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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., Heft 13-14 / 1998, S. 297-301

 

 


FALSCHE FREUNDE IM EUROLATEINISCHEN KONTEXT

Elena Viorel


1. Einleitung (1)

Zu den in der letzten Zeit immer häufigeren Kompositumbildungen mit “euro-“ zählt auch die von Allan Kirkness geprägte “Eurolatein” (2) Diese Neuprägung soll im weiteren Sinne das “gemeinsam Europäische des klassischen Erbes” hervorheben. Im engeren Sinne steht der Terminus auch für das Inventar von lateinstämmigen Einheiten, Mustern und Regeln, das in verschiedenem Maße vielen europäischen Sprachen gemeinsam ist.

Die falschen Freunde stellen einen besonderen Fall des klassischen Erbes in unseren europäischen Sprachen dar und widerspiegeln zwischensprachliche Beinflussungen. Das gemeinsame Erbe hat im Laufe der Zeit oft formale und semantische Modifikationen durchgemacht, so daß das ursprünglich Gemeinsame zum Teil geblieben ist, zum Teil sich unterschiedlich entwickelt hat. In diesem Wandel steckt auch die Quelle falscher Freunde mit ihren tückenreichen Gefahren in einer erstaunlichen Variation von Formen und Bedeutungen.

Ein Blick auf die Forschung und Dokumentation falscher Freunde läßt erkennen, daß sie nicht ihrer Bedeutung und Häufigkeit entsprechend die Aufmerksamkeit der Linguisten und Lexikographen auf sich gezogen haben. Ich sehe von den Publikationen, die das Thema falsche Freunde in ebensovielen Sprachen tangieren, von den linguistischen Beiträgen in Zeitschriften und Sammelbänden ab und beschränke mich auf die schon erschienenen zweisprachigen Wörterbücher falscher Freunde.

 

2. Wörterbücher falscher Freunde in zweisprachiger Relation

2.1 Zu den ersten zählt das Nemecko-russkij i russko-nemeckkij slovar‚ loznych druzej perevoda = deutsch-russisches und russisch-deutsches Wörterbuch der ‚falschen Freunde des Übersetzers’ von Karl H. M. Gottlieb (Moskau: Sowjetskaia Enziklopedija, 1972, 447 S.)

Jedes Stichwort gliedert sich in zwei aufeinanderfolgende Teile: einen deutsch-russischen und einen russisch-deutschen. Diese Darstellung ermöglicht die kontrastive Gegenüberstellung; bei den Stichwörtern werden Bedeutungen, Teilbedeutungen sowie verschiedene Fälle des Wortgebrauchs, der Stilfärbung und der Wortfügung angegeben.

2.2 Das Kleine Wörterbuch der ‚faux amis’. Deutsch - Französisch, Französisch - Deutsch (Leipzig: Enzyklopädie, 1979, 125 S.) von Helmut Kühnel, das sich zum Ziel setzt, diejenigen Fehlleistungen abzubauen, die sich aus der Existenz der falschen Freunde ergeben. Dieser Ansatz bedarf aber - wie sich der Autor selbst im Vorwort äußert - „der Vervollkommnung und Vervollständigung“.

2.3 Eine bemerkenswerte Leistung stellt das Wörterbuch Falsche Freunde auf der Lauer: Dizionario di false analogie e ambique affinita fra tedesco e italiano von Carlo Milan und Rudolf Sünkel (Bologna: Zanichelli, 1990 XV - 231 S.) dar, in dem die als falsche Freunde erkannten Lexeme durch Belege aus der Gegenwartssprache (darunter viele aus der Belletristik) beschrieben werden. Nach dem deutschen Lexem mit seiner Ethymologie folgt das formähnliche italienische; im Falle von polysemen Wörtern, und das sind die meisten Einträge, erfolgt die Beschreibung der Sememe in beiden Sprachen. Die Autoren ziehen oft auch die für die jeweilige Sprache typischen Syntagmen und idiomatischen Wendungen heran. Den einzelnen Stichwörtern sind sprachgeschichtliche Informationen zu entnehmen, damit der Leser sich besser zurechtfindet. Durch diese Konfrontation des eurolateinischen Wortschatzes im Deutschen und im Italienischen vermitteln uns die Autoren den Eindruck, daß im Labyrinth der falschen Freunde die bekannte Formel „traduttori - traditori“ durchaus ihre Berechtigung findet.

2.4 Ein für die deutsch-englischen und englisch-deutschen kontrastiven Untersuchungen sehr willkommenes Nachschlagewerk ist Falsche Freunde. Ein vergleichendes Wörterbuch Deutsch-Englisch von Klaus-Dieter Barnickel (Heidelberg: Groos 1992, 215 S.).

Neu an diesem Wörterbuch ist, daß es in einem einleitenden Kapitel ausführlich und systematisch auf Unterschiede in der äußeren Form, der Schreibung, der Betonung und Aussprache eingeht. Es stellt zugleich ein neues Wörterbuchkonzept vor, indem es deutsche und englische Lexeme direkt nebeneinanderstellt, so daß man Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Anwendung der betreffenden Wortpaare auf einen Blick erfassen kann. Im ersten Teil werden jeweils das deutsche Stichwort und sein englisches Gegenstück einander gegenübergestellt. Aus Platzgründen wird auf eine deutsche Übersetzung des englischen Stichwortes verzichtet, die man sich aber unter Umständen wünschen würde. Im zweiten Teil werden die abweichenden Bedeutungen des deutschen Lexems vorgestellt, im dritten Teil die entsprechenden Besonderheiten des englischen Wortes angegeben. In Klammern befinden sich Hinweise zum Bedeutungsgehalt, zu Kontexten und zur Stilebene des betreffenden Lexems. Mit anderen Forschern auf diesem Gebiet teilt auch K. D. Barnickel die Überzeugung, daß Schreibunterschiede zwischen den beiden Sprachen am ehesten ins Auge fallen und Betonungs- und Ausspracheunterschiede die Regel darstellen, während Bedeutungsunterschiede in jedem Fall verdeckt liegen. Daher auch die intensivere Beschäftigung der Forschung mit diesem Aspekt, der dem Übersetzer und Sprachlerner nicht sofort bewußt ist.

2.5 Zu den neuesten Wörterbüchern zählt auch das von Maria Teresa Hundertmark - Santos Martins Die ‚falschen Freunde’: Portugiesisch Deutsch, Deutsch-Portugiesisch = Os ‚falsos amigos’ (Tübingen: Niemeyer, 1995 - XI, 371 S.). Auf derselben Seite steht links das portugiesische Stichwort mit allen seinen Entsprechungen im Deutschen, die durch Satzbeispiele und ggf. durch Redewendungen und idiomatische Wendungen verdeutlicht werden. Rechts befindet sich das entsprechende deutsche Stichwort, ebenfalls mit allen Bedeutungen und ggf. den Redewendungen und idiomatischen Wendungen. Durch diese Gegenüberstellung und die spezielle Markierung der falschen Freunde durch ein Sternchen wird die gleichzeitige Handhabung beider Versionen ermöglicht. Die Autorin hebt im Vorwort noch eine wichtige Tatsache hervor, und zwar, daß „zwei ähnliche Ausdrücke (signifiance) mit divergierenden Inhalten (signifié) nicht für alle Zeiten falsche Freunde bleiben müssen“, da sich unsere Sprachen in einem ständigen Entwicklungsprozeß befinden und wissenschaftliche Kontakte zwischen Sprachen und Kulturen an der Tagesordnung sind.

2.6 Zu erwähnen ist auch das Buch des polnischen Germanisten Ryszard Lipczuk Verbale Tautonyme lateinischer Herkunft in deutsch-polnischer Relation. Ein Beitrag zur semantischen Beschreibung nach dem gebrauchstheoretischen Ansatz (Göppingen = Göppinger Arbeiten zur Germanistik, herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer, 1987 - 398 S.). Der Autor untersucht verbale falsche Freunde in deutsch-polnischer Relation (bei ihm lexikalische Tautonyme genannt) als direkte Entlehnungen aus dem Lateinischen und unterstreicht den praktischen Wert eines solchen Unternehmens für den DAF - Unterricht, die Lexikographie und die Übersetzungspraxis. Das Hauptgewicht liegt auf der semantisch - syntaktischen Beschreibung der verbalen Tautonyme und auf ihrer bilateralen Konfrontation. Für jedes deutsche, bzw. polnische Lexem (als Einheit von Formativ und Bedeutung verstanden) wird jeweils nach äquivalenten Entsprechungen gesucht. Wenn auch in der Konfrontation beide Sprachen berücksichtigt werden, so spielt doch das Deutsche „eine primäre Rolle“, da der Verfasser in erster Linie die Ziele des Deutschunterrichts in Polen im Auge hat (3).

3. Varianten von falschen Freunden

Es gibt innereinzelsprachliche intralinguale und zwischensprachliche interlinguale falsche Freunde. Formähnliche Wörter werden auch in der Muttersprache leicht verwechselt, aus Versehen oder aus Unkenntnis, und können so zu intralingualen falschen Freunden werden und zu Fehlleistungen führen. Solche Fälle hat das kleine Wörterbuch Leicht verwechselbare Wörter von Wolfgang Müller (Duden-Taschenbücher, Band 17, Bibliographisches Institut Mannheim), dokumentiert, das innereinzelsprachliche Interferenzen bewußt machen will. Auch in der Muttersprache geht es um Wortpaare, deren formale Ähnlichkeit den Sprecher/Schreiber zu falscher Wortwahl verleiten. Es handelt sich um einheimische Lexeme, darunter viele präfigierte Verben, aber auch um Fremdwörter, die dem Mutter- und Fremdsprachler gleichermaßen Schwierigkeiten bereiten.

Aus dem oben zitierten Wörterbuch und aus meinem Korpus einige Beispiele: adoptieren / adaptieren; Affekt / Affektion; Alimentation / Alimente; anscheinend / scheinbar; Brüder / Gebrüder; Beigabe / Zugabe; deutschsprachlich / deutschsprachig; Dosis / Dose; Exkurs / Exkursion; extrem / extremistisch; formell / formal; Gasthaus / Gasthof / Gästehaus; das Gehalt / der Gehalt; gewohnt / gewöhnt; herzlich / herzig / herzhaft; jüdisch / Jiddisch; die Kammer / die Kamera; kindlich / kindisch; künstlich / künstlerisch; Landmann / Landsmann; lösbar / löslich; opportun / opportunistisch; Praktik / Praxis / Praktikum; der Patron / die Patrone; rational / rationell; real / reell; das Rohr / die Röhre; das Tablett / die Tablette; das Tempo / das Tempus; der Verdienst / das Verdienst; zeitig / zeitlich.

Unter den zitierten Lexempaaren gibt es solche mit einer zufälligen Formkongruenz und ganz verschiedener Bedeutung - totale intralinguale falsche Freunde (Tempus / Tempo, adoptieren / adaptieren) und andere, die als Ableitungen von einem gemeinsamen Etymon stammen - partielle intralinguale falsche Freunde (rational / rationell; formal / formell) und die sich nur in Bedeutungsnuancen voneinander unterscheiden.

In der Literatur wird aber der Terminus falsche Freunde vor allem auf die interlingualen falschen Freunde, die ebenfalls in totale und partielle eingeteilt werden können, bezogen.

Die totalen oder eigentlichen falschen Freunde sind formgleiche oder -ähnliche Lexempaare gemeinsamer Herkunft oder zufälliger formaler Identität, aber unterschiedlicher Bedeutung. Davon einige Beispiele in deutsch - rumänischer Relation:
 

Akademiker

academician

Absolvent einer Hochschule; (rar ‘Akademiemitglied’)

‘Akademiemitglied’

Alimente

alimente

‘Unterhaltspflicht gegenüber unehelichen Kindern’

‘Nahrungsmittel’

akkordieren

a acorda

‘vereinbaren, einen Lohnvertrag übernehmen’

-’stimmen: ein Musikinstrument stimmen’

-’schenken, beimessen: a acorda atentie/Aufmerksamkeit schenken’

Cafeteria

cofetãrie

‘Restaurant mit Selbstbedienung’

‘Konditorei’

fidel

fidel

‘guter Laune, heiter’

‘treu’

Kompaß

compas

‘Meßinstrument’

‘Zirkel’

penibel

penibil

‘genau, sorgfältig, gewissenhaft’

‘peinlich’

Prokurist

procuror

‘Bevollmächtigter’ (Prokurist einer Firma, Bankprokurist)

‘Staatsanwalt’

promovieren

a promova

‘den Doktortitel erlangen’; ‘jemandem die Doktorwürde verleihen’

‘jemanden fördern/etwas fördern’

Tablett

Tablette

tabletã

‘Servierbrett’

‘Arzneimittel’ (ist zugleich auch ein intralingualer falscher Freund)

‘Tablette’


Anmerkung zur obigen Tabelle: Beim Lexem penibel habe ich aus einer Radiosendung einen Satz notiert, wo es in der Bedeutung von „peinlich“ wie im Rumänischen verwendet wurde: „Französischen Staatsbürgern sei jetzt penibel zuzugeben, daß sie während des Krieges wertvolle Gemälde an deutsche Bürger verkauft haben“. Es ist ein Beweis dafür, daß dieses Lexem auf dem Weg ist, den Status eines falschen Freundes zu verlieren. Peinlich schließt auch das Semem penibel mit ein (eine peinliche Hygiene).

b) Viel zahlreicher als die totalen sind die partiellen falschen Freunde, also solche, die mindestens über eine gemeinsame Bedeutungsvariante verfügen, die aber darüber hinaus auch zusätzliche differenzierende Bedeutungen aufweisen. Sie können in den untersuchten Sprachen ein vielfältiges semantisches Bild abgeben.
Der häufigere Fall von Bedeutungsveränderung ist der eines größeren Bedeutungsumfangs des rumänischen Lexems:

Analyse = analizã; analizã chimicã/chemische Analyse; analizã hat dazu noch das Semem ‘Befund’; analizã medicalã/ärztlicher Befund.

Defekt = defect; Motorul are un defect / Der Motor hat einen Defekt; defect heißt aber auch ‘Fehler’; defect de fabricaþie = Fabrikationsfehler.

Konstellation = constelaþie; o constelaþie fericitã / eine glückliche Konstellation; constelaþie heißt aber auch ‘Sternbild’; constelaþia leului / Das Sternbild des Löwen.

konsultieren = a consulta; Ich muß einen Arzt konsultieren / Trebuie sã consult un medic; a consulta heißt auch ‘untersuchen’; Medicul mã consultã. / Der Arzt untersucht mich.

Intervention = interventie; Intervenþia ambasadorului pe lângã guvern / Die Intervention des Botschafters bei der Regierung. intervenþie heißt aber auch ‘Rede’, ‘Ansprache’; aber auch ‘Eingriff’ (med.); Eingreifen (Sport)

kultiviert = cultivat; un om cultivat/ein kultivierter Mensch; cultivat heißt auch ‘bestellt, bebaut’; suprafaþã cultivatã / Anbaufläche

Kuriosität = curiozitate; câteva curiozitãþi / einige Kuriositäten; curiozitate heißt aber auch ‘Wissbegierde’, ‘Neugierde’

Protektion = protecþie; a se bucura de protecþia unei persoane / sich der Protektion einer Person erfreuen. protecþie heißt aber auch ‘Schutz’; protecþia mediului / der Umweltschutz

Regime = regim; regim totalitar / totalitäres Regime; regim heißt auch ‘Regierung’; un regim democratic / eine demokratische Regierung; ‘Diät’, a þine regim / Diät halten; ‘Lebensweise’; regimul de viaþã / die Lebensweise.

Zone = zona; zona temperatã / gemäßigte Zone; zonã demilitarizatã / entmilitarisierte Zone; zonã heißt auch ‘Gebiet’, ‘Umkreis’; zona de demarcaþie / Sperrgebiet; ‘Region’; zonã de munte / Bergregion; zonã deluroasã / Hügelland; zonã seismicã / Erdbebengebiet; ‘Wohngebiet’; zonã rezidenþialã / exklusives Wohngebiet.

c) Den umgekehrten Fall, daß das deutsche Lexem einen größeren Bedeutungsumfang aufweist, gibt es seltener:

Akt = act; act de disperare / Verzweiflungsakt; o piesã in trei acte / ein Drama in drei Akten; Akt = nud (rum.) / Darstellung des nackten menschlichen Körpers

.Prädikat = predicat in der Grammatik; Propozþia asta nu are predicat. / Dieser Satz hat kein Prädikat. Prädikat = calificativ: ‘Bewertung,’ ‘Einstufung’; Für seine Leistung hat er das Prädikat ‘sehr gut’ erhalten. / Pentru performantele sale a primit calificativul ‘foarte bine’.

Prämie = premiu; a institui un premiu / eine Prämie ansetzen; Prämie = primã: ‘Betrag, den der Versicherte der Versicherung zu zahlen hat’.

Provision = provizie: ‘Vorrat’ (In dieser Bedeutung im Deutschen nur selten); Provision = taxã de servicii / Vermittlungsgebühr.

d) Das rumänische Lexem schließt die Bedeutung des deutschen mit ein: das rumänische artist (Künstler) schließt das deutsche Lexem Artist (Zirkusartist) mit ein.

Das rumänische Lexem client schließt das deutsche Klient (nur in juristischer Sprache) mit ein.

 

4. Schlußfolgerungen

Die aufgelisteten Beispiele von totalen und partiellen falschen Freunden, eine kleine Kostprobe des deutschen und rumänischen Eurolateins, stellen lexikalische falsche Freunde dar; auf die phonetischen, orthographischen oder syntaktischen bin ich hier nicht näher eingegangen. Bei den ausgewählten Stichwörtern wurden nicht alle Sememe angeführt - das ist Aufgabe eines deutsch-rumänischen und rumänisch-deutschen Wörterbuches der falschen Freunde.

Bei den partiellen falschen Freunden handelt es sich um Lexeme mit zusätzlichen Bedeutungen im Deutschen oder Rumänischen; dabei spielt auch die Polysemie eine Rolle, die in den romanischen Sprachen, somit auch im Rumänischen, entwickelter zu sein scheint als in den germanischen.

Für die Aufstellung der Liste habe ich die Beispiele aus dem Korpus auch im eingangs zitierten Deutsch-italienischen Wörterbuch der falschen Freunde nachgeschlagen und mit den italienischen Entsprechungen verglichen: Erstaunlich viele Gemeinsamkeiten sind dabei herausgekommen. Eine weitere Untersuchung könnte alle drei Sprachen einbeziehen; hinsichtlich der falschen Freunde im Deutschen gibt es frappierende Ähnlichkeiten zwischen dem Rumänischen und Italienischen bis in die Idiomatik hinein. In diesem Kontext wäre es interessant, der Frage nachzugehen, inwieweit sich die Bedeutungen aus der Ausgangssprache, üblicherweise aus dem Lateinischen, im Deutschen, Italienischen und Rumänischen aufrechterhalten haben.

Angesichts der wachsenden Internationalisierung des Deutschen, der Herausbildung eines “gemeinsamen Hauses Europa” gewinnt auch die Problematik der falschen Freunde immer mehr an Aktualität. Es gibt derart komplizierte Durchdringungen zwischen unseren Sprachen, soviele Konvergenzen und Divergenzen, auf Schritt und Tritt Gemeinsames und doch Unterscheidendes, daß Übersetzer, Sprachpraktiker und Lexikologen unbedingt einen “Ratgeber” brauchen.

Nachdem die falschen Freunde unsere Sprachen in allen Richtungen durchziehen, stellt sich die Frage, ob genetisch verwandte Sprachen davon weniger betroffen sind als Sprachenpaare aus verschiedenen europäischen Sprachfamilien. Die Frage lautet analog auch in der Fremdsprachendidaktik: sind verwandte Sprachen leichter zu erlernen? In beiden Fällen bedarf es eingehender Untersuchungen.


ANMERKUNGEN:

(1) Der erste Teil dieses Beitrages ist bereits in “Sprachreport“, herausgegeben vom Institut für deutsche Sprache, Mannheim, 2-3/1998, erschienen.

(2) Vgl. Joachim Born: Eurospeak + Eurotexte = Eurolinguistik? Anmerkungen zu sprachlichen Gewohnheiten im Brüsseler „Euro”-Alltag. In: “Sprachreport”, 2-3/1992, S. 1. Der Autor spricht von einem Eurorausch. Mario Wandruszka, Wer fremde Sprachen nicht kennt. Das Bild des Menschen in Europas Sprachen. Piper, München - Zürich 1991. Der renommierte Sprachforscher Mario Wandruszka hebt hier unter anderen hervor, daß die Beschäftigung mit den europäischen Sprachen im Zuge eines gemeinsamen „Hauses Europa“ erheblich an Bedeutung gewinnt. Wie auch in anderen Büchern setzt er sich auch hier mit den wichtigsten Sprachen Europas auseinander und zeigt mit vielen unterhaltsamen Beispielen wie charakteristische Abweichungen und Gemeinsamkeiten bei der Benennung unserer Umwelt auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Denken zwischen uns und unseren Nachbarn zurückgehen. Für den Terminus „Eurolatein“ vgl. Allen Kirkness: Eurolatein. Überlegungen zu einem lexikalischen Phänomen und dessen Erforschung aus der Sicht eines Sprachgermanisten. In: “Sprachreport”, 1/1996, S. 11: „Die suggestiv - plakative Neuprägung Eurolatein soll erstens das gemeinsam Europäische des klassischen Erbes hervorheben.“

(3) Vgl. auch: Ryszard Lipczuk: Maly slownik tautonimow niemieczko-polskich, Warszawa, 1990; R. Lipczuk, Z. Bilut-Homplewicz, A. Katny, Ch. Schatte: Niemiecko-Polski Slownik Tautonimow, Wydawnictwo Naukowe PWN, Warszawa, 1995, 346 S., mit einem Vorwort von R. Lipczuk (S. 7-11).

 

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Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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