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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., Heft 1-2 (11-12) / 1997, S. 59-67

 


 

K/CONJUNK/CTIV: GLEICHLAUTENDE TERMINI IM DEUTSCH-RUMÄNISCHEN SPRACHVERGLEICH
 

Speranþa Stãnescu



1. Grammatische Termini: fachsprachliche Ausdrücke

 

1.1 Eindeutigkeit des Denotats

Grammatische Termini sind Hilfen im Umgang mit den Begriffen, so wie es generell die Wörter als Namen im Umgang mit den Bedeutungen in der Sprache sind. Mit ihrer Hilfe werden grammatische Begriffe (Formeinheiten, Verfahren als Struktureigenheiten der Sprache, Bedeutungselemente u.ä.) benannt und grammatische Regeln formuliert, über die explizites Wissen in nachschlagbarer Form zur Verfügung gestellt wird.

Grammatische Termini sind termini tehnici der Wissenschaft von der Sprache, gehören als solche mit anderen fachsprachlichen Ausdrücken anderer Wissenschaften zusammen und sollten derselben Forderung nach Eindeutigkeit genügen. In der besonderen Situation der Wissenschaft von der Sprache, mit dem Untersuchungsobjekt “Sprache” gleichzeitig als Beschreibungsmittel umgehen zu müssen, ist die an Fachterminologien gestellte Bedingung der Eindeutigkeit oft nicht gegeben.

So lassen sich in den Grammatiken der deutschen Gegenwartssprache sprechende Namen finden, die sich auch als Begriffsdefinitionen verstehen (z.B. Satzgegenstand, Zielgröße, Beifügung). Auch gibt es Situationen, in denen gleiche Termini verschiedene Begriffe bezeichenen (z.B. Subjekt, Rektion, Valenz) oder in denen gleiche Begriffe unterschiedlich benannt werden (z.B. Ergänzung, Ergänzungsbestimmung, Aktant, Mitspieler). Das hängt nicht nur damit zusammen, daß mit umgangssprachlichem Vorverständnis gerechnet wird. Gleiches kann eintreten, auch wenn fremdsprachliches Wortgut oder gar eine formale Sprache eingesetzt wird (z.B. verbirgt die Regel S ® NP + VP sehr unterschiedliche Auffassungen von “Satz” und “Phrase”).


1.2 Theoriebedingtheit grammatischer Terminologie

Mit der Terminologie ist keineswegs festgelegt, welche grammatischen Verfahren einer Sprache beschrieben sind und welchen Geltungsbereich die Begriffe haben. Die theoretischen Unterschiede können in die Analysemethoden eingehen, müssen aber nicht unbedingt in den Begriffsnamen ihren Niederschlag finden. Vielmehr sind die Gegenstände zu einem guten Teil durch den theoriebezogenen Gebrauch mitkonstituiert und sehr oft Grund zu Kontroversen, gerade auch im wissenschaftlichen Bereich.

Dieser Tatbestand schafft u.a. Schwierigkeiten, wenn sich einer zum “Stand der Forschung” in einem grammatischen Bereich einer Einzelsprache dokumentiert. Damit hängt ein Ausspruch der sechziger Jahre zusammen, es gäbe so viele Grammatiken, wieviele Grammatiker. Die Schwierigkeiten sind nicht geringer, wenn Objekt- und Metasprache verschieden sind, wenn in der Muttersprache über eine Fremdsprache z.B. mit dem Deutschen über das Rumänische (Breyer/ Bochmann/ Bronsert 1987) oder umgekehrt (Savin/ Abager/ Roman 1968) gesprochen oder wenn die Grammatik einer dieser Sprachen in die andere übersetzt werden soll (Hoberg 1990). Der Höhepunkt der Problematik, die grammatische Terminologie und der Begriffsapparat kontrastiver Grammatiken, soll hier am Beispiel eines Ausdrucks erläutert werden, der durch Gleichklang begriffliche Unterschiede verschleiert: dt. Konjunktiv, rum. conjunctiv.

1.3 Terminologie im Sprachvergleich

Der theoretische Vergleich zweier Sprachen, als welchen sich auch die KGDR 1993 versteht, muß mit derselben Methode, nach derselben Theorie, mit demselben Begriffs- und Terminologieapparat erfolgen. Das führt dazu, daß in den Vorarbeiten genaugenommen zuerst ein Vergleich ihrer Grammatiken, ihrer Beschreibungen erfolgt, was zur Problematik dieses Beitrags hinleitet. Wenn zwei solche Beschreibungen von Einzelsprachen herangezogen werden, ist nämlich noch lange nicht sichergestellt, daß sie trotz ggf. gleicher Terminologie mit gleichen Kategorien operieren.

Es werden hier am Beispiel eines mit lateinischem Wortgut gebildeten Ausdrucks Beschreibungsvarianten der benannten Kategorien im Sprachvergleich Deutsch-Rumänisch und der Lösungsvorschlag in der KGDR 1993 vorgestellt. Es wird die These vertreten, daß die grammatischen Begriffe und Termini als Elemente eines bestimmen umfassenden, nach Möglichkeit konsistenten Beschreibungsmodells zu betrachen sind, das die Teile eines komplexen Ganzen sowie deren Relationen umfaßt, bezeichnet und verständlich macht. Wenn ein solches nicht für beide zu vergleichenden Sprachen existiert, muß eines gefunden oder erstellt werden, das wenigstens potentiell eine einfache, exhaustive, eindeutige, kohärente Sprachbeschreibung ermöglicht und auch der Systemhaftigkeit beider Sprachen Rechnung trägt. Sauberes Definieren und Benennen von Begriffen ist eine Hauptbedingung. Dabei ist es im Prinzip gleichgültig, ob primär Inhalte oder Formen im Vordergrund stehen. Wichtig allein ist das konsequente Durchhalten des postulierten Ordnungprinzips.


2. Das Verbalsystem in den rumänischen Schulbüchern

2.1 Grammatische Kategorien des Verbs für Deutsch und Rumänisch

Die folgende Darstellung verzichtet auf den Quellennachweis. Sie ist eine Synthese von Kenntnissen, wie sie heute noch in den Schulbüchern zu Deutsch als Fremd- oder als Muttersprache in Rumänien zu finden ist. Es bestehen - wie sich zeigen läßt - verständlicherweise große Ähnlichkeiten zwischen den Beschreibungskategorien für das Deutsche und für das Rumänische, weil sie auf das lateinische Formensystem zurückgeführt werden. Trotz unüberschaubarer jedoch nicht generell erkannter Inkonsequenzen werden sie als solche mit der Rechtfertigung erhalten, die deutsche Sprache könne dadurch den Rumänen lernfreundlicher gemacht werden.

In beiden Sprachen gelten Person, Numerus, Tempus, Modus, Diathese als grammatische Kategorien des Verbs.

In den traditionellen Grammatiken beider Sprachen gelten - wie in den Abbildungen (1) und (1a) dargestellt - bei der “Tempus”-Kategorie eine Vollzugs- und eine Vollendungsstufe für jeweils Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Was die einzelnen Ausdrücke bedeuten, wird dem umgangssprachlichen Vorverständnis überlassen und soll meist aus Beispielsätzen erschlossen werden.

               Abb. (1) Für Deutsch

 

Vergangenheit

Gegenwart

Zukunft

Vollzug

Präteritum

Präsens

Futur I

Vollendet

Plusquamperfekt

Perfekt

Futur II

                Abb. (1a) Für Rumänisch

 

Vergangenheit

Gegenwart

Zukunft

Vollzug

Imperfect

Prezent

Viitor I

Vollendet

Mai mult ca perfect

Perfect simplu, Perfect compus

Viitor II



Für “Modus” gilt allgemein eine Gegenüberstellung von “wirklich - nichtwirklich” und ein nach Zeitstufen gegliedertes System parallel laufender Formen, wie die Schemata (2) und (2a) zeigen.

Die Unterscheidung nach der Person-Numerus-Kategorie führt in Beschreibungen des Deutschen zur Unterscheidung von

• finiten Formen: Präsens Indikativ, Präteritum Indikativ, KONJUNKTIV PRÄSENS, KONJUNKTIV PRÄTERITUM, Imperativ und
• infiniten Formen, wobei letztere traditionell auch “Nominalformen des Verbs” genannt werden: Infinitiv, Partizip Präsens, Partizip Perfekt.
Beschreibungen des Rumänischen unterscheiden
• “moduri personale” /persönliche Modi/: indicativ, CONJUNCTIV, condiþional, prezumtiv, imperativ und
• “moduri nepersonale” /unpersönliche Modi/: infinitiv prezent, gerunziu, participiu, supin.

Die unterschiedliche Schattierung der Rubriken deutet auf die Unterscheidung einfacher von mehrgliedrigen Formen hin. Zur Vorbereitung späterer Diskussion wird der Standort der uns interessierenden Formen und Namen durch VERSALIEN markiert.
 

                Abb. (2) Für Deutsch:

Tempus

 

Modus

Präsens

Präteritum

 

Perfekt

Plusquam-perfekt

Futur I

Futur II

Indikativ

 

 

 

 

 

 

KONJUNK-

TIV

 

 

 

 

 

 

Imperativ

 

 

 

 

 

 

                Abb. (2a) Für Rumänisch:

Tempus

 

Modus

Prezent

Imperfect

Perfect simplu

Mai mult

ca perfect

Perfect compus

Viitor I

Viitor II

Indicativ

 

 

 

 

 

 

 

CONJUNCTIV

 

 

 

 

 

 

 

Condi]ional-Optativ

 

 

 

 

 

 

 

Prezumtiv

 

 

 

 

 

 

 

Imperativ

 

 

 

 

 

 

 



Diese Schemata lassen sich in beiden Sprachen sowohl für Aktiv als auch für Passiv anwenden. Allerdings gibt es im Passiv sprachspezifische Passivparadigmen, so im Deutschen das werden- und das sein-Passiv und im Rumänischen das a fi-Passiv und die se-Form. Außerdem wird in rumänischen Grammatiken auch das Reflexivum als Diathese betrachtet.

2.2. Das deutsche und das rumänische Verbalsystem im “ad hoc-Vergleich”

Da sowohl herkömmliche deutsche als auch rumänische Grammatiken an die lateinische Grammatik anlehnen, ist es nicht verwunderlich, daß familiäre Terminologien den Eindruck von Bekanntheit und Verstehen erwecken.

An dem bisher versimpelt in den Schemata Gezeigten läßt sich behaupten, daß die Zahl der beschriebenen Paradigmen nicht übereinstimmt.
 

                Abb. (3)

 

Deutsch

Rumänisch

Tempora

6

7

Modi

3

5 persönliche, 4 unpersönliche

 

(3 Nominalformen)

 

Diathesen

2

3


Der Irrtum der meisten Beschreibungen
des Deutschen für Rumänen oder des Rumänischen für Deutsche liegt vor allem im naiven Rückgriff auf gleichklingende Namen von eigentlich unterschiedlichen Formparadigmen. Gesprochen wird z.B. von “Anpassung“ (Popa 1979), “Entsprechungen“ (Horak 1979) grammatischer Kategorien oder von Funktionsübernahmen (s. 2.3.3.2 Savin/ Abager/ Roman 1968). Dabei liegt der Schwerpunkt unterschiedlich, mal auf Metasprachlichem, mal auf Inhaltlichem, kaum aber auf Formalsystemischem.
Das liegt u.a. daran, daß weder die Formen noch ihre kommunikativen Funktionen in einem systemhaften Zusammenhang untersucht und den Vergleichen meist die Übersetzung oder die Übertragung von Schlüssen von einem System auf das andere zugrundegelegt werden.

2.3 Das Beispiel “Konjunktiv” und “conjunctiv”

2.3.1 Traditionsgebundene Darstellungen des “deutschen Konjunktiv”

Der Ausdruck Konjunktiv gilt in den Grammatiken der deutschen Sprache für die verdunkelten Rubriken des Schemas (4):
 

 

Präsens

Präteritum

 

Perfekt

Plusquam-perfekt

Futur I

Futur II

Indikativ

 

 

 

 

 

 

Konjunktiv

 

 

 

 

 

 

Imperativ

 

 

 

 

 

 



Eine solche parallele Darstellung des Konjunktivs zum Indikativ, die sich auch in den Termini Konjunktiv Präsens und Konjunktiv Präteritum erkennbar macht, läßt einige falsche Schlüsse über den Inhalt und die kommunikative Leistung von auch formal unterschiedlich gebildeten Verbformen zu:

• Indikativ Präsens und Konjunktiv Präsens würden “Gegenwärtiges”, Indikativ Präteritum und Konjunktiv Präteritum “Vergangenes” zum Ausdruck bringen, ebenso wie die mit den entsprechenden Formen der “Hilfszeitverben” gebildeten “zusammengesetzten Zeitformen” des Verbs. Mit anderen Worten bestünde zwischen dem Konjunktiv Präsens und dem Konjunktiv Präteritum dieselbe inhaltliche Opposition wie zwischen Indikativ Präsens und Indikativ Präteritum.
• Es wird übersehen, daß die Bestimmung der Konjunktivform als Präsens, als Präteritum etc. nichts mit der Inhaltsseite zu tun hat, sondern mit der Bildung der Form. Die klärenden Ersatznamen sind “Konjunktiv I”, weil vom Präsensstamm / der 1. Stammform bzw. “Konjunktiv II”, weil vom Präteritumstamm / der 2. Stammform des Verbs gebildet.

2.3.2 Der “rumänische conjunctiv”

Mit diesem Namen wird ein Komplex benannt, der aus der Konjunktion sã und in der 1. und 2. Person den Präsensformen der Verbs besteht. In der 3. Person stehen vom Präsens abweichende Sonderformen (s. KGDR 1993: 364). Der conjunctiv hat eine auf die Gegenwart (“Jetzt der Sprechzeit”) und eine auf die Vergangenheit (“vor der Sprechzeit”) bezogene Form, das conjunctiv prezent bzw. das conjunctiv perfect (Abb. 2a). Diese Formen sind nur in den seltensten Fällen selbständig. z.B.
 

               Abb. (5) Conjunctiv prezent von a citi ‘lesen’

Singular

Plural

eu (pot) s\ citesc ‘ich kann lesen’

noi (putem) s\ citim

tu (po]i) s\ cite[ti

voi (pute]i) s\ citi]i

el (poate) s\ citeasc\

ei (pot) s\ citeasc\

                Abb. (6) Conjunctiv perfect von a citi ‘lesen’

Singular

Plural

eu (pot) s\ fi citit ‘ich kann gelesen haben’

noi (putem) s\ fi citit

tu (po]i) s\ fi citit

voi (pute]i) s\ fi citit

el (poate) s\ fi citit

ei (pot) s\ fi citit



Es sind, wie aus der Abbildung ersichtlich, von anderen Verben abhängige Formen oder Nebensatzkerne wie im folgenden Beispiel:

• El mi-a lãsat vorbã, sã plãtesc chiria. ‘Er hat mir sagen lassen, daß ich die Miete bezahle.’
Nur in wenigen Fällen erscheint die Form selbständig:
• Sã fie cu noroc! ‘Es möge Glück bringen!’
• Sã trãiascã mirii ºi naºii! ‘Es lebe das Brautpaar und das Patenpaar!’

2.3.3 Konjunktiv vs conjunctiv

Ein kurzer Blick auf die hier dargestellten Formenparadigmen und auch die nur angedeuteten inhaltlichen Leistungen ließe eine Gleichsetzung aufgrund der Bezeichnung nicht zu. Es ist daher umso erstaunlicher, wie ernstzunehmende Grammatiken keine saubere Trennung in ihren vergleichenden Beschreibungen des Deutschen oder des Rumänischen als Fremdsprache machen.

2.3.3.1 Deutsch sprechen über das Rumänische: Beyrer/Bochmann/Bronsert 1987

Die deutschsprachige Grammatik der rumänischen Sprache der Gegenwart ist ein systematischen Prinzipien folgendes, soweit für das Verständnis und die Aneignung des Rumänischen angebracht, “konfrontativ an-gelegtes” Handbuch für Benutzer mit deutcher Muttersprache. (Beyrer / Bochmann / Bronsert 1987:13). Aus vielfachen Gründen ist es aber nicht, wie die Autoren meinen, ein systematischer Vergleich. Mit der Beründung, daß die meisten rumänischen Grammatiken traditionell seien, wird auch das Deutsche mit denselben ihm nicht adäquaten Kategorien beschrieben. Hinzu kommt die inkonsequente Direktionierung der Beschreibung, in der mal vom Rumänischen aufs Deutsche, mal vom Deutschen aufs Rumänische geschlossen wird.
Ein Beispiel ist die eklektisch-forcierte Behandlung der Moduskategorie im Deutschen. Es wird von “tempusspezifischen Konjunktivreihen” gesprochen, da sich der Konjunktiv mit allen Tempora verbinde (vgl. Abb. 2). Im Vergleich dazu habe der rumänische “conjunctiv” nur “prezent” und “perfect”. Die entstandene “Systemlücke”, würde im Rumänischen dadurch gefüllt, daß mit den “Condiþional-optativ (prezent und perfect)” und Prezumtiv (vgl. Abb. 2a) “Entsprechungen” hinzugestellt worden seien (Breyer/ Bochmann/ Bronsert 1987: 152; 156; 193ff.)

 

Rumänisch

wird ins Deutsche übersetzt mit

Conjunctiv prezent

Konjunktiv Präsens

Conjunctiv perfect

Konjunktiv Perfekt

Condi]ional optativ prezent

würde + Infinitiv

Condi]ional optativ perfect

würde + Infinitiv Perfekt


Der in seiner Hauptfunktion und -verwendung völlig unterschiedliche “rumänische conjunctiv” wird dem Deutschen gleichwertig zur Seite gestellt. Die Übersetzungsäquivalenzen sind an den Fingern zu zählen und betreffen Nebenfunktionen sowohl im Rumänischen als auch im Deutschen, z.B.

• Facã-se voia ta! : Dein Wille geschehe!!
• Domnul fie lãudat!: Gelobt sei Gott!/ Gott sei Dank!

Solche Fehlschlüsse liegen am Vorgehen:

• es steht entweder nur die Terminologie oder nur die Übersetzung und damit der Inhalt nicht die Systematik der Formenparadigmen im Vordergrund
• es wird von einer am Deutschen bestimmten Systematik aufs Rumänische geschlossen.

2.3.3.2 Rumänisch sprechen über das Deutsche: Savin/ Abager/ Roman 1968; Horak 1979; Hoberg 1996

Eine ganzheitliche, in Rumänien als “Savin-Grammatik” bekannte rumänisch geschriebene Beschreibung des Deutschen hat jahrzehntelang im Hintergrund aller Bücher zu Deutsch als Fremdsprache gestanden (Savin/Abager/Roman 1968). Sie richtete sich nach dem parallel laufenden traditionellen Muttersprachenunterricht. Die Vergleiche zum Rumänischen bestanden in Übersetzungsäquivalenzen, die Beschreibungssprache war traditionell, möglichst “deutschnah”.

Beispiele für das nicht nur terminologische Wirrwarr, das auf diesem Wege entstand, lassen sich genügend aus dem Kapitel über den Gebrauch der Modi, speziell des “conjunctiv” genannten “deutschen Konjunktivs” anführen. (a.a.O.: 326-327).

Aus den objektsprachlichen Beispielsätzen kann man schließen, der Ausdruck Conjunctiv deckt die als Konjunkiv I und II bezeichneten einfachen und zusammengesetzten Formen. Eine Übersetzung eines solchen Textes ist ein Wagnis, die Lektüre ein Abenteuer:
 

        Abb. (7)

Deutsch

semantische Markierung

Rumänisch

semantische Markierung

Konjunktiv I

referiert

prezumtiv

referiert

 

zu tun

conjunctiv

zu tun

Konjunktiv II

irreal

conditional

irreal

 

 

conjunctiv

irreal

 

 

prezumtiv

irreal

 

distanziert

conditional

distanziert

 

referiert

prezumtiv

referiert


Conjunctivul îndeplineºte în limba germanã atît funcþiile conjunctivului cît ºi pe cele ale condiþional-optativului din limba românã. Prin urmare conjunctivul exprimã în limba germanã:

- o acþiune posibilã (conjunctivul potenþial):

Er könnte hier arbeiten - El ar putea lucra aici.

- o îndoialã (conjunctivul dubitativ):

Das hätte er getan? - El sã fi fãcut asta?

- o concesie (conjunctivul concesiv):

So sei es denn! - Fie aºa! (1)

Das begrifflich-terminologische Chaos ließe sich bei einer Trennung von Form, Inhalt bzw. kommunikativer Leistung in den Begriffen der Sprechhandlungen oder der Sprechabsichten beseitigen. Dann erhielten Sätze wie

Conjunctivul poate avea ºi valoare de

g) imperativ /gemeint ist die Sprechhandlung “Aufforderung” nicht die Flexionsform!/
Man füge der Lösung einen Löffel Zucker bei. - Sã se adauge la soluþie o lingurã de zahãr.

f) indicativ /eigentlich condiþional! nicht Indikativ/
Damit wären wir fertig! - Cu asta am fi gata
... între conjunctivul prezent ºi conjunctivul trecut nu existã nici o deosebire de timp ... Între conjunctivul perfect ºi conjunctivul mai mult ca perfect nu existã deosebiri de timp, ci numai de mod, ambele forme fiind folosite cu înþeles de trecut. ... Conjunctivul viitor are înþeles de viitor
(2)

eher brauch- und lernbare Information.

Horak 1979 hat genaue Vorstellungen von der Trennung von Form und Inhalt, berücksichtigt die sprachenspezifische Begrifflichkeit und Terminologie, indem sie sie in der Schreibweise widerspiegelt und sucht deutsch-rumänische Entsprechungen über das inhaltlich beschreibbare tertium comparationis. Das Ergebnis ist in der Abb. 7 enthalten.

Bei der Übersetzung der Kleinen Deutschen Duden-Grammatik (Hoberg 1996) für Rumänen waren metasprachliche und damit verbundene auch intersystemische Probleme zu lösen, die eine Bearbeitung sowohl des deutschen als auch des neu hinzugetretenen rumänischen Teils erforderten. Der Übersetzer Octavian Nicolae ist einer der Autoren der KGDR 1993 und hat viele der dort gemachten Erfahrungen hier ausgewertet.

Trotz paralleler Beschreibung wird dem einzelsprachlichen Systemgleichgewicht große Aufmerksamkeit geschenkt. So sind nicht die Übersetzungsäquivalenzen von Beispielen für die Nebeneinanderstellung von Sprachelementen ausschlaggebend, sondern kategorielle und funktionale Argumente. Das Ergebnis ist eine unidirektionale deutsch-rumänische Grammatik, die das Rumänische nur insoweit unter dem Aspekt der Unterschiede oder Ähnlichkeiten beschreibt, als Impulse von der Ausgangssprache Deutsch gegeben werden. Auch bleibt die Beschreibung beider Sprachen verständlicherweise dem Duden bzw. Hobergschen Beschreibungsmodell verpflichtet, selbst wenn der Übersetzer an manchen Stellen um einiges Andere wissen dürfte.
 

        Abb. (8)

deutsche Bezeichnung

rumänische Namengebung für die dt. Form

rumänischer Name für die systemeigene Form, der sich vom rumänischen Übersetzungsausdruck unterscheidet

Konjunktiv I

conjunctiv I

conjunctiv

Konjunktiv II

condi]ional

condi]ional


Im Kapitel über den Konjunktiv wird folgende Erläuterung zur Übersetzung der Metasprache gegeben: “Deoarece conjunctivul german are alte valori decât conjunctivul românesc, vom folosi pentru forma numitã de gramaticile germane ...
(3) (s. Abb. 8)

Bei dieser Übersetzungsweise werden “deutschnahe” Fachausdrücke beibehalten, aber auch an der gängigen Metasprache für das Rumänische nicht gerüttelt. So wird durch die Namen conjunctiv I vs conjunctiv die unterschiedliche Form in den beiden Verbformsystemen signalisiert. Mit der neben Konjunktiv II gestellten Bezeichnung condiþional wird für das Deutsche ein neuer Terminus eingeführt, der der Funktionsgleichheit der beiden Paradigmen Rechnung trägt. Dadurch wird erneut eine terminologische Verwirrung gestiftet im Formenbereich.

2.4 Formbezogene Nebeneinanderstellung Deutsch-Rumänisch: KGDR 1993

2.4.1 Der Standort der Formen “Konjunktiv I” und “Konjunktiv II”

Mit dem Risiko, in Rumänien etwas befremdend zu wirken, definiert die KGDR 1993 im Anschluß an Engel 1988 Verben als jene Wörter, die sich konjugieren lassen, genauer, die extensional definierte finite und infinite Formparadigmen haben (s. 2.1). Die dependentielle Verknüpfung von finiten und infiniten Formen ergibt den “Verbalkomplex”.

Traditionelle Begriffe wie Tempora, Modi finden in der so geschaffenen Ordnung im Formenspektrum und in der notwendig neuen Terminologie keinen Platz. Präsens und Präteritum stehen - anders als die Tabellen (2) und (2a) suggerieren - weder temporal noch modal den Konjunktivformen I und II gegenüber. Die inhaltliche Kennzeichnung oder kommunikative Leistung läßt sich auf dieser Grundlage anschließend im Text vornehmen, aufstellen und belegen.

Diese Formen werden gesondert semantisch charakterisiert. Der Inhalt der Verbalkomplexe wird als Summe der Einzelbedeutungen ihrer Komponenten erklärt. (Vgl. 2.4.2.2, 2.4.2.3!)

2.4.2 Keine Verwechslungsmöglichkeit zum “conjunctiv”

2.4.2.1 Die Verbalsysteme im Vergleich

Obwohl durch eine genaue Verbindung des Namen conjunctiv mit der Beschreibung des rumänischen Formenparadigmas im Prinzip jede Verwechslung oder Verwirrung durch den Gleichklang mit dt. Konjunktiv umgehbar sein müßte, haben die Autoren der KGDR 1993 auf einen in älteren rumänischen Grammatiken anzutreffenden grammatischen Ausdruck subjunctiv zurückgegriffen und diesen statt conjunctiv eingesetzt.

Die Abb. (9) bietet das Ergebnis für das Deutsche im Überblick. Die Konjunktiv I- und Konjunktiv II-Komplexe sind durch Schattierung hervorgehoben

Damit ist auch die für populärwissenschaftliche Darstellungen übliche Versuchung aufgehoben, eine Funktionsgleichheit bzw. gegenseitige Übersetzbarkeit des undifferenziert benannten “deutschen Konjunktiv” mit dem “rumänischen conjunctiv” zu vermuten oder gar zu suggerieren.

Die KGDR 1993 ermöglicht durch ihr Konzept (Darstellung von Vorkommen möglichst gleichdefinierter Elementenklassen in beiden Sprachen) eine saubere begriffliche und terminologische Trennung der Sprachbeschreibungen. Außerdem werden durch die Darstellungsweise (eine durchgehende Paralelle zwischen einer linken Spalte mit der Beschreibung des Deutschen und einer rechten Spalte zum Rumänischen) bereits visuell Gleiches, Ähnliches oder Unterschiedliches leicht erkennbar festgehalten. Allgemeines und Sprachübergreifendes wird quer über die Seite geschrieben. Was sich entspricht - als Übersetzungsäquivalent, als gleichartige oder als kontrastierte Kategorie - steht auf gleicher Höhe. Fehlt solches steht zur jeweiligen Sprache entweder nichts oder im Petitdruck ein Vermerk über den Sondergebrauch, über die systematisch rechtfertigte Andersplatzierung u.ä. (KGRD 1993:13ff.)
 

     Abb. (9)

Finite Formen

Verbalkomplexe

Präsens er gibt

Perfekt zum Präsens er hat gegeben

Präteritum er gab

Perfekt zum Präteritum er hatte gegeben

Konjunktiv I er gebe

Perfekt zum Konjunktiv I er habe gegeben

Konjunktiv II er gäbe

Perfekt zum Konjunktiv II er hätte gegeben

Imperativ gib

 

 

Futur I er wird geben

 

Konjunktiv I zum Futur I er werde geben

 

Konjunktiv II zum Futur I er würde geben

 

Perfekt zum Futur I (Futur II) er wird gegeben haben

 

Konjunktiv I zum Futur II er werde gegeben haben

 

Konjunktiv II zum Futur II er würde gegeben haben



Die folgende Tabelle soll das Ergebnis einer formal begründeten Systematik und gleichzeitig die Vorteile eines solchen (hier auch visualisierten) Vergleichs von Deutsch-Rumänisch zeigen. Die verdunkelten Spalten zeigen die systemhafte Nichtentsprechung von Formenparadigmen. Eine semantisch begründete Nebeneinanderstellung ist entsprechend dem Verfahren soweit ausgeschlossen:
 

      Abb. (10)

FINITE FORMEN

       VERBALKOMPLEXE

Deutsch

Rumänisch

Deutsch

Rumänisch

 

 

 

Subjunctiv Prezent

 

 

 

Conditional Prezent

 

 

 

Prezumtiv Prezent

Präsens

Prezent

Perfekt (zum Präsens)

Perfect compus

Präteritum

Imperfect

Plusquamperfekt (Perfekt zum Präteritum)

 

 

Perfect simplu

 

 

 

Mai mult ca perfect

 

 

Konjunktiv I

 

Perfekt zum Konjunktiv I

 

 

 

 

Subjunctiv Perfect

Konjunktiv II

 

Perfekt zum Konjunktiv II

Conditional Perfect


Zu den einzelnen Formen gibt es inhaltliche und Funktionsvergleiche in gesondert als “Gebrauch und Bedeutung des ...” benannten Teilkapiteln.
Aus diesen zitiere ich hier zusammenfassend die uns interessierenden Vermerke als Belege für die in 1.3 vertretene These. Um auch der Darstellungsweise der KGDR 1993 gerecht zu bleiben, habe ich teilweise den Spaltensatz und den Petitdruck übernommen. Falls ohne den Bezug auf die andere Spalte zitiert werden konnte, fehlt der Spaltensatz und hinter dem Zitat steht zur Seitenangabe noch “L” für die Lokalisierung in der linken Spalte und “R” für jene in der rechten Spalte.

2.4.2.2 Der Konjunktiv I und die rumänischen Entsprechungen
Bei den Flexionsformen des Konjunktiv I steht:
Es gibt im Rumänischen keine dem deutschen Konjunktiv vergleichbare Verbform. Im folgenden werden lediglich in einer Reihe von Fällen Übersetzungsäquivalente angegeben, aufgrund derer die große Vielfalt der Ausdrucksmöglichleiten der Inhalte des Konjunktiv I erkennbar wird. (a.a.O.: 324 R).
Das Rumänische kennt keine dem Konjunktiv I, soweit er indirekte Rede anzeigt, unmittelbar entsprechende Form. Die abhängigen Sätze werden im Rumänischen in der Regel durch indikativische Formen wiedergegeben (a.a.O.: 325 R).

Signalisiert der Konjunktiv I “Irrealität eines Sachverhalts”,
steht der Konditional in Subjunktorsätzen mit ca ºi cum, ca ºi când, nach anderen Subjunktorgefügen allerdings alternativ zu indikativischen Formen. (a.a.O.: 328 R); Dem adhortativen Konjunktiv des Deutschen entspricht im Rumänischen meist der Subjunktiv (z.T. in elliptischer Form ohne sã) oder ein unpersönlicher präsentischer Ausdruck.”(a.a.O.:329 R; es folgen nur Übersetzungen der deutschen Beispiele im Petitdruck).

 

“In seiner Hauptbedeutung kennzeichnet der Konjunktiv II einen Sachverhalt als nur bedingt wirklich, wobei die Erfüllung der Bedingung ungewiß bleibt” (a.a.O.: 333).

Diese Hauptbedeutung wird im Rumänischen durch den Konditional wiedergegeben. In Nebensätzen wird der “irreale” Konjunktiv II teilweise auch durch den Subjunktiv wiedergegeben”(a.a.O.: 334 ).

 

“Anstelle des deutschen Konjunktiv II in irrealen Vergleichsätzen wird im Rumänischen der Konditional oder eine indikativische Form, nicht aber der Subjunktiv verwendet” (a.a.O.: 334 (4)).

“In Komitativsätzen mit ohne daß steht der Konjunktiv II oder das Präsens/ Präteritum” (a.a.O.: 335)

“Bei derartigen Konstruktionen steht im Rumänischen der Subjunktiv oder eine Infinitivkonstruktion” (a.a.O.: 335).

In einer ersten Nebenbedeutung kennzeichnet der Konjunktiv II eine Äußerung als wiedergegebenen Text (a.a.O.; 335)

Zur Kennzeichnung eines wiedergegebenen Textes werden im Rumänischen indikativische Formen verwendet. Bei vorsichtiger Redewiedergabe wird statt des Indikativs der Konditional verwendet (a.a.O.: 336)

“In einer zweiten Nebenbedeutung wird durch den Konjunktiv II ein Sachverhalt als erwünscht gekennzeichnet” (a.a.O.: 336)

“Dafür steht im Rumänischen der Konditional” (a.a.O.: 336)

“In einer dritten Nebenbedeutung dient der Konjunktiv II zum Ausdruck der Höflichkeit” (a.a.O.: 337)

“Zum Ausdruck der Höflichkeit wird im Rumänischen alternativ zu indikativischen Formen der Konditional verwendet” (a.a.O.: 337)

 

2.4.2.3 Der Konjunktiv II und seine rumänischen Entsprechungen

Es gibt im Rumänischen keine dem Konjunktiv II vergleichbare einfache Verbform; inhaltlich entspricht ihm der Konditional, der zu den Sonderformen von Verbalkomplexen zählt. (a.a.O.: 330 R)
In der rechten Spalte stehen deshalb nur Kommentare und Übersetzungen der deutschen Beispiele im Petitdruck.

 

“In seiner Hauptbedeutung kennzeichnet der Konjunktiv II einen Sachverhalt als nur bedingt wirklich, wobei die Erfüllung der Bedingung ungewiß bleibt” (a.a.O.: 333).

“In Komitativsätzen mit ohne daß steht der Konjunktiv II oder das Präsens/ Präteritum” (a.a.O.: 335).

"In einer ersten Nebenbedeutung kennzeichnet der Konjunktiv II eine Äußerung als wiedergegebenen Text" (a.a.O.; 335).

“In einer zweiten Nebenbedeutung wird durch den Konjunktiv II ein Sachverhalt als erwünscht gekennzeichnet” (a.a.O.: 336).

“In einer dritten Nebenbedeutung dient der Konjunktiv II zum Ausdruck der Höflichkeit” (a.a.O.: 337).

“Diese Hauptbedeutung wird im Rumänischen durch den Konditional wiedergegeben. In Nebensätzen wird der 'irreale' Konjunktiv II teilweise auch durch den Subjunktiv wiedergegeben” (a.a.O.: 334 ).

“Anstelle des deutschen Konjunktiv II in irrealen Vergleichsätzen wird im Rumänischen der Konditional oder eine indikativische Form, nicht aber der Subjunktiv verwendet” (a.a.O.: 334 ).

“Bei derartigen Konstruktionen steht im Rumänischen der Subjunktiv oder eine Infinitivkonstruktion” (a.a.O.: 335).

“Dafür steht im Rumänischen der Konditional” (a.a.O.: 336)

"Zur Kennzeichnung eines wiedergegebenen Textes werden im Rumänischen indikativische Formen verwendet. Bei vorsichtiger Redewiedergabe wird statt des Indikativs der Konditional verwendet" (a.a.O.: 336).

“Zum Ausdruck der Höflichkeit wird im Rumänischen alternativ zu indikativischen Formen der Konditional verwendet” (a.a.O.: 337).



2.4.2.4 Der Subjunktiv (conjunctiv prezent)

Vorbemerkung: Das Formenparadigma steht bei den “Sonderformen” von Verbalkomplexen (a.a.O.: 363), die als solche gelten, weil sie - entgegen der Definition des VK - auch nicht verbale Elemente enthalten und auf heterogenen Bildungsweisen beruhen. Das ist eine an die rumänische Grammatik gemachte Konzession. Es gelten die “Präsensformen” der Modi conjunctiv, condiþional-optativ und prezumtiv.

In der gesamten Beschreibung der Sonderformen von Verbalkomplexen steht in der deutschen Spalte nichts, da - dem Beschreibungsprinzip folgend - im rumänischen Beschreibungsteil alle Beispiele deutsch übersetzt werden und daraus auf die Entsprechungen implizit geschlossen wird.
 

“Es läßt sich keine deutsche Flexionsform finden, die dem rumänischenSubjunktiv formal entspräche. Inhaltlich steht dem Subjunktiv der Konjunktiv nahe (s. V4.5.2.: adhortativ, final, konzessiv), teilweise übernimmt der Subjunktiv aber dieselbe Rolle wie der abhängige Infinitiv in deutschen Verbalkomplexen (s. Nebenverben) oder er fungiert als (üblichere) Alternative zu Infinitivkomplexen” (a.a.O.: 364) “ Um jede Verwechslung mit dem deutschen “Konjunktiv” vorzubeugen, verwenden wir den auch in manchen rumänischen Grammatiken üblichen Terminus “Subjunktiv” (a.a.O.: 364)



2.4.2.5 Zusammenfassung zu metasprachlichen Fragen in der KGDR 1993

Die KGDR 1993 sollte hier als positives Beispiel für die Art verstanden werden, in der eine präzise Terminologie den Sprachenvergleich erleichtert und verbessert. Entsprechungen können nur auf der Kategorienebene gesucht werden. Jede Sprache aktualisiert diese dann auf eigene Art. Die Namen für die beschriebenen Kategorien dürfen Ähnlichkeiten oder gar Identitäten nicht vortäuschen.

An den Zitaten aus der KGDR ist erkennbar

• daß es in jeder Sprache Formen gibt, für die “Entsprechungen” nur auf der inhaltlichen Ebene möglich sind, ohne daß dadurch von “Systemlücken” gesprochen wird (vgl. 2.3.3.1),
• daß bei der Verwendung des Deutschen als Beschreibungssprache für das Rumänische weitestgehend die Terminologie der rumänischen Grammatik “eingedeutscht” wurde (Beispiel Subjunktiv für subjunctiv, Konditional für condiþional)
• daß an traditonelle und damit üblichere Terminologien aus rumänischen Grammatiken bei Begriffsgleichheit zumindest in Klammern erinnert wird (z.B Subjunktiv/ conjunctiv prezent/ a.a.O. 363 R)
• daß nur zwischen Konjunktiv I und conjuntiv eine terminologische Verwirrung auszuschalten war, da im Falle des Konjunktiv II aufgrund der kommunikativen Leistung eine andersbanannte aber gleichwertige systemimmanente rumänische Form, der Konditional / condiþional, gefunden wurde. Er war deshalb auch nicht weiter Gegenstand dieses Beitrags.

 

Literatur:

1. BDRKG 1979: Engel Ulrich / Isbãºescu Mihai: Beiträge zur Deutsch-rumänischen kontrastiven Grammatik. Erstes Kolloquium des Kollektivs zur DRKG, Sibiu 17.-18. November 1978, Bukarest.

2. Arthur Breyer, Klaus Bochmann, Siegfried Bronsert (1987): Grammatik der rumänischen Sprache der Gegenwart, Leipzig.

3. Ulrich Engel (1988): Grammatik der deutschen Sprache, Heidelberg.

4. Rudolf Hoberg / Ursula Hoberg (1996): Der kleine Duden. Gramatica limbii germane, traducere ºi adaptare de Octavian Nicolae, Iaºi.

5. Valerie Horak (1979): Der Konjunktiv und seine Entsprechungen im Rumänischen. In: BDRKG 1979, 59-64.

6. KGDR 1993: Ulrich Engel / Mihai Isbãºescu / Speranþa Stãnescu / Octavian Nicolae: Kontrastive Grammatik deutsch-rumänisch, Heidelberg, 1993.

7. Lucia Popa (1979): Die Anpassung der grammatischen Kategorien des Rumänischen an die grammatischen Kategorien des Deutschen. In: BDRKG 1979, 80-89.

8. Emilia Savin / Basilius Abager / Alexandru Roman (1968): Gramatica practicã a limbii germane, Bucureºti.

9. Speranþa Stãnescu (1978): Problemele terminologiei lingvistice în perspectiva întocmirii ºi aplicãrii unei gramatici contrastive. In: Limbile moderne în ºcoalã, Bucureºti, 1, 1978, 19-26.

10. Speranþa Stãnescu (1979): Probleme einer adäquaten Beschreibungssprache in der Deutsch-rumänischen kontrastiven Grammatik. In: BDRKG 1979, 90-98.

11. Speranþa Stãnescu (1985): Die Nominalformen des Verbs. Ein Vergleich Deutsch-Rumänisch. In: Limbile moderne în ºcoalã, Bucureºti, 2, 1985, 115-222.

12. Speranþa Stãnescu (1995): Von den Kräften der Sprache. Am Beispiel der grammatischen Terminologie. In: Germanistische Beiträge, Sibiu, Heft II, 1995, 85-103.

13. Elena Viorel (1974): Cele douã forme de pasiv din limba germanã ºi echivalentele lor româneºti. In: Limbile moderne în scoalã, Bucureºti 1, 1974, 49-61.

14. Elena Viorel (1981): Modalverbkomplexe mit sollen und ihre rumänischen Entsprechungen. In: BDRKG 1981, S. 57-65.

 


anmerkungen:
 

(1) Der Konjunktiv erfüllt im Deutschen sowohl die Funktionen des Konjunktivs als auch die des Konditional-Optativs aus dem Rumänischen. Folglich drückt der Konjunktiv im Deutschen folgendes aus: a) eine mögliche Handlung ... b) einen Zweifel ... c) einen Verzicht... - Wohlgemerkt: der Ausdruck Konjunktiv steht undifferenziert für beide deutschen Formenparadigmen.

(2) Der Konjunktiv kann auch der Wert des g) Imperativs ... h) des Indikativs... annehmen. ... Zwischen dem Konjunktiv Perfekt und dem Konjunktiv Plusquamperfekt gibt es keinen zeitlichen, sondern nur einen modalen Unterschied, wobei beide Formen mit Vergangenheitsbedeutung verwendet werden. Der Konjunktiv Zukunft hat Zukunftsbedeutung.

(3) Weil der deutsche Konjunktiv andere Werte als der rumänische Konjunktiv hat, werden wir folgende Terminologie für die in den deutschen Grammatiken “Konjunktiv” genannten Formen verwenden: ...

(4) Als Mitautorin an der KGDR 1993 staune ich selbst, wie uns eine solch fehlerhafte Formulierung entgangen sein konnte. Sie ist im Sinne des hier Dargestellten selbstverständlich falsch. “Anstelle” ist zu ersetzen mit “dort wo im Deutschen ...”.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 6. Jg., Heft 1-2 (11-12) / 1997, S. 59-67  

 

 

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