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Gesellschaft der Germanisten Rumniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumniens, Heft 1-2 (15-16) / 1999, S. 232-238

 

 

DAS WRDE DES WORTS. BIOGRAPHISCH-POETOLOGISCHE ANMERKUNGEN ZU OSKAR PASTIOR

Ernest Wichner

 

Lesung mit Oskar Pastior, danach die blichen Fragen aus dem Publikum; die von einem Zuhrer geforderte Wiederherstellung der Wrde des Worts mchte O. P. verstanden wissen als ein Pldoyer fr die Wrde des Worts, das heit, wie er erklrt, fr die wandelbaren Mglichkeits- und Zukunftsformen der Sprache, die viel weiter reichten als deren konventionelles Bedeuten. (F. Ph. Ingold)

Im Wrde des Worts klingt allerdings auch ein teleologisches Moment in konditionaler Verhaltenheit mit an, ist der, allein in sprachlicher Gestalt denkbare, offene und also freie Zustand zurckgebunden an die vielfachen innersprachlichen Beschrnkungen. Es ist die formelhafte Benennung jener “transzendenten Klemme”, die - exemplarisch aufs E gestellt - in Oskar Pastiors Text sich so auftut:

Enge des Denkens, o krnkende Beschrnkung! O wesensgegebene Keks-Menge! Verzehrende Zwnge, fernere Drnge, o transzendente Klemme!

Der sprechenden Umkreisung dieser “Klemme”, einer permanenten Erkundung der Potenzialitten der Sprache(n), widmet sich Oskar Pastiors dichterisches Werk seit seinem ersten im Westen publizierten Gedichtband in jeweils neu arrangierten “Projekten”. Dabei hat er im Laufe von vierzig Jahren einen schier enzyklopdisch anmutenden Katalog formaler Organisationsformen fr sein Sprechen entwickelt; die Zwischenbilanz, die Gert Ueding vor etlichen Jahren formulierte, zeigt hierfr lediglich die Richtung an:

Es gibt in der deutschen Literatur heute niemanden, der so konsequent die losen Enden der europischen Avantgarde aufgenommen und weitergefhrt hat wie Oskar Pastior; die Leidenschaft fr die Architektur der Wrter, in der Proportion, lc"F2e +}N7.Q6M~|fRN5_NjEsQkڰx$ 60Hަ0YF/ccDoJE]# c>{NUvA⮀[W1'K9 u;v!E,+~=p?«!59'c:?}):u[AMsuؾYPaTu3^{p Jw%4 zniJ.jүu@u1d] $A'&uw|2hw\VB&8;rܳ5ҜRxtPԴ?ϜOUա.ʿsv bVjn]:h:8gYPE,^!`?"̟4ek5n@]~$Ҹ9\ffJb굮>;sU;,]fw[6K2Y nQQtwNnk;el-[PXXB[c-w"}1qF` X+y{y8@_NxTJ/d\AgD[3(yg0~0abvU}Ɗ !Ĵ;?8JYaDWhTFwUPy74r9Z_#v'QRo%^xrr9;zj/4K:(vȋ=I uo٤q#EAHW7.CՎ"6=Kfyrvf@>MCb,3n<8~aHe,ݐ ԿĝF4u~Dϙ>'n I`G=@2m˃Fd"`IzBs)6=9vZ$1rYq>,1QN4O:M7|8N;:8 eW@홞LD fYE{gvve~qTx#E\ (S4M8XBV<=n%7x'cIO_d?WBRM\wa 07)rvXrTxoW; ~Jӓ.I,@>cb OkBM G_mMҽͩ@M潮;:jAtҞ(deG }w}IJ5\_ǐ1)\^#{uZ7~8seumpZg 78@`8@!m#|ƥcyY8뇽yw^0-Z58#r>o4OC/+4|K3Q, vD5(dc0w&!2lTCcF%RYh*HaD̦78O!SL#KMd﯉ 4Q}~Ē?ׂ 2[?W3[Udy99,ڼeinUrq6+٫нEXE1 :+M)iJYN%Ъ^WR = B ÇlE1(dk<)}]0z)2@ v,TL"gdnF ) 0026@ߘhJIȆK y{,hiέLm)-1L]z|*Ld1aSMmq~|RmSJMM{|~.r_yZREjy >;!~:q ؼXakG8Vq,<`Z65Wx*"ڮg2%ZP%#h r|RBΫ7(.~ײG׎=]/_R.Olq=X|"ޡƧTn?U\?2w$jc޻sjMʐѧ/BMorT^7 QĎ؍}cF"5*zQDǤ8ZHу7fߡ{k C~΀ [/h5SUKʍ:[ }ֆ|Haħ GVOj9Ouąʶ^~%rA2&[&^6 ?Y+4g9do79:r[fbW{ԋ 8w$P)Bnv>è)|qwԝmm 8/ sۓDmbт=r( G fLU >s« _XTx1A i Gf" RI~ ?a 0rf<ड़.O{JwNo@+30KyqߣMr9GL^!@[V=_#sƙ},۠nZ-OCn\A 9- h?Qt(j# weD. ~g;jȨ5HD ^A?f\(=*Gp|SoPiܿVyz{5OLDT"+ CSmj>듦L|1AUfk^!+Q$l TFJI5u:ow& ck ,0 prar!tnTBk3[Xyǹ)͟l Q)+7Ԋ=?Ja(rVjPj0eнl~9;-wNO=Gk? 4N'7l1uY f1UnIyr =.%*שb5*O!̰OTh!vwxZå0[)ҾWDXd W7g1wh^>us~RJgA_g꡹*Ffv~a&.ǝ,~<~xf$ D2[zUӿx<2ɾIC"8xdnOC3uƬLkDz֚h]zݖSQFl}鬷>!~b2phӤt;|[ncͲlE7y :iqtT35Iܱ(>OUx8*c7g^~=JXW}ΣV=gĺNcbXUbZ̴1+nȜCG6RiOeVJO? kmQ1S;T d 1965 die Sammlung Gedichte; davor und danach waren in rumniendeutschen Tageszeitungen und in der Literaturzeitschrift “Neue Literatur” immer wieder Gedichte und vereinzelt auch Prosastcke von ihm erschienen. Von Beginn an war Oskar Pastiors lyrisches Sprechen auf Entgrenzung angelegt, es unterlief und parodierte die Norm, paraphrasierte ironisch groe Vorbilder und zielte auf Differenzierung. Der zumeist formvergessenen, heroisierenden Arbeit-und-Boden-Dichtung der frhen Jahre des agrarischen Sozialismus stellte er schon 1957 in der Zeitschrift “Neue Literatur” seine klassizisierende Spte Stunde der mechanisierten Landwirtschaft gegenber, deren Tonlage und Bildsprache zielsicher am erwnschten Mobilisierungseffekt vorbei zielten:


SPTE STUNDE

Am Abend bricht der Stahlpflug durch die Schollen.
Der Traktor ist ein flinker, lauter Stier.
Die Narbe reit, an Stoppeln hngen Knollen.
Die Insel rundet sich. Der Pflge fahren vier.

Am Flu die Weiden stehn in schwarzen Maschen,
Von dorther kommt schon Nebel bers Feld,
Und Strche liegen da wie groe Flaschen,
Die gelbe Insel taucht. Es wchst die blaue Welt.
Nur wo der Stier heranstampft, stehn die Vgel
Gelassen auf und stelzen in die Nacht.
Sehr ruhig hit der Mond sein breites Segel.
Die Insel rundet sich. Die Kette kracht.

Als ideologisch korrekte Verweise auf die neue Zeit der kollektivierten Landwirtschaft mgen der Stahlpflug und die Zahl der Pflge (der Pflge fahren vier) gegolten haben; die Tiermetaphern und -vergleiche las man wie die Entrckung des Ackerlandes ins Metaphorische (gelbe Insel, blaue Welt) als brgerlich-dekadentes Bildmaterial, das die gewnschte Botschaft unterlief. Es zeugte von der ideologischen Unreife des Autors, den es als empfindsamen Spro aus brgerlichen Verhltnissen auswies. Hier, in der erfolgreich proletarisierten, kulturell aus der Geschichte hinauskatapultierten jungen Volksrepublik dichtete einer, der sich auf die klassische deutsche Dichtung berief, auf Rilke und bald auch auf Gottfried Benn, einer, der verschmitzt auch den Ohrwurm des Matthias Claudius in neue Kleider steckte und zirkulieren lie. Auch wenn es nur die Hintertr eines Liebesgedichtes war - sie war aufgegangen, und der auffallend fehlende Mond berstrahlte die neue/alte Idylle:

Die Tr ist aufgegangen.
So khl nun deine Wangen
am Schnee von meinem Haar.
Schau, was zur Nacht ich bringe
und tausend gute Dinge
sag ich aus deinen Augen wahr.

Aus mehr oder weniger unbefangenen Spielen mit den poetischen Formensprachen der berlieferung (1) waren innerhalb eines Jahrzehntes und mit zwei in kurzer Folge publizierten Gedichtbnden Oskar Pastior die Rolle und damit die Gefhrdung zugewachsen

zu einem Aushngschild-Lyriker der deutschen Minderheit hochgefrdert zu werden und dabei - ob ich es wollte oder nicht - auch einen ganzen Staats- und Gesellschaftszusammenhang reprsentieren zu mssen.

Liest man heute, mit welcher schier demonstrativen Absage Oskar Pastior diesen Zumutungen begegnete, so mag man sich verwundert ber die Ignoranz der hauptamtlichen Leser die Augen reiben:
 

DIE ZAHL IM KCHER

Hausaufgabe
(gegen
Selbstaufgabe.
Mathematisches Tfteln)
gegen
unmathematischen Tod.
Allgemeine Aufgabe
gegen allgemeine Aufgabe.

Pfeil gegen Pfeil.

Aufgabe des Allgemeinen
zur
Potenz
(Unmatematisches Tfteln
mathematisches Leben);

Spiel gegen Spiel.

Aufgabe der Zukunft
Aufgabe heute.

Im “Spiel gegen Spiel”, dem todernsten Spiel der gleichlautenden Alternativen luft es darauf hinaus, da angesichts der Zukunftsaufgaben heute aufgegeben wird, da das Haus/Land (Hausaufgabe) aufgegeben wird, um sich nicht selbst aufzugeben. Diese Lesart des Textes sttzt sich vor allem auf die Tatsache, da die andere, eine sich den Vorgaben des ideologischen Systems beugende Lesart, dem Text nicht die Nachdenklichkeit zubilligen wrde, die ihn zweifellos kennzeichnet; sie reduzierte ihn auf deklamatorische Phrasen und drfte einige Schwierigkeiten bekommen, wollte sie den Titel erklren. Oskar Pastior hat dieses in der Zeitschrift “Neue Literatur” (Nr. 1/2, 1968) publizierte Gedicht spter nicht wieder verffentlicht; erst in der von Klaus Ramm 1987 zusammengestellten Sammlung Jalousien aufgemacht fand es wieder Aufnahme: es hatte sich als situationsbezogener, formelhaft das politisch-biographische Dilemma benennender Text in jener einen Situation erschpft. Etwas anders verhlt es sich mit einem weiteren Gedicht aus jener letzten in Bukarest verffentlichten Gruppe von Gedichten, das Gedicht Ausweichend und einkreisend sollte spter, im Band Gedichtgedichte (1973), seinen Referenztext erhalten:

das botticelligedicht wollte ich schreiben weil ich das parteilob geschrieben hatte es gefiel mir aber nicht ein gedicht nur deshalb zu schreiben weil ich ein anderes geschrieben hatte und so lie ich es bleiben nun berlege ich heit es im nicht geschriebenen botticelligedicht ob es an botticelli liegt da ich nichts ber botticelli geschrieben habe oder ob das parteilob botticelli nicht mochte mit anderen worten ob ich vielleicht doch ber botticelli geschrieben htte wenn ich das parteilob nicht geschrieben htte oder ob ich ber botticelli sowieso nicht geschrieben htte weiter heit es im nicht geschriebenen botticelligedicht da das parteilob den titel BOTTICELLI gehabt habe whrend es selber nur DIE GARTENSCHAUKEL htte heien sollen

Mitte der sechziger Jahre hatte ein die Partei lobendes Gedicht Oskar Pastiors in den rumniendeutschen Schulbchern gestanden, es war so hlzern und literarisch unerheblich wie viele andere Gedichte dieser Art und mag seine Entstehung einer jener realen oder vermeintlichen Bedrohungssituationen oder Erpressungen geschuldet haben, die auch in der nachstalinistischen Volksrepublik Rumnien gang und gbe waren. Das Botticelligedicht, geschrieben und auch wieder nicht geschrieben, das dem Botticelligedicht ausweichende und dieses einkreisende Gedicht beschreibt tatschlich, wie der im “Gedichtgedicht” genannte Titel “Die Gartenschaukel” es nahelegt, eine fliegende, schaukelnde Bewegung:


AUSWEICHEND UND EINKREISEND,


Liebesspiele der Frhrenaissance
andeutend, sind meine Stolzenburger
geflgelten Bffelrcken
an der Absicht vorbeigeflogen,
jauchzend, oh, sybillinisch
schnaubend ber der Khle
vorbeigeflogen, wo die Stadtschlssel
/rosten,
die Eisbeine an
jung aufgegangenen Sonnen
/schaukeln –
vorbeigeflogen am Speckturm,
wo Boticelli die Krhenfe mit,
niemandes Alter bedenkend.
Wer lachte blau,
als meine geflgelten Wortrcken
schon Nester trugen
mit ausgestopften Ewigkeiten?

In blauugiger Naivitt wie in der Blue des Suffs mag der eine oder andere den Mut gefunden haben, ber die „ausgestopften Ewigkeiten” des Parteilobs zu lachen; im Rckbezug auf jenes Parteilob wird der Krhenfe messende, also wirre, unleserlich hingekratzte Schrift entziffernde Botticelli zur kritischen Instanz auerhalb des siebenbrgisch-schsischen Milieus – und das „Gedichtgedicht” als ein Text lesbar, der von der literarischen Biographie Oskar Pastiors deutlicher geprgt ist, als es das logisch und sprachlogisch verfahrende metapoetische Gedicht vermuten liee. Oskar Pastior hat mehrfach betont, da ihn seine literarische Entwicklung und die absehbare Chancenlosigkeit, sein Lyrikkonzept in Rumnien auch realisieren zu knnen, 1968 bewogen haben, nicht mehr nach Rumnien zurckzukehren. Nach dem Erscheinen seines zweiten Bandes hatte er Gedichte zu schreiben begonnen, die in jeder Hinsicht einen Traditionsbruch bedeuteten, die ihm – wahrscheinlich zurecht – auch im liberaler gewordenen sozialistischen Rumnien als nicht mehr in den literarisch-sthetischen Kanon integrierbar erschienen. Sein poetologischer Weichensteller und politischer Bauchredner aus der zweiten Hlfte der sechziger Jahre ist die Figur des Olehoff (Ohne Hoffnung? Ol Hoffnung?). In der Bukarester Literaturzeitschrift „Neue Literatur” (Nr. 1-2/1967) publiziert, referierte das Gedicht Olehoff verlt den Strand in schlichten Aussagestzen das Ende des narrativen Verfahrens:


OLEHOFF VERLSST DEN STRAND

Die Brustgrte hat er der Sonne
/geschenkt.
Alles Anekdotische braucht eine Krcke
zum Strzen. Alle Schlufolgerungen
kriechen in einem Robbenfell
unbekmmert ans Land.
Olehoff verweigert sein Fleisch
der Sage.
 

Der Scharniersatz des Gedichts, um den sich die strzende Anekdote ebenso dreht wie die fleischlos verkmmernde Sage, der anekdotisch verkrzte Kern der Sage, ffnet den Text der Vielzahl des Mglichen (alle Schlufolgerungen), der Verstellung (in einem Robbenfell) und der Freizeit (unbekmmert). Der im Band Vom Sichersten ins Tausendste (Frankfurt a.M., 1969) erschienene Olehoff-Text ist ebenfalls ganz Mitteilung, ist noch einmal Erzhlung eines Abschieds, eines Aufgebens. Er blickt zurck auf die Entscheidung, die vor dem Neuanfang lag, und liefert dafr bndig die Begrndung:

OLEHOFF WARF DIE FLINTE INS KORN

und auch andere Redensarten
zu gefhrlich schien ihr Versagen
seit die geflgelten Worte
in Schwarmwolken bald
hin und bald her die
Tler verfinsterten und
Keine Kugel sie traf

War der in Bukarest publizierte Olehoff noch innerliterarische Absage an die Sprachregelungen und Traditionsbezge einer eben zaghaft dem Diktat des sozialistischen Realismus entwachsenden sthetik, so spricht der in der ersten Westpublikation verffentlichte aber noch in Rumnien geschriebene Text deutlich die definitive Zsur im Leben und Schreiben von Oskar Pastior an. Denn kaum zwei Jahre vorher hatte er noch in einem Gesprch (Rundtischgesprch zur Standortbestimmung unserer Lyrik, Neue Literatur Nr. 3-4, 1967) gesagt, die „Ohnmacht des Wortes, die sehr schmerzlich sein kann”, drfe „uns nie als Verschanzung dienen, hinter der wir die Flinte ins Korn werfen”. Nun aber war diese uerung kenntlich geworden als das, was sie tatschlich bedeutete, als letzter Versuch, die Gefahr benennend zu bannen. Doch das Bemhen, seine poetischen Mittel, „die Sprache als groe Abstraktiseuse der individuellen Erfahrung und Anschauung” durch Wortspiele, das Wrtlichnehmen von Redensarten, durch ein changierendes Pendeln zwischen der Wrtlichkeit von Sprachwendungen und ihrer Sinnhaftigkeit modernisierend zu ffnen und sie gleichzeitig fr eine klandestine Mitteilung der eigenen Befindlichkeit zu nutzen, drften ihm definitiv den Sklavensprachen-Charakter dieser Verfahren verdeutlicht haben. Das verhamlosende Miverstndnis in der Rezeption solcher Texte als lart pour lart-Spiele mag Oskar Pastior bewogen haben, kurz vor seinem Weggang aus Bukarest einen Text zu verffentlichen, der bei genauem Hinsehen als Selbstdenunziation htte verstanden werden mssen. Das Sprichwort vom Krug, der zum Brunnen geht, bis er bricht, wurde in Rumnien immer wieder auch auf die West-Reisenden angewandt, die so lange reisten, bis sie nicht wiederkamen. Oskar Pastior inszenierte in seinem Prosatext Der Biserbricht („Neue Literatur“, Nr. 3/4, 1968) ein sprach-logisches Verwirrspiel, das vom sprichwrtlichen Sinn so weit ablenkte, da er sich – d.h. seine Absicht, von seiner Reise nicht mehr zurck nach Rumnien zu kommen – am Ende des Textes ganz unverblmt aussprechen konnte. Wer immer noch dem Irrglauben von der Inhaltsleere formal experimentierender Texte anhngen mochte, sah sich nun mit einem konkreten Text konfrontiert, dessen (textliche) Wahrheit nahtlos mit der faktischen (biographischen) Tatsache bereinstimmte:

Jetzt kommt das Ende. Das Ende schicken wir nicht, das bleibt schn bei uns, das brauchen wir noch. Aber wir schicken den Krug. Und der Krug? Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Aber zurck kommt er nicht. Weshalb eigentlich und berhaupt?

Der Autor selbst braucht das Ende noch, deshalb wird es nicht mitgeteilt, der Text aber, zum Krug mutiert, wird geschickt und prompt auch publiziert. Diese Art von Texten ist an ihrem Ende angelangt; die Texte brechen und die Anekdoten strzen ab. Oskar Pastior hat Rumnien seit 1968 nicht wieder gesehen. Im Jahr nach seinem Weggang aus Rumnien publizierte er seinen ersten Gedichtband in der Bundesrepublik Deutschland: Vom Sichersten ins Tausendste, Gedichte, die in ihrer Mehrzahl noch in Rumnien geschrieben worden waren – und die, wre Oskar Pastior zurckgekehrt, in einem Band mit dem Titel namenaufgeben htten publiziert werden sollen. Der Aufbruch in die Vielgestaltigkeit der poetischen Rede, den der neue Titel anzukndigen schien (analog etwa zu: vom Hundertsten ins Tausendste; vom Hckchen aufs Stckchen; vom Regen in die Traufe), fand dann allerdings ganz anders statt. Oskar Pastior betrieb nicht die vordergrndige Entgrenzung des poetischen Sprechens, vielmehr erfand er dem Gedicht eine strenge Oberflche, unter deren knstlerischer Haut Logik und Semantik zum Tanzen gebracht wurden. 1973 publizierte er den Band Gedichtgedichte, mit dem er gleichzeitig einen neuen gattungstypologischen Begriff einfhrte. Denn seine Gedichtgedichte sind Gedichte, die sich als poetische Beschreibungen von Gedichten ausgeben:

Beschreiben (oder Beschwren) wie ich es verstehe, beweist – mit hnlichen Mitteln aber anders als die Wissenschaft – da die Dinge anders beschaffen sind und in komplexeren Beziehungen zueinander stehen als die Wrter und Stze. Poetisch beschreiben wre der Versuch, eine Sprache und eine Logik zu erfinden, die der Komplexitt der Dinge besser gerecht wird. (O. P.)

Die Gedichtgedichte entstehen und existieren im Vorgang ihrer Beschreibung, selbst wenn sie, wie etwa das Entziehungsgedicht, sich der Beschreibung entziehen:

das entziehungsgedicht entzieht sich der beschreibung indem es aussagt da es sich whrend der beschreibung verndere unterlassen wir also die beschreibung so entzieht es sich nicht mehr der beschreibung der zeitpunkt ist gut gewhlt wir tun so als unterlieen wir die beschreibung des entziehungsgedichtes und beschrieben etwas anderes z b seine unbeschreibbarkeit das entziehungsgedicht kann zwar nicht getuscht werden es ist ja auch nur eine redensart da es sich entzge weil es wenn es sich entzge eine ttigkeit ausbte das entziehungsgedicht ist aber ein produkt das keine ttigkeit ausben sich also auch nicht entziehen kann mit diesem sprachlichen trick der zwar keine nhere beschreibung ist kommen wir trotzdem der beschreibbarkeit ein wenig nher die wir vollends erhalten wenn wir aus der zum schein vorgefhrten BESCHREIBUNG DER UNBESCHREIBBARKEIT durch vorzeichenwechsel die NICHTBESCHREIBUNG DER BESCHREIBBARKEIT erhalten der subjektive faktor im ersten glied erweist sich als auerliterarisch und wir gewinnen durch extrapolierung die nackte BESCHREIBBARKEIT die halten wir fest wir sind zwar noch immer im zeitpunkt in dem wir so tun als unterlieen wir die beschreibung doch arbeiten wir bereits mit der beschreibbarkeit das ist viel wert

Mit dem Erscheinen der Gedichtgedichte beginnt in der poetischen Arbeit Oskar Pastiors ein Vorgang sichtbar zu werden, den man als Bewegung in Projekten bezeichnen kann; bis auf wenige Ausnahmen werden nun die in rascher Folge erscheinenden Gedichtbnde jeweils einem formal oder inhaltlich einheitlichen Konzept oder Projekt gewidmet sein.

Hricht. Sechzig bertragungen aus einem Frequenzbereich, der 1975 erschienene Band, stellt das Hren und dessen poetische Reflexion in den Mittelpunkt; Fleischeslust von 1976 die vertrackt komplizierte Poesie des Rohen und Gekochten.

Manche wollen die Stcke als Vergngungen der Sinnlichkeit sehen – ja, natrlich auch, es ist von allerlei Dingen des Essens, der Einverleibung, des Stoffwechsels die Rede – aber was mich gereizt hat, war ja die Umsetzung, die Literatur als Lebensmittel, das Fleisch der Wrter, die Karnation abstrakter Begriffe, der Matabolismus von sprachlichen Bildern – notgedrungen gert die Poesie dann komisch und schief und glitschig.

Diesem Kommentar des Dichters kann widersprochen werden: die Poesie gert nicht „komisch und schief und glitschig”, sie assimilliert vielmehr Komisches und Schiefes und Glitschiges, das Wortmaterial aus Kche, Keller und Konsum, um es zu transponieren. Die Abstrakta geraten in den Kchendunst, und das Klebrig-Fleischige hebt sich hinan – und sei es blo bis in die mittleren Nebelbnke der Zensur:

In Scheiben geschnitten schmeckt die Zunge trutzig bis Mitternacht; in Lappen verdaut ledern bis flandern. Jetzt erleben wir gleich einen kalten Aufschnitt, eine Art Pelz-Irritation, die Saufnpf einzeln zu Berg, die Poren zu Tal, es bleibt nicht beim Geschmack. In haarscharfe Scheiben geschnitten bt die Zunge eine Zensur aus, da Dit, hie Diot. In der Mitte liegt holdes Bespeicheln.

„In den Gedichten der Fleischeslust” gehe „wie schon in den Hrichten die Einverleibung und Entuerung von Wrtern, Bildern und Begriffen regellos und ungezgelt vonstatten; die verschlungene Akustik der Texte dringt aus allen Poren; der orale Stil diktiert die Rezepte”, bemerkt Klaus Ramm zu diesen frhen Projekten. Der orale Stil Oskar Pastiors, gebunden an seine hervorragende Vortragskunst, sollte dann im nchsten Projekt, in den Liedern und Balladen des krimgotischen Fchers (1978) zu wahrer Meisterschaft entwickelt werden. Hier vollzieht sich nun tatschlich eine mehrfache Entgrenzung: Oskar Pastior geht ber die Grenzen seiner bislang deutschen Gedichtsprache hinaus und erfindet sich mit dem Krimgotischen eine biographisch verankerte babylonische Sprachsynthese, die sich zahlreiche Sprachen und Idiome einverleibt:

Konkret: die siebenbrgisch-schsische Mundart der Groeltern; das leicht archaische Neuhochdeutsch der Eltern; das Rumnisch der Schule und der Behrden; ein bissel Ungarisch; primitives Lagerrussisch; Reste von Schullatein, Pharma-Griechisch, Uni-Mittel- und Althochdeutsch; angelesenes Franzsisch, Englisch... alles vor einem mittleren indo-europischen Ohr...

Als System funktioniere sein Krimgotisch nicht, teilt Oskar Pastior mit und betont damit indirekt die Evidenz dichterisch veranstalteter Unsystematik, denn verstanden werden die Balladen und Lieder seines Buches als Beschreibunen/Beschwrungen einer Sprachbiographie und -landschaft, deren Kartographie die Gedicht-Zeichnungendes Bandes mitliefern. Axel Marquardt weist in seinem KLG-Artikel ber Oskar Pastior darauf hin, da dessen „Einbindung in Peter Urbans ambitioniertes Chlebnikov-Projekt unmittelbar nach seiner bersiedlung in die Bundesrepublik” als Glcksfall bezeichnet werden msse, denn damals habe Oskar Pastior aus der Erfahrung im Umgang mit einer anderssprachigen, ihm auch durch sein Deportationserlenis nher gerckten Poesie damit begonnen, „nebenher seine krimgotischen Lieder und Balladen (...) hervorzubringen”.

Wechselbalg, der Gedichtband von 1980 versammelt dann Gedichte unter einer gemeinsamen formalen Klammer: Gedichte in Dreizeilerstrophen mit wechselnder Diktion, etwa gleich langen Zeilen und willkrlichem Zeilenbruch, die vor allem formal gegen die „unselige Bipolaritt in Sprache und Denken” und die „durch Sprache und Denken doch auch geformte Umwelt” gerichtet sind. Hier findet sich jenes Gedicht, das – wie spter Kommentar zur Bukarester Krise whrend der schier aussichtslosen Arbeit an den Olehoff-Gedichten – furios den dichtungsfernen Realismus kommunistischer wie westdeutsch-neulinker, also nach-achtund-sechziger Provenienz an – und verruft:


Anrufung des Realismusproblems

Schwer hochgeborener Katheter! Rektor der Weichen
von Schmargen! Trumm Unbehagener von Katz und Mitz!
Deiner pferdigen Blmnis Anschimmerer! Halogener Po-

tentat zu Impfendurst! Von Seiten Heberleins und
Schludern sehr verneigter Zungenschlitz! O verbal
diademer Zeitungsleser! Portoklen-Kolportator! Ver-

menschlicher! Von und zu Brstenzwang rosendig und
ber schorrer Labsal Klotz erhabener Verdchtigungs-
Suderer, koketter! Glckner der Mimen! Mime der Mi-

sogynen! Muskete Stterlins! Afrodynobombaster Kata-
spast! Holder Exzessor von Mymyzynl! Staatlich ver-
eidigter bersetzer! Geheimnis-Krmer in Klypto zu

Den Eukorbatschen und Susen! Auf Scho Haferschleim
Haar ber Lorchel und Castrabetz! Synoidaler Anti-
path! Schmei-Verfestiger! Kur-Packung von Leichen-

theil! Gromchtiger Losreier und Anerkennungsbre-
cher nach Span und Hobel zur zweiundfnfzigsten Brem-
se! Tulai Muttule! Kobalt und Kukuruz Insummanter

Ma- und Warzen-Lieferant meines assymetrischen
Bunkers und Leib-Phariser des Dienstags, herzaller-
schlenkerter Kotetz-Ausrutscher, ha, Phosphatter!

Hier schliet sich vorerst ein Kreis, der von seiner Anlage her zu erweitern wre, indem 1. Von der Olehoff-Texten ber die Anrufung des Realismusproblems bis zu neuesten Texten die polemischen Gesten in der Dichtung Oskar Pastors ermittelt und nachgezeichnet wrden und 2. die „Bewegung in Projekten” durch die Darstellung der Anagrammgedichte, der Sonettburger, Palindrome, Vokalisen und Sestinen bis hin zum Hren des Genitivs und den Winterreise-Gedichten nach Wilhelm Mller nachvollzogen und in ihrer lngst noch nicht erkannten Bedeutung fr die Dichtungssprache dieses ausgehenden Jahrhunderts zumindest ansatzweise zu wrdigen wre. Dies um so mehr, als Oskar Pastior kein Lehramt ausbt, er lebt als Privatmann und Dichter in Berlin und ist der bedeutendste poetische Lehrmeister, den wir in der zweiten Hlfte dieses Jahrhunderts gehabt haben werden. Am schlssigsten wre dieses nachzuweisen, analysierte man 3. als polyglotter Komparatist ausfhrlich seine bersetzungsprojekte. So viel elaborierteste Poetologie, so viel implizite Briefe an junge Dichter waren nie. Um mit einer letzten Andeutung und einer tiefen Verneigung vor Oskar Pastior zu enden, will ich ihn mit der schlssigsten Formel, die je zum bersetzungsproblem geuert wurde – und die vor allem fr die bersetzung innerhalb der eigenen Sprache, also fr das Dichten selbst gilt – zitieren: „Denkansten erweisen wir die Reverenz, indem wir sie anstig bersetzen.”

 



ANMERKUNG:
 

(1) “Die Verse sprechen, wenn auch enorm versiert, mit fremden Zungen - denen Trakls, Weinhebers, Brechts und anderer -, und die Themen bewegen sich zwischen rumnischer Landschaft und Folklore und den Aufbauproblemen einer staatlich gelenkten Industriegesellschaft...” So Harald Hartung in: Das Rauschen der Sprache im Exil. Annherungen an die Dichtung Oskar Pastiors.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumniens, Heft 1-2 (15-16) / 1999, S. 232-238

 

 

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