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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, Heft 1-2 (11-12) / 1997, S. 191-200

 

 

VICTOR WITTNER, EIN DEUTSCHSPRACHIGER DICHTER AUS RUMÄNIEN - ZUR FORSCHUNGSLAGE


Eva Reichmann


 


Victor Wittner scheint ein relativ unbekannter Dichter zu sein. Er steht nicht in Kindlers Literaturlexikon, er fehlt in den neueren und gängigen österreichischen oder deutschen Literaturgeschichten und auch Kürschners Gelehrtenlexikon kennt ihn nicht. Eine Nennung in S. Winingers Grosse jüdische Nationalbiographie fehlt jedoch. Hingegen nennt ihn Renate Heuers Bibliographia Judaica (1) - allerdings mit unvollständigen Daten. Weiters gibt es noch Hinweise zu Wittner in einer Biobibliographie zur deutschen Exilliteratur (2) und in Harry Zohns Biobibliographie österreichischer jüdischer Schriftsteller (3); auch Murray G. Halls Nachlaßverzeichnis österreichischer Autoren (4) kennt Wittner: in der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek Wien und in der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur in Wien liegt Wittners literarischer Nachlaß.

Gedichte Wittners oder Angaben zum Autor finden sich in Publikationen, die den Dichter in sehr spezielle Zusammenhänge stellen, und so der Vielschichtigkeit und Bandbreite seiner Person und seines Werkes nicht gerecht werden können. So wird Wittner relativ umfangreich in Österreichische Avantgarde 1900-1938. Ein unbekannter Aspekt (5) auf einer ganzen Seite vorgestellt, spärliche biographische Daten sind genannt, eine Bibliographie seiner Werke ist angeschlossen und drei seiner Gedichte sind abgedruckt. Es handelte sich hierbei um Gedichte, die durchaus den Schluß zulassen, Wittner sei Spätexpressionist: eine Beschreibung einer nächtlichen Großstadt ist Paul Adler gewidmet, die beiden anderen Gedichte beschäftigen sich mit den Kommunikationsmöglichkeiten, welche das Telephon bietet. Allerdings ist Wittner kein Expressionist und findet sich deshalb auch nicht in Paul Raabes Index zum deutschsprachigen Expressionismus (6), ebenso fehlt er in allen weiteren Publikationen zum österreichischen Expressionismus.

Es verwundert auch, daß Wittner heute in einigen Publikationen als Autor der Bukowina bezeichnet wird. Wittners Geburtsort Hera liegt politisch gesehen in der rumänischen Moldau-Region. In dem von Amy Colin und Alfred Kittner herausgegebenen Band zur Literatur der Bukowina (7) findet sich auf der inneren Umschlagseite eine ethnographische Landkarte der Bukowina um 1910; aus dieser Landkarte geht eindeutig hervor, daß sich Hera nicht auf dem Gebiet der Bukowina befindet. Der Hinweis Kittners, die Familie Wittner sei unmittelbar nach der Geburt Victors nach Suscawa, also ins Gebiet der Bukowina, umgezogen, konnte bei meinen Recherchen bislang nicht bestätigt werden (8). Die von Joachim Wittstock und Stefan Sienerth redigierte Untersuchung Die rumänendeutsche Literatur in den Jahren 1918-1944 (9) nennt Wittner als “gebürtigen Bukowiner” (S.45) und er wird als “in Wien lebender Buchenländer” bezeichnet (S.120 und 122). Wissenschaftlich korrekter geht hingegen Klaus Werner in seiner Anthologie Fäden ins Nichts gespannt (10) vor: Werner räumt ein, daß Wittner “relativ zeitig >bukowinafern< - hauptsächlich in Wien - gelebt und geschrieben” habe, in die Anthologie jedoch aufgenommen sei, da die Werke “doch große Berührungsflächen mit der bukowinainternen Literatur erkennen lassen.” (11) Die Zuordnung Wittners zu irgendeiner literarischen Gruppe oder Richtung scheint mir jedoch sehr problematisch, wie eine intensive Untersuchung des Gesamtwerkes - einschließlich Nachlaß - zeigt. Wittner ist meines Erachtens weder ein Bukowinaer Dichter, noch ein österreichischer Autor, noch ein Berliner Journalist oder Exilautor; vielmehr scheint der Autor selbst Probleme mit der Zuordnung der eigenen Identität gehabt zu haben, was deutliche Spuren im Werk hinterlassen hat.


Zur Biographie Wittners

An biographischen Daten kann als gesichert gelten, daß der am 1. März 1896 im rumänischen Her]a geborene Wittner aus einer stark assimilierten jüdischen Familie stammte; die Tatsache, daß in dieser Familie das Weihnachtsfest gefeiert wurde (Wittner erwähnt dies in mehreren Gedichten) spricht genauso dafür wie die Bitte Wittners an Alfred Margul-Sperber, seine Gedichte nicht in eine Anthologie deutschsprachiger Lyrik jüdischer Autoren aus der Bukowina aufzunehmen, da er nicht ins Zeichen des Davidsterns gestellt werden wollte (12).

Der Vater war Arzt (13). Wittner besuchte angeblich ein griechischorientalisches Obergymnasium; 1914 zog er nach Wien, um dort Medizin zu studieren. Er wurde im ersten Weltkrieg als Hilfsarzt eingesetzt, arbeitet danach als Germanist, als Klavierlehrer, als Theater- und Musikkritiker; das Medizinstudium scheint er nicht abgeschlossen zu haben. Er war Redakteur des “Literarischen Echo” und verfaßte Essays für die “Preußischen Jahrbücher”. 1928 übersiedelte er nach Berlin und wurde Chefredakteur der literarischen Zeitschrift “Der Querschnitt”. 1933 floh er nach Wien und arbeitete dort als Theaterkritiker. 1938 emigrierte er über Prag in die Schweiz (14) und war als Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften tätig. 1948 kehrte Wittner nach Wien zurück, wo er am 27. Oktober 1949 starb; er ist auf dem Zentralfriedhof begraben.

Aus einem Typoskript In Memoriam Victor Wittner Franz Theodor Csokors (15), einem sehr inniger Freund Wittners, erfahren wir mehr über Wittners Zeit in Wien: Csokor berichtet, Wittner habe die Dichter Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig, Hermann Bahr, Karl Kraus, Peter Altenberg, Egon Friedell und Anton Kuh gekannt; er stand mit Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Gustav Klimt, Arnold Schoenberg und Gustav Mahler in Verbindung. Besonders tief beeindruckt habe ihn Peter Altenberg, vor allem dessen Werk Wie ich es sehe; Wittner habe sich - wie Altenberg - als “Spiegel der Dinge” verstanden (16). Csokor nennt Wittner den “Petrarca des 20. Jahrhunderts, mit Mitzerln und Lieserln als Laura”, da jedes Gedicht nur der Verherrlichung der gerade aktuellen Geliebten gedient hätte; auch hier wird Wittner als der Nachfolger Altenbergs bezeichnet.

Wittner soll, nach Czokor, hin- und hergerissen gewesen sein zwischen Wien und Berlin; “Der Sprung auf die Straße” habe einen Skandal ausgelöst, den Csokor leider nicht näher beschreibt (17). Als besonderen Verdienst Wittners bezeichnet Csokor jedoch nicht die Wiener Zeit, sondern die Leistung, den “Querschnitt” in Berlin innerhalb von nur 5 Jahren zum “geistigen und kritischen Leuchtturm” aufgebaut zu haben.

Bis zur Emigration in die Schweiz scheint es Wittner beruflich und künstlerisch gut gegangen zu sein. Mit der Emigration traten jedoch Probleme auf. Da es den Emigranten in der Schweiz untersagt war, in ordentlichen Verhältnissen zu arbeiten, konnte Wittner nur von seiner schriftstellerischen Arbeit - nachweislich auch unter Pseudonym veröffentlicht - leben. 1943 wurde er jedoch in das Flüchtlingsheim Vicosoprano in Graubünden überstellt, da er zuviel unerlaubt publiziert hatte; Wittner hatte versucht, sowohl bei der Schweizer Nationalzeitung in Basel, als auch beim “Bund” in Bern mitzuarbeiten (18). Erst am 24.Oktober 1945 erhält Wittner eine Arbeitsbewilligung für die Schweiz. Obwohl Csokor die Verbundenheit Wittners zu Österreich betont, sucht Wittner am 4.März 1949 - relativ kurz vor seinem Tod am 27. Oktober desselben Jahres - bei der kantonalen Fremdenpolizei in Zürich um Dauerasyl an (19). Wittner möchte dieses Dauerasyl, da er 1947 an einem Darmtumor erkrankt war und zweimal in einer Wiener Privatklinik operiert worden war; die Diagnose lautete jedoch auf Krebs, später kam eine chronische Gallenblasenentzündung hinzu; das Vertrauen Wittners in die österreichischen Ärzte war nicht groß, er wollte lieber in der Schweiz behandelt werden. Aus den Unterlagen geht weiters hervor, daß Wittner als monatliches Einkommen 500 Franken angibt, über kein Vermögen verfügt und keinen Besitz hat; allerdings wird hier - ein einziges Mal - ein Bruder Herbert, der mit unbekannter Adresse im Ausland wohne, erwähnt. Den Behörden gegenüber begründet Wittner sein Ansuchen damit, daß die Nahrungsversorgung in Nachkriegsösterreich zu schlecht sei, um ihm seine nötig Diät zu ermöglichen; weiters sei er ein anerkannter Schriftsteller (20), der sich schon 10 Jahre in der Schweiz aufhalte, sich nie politisch betätigt habe und auch nie einer politischen Partei angehört habe. Ob die Schweiz seinem Ersuchen nachgab, geht aus den Nachlaßdokumenten leider nicht mehr hervor.

Die Untersuchung des Nachlasses zeigt, daß Wittner spätestens ab 1933 ein sehr unruhiges Leben geführt haben muß. Dies geht aus den zahlreichen verschiedenen Adressen, die auf Wittners Manuskripten vermerkt sind, hervor; oftmals sind die Adressen mehrfach aktualisiert worden. Wittner muß in Österreich und in der Schweiz sehr häufig umgezogen sein (21).

Bei seinem Tod hinterließ Wittner mehrere Gedichtbände: 1914 erschien in Leipzig der Band Klüfte/ Klagen/ Klärungen; 1924 im Berliner Verlag “Die Schmiede” der Band Sprung auf die Strasse; im Wiener Zsolnay-Verlag erschien 1929 der Gedichtband Der Mann zwischen Fenster und Spiegel. Bereits im Exil erschien in Zürich 1942 der Band Alltag der Augen (22) Wittners visueller Erzählebene sollte in der zukünftigen Forschung besonderes Au-genmerk gewidmet werden.. Nach Wittners Tod veröffentlichte der Berglandverlag Wien 1956 in einer von Rudolf Felmayer herausgegebenen Reihe Gedichte aus dem Nachlaß unter dem Titel Das Haarpfand.

Wittner schrieb neben seinen Gedichten Theaterstücke, welche auch aufgeführt wurden: Die Komödie Ein Herr Herbst wurde 1932 am Deutschen Volkstheater in Wien inszeniert und 1933 veröffentlicht, 1946 im Berner Stadttheater wieder aufgeführt, in beiden Fällen angeblich mit sehr großem Erfolg (23). Aus den Rollenbüchern geht hervor, daß Wittner selbst an der zweieinhalb Stunden dauernden Inszenierung, welche am 3.10.1949 Premiere hatte - allerdings wissen wir nicht, wo - mitgearbeitet hat: es sind neue Textpassagen in seiner Handschrift eingefügt, bereits existierende Textpassagen von ihm umgearbeitet. Die Komödie Die weiße Weste, welche 1934 geschrieben wurde, wurde 1946 aufgeführt (vermutlich Schweiz) (24).

Für Wittners Theatermanuskript Drei Tage stumm (25), ebenfalls eine Komödie aus dem Jahr 1933, sind keine Aufführungsdaten bekannt. Unveröffentlicht ist ein Band mit Gedichten mit dem Titel Leichtsinn und Schwermut und eine Aphorismensammlung mit dem Titel In den Wind gemurmelt (26). Interessant ist weiters noch ein Romanfrag-ment (27), welches sich im Nachlaß findet: es existieren leider nur 50 Seiten, Wittner beginnt mit dem Satz “Ich, ein zufälliger Herr V. [...] aus W. [...] stehe auf der Straße einer zufälligen Stadt Z.” Dieser Beginn deutet darauf hin, daß es sich um eine Autobiographie Wittners handeln könnte, die leider nie vollendet worden ist. Ein Dramenfragment (28) von etwa 20 Seiten, ohne Personenregister, scheint inhaltlich in eine ähnliche Richtung zu gehen.

Betrachtet man die Kritiken zu Wittners Gedichten, so wundert es einen, daß dieser Autor heute kaum mehr im Gedächtnis ist; der Band Sprung auf die Straße zum Beispiel wurde von Prag über Berlin bis Wien - und auch in den “Provinzen” Graz oder Linz - mit sehr positiven Kritiken in durchaus namhaften Zeitungen besprochen (29). Robert Musil nennt Sprung auf die Straße als eines der Bücher, die auf ihn tiefsten Eindruck gemacht haben (30). Thomas Mann soll über Wittners Gedichte gesagt haben:

Gedichte, die mir durch ihre liebenswürdige und eindringliche Neuheit, ihre frische und zarte Kraft eine sehr glückliche Stunde bereiteten. Ich glaube, ihr Klang ist mir der liebste in allerjüngster Lyrik, und er ist ein ganz eigener (31).

Das heutige Desinteresse an diesem Autor könnte vielleicht in der Tatsache liegen, daß Wittner sich nur äußerst selten in seinen Gedichten politisch geäußert hat und - wie er ja auch selbst betonte - politisch nicht engagiert war. Die wenigen politischen Bezüge sind sehr harmlos, eher melancholisch und kaum kritisch. In den Gedichten stellt Wittner vielmehr eine ziemlich heile Welt dar, was uns aus heutiger Sicht sowohl für die Zeit des ersten Weltkrieges, vor allem aber für einen Autor jüdischer Herkunft, welcher zweimal vor Hitler fliehen mußte und dadurch seine finanziellen und beruflichen Verhältnisse empfindlichst verschlechtert sah, ziemlich unangemessen erscheint.


Zu den Gedichten Wittners

Die einzigen Gedichte, die sich direkt auf Wittners rumänische Heimat beziehen, finden sich im Nachlaßband Das Haarpfand und in dem 1941 in der Schweiz erschienen Band Alltag der Augen. Es fällt auf, daß sich Wittner anscheinend erst in der Zeit der Vertreibung intensiver mit seiner Herkunft und Vergangenheit beschäftigt hat. Die Grundstimmung dieser Gedichte ist eine wehmutsvolle: der Dichter sehnt sich zurück nach seiner Kinderzeit, in welcher er geborgen war, anscheinend in einer Großfamilie mit den Großeltern und Eltern im Haus gemeinsam aufwuchs. Von Geschwistern ist nie die Rede (32).

Im Gedicht Rosen (Alltag der Augen, S. 120) beschreibt Wittner, daß ihn der Duft von Aprikosen (33) und Rosen stets an die verlorene Kindheit (und verlorene Heimat?) erinnert, als der Knabe mit den Eltern im großen, parkähnlichen Garten glücklich und geborgen war. Im Gedicht Dur und Moll (Alltag der Augen, S. 122-123) schwärmt Wittner von den Erinnerungen an Schlittenfahrten auf den heimatlichen Hügeln, von den sommerlichen Fahrradausflügen ins Gebirge und den Bädern unter Wasserfällen; wie auch in anderen, vermutlich späteren Gedichten, wird der wunderbare Blick über die Täler mit Tannen- oder Fichtenbewachsung beschrieben. Im Nachlaßgedicht Nachklang erinnert sich Wittner sehnsüchtig an den Klang der Glocken aus allen Dörfern, der die Abendluft erfüllt hat, und an das Vogelgezwitscher. (Haarpfand, S. 50-51)

Wittners Erinnerungen an die Heimat sind vor allem mit landschaftlichen Eindrükken verbunden: bewaldete Täler, über die sein Blick hinweggeht, vor allem aber der heimatliche Garten. Immer ist es die Figur des Vaters, welche diese Erinnerungen dominiert. Auffallend ist, daß Wittner nie eine präzise Lokalisierung des Ortes seiner Kindheit vornimmt. Die Gedichte sind - wie viele andere auch - geprägt von einer tiefen Sehnsucht nach dem nun nicht mehr Erreichbaren. Aus allen Gedichten ist ein tiefes Heimweh zu spüren, das der Autor auch oft in anderen Zusammenhängen thematisiert: so schreibt Wittner im Exil im Gedicht Sehnsucht und Reue (Haarpfand, S. 57):

Ach, von den Fichten floh ich zu den Pinien,
doch auch am makellosen Himmel wolkte
die Sehnsucht, der ich Spielball war und Beute.

Auch das Gedicht Aufbruch (Klärungen, S. 50) (34) zeigt, daß der Dichter mit einem sehr zwiespältigem Gefühl seine Heimat - die er vermutlich nie wieder gesehen hat - verlassen hat: auf der einen Seite die Neugier nach einem neuen Leben, es überwiegt aber die Erinnerung an die Geborgenheit und Vertrautheit der Kleinstadt.

Obwohl Wittner anscheinend gerne reiste (dies zeigt sich meines Erachtens in seinen zahlreichen Beschreibungen südlicher Landschaften Italiens oder der Fjorde Norwegens) scheint schon die Übersiedlung nach Wien für Wittner der Beginn eines Entwurzelungsgefühls gewesen zu sein, welches ihn Zeit seines Lebens nicht mehr verlassen hat. Er, der in vielen Gedichten die Faszination des Bahnfahrens beschreibt, spricht dennoch von “Zügen, die mich aus der Heimat raubten” (Regen-Regungen, in: Haarpfand, S. 53).

Besonders deutlich ist dieses Entwurzelungsgefühl in Wittners erster Veröffentlichung zu spüren: dieser Gedichtband erschien 1914, im Jahr seines Umzuges nach Wien. Ein sehr großer Teil dieser Gedichte zu verschiedenen Themen spielt eindeutig in einer ländlichen, leicht bergigen Gegend, wohl unschwer als Wittners Kindheitslandschaft zu identifizieren; der Zyklus der Jahreszeiten spielt eine bedeutende Rolle. Der überwiegende Teil dieser Gedichte ist geprägt von der Erfahrung eines großen Verlustes, der jedoch inhaltlich nicht näher definiert wird. Wittner beschreibt die Natur und die Landschaft auf sehr idyllische, formal und inhaltlich eher traditionelle Weise, gesehen aus einem eindeutig romantischen, sehnsuchtsvollen und melancholischen Blickwinkel.

Das Gefühl der Entwurzelung scheint bei Wittner sehr schnell in ein eher pessimistisches Lebensgefühl umgeschlagen zu haben; in vielen Gedichten fragt Wittner nach dem Sinn des Lebens, dem Sinn des Daseins; das menschliche Handeln und Tun ist nichtig im Angesicht der Zeit und der Ewigkeit, das Leben zu schnell verronnen, als daß der Mensch etwas wirklich Großes daraus machen könnte. Immer wieder thematisiert Wittner verpaßte Gelegenheiten oder ein falsch geführtes Leben. Erstmals zeigt sich dies schon in den Gedichten von 1914, z.B. Der Dichter und das Leben (Klärungen, S.12), am deutlichsten jedoch im Gedicht Rechenschaft (Alltag der Augen, S. 136):

Und steht sie still, die Uhr
des Herzens einst, und schwebt
dein Geist in den Azur, von Körpers Last befreit:

- Wie hast du deine Spur,
fragt Gott, hineingelebt
in Geist, Fleisch und Natur?
Wie fülltest du die Zeit?

- Ach, hab ein wenig geschrieben,
geliebt und phantasiert,
mich viel herumgetrieben
in Straßen ohne Ziel

und viel und viel
telephoniert.

Victor Wittners Schicksal ist sehr ähnlich dem des großen österreichischen Dichters Joseph Roth und zahlreicher anderer deutschsprachiger jüdischer Schriftsteller, welche aus den Randgebieten der Donaumonarchie stammten; mit dem Jahr 1918 verloren sie ihre Heimat und in den meisten Fällen auch die Möglichkeit, diese Gegend durch Reisen wieder zu besuchen. Durch die politischen Ereignisse 1933 und 1938 verloren sie ein weiteres Mal ihre Heimat. Das Gefühl der Entwurzelung, der ruhelosen ewigen Wanderschaft und der nie erfüllbaren Sehnsucht prägt die meisten Werke dieser Autoren, so auch die Gedichte Wittners. Vielleicht ist dies die Ursache dafür, daß in Wittners Gedichten kaum eine glückliche Liebesbeziehung thematisiert wird, sondern meist die Sehnsucht nach einer unerreichbaren Geliebten, die Erinnerung an eine ehemalige Geliebte oder der Abschied von der Liebsten. Immer wieder taucht der einsame Junggeselle als Motiv auf, welcher zu keiner Bindung fähig ist. Auch Wittners Komödie Ein Herr Herbst beschreibt den einsamen Alltag eines Junggesellen, welcher das Opfer der Heiratswut geldgieriger Damen wird; durch sein langes Junggesellendasein bindungsunfähig und weltfremd geworden, kommt Herr Herbst im Grunde ohne Frauen wesentlich besser durch seinen streng geregelten Alltag.

Erstaunlich ist, daß Wittner kaum direkt zu politischen Ereignissen Stellung bezieht und die politische Wirklichkeit nur äußerst selten in den Gedichten verarbeitet. Als Ausnahme können hier lediglich die im Nachlaßband veröffentlichten Gedichte Sieben Kätzchen (Haarpfand, S. 60-62), Schwarzer Schnee (Haarpfand, S. 62), Ex libris (Haar-pfand, S. 63) und das Gedicht Der letzte Sonntag (Alltag der Augen, S. 86), welches als einziges vom Dichter mit einer Jahreszahl - nämlich 1939 - versehen worden ist, gelten. Im einzelnen thematisieren diese Gedichte eher individuelle Gedanken dazu, daß man in dieser schrecklichen Zeit keine normalen Gefühle mehr haben kann; zum Beispiel wird die Trauer über den Tod der sieben kleinen Kätzchen oder über den Verlust der geliebten Bücher als absurd und unstatthaft im Angesicht der vielen toten Menschen empfunden. Von Trauer über gefallene Menschen oder einer direkten Stellungnahme zu den Ursachen des Krieges findet sich in Wittners bislang veröffentlichten Gedichten keine Spur. Wie im Gedicht Schwarzer Schnee scheint Wittner das Dritte Reich und vor allem den zweiten Weltkrieg eher als unerklärlichen Schicksalsschlag einzuordnen, ohne politischen Ursachen auf den Grund zu gehen oder diese zu thematisieren. Ähnlich ist auch seine Verarbeitung - besser Nicht-Verarbeitung - des ersten Weltkrieges, den er teilweise als Hilfsarzt miterlebt haben muß.

Interessant sind einige Gedichte Wittners, die sich stark mit dem Thema “Körper” beschäftigen. Im Band Der Mann zwischen Fenster und Spiegel finden sich die meisten Gedichte aus diesem Themenkreis, einige wenige auch noch im Band Alltag der Augen.

Der Mann zwischen Fenster und Spiegel versammelt Gedichte zu verschiedenen Themenkreisen; der erste Themenkreis trägt die Überschrift Nachbarschaft, die Gedichte handeln jedoch hauptsächlich von der Einsamkeit von Menschen in ihren Wohnungen. Im Abschnitt Verkörperung finden sich die Gedichte, die meines Erachtens von einem Problem der Identitätsfindung und des Ich-Verlustes handeln und vielleicht eine Verarbeitung von Wittners Entwurzelungserlebnis darstellen können. In diesen Gedichten beschreibt Wittner einerseits das Vergnügen, den eigenen Körper sinnlich zu erfahren, sei es durch Betrachtung des nackten Körpers im Spiegel, durch Berühren eigener Körperteile oder durch das Fühlen des eigenen Körpers gegen andere Gegenstände, wie z.B. Bettwäsche oder Badewasser. Zugleich wird die Frage gestellt, was denn nun das “Ich” sei, der Körper oder der Kopf? Bekleidung des Körpers wird als Entfremdung von sich selbst empfunden, das Ausziehen der Kleidung setzt den Menschen wieder zusammen (35).

Ähnlich geht Wittner im Abschnitt Der Schläfer vor: der Schlaf wird als die Möglichkeit gesehen, den eigenen Körper zu verlassen und durch dieses Entgrenzungserlebnis eher zum Ich zu gelangen. (Schlaflos und Kein Entkommen, in: Der Mann zwischen Fenster und Spiegel, S. 37 und 38).

Wittner scheint ein sehr einsamer Mensch gewesen zu sein; seine Beziehung zu Briefen und zu Telekommunikationsmitteln kann - folgt man der Darstellung aus den Gedichten - nur als eine Suchtbeziehung bezeichnet werden. Unter der Überschrift Die Post sind in diesem Band Gedichte zusammengefaßt, in denen sich Wittners eigenartiges Verhältnis zu Briefen ausdrückt: Briefe, die man bekommt, versichern einem erst, daß man tatsächlich existiert und im Leben doch eine Rolle spielt. Diese identitätsstiftende Wirkung von Post führt dazu, daß der Dichter in einem Gedicht seine Sehnsucht ausdrückt, alle Briefe der Welt lesen zu wollen. (Was steht in allen Briefen?, in: Der Mann zwischen Fenster und Spiegel, S. 75) Immer wieder erscheint uns das dichterische Ich, wie es auf Anrufe wartet, fast existenziell vom Klingeln des Telephons oder vom Erhalt von Briefen abhängt.

Abschließend sei noch kurz auf die Gedichte eingegangen, die den Dichter für eine Weile in den Ruf, ein expressionistischer Autor zu sein, gebracht haben.

Es handelt sich hier ausschließlich um den Band Sprung auf die Straße, die Gedichte in diesem Buch entstanden in den Jahren 1914/15 und 1919/20. Die Zeit dazwischen dürfte Wittner im Krieg verbracht haben, ohne daß ihm Zeit oder Inspiration zum Schreiben geblieben wäre. Im Stile der typi-schen expressionistischen Stadtgedichte be-schreibt Wittner vor allem im Abschnitt Die Stadt Großstadtlandschaften. Das Gedicht Elf Uhr nachts ist Paul Adler gewidmet (Sprung auf die Strasse, S.41); der Beginn von Sonntags über der Stadt (S. 42) erinnert stark an Georg Heym:

Die Häuser hocken unten. Dach an Dach,
verhöhnt von Schloten, welche die Fabriken
wie rote Rüssel in den Himmel schicken.
Die Sonne zaubert Silber aus dem Bach.

Wie bereits die letzte Zeile dieses Zitats zeigt, bricht Wittner die Großstadtbeschreibungen jedoch immer wieder durch den Einbruch fast idyllischer Elemente, die eher an eine Kleinstadt oder ein Dorf erinnern. Witt-ners Tramwaygedichte erinnern stark an Hans Janowitz’ Asphaltballaden von 1923.

Im Abschnitt Der Mensch finden sich Gedichte über Einsamkeit und Entfremdung mit expressionistischer Grundstimmung, das längste dieser Gedichte - und eines der sehr wenigen, welches auch formal mit der traditionellen Schreibweise bricht - ist Georg Kaiser gewidmet (Aufschwung und Sturz, S.63). Als Beispiel für die expressionistische Periode sei hier ein Gedicht komplett zitiert:

Winde wachen auf
Winde wachen auf und recken sich empor,
aus ihren Verstecken brechen sie drohend hervor -
schon kommen sie zur Stadt herangeeilt
und laufen
wie wilde Tiere, Käfigen enteilt,
und schnaufen - -
Jetzt
finden sie sich in engen Gassen eingekeilt:
Drängen sich
angstgehetzt,
zwängen sich
in blinder Flucht
durch den offnen Atem-Mund
der Häuser in der Schlote Schlund.
Sie gleiten nieder
in den Kaminen -
Gefahr droht ihnen
wieder:
Unten in der Ofenschlucht
hingeduckt
lauert ein Tier,
ganz Gier,
züngelt und zuckt
Feuer!
Den Winden wird heiss
vor dem Ungeheuer,
sie drehn sich im Kreis,
fauchend fluchend,
auswegsuchend - -
- - - - - - - - -
Da: Sie haben den Schlotmund gefunden,
entbunden
eilen sie weiter über Häuser und Bäume,
durch offene Räume
weiter weiter in drängendem Wehen. . .
bis sie ermüdet in einen Hafen
fallen, dort hocken sie nieder und gehen
schlafen.
(Sprung auf die Straße, S.16-17)

Die Gedichte im Abschnitt Die Fahrt drücken die typisch expressionistische Faszination am schnellen Reisen aus, vor allem sind es Gedichte übers Bahnfahren.

Zieht man ein Resumee dieses expressionistisch angehauchten Bandes, so muß man sagen, daß Wittner formal viel zu traditionell gewesen ist, um als wirklicher Expressionist zu gelten. Inhaltlich fehlten seinen Gedichten vor allem die expressionistische Tendenz zur Verallgemeinerung und Symbolhaftigkeit, das Rebellieren gegen jede Art von Obrigkeit und das pathetische Darstellen von der Einsamkeit und Geworfenheit des Menschen ins Dasein, welche die meisten Gedichte österreichischer und viele der deutschen Expressionisten auszeichnen. Wittner hat sich wohl nie ernsthaft dem Expressionismus angeschlossen; zwar lassen die Widmungen der Gedichte vermuten, daß er Kontakt zu Expressionisten hatte; auch sein Hang zur Selbstzerfleischung, indem er häufig nach dem Sinn des Daseins fragt und eigentlich keine Antwort findet, ist typisch für die Entstehungszeit, jedoch fehlt auch diesen Einsamkeitsgedichten zum Beispiel die masochistische Wut eines Albert Ehrenstein.

 

Zu übrigen - teilweise unveröffentlichten - Schriften Wittners

Das in Wittners Nachlaß befindliche Typskript des Theaterstückes Drei Tage stumm zeigt Wittner - wie schon die aufgeführte Komödie Ein Herr Herbst - als hervorragenden Theaterpraktiker. Das Stück mit dem Untertitel Ein Scherzspiel aus sorglosen Sommern wird von Wittner als Burleske bezeichnet. Das stereotypisierte spleenige und exzentrische Milieu eines englischen Junggesellenclubs nutzend, hat Wittner hier eine hervorragende Verwechslungs- und Täuschungskomödie geschaffen; die angeblich eingefleischten Junggesellen geraten durch den Besuch einer sehr aufregenden Dame (sie ist natürlich ein Filmstar) völlig durcheinander, verlieben sich alle - gegen ihre Grundsätze - in sie, welche am Ende aber mit dem Diener (der in Wahrheit gar kein Diener ist) eine Beziehung eingeht. Wie schon Ein Herr Herbst dürfte das Stück für seine Entstehungszeit eine sehr taugliche Komödie gewesen sein. Daß es nie aufgeführt wurde, liegt vermutlich an den Umständen seiner Entstehungszeit.

Der Nachlaß zeigt Wittners ganze dichterische Vielfältigkeit: Wittner ist nicht nur Lyriker und Journalist mit dramatischem Talent, vielmehr gibt es noch ein Fragment einer umfangreichen Erzählung (36), das bereits erwähnte Romanfragment und einige Stücke Kurzprosa (37).

Wittners Schaffen während der Zeit beim “Querschnitt” ist durch den Querschnitt selbst und durch einige Publikationen (38) dazu relativ gut belegt.

Näher erwähnen möchte ich noch einige erzählerisch-journalistische Arbeiten aus dem Nachlaß, bei denen noch nicht überprüft werden konnte, ob Wittner sie jemals in einer Schweizer Zeitung veröffentlicht hat (39). Unter der Überschrift Berlin und der Berliner in der Republik versucht Wittner, aus aktuellem Anlaß - nämlich dem Kampf der Westalliierten und Russen um Berlin - noch einmal das Bild des alten Berlin vor 1933 entstehen zu lassen; Wittner befürchtet, daß nach diesem Kampf Berlin so zerstört sein wird, daß sich vom Vorkriegsberlin keine Spur mehr wird finden lassen. Angeregt durch verschiedene Katastrophenmeldungen, wie z.B. Berlin ohne Wasser oder Treptow in Flammen assoziiert Wittner zum Wortlaut dieser Schrekkensbotschaften Erinnerungen an schöne Ereignisse, wie etwa die vielen Vergnügungsmöglichkeiten auf den Berliner Seen und Kanälen oder ein Feuerwerk in Treptow. Wittners Faszination für diese Weltstadt ist in diesem Bericht überdeutlich zu spüren.

Das literarische Café lautet die Überschrift eines Berichtes, der als Nachruf auf diese nun ausgestorbene Institution zu verstehen ist. Sehr ausführlich schildert Wittner die Atmosphäre in den verschiedenen Literatenkaffeehäusern Wiens, Berlins, Prags und auch - allerdings sehr knapp - von Paris.

Interessant ist die Beschäftigung Wittners mit der Bukowina. Unter dem Titel Czernowitz, Vielvölkerstaat im Buchenland (40) versucht Wittner einen Nachruf auf die Vielvölkermischung der Bukowina; konkreter Anlaß ist, daß die Bukowina wieder an Rußland gefallen war und Wittner dadurch eine weitere Vertreibung der nicht-russischen Bewohner des Landes befürchtete; vor allem empfindet er das Verschwinden des Deutschen in der Bukowina als großen Verlust. In die gleiche Richtung zielt auch der Bericht CzernoWitz und Gura-Humor (41); ausgehend von der Erklärung des Czernowitzer Wortes “dillen” und dessen jiddischer Herkunft, erzählt Wittner humorige Geschichten aus der Hauptstadt der Bukowina (42).

Siebenbürgische Siedlungen lautet ein fast historisch anmutender Bericht. Wittner beschäftigt sich hier sehr ausführlich mit dem Streit der Ungarn und Rumänen um Siebenbürgen; Anlaß ist die Besetzung des Gebietes durch die Russen. Wittner beschreibt Kronstadt als das rumänische Zentrum des Landes, Klausenburg als das ungarische und Sziget als das jüdische Zentrum. Nur am Rande wird auch sehr knapp über Bistritz als deutsches Zentrum geschrieben. Wittner bemüht sich, die unterschiedlichen geistigen, mentalen und historischen Aspekte der Städte herauszuarbeiten, ohne dabei das Gemeinsame zu vernachlässigen. In diesem Zusammenhang muß noch der kürzere Bericht Städte ändern ihre Namen genannt werden, in welchem Wittner dem Einfluß der jeweiligen Besatzermacht auf die Namensgebung von Städten nachgeht, wobei der Schwerpunkt wieder bei den Veränderungen rumänischer Namen durch den russischen Einfluß liegt.

Auch für Österreich gibt es einen derartigen Bericht: unter dem Titel Semmering-Simmering-Sievering beschreibt Wittner die unterschiedliche mentale Bedeutung dieser Orte, die nun in verschiedenen Besatzungszonen liegen. Zusammenfassend kann wohl gesagt werden, daß Wittner durch die russische Politik vor allem die Buntheit und Vielfältigkeit seiner alten Heimat bedroht sah, durch die Kriegsfolgen allgemein eine Gleichmacherei, aber auch Zerstörung von historischen Einheiten befürchtete. Es wäre mit Sicherheit interessant, hier das journalistische Werk Wittners mit dem von Joseph Roth zu vergleichen.

Die Schriften aus dem Nachlaß zeigen weitere interessante Aspekte zu Werk und Person Wittners. So versuchte Wittner wohl eine Veröffentlichung seiner bereits 1935 fertiggestellten Kurzgeschichte Der Fenstersturz im Ausland, sie wurde von ihm selbst ins Englische übersetzt (43). Mehrfach verwendete Wittner das Pseudonym Stefan Steil, oder das Kürzel VW. Unter dem Titel Legenden zu: Miau! (Untertitel: Die Katze im Bild) findet sich ein Entwurf für eine Art Bildgeschichte: 81 Seiten sollten textlich und bildlich zu diesem Thema ausgestaltet werden.

Umfangreich ist die Sammlung von journalistischen Arbeiten zu literarischen oder kulturellen Themen (44). Wittner schreibt hier über rumänische und deutschsprachige Autoren und Theaterleuten. So gibt es Artikel über Vasile Alexandri, Victor Eftimiu, Lucian Blaga, Octavian Goga, Ion Milescu, Tudor Mushatescu, Mihai Sorbul und andere. Wittner schrieb zum Tod von Bruno Frank, zum 60. Geburtstag von Leo Frank, zum 70. Geburtstag von Alfred Polgar, zum Todestag von Georg Kaiser (45), zum Tod von Max Halbe, von Gustav Kiepenheuer, Martha Musil, Carl Sternheim und zahlreichen anderen im Exil verstorbenen Theaterleuten; weiters über die Lyrik von Albin Zollinger, über Hemingways Romane, Robert Musils Werke, über Jaroslav Ha¹ek, Franz Werfel, Lion Feuchtwanger, Joseph Roth, Thomas Mann, Franz Theodor Csokor, Fritz Hochwälder oder Hugo Thimig. Wittner hat sehr viel geschrieben, seine literarischen Kenntnisse und Beziehung - auch zur Theaterwelt - sind sehr vielfältig. Auffallend ist - und dies ist meines Erachtens auch wieder typisch für Wittner - daß es sich ausschließlich um positive Besprechungen und Kritiken handelt; es ist Wittners Kunst, daß diese positiven Worte dennoch nie pathetisch, unglaubwürdig oder unkritisch klingen.


Ausblick

Das Bild von Wittner, wie es sich aus den spärlichen Erwähnungen in der Literatur zur Zeit darstellt, muß gründlich revidiert werden. Bezieht man den Nachlaß mit in die Betrachtung ein, so macht nicht mehr unbedingt das lyrische Werk den größten Teil von Wittners Schaffen aus; vielmehr ist eine gründliche Untersuchung und Offenlegung des gesamten journalistischen und redaktionellen Werkes dringend erwünscht und mit Sicherheit von Interesse für die Literaturgeschichte allgemein. Auch das erzählerische Werk aus Wittners Nachlaß sollte unbedingt einer breiteren Öffentlichkeit und Forschung zugänglich gemacht werden.

Wie Wittner in sämtlichen Schattierungen der deutschen Sprache - von österreichischen bis schweizerischen Einschlägen - dichtete, so beschäftigte er sich auch mit einer Vielzahl von literarischen Formen und arbeitete zu den unterschiedlichsten Themen. Seine ganze Person entspricht der Vielfalt der Region, aus der er stammte. Wie der Dichter Wittner eigentlich keiner stilistischen oder inhaltlichen Richtung endgültig zuzuordnen ist, scheint auch der Mensch Wittner nicht gewußt zu haben, wo er eigentlich hingehört. Schließt man aus den Inhalten der Gedichte und der Nachlaßwerke auf den Menschen Wittner, so muß er - trotz seiner zahlreichen Bekannten in literarischen Kreisen - wohl ein einsamer Mensch gewesen sein, jemand, der sich vom Leben ausgeschlossen fühlte, auch wenn er mittendrin stand.

Eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Wittner - vor allem auch mit seiner Biographie - ist wünschenswert.

 


 

ANMERKUNGEN:

 

(1) Renate Heuer, Bibliographia Judaica. Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache. Frankfurt 1988

(2) Wilhelm Sternfeld und Eva Tiedemann, Deutsche Exilliteratur 1933-1945. Eine Biobibliographie. Heidelberg 1970.

(3) Harry Zohn, Österreichische Juden in der Literatur. Ein biobibliographisches Lexikon. Tel Aviv 1969.

(4) Murray G. Hall, Handbuch der Nachlässe und Sammlungen österreichischer Schriftsteller. Wien 1992.

(5) Zusammengestellt von Oswald Oberhuber und Peter Weibel. Die zugehörige Ausstellung mit Werken von Malern, Musikern, Literaten, Architekten und Naturwissenschaftern war im Dezember 1976 in der Galerie nächst St. Stephan in Wien abgehalten worden; im Februar 1977 war die Ausstellung in Innsbruck in der Galerie im Taxis-Palais zu sehen gewesen.

(6) Paul Raabe, Die Autoren und Bücher des literarischen Expressionismus. Ein biobibliographisches Handbuch. Stuttgart 1985.

(7) Amy Colin und Alfred Kittner, Versunkene Dichtung der Bukowina. München 1994.

(8) Kittner nennt hier leider keine Quellen. In: Amy Colin und Alfred Kittner, o.a., S.407.

(9) Erschienen 1992 in Budapest.

(10) Untertitel Deutschsprachige Dichtung aus der Bukowina, Frankfurt am Main 1991.

(11) Im Vorwort zu Fäden ins Nichts gespannt, o.a., S. 11.

(12) Vgl. Colin und Kittner, o.a., S. 408.

(13) Alle Angaben nach Oberhuber und Weibel, Ausstellungskatalog, o.a.

(14) Murray G. Hall spricht von einer Emigration in die USA. Vgl. Handbuch der Nachlässe, o.a., S. 284.

(15) Bestand der Dokumentationsstelle für neuere öster-reichische Literatur, Wien.

(16) Typoskript zu einer undatierten Radiosendung von Hans F. Prokop, Bestand der Dokumentationsstelle.

(17) Gerade hier wäre weitere Forschung nötig, da die Gedichte dieses Bandes im vergleich mit anderen ex-pressionistischen Autoren sowohl inhaltlich als auch formal als sehr harmlos erscheinen.

(18) Vgl. Nachruf zum 20. Todestag im “Israelitischen Wochenblatt”, Zürich, Bestand der Dokumentationsstelle o.a.

(19) Unterlagen in der Dokumentationsstelle, o.a. Wittner, der immer noch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt und als Religionszugehörigkeit den mosaischen Glauben in amtlichen Dokumenten eingetragen hat, hatte nur eine Aufenthaltsbewilligung bis zum 15. März 1949.

(20) Wittner nennt hier selbst einen Verweis auf ihn im Großen Brockhaus, Bd. 21, von 1935, und verweist auf Nagel/Zeidler/Castle’s österreichische Literaturgeschichte, in welcher ihm eine Sonderstellung unter den österreichischen Lyrikern eingeräumt werde.

(21) Als Adressen in der Schweiz finden wir: Dufourstraße 4 in Zürch; Hotel Neptun in Zürich; Seefeldstraße 15, Zürich; Mainaustraße, Hotel zur Linde; Goethestraße 14, Zürich; als weitere Orte nennt Wittner Ascona, Davos, Lugano, Muri-Bern und Vicosoprano. In Wien sind die Adressen Opernring 21, 1. Bezirk; Arenbergring 13, 3. Bezirk; Malfattisiedlung 9, 13. Bezirk; Ungargasse 1, 3.Bezirk; Dreihufeisengasse 1, 6. Bezirk; Gluckgasse 2, 1. Bezirk; weiters gibt es eine c/o Adresse bei Kiechel in Bregenz. (Es wurde versucht, anhand der Durchstreichungen auf den Manuskripten eine chronologische Reihenfolge der Wohnorte Wittners herzustellen, für deren Richtigkeit ich jedoch nicht garantieren kann.). Demgegenüber scheinen Wittners Berliner Jahre mit lediglich zwei Adressen - nämlich Badenallee 19 und Württemberger Allee 28, beide in Charlottenburg - auf eine relativ beständige Wohnsituation hinzuweisen.

(22) Im Nachlaß - ÖNB Handschriftensammlung Ser. nov. 17.284 - finden sich verschiedene Varianten dieses Bandes. Ursprünglich hatte Wittner wohl eine andere Zusammenstellung geplant gehabt, und auch andere Überschriften für die Abschnitte gewählt. Auch der Gesamttitel wurde mehrfach geändert: Wittner selbst notierte Der Augenzeuge, Augenzeugnis oder Alltag der Augen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Gedicht Wittners mit dem Titel Die Augen: Wittner bittet hier einen fiktiven Peiniger, er möge ihm alles antun, aber nicht die Augen zerstören, die er zum Blicken, Weinen und Trauern brauche - vor allem aber, um einstmals zu sehen, wie dieser Peiniger um Gnade betteln werde.

(23) Im Nachlaß in der Dokumentationsstelle finden sich zahlreiche Bühnenmanuskripte zu Ein Herr Herbst, welche durch den Bühnenvertrieb M. Kantorowitz in der Schweiz zu beziehen waren; ursprünglich erschienen war Ein Herr Herbst bei Georg Marton, Wien und Berlin, hergestellt durch Marita Hasenclever.

(24) Angaben nach Oberhuber und Weibel, a.o.

(25) ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17.278.

(26) ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17.280, 17.282, 17.283 und 17.284. Diese unterschiedlichen Mappen enthalten sowohl veröffentlichte als auch unveröffentlichte Gedichte und Prosastücke, in immer wieder neuer Reihenfolge von Wittner unter immer wieder unterschiedlichen Titeln angeordnet.

(27) ÖNB Handschriftensammlung Ser. nov. 17286.

(28) ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17.287. Leider sind beide Fragmente ohne Adressenangabe, weshalb auch eine chronologische Zuordnung unsicher ist; sicher ist nur, daß beide Fragmente nach 1938 begonnen wurden.

(29) Abdruck von Auszügen bei Felmayer, Das Haarpfand.

(30) Almanach auf das Jahr 1925 mit den dreihundertfünfundsechzig Geschenkbüchern überreicht von der Hellerischen Buchhandlung, Wien I (Musil antwortet hier auf eine Umfrage). In: Robert Musil, Gesammelte Werke Bd. 9, Hamburg 1981, S. 1714: “Den im Verlag ‘Die Schmiede’ erschienenen Gedichtband Sprung auf die Straße von Victor Wittner. Neuer Mann; Österreicher. Es sind Bildchen der Großstadtstraße, aus dem sechsten Stockwerk eines vielfenstrigen Hauskäfigs gesehen. Von einem, der hinabspringen möchte; um dabei zu sein, aber auch aus Gott weiß, welchen Gründen.”

(31) Zitiert nach dem Radiotyposkript von Walther Schneider von 1946; es ist nicht ganz klar, auf welche Sammlung Mann sich bezieht, jedoch schließe ich Sprung auf die Straße aufgrund von Manns Wortlaut aus und vermute, daß es sich um Alltag der Augen handelt.

(32) Hier sei kurz auf den im Ersuchen um Dauerasyl erwähnten Bruder Herbert verwiesen.

(33) Es fällt auf, daß der im österreichischen Raum aufgewachsene Dichter nicht das Wort Marillen verwendet; zwar würde es sich nicht auf Rosen reimen, doch sollte dies tatsächlich das Motiv für die Wortwahl sein? In späteren, in der Schweiz verfaßten Gedichten, nimmt Wittner Schweizer Lokalausdrücke in die Gedichte auf. Ähnlich schwierig wie seine inhaltliche Zuordnung scheint also auch seine sprachliche zu sein.

(34) Aufbruch

Es ist nur eine kleine Stadt,
und oft mußtest du sie hassen,
aber willst du sie verlassen,
merkst du, welche Macht sie hat.

Denn die alten Straßen winken:
"Ach, wie oft du auf uns gingst,
aus dem Winde Wünsche fingst..."
Und schon fühlst du ein Versinken
in Erinnerungen Meer,
und du trinkst...
Plötzlich wird das Herz dir schwer.

Ach, es kriechen Schienenstränge
durch gekrümmter Gassen Enge,
und schon rollt der Zug mit dir hinab,
und es winken dir im Flug
alte Ecken
alte Strecken
und ein Garten, der dir Traum und Früchte gab.
Und die alten Glocken fangen an zu klingen
Und es weht Geruch von altvertrauten Dingen...
Plötzlich hörst du singen
Sehnsüchte des Knaben, ferne schon...
Willst du sie erfassen, sie verklingen
Leise schluchzend und dir bleibt kein Ton...

Nur die Häuser, alt und klein,
Wollen dich ein Stück begleiten;
Dann allein
geht’s hinauf in neue Weiten.

(Klüfte/Klagen/Klärungen, S.50)


(35) Ferne des Körpers

Am Tage seh ich nichts von deinen
gemeinen, feinen Proportionen:
ich arbeite und weiß mich wohnen
in einem Wesen auf zwei Beinen.

Am Abend willst du mir erscheinen,
befreit von Kleidern und Personen,
von Türen, Tischen, Telephonen.
Ich schau dich an. Ich sehe... Einen.

Wie seltsamst, Körper du, allein
in nackten Nächten. Bist du mein?
Ich bin ein Kopf und seh dein Sein

Getrennt von mir und meinem Hirn,
ein kopflos Tier den Geist verwirrn...
Was willst du, Knie, von meiner Stirn?

(Der Mann zwischen Fenster und Spiegel, S. 23.)

(36) ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17. 289.

(37) ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17. 288.

(38) Erwähnt sei hier Der Querschnitt. Facsimile Querschnitt durch den Querschnitt 1921-1936, hg. Von Wilmont Haacke und Alexander von Baeyer, Frankfurt am Main 1977. Die Zusammenstellung von Originalbeiträgen mit dem Titel Der Querschnitt. Magazin der aktuellen Ewigkeitswerte 1924-1933, hg. von Christian Ferber, Frankfurt am Main 1981, im selben Verlag, kommt erstaunlicherweise ohne die Nennung von Wittner aus.

(39) Alle Manuskripte befinden sich im Nachlaß in der ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17.279.

(40) Das Manuskript ist nicht mit Wittners Namen, sondern mit “M. Busch” überschrieben; es ist zu vermuten, daß es sich um eines der zahlreichen Pseudonyme Wittners handelt, da die Adresse “Seefeldquai 1, Zürich”, eindeutig Wittner zuzuordnen ist.

(41) Ebenfalls mit “M. Busch” überschrieben.

(42) Gerade diese Beiträge machen eine genauere Untersuchung der Biographie Wittners und seiner Beziehung zu Czernowitz und zur Bukowina dringend nötig. Fragen, wie zum beispiel ob Wittner in Czernowitz gelebt hat, es gut kannte, Gurahumora kannte - oder ob diese Erinnerungen sozusagen aus zweiter Hand stammen, müssen geklärt werden.

(43) The fall from the sill.

(44) Alle ÖNB Handschriftensammlung, Ser. nov. 17.285

(45) Georg Kaiser war ein großer Helfer für Literaten im Schweizer Exil; durch diesen Artikel und aufgrund der Widmung eines Gedichtes an Kaiser vermute ich, daß Kaiser sich auch für Wittner stark eingesetzt hat.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, Heft 1-2 (11-12) / 1997, S. 191-200 

 

 

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