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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 257-268

 



ASPEKTE DER REZEPTION GERHART HAUPTMANNS IN RUMÄNIEN
 

George Guþu

 


Rezeptionsgeschichtliche Mechanismen geistig-kultureller und künstlerisch-literarischer Interferenzen sind nur punktuell, höchstens auf kurzen Strecken eruierbar und allein in wesentlichen Kraftlinien ihrer Wirkungsfelder sichtbar zu machen. Solche Berührungsphänomene sind schon immer ein wesentlicher Bestandteil innergeistiger und innerliterarischer Selbstverständigungsprozesse des relativ kleinen rumänischen Kultur- und Literaturbetriebes gewesen. Somit kann und muß auch die Gerhart-Hauptmann-Rezeption in Rumänien - wie übrigens auch sonst in anderen geistigen Räumen - nicht als einfacher, von anderen geistigen Phänomenen losgelöster Assimilations- und Befruchtungsprozeß, sondern als Teil vielschichtiger Bemühungen rumänischer Philosophen, Literaturbetrachter und Literaturschaffender angesehen werden, der mit wesentlichen Klärungsprozessen und Positionsbestimmungen innerhalb der rumänischen geistigen Strömungen im Laufe der Geschichte in engstem Zusammenhang steht. Dabei müßten kulturmorphologische sowie allgemein-geistige Auseinandersetzungen in Betracht gezogen werden, die auf Eigentümlichkeiten und wesentliche Wertungsmomente sowie Wertungsmaßstäbe schließen lassen, die ihrerseits imagologische Bemühungen um die eigene Standortbestimmung in Rumänien in sich bargen. Mit diesen nur bei oberflächlicher Betrachtung als thematranszendent anzusehenden Erläuterungen soll über unausweichlich notwendige, faktologisch ausgerichtete Ausführungen zu rezeptionsgeschichtlicher und rezeptionsästhetischer Re-levanz gelangt werden.

Die moderne rumänische Kultur wird von zwei bestimmenden Vorbildern geprägt, an denen sie sich abwechselnd, je nach sozialen und politischen Schichtungsmomenten, je nach vorherrschenden Interessen und Geschmacksrichtungen, zu orientieren bemüht: an dem französischen und dem deutschen. Von den Aufklärern der Siebenbürgischen Schule über die Vertreter der Achtundvierziger-Bewegung oder die Anhänger der “Junimea”-Bewegung bis zu den hervorragenden Gestalten der Zwischenkriegszeit und denjenigen der gegenwärtigen rumänischen Kultur und Literatur wiegt mal das französische, mal das deutsche Muster vor, oder gehen beide streckenweise in eigenartigen Synthesebemühungen einher (1).

Als Höhepunkte der “Antworten des rumänischen Geistes” auf Anregungen “des deutschen” stehen allgemein zwei bedeutende Epochen, “die heute als die klassischen gelten, entschieden unter deutschem Einfluß: die Epoche Eminescus und die zwischen den beiden Weltkriegen, die Epoche Lucian Blagas”, wie der gegenwärtige Philosoph Constantin Noica es einmal auf eine kurze Formel brachte (2). Der Bogen der kulturell-literarischen rumänisch-deutschen Interferenzen reicht also von den tiefgreifenden Anregungen durch Herder, Schiller und Kant in der Zeit der Achtundvierziger-Bewegung über die von Feuerbach, Fichte, Goethe, Hegel, Herbart, Alexander von Humboldt, Klopstock, Lessing und Schelling, vor allem aber von Novalis und Schopenhauer in der Zeit der “Junimea”-Bewegung bis zu der fruchtbarsten Zeit der rumänischen geistigen Entwicklung in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Die Rezeption der Werke von Gerhart Hauptmann beginnt im Zeichen der starken Hinwendung der rumänischen Intellektuellen der “Junimea”-Bewegung zur deutschen Literatur. Am Beispiel der Rezeption des dramatischen und epischen Werks dieses deutschen Autors im Kontext der Entwicklung der rumänischen Literatur, des rumänischen geistigen Lebens überhaupt, werden besonders interessante Phänomene deutlich, die - wenn sie nicht von diesem Blickwinkel aus betrachtet werden - dem Beobachter der genannten Szenerie völlig verborgen bleiben. Es zeigt sich auch an diesem Fallbeispiel, daß die Erforschung rezeptionsästhetischer und -geschichtlicher Interferenzerscheinungen durchaus imstande ist, auch auf innerliterarische Prozesse ein neues, relevantes Licht zu werfen.

Zunächst muß man bedenken, daß die moderne rumänische Literatur sich erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit ernst zu nehmenden Produktionen konstituierte, d.h. in der Wirkungszeit des späten und weltweit berühmten Goethe. Doch vom Weimarer Titanen wurde zu dessen Lebzeiten in den rumänischen Fürstentümern kaum Notiz genommen, während sein Klassik-Mitstreiter Schiller eher das Interesse der nach nationaler Freiheit strebenden rumänischen Intellektuellen erweckte. Die Rezeption von Goethes Werken setzt in Rumänien erst nach seinem Tode an, also nach der Ankündigung seines Todes in einer rumänischen Literaturzeitschrift ein (3). Dies läßt sich einmal recht pauschal durch den - bereits erwähnten - besonders starken Einfluß der französischen Kultur und Literatur auf das geistige Leben in den Fürstentümern Moldau und Wallachei sowie durch das überwiegende, wenn nicht gar ausschließliche Interesse der in Transilvanien (dt. Siebenbürgen) lebenden Gelehrten und Schriftsteller für die nationale Emanzipation von der fremden ungarischen Unterdrückung, da die Rumänen in diesem Gebiet, in dem sie historisch gewachsen waren und die große Mehrheit der Bevölkerung ausmachten, nicht einmal als gleichberechtigte Nation anerkannt worden waren. Die revolutionäre Begeisterung der 48er Jahre brachte auch ein stärkeres Interesse für die deutsche Literatur mit sich, von der neben Geßner und Kotzebue eben Schiller - wegen seines freiheitsliebenden Pathos - eine beachtlichere Aufnahme fanden.

Mit der Herausbildung des Nationalstaates Rumänien im Jahre 1859, noch deutlicher nach der Ausrufung des Königreichs und der Thronbesteigung durch einen Sprößling des Hohenzollern-Hauses, gilt das Interesse der rumänischen intellektuellen Öffentlichkeit immer mehr dem deutschen geistigen Leben. Rumänische Gelehrte und Schriftsteller, die ihre Hochschulausbildung in Deutschland genossen haben - so der erste Ministerpräsident des vom osmanischen Reich unabhängig gewordenen jungen Staates, Mihail Kogãlniceanu -, bilden Kultur- und Literaturkreise (so in Jassy den bereits erwähnten “Junimea”-Kreis), die im Sinne der literarischen Salons die Aufmerksamkeit einheimischer Zuschauer und Leser auf die geistigen Anregungen lenkten, die von Deutschland aus ausgingen. Vor allem mit dem genialen dichterischen Werk Mihai Eminescus, der in Wien und Berlin studiert hatte, beginnt die starke, fruchtbare, nach einem Ausdruck des Dichters und Kulturphilosophen Lucian Blaga als “katalytisch” zu bezeichnende Hinwendung des rumänischen geistigen Lebens zur deutschen Philosophie, insbesondere zu jener Schopenhauers und Nietzsches, zur deutschen romantischen Literatur, wobei Schiller damals als ausgesprochener Romantiker empfunden wurde.

Ebenfalls soziale Gärungsprozesse wie etwa die Herauskristallisierung der organisierten Arbeiterbewegung waren es, die eine eingehendere Beschäftigung der rumänischen Öffentlichkeit mit dem geistigen Leben in Deutschland verursachten. Die Fundamentierung des sozialistischen Denkens durch Constantin Dobrogeanu-Gherea, die Zuspitzung sozialer Spannungen in der Zeit eines relativ starken wirtschaftlichen Aufschwungs Rumäniens sind zweifelsohne der Hintergrund, auf dem ein sofortiges, ja auffallend starkes Interesse für das Werk Gerhart Hauptmanns in Rumänien geweckt und manifest wurde. In einem später, 1932, veröffentlichten Beitrag ruft C. Sateanu in einer der angesehensten Zeitschriften der Zwischenkriegszeit in Rumänien, “Adevãrul literar ºi artistic”, Erinnerungen an den ersten Versuch einer Hauptmannschen Aufführung in Rumänien wach:

Der Name Gerhart Hauptmanns wurde zum erstenmal auch bei uns im Jahre 1895 ausgesprochen, als eine deutsche Truppe unter der Leitung von Egger auf Tournee in Rumänien weilte und in Jassy die Aufführung des sozialen (besser gesagt: des sozialistischen) Dramas ‘Die Weber’ von Gerhart Hauptmann ankündigte (4).

Die Ankündigung führte zu einer für damalige rumänische Verhältnisse recht ungewöhnliche Aufregung. Im erwähnten Bericht heißt es weiter:

Die von einigen sozialistischen Schriftstellern geleiteten literarischen Zeitungen und Zeitschriften wirbelten sehr viel Staub auf im Zusammenhang mit diesem Arbeiter-Werk, so daß die angekündigte Aufführung der deutschen Truppe die Neugier des Publikums und implizite auch jene der Behörden erweckte.[...] Die letzteren haben vorsichtshalber an dem vorgesehenen Abend die Aufführung des Stückes ‘Die Weber’ untersagt. Die Neugier des Publikums, das weder das Drama noch seinen Autor kannte, wurde kurz darauf durch die Drucklegung des Stückes in rumänischer Fassung, u. zw. in der kleinen vom Jassyer Verlag ‘{araga’ herausgegebenen Volksbücherei befriedigt. So wurde Gerhart Hauptmann auch bei uns bekannt (5).

Bekannt - das ist sicherlich zu viel gesagt, aber immerhin wurden recht ansehnliche Kreise der rumänischen Gesellschaft mit Namen und Absichten dieses deutschen Schriftstellers vertraut gemacht.

Nach dieser in Jassy herausgegebenen Übersetzung (6) konnten wir in den Bukarester Bibliotheken eine weitere rumänische Fassung finden, die von dem eben geschilderten Widerhall zeugt: sie erschien fast zeitgleich (1896) in der Brâncusi-Stadt Targu Jiu in der Cooper-Druckerei “Das Volk”, in einer Bergbaugegend, in der Bergarbeiter ein vergleichsweise ebenso unerträgliches Leben führten. Für die Übersetzung zeichneten diesmal B. Marian und Mons verantwortlich (7). In einigen Literaturzeitschriften wurde Gerhart Hauptmann zum ersten Mal etwas auführlicher präsentiert (8).

Außer der bereits erwähnten - und im Grunde genommen ausschlaggebenden - Hinwendung zum geistigen Leben Deutschlands kann sicher auch der Umstand, daß in den Bibliotheken rumänischer Intellektuellen die bereits 1893 in Paris erschienene französische Übersetzung der Weber zu finden war, als durchaus anregend angesehen werden. Alle genannten rumänischen Übersetzer scheinen sich die französische Vorlage (9) zum Vorbild genommen zu haben, wie manche Partien der - ebenfalls in Prosa angefertigten - rumänischen Fassungen durchaus vermuten lassen.

Neben all den erwähnten innerliterarischen Umständen haben gewiß auch die enorme Produktivität Hauptmanns und der von seinen Bühnen- und Prosawerken in Deutschland erzielte Publikumserfolg mit dazu beigetragen, daß Hauptmann in Rumänien zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine recht beachtenswerte Aufnahme erfahren hat. In den öffentlichen Bibliotheken waren damals einige dem Schaffen Hauptmanns gewidmete Monographien zu haben (so jene von Paul Schlenther (10) aus dem Jahre 1898 oder jene von Professor Emil Sulger-Gebing (11) aus dem Jahre 1916). 1907 wird unter dem rumänischen Titel Douã lumi Hauptmanns Drama Einsame Menschen aufgeführt (12).

Unter der Regieführung von Alexandru Davila wirkten berühmte Schauspieler wie Tony Bulandra, Marioara Voiculescu, Lucia Sturza, Ion Lovinescu in einer Aufführung des rumänischen Nationaltheaters in Bukarest in den Hauptrollen mit. Am 8. April 1909 wird in Braºov/ Kronstadt das Drama Die Weber erfolgreich aufgeführt. Zwei Jahre später (1911) ist Hauptmann durch zwei Bücher in rumänischer Übersetzung präsent: durch den Text von Einsame Menschen, der nun unter dem Titel Suflete stinghere (13) erschien, und Clopotul scufundat (14) (Die versunkene Glocke). Das ist ja auch der vorläufige Höhepunkt der Hauptmann-Rezeption vor dem Ersten Weltkrieg in Rumänien.

Die kriegerischen Ereignisse, in die Rumänien als Gegner Deutschlands hineingezogen wurde, machen sich - wie überhaupt in den generellen rumänisch-deutschen Kultur- und Literaturbeziehungen - auch in der Hauptmann-Rezeption bemerkbar. Obwohl der deutsche Schriftsteller 1912 den Nobel-Preis erhielt, wurde dies in der rumänischen Presse viel zu wenig gewürdigt (15). In der ersten Phase des I. Weltkrieges geriet Rumänien zu fast 2/3 seines Territoriums unter deutsche Besatzung. Die Folgen machten sich bis in der Haltung der rumänischen Behörden zum Deutschunterricht in den Schulen des Landes negativ bemerkbar. Erst Anfang der 20er Jahre bahnen sich - nicht zuletzt unter dem Einfluß des Expressionismus (16) und der literarischen Avantgarde, die durch Urmuz und Tristan Tzara von Rumänien aus wesentliche Impulse nahm (17) - erneute Interesse-bekundungen für den literarisch-künstlerischen Betrieb in Deutschland wieder an.

In der Hauptmann-Rezeption sind bereits 1922 wieder zwei Bände zu verzeichnen: Bahnwärter Thiel wird unter dem Titel Tatãl in der beliebten Reihe des Adevãrul-Verlags “Blüten der Weltliteratur” herausgegeben (18), während Suflete stinghere, bereits 1911 erschienen, in einem besonders renommierten Nationalverlag neuaufgelegt wird (19).

Wichtig ist das Jahr 1922 auch dadurch, daß Hauptmann von nun an Gegenstand mehrerer literaturkritischer Betrachtungen sein wird (20), die 1932 einen vorläufigen Höhepunkt erreichen sollten. In einem kleinen Vorwort zum Band Tatal wird Hauptmann großzügig gewürdigt:

Gerhart Hauptmann ist für die Deutschen - also auch für das heutige gebildete Europa - das, was Goethe für seine Zeitgenossen war.

Der Verfasser des Präsentationstextes scheint sehr gut informiert zu sein, da er sogar über unmittelbare Projekte Hauptmanns Auskunft gibt. Im gleichen Jahr 1922 wird die Komödie College Crampton von einer ausländischen Truppe (mit Paul Wegener) in Bukarest aufgeführt. 1924 unternimmt eine deutsche Theatergruppe aus Siebenbürgen eine Tournee in Bukarest und führt den Biberpelz auf. Es folgen mehrere rumänische Theateraufführungen: 1925 wird Hanneles Himmelfahrt im Nationaltheater Craiova, 1928 Die versunkene Glocke in der Regie des sehr begabten und damals sehr bekannten Regisseurs und Dramatikers Victor Ion Popa gegeben. 1930 gastiert die Truppe des Wiener “Burgtheaters” mit Gabriel Schillings Flucht, während Clopotul scufundat (Die versunkene Glocke) in einer neuen rumänischen Fassung - diesmal in einer anderen rumänischen Provinz, in der Bukowina - in Buchform erscheint (21). Die 30er Jahre erweisen sich als besonders Hauptmann-freundlich. 1932 wird Vor Sonnenuntergang (În amurg) am Bukarester Nationaltheater mit Gheorghe Storin in der Rolle des Matthias Clausen erfolgreich aufgeführt. 1934 inszeniert Paul Gusty am Bukarester Nationaltheater Die versunkene Glocke (22), die ein damals sehr bekannter Dichter, Adrian Maniu, als bereits dritte Fassung dieses Stückes angefertigt hatte; der Text erscheint 1939 in der Reihe “Bücherei des Nationaltheaters” (23): für eine junge Literatur mit einem nicht allzu großen Literaturbetrieb stellte diese dritte Fassung doch eine beachtliche Leistung dar. Schließlich markieren die Aufführung des Dramas Iphigenie in Delphi (eines Teils der Atridentetralogie) und die Veröffentlichung desselben in der Reihe des Bukarester Nationaltheaters - beide im Jahre 1942 - den vorläufigen Schlußpunkt einer doch recht vielseitigen Rezeption des Hauptmannschen Werkes in Rumänien.

Wir sagten eben, daß die Rezeption vielseitig war. Denn die Werke Hauptmanns sind nicht nur zu einem beachtlichen Teil dem rumänischen Leser zugänglich gemacht, sondern sie sind in der Zwischenkriegszeit, die generell eine Blütezeit der rumänischen Kultur und Literatur darstellte, Gegenstand von Reflexionen und Stellungnahmen gewesen, die nicht unwesentlich zur Popularisierung dieses Schriftstellers beigetragen haben.
Es wäre gewiß ein sehr zeitaufwendiges Unterfangen, wollte man alle in Rumänien erschienenen Zeitungen und Zeitschriften nachschlagen, um nach Materialien über Hauptmann zu suchen. Es scheint deswegen sinnvoll und literturgeschichtlich vertretbar, sich auf die meinungsbildenden Publikationen der einen oder anderen Periode zu konzentrieren, um somit Kraftlinien der Hauptmann-Rezeption in relevantem Maße sichtbar zu machen. Diese Methodologie schien uns als die einzig realistische. Deswegen berücksichtigten wir in unseren Recherchen für die Zwischenkriegszeit etwa das angesehene Blatt “Adevãrul literar ºi artistic” und die rumäniendeutsche Zeitschrift “Klingsor” und für die Zeit nach 1945 vorwiegend “Viaþa Româneascã”, “Teatrul”, “Secolul XX” und die deutschsprachigen Bukarester Publikationen “Neue Literatur” und “Neuer Weg”. Durch die bibliographische Erfassung der Zeitschriftenbeiträge nach 1960 (24) ist ein erschöpfender Überblick über die Hauptmann-Rezeption in Rumänien möglich geworden, was in diesem Beitrag durchaus berücksichtigt wird.

“Adevãrul literar ºi artistic” trug in der Zwischenkriegszeit - neben einigen anderen Literaturzeitschriften - am meisten zur Verbreitung von Kenntnissen über Gerhart Hauptmann und dessen Werk in Rumänien bei. Bereits 1922 veröffentlicht das 12 Seiten starke Blatt einen langen Aufsatz des Germanisten Ion Sân-Giorgiu (25) mit dem Bildnis des Dichters. Hauptmanns gesamtes Werk zeichne sich durch den “Kampf zwischen Leere und Leben”, zwischen der “stets fruchtbaren Romantik” und dem “Naturalismus” aus, was den Rezensenten dazu veranlaßt zu verallgemeinern: “Dieses fehlende Gleichgewicht zwischen dem praktischen Geist des neuen Deutschen und der Sehnsucht und dem Traum des alten Idealisten charakterisiert seit fünfzig Jahren das Seelenleben der Deutschen.” Hauptmanns Tragik sei “keine äußere Tragik wie in den naturalistischen Dramen, sondern eine innere, zutiefst seelische Tragik”. Sân-Giorgiu schlußfolgert dann: Hauptmanns Werk sei ein Kompromiß von nicht assimiliertem Naturalismus der Jugendzeit und von verspäteter, in der Vergangenheit stark verwurzelter Romantik, wobei letztere in Deutschland endemisch wiederbelebt wird.

In einem anderen Beitrag (26) stellt Ionel Pavelescu den neuen Roman von Hauptmann Phantom als “eine der gehaltvollsten Schriften” vor, “die er je geschrieben hat.” Lorenz Labota schreibe “seine Memoiren aus dem Totenhaus”, da Hauptmann “auf allen Schmerz von überall übertrieben empfindlich reagiert”, er zeige “eine großartige Schwäche für Ausgestossene, Gescheiterte, für die Schiffsbrüchigen aller Art”.

1925 veröffentlicht ein Anonymer Überlegungen am Rande des Hauptmannschen Werkes und hebt insbesondere zwei Etappen in seiner Entwicklung hervor: die des Naturalisten, der die Ideen eines Tolstoi mit denen eines Ibsen mischte, und die nach den Webern, da sich Hauptmann von jeglichem fremdem Einfluß befreite: “Alles, was er nachher schrieb”, sinniert der Kommentator, “war durchaus gelungen.” (27) Der Leser wird dann über ein Interview Hauptmanns informiert (28), während 1927 ein ausführliches Porträt des 65jährigen mit einem Bildnis erscheint. Al. N. Biaz beweist in seinen Ausführungen gute, gründliche Information:

Darwins und Häckels Theorien, mit denen er sich während seines Jenaer Aufenthaltes vertraut gemacht hatte, die Verwüstungen des Alkoholismus, das Unbewußtsein der Immoralität, das schreckliche Elend und die Revolte der schlesischen Arbeiter gaben ihm den Stoff her für kräftige soziale Dramen, in denen er die sozialistischen Ideen Zolas mit der dramatischen Aufbautechnik Ibsens verbindet.

Biaz verweist auf Querverbindungen zu Kleist (in Hanneles Himmelfahrt) und stellt einen Vergleich zu einem Autor der Gegenwart auf, der in derselben Zeitschrift vorgestellt worden war: (29)

Die Bemühung um die Darstellung und Interpretation der Wirklichkeit ist aufrichtiger und natürlicher als jene von Sudermann, der meist um Bühnenwirksamkeit bemüht ist.

Das Jahr 1932 sticht nicht nur durch die Goethe gewidmeten Feierlichkeiten, sondern auch durch die Markierung des 70. Geburtstages von Gerhart Hauptmann hervor. In einer aus (30) diesem Anlaß erschienenen Darstellung seines menschlichen und schriftstellerischen Werdegangs wird in einem recht ausführlichen Beitrag abschließend ausgeführt:

In seinen Anfängen stand Gerhart Hauptmann unter dem Einfluß der idealistischen Dichtung Schillers, Goethes und Byrons. 1866 schließt er Bekanntschaft mit Zolas Werk. [...] Deutliche Einflüsse haben Ibsens ‘Gespenster’ und Tolstois ‘Macht der Dunkelheit’ auf ihn ausgeübt. Die Technik der naturalistischen Kunst borgte er sich von Holz und Schlaf aus (31).

Als Höhepunkt der Würdigung Hauptmanns gestaltet sich die Nr. 624 des von uns hier berücksichtigten Blattes, in der gleich zwei auffallend reichhaltige und niveauvolle Beiträge stehen.

Mit großen Lettern wird Izabela Sadoveanus Titel gesetzt: “Feierlichkeiten zu Ehren Gerhart Hauptmanns” (32). Zwei Bildnisse schmücken den ganzseitigen Text aus, der den Naturalismus in Anspielung auf Nietzsches Spruch “Es war Frühling, und alles Holz stand in jungem Saft” als “Fäulnis vor der Reife” auslegt:

Propheten meldeten sich zu Wort, Fluche und Schimpfworte blitzten und donnerten gegen die realistische Politik, die einen Kleist zum Selbstmord zwang, einen Lilienkron ins Elend stürzte und für die Kunst und Literatur nichts zu tun vermochte.

Eine eigenwillige Erläuterung des Natu-ralismus schließt sich den Ausführungen an:

Der deutsche Naturalismus setzt die Traditionen des Realismus eines Goethe oder Albrecht Dürrer fort, denen zufolge die Darstellung des Wirklichen eine Suche nach dem Schönen in einer jeden, noch so unbedeutenden und prosaischen Erscheinungsform des Realen sei...[...]; Der deutsche Naturalismus ist eigentlich ein Idealismus, dessen Ideal die Anpassung an die Wirklichkeit ist.

Seinerseits bemerkt C. teanu in dem zweiten, in der gleichen Nummer erschienenen Beitrag, man habe Die Weber irrtümlich als “revolutionäres Propagandawerk” angesehen, denn

Hauptmann hat niemals die Revolution propagiert. Im Gegenteil, er ist einer der großen Jünger der sozialen Harmonie und der Verbrüderung.

Vor Sonnenuntergang habe - ästhetisch und aussagemäßig - die “Kraft des ‘König Lear’”. (33)

Damit dürfte als erwiesen gelten, daß dieses rumänische Blatt für die Popularisierung des literarischen Werks von Gerhart Hauptmann mehr getan hat als manch deutschsprachige Publikation Rumäniens. So nimmt sich der diesbezügliche Beitrag der in Kronstadt/Brasov herausgegebenen, angesehenen Zeitschrift “Klingsor” recht bescheiden, wenn nicht gar dürftig aus. Anfänglich war das Interesse für Hauptmann noch recht ansehnlich. Der Herausgeber selbst, Heinrich Zillich, widmete 1925 dem Roman Die Insel der großen Mutter eine angemessene Auf-merksamkeit. In seinem “Vier große Romane” (34) betitelten Beitrag bespricht Zillich zugleich auch Thomas Manns Der Zauberberg, Knut Hamsuns Das letzte Kapitel und Anker Larsens Der Stein der Weisen. In allen vier Romanen stellt Zillich eine “räumliche Bescheidung” fest, die “wie eine Flucht aus der Zeit in die Vorkriegswelt” anmute. Zu Hauptmanns Roman heißt es:

Der Greis, der es schuf, steht über der Zeit durch Weisheit; er kann lachen, wo Th. Mann debattiert und zerlegt, Hamsun versteht und glaubt; er darf ein Teilchen aus der großen Frage, die auch er nur wie die anderen mit Nein beantworten kann, herausheben und ins Urmenschliche zurückbiegen; ja er darf - und das deutet auf seine Größe - [...] das Problem, das nur eine aus den Fugen gegangene Lebensordnung empfindet, in die unwahrscheinliche Form des Märchens kleiden.

Hauptmann sei “zu bewußt im Kern und zu strahlend an der Oberfläche”. Der Vergleich zu Thomas Mann zeugt sowohl vom tiefen Verständnis Zillichs als auch von seiner stilistischen Kunst:

Hat dies Buch ein Dichter geschrieben, so hat den ‘Zauberberg’ ein Schriftsteller verfaßt. Das bedeutet kein Werturteil, aber es bedeutet, daß Hauptmann unmittelbar zu wirken fähig ist. Wo er versagt, fühlen wir es sofort, weil wir statt zu hören zu denken beginnen. Bei Thomas Mann denken wir immer, ohne daß er jemals versagen würde. Für eine Problemstellung, die Hauptmann bloß empfinden, er aber bewerten kann, arbeitet Thomas Mann die gültige Antwort aus. Dort war alles zu bejahende Gnade, hier ist es Überzeugung. [...] Hauptmann mag im Leben ein Bürger sein, seine Dichtung ist wohl zeitgeboren wie jede Dichtung, aber sie ist sozial nicht zu fixieren, weil sie wie alles Selbstverständliche als Natur da steht, ohne sich selbst zu erklären.

Leider messen “Klingsor” und der Herausgeber Zillich dem Werk Hauptmanns nachher nur noch eine Randbedeutung bei, da der Leser bloß sporadisch sehr lakonische Hinweise auf Hauptmanns Schaffen und Wirken erfährt. Zillich macht gelegentlich mit einigen Zeilen bloß auf manches Hauptmannsche Werk aufmerksam - so auf Fasching (35), auf Bahnwärter Thiel (36) und Das Meerwunder (37). Interessanterweise findet Zillich die den Text begleitenden Zeichnungen A. Rubins als aussagekräftiger, da er in einem beachtlichen zeitlichen Abstand einen ähnlichen Gedankengang artikuliert:

Das Dämonische, das der Geschichte des lustigen Segelmachers, der aus fröhlichster Gesellschaft vom Tode überrascht wird, zugrunde liegen soll, findet in den Zeichnungen Rubins eine Verkörperung, in der Novelle selbst ist es gedacht, nicht aber zu erfühlen.

Und - wie gesagt - fast zehn Jahre später:

Gerhart Hauptmanns unwahrscheinliche Geschichte ‘Das Meerwunder’ [...], zu dem Rubin Zeichnungen beigab, die das Unheimliche der Handlung viel abgründiger als der Text schildert, befriedigt nicht ganz [...]

Zillichs Engagement der dreißiger Jahre stand offensichtlich in totalem Widerspruch zu der ideologie-abstinenten Haltung Hauptmanns.

Während des Zweiten Weltkrieges wird allein 1941-1942 etwas mehr über Hauptmann gesprochen (38), während in der nachfolgenden Zeit in Rumänien kaum noch etwas von Hauptmann zu hören ist. Doch die Zeiten sollten ihm bald wieder günstiger werden. Allerdings geschieht dies erst in den 50er Jahren, als 1958 ein Band mit drei Stücken Hauptmanns herausgegeben wurde (39). In der Einleitung von Ion Marin Sadoveanu halten sich noch Anstand und beginnende proletarische Deutung die Waage. Sein Talent habe ihm ermöglicht, einige “für die deutsche Literatur repräsentative Werke” zu schaffen. In Sonnenaufgang wird eher “die entschiedene sozialkritische Haltung des Autors” deutlich als “eine neue Kunstform” (S. 5f.). Die Weber sei als “Anfang der sozialistischen Literatur begrüßt worden”, wobei Spielhagens Worte angeführt werden, der “eigentliche Held des Stückes ist das Elend” (S. 6.).

1961 wird der deutsche Autor kurz, dafür aber in einer angesehenen Zeitschrift präsentiert (40). Ein Jahr später wird des 100. Geburtstags von Gerhart Hauptmann gedacht. Eine gute Kennerin Hauptmanns meldet sich in der Zeitschrift “Teatrul” zu Wort: Ileana Berlogea (41). Sie geht auf den proletarisch bedingten Rezeptionsbeginn in Rumänien ein und weist auf die “unmißverständliche Verurteilung einer menschenfeindlichen Welt” hin. Hauptmann sei trotz vieler Widersprüche der Weber der Autor gewesen, “den unsere Arbeiter in den schweren Jahren des Kampfes gegen die kapitalistische Unterdrückung gespielt haben.” Mit seiner Fülle von Informationen über die Hauptmann-Aufführungen in Rumänien gestaltet sich dieser kurze Aufsatz als recht wertvolle rezeptionsgeschichtliche Quelle.

In der Klausenburger “Tribuna” hebt Cornel Cãpuºan bei Hauptmann “den streitenden, vom Naturalismus beeinflußten Realismus” hervor (42), während I. Hurdubeþ in “Luceafãrul” anmerkt, Hauptmann habe “neben den negativen Aspekten der Gesellschaft seiner Zeit auch seine eigenen seelischen Erschütterungen” dargestellt (43).

Der Verfasser des Vorworts zum 1958 erschienenen Band von Stücken Hauptmanns, Ion Marin Sadoveanu, meldet sich auch 1962 zu Wort mit einem Aufsatz in der angesehenen rumänischen Literaturzeitschrift “Viaþa Româneascã (44), in dem er von den Aufführungen berichtet, die er in Ost-Berlin in der Volksbühne, im Deutschen Theater und in den Kammerspielen sah. Im Angesicht der Büste Hauptmanns in den Kammerspielen wird er an die “Goethesche Heiterkeit” sowie an Victor Hugos Leistung in der Romantik-Schlacht, mir der er seinen Beitrag zur Erneuerung der Literatur vergleicht, erinnert. Nachdem der gesamte Werdegang des Dramatikers und Epikers mit vielen Details nachgezeichnet wird, unterstreicht Ion Marin Sadoveanu, der selbst Schriftsteller war und in seiner Bukarester Chronik der Jahrhundertwende (Sfârºit de veac în Bucureºti) einen deutlichen narrativen Hauch Hauptmannscher Milieuschilderungsweise spüren läßt, den Widerstand Hauptmanns gegen die totale Vereinnahme durch die Nazis:

In der Zeit des Naziterrors sagt sich Hauptmann los von der militaristischen und nazistischen Denkweise und fördert das humanistische und demokratische Denken.

Die Reaktion der rumänischen Presse auf den 100. Geburtstag Hauptmanns kann - angesichts der damals noch recht starken proletkultistischen Welle - als recht gemäßigt angesehen werden. Dieser Befund wird durch mehrere Beiträge des rumäniendeutschen Literaturbetriebs jener Zeit bekräftigt. Da ist zunächst ein in der Herangehensweise des sozialistischen Realismus felsenfest verankerter, in der Bukarester “Neuen Literatur” veröffentlichter Aufsatz von Franz Liebhard mit dem Titel “Zu Gerhart Hauptmanns Zentenarium”, in dem des “unerbittlichen Gesellschaftskritikers” gedacht wird, der trotz einer zeitweiligen “neoromantisch-symbolistische[n] Trübung seines Auges” vermochte, “dem Triumph der Wirklichkeit über alles Schatten- und Dunsthafte” zum Durchbruch zu verhelfen. Mit dem Aufsatz will der Verfasser den bösen Absichten der westlichen Hauptmann-Feierlichkeiten in Köln, der vermeintlichen Vereinnahme dieses Jubiläums durch die “landsmannschaftlich-irredentistische Hetzkampagne gegen den östlichen Nachbarn des deutschen Volkes” entgegentreten. Er be-dient sich dabei des gesamten Arsenals des Proletkultismus: Lunatscharskis Essay “Goethe und Hauptmann” wird ebenso aufdringlich als höchste Instanz angerufen wie die “Anhäufung von Symptomen des moralisch-gesellschaftlichen Hinsterbens der bürgerlichen Klasse” diagnostiziert. Die Vielfalt der Töne und Farben in Hauptmanns Werk ist für Liebhard ein Zeichen seiner “verschwommenen Klassenlage”, die aber auch wirklich alles erklären kann: darin steckten die Wurzeln des zeitweiligen Schwankens zwischen Realismus als Blick und Kunstpraxis und den gelegen-tlichen Opfergängen zu den weihrauchumwölkten Altären idealistischer Beschwörungen von Übernatürlichem.

Lenins Stellung zu den von seiner eigenen Schwester übersetzten Webern wird ebenfalls bemüht, um die These von der “Einheit zwischen Realismus des Lebens und Realismus der Dichtung” zu erhärten. Zugleich unterstreicht der Verfasser die humanistische Haltung Hauptmanns in seiner Rede zum 60. Geburtstag in der Berliner Universität und die Bedeutung der Atridentetralogie (1941-1944), in der er “der Verurteilung der nazistischen Barbarei, der Opposition des vereinsamten Humanisten Ausdruck” verliehen hatte, “der sein großes Mutterland verschlicken sah zum pestilenzialischfaulen Sumpf”.

Im gleichen Jahr 1962 erschien in deutscher Sprache ein Band mit zwei Stücken Hauptmanns im Bukarester Jugendverlag. In der Einleitung von Viktor Theiß (45) tummeln sich stellenweise die gleichen Floskel vom Eintreten Hauptmanns “für die Ausgebeuteten, für das Proletariat”, von seinem “Mangel an ideologischer Einsicht und histori-schem Weitblick”, von den “Grenzen des bürgerlichen Schriftstellers Gerhart Hauptmann”, denn das Drama Die Weber

endet nicht mit einem optimistischen Ausblick auf die Zukunft, mit einem Hinweis darauf, daß der Kampf der Ausgebeuteten gegen deren Ausbeuter fortgesetzt, bis zum siegreichen Ende fortgeführt werden wird, sondern im Gegenteil, es klingt pessimistisch, mit einem deutlichen Anflug von Fatalismus aus.

Das war aber die Hauptforderung aus dem Katalog des sozialistischen Realismus! Wozu der Band dann dienen sollte? “Durch die sozialistische Schule soll auch der jungen Generation das Bleibende aus G. Hauptmanns Werk übermittelt werden.”

Die damaligen rumäniendeutschen ideologischen Wächter gaben sich - im Vergleich zu ihren rumänischen Hauptmann-Herausgebern und -Kommentatoren - viel katholischer als der (rote) Papst. In diesen Bemühungen standen ihnen manche Kollegen aus der DDR bei. Im Heft 1/1963 veröffentlichte die “Neue Literatur” einen an Ge-meinplätzen ideologischer Stellungnahmen und “Richtigstellungen” wimmelnden, geradezu als programmatisch anzusehenden Aufsatz von Martin Draegger mit dem Titel “Gerhart Hauptmann und wir (46). Darin wird “die zentrale weltanschauliche Schwäche” Hauptmanns mit erstaunlicher Leichtigkeit erkannt - nämlich in dem Umstand, daß er ein “Mitleidender” bleibe, “ohne zum Mitkämpfer zu werden”. Flaubert und Wilhelm Dilthey muten dem Verfasser an, als seien sie einem “romantischen Kapitalismus” verpflichtet. Mit der Versunkenen Glocke stellt Draegger bei Hauptmann “den endgültige(n) Durchbruch des Mystizismus, die ganz im Diltheyschen Sinne erfolgende mythische Verklärung von Tod und Untergang” fest. Die “pantheistische Religiösität” des frühen Hauptmann habe sich im Laufe seiner Entwicklung mit der “Volksverbundenheit” gepaart. Das Fazit der Betrachtungen stand programmatisch von Anfang an fest:

Wir leugnen nicht die ernsten Fehler und tragischen Versäumnisse, die es an so entscheidenden Wendepunkten deutscher Geschichte wie 1914, 1918 und 1933 - Wendepunkten zum Guten wie zum Bösen - bei Gerhart Hauptmann gegeben hat. Aber wir müssen angesichts seines großen, erregend gestalteten Lebenswerks betonen: nicht das ist Gerhart Hauptmann, dessen wir zu gedenken haben und dessen 100. Geburtstag ein Feiertag der Weltfriedensbewegung sein darf. Vielmehr geht es uns um jenen unablässig Ringenden, der sein Volk mit ganzem Herzen suchte und am Abend seines Lebens endlich die Kraft fand, mitten im faschistischen Deutschland ein Buch zu schreiben wie seine Autobiographie ‘Das Abenteuer meiner Jugend’ (1937), in der er sich mit Militarismus und Nationalismus auseinandersetzt und für Humanismus und Demokratie eintritt. Die dort niedergelegten Erkenntnisse und Erfahrungen eines langen Lebens habe ihn denn auch bewogen, nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus durch die Sowjetarmee sich dem antifaschistisch-demokratischen Neuaufbau zur Verfügung zu stellen und bis zu seinem Tode als Ehrenpräsident des Kulturbundes daran mitzuwirken. Es ist der echte und jederzeit über alle Irrungen hinweg subjektiv ehrliche Humanismus dieses Dichters, zu dem wir uns erneut bekennen - wir, die heute verwirklicht sehen, was er vergeblich suchte.

Bevor der Vorhang noch einmal - und zwar für längere Zeit - fällt, meldet sich diesmal noch der rumänische Komparatist Al. Dima zu Wort und würdigt Hauptmann in einem in der besonders niveau- und anspruchsvollen Zeitschrift für Weltliteratur “Secolul XX” (20. Jahrhundert) veröffentlichten Beitrag als einen “großen Humanisten” (47), nicht jedoch sich der damals obligatorischen Pflichtkür entziehen zu können, auf die “Aufnahme des Hauptmannschen Werkes in Rußland” hinzuweisen, wo “der große Stanislawski eine glänzende Aufführung der ‘Versunkenen Glocke’ mit Gorkis Frau in der Hauptrolle geboten hat.” Lenin selbst habe “Seite für Seite die Übersetzung der ‘Weber’ durch seine Schwester überprüft.” Die inhaltliche und ästhetische Analyse verläßt leider auch bei Dima selten das Prokrustesbett ideologischer Platitüden. Nur der Schluß des kurzen Aufsatzes erinnert an den Komparatisten Dima:

Neben Alexandre Dumas-dem Sohn, neben H. Ibsen, Björnson oder Strindberg schenkte Hauptmann dem europäischen dramatischen Schaffen nicht nur ein Theater der Empfindungen, sondern auch ein Gedankentheater, das weltweit gültige soziale Probleme hervorhebt.

Der Vorhang ist gefallen. Zwei Jahre später erschien eine - der Einführung Hans Mayers stark verpflichtete - Besprechung der Hauptmannschen ausgewählten Werke in acht Bänden in der “Viaþa Româneascã (48), drei Jahre danach verzeichnete man eine beachtliche editorische Leistung: 1968 erschien eine zweibändige, die bisher also umfangreichste Hauptmann-Ausgabe in rumänischer Sprache, die 12 Stücke enthielt. Das Vorwort dazu schrieb die Theaterwissenschaftlerin Ileana Berlogea, die den Autor der Weber dem Leser der Theaterzeitschrift “Teatrul” bereits Jahre vorher vorgestellt hatte und nun dem damals Ausgeführten kaum Wesentliches hinzufügt (49).

Man stelle nun sich die Verwunderung des Forschers vor, der nun eifrig in der literarischen Presse der Zeit nach Besprechungen, Stellungnahmen und dergleichen sucht - und vergeblich sucht. Nicht ein einziger Beleg des auch nur geringsten Interesses. Die Fachwelt schweigt sich aus. Worin kann dieser merkwürdige Umstand begründet sein? Nein, wir haben kaum daran gedacht, nach einem solchen editorischen Ereignis könnte die totale Funkstille herrschen. Und dennoch war es so: die Recherchen führten uns zu diesem Befund. Die Erklärung dieser Merkwürdigkeit ist sowohl im außer- als auch im innerliterarisch-ästhetischen Bereich zu suchen. Es war das Jahr 1968, die Zeit, in der der neue Bukarester Kommunisten-Führer Ceauºescu durch das Nichteinmarschieren in die Tschechoslowakei auch eine neue hoffnungspendende, liberalere Entwicklung einleitete. Die Intellektuellen nützen die Gunst der Stunde aus und intensivieren ihre Bemühungen um Autoren und Werke der Moderne, die in der Zwischenkriegszeit zur allgemeinen Bildung gehörten. Man spricht über den Expressionismus, über Kafka und Höl-derlin, über die rumänische und europäische Literatur-Avantgarde, über rumänische, durch den Proletkultismus in Vergessenheit gedrängte Autoren, aber auch über ganz neue Entwicklungen wie den französischen “nouveau roman”, über den Existentialismus, über Camus, Unamuno und Sartre, über das dokumentarische Theater Reinhart Kipphards, über Eugen Ionesco und Samuel Beckett. Die Fachpresse der Zeit ist voll von Studien, Aufsätzen, Präsentationen, Besprechungen. Als ob man’s eilig hätte. Für den gutmütig-humanistisch gesinnten Hauptmann war jetzt keine Zeit mehr. Wichtigere Autoren und Werke, nach denen man sich die Wünsche und Sehnsüchte an der platten proletarischen Propaganda wund gerieben hatte, standen auf der Tagesordnung. Zur erwähnten zweibändigen rumänischen Ausgabe der Hauptmann-Werke fanden wir eine einzige öffentlich artikulierte Reaktion: die Besprechung des Bandes durch Gyöngyösi Gábor in der ungarischsprachigen Wochenschrift “Utunk” (50).

Zwischendurch sorgte die Aufführung manch eines Stückes von Hauptmann dafür, daß er nicht voll und ganz in Vergessenheit geriet: Sonnenuntergang wird in Baia Mare (51) rumänisch, Der Biberpelz in Temeswar (52) und Fuhrmann Henschel in Hermannstadt (53) deutsch aufgeführt. Die Stellungnahmen heben mehr die schauspielerischen Leistungen hervor und schneiden inhaltliche Aspekte allgemeiner Natur an. Daß auch eine andere Diskursart möglich war, bezeugt die Besprechung von Wolf Aichelburg zu Fuhrmann Henschel, in der er unmißverständlich sagte: Das Publikum begeisterte sich “an der schmucklosen Darstellung einer beliebigen Alltagsmisere kleiner Leute”, doch Hauptmann sei kaum “der Mahner, der Kämpfer, der Prophet”. Man könnte sich heute verwundert die Frage stellen: Na und, was ist das Besondere an einer solchen Äußerung? Eben darin, daß Aichelburg durch solche Aussagen indirekt mit den sonstigen, zum Teil auch hier erwähnten Hauptmann-Interpreten polemisiert. Was war am “Gewissensappell” Hauptmanns? “Der konnte allenfalls hinzugedichtet werden.” Ein kühner Gedanke in einer unscheinbaren Besprechung einer Theateraufführung!

Auch in den ungarischsprachigen Publikationen wird gelegentlich auf Gerhart Hauptmanns Werk eingegangen, doch wegen der Unkenntnis des Ungarischen können wir uns dazu nicht äußern (54).

Auf eine solide Studie muß an dieser Stelle noch hingewiesen werden. Der DDR-Hauptmann-Spezialist H. D. Tschörtner (55) veröffentlichte in der Bukarester “Neuen Literatur” den Beitrag “Die Zeit der Finsternisse. Gerhart Hauptmann und sein Werk nach 1933 (56). Ohne allzu viele Übertreibungen erklärt der Aufsatz Hauptmanns schwierige Situation in den 30er Jahren:

Wenn er auch die ökonomischen Wurzeln des braunen Regimes nicht durchschaute, ließ Hauptmann sich doch nicht gleichschalten, verriet er die humanistische Konzeption seines Werkes nicht.

Einfühlsam wird seine trotzende juden-freundliche, gegen den Krieg gerichtete Haltung hervorgehoben und seine Worte auf die Kunde vom Selbstmord Hitlers angeführt: “Der blutigste Phraseur der Weltgeschichte ist ausgelöscht wie ein Talglicht.” Im zweiten Teil der Studie werden die “romantischen und literarhistorischen Themen” angegangen, denen sich Hauptmann nach 1932 zuwandte - dem Iphigenie-Stoff bzw. der Auseinandersetzung mit dem “wunderbaren Weimaraner”, dessen Leistung er bewunderte:

Großer Lehrer an meiner Seite
Großer Freund, mit dem ich schreite,
angeschlossen in Gottesnamen,
stets bereit, dich nachzuahmen!;

der Auseinandersetzung mit Shakespeare bzw. mit der Hamlet-Gestalt (vor allem im Roman Im Wirbel der Berufung) oder mit Dante Alighieris Werk (auffällig in Der große Traum). Rudolf Alexander Schröder habe seinerseits im Zusammenhang mit dem Großen Traum eine mögliche Traditionslinie Hauptmanns angedeutet:

Einer der großen deutschen Würfe, wie der Ofterdingen von Novalis, die Kronenwächter von Achim von Arnim, der Hofmannsthalsche Andreas.

Allerdings wird dieser gut dokumentierte Aufsatz von der Evokation der Beisetzungsfeierlichkeiten im Beisein hoher Politfunktionäre überschattet.

Hiermit kann festgestellt werden, daß sowohl die rumänischsprachige als auch die deutschsprachige Publizistik in Rumänien nur Ergebnisse der DDR-Hauptmann-Forschung ihren Lesern vorstellte, was nur durch ideologische Zwänge zu erklären ist - obwohl der Überwachungsmechanismus in der liberaleren Periode (1964-1984) erstaunlich oft ein Auge zudrückte und viele interessante Beiträge zuließ. Dies geschah auch im Falle einiger rumäniendeutscher Theaterkritiker und Autoren.

Aus Anlaß der eigenwilligen Aufführung von Hauptmanns Rose Bernd im deutschen Theater in Hermannstadt verzeichnen wir noch eine bedeutende Stellungnahme in der deutschsprachigen Presse Rumäniens. Wolf Aichelburg begrüßte die “sprachliche und stoffliche Übertragung ins Siebenbürgisch-Sächsische” als “gelungen” (57). Die stilistische Grazie des Dichters Aichelburg prägt sich dem Leser ein: Die Sprache Hauptmanns sei in diesem Stück “plastisch und bunt, auch rauh und zerrissen, vielfach gewachsen oder von der Wirklichkeit abgezogen wie eine Haut. Da galt es, Gleichwertiges zu schaffen, zu übertragen, eine Freiheit, die den Übersetzer ebenso belastet, wie sie ihm fast unbegrenzten Spielraum gibt.” Die Übertragung sei nicht zuletzt auch deswegen gelungen, weil es “in Siebenbürgen [...] noch, zumindest der Mentalität nach, entsprechendes lebendiges Bauerntum” gäbe. Zur gleichen Aufführung äußert sich auch Wolfgang Wittstock in der Kronstädter “Karpaten-Rundschau” (58).

Im Zusammenhang mit Hauptmanns Elektra in der Aufführung desselben Theaters stellte Emmerich Reichrath (59) fest, es ließe sich nachweisen, daß Hauptmanns Antike-Bild und seine Auffassung des Tragischen bereits im Tagebuch seiner Griechenlandreise 1907 ausgeprägt sind und sich wesentlich unterscheiden vom klassischen Humanitätsideal (wie es beispielsweise in Goethes ‘Iphigenie’ zum Ausdruck kommt).

Stellungnahmen zu dieser Elektra-Aufführung sind noch in der “Karpaten-Rundschau” und in der rumänischen Zeitschrift “Teatrul” erschienen (60).

1979 strahlte das Rumänische Fernsehen eine Bearbeitung der Weber aus. Doch der Widerhall ist bei weitem nicht zu vergleichen mit dem Echo, das dieses - unaufgeführte, weil verbotene - Stück in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgelöst hatte. Allein die Zeitschrift “Teatrul” vermerkt das Kulturereignis in einer sehr kurzen Stellungnahme (61).

In diese eigentich sehr nüchternen rezeptionsgeschichtlichen Betrachtung hinein gehört auch ein Fall, der Seltenheitswert besitzt. Erst 1985 wurde durch die Bemühungen der Forscherin Claudia Dimiu der Text einer vom bekannten, selbst in viele Fremdsprachen übersetzten rumänischen Prosaautor Liviu Rebreanu angefertigten Übersetzung veröffentlicht. Hauptmanns Biberpelz wurde 1940 im Bukarester Theater “Munca si voie buna” (Arbeit und gute Laune) aufgeführt. Doch das aufgefundene Manuskript trägt keine Aufzeichnung von Theaterleuten, wie das sonst bei anderen Texten der Fall ist. Auch hätte die Öffentlichkeit das Zusammenwirken des bekannten Regisseurs Victor Ion Popa und des weltberühmten Romanciers nicht unerwähnt gelassen. Deshalb nimmt die Forscherin an, es handele sich um einen bis dahin unbekannten Text Rebreanus (62). Zumal der Theaterkritiker Rebreanu stets die Ansicht vertrat, der Übersetzer spiele eine ebenso wichtige Rolle wie der Autor selbst, so daß er anregte, der Name des Übersetzers müsse unbedingt auf den Plakaten stehen. Mit der eigenen Übersetzung des Biberpelzes und von Tschechovs Drei Schwestern wollte der reife Schriftsteller beispielhafte rumänische Fassungen schaffen, um den vielen zweifelhaften, dilettantischen Übersetzungen entgegenzuwirken. Dabei stellt Claudia Dimiu zwischen Hauptmanns Stück und Rebreanus Theaterstücken Berührungspunkte fest wie:

die Schärfe der Satire, die Vorliebe für dieselbe Sorte von Gestalten; [...] das Verhältnis der zusammenkom-menden oder auseinandergehenden Paare in ‘Cadrilul’ (Die Quadrille; G.G.) [...] sieht - in psychologischer Hinsicht - ungefähr gleich aus wie im Falle der (nicht) entdeckten Diebstähle im ‘Biberpelz’.

Solche gemeinsame Präferenzen veranlaßten Dimiu zu der Behauptung, daß

Rebreanus Theater wertvoller ist, als die Theaterkritiken und unsere Theatergeschichten es bisher wahrgenommen und festgehalten haben.

In der Rechtfertigung der Textveröffentlichung führt Dimiu folgendes aus:

Wir fördern hiermit ans Tageslicht einen Akt aus dem Stück von Hauptmann, mit dem Rebreanu wahlverwandtschaftlich verbunden war, als zusätzliches Argument für die Liebe und das Interesse des großen Schriftstellers für das Theater (63).

Abschließend kann gesagt werden, daß die - bisher nur teilweise erfaßte (64), hier erstmalig einer zusammenhängenden Analyse unterzogene - Hauptmann-Rezeption in Rumänien fast synchron verlaufen ist mit der Durchsetzung des Autors selbst in der deutschen Öffentlichkeit. Sie markierte die bedeutendsten Momente seiner schriftstellerischen Entwicklung durch zum Teil beachtliche Beiträge. Gemessen an der Rezeption anderer deutschsprachigen Autoren (wie etwa Goethe, Schiller, Hölderlin, Rilke oder Kafka) nimmt sich Hauptmanns Aufnahme in Rumänien vom Umfang her bescheidener aus, qualitativ liegt sie auf alle Fälle wesentlich darunter. Als ein Spezifikum der Rezeption der deutschen, aber auch anderer Literaturen, also auch der Rezeption der Werke Hauptmanns in Rumänien kann der Umstand angesehen werden, daß sie einmal in den rumänischsprachigen, gleichzeitig aber auch in den Sprachen der in Rumänien lebenden Minderheiten herausgegebenen, also in deren Publikationen erfolgte, was ja verstärkt zur multikulturell geprägten Popularisierung auch dieses Schriftstellers in unserem Land beitrug.

Die Rezeption der Werke von Gerhart Hauptmann erfolgte also auch in Rumänien im Einklang mit den eigenspezifischen Entwicklungen dieses Landes. Wir sind überzeugt, daß in Rumänien eine Wiederentdeckung Gerhart Hauptmanns bevorsteht.
 


ANMERKUNGEN:

(1) Siehe dazu unsere Ausführungen in George Guþu, Rilke und Rumänien. Rezeptionsgeschichtliche und -ästhetische Aspekte, in: Rilke, die Donaumonarchie und ihre Nachfolgestaaten. Vorträge der Jahrestagung der Rilke-Gesellschaft 1993 in Budapest, hrsg. v. Ferenc Szász, Budapest 1994, S. 159-180.

(2) Ion Ianoºi, Philosophie als Kunst? Antworten des rumänischen Geistes auf eine Grundfrage des deutschen, in: Rumänisch-deutsche Interferenzen. Akten des Bukarester Kolloqiums über Literatur- und Geistesbeziehungen zwischen Rumänien und dem deutschen Sprachraum, 13. - 15. Oktober 1983, Carl Winter Universitätsverlag, Heidelberg 1983, S. 103 - 117, bzw. Constantin Noica, Deutschland von außen gesehen, oder “Wenn Deutschland zugrunde geht...”, ebda., S. 249.

(3) Siehe dazu George Guþu, Rezeptionsgeschichtliches am Rande der Übersetzungen von Goethes “Torquato Tasso” durch Mihai Eminescu und Laura M. Dragomirescu, in: “Zeitschrift der Germanisten Rumäniens”, 1-2 (7-8)/1995, S. 22-32.

(4) C. ªãteanu, Gerhat Hauptmann. - Poetul - Romancierul - Filosoful.- A 70-a aniversare a naºterii sale, in: “Adevãrul literar ºi artistic” (weiter als “ALA” angeführt), 20. November 1932, S. 5.

(5) Ebda.

(6) Hauptmann (Gerhart), Þesãtorii. Dramã. Tradusã de R. Lascãr ºi I. Colnic, Biblioteca ªaraga Nr. 6, Jassy o.J.

(7) Gerhart Hauptmann, Þesãtorii. Dramã socialã în 5 acte, tradusã din limba germanã de B. Marian ºi Mons (cu portretul autorului), Editura Librãriei Naþionale Nicu D. Miloºescu, Tîrgu Jiu 1896.

(8) G. Bogdan Duicã, Gerhart Hauptmann, in: “Floare Albastrã”, 9./10. November 1898; Mihai Traian, Gerhart Hauptmann, in: “Familia”, 1898, S. 411-414, 427f., 436-439; Eleonora Stratilescu, Dramele lui Gerhart Hauptmann, in: “Convorbiri literare”, 15. April 1899, S. 313-334.

(9) Gérard Hauptmann, Les tisserands. Drame en cinq actes, en prose. Traduction française de M. Jean Thorell, G. Charpentier et E. Fasquelle, Paris 1893.

(10) Paul Schlenther, Gerhart Hauptmann. Sein Lebensgang und seine Dichtung, S. Fischer, Berlin 31898.

(11) Emil Sulger-Gebing, Gerhart Hauptmann. Mit einem Bildnis des Dichters. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage, B. G. Teubner, Leipzig und Berlin 1916. Interessanterweise ist dieses Bildnis auch in späteren rumänischen Publikationen zu sehen.

(12) Siehe “Adevãrul” (Budapest), 8/1909, S. 3.

(13) Suflete stinghere. Dramã de Gerhart Hauptmann. Traducere de E. Marghita, (Bukarest) o. J. (1911).

(14) Gerhart Hauptmann, Clopotul scufundat. Piesã în cinci acte. Traducere de J. H. G., Tipografia Coouper “Poporul”, Bucureºti 1911.

(15) Paul Constantin, Gerhart Hauptmann. Cu prilejul premiului Nobel, in: “Flacãra”, 17. November 1912, S. 37; C. T., Gerhart Hauptmann, in: “Luceafãrul” (Hermannstadt/Sibiu), 1. Dezember 1912, S. 737f.; E.G., Dãri de seamã. Gerhart Hauptmann, Atlantis, in: “Luceafãrul” (Hermannstadt/Sibiu), 16. Februar 1913, S. 139f; C. Paul, Miºcarea literarã în strãinãtate. În Germania. Piesa de galã a lui Gerhart Hauptmann, dramaturgul premiat cu Nobel, scrisã cu prilejul centenarului 1813-1913 (Festspiel in deutschen Reimen), in: “Flacãra”, 17. August 1913, S. 350.

(16) Siehe Ovid S. Crohmãlniceanu, Literatura românã ºi expresionismul, Editura Eminescu, Bucureºti 1971.

(17) Siehe George Guþu, Die rumänische Literatur der Avantgarde im deutschsprachigen Raum. Rezeptionsgeschichtliche und -ästhetische Überlegungen, in: Germanistentreffen Bundesrepublik Deutschland - Bulgarien - Rumänien, DAAD, Bonn 1993, S. 149 - 173.

(18) Gerhart Hauptmann, Tatãl. În româneºte de E. Marghita, Editura Adevãrul, Seria Lectura: Floarea literaturilor strãine Nr. 140, Bucureºti 1922.

(19) Gerhart Hauptmann, Suflete stinghere. Dramã. În româneºte de E. Marghita, Cultura Naþionalã, Bucureºti 1922.

(20) Leon Donici, Gerhart Hauptmann, in: “Gândirea”, 20. Dezember 1922, S. 111-113; P. Sweditsch, Sãptãmîna lui Hauptmann, in: “Revista vremii politice, literare ºi economice”, 14. Januar 1923, S. 20f.

(21) G. Hauptmann, Clopotul scufundat. Poem dramatic german în cinci acte, Prelucrat în limba româneascã de Constantin Berariu, Glasul Bucovinei, Cernãuþi 1930 (Extras din revista “Junimea literarã”, anul XIX, No. 14, Ianuarie-Aprilie 1930.)

(22) Mehrere diesbezügliche Angaben sind zu finden in: Ileana Berlogea, Gerhart Hauptmann, in: “Teatrul”, 11/1962, S. 88-89.

(23) Gerhart Hauptmann, Clopotul scufundat. În româneºte de Adrian Maniu, Editura Cultura Poporului, Bucureºti 1939 (Biblioteca Teatrului Naþional, Serie Nouã, No. 1)

(24) Bibliografia Republicii Socialiste România, editatã de Biblioteca Centralã de Stat, Bucureºti (1960 ff.).

(25) Ion Sân-Giorgiu, Gerhart Hauptmann. Câteva note cu prilejul aniversãrii sale, in: “ALA”, 12. November 1922, S. 1. In der gleichen Nummer stehen auf S. 5 recht ausführliche biographische Angaben zu Hauptmann.

(26) Ionel Pavelescu, Un nou roman de Gerhart Hauptmann, in: “ALA”, 24. Februar 1924, S. 8 (mit Bild).

(27) *** Basm fantastic de Hauptmann, in: “ALA”, 8. März 1925, p. 8 (mit Bildnis).

(28) *** Un interviu al lui Gerhart Hauptmann, in: “ALA”, 14. August 1927, S. 7.

(29) Al. N. Biaz, Gerhart Hauptmann, in: “ALA”, 27. November 1927, S. 5 (mit Bildnis).

(30) Siehe auch: Bernhard Capesius, Gerhart Hauptmann. Cu prilejul jubileului de 70 de ani, in: “Revista Germaniºtilor Români”, 3/1932, S. 207-215

(31) *** Aniversarea lui Gerhart Hauptmann, in: “ALA”, 2. Oktober 1932, S. 8. Siehe auch: M. Sevastos, Gerhart Hauptmann, in: “ALA”, 16. November 1932, S. 1; Fritz Engel, Poetul dragostei de oameni, in: “ALA”, 17. November 1932, S. 1f.

(32) Izabela Sadoveanu, Sãrbãtorirea lui Gerhart Hauptmann, in: “ALA”, 20. November 1932, S. 5.

(33) C. ªãteanu, a.a.O. Siehe auch: Ion Sân-Giorgiu, Gerhart Hauptmann, in: “Gândirea”, 4/1934, S. 113-118; Dan Botta, Cronica dramaticã. Teatrul Naþional. Clopotul scufundat, cinci acte în versuri de Gerhart Hauptmann, in: “Gândirea”, 1/1939, S. 51-54.

(34) Heinrich Zillich, Vier große Romane, in: “Klingsor”, 9/1925, S. 348ff.

(35) In: “Klingsor”, 1/1926, S. 40.

(36) In: “Klingsor”, 6/1927, S. 239.

(37) In: “Klingsor”, 12/1935, S. 514.

(38) Ion Sân-Giorgiu, Gerhart Hauptmann la optzeci de ani, in: “Universul literar”, 6. Dezember 1941, S. 1 und 3; Paul Merker, Gerhart Hauptmann. Liniile fundamentale ale evoluþiei sale poetice, in: “Revista Fundaþiilor Regale”, 12/1942, S. 503-510; Al. T., Gerhart Hauptmann, in: “Universul literar”, 7. November 1942, S. 2; Traian Chelariu, Gerhart Hauptmann, in: “Universul literar”, 14. November 1942, S. 3.

(39) Gerhart Hauptmann, Teatru. Cu o prefaþã de Ion Marin Sadoveanu, ESPLA, Bucureºti 1958. (Darin enthalten sind: “În zori”, în româneºte de N. Argintescu-Amza,” Þesãtorii”, în româneºte de Paul B. Marian ºi Isaia Rãcãciuni, “În amurg”, în româneºte de N. Argintescu-Amza.)

(40) Lidia I. Golea, Gerhart Hauptmann - Poetul, in: “Secolul XX”, 9/1961, S. 172f.

(41) Ileana Berlogea, Gerhart Hauptmann, a.a.O.

(42) Cornel Cãpuºan, Gerhart Hauptmann. 100 de ani de la naºterea sa, in: “Tribuna”, 13. Dezember 1962, S. 9.

(43) I. Hurdubeþ, Gerhart Hauptmann, in: “Luceafãrul”, 15. November 1962, S. 12.

(44) Ion Marin Sadoveanu, Gerhart Hauptmann, in: “Viaþa Româneascã”, 12/1962, S. 166-168.

(45) Viktor Theiß, Vorwort zu: Gerhart Hauptmann, Die Weber. Der Biberpelz, Jugendverlag, Bukarest 1962, S. 5-23.

(46) Martin Draegger, Gerhart Hauptmann und wir. Versuch über ein Problem aus der Entwicklung des Dichters, in: “Neue Literatur”, 1/1963, S. 133-138.

(47) Al. Dima, Gerhart Hauptmann, un mare umanist, in: “Secolul XX”, 2/1963, S. 134-137.

(48) Ion Hurdubeþiu, O ediþie criticã a operelor lui Gerhart Hauptmann (Gerhart Hauptmann, Aus-gewählte Werke in acht Bänden /Dramen und Prosa/. Hrsg. v. Hans Mayer, Aufbau-Verlag, Berlin 1962), in: “Viaþa Româneascã”, 3/1965, S. 165-167.

(49) Gerhart Hauptmann: Teatru, vol I ºi II, ELU, Bucureºti 1968. Bd. I: În zori. Dramã socialã în cinci acte, în româneºte de N. Argintescu-Amza; Oameni singuratici. Dramã în cinci acte, în româneºte de Paul B. Marian, Þesãtorii. Dramã din deceniul al cincilea, în româneºte de Paul B. Marian ºi Isaia Rãcãciuni, Blana de biber. O comedie cu hoþi, în româneºte de Mariana Crainic-Aubert ºi Sevilla Rãducanu; Florian Gayer. Tragedia rãzboiului þãrãnesc în cinci acte, cu un prolog, în româneºte de Const. Streia ºi Iustin Morãrescu; Bd. II: Clopotul scufundat. Feerie germanã în cinci acte, în româneºte de ªtefan Aug. Doinaº; Cãrãuºul Henschel. Piesã în cinci acte, în româneºte de Mariana Crainic-Aubert; Michael Kramer. Dramã în patru acte, în româneºte de Maria Domilescu; Evaziunea lui Gabriel Schilling. Dramã în cinci acte, în româneºte de N. Argintescu-Amza; În amurg. Dramã în cinci acte, în româneºte de Nicolae Argintescu-Amza.

(50) Gyöngyösi Gábor, Gerhart Hauptmann. A takácsok. Bukarest. Irodalmi Könyvkiadó, 1968, in: “Utunk”. 15. November 1968, S. 8.

(51) Ion Cocora: Gerhart Hauptmann, În amurg, in: “Tribuna”, 25. febr. 1971.

(52) Ludwig Schwarz, Gediegene Heiterkeit. Klaus Heydenreichs “Biberpelz” in Temeswar, in “Karpaten-Rundschau”, 3. Dezember 1971, S. 8; Helga Reiter, “Toppgucken is nich”, in: “Neuer Weg”, 11. Dezember 1971; Eduard Schneider, Dreimal komödiantisches Theater. Gerhart Hauptmann, Der Bibelpelz, in: “Neue Literatur”, 3/1972, S. 107-109.

(53) Wolfgang Wittstock, Gerhart Hauptmann, Fuhrmann Henschel, in: “Karpaten-Rundschau”, 8. November 1974, S. 4-5; Emmerich Reichrath, Sozialer Pulsschlag der Geschichte, in: “Neuer Weg”, 9. November 1974, S. 3; Wolf Aichelburg, Gerhart Hauptmann, Fuhrmann Henschel. Hauptmann-Premiere in Sibiu, in: “Neue Literatur”, 12/1974, S. 95-96.

(54) Rotoók János, Egy elfelejtett lázadó: Gerhart Haupt-mann, in: “Utunk”, 4. Juni 1971; Szöcs István, Gerhart Hauptmann. Naplemente elött. Nagyváradi Állami Színház, in: “Elöre”, 18. April 1973, S. 2; Páll Árpád, Jubileumon ínnen és tül. A Naplemente elött. Nagyvárdon; Gerhart Hauptmann, Nagyváradi Állami Színház, in: “A Hét”, 25. Mai 1973, S. 11.

(55) Bekannt durch eine gute Gerhart-Hauptmann-Bibliographie, Berlin 1971.

(56) H. D. Tschörtner, Die Zeit der Finsternisse. Gerhart Hauptmann und sein Werk nach 1933, in: “Neue Literatur”, 11/1974, S. 72-85. Siehe von demselben auch Ungeheures erhofft. Zu Gerhart Hauptmann, Werk und Wirkung, Berlin 1986.

(57) Wolf Aichelburg, Übertragung in unser Milieu gelungen. Premiere in Sibiu mit Hans Pomarius’ Bearbeitung der “Rose Bernd” von Gerhart Hauptmann, in: “Neuer Weg”, 3. Juni 1978, S. 3.

(58) Wolfgang Wittstock, Das allgemein Menschliche: Liebe und Leid. Gerhart Hauptmann, Rose Bernd. Bearbeitung von Hans Pomarius in der deutschen Abteilung des Staatstheaters Sibiu, in: “Karpaten-Rundschau”, 2. Juni 1978, S. 4.

(59) Emmerich Reichrath, Der Mut zum Versuch. Gerhart Hauptmanns “Elektra” an der deutschen Abteilung des Staatstheaters Sibiu aufgeführt, in: “Neuer Weg”, 7. April 1984, S. 3f.

(60) Annemarie Schuller, Gerhart Hauptmann, Elektra. deutsche Abteilung des Staatstheaters Sibiu, in: “Karpaten-Rundschau”, 20. April, 1984; Ileana Berlogea, Gerhart Hauptmann, Elekrtra, la teatrul de stat din Sibiu, secþia germanã, in: “Teatrul”, 6/1984 S. 52-54.

(61) Constantin Radu-Maria, “Þesãtorii” de Gerhart Hauptmann, in: “Teatrul”, 7-8/1979, S. 180.

(62) Claudia Dimiu, Liviu Rebreanu. Traduceri. Din dramaturgia lui Gerhart Hauptmann, in: “Manuscriptum”, 3/1985, S. 17f.

(63) Der Text der rumänischen Übersetzung: Gerhart Hauptmann, Blana de Biber. Comedie în patru acte. Traducere de L. Rebreanu. Actul al IV-lea. Transcris de Claudia Dimiu, ebda. S. 19-26. Zu den letzten noch auffindbaren Hauptmann-Kritiken gehört auch: Szász János, Gerhart Hauptmann negyven év után, in: “Utunk”, 27. Juni 1986, S. 4.

(64) Ein diesbezüglich wichtiges Werk ist: Sigfrid Hoefert, Internationale Bibliographie zum Werk Gerhart Hauptmanns, Erich Schmidt Verlag 1989, Bd. II, S. 490-492.
 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., 1-2 (11-12) / 1997, S. 257-268

 

 

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