Home | BAC/Teze | Biblioteca | Jobs | Referate | Horoscop | Muzica | Dex | Games | Barbie

 

Search!

     

 

Index | Forum | E-mail

   

 Bine ati venit in sectiunea dedicata limbii si literaturii germane. In aceasta sectiune veti avea posibilitatea sa descoperiti multe lucruri utile care speram sa va ajute la cursuri. Willkommen bei ScoalaOnline!

 

 
 
 
 
 + Click:  Grupuri | Newsletter | Portal | Ziare,Radio/TV | Forum discutii | Premii de excelenta | Europa





 

 

 

Zuruck zum index

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 15./16. Jg., 1-2 (29-30) / 2006, 1-2 (31-32) / 2007, S. 738-759

 

 

AUS DEN ARCHIVEN

 

 

Briefe von Émile M. Cioran an Wolfgang Kraus

(1971-1990). Eine Auswahl[1]

Herausgegeben von George Guþu

 

 

1.

E. M. Cioran

21, rue de L’Odéon

Paris VIe

Tel. 633.27-68

Paris, den 18. Sept[ember][2] 1971

Lieber Herr Kraus!

 

Vielen Dank für Ihren Brief. Verzeihen Sie bitte meine verspätete Antwort, ich war während mehrerer Wochen abwesend von Paris.

Sie haben mich gefragt, ob ich ein Buch frei habe.[3] Ich freue mich, Ihnen zu sagen, dass[4] mein letztes Buch „Le mauvais Démiurge“[5] frei ist. Sie müssen sich dafür an Gallimard wenden, um die Rechte der Übersetzung zu erhalten, und ich würde Ihnen empfehlen, Gallimard zu sagen, dass ich damit einverstanden bin.

Im Bezug auf Ihre Einladung, in Ihrer „Gesellschaft“[6] aus meinen Arbeiten vorzulesen, bin ich irgendwie in Verlegenheit. Ich habe nie in meinem Leben vor einem Publikum gelesen, und ich frage mich, ob es als Sechzigjähriger nicht ein zu verspäteter Unterfangen ist. Das Beste ist, glaube ich, die Angelegenheit noch offen zu lassen…

Mit der gleichen Post werde ich Ihnen mein Buch zuschicken. Für den Fall, dass Sie es annehmen, würde ich Ihnen als Übersetzer vorschlagen:

Kurt Leonhard[7]

73 Esslingen am Neckar

Auchtweg 24[8]

Er hat ausgezeichnet mein Buch „Geschichte und Utopie“[9] übersetzt. Ob er frei ist, dass weiss ich nicht.

 

Mit freundlichen Grüssen

Ihr

E. M. Cioran

 

 

(...) 

 

 

62.

Paris, den 14. September 1975

          Lieber Herr Kraus,

 

„Gutes Einleben in Paris“ – haben Sie mir in Ihrem letzten Brief gewünscht. Seit mehr als zwei Wochen bin ich zurück, und ich habe mich noch nicht eingelebt und ich will es auch nicht. Ich bin zu müde und zu menschenscheu geworden, um mich an diesem [sic! dieses] gesellige[n] Leben anpassen zu können. Man ist hier gezwungen, zu viele Leute zu sehen (meine Landsleute besonders). Rumänisch zu sprechen ist für mich eine literarische Todesgefahr. Ich kenne niemanden, der so vollständig mit seiner Muttersprache abgebrochen hat wie ich. Ein totaler Bruch mit der Vergangenheit. Aber diese alten Freunde, die immer wiederkommen, quälen mich mit ihren Erinnerungen, die auch die meinigen sind.

Sie haben mir überhaupt nicht über die Reaktionen auf „Kultur und Macht“ erzählt. Ich kann nicht glauben, dass ein so aktuelles Buch, obwohl wider den Strom, keine Diskussionen hervorgerufen hat.

Mit derselben Post schicke ich Ihnen „Die Zukunft der Vergangenheit“ (Herderbücherei 8) mit meinem kleinen Aufsatz über die Nach-Geschichte.[10] Was mir dabei gefallen hat, ist, dass man in dem Vorwort der Herausgeber das folgende lesen kann: „Sein Beitrag artikuliert eine extreme Gegenposition zu den vorangehenden Essays des Bandes.“

Österreich scheint mir mehr und mehr ein ausserordentlich interessantes Thema. Neulich habe ich darüber mit einem ungarischen Juden darüber[11] gesprochen, der, wie Sie und ich, von dem Problem fasziniert ist.

Ich hoffe meinerseits, dass Sie sich inzwischen völlig im Aussenministerium … eingelebt haben.

 

Mit herzlichen Grüssen von uns beiden

Ihr

Cioran

 

(...)

 

 

118.

Paris, den 25. September 1980

 

Lieber Herr Kraus,

 

Paris ist mir so zuwider, dass ich jetzt viel öfter als zuvor nach Dieppe komme, nicht eigentlich wegen der Stadt, sondern der Umgebung, die sehr schön ist. Das Klima ist sehr schlecht für meine Arthritis (eine Familienkrankheit), aber man kann nicht alles haben.

Der Nihilismus[12] ist ein Wort, das unvereinbare Inhalte[n] verdeckt. In Russland waren irrtümlicherweise die Linksradikalen und die Terroristen der letzten Jahrhunderte als Nihilisten betrachtet. Die Benennung war falsch denn alle waren Kämpfer und glaubten an der [sic! die] Möglichkeit einer Verbesserung, an der [sic! die] utopische[n] Endphase der Geschichte dank der Revolution. Der eigentliche Nihilist müsste ein reiner Umwälzer sein, der sich nicht her[sic! davon] ablässt, etwas zu umwälzen [sic! umzuwälzen], ein passiver Zerstörer.

Im Spätbuddhismus gibt es eine philosophische Schule, die Madyamika, die am meisten einem strengen Nihilismus entspricht, obwohl hier die Zermalmung aller Begriffe und Kategorien einen praktischen Zweck hat: die Befreiung. Ein absoluter Nihilismus ist leider nicht möglich.

Die Verschiedenartigkeit der nihilistischen Auffassung ist so gross, dass man unmöglich eine ernste Definition aller geben kann. Der politische Nihilismus und der metaphysische oder der theologische haben gemeinsam nur das Wort.

Ich habe nicht die Ehre, Nihilist zu sein, ich habe aber ziemlich oft in meinem Leben nihilistische Anfälle oder, bescheidener ausgedrückt, Ausbrüche.

Ich beneide Ihre Tage am Gardasee, ich möchte so gerne Italien wieder sehen, ich fürchte aber wegen meiner unmöglichen Diät eine längere Reise zu unternehmen.

Ich warte auf Ihr Buch und hoffe, dass es einen Erfolg haben wird.

Ein Romanist und ein Slawist, Felix [Philipp] Ingold aus St.-Gallen, wird wahrscheinlich der Übersetzer meiner Bücher sein.[13]

Simone ist jetzt endlich frei, ohne Schule für immer, und schickt Ihnen, wie ich, sehr herzliche Grüsse.

 

E. M. Cioran

 

(...) 

 

154.

Paris, den 17. Januar 1988

 

Lieber Herr Kraus,

 

Ich habe Constantin Noica[14] sehr gut gekannt. Wir waren schon 1931 in Genf zusammen für ein[en] Monat als ich weiss nicht mehr was (Freunde der Jugendbewegung für den Frieden!). Eine sehr komplexe Persönlichkeit, war 6 Jahre im Gefängnis und [hat] dann eine fast gute Beziehung zu der heutigen Regierung gehabt. Das kann nur im Balkan existieren. Auf jeden Fall er war die begabteste Erscheinung im Zentrum der rumänischen Hölle, und auch ein unheilbarer Optimist.

Gesundheitlich geht (es) mir gut, wenn man will. Schliesslich bin ich ein alter Kerl, ein Überlebender. Ich schreibe nicht mehr, habe keine Projekte und möchte mich vollständig aus dem literarischen Gewimmel zurückziehen. Obwohl meine Augen müde sind, lese ich viel: das Laster meines Lebens.

 

Von uns beide[n], herzliche Grüsse an Sie und Trude.

Ihr

Cioran

 

(...)

 

 

158.

Paris, den 27. Oct. [Oktober] 1990

 

Lieber Herr Kraus,

 

Besten Dank für Ihren freundlichen Brief. Es gibt viele Jahre, seitdem wir uns nicht mehr geschrieben haben. Inzwischen bin ich alt geworden, und ich habe die Folgen dieses Unglücks gezogen. Die wichtigste: keine Bücher mehr. Fünf auf Rumänisch, 10 auf Französisch – genügt. Seit lange[m] habe ich bemerkt, dass die Schriftsteller zu viel „produzieren“. Ich habe ein[en] Einfall von Weisheit gehabt, und ich bedauere es nicht.

Ich freue mich, dass Sie nach Paris kommen und [wir] so die Gelegenheit haben über unsere Erfahrungen sprechen zu können. Die Ereignisse in Rumänien[15] haben mich zu Beginn begeistert, nicht mehr aber jetzt. Alles hat [sic! ist] in diesem Land gescheitert. Das ist seine einzige Originalität.

Simone und ich, wir sind glücklich, Trude und Sie am Ende des Jahres wiedersehen zu können.

 

Ihr

Cioran


 

 

Anmerkungen:

 

[1] Die Briefe wurden von uns im Nachlaß Wolfgang Kraus im Österreichischen Literaturarchiv der Östereichischen Nationalbibliothek Wien, Inventurnummer Nr. 63/97, aufgefunden.  Alle Briefe werden demnächst in rumänischer Übersetzung, später auch in deutscher Sprache veröffentlicht. An dieser Stelle bringen wir als Kostprobe eine sehr enge Auswahl. (Die Briefnummer wird jeweils angegeben). 

[2] In eckigen Klammern Gesetztes stellt von uns Hinzugefügtes dar. Manchmal erwiesen sich geringfügige Textkorrekturen bzw. -ergänzungen als notwendig, die wir ebenfalls in eckige Klammern gesetzt haben. Die Anmerkungen wurden in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Thomas Angerer und Mag. Gertrude Kothanek (beide Wien) zusammengestellt.

[3] Wolfgang Kraus war von 1971 bis 1975 Programmleiter im Europaverlag Wien.

[4] Cioran schreibt durchgehend mit ss, so dass wir die Briefe diesbezüglich vorlagengetreu wiedergeben.

[5] E. M. Cioran, Le Mauvais démiurge (Paris 1969).

[6] Es handelt sich um die Österreichische Gesellschaft für Literatur, Wien, die von Wolfgang Kraus 1961 gegründet  und bis 1994 geleitet wurde.

[7] Vermutlich: Kurt Leonhard (1910 - 2005), Kunsthistoriker, Lyriker, Essayist, Übersetzer aus dem Englischen, Französischen und Italienischen. [Quelle: http://www.autoren-bw.de/inc/su_aut.php?id =515]

[8] Von Cioran unterstrichen. Wir geben unterstrichene Stellen durch Kursivdruck wieder. 

[9] E. M. Cioran, Geschichte und Utopie. Autorisierte Übersetzung aus dem Französischen von Kurt Leonhard (Stuttgart 1965).

[10] E. M. Cioran, Prometheus ist für immer kompromittiert. Aussichten auf die Nach-Geschichte, in: Gerd-Klaus Kaltenbrunner (Hrsg.), Die Zukunft der Vergangenheit: lebendige Geschichte, klagende Historiker (Herderbücherei 9508: Initiative 8,  Freiburg im Breisgau – Basel – Wien 1975), S. 135-144.

[11] Wiederholung von „darüber“ - so bei Cioran.

[12] Bezug auf das nächste Buchvorhaben von Wolfgang Kraus, siehe: Wolfgang Kraus, Nihilismus heute oder Die Geduld der Weltgeschichte (Wien – Hamburg 1983) [TB-Ausgabe Frankfurt am Main 1984, Übers. ins Russische Moskau 1994 und ins Ukrainische Kiew 1994].

[13] Felix Philipp Ingold (1942 - ), Slawist, Publizist, Übersetzer, Dichter.

[14] Constantin Noica (1909 – 1987), rumänischer Philosoph, Essayist und Schriftsteller, war wenige Wochen zuvor verstorben.

[15] Die alten kommunistischen Funktionären blieben auch nach dem Sturz Nicolae Ceauºescus an der Macht.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 15.-16. Jg., 1-2 (29-30) / 2006, 1-2 (31-32) / 2007, S. 738-759

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

+ Asociatia Studentilor din Facultatea de Limbi Straine | Contact

 

 

Home | BAC/Teze | Biblioteca | Referate | Games | Horoscop | Muzica | Versuri | Limbi straine | DEX

Modele CV | Wallpaper | Download gratuit | JOB & CARIERA | Harti | Bancuri si perle | Jocuri Barbie

Iluzii optice | Romana | Geografie | Chimie | Biologie | Engleza | Psihologie | Economie | Istorie | Chat

 

Joburi Studenti JOB-Studenti.ro

Oportunitati si locuri de munca pentru studenti si tineri profesionisti - afla cele mai noi oferte de job!

Online StudentOnlineStudent.ro

Viata in campus: stiri, burse, cazari, cluburi, baluri ale bobocilor - afla totul despre viata in studentie!

Cariere si modele CVStudentCV.ro

Dezvoltare personala pentru tineri - investeste in tine si invata ponturi pentru succesul tau in cariera!

 

 > Contribuie la proiect - Trimite un articol scris de tine

Gazduit de eXtrem computers | Project Manager: Bogdan Gavrila (C)  

 

Toate Drepturile Rezervate - ScoalaOnline Romania