsbetrachtungen über gegenwärtigen Preußenkrieg in Teutschland (1761).


 


ZBORNÍK FILOZOFICKEJ FAKULTY UNI-VERSZITY KOMENSKÉHO.

Philologica XLVII. Univerzita Komenského Bratislava, 1996, 90 S.

Es ist - leider - nicht allzu üblich, daß die publizistische Tätigkeit von Kultur- und Bildungsein-richtungen aus kleineren Staaten in der Fachwelt Beachtung findet. Der Resonanzkasten Europas und der Welt scheint nicht immer eingestellt zu sein auf Empfang aus diesen Richtungen. Das ist aber ein Mangel an Offenheit und Aufnahmebereitschaft gerade in einer Zeit, in der diese zwei Tugenden auf die Fahne von Neu-Europa-Anhängern geschrieben wurde. Man kann es gewiß niemandem übelnehmen. Daß sie dabei etwas verpassen, sei ihnen dennoch gesagt.

So auch im Falle dieser äußerlich schmalen, geistig und wissenschaftlich jedoch auf hohem Niveau stehenden Publikation der traditionsreichen Bratislavaer Universität. Die 1922 begonnene, von Jozef Baudi¹ und Jan Krejèí, dann von Franti¹ek Kalda begründete germanistische Hochschultradition in der Slowakei erreichte 1997 das stattliche Alter von 75 Jahren. Wie Dagmar Kost’álová in ihrem Vorwort schreibt, versteht sich “der vorliegende Sammelband” als “ein kleiner Beitrag der Bratislavaer Germanisten zu diesem Jahrestag. Aufsätze aus den Bereichen Deutsche Kultur- und Literaturgeschichte, Sprach- und Übersetzungswissenschaft sowie Didaktik des Deutschunterrichts umreißen das gegenwärtige Profil de Fachs.” Das ist aber genau das Profil einer sich selbst wiederentdeckenden, an die Errungenschaften der Inlandsgermanistik neu anknüpfenden Auslandsgermanistik, deren Hauptaufgabe ab initio eine kultur- und mentalitätsvermittelnde sowie grenzüberschreitende ist.

Die Spezifizität auslandsgermanistischer Bemühungen kommt in den einzelnen Beiträgen des Bandes prägnant zum Ausdruck: Elemír Terray äußert sich Zur Übertragung literarischer Texte mit besonderer Berücksichtigung der slowakischen Nachdichtungen Lenauscher Gedichte (S. 7-15), Dagmar Kost’álová analysiert Christa Wolfs “Nachdenken über Christa T.” im biographischen und gesellschaftspolitischen Kontext, (S. 17-32), Ingeborg Stahlová berichtet Vom Sinn und Unsinn des historischen Romans. Bemühungen um eine gesellschaftlich-politisch engagierte Literatur in den 30er Jahren und schöpferisch-kreative Probleme im Bereich der historischen Belletristik (S. 33-42), Margita Gáborová weist Leibnitz’ Einfluß auf Lessing nach (S. 43-50), Elena Ehrgangová beleuchtet Die zeitgenössische Prosa in deutscher Übersetzung aus der Sicht der Übersetzungskritik (S. 51-60), Taida Novaková geht auf Fragen des Simultandolmetschen(s) und einige Stolpersteine auf dem Weg zum interkulturellen Handeln ein (S. 61-68), schließlich macht Josef Pallay auf Linguistische Dimensionen des Emotionalitätsbegriffes aufmerksam (S. 69-79). Miszellen und ein kleiner Beitrag zur Fremdsprachenlehrerausbildung schließen diesen gehaltvollen Band ab.

Auch durch die Beiträge dieser slowakischen Sammlung bestätigt sich noch einmal die grundsätzliche Feststellung, daß eine Auslandsgermanistik immer den Weg von der Theorie zur bilingualen Realität und dann wiederum hin zur theoretischen Überlegung zu gehen hat, wenn sie einen eigenen, originellen Beitrag zur internationalen Germanistik leisten will.

Der slowakischen Germanistik sprechen wir nachträglich unsere Glückwünsche zum 75. Geburtstag aus und übermitteln unseren kollegialen Gruß.

S. 324

George Guþu

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 309-324

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

+ Asociatia Studentilor din Facultatea de Limbi Straine | Contact

 

Home | BAC/Teze | Biblioteca | Referate | Games | Horoscop | Muzica | Versuri | Limbi straine | DEX

Modele CV | Wallpaper | Download gratuit | JOB & CARIERA | Harti | Bancuri si perle | Jocuri Barbie

Iluzii optice | Romana | Geografie | Chimie | Biologie | Engleza | Psihologie | Economie | Istorie | Chat

 

Joburi Studenti JOB-Studenti.ro

Oportunitati si locuri de munca pentru studenti si tineri profesionisti - afla cele mai noi oferte de job!

Online StudentOnlineStudent.ro

Viata in campus: stiri, burse, cazari, cluburi, baluri ale bobocilor - afla totul despre viata in studentie!

Cariere si modele CVStudentCV.ro

Dezvoltare personala pentru tineri - investeste in tine si invata ponturi pentru succesul tau in cariera!

 

 > Contribuie la proiect - Trimite un articol scris de tine

Gazduit de eXtrem computers | Project Manager: Bogdan Gavrila (C)  

 

Toate Drepturile Rezervate - ScoalaOnline Romania