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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 8. Jg., Heft 1-2 (15-16) / 1999, S. 58-73

 

 

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE ALS ÜBERSETZER UND ÜBERSETZUNGSKRITIKER

Elena Viorel


Motto:
“Das Schicksal – das Privileg und die Ehre – des Menschen ist es, niemals ganz zu erreichen, was er sich vornimmt, und bloßer Anspruch, lebendige Utopie zu sein. Immer schreitet er der Niederlage entgegen, und schon ehe er in den Kampf eintritt, trägt er die Wunde an der Schläfe.
So verhält es sich auch bei der bescheidenen Beschäftigung, die wir übersetzen nennen. In der geistigen Ordnung gibt es kaum eine geringere Arbeit. Am Ende jedoch erweist sie sich als außerordentlich.”
Jose Ortega y Gasset
 


1. Vorbemerkung

Zur Ergründung von Goethes Universalität dient auch die zeit seines ganzen Lebens ausgeübte Übersetzertätigkeit. Denn Goethe hat während seines ganzen Lebens – und manchmal sogar fleißig - übersetzt, Übersetzungen angeregt und auf sie reagiert (1). Wenn man diese weniger bekannte Seite des Weimarer Titanen unter die Lupe nimmt, assoziiert man sie unwillkürlich mit der von ihm ersonnenen Idee der Weltliteratur, in der die Übersetzungen einen wichtigen Platz einnehmen sollten (2). Denn fremde Literaturen können nur durch Fremdsprachenkenntnis oder Übersetzungen zueigen gemacht werden.

Goethe, der Übersetzungen gegenüber immer offen stand und sie förderte, hat sie ohne Zögern der Weltliteratur zugerechnet und ihnen im Prozeß der Kulturvermittlung einen hohen Wert zugeschrieben.
Gemeint war in Goethes Auffassung der Weltliteratur nicht etwas Starres, sondern eine Möglichkeit der Kommunikation zwischen den europäischen Völkern und darüber hinaus, eine gegenseitige Bereicherung, nicht zuletzt auch eine sprachliche Bereicherung der jeweiligen Literatur.

So sah sich viel früher schon sein Clavigo als einen Colporteur der das geringe Verdienst hat, die Erfindungen anderer gemeinnützig zu machen, der das Glück hat, durch Umsetzung der einheimischen Produkte den Ruhm seines Vaterlandes anzubreiten, und darüber es noch mit fremden Schätzen zu bereichern.(3)

Dieses gegenseitige Geben und Nehmen ist fester Bestandteil von Goethes groß angelegter Idee der Weltliteratur, die grade das Gegenteil von einer “nationalen Abkapselung” darstellt.

Einer der bekanntesten Goethe - Sprüche lautet: “Wissenschaft und Kunst gehören der Welt an und vor ihnen verschwinden die Grenzen.” Goethes Ansicht lautet:

Anstatt sich in sich selbst zu beschränken, muß der Deutsche die Welt in sich aufnehmen, um auf die Welt zu wirken… Ich sehe mich daher gern bei fremden Nationen um, und rate jedem, es auch seinerseits zu tun. National-Literatur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche derWeltliteratur ist an der Zeit, und jeder muß jetzt dazu wirken, diese Epoche zu beschleunigen. (4)

Es liegt nahe, daß zu dem Zeitpunkt, an dem Goethes Gedanken am intensivsten um die Problematik von Weltliteratur kreisten, auch das Übersetzen ein neues Interesse beanspruchte. Besonders in Korrespondenz mit Carlyle, seinem englischen Übersetzer, ist nunmehr die kommunikative Funktion des Übersetzens prägnant herausgestellt:

So ist jeder Übersetzer anzusehen, daß er sich als Vermittler dieses allgemein geistigen Handels bemüht, und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn, was man auch von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eins der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltwesen. (5)

Diese in den folgenden Ausführungen durch mehrere Beispiele zu veranschaulichende These soll durch Belege aus Goethes Übersetzungen und übersetzungstheoretischen Äußerungen dokumentiert werden. Seit 1816 gab Goethe die Zeitschrift “Über Kunst und Altertum” heraus, die zu einem der bedeutendsten Organe der Vermittlung zwischen den Nationalliteraturen Europas zählte. Er bewies zur Genüge Teilnahme an fremden Literaturen und präsentierte auch französische, englische und italienische Literaturzeitschriften. “Die fremde Teilnahme”, die Rezeption seiner Werke im benachbarten Frankreich, aber auch in anderen europäischen Ländern, nahm Goethe als Exempel für die wechselseitige Annäherung, das ungehinderte, durch Zeitschriften vor allem geförderte Kommunizieren der europäischen Literaturen.

Den Übersetzern und Übersetzungen als “Eilboten aller Weltgegenden” kam also in Goethes Konzeption der Weltliteratur die größte Bedeutung zu. Schon den Herausgebern des “Wunderhorns” empfahl Goethe, in einem zweiten Teil Lieder fremder Nationen “im Original und nach vorhandenen oder von ihnen selbst zu leistenden Übersetzungen” darzulegen. Als er 1808 für Friedrich Immanuel Niethammer Konzepte für ein Lyrisches Volksbuch entwarf, sah er für diese Sammlung, gegen die Absicht des Herausgebers ausdrücklich auch Übersetzungen vor:

Mit dem rein Eigenem würde Angeeignetes, es wäre durch Übersetzung oder durch innigere Behandlung unser geworden, aufzunehmen sein; ja man müßte ausdrücklich auf Verdienste fremder Nationen hinüberweisen, weil man das Buch ja auch für Kinder bestimmt, die man besonders jetzt früh genug auf die Verdienste fremder Nationen aufmerksam zu machen hat. (6)

Aus seiner besonders wohlwollenden und fördernden Haltung allen fremden Kulturen gegenüber kann schlußfolgert werden, daß Goethe schon damals unser heutiges Konzept eines geistig vereinten Europa vorschwebte und daß er von einer demokratischen Gesinnung durchdrungen war, die für uns heute beispielhaft wirken sollte.

 

Goethe als Übersetzer

Was das Übersetzen anbelangt, ist Goethe seinen Zeitgenossen mit gutem Beispiel vorangegangen. Es wäre auch verwunderlich gewesen, wenn dieser Aspekt des geistigen Schaffens, das Über- / Hinübertragen von Sinn und Form aus einer Sprache bzw. Kultur in eine andere, dem Universalgenie fremd geblieben wäre. Denn zum Genießen der Weltliteratur braucht man Fremdsprachenkenntnisse oder Übersetzungen. Goethe verfügte über Sprachkenntnisse der klassischen Sprachen (Griechisch und Latein), aber auch der modernen (Französisch, Italienisch, Englisch), die er sich in seiner Kindheit und Jugend durch Imitation, ohne gründliches Studium der Grammatik, angeeignet hat. Später konnte er sich den Luxus eines gelegentlichen Übersetzers leisten, denn er gab zu, daß das Übersetzen nicht seine eigentliche Domäne gewesen sei, und äußerte sich lobend über große Meister, die das Übersetzen als eine Berufung empfanden und Hervorragendes auf diesem Gebiet geleistet haben: Luther, Wieland, A. W. Schlegel, Voß.

In einer Rezension von 1805 findet sich die immer wieder betonte These, daß “es für eine Nation ein Hauptschritt zur Cultur ist, wenn sie fremde Werke in ihre Sprache übersetzt.” (7) Goethe war zeit seines Lebens vom großen Nutzen der Übersetzungen überzeugt und auch davon, daß sie im 18. Jahrhundert entscheidend zur Bildung einer deutschen Literatursprache beigetragen haben. In der zweiten Jahrhunderthälfte gab es immer häufiger den Typus des Schriftsteller- Übersetzers, der den Idealtyp eines Übersetzers darstellte, und zu dem auch Goethe gehörte.
Unter den Übertragungen selbst stehen die aus modernen Sprachen, besonders die aus dem Französischen und Italienischen, an Umfang erheblich vor denen aus den beiden antiken Sprachen. Die aus dem Griechischen übertragenen Texte überwiegen die lateinischen bei weitem.

 

2.1. Goethes Übertragungen aus den klassischen Sprachen

Goethe hatte sich von Jugend auf mit griechischen Übungen abgegeben und im Laufe seines Lebens literarische und wissenschaftliche Texte aus dem Griechischen übersetzt oder bearbeitet. Am Anfang stehen seine Schülerübersetzungen von Aisop und Phädrus, die noch in die Frankfurter Jugendzeit fallen, wahrscheinlich in das Jahr 1765. Der Zufall hat die losen Zettel aufbewahrt, in denen sich die Freude des Knaben an der dichterischen Wiedergabe des Übungstextes spiegelt (8). In diese Zeit fällt auch die Übersetzung der V. Olympischen Ode von Pindar und die Übertragung der Pythagoras zugeschriebenen Verse.

Viele seiner Übertragungen sind in den “Horen” erschienen; darunter zählen Fragmente aus dem Homer, dessen Bekanntschaft er in den Straßburger Studentenjahren machte, und aus zwei Dramen des Euripides. Goethe blieb ein Homer- Leser, auch ein gern vor Zuhörern improvisierender Übersetzer. Homers “Odyssee” gehörte zu seiner Lieblingslektüre. Er beschäftigte sich intensiv auch mit dem deutschen Homer von Voß, den er ja als Übersetzer so sehr schätzte und bewunderte.Die strenge vossische Methode bleibt aber bei Goethe im wesentlichen auf griechische und lateinische Texte beschränkt.

Nicht alle von Goethe übertragenen antiken Dichtungen sind wegen ihrer dichterischen und sprachlichen Schönheit verdeutscht worden; für die Wahl vieler Stücke haben Nebenzwecke, besonders Übungsabsichten, den Ausschlag gegeben. Solche Übungsabsichten beziehen sich weniger auf die Fremdsprache als auf die Muttersprache, mit anderen Worten auf den eigenen Stil; das gilt auch als Beweis dafür, daß sich der gute Stil nicht von ungefähr bildet und daß auch ein Dichter von Format Goethes gezielt daraufhin gearbeitet hat. Auch als Zeugnisse für die stilistische und technische Arbeit des Dichters sind diese Übertragungen besonders aufschlußreich (9).  Das gilt in noch höherem Maße für die Übertragungen aus wissenschaftlichen Schriftstellern der Antike, deren sich Goethe paraphrasierend gern bediente, um eigene Ansichten zu erläutern und historisches Material für die “Farbenlehre” zu sammeln (10).

Ständig förderte er die Übersetzungen der Freunde und Zeitgenossen, wo er konnte, war er der erste Leser manchen Versuchs. Einen, den er ermutigte, war auch sein “Weimarer Urfreund”, Karl Ludwig von Knebel, Übersetzer vor allem aus dem Lateinischen. Goethe hatte Schiller die umgearbeiteten Elegien von Properz in Knebels Übersetzung für die “Horen” empfohlen, nachdem er selbst manche Verbesserungen eingeführt hatte. Weimar, wo Goethe seit 1775, Wieland seit 1772 und Herder seit 1776 lebten, wurde für Jahrzehnte zur bedeutendsten “Übersetzerkolonie” Deutschlands. In diesem Kreis gab es Bemühungen, den Deutschen Weltliteratur anzueignen: lesend und vorlesend, zuhörend, Sprachen lernend, übersetzend, Theater spielend (11).

Diese Weimarer Zeit mit ihrer Lust am Übersetzen, ihrem Wettstreit um die Erweiterung und Bereicherung der deutschen Kultur ist einmalig und sie wirkte über Jahrhunderte hinaus bis in unsere Zeit. In diese Periode fallen auch Adaptionen und Bearbeitungen, vor allem für die Weimarer Bühne. So hat Goethe 1780 den ersten Akt der “Vögel” Aristophanes sehr frei, voller Ausgelassenheit, Mutwillen und Torheit und voller Anspielungen auf Weimarer Verhältnisse für das Liebhabertheater des Hofes bearbeitet. Das Lustspiel wurde am 18. August 1780 in Ettersburg unter Mitwirkung Goethes aufgeführt. Eine Idee des Stückes und bis zu einem gewissen Grade auch der aristophanische Stil wurden übernommen und mit neuem Gehalt gefüllt. Das Fragment erscheint 1787 in einer leicht überarbeiteten Fassung.

Um das Jahr 1795 scheinen die Homer- Übersetzungen entstanden zu sein (12).

1827 ist Goethes Tätigkeit als Übersetzer antiker Dichtungen abgeschlossen, als er eine Szene aus Euripides mit einer kurzen Inhaltsangabe der vorangehenden Handlung fertigstellte. Diese Übertragungen haben einen recht geringen interpretatorischen Wert und sind philologisch oft nicht einwandfrei. Später hat Goethe viel höhere Ansprüche an das literarische Übersetzen gestellt und sich oft gegen Paraphrasierungen des Originals ausgesprochen.

 

2.2. Goethes Übersetzungen aus dem Französischen

Als Leiter des Weimarer Hoftheaters war Goethe ständig bemüht, auch für das Repertoire des Theaters zu sorgen, um den Geschmack des Publikums zu schulen. So bearbeitete er zwei Dramen von Voltaire für die Weimarer Bühne: “Mahomet” (aufgeführt am 30. Januar 1800) und “Tancred” (erstaufgeführt am 31. Januar 1801). Angeregt wurde er auch durch Wilhelm von Humboldts großen Aufsatz über die neuere französische Bühne. Dabei präzisierte er, daß er die Stücke nicht nur ins Deutsche, sondern womöglich “für die Deutschen” übersetzt habe. In dieser Bemerkung steckt bereits eine Übersetzungsmaxime Goethes, nach der jede Übersetzung im Dienste der zielsprachlichen Kultur zu stehen habe und adressatengerecht erfolgen muß. Seine Verdeutschungen neuzeitlicher europäischer Texte sind zielsprachenorientiert und meist eher Bearbeitungen als Übersetzungen. Die Weimarer Übersetzungs- und Bearbeitungspraxis, vor allem die Schillers, fand in dem streng philologisch ausgerichteten August Wilhelm Schlegel einen mißgünstig-boshaften Kommentator (13). Für die Weimarer Bühne brachte Goethe auch Shakespeares “Romeo und Julia” mit seiner eigenhändigen Bemerkung “nach Shakespeare und Schlegel von Goethe”.

Aber Goethes Interesse an Übersetzungen wurde nicht nur durch die Weimarer Bühne angeregt, sondern auch durch andere seiner geistigen Bildung entsprechenden Schriften. Bei ihm kam es oft auf das fruchtbare Moment an, das ihn selbst zur Schöpfung anregte. Ein solches Moment scheint auch die Begegnung mit Diderots “Le Neveu de Rameau” gewesen zu sein. Das war für den Dichter damals eine große Arbeit, für die er sich gern engagiert hatte und auf die Goethe- Forscher später immer wieder eingegangen sind. Die Übersetzung ist 1805 bei dem Leipziger Verleger Göschen erschienen und Goethe brachte damit als erster das Werk des französischen Philosophen an die Öffentlichkeit.

Durch Friedrich Maximilian von Klinger gelangte das Manuskript des “Neveu de Rameau” an Schiller, der wohl wußte, welche “Wahlverwandschaft” Goethe mit Diderot verband, und der diesem das Manuskript übergab. Schiller schrieb aus diesem Anlaß an den Verleger:

Goethe hat sich mit großem Eifer an die Übersetzung des Rameau gemacht, und es ist ihm so ernst, etwas Gutes zu leisten, daß wir uns ein vortreffliches Werk versprechen können. Auf jeden Fall wird diese deutsche Übersetzung als Vorläuferin dem französischen Original große Dienste thun. (14)

Diderots Original ist mit einer abenteuerlichen Textgeschichte verbunden; es kam zu dem Kuriosum, daß einer der interessantesten Texte der französischen Aufklärung zuerst in Goethes Übersetzung erschien. 1821 wurde Goethes Übersetzung von zwei französischen Literaten ins Französische rückübersetzt und als Diderots Original ausgegeben (15).  Goethes in der Anmerkung zitierten Äußerungen klingen so, als hätte er nun 1823 die alte Übersetzung noch einmal durchgesehen und korrigiert.

Jürgen von Stackelberg, den Goethes Übertragung nur um ihrer selbst willen interessiert, vergleicht in seinem Buch Goethes Version mit einer späteren Übersetzung von Raimund Rütten, hebt die Verdienste der Goetheschen Übersetzung hervor und kommt zum Schluß, daß von unserem Standpunkt aus Goethes Übersetzung einem gewissen Relativierungsprozeß ausgesetzt werden muß; daß sie in Goethes Deutsch gehalten ist, das nicht mehr das unsere ist, verstehe sich. Die Frage, die er sich dabei stellt ist lediglich, ob dieses Deutsch uns schon so fremd in den Ohren klingt, daß es nicht mehr recht verständlich wäre. Gelegentlich ist es schon der Fall, wie wir in einem weiteren Kapitel der Arbeit zeigen werden, aber für Kenner der klassischen deutschen Literatur ist die Lektüre des Diderotschen Dialogs in Goethes Übersetzung ein Genuß. Diese Übersetzung wurde bis heute zu Recht immer wieder neu aufgelegt, was aber nicht gegen die neu unternommene Übersetzung von Raimund Rütten spricht, die natürlich auch ihre Berechtigung hat, die in erster Linie von der Entwicklung der deutschen Sprache in den fast zwei Jahrhunderten seit dem Erscheinen von Goethes Übersetzung herrührt.

Wie von Stackelberg nachweist, hat sich der neue Übersetzer nicht gescheut, Goethes Text zu übernehmen, “wo er ihm gut und richtig erschien”. Rüttens Übersetzung kommt von Stackelberg vor allem in der Wortwahl “öfters ein wenig gesucht” vor, im Unterschied zu Goethe, “der gar nicht selten schlichter, natürlicher in seiner Wortwahl” sei (16).

Unter Goethes Übersetzungen aus dem Französischen befinden sich nicht nur literarische Schriften, sondern auch eine Abhandlung über die Kunst, und zwar Diderots “Versuch über die Malerei”, die Goethe zur rechten Zeit in die Hände gefallen war, nämlich dann, als er im Begriff war, eine Abhandlung über die bildende Kunst zu schreiben.
Goethe erhielt die französische Ausgabe im Sommer 1796 und schrieb darüber gleich an Heinrich Meyer:

Es ist ein wunderliches Werk von Diderot, ‘Sur la peinture’ herausgekommen, das er im Jahr 1765 geschrieben haben mag, wie man aus der Rezension der Ausstellung der Pariser Akademie von gedachtem Jahr, die zugleich mit abgedruckt ist, schließen kann. Beide Schriften sind dieses seltsamen, genialischen Sophisten würdig. Paradoxen, schiefe und abgeschmackte Behauptungen wechseln mit den luminosesten (lichtvollsten) Ideen ab. Es wäre eine gar artige und lustige Arbeit, wenn man Mut genug hätte, das Werk zu übersetzen und immer mit seinem Texte zu kontrovertieren (streiten) oder ihm Beifall zu geben, ihn zu erläutern oder erweitern... (17)

Goethe schickte sein Exemplar auch Schiller nach Jena, der sich davon auch gleich begeistern ließ. Goethe setzt an den Anfang seiner Übersetzung ein “Geständnis des Übersetzers”, in dem er auf das Moment des “Sichaufraffens”, des “Sichüberwindens” beim Verfassen einer geistigen Arbeit und auf den für die Klärung eigener Standpunkte nötigen Dialog mit einem Partner hinweist: “Daher mag es kommen: Der Mensch ist kein lehrendes, er ist ein lebendes, handelndes und wirkendes Wesen. Nur in Wirkung und Gegenwirkung erfreuen wir uns! Und so ist auch diese Übersetzung mit ihren fortdauernden Anmerkungen in guten Tagen entstanden.” (18)

Goethe findet in Diderot einen ausgezeichneten Dialogpartner und stellt fest, daß er nicht mehr

mit dem abgeschiedenen, nicht mit seiner im gewissen Sinne schon veralteten Schrift, sondern mit denen zu tun habe, die jene Revolution der Künste, welche er hauptsächlich mitbewirken half, an ihrem wahren Fortgange hindern, indem sie sich auf der breiten Fläche des Dilettantismus und der Pfuscherei, zwischen Kunst und Natur hinschleifen und ebensowenig geneigt sind, eine gründliche Kenntnis der Natur als eine gegründete Tätigkeit der Kunst zu befördern. (19)

Von dieser ästhetischen Schrift erhofft sich Goethe eine positive Wirkung auf die “Gesinnungen und Grundsätze” seiner Zeitgenossen. Goethe hat sich auch vorgenommen, den Anfang der Komödie “Le Menteur”, “Der Lügner”, von Corneille zu übersetzen, von der aber leider nur der erste Akt vorliegt.

In seinem Buch “Weltliteratur in deutscher Übersetzung” nimmt sich Jürgen von Stackelberg des Goetheschen Übersetzungsfragments an und vergleicht es mit einer späteren Übersetzung von Hans Schiebelhuth . Dabei kommt er wie im Falle von “Rameaus Neffe” zu einem für die Version von Goethe günstigen Schluß:

Kann man von einer Übersetzung mehr verlangen, als sie den Sinn des Originals noch besser faßt, als dieses selbst? Dazu wäre noch hervorzuheben, daß Goethe nicht einen Vers mehr braucht, als Corneille, um das gleiche (auf seine Weise ) zu sagen... Hätte Hans Schiebelhuth nicht Goethe zum Rivalen, hätte man seine Übersetzung leichter gutheißen können. So aber zeigt es sich, wenn man die alte und die neuere Fassung vergleicht, daß – von einigen wenigen Floskeln abgesehen – die ältere ungleich moderner klingt, als die neuere. (20)

Sieht man von einigen wenigen Wendungen ab, die veraltet sind, so ist Goethes Deutsch noch ganz das unsere: schlicht, ungemein flüssig, witzig und lebendig, meint derselbe von Stackelberg weiter. Seine Meinung verstärkt nur die These, nach der kongeniale Übersetzungen, die von Dichtern geleistet werden, anderen hochüberlegen sind und die Zeiten überdauern.

 

2.3. Goethes Übersetzungen aus dem Italienischen

Aus dem Italienischen hat Goethe Cellinis Autobiographie übersetzt, die 1803 in zwei Bänden bei Cotta herauskam, unter dem Titel: “Leben des Benvenuto Cellini, Florentinischen Goldschmieds und Bildhauers, von ihm selbst geschrieben. Übersetzt und mit einem Anhang herausgegeben von Goethe”, ein Unternehmen, das sich schwerer erwiesen hatte, als er anfangs dachte.

Als Ergänzung zu seiner Übersetzung verfaßte Goethe den “Anhang zur Lebensbeschreibung des Benvenuto Cellini bezüglich auf Sitten, Kunst und Technik”. Mit diesen sehr ausführlichen Anmerkungen (an die 70 Seiten!) hoffte Goethe, “zu einem lebhafteren Anschauen der Zeitumstände... für diesmal skizzenhaft, aphoristisch und fragmentarisch einiges beizubringen” (21)

In Wahrheit aber hatte er damit das Konzept einer Künstlerbiographie so umsichtig aufgesetzt, “daß sein Entwurf für die Gattung der großen, um eine historische Gestalt herum angelegten Zeit- und Sittenschilderungen werden konnte, wie sie Jahrzehnte später von Hermann Grimm im ‘Leben Michelangelos’ (1860) oder von Henry Thode im ‘Franz von Assisi” (1885) glanzvoll ausgebreitet wurden.” (22)

Der Rezensent der “Jenaischen Allgemeinen Literatur-Zeitung” (1804, Nr. 9), der Weimarer Bibliothekar Carl Ludwig Fernow, fand mit Recht, daß Cellinis Leben “keinem Übersetzer gewöhnlichen Schlages in die Hände geraten sei”:

Goethes Übersetzung kann uns für ein Original gelten; denn eben das, was die eigenen Werke dieses Dichters vor allen auszeichnet, die seltene Gabe, sich immer so in seinen Gegenstand zu verwandeln, daß seine eigene Individualität aus der Darstellung verschwindet, und jene des Objekts in seiner eigentümlichen Gestalt und Farbe um so reiner hervortritt, ist auch ein schätzbarer Vorzug dieser Übersetzung. (23)

Goethe besaß tatsächlich diese seltene Gabe, sich als Übersetzer vollkommen mit dem Original zu identifizieren.
Die im “Geständnis des Übersetzers” angesprochene Dialektik von “Wirkung und Gegenwirkung” kann in einem gewissen Sinne auch auf den Übersetzungsprozeß übertragen werden, auf die Wirkung des zu übersetzenden Textes auf den Übersetzer und die Gegenwirkung des bereits übersetzten Textes auf den Leser, den Rezipienten.
Eine für Goethes Übersetzungskunst besonders wichtige Übersetzung ist Alexander Manzonis “Der fünfte Mai. Ode auf Napoleons Tod” erschienen 1823 in “Kunst und Altertum” und 1828 zusammen mit dem Originaltext und vier weiteren Übertragungen als selbständiges Heft bei Maurer in Berlin.

Goethe war in fremden Literaturen, darunter auch in der italienischen, sehr bewandert, und es lag ihm viel daran, mit dem “Treiben und Wirken” fremder Literaturen in Verbindung zu bleiben. Davon zeugt z. B. auch die deutsche Einleitung in die italienische Ausgabe von Manzonis poetischen Werken 1827 überschrieben, jene “prefazione”, in der Goethe seine seit 1820 in “Über Kunst und Altertum” erschienenen Auszüge und Besprechungen neu zusammenband. Er hatte auch Karl Streckfuß dazu bewogen, Manzonis “Adelchi” zu übersetzen, und gab ihm manchen Rat dabei. Goethe verstand es, andere Übersetzungen jüngeren Autoren anzuvertrauen, so daß sein Schaffen darunter nicht zu leiden hatte. Daß Manzoni früh auch in Deutschland, ja, in Europa bekannt wurde, das verdankte er nicht zuletzt “diesem ritterlichen und fast zärtlichen Rühmen des alten Goethe” (24). Umgekehrt verehrte Manzoni von früh auf Goethe als “seinen Meister”.

So bemerkt auch H. Rüdiger (25), daß Manzonis Ode Goethe tief beeindruckt haben muß, sonst hätte dieser kaum sogleich nach der Einsichtnahme, die schwierige Aufgabe in Angriff genommen, sie zu übersetzen. Das nächstliegende Ziel der Arbeit bestand darin “ ein Meisterwerk der zeitgenössischen italienischen Literatur in Deutschland bekannt zu machen, welches den Verleumdern des großen Toten mit der gleichen Entschiedenheit entgegentrat wie seinen früheren Schmeichlern.” (26)

Es war zunächst der zeitkritische Gehalt der Ode, welcher Goethe die Übersetzung nahelegte. Dazu kam noch eine kongeniale Verwandtschaft des Übersetzers mit dem Dichter.

 

Goethe als Übersetzungstheoretiker

Nachdem sich Goethe als Übersetzer versucht hatte, war er bestrebt, auch einige theoretischen Grundsätze bezüglich dieses komplexen Prozesses zu formulieren, die er sowohl aus seiner eigenen Erfahrung als auch aus der geschichtlichen Entwicklung ableitet. Er hat sich an vielen Stellen seines Werkes zum Thema geäußert und über Übersetzungsmethoden nachgedacht. Dabei hat er ständig Partei für Übersetzer und Übersetzungen ergriffen, und man müßte sich auch heute auf ihn berufen, wenn diese Tätigkeit unterschätzt werden sollte.

Nach Novalis ist Goethe der zweite, der eine gewisse Systematik in das Problem des Übersetzens zu bringen sucht. Bei beiden wird man noch einmal an A.W. Schlegels kühne Hoffnung erinnert, die er in den Sätzen an Tieck formulierte:

Ich glaube, man ist auf dem Wege, die wahre poetische Übersetzerkunst zu erfinden; dieser Ruhm war den Deutschen vorbehalten. Es ist seit kurzem hierin so viel und mancherlei geschehen, daß vielleicht schon Beispiele genug vorhanden sind, um an ihnen nach der Verschiedenheit der möglichen Aufgaben das richtige Verfahren auf Grundsätze zurückzuführen. (27)

Das 18. Jahrhundert bot tatsächlich so viele Beispiele von Übersetzungen fremder Literaturen ins Deutsche und umgekehrt deutscher Literatur in andere Sprachen, daß es auch den richtigen Zeitpunkt darstellte, theoretische Schlüsse daraus zu ziehen. Wie dem Praktiker Schlegel, der allerdings keinen Versuch einer Systematik unternommen hat, geht es auch Goethe um solche Grundsätze, die er aus der geschichtlichen Entwicklung ableitet.Als solche waren sie durch Herder und Voß sowie aus den allgemein in Deutschland geschmähten französischen Übersetzungen und durch Wieland bekannt.

Eine viel zitierte Metapher bezüglich der Übersetzer und Übersetzungen finden wir in den “Maximen und Reflexionen”:

Übersetzer sind als geschäftige Kuppler anzusehen, die uns eine halbverschleierte Schöne als höchst liebenswürdig anpreisen: sie erregen eine unwiderstehliche Neigung nach dem Original. (28)

Es steckt in dieser Maxime die berühmte Formel von traduttore- traditore, aber auch eine von Goethes früh erkannten Wahrheiten, daß der Übersetzer von dem Original verfolgt wird, daß er immer wieder danach neigt und sich danach “sehnt”, daß er von einer schöpferischen Unruhe erfaßt wird und ständig in zwei Welten lebt oder zwischen zwei Stühlen sitzt.

Die folgenden drei Stellen über Prinzipien des Übersetzens werden von den meisten Goethe- Forschern zitiert und kommentiert.

3.1. Aus “Dichtung und Wahrheit”

In “Dichtung und Wahrheit” hat sich Goethe anläßlich von Wieland und Eschenburgs Shakespeare – Übersetzungen in Prosa (29) ausführlich zum Thema Übersetzen geäußert:

Ich ehre den Rhythmus wie den Reim, wodurch Poesie erst zur Poesie wird, aber das eigentlich tief und gründlich Wirksame, das wahrhaft Ausbildende und Fördernde ist dasjenige was vom Dichter übrigbleibt, wenn er in Prose übersetzt wird. Dann bleibt der reine vollkommene Gehalt, den uns ein blendendes Äußeres oft, wenn er fehlt, vorzuspiegeln weiß, und wenn er gegenwärtig ist, verdeckt.

Hier preist Goethe die schlicht- prosaische Übersetzung und empfiehlt sie als ersten Schritt, “als Destilliermethode und Prüfstein”. Des weiteren schreibt er über eine mögliche Prosa- Übersetzung des Homer:

Deshalb gebe ich zu bedenken, ob nicht zunächst eine prosaische Übersetzung des Homer zu unternehmen wäre; aber freilich müßte sie der Stufe würdig sein, auf der sich die deutsche Literatur gegenwärtig befindet. (30)

Auch im Falle von Goethes “Faust”- Übersetzungen ergab sich übrigens immer wieder die Vers-Prosa-Problematik. Folgt man der Ansicht Jean Malaplates, der 1984 eine Versübertragung beider Werkteile herausgab, so hat eine Versübertragung für das Französische den Nachteil, der Mehrdeutigkeit des Deutschen ungenügend gerecht zu werden; nicht selten hat das den Verlust von Bedeutungsnuancen und Pointierungen zur Folge (31). Deshalb seien die besten französischen Faust-Übersetzungen in Prosa vorgelegt worden. Goethe selbst konnte noch die beiden wichtigsten, die von Albert Stapfer 1823 und die von Gerard de Nerval 1828 zur Kenntnis nehmen. Letztlich behauptete sich die Version Nervals, die bis heute zu den im französischen Sprachraum meistgelesenen gehört(32).
Goethe wird also seine theoretischen Überlegungen zur Übersetzungsproblematik auch anhand der Übersetzungen seiner eigenen Werke in fremde Sprachen aufgestellt haben, wie z. B. im Falle der Faust-Übertragung ins Französische.

Als bestes Beispiel für eine adäquate Übertragung zitiert Goethe Luthers Bibelübersetzung:

Nur will ich noch, zugunsten meines Vorschlags, an Luthers Bibelübersetzung erinnern: denn daß dieser treffliche Mann ein in dem verschiedensten Stile verfaßtes Werk und dessen dichterischen, geschichtlichen, gebietenden, lehrenden Ton uns in der Muttersprache, wie aus einem Gusse überlieferte, hat die Religion mehr gefördert, als wenn er die Eigentümlichkeiten des Originals im einzelnen hätte nachbilden wollen... Für die Menge, auf die gewirkt werden soll, bleibt eine schlichte Übertragung immer die beste. Jene kritischen Übersetzungen, die mit dem Original wetteifern, dienen eigentlich nur zur Unterhaltung der Gelehrten untereinander. (33)

Der letzte Satz wurde oft zitiert, wenn es sich um Übersetzungen mit einer philologischen Akribie handelte, wo die Übersetzer den Ehrgeiz zeigten, mit dem Original zu wetteifern und nicht wie Luther “dem Volk aufs Maul schauten”, die im Endeffekt fast wort-wörtliche Übersetzungen lieferten. Damit unterstreicht Goethe die adressatengerechte Wirkung der Übersetzungen; die Botschaft des Originals muß unbedingt durchsickern, sonst geht die Übersetzung nicht über das Stadium einer künstlichen Übung hinaus.

Goethes Übersetzungen sind bei weitem nicht nur Verdeutschungen des Originaltextes, “sondern bis in die Einzelheiten Umsetzung des fremden Inhalts in den allerpersönlichsten Stil, wie es Goethe für den größten Teil seiner Übertragungen aus Fremdsprachen gehalten hat”, bemerkt H. Rüdiger. (34)

 

3.2. Aus “Zu brüderlichem Andenken Wielands”

Diese Stelle enthält die zwei Übersetzungsmaximen, die Goethe 1813 bei seinem Gedenken an Wieland noch einmal nennt und in denen er ausdrücklich von zwei Wegen des Übersetzens, man könnte auch zwei Methoden sagen, spricht:

Es gibt zwei Übersetzungsmaximen: die eine verlangt, daß der Autor einer fremden Nation zu uns herüber gebracht werde, dergestalt, daß wir ihn als den Unsrigen ansehen können; die andere hingegen macht an uns die Forderung, daß wir uns zu dem Fremden hinüber begeben und uns in seine Zustände, seine Sprachweise, seine Eigenheiten finden sollen. (35)

Zwar räumte Goethe ein, daß Wieland bei der Shakespeare- Übersetzung durch seine eigene, der französischen zuneigende Sinnesart, in Widerstreit mit der des so ganz anders gearteten Engländers verwickelt worden sei, doch schätze er dessen ungeachtet die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Arbeit hoch: Wieland habe “seiner Nation einen allgemeinen Begriff von den herrlichsten Werken einer anderen, seinem Zeitalter die Einsicht in die hohe Bildung vergangener Jahrhunderte” vermittelt (36). Der Lob auf den verstorbenen Freund, den Dichter, Philosophen und Übersetzer, der 1872 von der Großherzogin Anna Amalia nach Weimar als Lehrer ihrer beiden Söhne gebracht wurde, enthält eine tiefe Verehrung für Wielands literarischen und philologischen Leistungen.

Bei Wielands Lukian-Übersetzung sah Goethe, ausgehend davon, daß “Verfasser und Übersetzer für wahrhafte Geistesverwandte gelten können” (37), auch eine höhere ästhetische Qualität erreicht. Darauf baute er seine oben genannte Theorie von den “ zwei Übersetzungsmaximen” und meint, daß die Vorzüge beider Wege allen gebildeten Menschen bekannt seien und daß Wieland, “ der auch hier den Mittelweg suchte” bemüht war, beide zu verbinden, aber in Zweifelsfällen die erste Maxime vorzog.

 

3. 3. Aus “Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des west-östlichen Divans” (1819)

Diese Noten tragen folgendes, für Übersetzer und Übersetzungen, aufschlußreiches Motto:

Wer das Dichten will verstehen
Muß ins Land der Dichtung gehen;
Wer den Dichter will verstehen,
Muß in Dichters Lande gehen.

In den “Noten und Abhandlungen zum West-östlichen Divan” hat Goethe das bipolare in “Zu brüderlichem Andenken Wielands” entwickelte Schema in ein dreigliedriges, historische Entwicklungsaspekte einbeziehendes verwandelt. In dieser seiner systematischsten, wenn auch zwischen Übersetzungsart und Übersetzungsepoche nicht scharf trennenden Betrachtung des Problems unterscheidet Goethe dreierlei Arten der Übersetzung: die erste, die “uns in unserm eigenen Sinne mit dem Auslande bekannt” macht, auch “schlicht-prosaische” genannt, die – eben als Prosa – “alle Eigentümlichkeiten einer jeden Dichtkunst völlig aufhebt und selbst den poetischen Enthusiasmus auf eine allgemeine Wasserebene niederzieht” (38) und vornehmlich der Erbauung dient. Als Beispiel dafür steht Luthers Bibel- Übersetzung.

Hätte man die ‘Nibelungen’ gleich in tüchtige Prosa gesetzt und sie zu einem Volksbuche gestempelt, so wäre viel gewonnen worden, und der seltsame, ernste, düstere, grauerliche Rittersinn hätte uns mit seiner vollkommenen Kraft angesprochen. Ob dieses jetzt noch rätlich und tunlich sei, werden diejenigen am besten beurteilen, die sich diesen altertümlichen Geschäften entschiedener gewidmet haben. (39)

Die zweite – parodistische Epoche genannt -, “wo man sich in die Zustände des Auslands zwar zu versetzen, aber eigentlich nur fremden Sinn sich anzueignen und mit eignem Sinne wieder darzustellen bemüht ist” (40). Repräsentanten dieser zweiten Epoche sind die Franzosen, die sich dieser Art bei Übersetzung aller poetischen Werke bedienen:

Der Franzose, wie er sich fremde Worte mundrecht macht, verfährt auch so mit den Gefühlen, Gedanken, ja den Gegenständen, er fordert durchaus für jede fremde Frucht ein Surrogat, das auf seinem eignen Grund und Boden gewachsen ist. (41)

An einer Stelle in seinen “Maximen und Reflexionen” zieht Goethe einen scherzhaften Vergleich über diese Tendenz der Franzosen “alles in ihre Sprache zu übersetzen”:

Die Mathematiker sind eine Art Franzosen: redet man zu ihnen, so übersetzen sie es in ihre Sprache, und dann ist es alsobald ganz etwas anders.” (42)

Diese französische Art der Übersetzung wurde in Deutschland allgemein geschmäht.

Ein zweiter Repräsentant ist Wieland:

Wielands Übersetzungen gehören zu dieser Art und Weise; auch er hatte einen eigentümlichen Verstands- und Geschmacksinn, mit dem er sich dem Altertum, dem Auslande nur insofern annäherte, als er seine Konvenienz dabei fand. Dieser vorzügliche Mann darf als Repräsentant seiner Zeit angesehen werden, er hat außerordentlich gewirkt, indem gerade das, was ihn anmutete, wie er sich’s zueignete und es wieder mitteilte, auch seinen Zeitgenossen angenehm und genießbar begegnete. (43)

Die dritte Epoche (Art) , “die höchste und letzte”, “wo man die Übersetzung dem Original identisch machen möchte, so daß eins nicht anstatt des andern, sondern an der Stelle des andern gelten soll”. Nicht ein Ersatz des Originals, “ ein Surrogat”, will also diese Art Übersetzung sein, sondern - eben kraft der erreichten Identität mit dem Original – gleichsam ein anderes Original in der Übersetzersprache. Entscheidend ist hier die lexikalisch-grammatische Opposition zwischen der Konjunktion “anstatt” , die zugleich (seltener) auch als Präposition mit dem Genitiv (statt, anstelle) fungiert, und der Präpositionalgruppe “an der Stelle”, wo der Artikelgebrauch und die Getrenntschreibung die semantische Differenzierung ausdrückt. Es geht hier also um Nuancen, die aber in Goethes Augen Grundsätzliches klären sollten, nämlich die Übersetzung als “Surrogat”des Originals oder als ein “Drittes”, eine Neuschaffung des Originals in der Übersetzersprache.

Der identifizierende Übersetzer “ gibt mehr oder weniger die Originalität seiner Nation auf, und so entsteht ein Drittes, wozu der Geschmack der Menge sich erst heranbilden muß.” (44) Als Repräsentant: “der nie genug zu schätzende Voß”. Hier wird die zielsprachennahe Übersetzung in der Art Wieland der ursprungssprachenahen Übersetzung in der Art von Voss gegenübergestellt.

Daß die Sympathie Goethes in der “Divan”-Zeit der dritten Übersetzungsart gilt, unterliegt keinem Zweifel. In dieser die Identität anstrebenden Übersetzung sieht er die höchste zu erreichende Stufe. Diesen Weg hat er sich selbst erarbeitet und ihn ist er selbst in der Übersetzung von Manzonis Ode gegangen (45).

Zwar hatte er selbst einst den “Reineke Fuchs” ‘parodistisch’ in Hexameter übersetzt und von ‘jenen kritischen Übersetzungen, die mit dem Original wetteifern’ noch in der Autobiographie gesagt, sie dienten ‘eigentlich nur zur Unterhaltung der Gelehrten untereinander’. Jetzt aber, aus der genaueren Kenntnis des Orients, hält er die kritischen Übersetzungen für die eigentlich erstrebenswerten und lehnt insbesondere die ‘parodistischen’ Annäherungen an das Original während der zweiten Epoche entschieden ab. (46)

Die Aufzeichnungen aus den “Noten und Abhandlungen” stellen ein Programm für die Übersetzungskunst dar, das Goethe in einem einzigen Falle konsequent ausgeführt hat: eben mit seiner Verdeutschung von Manzonis “Cinque maggio”. Diese Erscheinung wurde am besten von H. Rüdiger in seiner des öfteren zitierten übersetzungskritischen Analyse hervorgehoben:

Keine andere Übersetzung Goethes ist so kühn, ja ungefällig gefügt wie diese; keine andere setzt zu ihrem Verständnis die Kenntnis des Originals so unbedingt voraus wie der ‚Fünfte Mai‘. Zeitlich fast genau in der Mitte zwischen dem Übersetzungskapitel in den ‘Divan’- Noten und der frühesten Verwendung des Begriffs ‘Weltliteratur’ (15. Januar 1827) entstanden, steht dieser Versuch auch in der Mitte zwischen der reinen Poesie des west-östlichen Zyklus und der theoretisch begründeten Organisation der Weltliteratur durch ‘freien geistigen Handelsverkehr’ und Übersetzungen. Daß aber gerade eine italienische Dichtung Gegenstand des Experiments wurde, ist einer der Glücksfälle, an denen der literarische Austausch der beiden Nationen nicht eben reich ist. (47)

Das ist die autorisierte Stimme eines der besten Goethe-Forscher, dessen Heimatland für mehr als vier Jahrzehnte Italien wurde und der auch ein ausgezeichneter Kenner der italienischen Sprache und Kultur war.
Goethe hat z. B. das metrische Schema des Originals nicht übernommen, hat oft auf den “Reimschmuck” verzichtet, das “mechanische Taktschema” gesprengt; es entstehen dabei unregelmäßige Gebilde, die sich den freien Rhythmen nähern:

So löst sich Goethe im Laufe der Übersetzung vom strengen romanischen Schema; er schreibt freie Rhythmen, wie sie dem Geiste und der Tradition der deutschen Odendichtung gemäß sind. (48)

Umgekehrt hat Goethe Formen von Calderon ins Deutsche übertragen, im “Divan” und in anderer Weise noch im “Faust”, “denn nur ihm war diese Macht gegeben, die das Fremde ganz zum Eigentum macht, wo sich das Eigene und Fremde nicht nur berühren, sondern durchdringen, so sehr, daß es nicht mehr als fremd empfunden werden kann.” (49)

Die Übersetzung ist nicht mehr gleichmäßig gebaut wie das Original, da Goethe ja das Original nicht mechanisch nachahmen möchte, “sondern es in eine Stil-Lage transponieren, welche in ihrer Eigenart dem italienischen Stil entspricht.” . Manzonis Ode war für Goethe das gegebene Objekt, die theoretisch geforderte Verleugnung der nationalen Besonderheiten in der Praxis auszuprobieren. “Beim Übersetzen muß man bis ans Unübersetzliche herangehen; alsdann wird man aber erst die fremde Nation und die fremde Sprache gewahr”, lautet eine von Goethes nachgelassenen Maximen (50). Und Goethe war bemüht, diese Grenze des “Unübersetzlichen” zu erreichen, wie Hans Rüdiger anhand der Goetheschen Übersetzung der Ode von Manzoni gezeigt hat.
Unübersetzlich scheint Rüdiger ”die eigentümlich rhetorische Form von Manzonis Ode” zu sein. Das künstlerisch - Problematische in Manzonis Ode, von dem die Lietraturkritiker sprechen, muß dann Goethe noch unübersetzlicher erschienen sein:

Der Übersetzer hat das mühevoll Künstliche von Manzonis Diktion offenbar empfunden; aber er hat es bewußt beibehalten, ja er hat die Härten des Originals in einigen Fällen noch verstärkt. Er wollte ‘die fremde Sprache gewahr werden’, die er von Jugend auf kannte und im Lande gesprochen hatte; er wollte sie nicht ‘verdeutschen’ und wollte vor allem nicht auf die Unebenheiten verzichten, die dem Gedicht unter des Dichters Händen geblieben waren. (51)

Auch damit strebt Goethe sein Identitätsideal des Originals mit der Übersetzung konsequent an und vertritt ein für heutige Übersetzer noch gültiges Prinzip, nach dem Übersetzer manche Unebenheiten des Originals nicht zu glätten haben, sondern sie so dastehen lassen sollten. Ebenso dürfen sie auch die künstlerischen Schwächen des Originals nicht verdecken, denn das wäre ein Eingreifen in den Stil des Autors, eine unerläßliche übersetzerische Freiheit. Von einem interpretierenden Übersetzen macht Goethe nur selten Gebrauch. Ab und zu fügt er ein die Umstände verdeutlichendes Adverb, eine Konjunktion oder ein Adjektiv ein, ohne damit den Sinn oder die Verständlichkeit zu schädigen. Solche Mittel dienen dem Ziel, die Intention des Dichters stärker zu betonen. Goethe schafft auch Neubildungen, wie z. B. “Herrscherschaft”, um das Abstraktum “Imperio” genau wiederzugeben. Überhaupt geht er sehr schöpferisch mit der Sprache um.

Rüdiger weist auch auf einige Mißverständnisse des Textes durch Goethe hin, die aber nicht so schwer zu beurteilen seien, da Goethe ein unkommentierter Text vorlag. So z. B. “saeculum” durch “ gespaltne Welt”- bleibt ohne das Original unklar; auch “dem berüchtigten Golgatha” trifft “al disonor del Golgota” nicht genau. Rüdiger zitiert auch eine Stelle, die Goethe zum Verhängnis wurde; es handelt sich u. E. um einen falschen Freund des Übersetzers: “i percossi valli” (die zerstörten Wälle = Breschen in den Befestigungsanlagen) mit “durchwimmelte Thäler” (le percorse valli); das Substantiv “valli” (Plural) hat im Italienischen dieselbe Form für “Täler und Wälle”. Dieser Fehler soll auch anderen Übersetzern in andere Sprachen unterlaufen worden sein (52). Und es werden noch einige solche mißverstandene Stellen angeführt, in einem Falle etwa die nicht erfolgte Unterscheidung von Grundbedeutung und übertragener Bedeutung eines Substantivs, in einem anderen veränderte Satzzeichen, die zu Veränderung der Bedeutung führen.Da muss aber unbedingt auch die Tatsache in Betracht gezogen werden, dass ein Fehler auch im Original war, denn es ist nicht immer sicher, welche Ausgabe Goethe hatte.

Bezeichnender aber als die Abweichungen vom Original sind nach Rüdiger “diejenigen Stellen, an denen Goethe auch auf Kosten der geläufigen deutschen Satzfügung, genau am Urtext festhält. Hier sind zunächst die nachgestellten Adjektive bemerkenswert, meist durch Kommata getrennt”, die für Goethes Altersstil charakteristischen Partizipien, die Anstrebung von latinisierenden Fügungen. In all diesen Fällen ist das Bestreben des Übersetzers deutlich, ebenso eng am Wortlaut wie an der Wortstellung des Urtextes zu bleiben, um die Ausdrucksfähigkeit des Deutschen bis an die Grenze des Möglichen zu treiben, um die Übersetzung dem Original so weit wie möglich identisch zu machen. Es kam Goethe in dieser Übersetzung darauf an, die deutsche Fähigkeit durch kühn erzwungene Annahme fremder Eigentümlichkeiten zu erweitern, “das deutsche zu entdeutschen, zu europäisieren”.

“Die identifizierende Übersetzung läßt uns das Heimische, Angestammte, Autarke fragwürdig erscheinen und öffnet den Blick für andere Strukturen des Geistes, auf die wir nicht verzichten können, wenn wir nicht in den Grenzen der literarischen Provinz verweilen wollen“; (53) die identifizierende Übersetzung erzwingt unsere Teilnahme am Fremden in der natürlichsten Weise “durch die unstarre Behandlung der eigenen Sprache” schlußfolgert Rüdiger am Ende seiner übersetzungskritischen Betrachtungen.

Goethe sah die drei oben genannten Arten von Übersetzungen nicht nur nebeneinader, sondern verstand sie, angesichts der in der deutschen Literatur mit dem Übersetzen gemachten Erfahrungen als historische Stufen, die eine Annäherung an den höchsten denkbaren Stand von Übersetzungskultur bezeichnen.

4. Zur Frage der Aktualität von Goethes literarischen Übersetzungen

Als Beispiel für die Beantwortung dieser Frage habe ich eine der am meisten besprochenen Übersetzungen Goethes gewählt, “Rameaus Neffe” von Diderot; das Original wurde von Tankred Dorst neu übersetzt und für die Bühne bearbeitet (54). In einer Bemerkung zu seiner Übersetzung schreibt Dorst:

Das Deutsch der Goetheschen Übersetzung ist heute geschichtlich, die Sprache des französischen Originals hingegen hat kaum an Aktualität verloren. Die unterschiedliche Entwicklung und Wandlung beider Sprachen erlaubt und macht es geradezu notwendig, von einer im zwiefachen Sinne klassischen Übersetzung abzugehen. Um Diderots Dialog präsent werden zu lassen, ihn als sprachliches Geschehen anschaulich zu machen, habe ich heutige Begriffe, gegenwärtige Idiome verwendet. (55)

Ausgehend von Tankred Dorsts Behauptung bei der Bearbeitung von “Rameaus Neffe” für die Bühne, und zwar daß Goethes Übersetzungssprache für heutige Leser veraltet sei im Vergleich zum Französischen des Originals, das an Aktualität nicht so sehr eingebüßt hätte, möchte ich der Frage nachgehen und zu erkunden versuchen, woher dieser Eindruck stammt. Meiner Meinung nach hat Tankred Dorst nur teilweise recht, und zwar nur dann, wenn Goethes Übersetzung auf der Bühne gesprochen werden sollte; dafür erscheint sie uns wenig geeignet. Aber für eine philologische Lektüre ist sie auch heute zu genießen.

Woher kommt dann doch der antiquierte Eindruck?

Von einer großen Anzahl von unübersetzt gelassenen französischen Wörtern und Wendungen, von denen sich manche durchgesetzt haben, andere hingegen ohne Kenntnis der französischen Sprache nicht mehr verständlich sind. Das wird auch der Grund dafür gewesen sein, warum Richard Münnich, einer der neuen Herausgeber der Goetheschen Übersetzung, außer Goethes Anmerkungen einen eigenen Kommentar hinzufügt, in dem er u. a. auch auf in der Übersetzung verwendete fremde Lexeme und Wendungen eingeht. Von Goethe stammt die bekannte Maxime: “Die Gewalt einer Sprache ist nicht, daß sie das Fremde abweist, sondern, daß sie es verschlingt” (56). Danach scheint er auch beim Übersetzen gehandelt zu haben und seinen Zeitgenossen manches französische Wortgut zugetraut.

Viele der von Goethe verwendeten Fremdwörter (lateinisch-französischen Ursprungs) sind auch heute noch im Umlauf: Vehikel, Positionen, Prälat, deklamieren, paraphrasieren, substituieren, Subskribent (Besteller); darunter sind auch viele Substantive auf -tion und eigene Ableitungen von Eigennamen, die heute nicht mehr gang und gäbe sind: Refutations´(Widerlegungen), Amplifikation (Erweiterung), Tribulation (Qual), Affektation (wahrheitswidriges Zuschautragen von Gefühlen), Kontestation (Anfechtung), Filiation (Abstammung), Ramifikationen (Abzweigungen).
Auffalend häufig ist der Gebrauch von Verben auf –ieren (manchmal –iren geschrieben), die Ableitungen von lateinisch- französischen Stämmen darstellen: exekutieren (ausführen), psalmodieren (Psalm singen), infamieren (in Schande bringen), passionieren (in Leidenschaft versetzen), präludieren (ein Vorspiel geben), duplieren (den ersten Vertreter einer Rolle ersetzen), marodieren (im Krieg von der Truppe abkommen), intentionieren (beabsichtigen); auch nach Eigennamen gebildet: catonisieren ( wie Cato von Utika denken).
Andere solche Verben erscheinen als Partizipien II: manieriert (geziert), affektiert (gekünstelt), chaussiert ( mit gutem Schuhzeug versehen), galoniert (mit Tressen oder Borten geschmückt), polizirt (“Niemand schlägt man tot in einer wohl polizirten Stadt”).

Dazu kommen viele fremde Substantive und Adjektive: Abbé, Mademoiselle, Maitresse, Vapeurs (Blähungen), Especes, Marechal ferrant, Niveleurs (Ausgleicher verschiedener Höhen), Couvert, Personagen, Avantagen, Memoires, Sozietät, Rigorist ( ein Mann von allzu starrer Urteilsstrenge), Gouvernement, Ingrediens (Bestandteil), Saillantes (Hervorspringendes), Petillantes (Prasselndes, Schäumendes) Reverenz (Verbeugung), Surtout (Überrock), Prokurator (Staatsanwalt), Renegat (Verzweigungen) Lamentationen (Wehklagen), Suspensionen (Aufschübe, Unterbrechungen); Catonen (Schüler von Cato), Jansenisten (Anhänger von Jansen), Gluckisten und Piccinisten (Anhänger von Gluck und Piccini); pasquillantisch (Verfasser eines Pasquills, Schmähschrift), subaltern (untergeordnet), insolent (unverschämt), sublim (erhaben), sukzessiv (aufeinanderfolgend), profund (tief), subtil ( fein, zart), konvulsionär (in Krampfzuständen geschehend), stationär ( auf bestimmten Platz verharrend - das ist die ursprüngliche Bedeutung), apoplektisch (zum Schlaganfall neigend). Dazu kommen unübersetzte Wörter oder Syntagmen: J’attendrai l’aurore (Ich werde die Morgenröte erwarten), polisson (Gassenjunge), eternelle nuit (ewige Nacht), Concert spirituel (“geistreiches Konzert”, öffentliches Konzert), Convenancen (Angemessenheit), ouvrage posthume et inedit (hinterlassenes und unveröffentlichtes Werk), “Je suis un pauvre diable”, mon coeur s’en va!).

Zu erwähnen ist auch der Gebrauch von Fremdwörtern in einer leicht veränderten Bedeutung: stationär (unverändert), Aspekte (Stellungen von Mond, Sonne und Planeten). Daß Goethe Eigennamen als Bezeichnungen für typische französische Einrichtungen und Institutionen unübersetzt gelassen hatte, scheint mir auch vom heutigen Standpunkt der Übersetzungskritik richtig zu sein:

So sieht man in der Allee de Fois unsre jungen Liederlichen...

Wenn es gar zu kalt oder regnicht ist, flüchte ich mich in den Cafe´de la Regeance.

Manche unübersetzen Wörter und Wendungen stehen bei Goethe bestimmt auch im Dienste der Wiedergabe eines sonst verloren gegangenen Lokalkolorits.

Im Bereich der Morpho-Syntax gibt es auch einige Besonderheiten des Goetheschen Deutsch, wie z. B. veraltete Rektionen: denken auf, sich unterhalten von; viele Verben mit dem Genitiv, die sich heute mit einer Präposition verbinden: haben + Gen. ( “Hat man denn Freunde? Und wenn man ihrer hätte?”); sich erinnern + Gen. ( “Aber ich erinnere mich wohl der Zeit, da Ihr in Verzweiflung wart.”), aber auch schon mit Präposition ( “ Erinnern würde ich mich an alles, was sie mir Leids getan.”); es gibt + Gen. (“Es gibt ihrer viele.”); veraltete Genitive als Adverbialbestimmungen (“Des Jahres können sie mich einmal festhalten”); das Höflichkeitspronomen “Ihr” (“Ihr lacht? Schon gut!” , “Nehmt Euch in acht, Ihr tut Euch Schaden.”); häufiger Gebrauch des synthetischen Konjunktiv II: “An Eurer Stelle würf ich das alles aufs Papier”; undeklinierte attributiv gebrauchte Adjektive: “Es mag schön oder häßlich Wetter sein...”

Andererseits habe ich auch einen progressiven sprachlichen Gebrauch bei Goethe gefunden : der ziemlich häufige Gebrauch von Modalpartikeln (schon, wohl, ja), der eher für die heutige Sprache charakteristisch ist.

Zum Vergleich, den ersten Abschnitt aus Goethes Übersetzung und aus Dorsts Bearbeitung:

Es mag schön oder häßlich Wetter sein, meine Gewohnheit bleibt auf jeden Fall, um fünf Uhr abends im Palais Royal spazieren zu gehen. Mich sieht man immer allein, nachdenklich auf der Bank d’Argenson. Ich unterhalte mich mit mir selbst von Politik, von Liebe, von Geschmack oder Philosophie, und überlasse meinen Geist seiner ganzen Leichtfertigkeit. Mag er doch die erste Idee verfolgen, die sich zeigt, sie sei weise oder töricht. So sieht man in der Allee de Fois unsre jungen Liederlichen einer Kurtisane auf der Ferse folgen, die mit unverschämtem Wesen, lachendem Gesicht, lebhaften Augen, stumpfer Nase dahingeht; aber gleich verlassen sie diese um eine andere, necken sie sämtlich und binden sich an keine. Meine Gedanken sind meine Dirnen. (“Rameaus Neffe”. Übersetzt von Goethe, Kiepenheuer 1964, S.39)

Diderot (vor dem Vorhang): Bei schönem wie bei schlechtem Wetter ist es meine Gewohnheit, um fünf Uhr abends im Palais Royal spazieren zu gehen. Ich unterhalte mich mit mir selbst über die Politik, über die Liebe, über den Geschmack oder über die Philosophie, ich überlasse meine Gedanken ihren Launen. Ich lasse sie dem ersten Einfall folgen, der mir kommt, er sei weise oder töricht. So sieht man in der Allee de Foi die jungen Flanierer einem Dämchen nachstellen, das herausfordernd, mit frechem Blick, nasehoch daherkommt; aber gleich verlassen sie die eine wegen einer anderen, ärgern sie alle und binden sich an keine. Meine Gedanken sind meine Dirnen. (“Rameaus Neffe”. Übersetzt und bearbeitet von Tankred Dorst, S.5)

Aug. W. Schlegel machte sich in einem Brief vom 12. März 1806 an Fouque über Goethes “wahrhaft barbarische Art zu schreiben” lustig, ausgerechnet über den Gallizismus “Avantagen”, den Goethe an einer Stelle (Stichwort “Geschmack”) seiner ausführlichen “Anmerkungen über Personen und Gegenstände deren in dem Dialog Rameaus Neffe erwähnt wird”, verwendet (57). Dafür hatte Schlegel das Wort “Vorzug” vorgeschlagen. Schlegel ist aber zu scharf in seinem Urteil und übersieht, daß Goethe das Fremdwort, “Avantagen”, mit dem deutschen Wort “Vorteil” alterniert und variiert, wie so oft in seinem Werk, wo das Einheimische und das Fremde nebeneinander erscheinen. Goethe war ein entschiedener Gegner der Puristen; er läßt in seinem Werk das Fremdwort genial walten, bei ihm stand es, als Beispiel für “Toleranz und freundliche Offenheit für das Fremde”, bestimmt auch im Dienste der Weltliteratur- Idee, als Zeichen der Emanzipation; auch damit wollte er der deutschen Sprache und Literatur verhelfen, aus ihrem “provinziellen Dasein” herauszukommen und sich der Weltliteratur einzugliedern.

Die Entwicklung der deutschen Sprache im 20. Jahrhundert bestätigt Goethes Meinung bezüglich des Gebrauchs und der Integration fremden Wortgutes in die deutsche Sprache; allerdings haben sich jetzt im Unterschied zum 18. und 19. Jahrhundert, jede Menge Anglizismen und Amerikanismen durchgesetzt, die trotz puristischer Bemühungen nicht mehr zu stoppen sind. Die von Goethe mit Vorliebe verwendeten Verben auf – ieren erfreuen sich auch heute großer Beliebtheit; das Modell ist sehr produktiv und es entstehen immer mehr solche Bildungen, auch im Fachwortschatz.

5. Kritische Bemerkungen zu Goethes Übersetzungen

Daß die Goethe-Forscher, die seine Übersetzertätigkeit unter die Lupe nahmen, den Dichterfürsten nicht vorbehaltlos bewunderten, ist ja selbstverständlich. Bei so einem komplexen und schwierigen Unternehmen wie das literarische Übersetzen sind Ungenauigkeiten und sogar Fehler unvermeidlich. Das wußte auch Goethe ganz bestimmt, aber ihm kam es nicht darauf an; er hat das Übersetzen aus Spaß und zugleich als eine wirksame Stilübung in der Muttersprache getrieben und es nicht unbedingt als ein “Wetteifern mit dem Original” aufgefaßt. Daraus soll man aber auf keinen Fall den Schluß ziehen, daß er mit seinen Übersetzungstexten oberflächlich umgegangen wäre. Das Gegenteil ist der Fall.

Auf einige Ungenauigkeiten und mögliche Fehler beim Übersetzen habe ich bereits in Anlehnung an H. Rüdigers übersetzungskritischen Merkmale im Zusammenhang mit Manzonis Ode “Fünfter Mai” hingewiesen.

Im folgenden möchte ich einige kritischen Bemerkungen der Goethe-Forscher in bezug auf “Rameaus Neffe” aufzählen. Dabei beziehe ich mich auf das Anfang unseres Jahrhunderts erschienene Buch von Rudolf Schlösser (58), das von Jürgen von Stackelberg und Ernst Gamillscheg bei der Besprechung der Goetheschen Übersetzung wiederaufgenommen wird. (59)

Schlösser stellt fest, daß Goethe sich in einer nicht geringen Anzahl von Fällen offenbar verlesen habe. In einigen Fällen hat Schlösser nachgewiesen, daß Goethe zwei einander ähnlich sehende französische Wörter tatsächlich verwechselt oder schließlich den französischen Text schlicht mißverstanden haben muß, weil seine Sprachkenntnisse nicht ausreichten. (60) Dafür hat Goethe aber auch mildernde Umstände – ihm lag ja nur eine handschriftliche, keine gedruckte Textfassung vor. Schlösser meint, Goethe habe in seiner Jugend ein eher umgangssprachliches Französisch erlernt, dann gewiß viele literarische Texte gelesen, es aber doch nie zu einer sicheren Beherrschung des Französischen gebracht. Einige der angeführten Proben sprächen nicht einmal dafür, daß Goethe im gesprochenen Französisch sehr bewandert war. Allerdings wären ihm die schwersten Fehler dort unterlaufen worden sein, wo es sich um ausgefallene Wörter oder Wendungen handelte.

Das ist doch ein wenig verwunderlich, denn Goethe konsultierte regelmäßig Nachschlagewerke: das Hübnersche Zeitungslexikon hatte er stets griffbereit und für Details aus der Welt der antiken Götter und Heroen zog er Benjamin Hederichs “Gründliches Lexicon mythologicum” heran. Es ist um so mehr anzunehmen, daß er für seine Übersetzungen Wörterbücher und Nachschlagewerke herangezogen hatte, um sicherzugehen. Regelrechte Übersetzungsfehler lägen nach Schlösser auch dann vor, wenn Goethe “glaner” und “flaner” verwechselt, oder wenn er “figure” mit “Figur”, statt mit “Gesicht” wiedergibt (61). Im Falle von “figure” und “Figur” kann es sich leicht um einen falschen Freund des Übersetzers handeln.

Die Liste solcher Fehler ist lang, aber derselbe Schlösser kommt nicht umhin zu zeigen, daß es ungerecht wäre, daraufhin über Goethes Arbeit ohne weiteres den Stab zu brechen. Goethe hatte den großen Vorteil des Dichters, er übersetzt mit spielender Leichtigkeit und hat dazu “die Neigung zum Konversationsmäßigen, die seine Vorlage auszeichnet”, urteilt derselbe strenge Kritiker weiter. Es ist Goethe auch gelungen, den Stilwillen des Autors im Detail zu erkennen und seine Erkenntnisse bei der Wiedergabe des Textes im Deutschen fruchtbar zu machen.
Gamillscheg weist nach, daß Schlössers Kritik an Goethes Übersetzungskunst falsch am Platze sei, “da er ja von unhaltbaren Voraussetzungen ausging. Ob Goethe nun in den folgenden Stellen falsch übersetzt hat oder ob seine Vorlage schon Irrtümer enthielt, wird sich kaum je feststellen lassen.” (62) Dieses Urteil scheint mir auch angemessener zu sein, da sich die Vorlage, nach der Goethe übersetzt hat, nicht mehr wiederherrstellen läßt.

Allerdings bezieht sich Schlössers Tadel nur auf die Lexik , Goethes Syntax hingegen “die oft das Maß von Unabhängigkeit aufweist, das erforderlich ist, um den Sinn der Vorlage zu wahren und doch nicht holprig, nicht undeutsch zu werden” lobt er.

Denn Fehler aufzuzeigen und Mängel anzukreiden ist bei jeder Übersetzung allemal leichter als Qualitäten nachzuweisen. Vorausgesetzt, daß wir an der Patina keinen Anstoß nehmen, die Goethes Deutsch nun für uns bekommen hat und vorausgesetzt, daß wir auf die Richtigkeit der Wiedergabe in allen Einzelheiten nicht den größten Wert legen, so bleiben Goethes Übersetzung genügend Meriten, um sie nicht nur eine kongeniale, sondern auch eine geniale Übersetzung zu nennen. (63)

Goethe wird sich bestimmt auch mit den sprachspezifischen Schwierigkeiten, die von der verschiedenen Struktur der zwei romanischen Sprachen, aus denen er am meisten übersetzt hat, (Französischen und Italienischen), herrühren, auseinandergesetzt haben, aber das Endergebnis seiner Arbeit – der übersetzte Text – vermittelt den Eindruck eines Originalwerkes. Denn letztendlich stellt jede literarische Übersetzung ein Wagnis dar.

Sehr zu schätzen sind auch Goethes ausführlichen Anmerkungen und Kommentare zu seinen Übersetzungen; sie zeugen von seinem enzyklopädischen Wissen im Bereich der Literatur, der Philosophie, der bildenden Kunst, der Musik etc. Oft handelt es sich um kleine Essays zu einem Thema (vgl. in “Rameaus Neffe” etwa das Stichwort “Geschmack”). (64) Solche Anmerkungen bildeten für Goethe- Forscher eine wahre Fundgrube, die im Laufe der Zeit entsprechend ausgewertet wurde.

6. Ausblick

Goethe hat sich des Übersetzens, als einer sehr fruchtbaren geistigen Tätigkeit, gern und oft angenommen und war sich der Bedeutung von Übersetzungen stets bewußt. Die Rezeption der Antike und der italienischen Kultur, die Teilnahme an der englischen oder französischen Literatur, an Shakespeare und Lord Byron, an Diderot und Voltaire, haben den jungen wie den alten Goethe immer wieder zum Übersetzen bewogen.

Obwohl Goethes Übertragungen nicht zu seinen Hauptwerken zählen und er kein geborener Übersetzer war, wie man Luther, Wieland, Herder, Wilhelm August Schlegel, Tieck u. a. nennen kann, dazu war er ein viel zu selbständig schaffender Geist, bieten seine Übertragungen interessante Aufschlüsse über sein Schaffen und seine Beziehung zur Antike und zu modernen Völkern (65). Seine Übertragungen waren nicht selten auch ein Stimulus für eigene Schöpfungen.

Auch wenn er in einer seiner Maximen behauptet: “Ein Künstler, der schätzbare Arbeiten verfertigt, ist nicht immer imstande, von eignen oder fremden Werken Rechenschaft zu geben” (66), widerlegt sich der Künstler Goethe selbst. Zwar hat er selten “Rechenschaft gegeben” über seine eigenen Übersetzungen, doch hat er sie in seinen theoretischen Äußerungen zum Übersetzungsprozeß indirekt mit einbezogen.



Literatur (Eine Auswahl):

1. Cellini, Benvenuto: Leben des Benvenuto Cellini, florentinischen Goldschmieds und Bildhauers, von ihm selbst geschrieben. Übersetzt und mit einem Anhang herausgegeben von Johann Wolfgang Goethe. Mit einem Nachwort von Herbert Keutner. Frankfurt am Main, Insel – Verlag 1965

2. Diderot, Denis: Rameaus Neffe. Aus dem Manuskript übersetzt und mit Anmerkungen begleitet von Johann Wolfgang Goethe. Hrsg. mit Kommentar sowie Personen- und Sachregister von Richard Münnich. Weimar: Kiepenheuer 1964

3. Diderot, Denis: Rameaus Neffe. Übersetzt und für die Bühne bearbeitet von Tankred Horst. Kiepenheuer & Witsch: Köln. Berlin, 1963

4. Goethe, Johann Wolfgang: Werke in 22 Bd., Aufbau Verlag , Berlin, 1965

5. Malles, Hans-Jürgen: Übersetzungen. In: Goethe Handbuch. Bd. 4/2. Personen, Sachen, Begriffe L-Z. Hrsg. von Hans- Dietrich Dahnke und Regine Otto, Verlag J. B. Metzler Stuttgart. Weimar 1998

6. Rüdiger, Horst: Goethe und Europa. Essays und Aufsätze: 1944- 1983. Hrsg. von Willy R. Berger und Erwin Koppen: Walter de Gruyter Berlin . New York, 1990

7. Schlösser, Rudolf: Rameaus Neffe. Studien und Untersuchungen zur Einführung in Goethes Übersetzung des Diderotschen Dialogs, Berlin 1900

8. Sdun, Winfried: Probleme und Theorien des Übersetzens in Deutschland vom 18. bis zum 20. Jahrhundert. München: Hueber, 1967

9. Von Stackelberg, Jürgen: Weltliteratur in deutscher Übersetzung. Vergleichende Analysen. Wilhelm Fink Verlag München, 1978

10. Weltliteratur. Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes. Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs im Schiller- Nationalmuseum Marbach a. N.. Ausstellung und Katalog: Reinhard Tgahrt in Zsarb. Mit Ingrid Belke. Schillergesellschaft, 1982

11. Zagari, Luciano: “Auf der Höhe dieser barbarischen Avantagen”. “Le neveu de Rameau und die Krise der Goetheschen Klassik. In: Deutsche Klassik und Revolution. Texte eines literaturwissenschaftlichen Kolloquiums. Hrsg. Von Paolo Chiarini und Walter Dietzke. Roma, 1981


ANMERKUNGEN:

(1) “Weltliteratur. Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes”, Marbach am Neckar 1982, 344.

(2) Die Prägung “Weltliteratur” findet sich zuerst im Tagebuch vom 15. Januar 1827; mit diesem Namen wies Goethe in den folgenden Jahren auf etwas, das sich anbahne, bilde, zu erhoffen sei: eine Literatur, die die Grenzen überschreitet, Austausch ermöglicht, vermittelt, dabei nicht auf Belletristisches beschränkt bleibt, kritische und erläuternde Schriften mit einbegreift, übersetzt und zum Übersetzen anregt.

(3) “Weltliteratur. Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes”, S. 412.

(4) Vgl. Thomas Mann: “Goethe als Repräsentant des bürgerlichen Zeitalters. Rede zum hundertsten Todestag Goethes”. S. Fischer Verlag Berlin, 1932, S. 47.

(5) Vgl. H. J. Malles: “Übersetzungen”. In: “Goethe Handbuch”, Band 4/2, Stuttgart. Weimar 1998, S. 1068-1069.

(6) WA, Abt. 1,Bd. 42.2, S. 417.

(7) WA I, 40, S. 304.

(8) Vgl. H. Rüdiger: “Goethes und Schillers Übertragungen antiker Dichtungen”. In “Goethe und Europa”. Essays und Aufsätze 1944-1983, S. 7.

(9) Für weitere Ausführungen vgl. H. Rüdiger: Ebenda, S. 1.

(10) Ebenda.

(11) “Weltliteratur. Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes”, S. 350.

(12) H. Rüdiger, Ebenda, S. 8.

(13) Ebenda, S. 354.

(14) Zitiert nach “Weltliteratur. Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes”, S. 372.

(15) “Briere, der Herausgeber dieser Ausgabe... wandte sich mit der Bitte an Goethe, zu erklären daß sein Text – und nicht derjenige von Saur und Saint Genies –der authentische sei. Goethe konnte sich, trotz der inzwischen verstrichenen zwei Jahrzehnte, deutlich genug an Diderots Stil erinnern, so daß er Briere antwortete: ‚Hochgeehrtester Herr! Sie haben mir durch die bedeutende zutrauliche Sendung sehr viel Vergnügen gemacht; denn ob ich gleich den Diderotischen trefflichen Dialog mit Neigung, ja mit Leidenschaft übersetzte, so konnte ich demselben doch nur eine flüchtige Zeit widmen, darauf aber meine Arbeit mit dem Original niemals wieder vergleichen.- Nun geben Sie mir Gelegenheit, es zu thun, und ich trage keine Bedenken hiemit meine Überzeugung auszusprechen, daß der von Ihnen gedruckte Neveu de Rameau gleichlautend mit der Copie sey, wornach ich übersetzt”. Cottasche Werkausgabe (Stuttgart 1856, Bd. 29,S. 370). Zitiert nach Jürgen von Stackelberg: “Weltliteratur in deutscher Übersetzung” , W. Fink Verlag München 1978, S. 132.

(16) Weiter dazu von Stackelberg, Ebenda, S. 139: “Überhaupt hat sich der jüngere Übersetzer, wohl im Gegensatz zu Goethe, öfters zu sehr bemüht, unbedingt ein deutsches Wort an die Stelle des Fremdwortes zu setzen, das Goethe verwendet... Goethes ‚Billet” muß nicht unbedingt als ‚Liebesbrief’ wiederkehren (wie bei Rütten), auch das ‚Comptoir’ , das Goethe stehen läßt, versteht man ohne weiteres (Rütten setzt ‚Laden’ dafür... Schließlich: warum nicht der ‚insolenteste Schuft’, wie Goethe sagt? Rütten verdeutscht mit: ‚der unverschämteste Lump’. – Aber in anderen Fällen war es freilich notwendig, Goethes aus dem Französischen stammenden Fremdwörter einzudeutschen, so wenn man bei ihm liest, wie einer nicht nur gut frisiert, sondern auch ‚chaussiert’ erschien, wie einer ein Musikstück ‚exekutiert’ oder wie eine Sängerrolle ‚dupliert’ wird...”

(17) “Diderots Versuch über die Malerei”. Entstehung und Überlieferung. In Goethes Werke, Berliner Ausgabe, Bd. 21, S. 937-938

(18) Goethes Werke, Berliner Ausgabe, Bd. 21, S. 732

(19) Ebenda, S. 733. Der Schluß lautet: “Möge denn also dieses Gespräch, das auf der Grenze zwischen dem Reiche der Toten und Lebendigen geführt wird, auf seine Weise wirken! Und die Gesinnungen und Grundsätze, denen wir ergeben sind, bei allen, denen es Ernst ist, befestigen helfen.”

(20) Vgl. Jürgen von Stackelberg, a. a. O., S. 80 und 82.

(21) “Leben des Benvenuto Cellini”. Übersetzt von Goethe. Insel – Verlag, Frankfurt am Main, 1965. Mit einem Nachwort von Herbert Keutner, S. 577.

(22) Ebenda.

(23) Vgl. “Weltliteratur. Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes”, S. 362.

(24) Vgl. ebd., S. 434.

(25) H. Rüdiger: “Ein Versuch im Dienste der Weltliteratur- Idee: Goethes Übersetzung von Manzonis Ode ‚Il Cinque Maggio’”, S. 26.

(26) Ebenda: Vgl auch weiter: “Der zu Beginn, in der Mitte und am Schluß ausgesprochenen Gesinnung Manzonis konnte sich Goethe rückhaltlos anschließen: hatte er sich doch ebenfalls zu keiner extremen Haltung gegenüber dem lebenden Herrscher bereitfinden können. In der Vornehmheit der Gesinnung, im Adel des Herzens fühlte sich der Übersetzer dem Dichter verbunden. Es war zunächst der zeitkritische Gehalt der Ode, welcher Goethe die Übersetzung nahelegte.”

(27) Vgl. W. Sdun: “Probleme und Theorien des Übersetzens in Deutschland vom 18. bis zum 20. Jh.”, S. 51.

(28) Goethes Werke, Berliner Ausgabe, Bd. 18, S. 518.

(29) Art. Ged. Ausg. Bd. 10, S. 540.

(30) Ebenda.

(31) J. Malaplate:”Zur Problematik der Übersetzung Goethescher Poesie ins Französische. Faust I und Faust II. In: “Goethe Jahrbuch 103 (1986), S. 173f.

(32) Vgl. hierfür auch H. J. Malles: “Übersetzungen”. In: “Goethe Handbuch, Bd. 4/2, 1998, S. 1071.

(33) Ebenda.

(34) H. Rüdiger, a. a O., S. 13.

(35) Art. Ged. Ausg. Bd. 12, S. 705.

(36) Vgl. WA I, 36, S. 326, zitiert nach: H.J. Malles: “Übersetzungen”. In: Goethe Handbuch, Bd. 4/2. Personen, Sachen, Begriffe. Herausgegeben von H. D. Dahnke u. R. Otto, Verlag J.B. Metzler Stuttgart Weimar 1998, S. 1067.

(37) Ebenda, S. 367.

(38) Vgl. “Noten und Abhandlungen zu bessern Verständnis des west- östlichen Divans”, Art. Ged. Ausg. Bd. 3, S. 554. Dazu auch H. Rüdiger, a. a. O., S. 28.

(39) Vgl. “Noten und Abhandlungen zu bessern Verständnis des west- östlichen Divans”, S. 554.

(40) Ebenda.

(41) Ebenda.

(42) Vgl. Goethes Werke, Berliner Ausgabe, Bd. 18, S. 662.

(43) Ebenda.

(44) Ebenda. Dazu auch H. Rüdiger, a.a.O., S. 28.

(45) “Am 12. Januar 1822 erhielt Goethe ‚von Serenissimo’ das Gedicht übermittelt, beschäftigte sich am Tage darauf mit ihm, übersetzte es in der Nacht des 14., “’mundirte’ seine Arbeit und las sie am 15. in kleinem Kreise vor. Einen Monat später sah er die Übersetzung nochmals durch und kopierte sie im Dezember ‚für Mailand’.” Vgl. H. Rüdiger, a. a. O., S. 25.

(46) H. Rüdiger, Ebenda, S. 28.

(47) H. Rüdiger, Ebenda, S. 29.

(48) Ebenda, S. 31.

(49) Vgl. Winfried Sdun: “Probleme und Theorien des Übersetzens in Deutschland vom 18. Bis zum 20. Jahrhundert”, Max Hueber Verlag München, 1957, S. 54.

(50) “Literatur und Leben”, in: Gedenkausg. XV (F. Ernst) 1088.

(51) H. Rüdiger, Ebenda, S. 34.

(52) Ebenda, S. 36, 37.

(53) Ebenda, S. 43. Vgl. dazu auch die Fortsetzung: “Die originale Schöpfung in der eigenen Sprache kann Verfremdung in der Regel nur durch künstlich erzwungene Effekte, etwa durch Sprachmischung, erreichen, wie zahlreiche Beispiele moderner Lyrik von Benn bis Pound lehren; die identifizierende Übersetzung hingegen erzwingt unsere Teilnahme am Fremden in der natürlichsten Weise durch die unstarre Behandlung der eigenen Sprache. Sie ist gerechtfertigt als Mittel, den Geschmack der Menge zur Idee ‚Weltliteratur’ heranzubilden.”

(54) Denis Diderot: Rameaus Neffe. Übersetzt und für die Bühne bearbeitet von Tankred Dorst. Kiepenheuer u. Witsch 1963, Köln. Berlin (= Collection Theater. Texte 16).

(55) Ebenda, S. 64. Vgl. auch zwei andere Bemerkungen: “Diderots Dialog “Rameaus Neffe” ist kein Theaterstück. Es waren, um ihn auf die Bühne zu bringen, einige Textumstellungen und größere Kürzungen notwendig. Vor allem mußte die Sprache den Bedingungen der Bühne angepaßt werden. Die bekannte Übersetzung Goethes, die in der Diktion der Klassik und nicht im Hinblick auf das Theater geschrieben ist, rückt den realistischen Vorgang von der Bühne ab.”

(56) Goethe: Maximen und Reflexionen, Berliner Ausgabe, Bd. 18, S. 622.

(57) D. Diderot: Rameaus Neffe. Kiepenheuer 1964, S. 175 . Die Stelle befindet sich am Ende des Stichwortes ‚Geschmack’: “Uns auf der Höhe dieser barbarischen Avantagen, da wir die antiken Vorteile wohl niemals erreichen werden, mit Mut zu erhalten ist unsere Pflicht, zugleich aber auch Pflicht, dasjenige was andre denken, urteilen und glauben, was sie hervorbringen und leisten, wohl zu kennen und treulich zu schätzen.”Vgl. dazu auch Luciano Zagari: “Auf der Höhe dieser barbarischen Avantagen”. Le neveu de Rameau und die Krise der Goetheschen Klassik. In “Deutsche Klassik und Revolution”. Texte eines literaturwissenschaftlichen Kolloquiums, Edizioni dell’ Ateneo, Roma 1978, S. 139f.

(58) R. Schlösser: Rameaus Neffe. Studien und Untersuchungen zur Goethes Übersetzung des Diderot’schen Dialogs” (= Forschungen zur neueren Literaturgeschichte), Berlin 1900.

(59) Jürgen von Stackelberg: Diderot: Le Neveu de Rameau. In: “Weltliteratur in deutscher Übersetzung”, W. Fink Verlag München 1978, S. 141f. Ernst Gamillscheg: Diderots Neveu de Rameau und die Goethesche Übersetzung der Satire (Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse, Jg. 1953, Nr.1),Verlag der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz, Wiesbaden 1953, S. 24.

(60) Vgl. Jürgen von Stackelberg, a. a. O., S. 141.

(61) Ebenda, S. 137f.

(62) Vgl. E. Gamillscheg, a.a.O., S. 24.

(63) Vgl. auch J. von Stackelberg, a. a. O., S. 144: “Der Schwung, die Pfiffigkeit, die ganze spannungsvolle Atmosphäre des Dialogs, in dem der zu seinem Leidwesen so bürgerlich gewordene Diderot heimlich mit dem Bohemien Rameau sympathisiert – das alles ist in Goethes Wiedergabe weitgehend erhalten geblieben.”

(64) D. Diderot: Rameaus Neffe. Ein Dialog aus dem Manuskript übersetzt von Joh. Wolfgang Goethe. Herausgegeben von Richard Münnich, Weimar Kiepenheuer, 1964, S. 175-180

(65) Vgl. auch H. Rüdiger: “Goethes und Schillers Übertragungen antiker Dichtungen”, a. a. O., S.24. Der Schluß der Arbeit von Rüdiger bezieht sich auf die einmalige Tätigkeit beider Dichter als ‚nicht geborene Übersetzer’: “Auch fehlte ihnen aus diesem Grunde (Sie waren viel zu selbständig schaffende Geister) das romantische Vermögen der Anpassung und Einfühlung, das bei den geborenen Übersetzern bis zur Aufgabe des selbständigen persönlichen Stiles führen kann. Aber gerade darum spricht aus fast allen ihren Übertragungen und selbst aus den Mängeln und Schwächen ihre einmalige Persönlichkeit, die auch dem kleinsten Bruchstück einen höheren Wert verleiht.”

(66) Goethes Werke, Berliner Ausgabe, Bd. 18, S. 633.

 

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