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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., Heft 13-14 / 1998, S. 245-248

 

 

GRUSS- UND GEGENGRUSSFORMELN IM UNIVERSITÄREN BEREICH

Mihaela Petrescu, Mirela Geng, Raluca Negriºanu


Einleitung

Unsere Arbeitsgruppe nahm sich vor, die Gruß- und Gegengrußformeln zu analysieren, die sich in der Kommunikation sowohl unter Studenten als auch zwischen Studenten und Professoren ergeben.

Heutzutage ist der Gruß für jeden von uns zu einer Selbstverständlichkeit geworden, über die man sich keine großen Gedanken mehr macht. Doch der Schein trügt. Bei einer genauen Untersuchung stellt es sich heraus, daß dahinter ein großes Maß an Weltkenntnis und -erkenntnis, an Konvention und zugleich auch Kreativität, an Gesellschaftserfahrung und Selbsterfahrung steckt.

In unserer Untersuchung gehen wir von der Annahme aus, daß der Gruß ein Ritual (s. Schema von Hess–Luttich) bzw. ein „gleichbleibendes, regelmässiges Vorgehen nach einer festgelegten Ordnung“ (1) ist.

In unseren theoretischen Erläuterungen bedienen wir uns der Brockhaus-Definition des Grußes. Das Wort stammt aus dem ahd. <gruoz>, zu <gruozen>, das soviel heißt wie anreden eine Antwort herausfordern bzw. Worte und Gebärden bei Begegnung, Ankunft, Abschied. Das Wort Gruß wird vom Westgermanischen <grotjan> „zum Reden bringen“ hergeleitet. Es steht in Verbindung mit der altdt. Sitte, nach der es dem Ankömmling erst nach der Anrede durch den Hausherrn erlaubt war zu sprechen. In der ahd. Bedeutung spiegelt sich noch die germanische Kriegersitte über Speerwurfdistanz, Namen, Herkunft und Absicht des Fremden zu erfragen. Erst mit dem mhd. <gruezen> gewinnt der Gruß langsam die heutige Bedeutung des freundlichen Ansprechens.

Im Rumänischen haben die Grußformeln auch einen sehr alten Ursprung. Schon zur Zeit der Daco-Romanen wurden verschiedenartige Grußformeln und Anredeformeln gebraucht. Viele davon sind verlorengegangen, oder wurden einfach abgesetzt. Die lateinischen Grußformeln aber sind zum größten Teil erhalten geblieben.

Der sehr bekannte: „bunã ziua“ stammt aus dem Lateinischen: dies, und bonus. Varianten des Grußes wären noch: “bunã zioa” und “zioa bunã“ und “a-ºi lua zioa bunã” (2). Eine andere Grußform des Rumänischen wäre: “sã trãiþi!”; sie stammt aus dem Slavischen -traja- und es wird hauptsächlich im militärischen Millieu , von den Untergesetzten den Obergesetzten gegenüber gebraucht. “salutare“, “salut”, “te salut” sind übliche Grußformeln im Rumänischen, die von den Jugendlichen oft verwendet werden. Der Ursprung des Grußes liegt auch im Lateinischen “salutare”; im Logudoresischen gab es die Variante “saludare” und es bedeutet nichts Anderes als “grüßen” abgeleitet von “salut“ (3). Oft gebraucht wird auch “cu respect”, “respectele mele”, wenn man eine Person hochschätzt. Die Jugendlichen aus Bukarest und in den benachbarten universitären Großstädten (und nicht nur), begrüßen sich mit “pa”, das aus dem ung. “pa” stammt.

“Ciao” ist eine moderne Entlehnung aus dem ital. “ciao”.

Der Gruß hat sowohl verbindende als auch ausgliedernde Funktionen, je nachdem, ob er den Gemeinschaftsmitgliedern ein bestimmtes Situationsverhalten auferlegt oder deren Sozialdifferenzen noch zusätzlich hervorhebt. Aus Reflexbewegungen in gewissen Lebenslagen ist allmählich die durch gewohnheitsmäßige Übung charakterisierte Grußgebärde geworden. Die Grußformen entstammten hingegen jüngeren Kulturgeschichten und enthalten vielfach volkstümliche Losungen.

Der militärische Gruß wird durch Anlegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung erwiesen. Grußpflicht besteht z.B. in der Bundeswehr gegenüber dem Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler (bzw. dem Premierminister), dem Verteidigungsminister, gegenüber Generälen und Admiralen, gegenüber dem unmittelbaren Vorgesetzten, ferner beim Hissen der Bundesflagge (bzw. der Tricolore) sowie beim Erklingen von Nationalhymnen. Geschlossene Abteilungen grüßen im Gleichschritt durch Blickwendung, Offiziere und als Zugführer eingeteilte Unteroffiziere durch Handanlegen an die Kopfbedeckung.

 

1. Vorbedingungen für die Untersuchung

Es handelt sich hier um eine Analyse, die als vorläufige Recherche einer weiteren kontrastiv angelegten Studie Deutsch-Rumänisch anzusehen ist. Davon untersuchen wir den ersten Teil, der dem Rumänischen zugewiesen ist.
Die für die Analyse von Grußformeln und ihrer Verwendung angestellten Vorüberlegungen und Einschränkungen im Rahmen unserer Umfrage können nicht im einzelnen behandelt werden. Deshalb wollen wir nur ein paar einschränkende Gedanken der Untersuchung nennen.

Sprecher und Angesprochener äußern sich in derselben Sprache, in unserem Fall in der rumänischen Sprache: die Beschreibung ihrer komplexen sozialen Beziehungen sowie ihrer sprachlichen Äußerungen bezieht sich auf einen bestimmten Zeitpunkt – auf die Gegenwart.

Die hier untersuchten sprachlichen Äußerungen sind nur innerhalb einer bestimmten lokalen Umgebung produziert worden, d.h. in diesem Falle am allen Gruppenmitgliedern gemeinsamen universitären Studienplatz.

Sprecher und Angesprochener gehören zweien unterschiedlichen Gruppen an (einerseits Lehrende, andererseits Lernende) und kennen auch sozial einander.

Die soziale Beziehung zwischen Sprechern und Angesprochenen werden hier unter zwei unterschiedliche Aspekten betrachtet: Distanz und Nichtdistanz. Der Zustand der Distanz zwischen dem Lehrenden und dem Lernenden beruht auf Statusunterschieden, auf gegenseitige Antipathie oder Sympathie, auf bloß oberflächlicher Bekanntschaft. Der Zustand der aufgehobenen Distanz (Nichtdistanz) beruht auf gegenseitiger Sympathie, näherer Bekanntschaft oder Übereinstimmung in den Ansichten.

 

2. Arbeitshypothesen

Bei der Erstellung des Fragebogens sind wir von folgenden Hypothesen ausgegangen:

Da jeder eine eigene Persönlichkeit hat ist es natürlich, daß sich diese unterschiedlich auch in der Einstellung zum Gruß bzw. zu der Wahl der Grußform widerspiegelt.

Es gibt Unterschiede (wie groß diese sind wird sich noch herausstellen) zwischen den von Militär- und Zivilstudenten benutzten Grußformeln.

Die Militärstudenten sind im allgemeinen höflicher den Lehrenden gegenüber als die zivilen Studierenden. (In den Militärvorschriften ist die Grußpflicht vorgesehen).

Erst im persönlichen Umgang miteinander können die zukünftigen Offiziere ihrer Kreativität freien Lauf geben und lockere Grußformeln verwenden.

 

3. Beschreibung des Fragebogens

Der Fragebogen besteht aus 20 Fragen. Fünf davon beziehen sich unmittelbar auf die Person der Befragten. Auf die 11 multiple-choice-Fragen konnte man zwischen 3 und 13 Varianten wählen. Der Fragebogen beinhaltet weiterhin zwei offene und zwei Entscheidungsfragen.

 

4. Beschreibung der Befragten

Die Fragebögen wurden an 80 Studenten verteilt, davon 40 (50%) Militär- und 40 (50%) Zivilstudenten:

20 (25%) Jurastudenten
20 (25%) Informatik- und Elektrostudenten
32 (40%) Fremdsprachenstud.
8 (10%) Studierende anderer Fakultäten
40 (50%) sind männlichen bzw. 40 (50%) weiblichen Geschlechts.

Unter den Befragten sind

23 (28,8%) im I. Studienjahr
49 (61,3%) im III. Studienjahr
8 (10,1%) im IV. Studienjahr

(31,3%) gehören der Altersgruppe 18-20, d.h. 25 Personen , 52 (65 %) können in die Altersgruppe 21-25 eingestuft werden, 2 (2,5% ) sind 26- 30 Jahre alt, während nur 1 Person über 30 Jahre alt ist.

 

5. Schlußfolgerungen

Infolge der Auswertung der 80 Fragebögen haben wir feststellen können:

Beide Gruppen der Befragten 92,5% der Militär- bzw. 82,5% der Zivilstudenten sind der Meinung, daß die Grußform die zwi-schenpersönlichen Beziehungen beeinflußen kann.

Die von den Zivilstudenten am häufigsten benützte Grußform den Professoren gegenüber innerhalb der Universität ist “bunã ziua“ 37 (92,5 %), während nur 21 (52,5%) Militärstudenten diesen Gruß benützen. Wir könnten behaupten, daß “sã trãiþi“ 37 (77,5 %) typisch für das Militärmilieu ist, obwohl dieser Gruß nicht als solcher in den Militärvorschriften zu finden ist.

Die Professorinen werden von 36 (90%) Zivilstudenten mit “bunã ziua“ begrüßt und nur 13 (32,5%) Militärstudenten wählen dieselbe Grußform. Die Letzteren bevorzugen “sãrut mâna“ - 33 (82,5 %). Interessant ist, daß nur bei den Zivilstudenten die Lippenbewegung - 4 (10 %) als Gruß gilt. Es könnte sein, daß laut den strengen Militärvorschriften die einfache Lippenbewegung nicht den Wert eines Grußes haben kann.

Die Militärstudenten grüßen ihre Professoren auch außerhalb der Universität mit “Sã trãiþi” - 18 (45 %). Im Falle der Professorinen setzt sich bei den Zivilstudenten – 32 (80 %) und bei den Militärstudenten 30 (75%) “sãrut mâna” durch. Letzteres läßt sich dadurch erklären, daß die Mehrheit der Militärstudenten männlichen Geschlechts sind.
Der typische Gegengruß der Lehrenden sowohl für die Militärstudenten – 21 (52,5%) als auch für die Zivilstudenten –30 (70%) ist “bunã ziua”. Es fällt auf, daß die Lehrenden im Militärmilieu “salut“ als Gegengruß benützen – 17 (42,5%).

Im Zivilmilieu ist die Lippenbewegung häufiger anzutreffen: 8 (20 %) vs. 1 (2,5%).

Beim Wiedersehen grüßen doppelt so viele Zivilstudenten ihre Lehrenden als die Militärstudenten - 20 (50%) vs. 10 (25%). Es zwingt sich die Schlußfolgerung auf, daß, entgegen unserer Hypothese in Wirklichkeit die Zivilstudenten höflicher sind als ihr Pendant, oder der Automatismus des Grüßens stärker geprägt. Die bei dieser Gelegenheit von den Militärstudenten verwendete Grußform ist “sã trãiþi” - 20 (50%) vs. 0 (0%) für die Professoren und “sãrut mâna“ für die Professorinnen - 19 (47,5 %) vs. 2 (5%).

Die Lieblingsgrußformen der Studenten im Umgang miteinander sind “bunã“- 26 (65%) für Militärstudenten bzw. 33 (82,5%) für Zivilstudenten und “salut”- 35 (87%) für Militärstudenten bzw. - 24 (60%) für Zivilstudenten. Unsere Annahme, daß die Militärstudenten kreativer, was die Schöpfung von Grußformeln betrifft, als die Zivilstudenten seien, ist bestätigt worden:

“noroc” -5 (12,5)
“ciao” - 2 (5%)
“hai noroc” - 1 (2,5%)
“baftã“ - 1 (2,5%)
“hola” - 1 (2,5%)
“hi” - 1 (2,5%)
“Tschüß” - 1 (2,5%)

Um die Professoren zu begrüßen, bevorzugen die Studenten “bunã ziua“- 34 (85%) für Militärstudenten und 40 (100%) Zivilstudenten. Die Militärstudenten verwenden aber auch “sã trãiþi”- 14 (35%) vs. 0%.

Die Wunschgrußformeln der Studenten beim Treffen der Lehrenden sind höfliche Formeln - 25 (62,5%) für Militärstudenten bzw. 27 (67,5%) Zivilstudenten. Interessant ist, daß die Militärstudenten konventionelle Grußformen bevorzugen- 9 (22,5%) vs. 4 (10%) vielleicht im Sinne der Militärvorschrift.

Beim Verabschieden von Lehrenden grüßen die Studenten oft zu erst – 25 (62,5%) für Militärstudenten bzw. 28 (70%) für Zivilstudenten. Die Militärastudenten überlassen in den meisten Fällen den Lehrenden die Wahl des Abschiedsmomentes. Sie grüßen nur selten als erste –8 (20%) vs. 4 (10%).

Beim Abschied grüßen die Zivilstudenten sowohl die Professoren als auch die Professorinnen mit “la revedere” - 23 (57%) vs. –7 (17%) bzw. – 8 (20%) Militärstudenten grüßen ihre Professoren beim Abschiednehmen mit “sã trãiþi” - 28 (70%) vs. 1 (27%). In derselben Situation bevorzugen Zivilstudenten für Professorinnen “bunã ziua” - 22 (55%) vs. – 11 (27%).

Auf den Gruß der Studenten antworten die Lehrenden im Militärmilieu mit “Salut” – 10 (25%) vs. 1(2,5%) und im Zivilmilieu mit “la revedere” - 36 (90%) vs. –20 (50%).

Im allgemeinen hängt die Wahl des Grusses von der Sympathie der Studenten gegenüber den Lehrenden ab: 28 (70%) bzw. – 22 (55%). Aber im Militärmilieu sind auch der Ruf und die Dienststellung des Lehrenden ausschlaggebend – 8 (20%) vs. 2 (5%) und 8 (20%) vs. 1 (2,5%).

In der Regel ist der Gruß für die Studenten eine Respektform – 38 (95%) bzw. 35 (87%), die mit Mimik und Gestik begleitet wird – 25 (62,5%) im Militärmilieu und 26 (65%) im Zivilmilieu.


Literatur:

1. Cioranescu, Alexandru: Diccionario Etimologico Rumano, Fasc. 5

2. Cihac, A. de: Dictionnaire d´etymologie daco-romane, Teil I, 1870

3. Marcu Florin, Maneca Constant: Dicþionar Român de Neologisme, ed. a III-a, Bucureºti 1986

4. Brockhaus, 4. Bd., 18 Bände, 19. völlig bearbeitete Auflage, Mannheim 1992


ANMERKUNGEN:

(1) Brockhaus, 18. Band, 19. völlig bearbeitete Auflage, Mannheim 1992.

(2) A. de Cihac, Dictionnaire d etymologie daco- romane, vol. I, 1870, p.98.

(3) Alexandru Cioranescu, Dictionario etimologico rumano, fasciculo 5; Florin Marcu, Constant Mânecã: Dicþionar de neologisme, Bucureºti, 1986, p. 957.

 

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Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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