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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., 13-14 / 1998, S. 436-437

 

 
„KULTURWISSENSCHAFTEN, DATENBANKEN UND EUROPA“.

Internationale Konferenz, Debrecen, 29.09.-3.10.1998



 

Das Wiener Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse (INST) veranstaltet seit einigen Jahren internationale Konferenzen zu besonders gewichtigen Fragen der geistigen Auseinandersetzung der Gegenwart. 1995-1996 wurden solche wissenschaftlichen Veranstaltungen im Hinblick auf die Herausarbeitung der Problematik zur Erforschung österreichischer Literatur (Riverside, Wien, Sankt Petersburg, New Dehli). 1997-1998 galten die Konferenzen in Innsbruck und Schlaining einem ähnlichen Ziel, wobei Gegenstand der Debatten die Erforschung internationaler Literaturprozesse war und zu den Fragen des Kulturaustausches und der gegenseitigen geistigen Anregungen eine solide Brücke geschlagen wurde. Eine andere Veranstaltungsform war das Kulturseminar.

Das INST hat außerdem die Initiative ergriffen, eine virtuelle, also computergestützte Ausstellung zum Thema Kulturwissenschaften und Europa zu konzipieren und vorzubereiten, die aus Anlaß von Konferenzen erläutert und gezeigt werden soll, was inzwischen schon in Paris, New Dehli, Brüssel und Debrecen geschah.

Zu den Aufgabenstellungen des INST gehören auch Internet-Seminare in der Form, wie es auch in Bukarest gehalten worden ist. Eine Neuigkeit ist auch die Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften TRANS (http://www.adis.at/arlt/institut/trans), die freilich weltweit abrufbar und auch in englischer und französischer Fassung zu lesen ist. Über die Homepage des INST (http://www.adis.at/arlt/institut) sind seit 1998 Suchmaschinen zugänglich, die die vom INST und von seinen PartnerInnen zur Verfügung gestellte Information liefern. Damit wurden bedeutende Schritte zur Verbesserung und Förderung der weltweiten wissenschaftlichen Kommunikation unternommen.

Nachdem also die Problematik der Erforschung und Förderung nationalbedingter sowie weltweit wirksamer Literaturprozesse systematisch angegangen wurde und nachdem eingehende Grundlagendiskussionen unter anderem zu den Fragenkomplexen Kultur/Civilisation, „Nationalkulturen“, Inter- bzw. Transkulturalität, inter- bzw. Transkuturelle wissenschaftliche Herangehensweisen stattfanden, wurden in Debrecen hauptsächlich Grundprobleme der gegenwärtig laufenden kulturellen Prozesse und die damit zusammenhängenden internationalen Querverbindungen in Angriff genommen und vertieft, die für die wissenschaftliche Dokumentation von großer Bedeutung sind. Anvisiert wurden eine ganze Reihe von prinzipiellen und konkret-pragmatischen Aspekte dieser Grundproblematik wie: Veränderungen in der Gesellschaft und ihre Folgen für die wissenschaftliche Einrichtungen wie die Universitäten; grenzüberschreitenden Kultur- und Kunstprozesse oder die Internationalisierung von Nationalkulturen; Möglichkeiten und Grenzen der gegenwärtigen Kunst; Gestaltung neuer Kommunikationsstrukturen und die neuen Herausforderungen an die Wissenschaften; Überwindung der Grenzen im Bereich der wissenschaftlichen Information durch elektronische Vernetzung und Errichtung von Datenbanken zur Kultur- und Literaturentwicklung, Erstellung von traditionelle oder elektronisch gestützten Bibliographien; strukturelle Neugestaltung der inneren und äußeren wissenschaftlichen Kommunikationsstruktur unter Berücksichtigung der allgemeine zugänglichen bisherigen Erfahrung.

Die bisherigen Konferenzen zeigen gleich in ihren Überschriften die bisherigen Schwerpunkte der durch das INST international geförderten Debatte: Europäische Literatur- und Sprachwissenschaften (Innsbruck), Konflikte, Internationalisierungen, Kul-turwissenschaften (Schlaining bei Wien), Kulturdatenbanken und Europa (Debrecen).

Die Debrecener Konferenz bot ein vielfältiges Programm an. In den Plenen wurden maßstabsetzende Referate programmiert wie: Kultuwissenschaften, Informationsstrukturen, Europa (Herbert Arlt), Kulturlandschaft Mitteleuropa. Kleiner virtueller Spaziergang in der ungarischen Literatur – mit Hinblick auf Österreich (Tamas Lichtmann), Ein neues Arbeitsfeld für LiteraturwissenschafterInnen: Literatur im World Wide Web (Andrea Rosenauer) oder Internet-Zeitschriften (Angelika Czipin).

In jeder Sektion der Konferenz wurden Impulsreferate gehalten, die von einzelnen Vorträgen ergänzt wurden. Die Thematik der zehn Sektionen erfaßte die breite Palette der zur Debatte stehenden Fragen: Forschungen zur österreichischen Literatur, Texte und Datenbanken; Kulturwissenschaftliche Konzeptionen und europäische Prozesse; Wissenschaft und Informationssysteme – nationale Sammlungen und grenzüberschreitende Analysen; Internationalisierung, Forschungsrichtungen, Universitäten, Forschung und Ausbildung; Kulturwissenschaftliche Forschungseinrichtungen und Universitäten im Internet; Internationale Science Communication – Zeichen, Sprachen, Begriffe, Formen; Wissenschaft und Internet: Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung; Wissenschaft, Hard- und Software-Industrien, EU, UNESCO; Wissenschaftliche Darstellungen, Auktorialität, Transdisziplinarität und Internet; kulturwissenschaftliche Forschung und gesellschaftliche Umsetzung.

Rumänien war durch einen Sektionsleiter mit Impulsreferat (George Guþu, Bukarest) und zwei wissenschaftliche Vorträge (Mariana und Ioan Lãzãrescu) vertreten. So sprach George Guþu über Möglichkeiten und Grenzen kulturwissenschaftlicher inner- und interuniversitärer Forschung mit konkreten Angaben zur Forschungstätigkeit der Bukarester Universität. Ioan Lãzãrescu berichte über Das Österreich-Bild in den rumänischen DaF-Lehrwerken zwischen Klischee und Realität, während Mariana Lãzãrescu Angaben zur Bibliographie zu Hugo von Hofmannsthal in Rumänien machte.

In der abschließenden SektionsleiterInnen-Sitzung und im Plenum wurde ein Papier zu den Ergebnissen der Konferenz erarbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die ungarischen Gastgeber haben sich bemüht, den Aufenthalt der TeilnehmerInnen so angenehm wie möglich zu machen.

Dieser Zyklus von Konferenzen soll 1999 in Paris mit einer ähnlichen Veranstaltung zum Thema International Cultural Studies fortgesetzt werden. Dabei gilt als zentraler Ausgangspunkt der Gedanke, daß im Zeichen der sichtbar gewordenen Globalisierung und Internationalisierung das Phänomen Kultur in seinem engeren Sinne sowie Kulturwissenschaft kaum eine Rolle mehr spielen. Mit diesem Tatbestand soll die Pariser Konferenz inhaltlich, methodologisch, terminologisch sowie institutionell neue Vorstellungen entwickeln, die den neuesten Erkenntnissen und Technologien gerecht werden sollen.


George Guþu

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 7. Jg., 13-14 / 1998, S. 436-437

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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