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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

Inwieweit vollzieht sich bei den Banater deutschen Dialektsprechern ein Codewechsel nach der Übersiedlung in die Stadt?

Eveline Hâncu
 

Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung zweier Varietäten des Deutschen: der Temeswarer Stadtsprache und der rheinfränkischen Mundarten der Dörfer. Der Schwerpunkt liegt nicht in der Analyse des Sprachwandels im allgemeinen, sondern in der Dialektveränderung. Da im Banat viele deutsche Dialektsprecher aus den Dörfern in die Stadt übersiedelt sind, kann man annehmen, daß die Sprechweise dieser Mundartsprecher einem Wandel ausgesetzt wurde.    

Um zu überprüfen, inwieweit ein Codewechsel stattgefunden hat, werden frühere Aufnahmen (der Wenkersätze) von einigen aus dem Dorfe stammenden Dialektsprechern mit neuen Aufnahmen verglichen. Die Gewährs-personen, die befragt wurden, leben schon seit geraumer Zeit in der Stadt und haben wahrscheinlich auch ihre Sprache den neuen Umständen angepasst. Es ist zu erwarten, daß nach der Übersiedlung in die Stadt einige mundartliche Eigenheiten aufgegeben wurden und daß bairisch-österreichische Elemente (die für die Banater Städte kennzeichnend sind) in die Sprache eindrangen. Auch der Einfluß der Hochsprache muß berücksichtigt werden, da dieser auch dazu beigetragen hat, daß das Rheinfränkische (das in den meisten Banater Dörfern gesprochen wird) zurückgedrängt wurde. In dieser Arbeit werden also all die Merkmale hervorgehoben, durch die sich die jetzige Sprechweise der ehemaligen Dorfbewohner von der früheren unterscheidet.

Um über die Beziehung zwischen Dialekt und Sprachwandelvorgängen zu sprechen ist es nötig einen Umriß dessen aufzuzeichnen, was als Sprachwandel aufgefasst werden soll.

 Man spricht von Spracherhaltung oder Sprachbewahrung (engl. language maintenance) "wenn der Fortbestand einer Sprache durch eine andere Sprache bzw. durch Sprecher einer oder mehrerer anderer Sprachen bedroht ist" (Dressler, 1988:1551). Ist dies der Fall, dann müssen wir von Situationen des Bi / Multilinguismus bzw. der Di / Polyglossie ausgehen ; in diesen sind Muster bzw. Regeln der Sprachwahl feststellbar. Wenn sich diese Muster der Wahl zweier Sprachen diachron zugunsten einer anderen (rezessiven) Sprache verändern, sprechen wir von Sprachverschiebung / Sprachverlagerung / Sprachumstellung (engl. language shift). Weinreich definiert diesen Begriff als "the change from the habitual use of one language to that of another"(1953:68). Gal (1996:586) hebt hervor, daß "although the determining factors in any community's language shift are non-linguistic,they always have important structural,linguistic consequences". Gibt es keinen Sprecher der rezessiven Sprache mehr, dann hat eine völlige Sprachverschiebung (engl. language replacement) stattgefunden. Diese Art der Sprachverschiebung wird auch noch als Sprachuntergang (Sprachtod) bezeichnet. Dem Sprachtod geht eine Phase voraus, in der alle Angehörigen der betreffenden Sprachgemeinschaft zwei- oder mehrsprachig sind. Stabiler Bi / Multilinguismus herrscht bei Spracherhaltung, während instabiler Bi / Multilinguismus zu Sprachtod führen kann. Sprachtod via Sprachverschiebung tritt nur bei Minderheitensprachen bzw. sprachlichen Minderheiten ein, seien es demographische (zahlenmäßige) oder funktionelle Minderheiten. Bedroht sind daher nur sehr kleine und schwache Sprachgemeinschaften.

 Als Teilbereich der Soziolinguistik des Sprachwandels ist der Sprachzerfall (der zum Sprachtod führt) verschieden aufgefasst worden: als überschneller bzw. drastischer Sprachwandel, als Simplifizierung oder Reduktion zu einer pidginartigen dysfunktionalen Sprachform oder auch als Sprachselbstmord. Für den Sprachzerfall sind strukturelle Veränderungen typisch: stärker als bei sonstigem Sprachkontakt finden sich Interferenzen, und zwar einseitige Entlehnungen aus der dominierenden in die rezessive Sprache, wobei die Asymmetrie der Entlehnungsrichtung die soziale, die soziopsychologische und meist sozio-ökonomische und politische Hierarchie der Sprachgemeinschaften widerspiegelt. Ein typischer phonologischer Wandel liegt in der Verschiebung eines 'fremden Akzents' von der Mehrheitssprache zur Minderheitssprache. Auch morphologische Affixe und syntaktische Konstruktionen können entlehnt werden. Diese Entlehnungen stellen nicht einfach eine Bereicherung der Minderheitssprache dar, sondern sind mit dem Verlust einheimischer Elemente und Strukturen verbunden.

Der Begriff Code-switching bezeichnet "den sprachlichen Wechsel von einem Satz kookurierender Regeln zu einem anderen"[1]. Dieser Wechsel kann mit dem Ein- / Ausschalten eines Lichtschalters verglichen werden (engl. to switch on / off). Code-switching kann als "the juxtaposition within the same speech exchange of passages of speech belonging to two different grammatical systems or subsystems"(Gumperz 1982:47 zitiert in Schlobinski 1988:84) definiert werden. Die Fähigkeit der Sprecher sprachliche Varietäten zu wechseln setzt zweierlei Kompetenzen voraus:

 1. eine kommunikative Kompetenz hinsichtlich der kontextuellen Rahmenbedingungen und Situationsdefinition adäquat zu wechseln

 2. eine linguistische Kompetenz hinsichtlich der grammatischen Regeln der Varietäten und spezifischen Kookkurrenzrestriktionen. Schlobinski (1988:84) behauptet, daß Code-switching ein pragmatischer Modus der Kommunikation ist und sich oftmals auf das Wie von Äußerungen bezieht. Wichtig ist die Fähigkeit des Sprecher aus einem stilistischen Repertoire verschiedene Register zu ziehen.

Sprachvarietäten im Banat

Die deutschen Ansiedler kamen nach der Beendung der Türkenherrschaft in die neue österreichische Provinz, ins Banat. Diese sogenannten Schwaben kamen vor allem aus linksrheinischen, also westlichen, und aus südlichen Gebieten. Daraus kann man folgen, daß die im Banat gesprochenen Mundarten teils ein westmitteldeutsches, teils ein oberdeutsches Gepräge haben. Nach den Kennwörtern Appel / Apfel zerfallen sie in mitteldeutsche und oberdeutsche Mundarten. Die Appel / Apfel - Linie trennt das südliche Gebiet des Hochdeutschen vom mitteldeutschen Teil, in dem die Verwandlung von germanischem anlautendem p- und inlautendem - pp - zu pf nicht stattgefunden hat. Die oberdeutschen Mundarten nennt man darum auch Apfel - Mundarten und die mitteldeutschen Appel - Mundarten. Die letzteren bilden die Mehrheit der im Banat gesprochenen Mundarten. Das Mitteldeutsche läßt sich in Westmitteldeutsch und Ostmitteldeutsch gliedern. Im Westmitteldeutschen wird das ältere p- behaucht ausgesprochen, im Ostmitteldeutschen wird im Anlaut statt des pf - ein f gesprochen. Im Banat gibt es nur westmitteldeutsche und oberdeutsche Mundarten. Die Mundarten die in dieser Untersuchung in Betracht gezogen werden, sind westmitteldeutsche, genauer gesagt rheinfränkische Mundarten. Man hat festgestellt, daß sich die rheinfränischen Mundarten mit ihrem einfacheren Laut - und Formensystem als die stärkste und widerstandsfähigste Mundartengruppe erwiesen haben (Weidlein o.J.: 248 zitiert in Wolf 1987 :83). Diese knappe Darstellung der Banater Mundarten und insbesondere der rheinfränkischen Mundarten soll als theoretische Grundlage für ein besseres Verständnis der Aufnahmen der rheinfränkischen Mundarten gelten.

Das Rheinfränkische herrscht in der Banater Sprachinsel vor; dabei muß erwähnt werden, daß im Banat Mischmundarten gesprochen werden und daß das Rheinfränkische sich nicht mit all seinen Merkmalen durchgesetzt hat. Das Rheinfränkische ist keine einheitliche Mundartlandschaft, es zerfällt ins Pfälzische und Lothringische (im südwestlichen Teil) und ins Hessische (im nordöstlichen Teil). Im Banat sind vor allem die Kennzeichen des Pfälzischen durchgedrungen. Das Pfälzische wird vom Hessischen durch die fescht / fest - Linie getrennt, oft wird der Begriff rheinfränkische fescht - Mundarten gebraucht. Es geht also um Mundarten, in denen auch das in - und auslautende st als scht gesprochen wird, ebenso wird das sp als schp gesprochen. Die reinfränkischen Mundarten, die in dieser Arbeit in Betracht gezogen wurden, sind alle südrheinfränkische Mundarten, im folgenden wird eine Gruppierung der untersuchten Banater Ortschaften nach der Zugehörigkeit zu bestimmten Mundartgruppen vorgenommen; da wir es mit Mischmundarten zu tun haben, steht in der Klammer eine zweite Bezeichnung:

- südrheinfränkisch (moselfränkisch): Bogarosch, Großjetscha, Lenauheim, Knes;

- südrheinfränkisch: Ostern, Uiwar, Woj-teg;

- südrheinfränkisch (bairisch) : Keglewitschhausen;

Während das westliche Banat mit "Schwaben" überwiegend aus linksrheinischen Gebieten des Heiligen Römischen Reiches besiedelt wurde, ließen sich in Temeswar Beamte, Gewerbetreibende und Kaufleute aus den österreichischen Kronlanden nieder. Jeder brachte wohl seine Mundart mit, in der Stadt bequemte man sich jedoch schnell dem Wiener Beamten-Deutsch an (Hollinger, NBZ 2294, 1970).

Wolf (1987:120) behauptet, daß sich in Temeswar

eine mundartliche Sprechweise entwickelt hat, in die Laut- und Formeigenheiten der österreichischen Mundart eingegangen sind.

In Temeswar kann man heute generationsbedingte Unterschiede in der Stadtsprache bemerken. Die richtige Stadtsprache wird nur noch von der älteren Generation gesprochen. Die jüngere Generation hat sich, durch die Schulbildung bedingt, an die Standardsprache angepasst. (Dittrich, 2000: 83).

Die deutschsprachige Bevölkerung des Banats kann in drei unterschiedliche Gruppen eingeteilt werden: die Banater Schwaben, die die ländlichen Otrschafen bewohnen, die Berglanddeutschen des süd-lichen Banats und die deutsche Stadtbevölkerung. Der Begriff Banater Deutsch bezieht sich also einerseits auf die Vielfalt der Ortsmundarten,andererseits auch auf die Stadtsprachen. Meist wurde die deutsche Sprache dieser unterschiedlichen Gruppen getrennt untersucht, da die rheinfränkische Mundart, die in den Dörfern rings um Temeswar gesprochen wird, sich von der bairisch-österreichischen Stadtsprache durch viele Merkmale unterscheidet. Natürlich gab es einen gegenseitigen Einfluß zwischen der Stadt- und der Dorfmundart, es kam jedoch nicht zu einem sprachlichen Ausgleich zwischen Dorf und Stadt, beide bewahrten die Züge der eigenen Mundart.

Sprachverschiebungsfördernd ist der Umzug zahlreicher Dorfbewohner in die Stadt. Es stellt sich nun die Frage, ob der ehemalige Dorfbewohner im neuen Umfeld weiterhin seine Mundart spricht oder ob er versucht sich die Stadtsprache anzueignen. Um dies zu untersuchen habe ich bei einigen Dorfbewohnern, die seit unterschiedlichen Zeitspannen in Temeswar leben, Befragungen durchgeführt. Diese neuen Aufnahmen werden mit älteren Daten aus den 70er Jahren, die in den ländlichen Ortschaften erhoben wurden, verglichen. In beiden Fällen galten die Wenkersätze als Ausgangspunkt der Untersuchung. Um festzustellen, ob Veränderungen in die Sprache eines aus einer bestimmten Ortschaft stammenden Dorfbewohners eingedrungen sind, werden Aufnahmen mit einer aus demselben Dorfe stammenden Gewährsperson herangezogen.

Um genau untersuchen zu können, welche mundartlichen Merkmale der Dorfbewohner nach dem Umzug in die Stadt aufgegeben hat und welche Eigenheiten der Stadtsprache sein Deutsch kennzeichnet, ist eine kurze Darstellung der typischsten morphologischen und phonetischen Merkmale der Temeswarer Stadtsprache, sowie auch der Merkmale, die für die Banater Appel-Mundarten kennzeichnend sind, notwendig.

Kennzeichen der Mundarten

1. die Infinitivform der Mundarten ist durch den Abfall des -n gekennzeichnet : arweide, spile, kloppe, hole;

2. das Präteritum ging verloren (Ausnahme -das Hilfsverb sein); statt des Präteritums steht das Perfekt ;

3. im Präfix ge- des Perfektpartizips fällt der Vokal e vor den stimmlosen Reibelauten f, sch, s und vor dem Hauchlaut h in allen Banater Mundarten aus: gfall, gschwor;

4 . einige Partizipien werden ohne ge- verwendet: gang, kumm / komm, kriet

5. die starken Verben der Banater rheinfränkischen Mundarten haben überwiegend endungslose Partizipien: gstorb, geproch;

6. in der ersten Person Plural verwendet die Mundart das Pronomen miir / mer;

7. das zwischenvokalische -g- ist ausgefallen, z.B. in saan 'sagen,' froon 'fragen';

8. für das schriftsprachliche inlautende -b- steht in den Mundarten der ältere Reibelaut -w- : driwe 'drüben', Buwe ' Buben ', Arweit Arbeit', Kälwer 'Kälber';

9. die kurzen Vokale i und ü werden in der Mehrheit der Banater Appel-Mundarten vor r zu ä gesenkt; man sagt : sich ärre für 'sich irren',Gschärr für 'Geschirr', Bärscht für 'Bürste';

10. östrerreichischer Einfluß im Wortschatz:Rauchfang, Fleischhacker,Tischler;

11. der bairisch-östrreichische Einfluß geht in manchen Ortschaften über den Wortschatz hinaus und macht sich auch in bestimmten lautlichen und grammatischen Eigenheiten bemerkbar; in manchen Ortschaften haben sich die Formen enk und enker für euch und euer behauptet;

12. ein anderes bairisches oder allgemein oberdeutsches Kennzeichen ist der Vokalausfall in dem Präfix ge- des Partizips vor den Sonanten l,r,m,n sowie vor w und j: glebt, gnäht; die überwiegende Mehrheit der Banater rheinfränkischen Mundarten gebraucht das enk nicht, hat also das e in ge- bewahrt: gelebt, gemach(t), genäht;

13. ein moselfränkisches Element, das in manchen Appel- Mundarten vorkommt, ist die Bildung des Passivs mit gen oder gin: Er get net kfroot!

 Die typischsten morphologischen und phonologischen Merkmale der Temeswarer Stadtsprache:

1. feminine Substantive, die auf e auslauten verlieren das e, einige erhalten zusätzlich ein -n: Rosn, Kerzn, Lindn;

2. manche Substantive erhalten in Unterschied zur Standardsprache einen Umlaut: ta Wagn - ti Wägn, ta Kastn - ti Kästn;

3. die Diminutivierung der Substantive geschieht gewöhnlich mit dem Suffix -l: Radl, Katzl;

4. die Umschreibung des Genitivs ist das wichtigste morphologische Merkmal in der Deklination der Substantive : mei Vatta sei Haus (das Haus meines Vaters);

5. die erste Person Plural des Personalpronomens wir wurde in der Temeswarer Stadtsprache durch mir ersetzt;

6. im Bereich des Personalpronomens ist noch ein anderes Merkmal auffallend: die Form ees tritt auch als enklitische Endung -s an die konjugierten Verbformen : ihr / ees habts; Wohin gehts?;

7. die Endung -e fällt im Präsens der ersten Person Singular ab: ich geh, ich fahr;

8. in der zweiten und dritten Person Indikativ, Präsens erhalten die Verben keinen Umlaut: ich fahr - du fahrst - er fahrt;

9. ein anderes Merkmal der Temeswarer Stadtsprache ist die Umschreibung des Konjunktiv durch mögen oder tun:

 Wenn ich tu wär, mecht / tät ich nit so viel essn (Wenn ich du wäre, äße ich nicht so viel / würde ich nicht so viel essen);

10. der Vokalausfall in dem Präfix ge- des Perfektpartizips ist ein anderes Merkmal der Temeswarer Stadtsprache: gsessen, gmacht; manchmal wird das Partizip II auch ohne dieses Präfix gebildet : kauft, krigt, gebm; es kommen aber auch Formen mit ge- vor: getroffn, gebracht;

11. außerdem wird nach manchen Präpositionen, die den Akkusativ verlangen, auch der Dativ verwendet:

Ich hab tes Gschenk fir ihm kauft.

(Ich habe das Geschenk für ihn gekauft.)

Im folgenden Kapitel werden die älteren und die neuen Aufnahmen der Wenkersätze gegenübergestellt. Dabei werden auch die Wenkersätze in der Stadtsprache von Temeswar herangezogen. Ziel dieser Gegenüberstellung ist festzustellen inwieweit jene Gewährs-personen, die dieses Jahr befragt wurden, die aber schon seit geraumer Zeit in der Stadt leben, von Elementen der Stadtsprache beeinflußt worden sind (upward convergence)[2]. Die Gewährspersonen stammen aus folgenden Ortschaften: Großjetscha, Knes, Ostern, Lenauheim, Keglewitschhausen, Uiwar, Bogarosch, Wojteg.

 

WENKERSÄTZE (Beispiele)

 

1. Beispielsatz in der Standardsprache

2. Wenkersatz in der Stadtmundart von Temeswar

3. Wenkersatz in rheinfränkischer Mundart - Aufnahmen aus den 60er- 70er Jahren.

4. Wenkersatz in rheinfränkischer Mundart-aktuelle Aufnahmen

 

(WS 1)

1. Im Winter fliegen die trockenen Blätter in der Luft herum.

2. [im vint fli:gh ti trokhn (trokhnn) plet in t luft rum .]

3. [im vint∂ fli: ∂ ti truk∂n∂ pled∂ in t∂ luft rum.]

 4. [im vint∂ fli: ∂ (fli:gn) ti truk∂n∂ (trok∂ne) pletr in t∂ luft rum .]

 

(WS 2)

1. Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.

2. [es he:rt klaiç auf tsu ònain, tan vert / verts (virts) vet∂ vi:d∂ pes∂ .]

3. [∂s he:rt klai uf tsu òne:∂, no: / tan verts vet∂(r) vi:t∂r pes∂r.]

4. [∂s / tes he:rt klai uf mit òne:∂ (tsu òain), no: / tan verts (virt tas) vet∂r vi:ter pes∂r.]

 

(WS 3)

1. Tu Kohlen in den Ofen, daß die Milch bald anfängt zu kochen.

2. [tu: kho: ln in t∂ o:fn tås ti miliç pålt ånfankt tsu khocn (khoc∂) /, tån fånkt ti milç pålt ån tsu khocn .]

3. [tu: ko:l∂ in t∂ o:v∂, tas ti miliç pal ånfaht tsu khoc∂.]

4. [tu: (kip) kho:l∂ (kho:ln) int∂ o:v∂ (o:fn) tas ti miliç (milç) klai ånfaht tsu khoc∂ (khocn).]

 

(WS 4)

1. Der gute alte Mann ist mit dem Pferd durchs Eis gebrochen und in das kalte Wasser gefallen.

2. [t∂ / ter kute ålte mån iz mitm pfert ins ais ainkeprocn (keprocn) / turçs ais ainkeprocn unt iz ins khålte vås∂ rainkfåln / unt ins (in tes) khålte

 vås∂ kfåln.]

3. [t∂ / te: ku:d∂ (ku:di) alt∂ (alti) man is mitm pher torçs ais k∂proc un ins kalti vas∂r kfal.]

4. [ter kud∂ (kudi) alt∂ (alti) man is mitm pher (pfert) durcs ais k∂proc (keprocn) un ins kalt (kalde) vas∂r kfaln (kefaln).]

 

(WS 5)

1. Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.

2. [er iz fo:r fi:r od∂ seks vocn kòtorbm.]

3. [er is fo:r fi:r od∂r seks wuc∂ kòtorp.]

4. [er is fo:r fi:r od∂r seks vuc∂ (vocn) kòtorp (keòtorbn).]

 

(WS 13)

1. Es waren schlechte Zeiten.

2. [es va:rn òleçte tsaitn.]

3. [∂s vår∂ òleçt∂ / òleçti tsaid∂.]

4. [∂s vå:r∂ (vå:rn) òleçte tsaidn.]

 

(WS 23)

1. Wir sind müde und haben Durst.

2. [mi:r sain (sint) mi:t unt håbm turòt / unt sain turòtrik.]

3. [m∂r (mir) sin (sen) mi:tun han toròt.]

4. [mi:r (vi:r) sin (sain) mi:t (mi:de) un (unt)han (habn) toròt (turst).]

 

WENKERSÄTZE IM VERGLEICH

Schon aus dem ersten Wenkersatz wird ersichtlich, daß die Formen, die für das Verb fliegen (3. Person, Plural, Präsens, Indikativ) angegeben werden, verschieden sind. In den meisten Fällen wurde die Form fli:∂ genannt, so wie sie auch in den früheren Aufnahmen anzutreffen ist. Man bemerkt jedoch, daß vereinzelt auch die Form fli:gn vorkommt, sie wurde wahrscheinlich aus der Temeswarer Stadtsprache übernommen. Untersucht man auch die anderen Wenkersätze, so fällt auf, daß im Bereich des Verbs einige mundartliche Elemente aufgegeben wurden. Die Endung des Infinitivs ist in den Mundarten der erwähnten Ortschaften [3], sie ist auch in allen früheren Aufnahmen aus diesen Dörfern anzutreffen. In den neuen Aufnahmen stehen jedoch neben Formen wie òne: ∂, khoc∂, paiz∂, mac∂, ne: ∂ auch Formen der Stadtsprache : ònain, khocn, paisn, macn ,ne:n. Wie schon erwähnt, ist das starke Perfektpartizip in der Mehrheit der Banater Appel-Mundarten durch Endungslosigkeit gekennzeichnet. Die Endungslosigkeit des II. Partizips ist im deutschen Sprachraum in den linksrheinischen Gebieten des Rhein- und Moselfränkischen verbreitet. Die überwiegende Zahl der Banater Siedler stammt aus diesen Gebieten, aus diesem Grunde hat sich das endungslose Partizip auch im Banat durchgesetzt. Aus der Analyse der Wenkersätze wird ersichtlich, daß die Dorfbewohner nach dem Umzug nicht immer das PartizipII endungslos gebrauchen: keòtorbn, k(e)faln, keprocn, kefa:rn, ketri:bn,die Mehrheit der befragten Personen verwendet weiterhin die mundartlichen Formen: kòtorp (WS 5), kfå:r (WS 40), k∂proc (WS4), kfal(WS 4).

Die neuen Aufnahmen beweisen auch, daß die Hochsprache, nicht nur die Stadtprache, einen Einfluß auf die Mundarten ausübt. Dies zeigen die schon erwähnten Formen keòtorbn, keprocn, kefa:rn. Sowohl im Dialekt als auch in der Stadtsprache fehlt bei diesen Verben der Vokal im Präfix ge- (kfå:r bzw. kfa:rn), einige der befragten Personen verwenden jedoch Formen wie keòtorbn, in denen der Vokal beibehalten wurde; dies ist ein Beweis für den Einfluß der Schriftsprache.

Im Banat kann man ein fast völliges Verdrängen des einfachen Präteritums durch das analytische Perfekt feststellen. Nur eine sehr kleine Gruppe von Verben bewahrt das Präteritum; in zahlreichen Dörfern wird nur das Präteritum des Hilfsverbs sein (iç vå:r) verwendet. Die früheren Aufnahmen beweisen deutlich, daß das Präteritum in den Banater deutschen Mundarten ausfällt und daß seine Funktionen vom Perfekt übernommen werden:

[tes vort ∂s ∂m fom herts kom.] (Lenauheim)

[tes vort is ∂m fum herts∂ kum.] (Keglewitschhausen)

[tes vort izm fum herts kum.] (Uiwar)

Manchmal wurde auch das Präsens verwendet, wo in der Schriftsprache das Präte-ritum steht:

[tas vort komt i:m fom herts.] (Großjetscha)

[s vort kumt fun saim herts.] (Großjetscha)

Aufallend ist, daß in den neuen Aufnahmen oft die Präteritumform des Verbs kommen gebraucht wurde (kam, 3.Person, Singular, Prätertitum) (WS 34), die Hälfte der befragten Gewährspersonen hat in diesem Wenkersatz nicht mehr das Perfekt verwendet. Da die Anzahl der befragten Personen nicht sehr groß ist, kann man keine allgemein gültigen Schlußfolgerungen ziehen, es ist jedoch interessant zu beobachten, wie einige Mundartsprecher von der Schriftsprache beeinflußt wurden und wie sie das Präteritum, das sie auf dem Dorfe wahrscheinlich nicht verwendet hätten, jetzt gebrauchen.

Für die hochsprachliche Form bin (1. Person, Singular, Indikativ, Präsens) stehen in den Mundarten der erwähnten Dörfer die Verben sin bzw. sen, auch in den Aufnahmen aus den 70er Jahren erscheinen nur diese zwei Formen. sin kommt in Großjetscha, Ostern, Uiwar, Keglewitschhausen und Bogarosch vor, sen in Lenauheim und Knes. Vergleicht man jedoch die neuen Aufnahmen des Wenkersatzes 40 (Ich bin mit den Leuten da hinten über die Wiese ins Korn gefahren) mit den älteren, so ist nicht zu übersehen, daß heute die Form pin vorherrscht. Diese Form ist auch in der Temeswarer Stadtsprache üblich, es ist also schwierig festzustellen, ob es sich hier um den Einfluß der Stadtsprache oder der Schriftsprache handelt. Für die Form sind (1. Person, Plural, Präsens, Indikativ) wird weiterhin die mundartliche Form sin gebraucht, selten verwendet der Dorfbewohner die Form sain, die in seinem Dorf nicht üblich war, jedoch in Temeswar gebraucht wird (nur von der älteren Generation[4]) : mi:r sain mi:t (WS23). Nur eine der befragten Personen hat die Form sint verwendet.

Der Infinitiv mit zu wird in unseren Mundarten weniger gebraucht als in der Hochsprache. Oft wird noch wie im Mittelhochdeutschen der reine oder einfache Infinitiv nach einigen Verben (z.B. sich getrauen) und einigen adjektivisch gebrauchten Partizipien (gewohnt) verwendet, d.h. daß die Banater deutschen Mundarten noch zum Teil auf einer älteren Stufe der Sprachentwicklung verharren[5].

Auch die finale Infinitivkonstruktion mit um + zu wird in unseren Mundarten gewöhnlich durch für eingeleitet. (iç prauc kerb∂ far pro:t pak∂). Die Aufnahmen zeigen, daß der Mundartsprecher auch in der Stadt weiterhin die Präposition für (for) und nicht um + zu gebraucht : for ∂ flaò vain austrihk∂ (WS 16). Einige der befragten Personen verwenden heute die Kombination für + zu : for ∂ flaò vain austsutrihk∂, während die frühen Aufnahmen beweisen, daß in den ländlichen Ortschaften die Präposition zu in diesem Wenkersatz nicht gebraucht wurde.

Im Bereich des Substantivs sind nur einige Veränderungen zu erwähnen. In der Mundart gibt es folgende Pluraltypen[6]:

1. Substantive, die sich im Plural nicht ändern :Schwein,Friend;

2. der Plural wird durch Umlaut bezeichnet: Stuhl-Stihl, Kuh-Kih, Schof-Schäf;

3. der Plural wird auch durch die Endung- e bezeichnet : Gaß- Gasse, Johr- Johre;

4. der Plural wird durch die Endung -er bezeichnet : Heft-Hefter;

5. der Plural wird durch Lautabfall oder durch Assimilation bezeichnet : Pherd-Pher, Hund-Hunn;

Die Aufnahmen beweisen, daß aber auch die Endung -n (für die Stadtsprache typisch) bei manchen Substantiven vorkommt. Für den Plural des Substantives Woche finden wir in den früheren Aufnahmen die Formen voc(Keglewitschhausen, Ostern) bzw. vuc (Bogarosch, Uiwar, Knes usw.) , die neuen Aufnahmen weisen auch die Form vocn (WS 13) auf. In den rheinfränkischen Mundarten wird tsaid∂ für den Plural von Zeit verwendet, nach dem Umzug in die Stadt hat sich mancher Dorfbewohner die Form tsaitn angeeignet (WS 13). Sowohl vocn als auch tsaitn sind Formen, die für die Stadtsprache typisch sind. Auch für den Plural des Substantivs Berg wird von 3 Gewährspersonen die Form perg (die für die Temeswarer Stadtsprache kennzeichnend ist) angegeben. Die Mehrheit der befragten Personen gebraucht jedoch weiterhin die mundartliche Form perç∂ . Auch o:v∂ wurde in einigen Fällen durch o:fn ersetzt (WS 3), kho:l∂ durch kho:ln (WS 3), khucdurch khucn (WS 6).

In den Dörfern, aus denen die Gewährspersonen stammen, wird eine Appel_- Mundart gesprochen. Das Wort 'Appel' ist nur als Beispiel gewählt, es beweist, daß in diesen Mundarten die Verschiebung von germanischem anlautendem p- und inlautendem -pp- zu pf nicht stattgefunden hat. Die neuen Aufnamen analysierend, stellt man leicht fest, daß die Sprechweise der Dorfbewohner in der Stadt beeinflußt wurde, da diese das pf aussprechen, obwohl dies in ihrer Mundart nicht üblich war (WS 26). Ein anderes Merkmal des Westmitteldeutschen ist die behauchte Aussprache des p im Anlaut, dementsprechend ist auch in den Mundarten, die in dieser Arbeit besprochen werden, die Form Pheffer zu erwarten . In den neuen Aufnahmen kommen jedoch neben phunt und phef∂r auch die Formen pfunt und pfef∂r vor. Die Mehrheit der Gewährspersonen spricht auch nach dem Umzug in die Stadt das p im Anlaut behaucht (WS 7, WS 30 , WS 26,WS 43).

Wie schon erwähnt, werden die kurzen Vokale i und ü in der Mehrheit der Banater Mundarten vor r zu ä gesenkt. Diese Vokalsenkung finden wir jedoch nicht mehr in der Sprechweise aller Personen vor, die dieses Jahr befragt wurden. Das Wort peròt ist für ' Bürste ' üblich, aber auch pirste (Temeswarer Stadtsprache pirstn) wird gebraucht.

Typisch für die Banater Mundarten ist die Form mir (m∂r, mr) für die 1.Person, Plural des Personalpronomens. Sie wird auch in der Stadt noch bewahrt (WS 27), trotzdem wird aber auch von einigen Sprechern die hochsprachliche Form vi:r angegeben (WS 12, WS 23, WS 42). Die Formen mit m anstelle des w entstanden durch die Assimilierung im Satzzusammenhang, durch Angleichen an die Endung des Verbs : sin wir > sin mir > mir sin. Die schwach betonten Formen der Pronomina werden in der Stellung nach dem Verb und in der Verbindung mit Präpositionen oder Konjunktionen auch heute noch besonders stark reduziert : kent∂(r) (könnt ihr,WS 27); mit∂ (r) (mit dir,WS 12); ham∂r (haben wir,WS 42).

Ein Merkmal der Possessivpronomen ist sowohl in der Temeswarer Stadtsprache als auch in den Banater Mundarten der Verlust ihrer Endungen in adnominalem Gebrauch. In den neuen Aufnahmen kommt aber auch unz∂re (WS 39) (1.Person, Plural) neben unz∂ (r) und sain neben sai vor (WS 33). Hier handelt es sich wahrscheinlich um den Einfluß der Hochsprache.

Die Pronomen werden größtenteils auch nach dem Umzug der Dorfbewohner in die Stadt genau so wie in den Mundarten verwendet, in diesem Bereich haben keine auffallenden Umwandlungen stattgefunden .

Auch Adverbien haben keine wesentlichen Wandlungen erfahren bis auf einige Ausnahmen, wie z.B die Ersetzung der mundartlichen Form traus durch trausn.

Die Mundarten unterscheiden sich von der Gemeinsprache nicht nur durch lautliche Besonderheiten, sondern auch durch kennzeichnende Wörter. Manche dieser Wörter wurden jedoch aufgegeben oder ersetzt. Ein Beispiel dafür ist auch das Adverb hart. Im Dialekt hat es auch die Bedeutung 'laut, mit starkem Klang,weithin hörbar': Er hert schlecht, mer muß hart rede (Er hört schlecht, man muß laut sprechen). Unter hochsprachlichem Einfluß schwindet jedoch diese Bedeutung, hart wird verdrängt und laut dringt vor. Dies beweisen auch die Aufnahmen, einige der befragten Personen verwenden das Adverb laut statt hart, das eigentlich für die Mundart typisch ist (WS 22, WS 31). In den Mundarten wurde oft für das Verb sprechen das Zeitwort reden gebraucht, es wird jedoch immer mehr verdrängt (WS 31). Auch in der Temeswarer Stadtsprache werden beide Formen gleichzeitig gebraucht. Auch Hutweide (gemeindeeigenes Weideland) wird immer mehr durch das hochsprachliche Substantiv Wiese verdrängt (WS 40), Haltre durch Hirten (WS 41). Dies zeigt, daß sich Mundartsprecher, wenn sie sich mit anderen Personen verständigen wollen, die keinen / oder einen anderen Dialekt kennen, sich der Situation und dem Gesprächspartner anpassen. Sie wählen oft eine Erscheinungsform, die zwischen ihrer Ortsmundart und der Schriftsprache liegt.

Niedzielski (1996:333) hebt den Einfluß des Interviewers auf die Gewährsperson hervor:

There had been work demonstrating that speakers matched their speech styles to tape-recorded stimuli in a variety of ways, such as their speech rate and intensity levels, and even when instructed explicitly not to.

Der Kontext, in dem eine Idee geäußert wird, spielt zwar eine Rolle in der Wahl des Sprechstils, Niedzielski zeigt jedoch

that a major role in the choice of 'prestigious' or 'nonprestigious' speech style plays the interviewer's style and, crucially, the informant's (subconscious or conscious) response to that style, that seemed to play a central role in the variety the speaker used.

Schlussfolgernd wird festgestellt:

According to SAT (Speech Accomodation Theory) speakers modify their speech styles not in response to the context of the event, but in response to the addressee's style.

Es ist also möglich, daß die befragten Personen, die manchmal aus dem Dialekt in die Schriftsprache übergegangen sind, vom Interviewer beeinflußt worden sind. Niedzielski (1996:334) zeigt, in Ahnlehnung an Bourhis / Giles, daß:

Not only did the speakers move towards the speech styles of their interlocutors […] but they were also found to move away from their interlocutors if they had a negative attitude towards their addressee.

Daraus könnte man schließen, daß einige Mundartsprecher manchmal Dialekt gesprochen haben (auch wenn sie in der Alltagssprache auch stadtsprachliche Elemente in Äußerungen gebrauchen) um einen Kontrast zwischen der vom Interviewer gebrauchten Schriftsprache und der Mundart hervorzuheben.

Ein zusammenhängendes Territorium ist für Spracherhaltung besser als räumliche Trennung. Betrachtet man die ländlichen Ortschaften des Banats, in denen Mundart gesprochen wurde, als zusammenhängendes Territorium, dann kann behauptet werden, daß die räumliche Trennung von der Stadt auch zur Erhaltung der Mundart beigetragen hat. Man kann gewisse Einfüsse nicht leugnen, jedoch haben diese nicht zu einer Sprachumstellung in den Dörfern geführt. Die Sprecherzahl hat auch zur Beibehaltung der Mundart beigetragen. Da sich die Zahl der Mundartsprecher vermindert hat, kann man annehmen, daß der Dialekt nun viel leichter einem Wandel ausgesetzt werden kann. Die Veränderungen des Sprachverhaltens in Dialekt-Standardsprache-Gebieten sind von gesellschaftlichen und situativen Faktoren bedingt. Ein wichtiges Element ist der jeweilige Grad der ' Öffentlichkeit' bzw. ' Privatheit' durch den die Sprachverwendungssituation als Ganzes charakterisiert wird. Wird eine Sprache nur im privaten Bereich gebraucht, dann ist sie keinen äußerlichen Einflüssen ausgesetzt.

Aus dieser Arbeit wird ersichtlich, daß einige Mundartsprecher auch nach dem Umzug in die Stadt noch Dialekt sprechen. Die Mehrheit der befragten Personen lebt seit weniger als fünf Jahren in Temeswar und wurde nur in geringem Maße von der Stadtsprache beeinflußt.Man hat nur wenige Elemente der anderen Sprachvarietät übernommen da man Dialekt nur im privaten Bereich sprach und die Mundart nicht in Kontakt mit anderen Sprachvarietäten kam. Der Grad der Öffentlichkeit ist klein, also ist der Mundartsprecher nicht geneigt eine der Standardsprache näher stehende Varietät zu gebrauchen.

Manche Elemente, die aus der Hochsprache übernommen wurden, können auch auf den Einfluß des Interviewers auf die Gewährsperson zurückgeführt werden.

Man bemerkt jedoch, daß sich bei zwei der Gewährspersonen, die seit mehr als zwanzig Jahren in der Stadt wohnen, ein Sprachwandel vollzogen hat. Elemente der Temeswarer Stadtsprache wurden wahrscheinlich in den 70er Jahren übernommen als der Öffentlichkeitsgrad der Stadtsprache noch größer war und als auch noch außerhalb des familiären Bereichs noch deutsch gesprochen wurde. Schon Ende der 70er Jahren verschwand das Deutsch in der Stadt aus vielen Domänen; aus diesem Grund konnte man annehmen, daß die Dorfbewohner, die erst seit zehn Jahren in der Stadt leben, kaum noch von der Stadtsprache beeinflußt wurden. Dabei wäre noch zu erwähnen, daß das Deutsch der deutschsprechender Temeswarer der Standardsprache schon viel näher liegt als vor einigen Jahrzehnten[7].

Aus dieser Untersuchung geht hervor, daß die Mundartsprecher nach dem Umzug in die Stadt nur in geringem Maße von Elementen der Stadtsprache beeinflußt worden sind. Da der Öffenlichkeitsgrad der Mundart gering ist, kam es nur selten zu einem Übergang in die Stadtsprache und somit wurde der Dialekt bewahrt.

 

Literatur:

1.     Dittrich, Karin (2000): Zur Morphologie der deutschen Stadtsprache in Temeswar (Diplomarbeit).

2.     Dressler, Wolfgang (1988): Spracherhaltung-Sprachverfall-Sprachtod. In: Steger, Hugo / Wiegand, Ernst Herbert (Hrsg.): Soziolinguistik, Handbücher zur Sprach- und Kommunikations- wissenschaft, Walter de Gruyter Verlag, Berlin-New York, Bd. 3, S. 1551-1563.

3.     Fink, Hans (1969): Besonderheiten der Temeswarer deutschen Umgangssprache (Diplomarbeit).

4.     Gal, Susan (1996): Language shift. In: Steger, Hugo / Wiegand, Herbert Ernst (Hrsg): Kontaktlinguistik, Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Walter de Gruy-ter Verlag, Berlin - New York, Bd. 12, S. 568-593.

5.     Kottler, Peter (1977): Die Grundformen des Verbs in den Banater Mundarten rhein- und moselfränkischer Prägung, Universitatea din Timiºoara, Facultatea de Litere, Filosofie ºi Istorie, Seminarul de Lingvisticã 4.

6.     Kottler, Peter (1984): Sprachliche Kennzeichnung der Banater Deutschen. In: Gehl, Hans (Hrsg.), Schwäbisches Volksgut. Beiträge zur Volkskunde der Banater Deutschen, Facla Verlag, Temeswar.

7.     Niedzielski, Nancy / Giles, Howard (1996): Linguistic accomodation. In: Steger, Hugo / Wiegand, Ernst Herbert (Hrsg.): Kontaktlinguistik, Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Walter de Gruyter Verlag, Berlin -New York, Bd. 12, S. 332-342.

8.     Schlobinski, Peter (1988): Code-switching im Berlinischen. In: Dittmar, Norbert / Schlobinski, Peter (Hrsg.): Wandlungen einer Stadtsprache. Berlinisch in Vergangenheit und Gegenwart. Colloquium Verlag, Berlin, S. 83-100.

9.     Wolf, Johann (1987): Banater Deutsche Mundartenkunde, Kriterion Verlag, Bukarest.


 

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[1] Vgl. Peter Schlobinski (1988): Code-switching im Berlinischen.Colloquium Verlag, Berlin, S.84.

[2] Vgl. Nancy Niedzielski / Howard Giles (1996): Linguistic accomodation, de Gruyter, Berlin - New York, S. 336.

[3] Vgl. Peter Kottler (1977): Die Grundformen des Verbs in den Banater Mundarten rhein- und moselfränkischer Prägung, Seminarul de lingvisticã,Timiºoara, S. 9.

[4] Vgl. Karin Dittrich (2000): Zur Morphologie der deutschen Stadtsprache in Temeswar (Diplomarbeit) S.85ff.

[5]Vgl. Peter Kottler (1977); Die Grundformen des Verbs in den Banater Mundarten rhein- und moselfränkischer Prägung, Seminarul de lingvisticã, Timiºoara, S. 11.

[6] Johann Wolf (1987): Banater Deutsche Mundartenkunde, Kriterion Verlag, Bukarest, S. 187f.

[7] Vgl. Karin Dittrich (2000): Zur Morphologie der deutschen Stadtsprache in Temeswar, S.15.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

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