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Hermine Ott und ihre Namensschwestern

Annäherungen an Ferdinand von Saars Novelle Der Exzellenzherr

 


Margarete Wagner

 

   Ferdinand von Saar hat an seinen relativ kurzen und vordergründig schlicht erscheinenden Erzähltexten zumeist unverhältnismäßig lange gearbeitet und gefeilt. Ergebnis dieser Feinarbeit sind außergewöhnlich dichte, von mannigfaltigen Beziehungsgeflechten und Anspielungen durchzogene Texte, in denen jedes Wort, jede Nuance sorgfältig abgewogen und kunstvoll in den Kontext gefügt ist.  Demzufolge ist auch die Namensgebung in seinen Erzähltexten niemals nur eine rein willkürliche, sondern immer mit einer zusätzlichen Bedeutungsgebung verbunden, die allerdings oftmals über die übliche Namensdeutung hinausgeht.

   In der Folge soll am Beispiel der 1882 fertiggestellten Novelle Der ‘Exzellenzherr’ demonstriert werden,  w i e  sich zugleich mit der Entschlüsselung eines Namens wichtige andere Aspekte der Erzählung erschließen lassen. Für gewöhnlich stattet Saar immer nur  w e n i-g e  Figuren in seinen Texten mit konkreten Namen aus – ein bewußter Kniff, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf das nur spärlich Gebotene zu konzentrieren, um so zur Entschlüsselung anzuregen. In der Folge soll allerdings nur auf den Namen der weiblichen Hauptperson der Erzählung näher eingegangen werden.

Die Deutung des Familiennamens ‘Ott’

   Der in Österreich gebräuchliche Familienname ‘Ott’[1] leitet sich von althochdeutsch ‘ōd’ in der Bedeutung von ‘Besitz’ her[2] und ist eine im Oberdeutschen gebräuchliche Kurzform zum altdeutschen Personennamen Ottokar oder Otto, der im Mittelalter besonders als Kaisername große Bedeutung erfuhr.[3]

   Diese Herleitung macht in Hinblick auf Hermine Ott und ihre Familie, bei der sich tatsächlich alles um den Besitz beziehungsweise Nicht-Besitz von Vermögenswerten dreht, durchaus Sinn. Denn Vater Ott ist zu Beginn der Bekanntschaft zwischen Hermine und dem Exzellenzherrn, im  Juni des Jahres 1861, noch „Vorsteher einer großen Fabriksniederlage in der Stadt“ (S 7/II,58)[4] und bewohnt ein „mäßig große[s] Landhaus[ ]“ (S 7/II,57) auf dem freien Feld im Wiener Vorort Döbling. Aber infolge der übermäßigen Fruchtbarkeit seiner zweiten Ehe verringert sich das Vermögen der Familie zusehends, obwohl der „mürrische[ ] und leutescheue[ ]“ (S 7/II,58) Mann versucht, durch „ausgedehnte[ ] Gemüsepflanzungen“ (S 7/II,57) sowie „Obst- und Blumenzucht“ (S 7/II,58) den Etat des Haushalts aufzubessern. Die älteste Tochter aus erster Ehe, die das unfreundliche Wesen des Vaters geerbt hat und aufgrund ihres feindseligen Blicks vom Exzellenzherrn mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen einer ‘Meduse’ belegt wird, kann – nachdem sich ihre Aussichten auf eine Heirat zerschlugen –  n i c h t  im Schoße der Familie verbleiben, sondern muß sich darauf vorbereiten, ihren künftigen Lebensunterhalt als Gouvernante zu verdienen – ein Umstand, der womöglich noch verstärkend auf ihre Übellaunigkeit wirkt. Hermine als Zweitälteste muß im Haushalt mithelfen und Mutterpflichten an einer Schar von „wie die Orgelpfeifen“ (S 7/II,58) heranwachsenden, jüngeren Geschwistern übernehmen, welche die kranke, offensichtlich durch zu viele Geburten erschöpfte Mutter nicht erfüllen kann. Als sich Hermines Hoffnungen, vom um diese Zeit noch in den besten Jahren stehenden und durchaus wohlhabenden Exzellenzherrn geheiratet zu werden, letztlich nicht erfüllen, gibt sie dem Drängen der Familie nach und willigt in eine reine Versorgungsheirat ein. Als nach dem Tod des alten Ott das Landhaus verkauft werden muß und die Familie in völlige Verarmung fällt, nimmt Hermine sogar ihre gesamte verarmte Sippe, die verwitwete Mutter und die noch unversorgten Geschwister in den Haushalt ihres ungeliebten Ehemannes auf und schuldet ihm – neben den ungern erfüllten ehelichen Pflichten – noch zusätzliche Dankbarkeit.

   Die ökonomischen Vorkehrungen von Hermines Vater sind offensichtlich noch stark von der Biedermeierzeit geprägt, in der der Vater noch das unwidersprochene Haupt einer kinderreichen, eng zusammenhaltenden und zusammenarbeitenden Familie ist. Viele der im Vormärz noch durchaus florierenden Fabrikationsstätten, die sich besonders in Wien und Niederösterreich angesiedelt hatten, gerieten bereits in den fünfziger Jahren, im Jahrzehnt des Neoabsolutismus, in finanzielle Bedrängnis, die sich ab 1863, als sich der Liberalismus etablierte, dann infolge von weiteren Krisen, etwa  den Folgen der 1859 verordneten Gewerbefreiheit und der sich allmählich durchsetzenden kapitalistischen Marktwirtschaft noch steigerte. Erst ab 1867 konnte ein wirtschaftlicher Neuaufschwung erfolgen.[5] Im Frühjahr 1861, zum Zeitpunkt der ersten Begegnung Hermines mit dem Exzellenzherrn, befindet sich die Ottsche Fabrik schon nicht mehr im allerbesten Zustand. Der Versuch, den Rückgang des Geschäfts durch billiges Wohnen am Land und gärtnerische Selbstversorgung auszugleichen, erweist sich als Maßnahme nicht flexibel genug für das nun anbrechende Zeitalter eines dynamischen Kapitalismus. Durch die Wirtschaftskrise der sechziger Jahre und durch den Tod Herrn Otts sinkt die Familie vollends unter die Armutsgrenze.

   Viel schwieriger erweist sich die Deutung des Namens ‘Hermine’.

Die Deutung des Namens ‘Hermine’

   Der Vorname ‘Hermine’ ist die weibliche Form zu ‘Hermann’, einem Namen, der auf das Althochdeutsche zurückgeht und soviel wie ‘Heer’ und ‘Mann’, also im weitesten Sinne ‘Kämpfer’ oder ‘Krieger’ bedeutet und im Mittelalter sehr beliebt war.[6]

   Die weibliche Ausformung dazu erfuhr dagegen erst im 19. Jahrhundert weite Verbreitung und fand so auch Eingang in die Literatur, wie etwa in Gottfried Kellers Das Fähnlein der sieben Aufrechten,[7] wovon in der Folge noch die Rede sein wird.

   Da jedoch die zarte Hermine Ott – im Kontext betrachtet – genau das Gegenteil einer Kämpfernatur ist, so vermag sie letztlich dem kriegerischen Appell in ihrem Namen in keiner Weise zu entsprechen, sodaß sich natürlich die Frage erhebt,  w a r u m  Saar die weibliche Hauptperson seiner Erzählung gerade mit diesem, und nicht mit einem passenderen Namen belegte. Da die Namenforschung im vorliegenden Fall nicht weiter führt, bedarf es weiterer Hinweise und einer anderen Vorgangsweise, um diese Frage zu beantworten.

   Bei Saar lassen sich immer wieder literarische Anspielungen, bisweilen offen, bisweilen aber auch indirekt aufdecken. Schon das Geständnis des Exzellenzherrn über seine umfangreiche Bibliothek: „Es sind zumeist ältere Werke [...], namentlich was die schöne Literatur betrifft“ (S 7/II,48), läßt bereits aufhorchen, und der Hinweis, daß sich der ungeduldige Galan im Liechtensteinschen Garten bereits im Knabenalter „in die ‘deutschen Volksbücher’ oder in die Märchen aus ‘Tausend und eine Nacht’ versenkt[ ]“ (S 7/II,62) hatte, lang ehe noch vom ersten Rendezvous mit Hermine Ott die Rede war, lenkt den Verdacht zusätzlich in eine bestimmte Richtung, der sich letztlich im Verein mit dem Namen ‘Hermine’ zur Gewißheit verdichtet. Denn die Namengebung der Saarschen Figuren ist niemals nebensächlich, sondern enthält zumeist konkrete Hinweise auf Mitzuwissendes und Mitzuverstehendes, das seinen Erzählungen noch zusätzliche Dimensionen verleiht, die man provokant auch als Zeugen humanistischer Gelehrsamkeit ihres Autors bezeichnen könnte.

   1838 bis 1841 war erstmals eine direkt aus dem Arabischen ins Deutsche erfolgende Übersetzung der Märchen aus Tausend und einer Nacht durch Gustav Weil erschienen, die allerdings gekürzt, adaptiert und dem damaligen Geschmack und Moralgefühl dermaßen angepaßt war,[8] daß sie durchaus Lesestoff für einen noch knabenhaften Exzellenzherrn sein konnten, der um diese Zeit etwa zwischen dreizehn und sechzehn Jahren zählte.[9] Und zeitlich gesehen verhält es sich auch mit den Deutschen Volksbüchern ähnlich, die zwar bereits 1807 von Johann Joseph von Görres gesammelt und  veröffentlicht worden waren,[10] aber durch Gustav Schwabs Nacherzählungen in drei Bänden ab 1836/37 erst richtig populär wurden.[11]

Tancred und Erminia. Torquato Tassos Befreites Jerusalem

   Die Deutschen Volksbücher mit ihren Sagen aus der abendländischen Helden- und Ritterzeit und die Märchen aus tausend und einer Nacht, die in die Ritterzeit des Morgenlandes versetzen, sind als indirekte Hinweise auf Torquato Tassos (1544–1595) Befreites Jerusalem (1570–1575) zu werten, das von der Befreiung der ‘Heiligen Stadt’ durch die Kreuzfahrer unter der Führung von Gottfried von Bouillon handelt.[12]

   Die zarte, unkämpferische Erminia – der Name ist die italienische Form zu Hermine – in ihrem resignativen Verzicht auf den ‘geliebten Feind’ Tancred entspricht in ihrem Grundmuster der ebenso sanften wie wehrlosen Hermine Ott, da sie einer miteinander im Hader liegenden Welt nicht gewachsen zu sein scheint. Über sie heißt es bei Tasso:

Die Arme liebt und glühet, unbeachtet

Und so durchaus ist hoffen ihr verwehrt,

Daß sie die stille Glut, in der sie schmachtet,

Mehr mit Erinnrung als mit Hoffnung nährt (T 6,60)[13].

   In der Figur der Erminia, die „[b]leich und entstellt, in gänzlicher Bethörung, / [...] ein Bild des Grams und der Verstörung“ (T 6,64) den Anblick des ‘geliebten Feindes’ Tancred ersehnt, um zugleich aus Furcht vor seiner Gefährdung zu erzittern, zeigt sich, wie Liebe und Menschlichkeit in diesem furchtbaren Ringen um eine einzige Stadt ‘um der höheren Ehre Gottes willen’ scheinbar auf der Strecke bleiben und sich erst im schlußendlich erkämpften Endfrieden wieder Geltung verschaffen werden.

   Ähnlich dem Exzellenherrn ist der einzige Fehler des ritterlichen Tancred „der Liebe holde Raserei“ (T 1,45), wobei der normannenblütige Neapolitaner für sich jedoch gänzlich andere Prämissen setzt als Saars mißglückter ‘Held’ einer österreichischen Beamtenlaufbahn der Gründerzeit. Zwar steht auch Tancred in seinem Kampf einer Dreiheit weiblicher Ausformungen gegenüber, drei edlen heidnischen Prinzessinnen, die es allerdings  n i c h t  zu verführen, sondern zu bekehren gilt. Ebenso steht der Exzellenzherr – zwischen Wunsch, Furcht und Wirklichkeit zerrissen – wie ein zweiter Paris von Troja vor der Wahl zwischen kämpferischer Intellektueller, Hausmütterchen und erotischer Verführerin.[14] Saar zeigt ihn allerdings nicht in einen Glaubens-, sondern in einen Geschlechterkampf verwickelt, den letztlich alle Beteiligten verlieren müssen.

   Die amazonengleiche Kämpferin Clorinde entspricht der intellektuellen Ottschen Meduse. Bei Tasso gehört der dianenhaft jungfräulichen Clorinde, der auch viele Züge der Pallas Athene anhaften, Tancreds ganze Liebe. Er muß sie allerdings erst töten, um  s i e  – beziehungsweise ihren heidnischen Glauben – zu überwinden. Wie die ältere Ott-Tochter, die gleichfalls keinen Finger im Haushalt rührt, „[d]enn [...sie] dünkt sich zu gut für derlei“ (S 7/II,58), ist auch Clorinde hausfraulich unbegabt:

Seit ihrer frühsten Jugendzeit verschmähte

Sie schon der Weiber Sitt’ und Lebensart.

Arachnens Arbeit, Nadel, Spinngeräthe,

Ward nimmer mit der stolzen Hand gepaart (T 2,39).

    Ihr drohender Blick beim Zweikampf – „[e]in reißend Thier dem Mann“ (T 2,40) erscheint sieversetzt den tapferen Tancred aber keineswegs in Furcht. Die Überwindung der Widerstrebenden bedeutet für ihn vielmehr höchster Genuß, wenn es heißt:

Ihr Auge flammt, als ob es Blitze sprühte,

im Zorne hold; wie wär’s im Lächeln gar? (T 3,22)

   Der bei weitem zahmere Exzellenzherr dagegen zieht sich schon beim bloßen Anblick der Meduse oder beim moralinsauren Gouvernantengehabe Hermines bei ihrem ersten und einzigen Rendezvous fluchtartig zurück – er erweist sich starken oder sich stark gebärdenden  Frauen gegenüber also als schwach.

   Clorindes Genese gleicht in vielerlei Hinsicht dem Danae-Mythos[15], wobei hier jedoch die List des ewig lüsternen Göttervaters, sich Danae in Gestalt eines Goldregens zu nähern, durch ein Bildnis des heiligen Georg ersetzt wird, der Clorindes Mutter  n i c h t  durch Verführung, sondern durch Sympathiezauber in frommen Bann schlägt:

Das Abbild einer heiligen Geschichte

Dient’ ihrem Wohngemach zur frommen Zier:

Ein Mädchen, weiß und roth von Angesichte,

Gefesselt bei dem Drachen, sieht man hier,

Indeß ein Ritter mit des Speers Gewichte

Bekämpft und tödtet das gewalt’ge Thier.

Hier warf sie oft sich nieder im Gebete,

Bekannte stillen Fehl und weint’ und flehte. (T 12,23)

   Die Gestalt des heiligen Georg mit dem Drachen ist aber im Grunde nichts anderes als die christliche Ausformung des alten Perseus-Mythos,[16] womit der mythologische Bogen zur Figur der Ottschen Meduse geschlagen wäre, deren verstörender Anblick den Exzellenzherrn so sehr verschreckt, daß er es verabsäumt, wie ein zweiter Perseus[17] Andromeda beziehungsweise Hermine Ott aus den Klauen des ‘Meeresungeheuers’ zu befreien, für das man getrost ihre dominante Schwester, ihre belastende Familienkonstellation oder ihre Preisgegebenheit an gesellschaftliche Zwänge setzen könnte.

   Ähnlich Hermine, die von ihrer stärkeren und klügeren Schwester abhängig ist, steht übrigens auch Erminia im Schatten Clorindes, deren Tapferkeit sie bewundert. Sie schlüpft sogar heimlich in Clorindes Waffenrock, um in dieser Verkleidung zu Tancred zu gelangen. (T 6,81-114) Hermine Ott dagegen wird „unwahr“ (S 7/II,73), wie sie es gegen Ende ihres Lebens selbst formuliert, indem sie sich des „verächtliche[n] Blick[s] und des scharfen und schneidenden Ton[s]“ (S 7/II,66) der Meduse bedient, um solcherart ‘maskiert’ oder gewappnet dem Exzellenzherrn ihr erstes Rendezvous zu gewähren. Dabei hätte es durchaus den sogenannten „goldene[n] Träume[n]“ (S 7/II,59) des Exzellenzherrn entsprochen, an der Seite Hermines in ländlicher Abgeschiedenheit „[s]einen Kohl selbst [zu] bauen“ (S 7/II,59). Das Philemon-und-Baucis-Motiv als idealistischer Lebensentwurf findet übrigens auch bei Tasso eine Parallele: Erminia gelangt auf ihrer überstürzten Flucht aus dem Schlachtengetümmel schließlich in ein bukolisches Idyll, in dem ein Greis und seine treue Gattin hausen wie weiland Philemon und Baucis in der antiken Mythologie. –

   Die verführerische Armida mit ihrem venushaften Zaubergarten wiederum, der

[...] keins im Morgenland an Schönheit gleicht.

Was Frauendienst, was Zauberkunst verrichte,

das Alles ist ihr gleich bekannt und leicht (T 4,23),

   ähnelt jenem „außerordentlich schöne[n] Weib[ ]“ (S 7/II,68), das den Exzellenzherrn erst in seine Netze verstrickt, um ihn schließlich um fast sein gesamtes Erbe zu erleichtern.

   Tancred und der fromme Gottfried von Bouillon dagegen besitzen als christliche Ritter die moralische Kraft, der gefährlichen erotischen „Zauberin“ (T 5,65) zu widerstehen. Denn Tancreds Herz ist gefeit gegen derlei Verführungskünste durch seine Liebe zur wehrhaften und keuschen Clorinde,

Weil seine Brust, von anderm Trieb befangen,

Nicht Raum mehr hat für eine neue Glut;

Denn wie durch Gift dem Gifte wird entgangen,

So ist vor Lieb’ auch Liebe sichre Hut. (T 5,65).

   Tancred gerät zwar in Armidas Gefangenschaft und wird in ihr Zauberschloß mit seinem ‘Garten der Lüste’ gebracht, welche sich beide auf einer kleinen Insel inmitten eines bodenlosen toten Sees befinden (T 10,60-72) – eine klaustrophobische Vorstellung, die große Ähnlichkeit mit dem Hörselberg der Frau Venus aufweist – er kann jedoch befreit werden,  o h n e  daß seine Liebe zu Clorinde ins Wanken gerät. Der Exzellenzherr dagegen verliert sich wie ein zweiter Tannhäuser beinahe ausweglos in seinem Wiener ‘Venusberg’.

   Tancred dagegen wird – als er nach Damaskus gebracht werden soll – durch den jugendlichen Helden Rinaldo befreit. An seiner Statt gerät Rinaldo – selbst eine jüngere und leidenschaftlichere Inkarnation Tancreds –  in die Fänge Armidas und  erliegt ihrem becircenden Liebeszauber. Doch auch Armida vermag dem nun anhebenden Liebeskampf nicht unversehrt zu entgehen: Auch sie verliebt sich – ohne es zu wollen – in Rinaldo, und zwar umso heftiger, als Rinaldo  ihrem allesbezwingenden Zauber Widerstand entgegensetzt. In der Entscheidungsschlacht um Jerusalem überwindet schließlich die Liebe zu Rinaldo den Zorn der schönen Heidin, und die beiden Liebenden finden zueinander. Rinaldo schwört:

                             [...] Ich will aufs neue

Der Väter alten Thron dir auferbaun (T 20,135),

und Armida gibt sich endlich bezwungen:

Sieh, spricht sie, deine Magd; mit mir verfüge

Wie dir’s gefällt, dein Wink ist ihr Genüge (T 20,136).

   Tancred hingegen scheitert zwar im Liebeskampf, indem er unwissentlich den Tod Clorindes verursacht, zeigt aber in der Wahl seiner Geliebten großen Mut und aufrechte Beständigkeit. Weder erliegt er den Lockungen der Venus noch der Versuchung, sich von der schwächlichen Erminia bewundern zu lassen, wie es der bürgerlich domestizierte Beamte des 19. Jahrhunderts für sein Image als Haupt der Familie für unabdingbar erachtet. Tancred wählt vielmehr die ehrliche Auseinandersetzung mit einer starken, kämpferischen, moralisch integeren und im Grunde unbequemen Frau, wodurch seine Ehre, sein Mut und seine Männlichkeit umso strahlender und heldischer hervortreten – was man vom Exzellenzherrn mit seiner Empfindlichkeit, Eitelkeit, moralischen Laxheit und seinen kleinen schönfärberischen Unaufrichtigkeiten nicht behaupten kann.

   Nach blutigem Zweikampf bleibt Tancred, der ohne Clorinde nicht mehr leben möchte und daher den Tod sucht, schwer verletzt auf der Wallstatt liegen und wird schließlich von Erminia gefunden, gerettet und gepflegt. Sie reinigt seine Wunden mit ihren Haaren und verbindet sie mit ihrem Schleier. Auf die Frage des zum Leben wiedererweckten Tancred: „wer, mitleid’ge Pflegerin, bist du?“,  seufzt sie,

[...] von Freud’ und Furcht entglommen,

Und sanftes Roth deckt ihre Wangen zu.

Von allem, spricht sie, wird dir Kunde kommen;

Jetzt, als dein Arzt, gebiet’ ich Still’ und Ruh.

Denk’ auf Belohnung, du genesest wieder.

Dann legt sie auf den Schooß sein Haupt darnieder. (T 19,114)

   Und so steht am Ende von Tancreds Heldentum und am Ende des großen Kampfes das Bild der Pietà: der mit Wunden geschlagene Krieger, gebettet in den Schoß einer ‘mater dolorosa’, der bereits leise Hoffnung auf Dankbarkeit in der nun anbrechenden Friedenszeit erwartungsfroh die Wangen rötet, während Hermine Ott, vor Hoffnungslosigkeit verkümmernd, immer blasser und schwächer wird, ehe sie ihr Leben aushaucht.

Die ungleichen Schwestern.  Paul Heyses Barbarossa

   Neun Jahre vor Saars Erstfassung zur Novelle Der Exzellenzherr’ war Paul Heyses Novelle Barbarossa (1869) erschienen, in der gleichfalls das Motiv der ungleichen Schwestern abgehandelt wurde und die Saar sicherlich gekannt haben dürfte, zumal sich bei Saar des öfteren Bezüge zu Heyses Werken nachweisen lassen.[18] Schauplatz der Handlung ist allerdings – wie so oft bei Heyse – Italien in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Abgesehen von der Namengebung und den süßen siebzehn Jahren der beiden Heldinnen gibt es auch rein äußerlich betrachtet eine große Ähnlichkeit zwischen den Italienerinnen Erminia und Maddalena und den Döblingerinnen Hermine und Meduse Ott: es handelt sich um das schwesterliche Gegensatzpaar der Schönen und der Häßlichen. Damit enden aber auch schon die Parallelen.

   Die ungleichen Schwestern sind im Grunde genommen ein uraltes Märchenmotiv und können  entweder paarig oder als Kleeblatt auftreten, etwa als ‘Golmarie’ und ‘Pechmarie’ in Frau Holle oder als Die weiße und die schwarze Braut; die Dreierkonstellation, wie sie auch bei der Paris-Wahl vorliegt, findet sich etwa in Aschenputtel, im Dummlingsmärchen Die Bienenkönigin, im Bärenhäuter oder in Einäuglein, Zweiäuglein und Dreiäuglein, und zwar immer als Gegensatzpaar von schön und häßlich, fleißig und faul oder gut und böse.[19] In Ferdinand von Saars Erzählung nimmt der Exzellenzherr gleichfalls eine sehr subjektive Wertung vor, die mit den bekannten Märchenkonstellationen übereinstimmt, denn Hermine ist schön, fleißig, lieb und gut, die Meduse häßlich, faul, unliebenswürdig und böse, die Maitresse jedoch schön, faul, mehr als liebenswürdig und durch und durch schlecht.

   Das im Märchen verordnete Arbeitspensum besteht für Hermine darin, sich durch eigenverantwortliches Handeln ihr Lebensglück zu sichern. Die Märchenheldin gerät dabei in den Machtbereich des Dämonischen, der zumeist mütterlich-weiblich ist und immer etwas Feen- oder Hexenhaftes an sich hat,  und gelangt durch Überwindung von Furcht oder Ekel zur Belohnung. Auch Hermine Ott läßt sich von der sowohl mütterlichen als auch kupplerischen alten Gärtnersfrau zum verbotenen Rendezvous beschwatzen, kann aber ihre Furcht und Unsicherheit nicht zur Gänze überwinden und bittet ihr schwesterliches Gegenbild um Rat. Damit verläßt sie aber den bereits eingeschlagenen Pfad der Selbstfindung und verliert schließlich in den Augen ihres Verehrers all ihre Reize, als sie sich gar hinter der gouvernantenhaft strengen Maske der Meduse versteckt.

   Im Vergleich zur Heyseschen Erminia wird Hermine Ott als zart und anmutig, kindlich und unschuldig geschildert, also als typische Kindfrau, ähnlich dem Mädchen Seraphine in der Erzählung Der Sündenfall (S 10/IV,235-273).

   Die Italienerin Erminia wirkt dagegen fast monumental, wie „in Rom die Bildsäulen [...], Musen und Venusse und Minerven“ (H I/3,460)[20], mit denen sie verglichen wird. Sie ist zwar schlank, aber keineswegs kleinwüchsig oder gar schwächlich, denn Kraft, Rasse und Temperament verraten allein schon

über der Stirn die dicken, blauschwarzen Ringelhaare, die sie hinten in einem schweren Nest von Zöpfen zusammensteckte, daß ein solcher Nacken dazu gehörte, eine solche Last zu tragen. (H I/3,460)

   Und auch ihr Gesicht wird nicht verniedlicht, wie dies bei der Beschreibung von Hermine Ott der Fall ist, sondern es ist

wie mit dem Meißel gemacht, die Augen groß und schön geschweift, mit einem Blick – zugleich trotzig und sanft; ein Mund, roth wie Erdbeeren, oder wie eine eben aufgebrochene weiße Feige. (H I/3,460)

   Zwar wirkt auch in Hermine Otts Gesichtchen die Reinheit der Linien „wie gemeißelt“ (S 7/II,56), doch wird im Gegensatz zu Erminia das Kindliche und Niedliche in „der sanft gewölbten Stirn und dem zierlichen Näschen bis zu den zarten Schultern hinab“ (S 7/II,56) betont und durch ein delikates, beinahe schon impressionistisch hingetupftes, malerisches Farbenspiel ergänzt, wenn von dem

feine[n] Gesichtchen von glänzenden braunen Haaren umrahmt, [...von] den zarten Schultern [...], die weiß unter weißem Tüll hervorschimmer[]n [...und ihren] Wangen, die wie der Untergrund der schön gezeichneten Brauen rosig gefärbt [sind und] allmählich eine brennende Korallenröte an[nehmen] (S 7/II,56),

   die Rede ist, sodaß letztlich die Darstellungsweisen beider Mädchengestalten einander gegenüberstehen wie ein antikisierendes, großformatiges Gemälde eines Künstlers wie Anselm von Feuerbach einer mit zarten Pastelltönen gefärbelten Nippesfigur.

   Ähnlich großangelegt wie eine antike Porträtplastik schildert der Exzellenzherr eher die Meduse, die im Grunde nicht so sehr häßlich, als vielmehr ausdrucksstark überhöht wird, mit den gleichfalls „dunklen Haare[n]“, die sich „über die blassen Schläfen hinweg nach rückwärts wie Schlangen“ (S 7/II,57) zusammenringeln und den starrenden, „finsteren Augen“ mit dem intensiven Blick, in dem „trotz der eisigen Gleichgültigkeit [...] etwas so tief Feindseliges [lag], daß [der Exzellenzherr] unwillkürlich [s]eine Schritte beschleunigte.“ (S 7/II,57)

   Im Unterschied zur Meduse ist Erminias jüngere Schwester Maddalena unzweideutig häßlich „wie der Teufel, ein kleines, wildes, klumpfüßiges Geschöpf mit langen Armen und kurzen Beinen, das im Gehen und Hocken einer Kröte glich“ (H I/3,460). Sie wird von ihrer älteren Schwester geleitet und gepflegt, wie übrigens ja auch die Meduse ihre jüngere Schwester berät und bevormundet. – Die Darstellung der ungleichen Schwestern Erminia und Maddalena hat im übrigen in mancherlei Hinsicht mehr Parallelen mit der schönen und stolzen Olga Worel und ihrer älteren Schwester, einem „unschöne[n], verwachsene[n] Geschöpf“[21] in der Novelle Die Familie Worel. – Bei Heyse allerdings dankt die häßliche Maddalena für die schwesterliche Fürsorge durch besondere Anhänglichkeit, denn

[s]tatt die ältere Schwester scheel anzusehen und ihr Gift ins Glas zu brauen, vergötterte sie sie förmlich, daß keiner von den jungen Burschen verliebter in die Erminia sein konnte, als der arme Tropf, die Maddalena. (H I/3,460)

   Nach Erminias Ermordung schließt sie sogar deren Geliebten, den schwedischen ‘Kapitän’ Sture oder ‘Sor Gustavo’ – wie ihn der Binnenerzähler nennt – wie ein heiliges Vermächtnis in ihr Herz und dient ihm, solange es ihre physischen und psychischen Kräfte gestatten.

   Die Meduse dagegen lehnt ganz offensichtlich den Exzellenzherrn ab, sie nimmt ihm gegenüber eine – seiner Meinung nach – überkritische Haltung ein und rät Hermine zur verhängnisvollen Liebeprobe.

   Die groß angelegte, vitale und selbstbewußte Erminia weist, wiewohl bitterarm, zunächst die besten Partien ab. Etwa einen reichen Engländer oder den geschwätzigen Apotheker, Signor Angelo, dessen Spitzname ‘Fra Angelico’ an die kindlich zarten, blassen Madonnenbilder dieses Quattrocento-Meisters gemahnt (denen im Grunde das etwas farb- und saftlose Vorstadtmädel Hermine Ott gleicht). Sie weist aber auch den schönen, reichen und haltlosen Gastwirtssohn Domenico Serone ab, dessen Spitzname ‘Barbarossa’ schon auf seine Wildheit schließen läßt, denn er kann Erminias Abweisung nicht ertragen, ermordet sie und geht unter die Räuber.

   Erst bei Gustav Sture wird Erminia schwach, wobei diese Herzensschwäche freilich nicht ihre Charakterstärke schmälert, denn sie folgt unbeirrt und unbekümmert dem Zug ihres Herzens und fragt nicht kleinlich nach Konventionen. Sie zieht mit Sture zusammen und lebt mit ihm in wilder Ehe, die freilich – nach Erledigung aller Formalitäten – legalisiert werden soll. Ihr starkes, feuriges Temperament und ihre konsequente, ungebrochene Haltung, mit der sie auch gegen Sittengesetze verstößt, schlagen Sture, der „in Rom [...] allerlei angebändelt“ (H I/3,462) hatte – was ihn in diesem Punkt mit dem Exzellenzerrn verbindet – so sehr in Bann, daß er mit ihr sein restliches Leben verbringen möchte.

   Ganz anders dagegen Hermine Ott, das unselbständige, weiche Kindmädchen, das sich selbst nicht zu helfen weiß, sondern den Rat der großen Schwester einholen muß, da die Gängelung durch die Mutter krankheitshalber nicht erfolgen kann. Sie ist Produkt einer Mädchenerziehung, die keine geraden, eigenständigen, tatkräftigen und selbstbewußten Charaktere formt, sondern ratlose, hilflose, furchtsame, geduckte Geschöpfe, die ihren eigenen Gefühlen nicht vertrauen und inaktiv das Elend auf sich zukommen sehen, ohne sich zu wehren.

   Eine stolze Erminia würde sich niemals mit einem ungeliebten oder unwürdigen Mann verheiraten lassen, selbst ihr gewaltsamer Tod ist noch ein Triumph ihrer ungebrochenen Stärke und Furchtlosigkeit – womit sie in eine Reihe zu stellen wäre mit jenen starken und vitalen Frauen, wie etwa Prosper Mérimées Carmen (1845),[22] deren Opernbearbeitung von Georges Bizet vertont wurde und nach anfänglicher Ablehnung erst infolge der Aufführung an der Wiener Hofoper im Oktober 1875 ihren Siegeszug auf den Opernbühnen der Welt antrat.[23] Die Bedeutung des weiblichen Vornamens ‘Hermine’, der in seiner deutschen Form eine um 1800 aufkommende Bildung zu Hermann ist und eigentlich ‘Krieger’ bedeutet,[24] charakterisiert somit eindeutig Erminia und nicht die kleine Ott.

   Denn Hermine Ott läßt sich mit einem „lebensfrohe[n,] junge[n]“ (S 7/II,75), aber ungeliebten Mann verkuppeln, der sich in lauten, turbulenten Gesellschaften von „platter Behäbigkeit, inmitten nicht allzufein[er] Scherze[]“ (S 7/II,70) am wohlsten fühlt und offenbar keine Sensibilität für ihre geknickte, feinempfindende Frauenseele aufbringt, sondern sie möglicherweise sogar seinen Unmut über die Verarmung ihrer Familie, ihr säuerlich-duldendes Gewährenlassen der ehelichen Pflichten, ihre Kinderlosigkeit und ihre körperliche Hinfälligkeit fühlen läßt. Und so ist Hermines Siechtum Ausdruck für ihren Rückzug aus einer unerträglichen Realität, für ihre innerliche Schwäche und Resignation und zugleich Aussage über ihre verfehlte ‘Backfischerziehung’ und die unhaltbare, entwürdigende Stellung der Frau und besonders der kleinbürgerlichen Ehefrau in der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

   Was die beiden Figuren Erminia und Hermine noch verbindet, sind ihre hausfraulichen Tugenden. Erminia übernimmt notgedrungen die Rolle der Hausfrau, da ihre Mutter infolge ihrer Armut in Trunksucht verfällt und Maddalena aufgrund ihrer Krankheit zur Verwahrlosung neigt. Mutter und Schwester bedürfen in ihrer Hilflosigkeit einer starken, führenden Hand, und Erminia übernimmt klaglos die Pflichten einer Hausfrau, Mutter, Erzieherin und Ernährerin. Denn sie füllt auch den leergewordenen Platz ihres früh verstorbenen Vaters aus und sorgt mit Spinnen und Bortenwirken, das sie auch ihre hilflose Schwester lehrt, für den Unterhalt ihrer arbeitsunfähigen Mutter. Mit dieser Ernährerfunktion ist jedoch auch eine gewisse Selbständigkeit und Handlungsfreiheit verbunden, die Hermine Ott niemals für sich beanspruchen kann.

   Zwar übernimmt auch Hermine Ott den Haushalt der kranken, offensichtlich durch zu viele Geburten erschöpften Mutter und übt Mutterpflichten an einer Schar von heranwachsenden jüngeren Geschwistern, jedoch ohne jegliche Befehlsgewalt. Zuletzt nimmt sie sogar ihre gesamte verarmte Sippe, die verwitwete Mutter und die noch unversorgten Geschwister, in den Haushalt ihres ungeliebten Mannes auf und ist ihm zusätzlich noch zu Dank verpflichtet.

   Hermine Ott bleibt zeit ihres Lebens in ein Gespinst von Unfreiheit verstrickt: Niemals kann sie sich aus der Abhängigkeit von ihrer Mutter lösen, die sie einerseits zu einer Pflichtheirat gedrängt haben dürfte und die nun weiterhin das Eheleben ihrer Tochter kontrolliert. Die Rolle ihres Vaters wird aus dem Erzählten nicht so ganz deutlich, doch ist anzunehmen, daß Hermines Mutter nur mit Einverständnis ihres immerhin als eigensinnig geltenden Mannes gehandelt haben dürfte, da ja auch die Verarmung der Familie letztlich Ergebnis des unbelehrbaren Starrsinns des Vaters ist. Daneben ist Hermine aber auch von ihrer älteren Schwester, der intellektuell überlegenen Meduse, abhängig und zuletzt von dem ihr aufgenötigten, ungeliebten Ehemann.

   Von ihrer sozialen Stellung her unterscheiden sich Erminia und Hermine Ott jedoch grundlegend. Erminias Familie lebt in einer halbverfallenen Hütte außerhalb des Dorfes und hält sich hauptsächlich durch die Früchte eines Olivenbaumes und durch ihre und ihrer Schwester Handarbeit über Wasser, was doch sehr an die prekäre Situation der Familie Kratochwil in Saars Erzählung Die Troglodytin (S 9/III,117-160) erinnert, nur daß hier der alte Kratochwil in den Elendssuff verfällt, während der Alkoholismus bei älteren, verwitweten Frauen doch eher ein für die damalige Zeit noch brisanteres Thema war. – Wilhelm Buschs komische Aufarbeitung des Motivs in seiner Bildgeschichte Die fromme Helene war übrigens drei Jahre vor Heyses Barbarossa, also 1872, erschienen,[25] während etwa Emile Zolas’ Figur der Säuferin Gervaise im Roman Der Totschläger erst 1877, also vier Jahre nach Heyses Novelle entstand.[26]

   Während sich bei Erminia Schönheit, weibliche Tugenden und klarer Verstand, also die Eigenschaften von Venus, Hera und Athene in einer Person vereinen, sodaß sich kluges Abwägen und bedenkenlose Leidenschaft einander die Waage halten, verkörpert Hermine Ott nur noch die Eigenschaften Heras, und auch diese  o h n e  den antiken Machtanspruch und die olympische Vollebigkeit. Denn sie regiert nicht als Göttermutter den Olymp, dirigiert nicht als Himmelskönigin ihren Göttergatten und ahndet nicht als eifersuchtschnaubende Rächerin jeglichen Verstoß gegen Sitte und Ordnung, sondern sie ist lediglich ein gedrücktes Hausfrauchen, dem sogar der Kindersegen versagt bleibt. Verstand und Mut sind abgespaltene Eigenschaften, die nun ihrer älteren Schwester zugeordnet werden, der ihrerseits wiederum der Sinn für häusliche Behaglichkeit und erotisches Raffinement mangelt. Alle sinnliche Vitalität konzentriert sich ganz in der Figur jenes raffinierten, ‘außerordentlich schönen Weibes’, die jedoch nicht nur kein Gemüt, sondern auch keinerlei Moral besitzt und nicht im Traum daran denkt, sich etwa ihren Lebensunterhalt als abhängige Hausfrau am heimischen Herd oder als Gouvernante im Einsatz ihrer intellektuellen Fähigkeiten hart zu erarbeiten, wie dies die gehorsame Hermine und die redliche Meduse planen, sondern mit ihrer dominanten erotischen Ausstrahlung gimpelhafte junge Herrn aus gutem Hause um ihr Vermögen bringt, wie ihre literarischen Vorbilder, die edle und sentimentale Maitresse Marguerite Gautier in Alexandre Dumas’ 1848 erschienenem Roman Die Kameliendame[27] oder das ‘monstre antique’, die ‘mouche d’or’ in Emile Zolas Roman Nana, der gerade erst (1879/80) erschienen war.[28]

   Hermine, die Meduse und die Maitresse sind – jede für sich genommen – im Grunde von der Gesellschaft künstlich gezüchtete weibliche Zerrbilder, die jeweils nur Abspaltungen eines vollwertigen, selbstbestimmten Frauencharakters sind.

Die freie Schweizerin Hermine Fryman. Gottfried Kellers Das Fähnlein der sieben Aufrechten

   Ein weiteres Vor- beziehungsweise Kontrastbild zu Hermine Ott bildet die zwanzig Jahre davor (1861) entstandene Figur der Hermine Fryman aus Gottfried Kellers Novelle Das Fähnlein der sieben Aufrechten, die bewußt als ein typisches Beispiel einer ‘Schweizer Nationalliteratur’ konzipiert war.

  Auch Kellers Hermine ist wie Hermine Ott gerade erst siebzehn Jahre alt. Und auch sie ist hausfraulich, denn sie „lernt einkaufen“ (K 5/266,7)[29], wie Frau Hediger, ihre Schwiegermutter in spe, rühmend zu berichten weiß, und ist auch geübt in weiblichen Handfertigkeiten, wie etwa der nützlichen Strickkunst (5/266,35). Denn – früh verwaist – weiß sie ihrem Vater bereits den Haushalt zu führen. Dies alles schlägt sich ihr jedoch keineswegs dämpfend auf’s Gemüt, denn ungeachtet ihrer Pflichten ist sie „immer lustig“ (K 5/266,9f.). Mit ihrer Resolutheit bei aller Holdseligkeit bezwingt sie letztlich nicht nur ihren eigenen starrsinnigen Vater, den alten Zimmermann Fryman, der sie an einen Unwürdigen mit Vermögen zu verkuppeln versucht, sondern auch den sturköpfigen Schneider Hediger, der aus lauter Anständigkeit eine Verbindung zwischen seinem Sohn Karl und der Tochter des reichen Fryman verhindern möchte.

  Daß sie auch über einen wachen Verstand verfügt, zeigt sich nicht nur darin, daß sie weiß, was für sie selbst gut ist, sondern auch, daß sie für das Wohl und Wehe aller derjenigen, die ihr lieb sind, richtige Entscheidungen zu treffen vermag. So korrigiert sie beispielsweise den Redeentwurf ihres Vaters, tadelt den unangebrachten Inhalt und die vielen eingestreuten ‘Alsos’ (K 5/281,30) und erreicht damit letztlich, daß ihr Vater seinen Plan für eine Rede fallenläßt und stattdessen ihr Liebster Karl eine Chance erhält, sich zu bewähren. Aber auch ihren Herzensfreund Karl weiß sie sich mit Entschiedenheit und Witz vom Leibe zu halten, ohne ihn gleich in die Flucht zu schlagen, wie dies Hermine Ott bei dem keineswegs mehr unerfahrenen Exzellenzherrn gelingt. Denn da ist auch noch ihre liebliche und jugendfrische Schönheit, mit der sie zugleich keck und sanft, abwehrend und fordernd ihren Anbeter Karl so sehr in Bann schlägt, daß er zeit seines Lebens damit beschäftigt sein wird, Schleier für Schleier zu lüften, um endlich zum Kern ihres Wesens zu gelangen.

   Beim großen Preisschießen steht sie ihm zur Seite und „lacht[ ], aber nur mit den Augen, mit dem Munde sagt[ ] sie ernsthaft: ‘Du mußt einen Becher gewinnen.’“ (K 5/294, 10ff.) Karl erliegt dem Bezwingenden und Bestimmenden in Hermines Augen, das ihn jedoch nicht ins Verderben führen soll, sondern zum höchsten Glück, denn

noch nie hatte er ihre Augen so gesehen; es glühte etwas Herbes und Tyrannisches mitten in der lachenden Süßigkeit ihres Blickes, zwei Geister sprachen beredt aus seinem Glanze: der befehlende Wille, aber mit ihm verschmolzen die Verheißung des Lohnes, und aus der Verschmelzung entstand ein neues geheimnisvolles Wesen. Tu mir den Willen, ich hab Dir mehr zu geben, als Du ahnst! sagten diese Augen [...]. (K 5/294,32f. – 295,1-5)

   Und so geschieht es, daß die alten Herrn eine neue Zeit feiern, „die den Menschen wieder zu erziehen beginnt, daß er auch ein Mensch wird“ (K 5/300,15f.), während bereits aus ihrer Mitte ein junges Pärchen hervortritt, das diese Bedingungen erfüllt. Die darin festgehaltene Verklärung jenes Augenblicks, als Keller „sich als Bürger und Liberaler im größten inneren Gleichklang mit seinem Staat befand, als nämlich aus dem alten Staatenbund der moderne Schweizer Bundesstaat, in Zürich zudem eine liberale Regierung entstand“[30], wich jedoch im Laufe der Jahre der Ernüchterung. 1889, also im Alter von siebzig Jahren, formulierte er seine zunehmende kritische Distanz dazu in einem für die Gemeinnützige Gesellschaft der Kirchengemeinde Neumünster verfaßten Lebenslauf, in dem er gestand, daß

»Das Fähnlein der sieben Aufrechten« [...] als Ausdruck der Zufriedenheit mit den vaterländischen Zuständen gelten konnte, als Freude über den Besitz der neuen Bundesverfassung[.] Es war der schöne Augenblick, wo man der unerbittlichen Konsequenzen, welche alle Dinge hinter sich her schleppen, nicht bewußt ist und die Welt für gut und fertig ansieht. (K 7/363,16-22)

   Wie sehr jedoch unterscheidet sich die hochgemute Darstellung der Menschen- und Mädchenerziehung zu Beginn des modernen Schweizer Bundesstaats von der in Österreich gepflegten zur Zeit des Niedergangs der Monarchie! Hier Hermine Fryman, die scherzend ihrem Liebsten Karl verspricht, ihn künftig „unter den Pantoffel [zu] kriegen [... s]o sehr [sie] kann“ (K 5/302,1ff.), wobei sich allerdings zwischen ihnen „ein Recht und eine Verfassung“ (K 5/302,3f.) herausbilden sollen – dort Hermine Ott, die ihren Herzallerliebsten nicht recht zu halten und zu reizen versteht und in der ihr aufgezwungenen Versorgungsehe ohne Recht und Verfassung leise zugrunde geht.

   Das bald kratzbürstige, bald nachgiebige Mädchen Hermine Fryman mit ihrem fröhlichen, derb-neckenden Tonfall ist eine Mischung aus Weichheit und Härte, Hausfraulichkeit, Schönheit und Klugheit – das Idealbild einer Schweizer Frau, eines gesunden und kräftigen Menschenschlags, geformt von einer guten und weisen Erziehung und Produkt eines vernünftig geführten Staatswesens.

   Und interessanterweise versteht sich gerade das muntere Liebespärchen aus der bedächtig-biederen Schweiz virtuos auf die hohe Kunst des leichten Flirts, während ausgerechnet die beiden Protagonisten aus der heiteren, walzerseligen Wienerstadt, Wiege der schönsten Schubertschen Liebeslieder und glänzende Kapitale der phäakischen Lebenslust, in schwerfälliger Unbeholfenheit voreinander erstarren und verstummen.

   Im Vergleich zu Kellers Schweiz ist Saars geliebtes Österreich krank und moralisch geschwächt, die Gesellschaft verkommen und auch die Menschen, und hier besonders die Besten unter ihnen, sind von einem inneren Siechtum befallen, nämlich der Hoffnungslosigkeit und der Resignation. Und so ereilt die immer folgsame kleine Hermine Ott in all ihrer Unschuld zuletzt dasselbe Schicksal wie das artige, in der Klosterschule erzogene, „erst so blühende[ ] Denischen“ in Gottfried Kellers Novelle Die Berlocken: beide enden sie als „gedrückte[ ] Hausfrauchen, [...als] bescheidene[ ] aufgewärmte[ ] Sauerkräutchen“ (K 6/ 338,10f.).

 


[1] Maria Hornung: Lexikon österreichischer Familiennamen. St. Pölten, Wien 1989, S. 101b.

[2] Max Gottschald: Deutsche Namenkunde. Unsere Familiennamen nach ihrer Entstehung und Bedeutung. 4. Aufl. mit e. Vorw. u. e. bibliograph. Nachw. von Rudolf Schützeichel. Berlin 1971, S.  452ab.

[3] Hans Bahlow: Deutsches Namenlexikon. Familien- und Vornamen nach Ursprung und Sinn erklärt. Frankfurt a. M. 31977 (suhrkamp tb 65), S. 370.

[4] (S 7/II,58) = Ferdinand von Saars sämtliche Werke, Bd 7/Tl II,S. 58. – Zitiert nach: Ferdinand von Saars sämtliche Werke in 12 Bänden, im Auftrage des Wiener Zweigvereins der Deutschen Schillerstiftung mit e. Biographie des Dichters von Anton Bettelheim, hg. von Jakob Minor. Leipzig o. J. [1908], hier Bd 7: Novellen aus Österreich, Tl II, S. 58.

[5] Roman Sandgruber: Ökonomie und Politik. Österreichische Wirtschaftsgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Wien 1995 (Österreichische Geschichte, hg. von Herwig Wolfram, Bd 10), S. 191, 237ff., 243-245.

[6] Wilfrid Seibicke: Vornamen. 2., vollst. überarb. Aufl. Frankfurt a. M. 1991, S. 193b.

[7] Lutz Mackensen: 3876 Vornamen. Herkunft, Ableitung und Koseform. Verbreitung. Berühmte Namensträger. Gedenk- und Namenstage. 2. überarb. Aufl. München 1974, S. 85.

[8] Tausend und eine Nacht. Arabische Erzählungen, zum erstenmale aus dem Urtext vollst. u. treu übers. von Gustav Weil, mit 700 Ill., 4 Bde. Berlin 1965. – Vgl dazu auch Wiebke Walther: Alf Laila wa-Laila. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, hg. von Walter Jens, Bd 18. München 1988, S. 97b-101b, bes. 99b.

[9] Mehr über empirisch-historisch nachvollziehbare Daten und Zeiträume sowie über das Alter des Exzellenzherrn vgl. Margarete Wagner: „Wen solche Lehren nicht erfreun, verdienet nicht, ein Mensch zu sein.“ – Ein vorzeitig abgebrochener Opernabend und seine Folgen. Überlegungen zu Ferdinand von Saars Novelle „Der ‘Exzellenzherr’“. In: Prima le Parole e poi la Musica. Festschr. für Herbert Zeman zum 60. Geburtstag, hg. von Elisabeth Buxbaum u. Wynfried Kriegleder. Wien 2000, S. 225-245, hier bes. 225f., 229ff. u. 242, Anm. 4.

[10] Jochen Schmidt u. Redaktion Kindlers Literatur Lexikon: Johann Joseph von Görres: Die Teutschen Volksbücher. Nähere Würdigung der schönen Historien-, Wetter- und Arzneibüchlein, welche teils innerer Wert, teils Zufall, Jahrhunderte hindurch bis auf unsere Zeit erhalten hat. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd 6 (Anm. 8), S. 422b-423b.

[11] Gustav Schwab: Die Deutschen Volksbücher, wiedererz. von dems., 3 Tle mit den Ill. der Ausg. von 1859 u. e. Nachw. von Karl Riha u. Georg Bollenbeck. Frankfurt a. M. 1978 (it 380).

[12] Vgl. dazu auch Kobaus Ausführungen über Saars künstlerische Identifikation mit Benvenuto Cellinis feinziselierender Goldschmiedekunst und der in Goethes Torquato Tasso abgehandelten Problematik eines von Mäzenatentum abhängigen Hofdichters. – Ernst Kobau: Rastlos zieht die Flucht der Jahre... Josephine und Franziska von Wertheimstein – Ferdinand von Saar. Wien, Köln, Weimar 1997, S. 354-387.

[13] (T 6,60) = Torquato Tasso: Das befreite Jerusalem, Buch 6,Strophe 60. – Zitiert nach: Torquato Tasso: Das befreite Jerusalem, aus dem Italien. übers. von J. D. Gries. Leipzig o. J. [1872] (RUB 445-448), hier S. 117. – Es wurde hier bewußt eine Übersetzung gewählt, die Ferdinand von Saar möglicherweise gekannt hat. Es ist aber auch nicht auszuschließen, daß er das Werk in der Originalsprache gelesen hat, denn – laut Selbstaussage – war ihm die italienische Sprache „ziemlich geläufig“. Vgl. Anton Bettelheim: Ferdinand von Saars Leben und Schaffen. In: Ferdinand von Saar: Gesamtausgabe des erzählerischen Werkes, Bd 3. Wien 1959, S. 365-417, hier 384. 

[14] Herbert Hunger: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie mit Hinweisen auf das Fortwirken antiker Stoffe und Motive in der bildenden Kunst, Literatur und Musik des Abendlandes bis zur Gegenwart, 8., erw. Aufl. mit 115 Abb. Wien 1988, S. 387f.

[15] Hunger: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (Anm. 14), S. 112.

[16] Hiltgart L. Keller: Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Legenden und Darstellungen in der bildenden Kunst. 4., durchges. u. erg. Aufl. Stuttgart 1979 (RUB 10154), S. 219.

[17] Hunger: Lexikon der griechischen und römischen Mythologie (Anm. 14), S. 405ff.

[18] Wagner: „Wen solche Lehren nicht erfreun, verdienet nicht ein Mensch zu sein“ (Anm. 9), S. 231.

[19] Vgl. Barbara Gobrecht: Mädchen: Das gute und das schlechte Mädchen. In: Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, hg. von Rolf Wilhelm Brednich, Bd 8. Berlin, New York 1996, Sp. 1366-1375.

[20] (H I/3,460) = Paul Heyse: Gesammelte Werke, Reihe I/Bd 3,S. 460. – Zitiert nach: Paul Heyse: Gesammelte Werke, hg. von Markus Bernauer in 5 Reihen zu 26 Bden, Reihe I, Bd 3: Italienische Novellen. Nachdr. d. Stuttgarter Ausg. 1924. Hildesheim, Zürich, New York 1984, S.456-485, hier 460.

[21] Ferdinand von Saar: Dissonanzen. Die Familie Worel, krit. hg. und gedeutet von Günter Karrasch. Tübingen 1999 (Ders.: Kritische Texte und Deutungen, hg. von Karl Konrad Polheim, Bd 9), S. 31,33f.

[22] Gerhard Wild und Redaktion Kindlers Literatur Lexikon: Prosper Mérimée: Carmen. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd 11 (Anm. 8), S. 573a–574b.

[23] Paul Stefan: Georges Bizet. Zürich 1952, S. 226ff.

[24] Mackensen: 3876 Vornamen (Anm. 7), S. 85.

[25] Wilhelm Busch: Historisch-kritische Gesamtausgabe, hg. von Friedrich Bohne, Bd 2. Wiesbaden, Berlin 2002, S. 203-293, bes. 282-187 (Kapitel 16). – Vgl. dazu auch Gert Sautermeister: Wilhelm Busch: Die fromme Helene. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd 3 (Anm. 8), S. 415a-416a.

[26] Ingrid Peter: Emile Zola: L’Assomoir. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd 17 (Anm. 8), S. 1053a-1054a.

[27] Redaktion Kindlers Literatur Lexikon : Alexandre Dumas fils: La dame aux camélias. In : Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd 4 (Anm. 8), S. 942b-943b.

[28] Richard Mellein: Emile Zola: Nana. In: Kindlers Neues Literatur Lexikon, Bd 17 (Anm. 8), S. 1065b-1066b.

[29] (K 5/266,7) = Gottfried Keller: Sämtliche Werke, Bd 5/S. 266,Zeile 7. – Zitiert nach: Gottfried Keller: Sämtliche Werke in sieben Bänden, hg. von Thomas Böning, Gerhard Kaiser, Kai Kaufmann u. Dominik Müller, Bd 5: Züricher Novellen, hg. von Th. Böning. Frankfurt a. M. 1989 (=Bibliothek deutscher Klassiker 46), S. 266,7.

[30] Vgl. K 5/451.

 

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