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ERICH KÄSTNER

in der „Kinderzeitung von Klaus und Kläre“

Heike Nieder

Einleitung

Ich habe von Anton erzählt, obwohl er dem Emil Tischbein so ähnlich ist, weil ich glaube, von dieser Sorte Jungen kann man gar nicht genug erzählen, und Emile und Antone können wir gar nicht genug kriegen! Vielleicht entschließt ihr euch, so wie sie zu werden? Vielleicht werdet ihr, wenn ihr sie lieb gewonnen habt, wie diese Vorbilder, so fleißig, so anständig, so tapfer und so ehrlich?[1]

Bereits im „Kleine[n] Nachwort“ seines Romans „Pünktchen und Anton“ formuliert Erich Kästner das Hauptprogramm seines jugendliterarischen Schreibens. Was er 1931 noch beiläufig als Aufforderung an seine Leser artikuliert, findet später immer öfter auch Eingang in seine öffentlichen Reflexionen über die Aufgaben des Jugendschriftstellers. So erklärt er in seiner Rede auf der Internationalen Tagung für das Jugendbuch in Zürich im Jahr 1953: „Die Jugend braucht Vorbilder, wie sie Milch, Brot und Luft braucht. Und sie braucht frische Milch, frisches Brot und frische Luft“.[2]

Die Vermittlung von „frischen“ Vorbildern ist demnach die Hauptaufgabe jedes verantwortungsbewussten Jugendschriftstellers. Damit ist das Vorbild für Kästner einer jener Werte, die es zu beschwören gilt, um „eine freundlichere Welt“ zu schaffen:

Und er [der Jugendschriftsteller, Anm. d. Verf.] weiß, daß es [...] doch noch ein paar echte Werte gibt: das Gewissen, die Vorbilder, die Heimat, die Ferne, die Freundschaft, die Freiheit, die Erinnerung, die Phantasie, das Glück und den Humor. [3]

Kästner selbst hat sich an diese seine Maximen gehalten und versucht, der Jugend mit seinen Kinderbüchern Vorbilder zu liefern. Diese Vorbilder entsprechen seinem „gelungenen Entwurf vom Menschen“.[4] Emil und Anton sind da nur zwei Beispiele.

Betrachtet man sich die Figuren in Kästners Literatur für Kinder, bekommt man demnach einen Eindruck davon, wie Kästners „gelungener Mensch“ auszusehen hat. So ist es nicht verwunderlich, dass die literaturwissenschaftliche Forschung den Figuren in den von Kästner verfassten Romanen für Kinder bereits mehrfach Beachtung geschenkt hat.[5]

Anders verhält es sich mit den frühsten publizistischen Arbeiten Erich Kästners für Kinder. Seitdem Helga Bemmann 1983 ihre Kästner-Biografie „Humor auf Taille. Erich Kästner – Leben und Werk“ veröffentlicht hat, ist die publizistische Tätigkeit Erich Kästners für das Leipziger Familienmagazin „Beyers für Alle“ und dessen Kinderbeilage bekannt. Er veröffentlichte hier Erzählungen, Gedichte sowie eine große Anzahl von Artikeln, die mit „Klaus und Kläre“ – oder nur mit „Klaus“ oder nur mit „Kläre“ – unterzeichnet sind. Die Redaktion der Zeitung etabliert damit zwei Kinderfiguren, die angeblich an der Herausgabe der Kinderbeilage mitbeteiligt sind. Klaus und Kläre sind Geschwister und wenden sich stets in Briefform an die Leser. In der Forschung gilt es als relativ gesichert, dass diese Texte in Wahrheit auf die Autorschaft Kästners zurückzuführen sind.[6] Zu einer Analyse dieser Artikel ist es bisher noch nicht gekommen. Meine Magisterarbeit, die die Grundlage dieses Vortrags ist, will diese Lücke schließen und einen Anfang machen.

Da sich Erich Kästner in erster Linie als ein Jugendschriftsteller versteht, der seine Leser mit seinen Büchern erziehen will und dieses Ziel, nämlich die Vermittlung bestimmter Werte und Verhaltensweisen, durch die Schaffung von Vorbildern zu erreichen versucht, liegt es nahe, sich die Figuren Klaus und Kläre näher anzuschauen. In den rund 190 Texten, die von 1926 bis 1932 mit „Klaus und Kläre“ – oder nur mit einem der beiden Namen – unterschrieben sind, entwickeln diese beiden Figuren ein eigenes Profil. Mit meiner Magisterarbeit legte ich eine Figurenanlayse vor, die zeigt, mit welchen Werten und Eigenschaften Erich Kästner Klaus und Kläre ausstattet und welche Techniken der Figurencharakterisierung er benutzt, um diese Werte und Eigenschaften zu vermitteln. Da es sich bei Klaus und Kläre um eine Jungen- und eine Mädchenfigur handelt, war es darüber hinaus interessant, die geschlechtsspezifischen Charakterisierungsmerkmale herauszuarbeiten. Geht Kästner hier konform mit dem gängigen Jungen- und Mädchenideal seiner Zeit, ist er demgegenüber eher rückschrittlich oder progressiv? Im Folgenden werde ich kurz das von mir verwendete Analyseinstrumentarium vorstellen. Im Anschluss daran werde ich einen Teil der Ergebnisse skizzieren.

Analyse der Figuren Klaus und Kläre

1977 veröffentlichte Manfred Pfister sein Werk „Das Drama“. Der Autor liefert hier ein umfassendes Analyseinstrumentarium für Dramenfiguren. In Teilen sind die Ausführungen Manfred Pfisters auch auf nichtdramatische Texte anwendbar. So übertrug Hans-Werner Ludwig in seinem 1982 erschienenen „Arbeitsbuch Romananalyse“ das von Pfister eingeführte Instrumentarium auf Prosatexte.[7] Bei beiden Werken handelt es sich um Standartwerke, die bis heute oft zitiert[8], empfohlen[9] und neu aufgelegt wurden.[10] Aus diesem Grund wählte ich das von Pfister bzw. Ludwig gesetzte Analyseinstrumentarium als heuristisches Instrument für die Figurencharakterisierung von Klaus und Kläre.

Pfister teilt die Charakterisierungstechniken für eine Dramenfigur in zwei Hauptgruppen auf. Als „figural“ bezeichnet er jede Charakterisierung, die von der Dramenfigur selbst ausgeht, als „auktorial“ bezeichnet er diejenige Charakterisierung, die den impliziten Autor zum Sender hat.[11] Als nächstes unterscheidet Pfister zwischen „expliziten“ und „impliziten“ Klassifizierungskriterien. „Damit kommen wir zu vier Klassen von Techniken der Figurencharakterisierung: explizit-figurale, implizit-figurale, explizit-auktoriale und implizit-auktoriale“.[12]

Die explizit-figuralen Charakterisierungstechniken bezeichnet Pfister als „durchgehend sprachlich“.[13] Sie werden umgesetzt im Eigenkommentar, in dem eine Figur explizit ihr Selbstverständnis artikuliert, und im Fremdkommentar, in dem eine Figur explizit durch eine andere charakterisiert wird.[14] Beide, sowohl Eigenkommentar als auch Fremdkommentar, treten entweder in Form eines Dialoges oder in Form eines Monologes auf.

Im Gegensatz zu den explizit-figuralen Charakterisierungstechniken sind die implizit-figuralen Charakterisierungstechniken „nur zum Teil sprachlich“.[15] Die sprachliche implizit-figurale Charakterisierung wird realisiert durch die Stimmqualität einer Figur, ihr sprachliches Verhalten und ihre stilistische Textur.[16] Außersprachlich charakterisiert sich eine Figur durch ihr Aussehen, ihr Verhalten, ihre Bekleidung, ihre Requisiten und das Interieur, in dem sie sich bewegt.[17]

Der implizite Autor hat nach Pfister zwei Möglichkeiten der expliziten Figurencharakterisierung: die Beschreibung einer Figur im Nebentext sowie die Verwendung sprechender Namen.[18] Als implizit-auktoriale Charakterisierungstechniken erwähnt Pfister die Korrespondenz- und Kontrastrelationen einer Figur zu ihren Mitfiguren sowie implizit charakterisierende Namen.[19] Seine Ausführungen veranschaulicht Pfister anhand eines „Verzweigungsdiagramms“ (Anhang, Abb. 1).[20]

Hans-Werner Ludwig betont, dass die „Übertragung von Charakterisierungstechniken des Dramas auf narrative Texte [...] nur noch beschränkt möglich“ sei, da „das Drama als aufgeführtes sowohl auf sprachlicher als auch auf nicht-sprachlicher Kommunikation beruh[e]“, während „der gesamte narrative Text sprachlich vermittelt“ sei.[21]

Dementsprechend modifiziert er das Modell Manfred Pfisters, indem er bestimmte, von Pfister gesetzte Beschreibungskriterien weglässt. Für die übernommenen verwendet er zum Teil andere, in der Erzähltextanalyse gebräuchliche Begrifflichkeiten. Ludwig selbst benutzt zur Veranschaulichung seiner Modifizierung kein Verzweigungsdiagramm. Dennoch seien hier zum direkten Vergleich auch seine Ausführungen schematisch dargestellt – siehe Anhang, Abb. 2.

Bei den „Klaus und Kläre“-Texten handelt es sich weder um Dramatik noch um Prosa im klassischen Sinne. Dennoch beinhalten diese Artikel Elemente beider Gattungen. Somit ist das Pfister-Modell – auch nicht das von Ludwig modifizierte – nicht eins zu eins auf die „Klaus und Kläre“-Texte übertragbar. Anders als bei Pfister und Ludwig spielt für die Behandlung der „Klaus und Kläre“-Texte der Leserbezug eine wichtige Rolle. Zudem fehlt bei den „Klaus und Kläre“-Texten die explizit-auktoriale Erzählinstanz. Es war also notwendig, für die Analyse der Figuren Klaus und Kläre das ,Pfister-Ludwig-Modell‘ erneut zu modifizieren. Schematisch dargestellt sehen die von mir vorgenommenen Veränderungen wie im Anhang, Abb. 3,  aus.

Die Differenzierung zwischen Eigenkommentar und implizit-figuraler Charakterisierung gestaltete sich zunächst als etwas schwierig, da es ja Klaus und Kläre selbst sind, die Auskunft über ihr Verhalten, ihre Handlungen etc. geben. Dennoch fand sich im Laufe der Analyse eine sinnvolle Aufteilung dieser beiden Kategorien.

Als Eigenkommentar wertete ich: Allgemeine Äußerungen Klaus’ und Kläres zu einem Thema, Aussagen, in denen sich Klaus und Kläre selbst charakterisieren sowie Ratschläge an die Leser, aus denen sich Rückschlüsse auf Werte und Einstellungen Klaus’ und Kläres ziehen lassen, denn es ist anzunehmen, dass das, was Klaus und Kläre von ihren Lesern erwarten, auch für sie selbst gilt.

Als implizit-figural wertete ich: Klaus’ und Kläres Schreibstil, Verhalten Klaus’ und Kläres ihren Lesern gegenüber, Verhalten anderen Figuren gegenüber, Handeln Klaus’ und Kläres, ihr Äußeres (Karikaturen Klaus’ und Kläres auf der ersten Seite der Kinderzeitung im ersten Heft von Beyers für Alle) sowie ihre Erziehung (Erzählungen Klaus’ und Kläres über ihre Eltern, Lehrer, sonstige Verwandte).

Zur Verdeutlichung meiner Interpretation im Folgenden zwei Beispiele:

In Heft 34 der „Kinderzeitung von Klaus und Kläre“ beschreibt Kläre, wie man eine Perlenkette webt. Sehr ausführlich erklärt sie den Fallekindern die einzelnen Arbeitsabläufe. Diese Erläuterungen Kläres habe ich in die Kategorie „implizit-figural“ eingeordnet, denn es handelt sich um die Beschreibung einer Handlung, die Kläre schon des Öfteren durchgeführt hat. Aus dieser Handlungsbeschreibung lässt sich für Kläre die Eigenschaft „kreativ“ bzw. „handwerklich begabt“ ableiten. In Bezug auf die Leser wird durch die Erläuterungen zudem ein Verhalten Kläres deutlich: Sie möchte ihnen etwas beibringen, ist also aufmerksam und hilfsbereit.

Nachdem Kläre ihre Erklärungen abgeschlossen hat, schreibt sie weiter:

Ich habe mehrere Ketten. Die eine passt zu meinem blauen Kleid. [...] Dann habe ich eine knallrote Perlenkette [...]. Und dann habe ich noch eine mit Wachsperlen“.[22]

Diese Äußerungen habe ich der Kategorie Eigenkommentar zugeordnet, denn Kläre beschreibt hier keine Handlungen, sondern gibt Auskunft über ihren Besitz. Dieser Besitz lässt auf das Modebewusstsein Kläres schließen.

Das zweite Beispiel bezieht sich auf einen Ratschlag, den Klaus und Kläre einer ihrer Leserinnen geben. In Heft 38 der „Kinderzeitung von Klaus und Kläre“ schreiben sie auf den Leserbrief von Marietta Freund:

Wir haben Deine Karte bekommen. Wenn Deine Freundin ihr Täschchen verloren hat, in dem sie Dein Armband verwahrte, so hatte sie ja doch einen großen Verlust. Wir meinen, Du solltest es nicht annehmen, wenn sie es ersetzen will.[23]

Die Tatsache, dass Klaus und Kläre ihre Leser beratschlagen, habe ich als implizit-figurale Charakterisierung gewertet, denn in solchen Leserbriefantworten äußert sich ein Verhalten Klaus’ und Kläres in Bezug auf ihre Leser, nämlich ihre Hilfsbe-reitschaft.

Doch diese Textpassage enthält noch mehr, nämlich einen Eigenkommentar Klaus’ und Kläres, da sich aus diesem Ratschlag Rückschlüsse auf Werte und Einstellungen der beiden Figuren ziehen lassen: Klaus und Kläre appellieren an die Großzügigkeit und die Milde ihrer Leserin. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass „Großzügigkeit“ und „Verzeihen können“ zu den Werten Klaus’ und Kläres gehören.

Fazit

Die Frauenrechtlerin Alice Rühle-Gerstel schreibt 1932:

Die Erziehung hat also ihre erste Aufgabe: die Mädchen zur Bejahung ihrer Rolle, zum Selbstvertrauen zu befähigen, schlecht angepackt. […] Die zweite Aufgabe der Erziehung, die Vorbereitung auf die Lebensaufgaben, erscheint teils als geglückt, teils als misslungen, je nachdem, was man als Lebensaufgaben der Frau ansieht: die Ausfüllung des ihr von alters her abgesteckten Platzes, die Erduldung des über sie verhängten Lebens, eine blasse Kopierung des Idealbegriffs der Weiblichkeit? Dann wäre die Erziehung geglückt. Oder aber eine selbstvertrauende, verantwortliche und gemeinschaftssinnige Auseinan-dersetzung mit dem Leben? Dann muß man sie als misslungen bezeichnen.[24]

Rühle-Gerstel bezeichnet die Mädchenerziehung ihrer Zeit als missglückt, da sie den Mädchen kein Selbstvertrauen, keine Verantwortung und keinen Gemeinschaftssinn vermittle. Bei der Analyse kam heraus, dass die Figur Kläre jedoch genau diese von Rühle-Gerstel vermissten Eigenschaften besitzt. Sie entspricht somit keinesfalls dem Typ Mädchen, das heranzuziehen in der Absicht vieler damaliger Mädchenschulpädagogen lag.[25]

Kläre hat eine Reihe von Eigenschaften, die damals als ,spezifisch-männlich‘ angesehen wurden. Sie ist selbstbewusst[26], selbständig[27], kritik- und kompromissfähig[28] – um nur einige wichtige ,männliche‘ Tugenden Kläres zu nennen. Doch es lag keinesfalls in der Absicht Kästners, nur die weiblichen Leser der Kinderzeitung durch die Figur Kläre mit geschlechtsuntypischen Wesenszügen zu konfrontieren. Denn auch Klaus verfügt über geschlechtsuntypische Eigenschaften, wie beispielsweise die der Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Pädagogen höherer Mädchenschulen bezeichneten diese in den 20er Jahren als eine hauptsächlich weibliche Tugend. Sie begründeten diese Behauptung mit der „große[n] angeborene[n] Liebeskraft“[29] der Frau.

Wollte Erich Kästner also weg vom traditionellen Rollenverständnis hin zur absoluten Gleichheit der Geschlechter? Wobei „Gleichheit“ hier nicht im Sinne von ,gleichberechtigt‘ sondern im Sinne von ,wesensgleich‘ zu verstehen ist. Die Antwort lautet nein. Denn nicht umsonst verfügen sowohl Klaus als auch Kläre über genügend Eigenschaften, die die gängige Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau manifestieren. Kläre interessiert sich fürs Nähen und Kochen[30], Klaus hat die Hosentaschen voller Krimskrams[31] und benutzt sein sauberes Taschentuch, um einen Teerklumpen zu verwahren.[32]

Zu vermuten ist also, dass Kästner keine Wesensgleichheit zwischen Mann und Frau anstrebte, wohl aber deren Gleichberechtigung. Denn Kläre ist als Mädchen eine selbstbewusste, eigenverantwortlich handelnde, engagierte Persönlichkeit, die als Erwachsene auf keinen Mann angewiesen sein wird.

Doch Kästners Anliegen war es nicht in erster Linie, für eine Gleichberechtigung der Geschlechter einzutreten. Die Werte, die Klaus und Kläre vermitteln sollen, können auch unter einem anderen Oberbegriff zusammengefasst werden: Anständigkeit. Klaus und Kläre sind durch und durch ,anständig‘, perfekte Vorbilder also für die kleinen Leser und Leserinnen der Kinderzeitung. Doch was heißt ,anständig‘ im Kästnerschen Sinne? Aufschluss darüber gibt eine Aussage Kästners über sich selbst. In seiner Rede „Kästner über Kästner“ bezeichnet er sich als einen „Urenkel der deutschen Aufklärung“.[33] Helmuth Kiesel meint daher, dass die Tugendvorstellungen Kästners „in der Tradition des bürgerlichen Tugendkanons“[34] stünden. Auch Kurt Beutler vertritt diese Ansicht. Er spricht allgemeiner von „einer liberalen Konzeption des Erziehungsziels“[35] in den „Umweltromanen“ Erich Kästners. So verfügten die Hauptfiguren dieser Romane – zum Beispiel Emil, Anton oder Martin aus „Das fliegende Klassenzimmer“ – über eine Reihe von „bürgerlich-humanitären“[36] sowie „klassisch-antiken Tugenden“.[37] Beutler nennt zum Beispiel ihren Fleiß, die Ordentlichkeit und Sauberkeit ihres häuslichen Milieus, ihre Aktivität, ihre Besonnenheit, ihre Bescheidenheit, ihren Stolz, ihre Offenheit, ihre innere Sicherheit, ihr Selbstvertrauen, ihre Freundschaftsfähigkeit, ihre Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.[38]

Anständig im Kästnerschen Sinne ist demzufolge jeder, der diese „liberalen“ Tugenden besitzt. Daraus folgt, dass es, um ein ,anständiger‘ Mensch zu werden, nötig ist, sowohl Eigenschaften zu besitzen, die in den 20er Jahren als ,spezifisch-weiblich‘ galten – zum Beispiel Fleiß oder Ordentlichkeit –, als auch Eigenschaften, die als ,spezifisch-männlich‘ angesehen wurden – wie beispielsweise Mut, Aktivität, Selbständigkeit.

Das erklärt, warum Klaus und Kläre beide sowohl über ,spezifisch-weibliche‘ als auch über ,spezifisch-männliche‘ Eigenschaften verfügen. Sie stehen damit in Gesellschaft mit den Kinderfiguren aus Erich Kästners „Umweltromanen“.

 

Literatur:

 

Primärtexte:

Zeitschriften

1.         Kinderzeitung von Klaus und Kläre 1 (1928), Heft 8, S. 31.

2.        Kinderzeitung von Klaus und Kläre 1 (1928), Heft 18, S. 69

3.        Kinderzeitung von Klaus und Kläre 2 (1929), Heft 34, S. 203.

4.        Kinderzeitung von Klaus und Kläre 2 (1929), Heft 38, S. 236.

5.         Kinderzeitung von Klaus und Kläre 3 (1930), Heft 59, S. 297

6.        Kinderzeitung von Klaus und Kläre 3 (1930), Heft 60, S. 411

7.         Kinderzeitung von Klaus und Kläre 3 (1930), Heft 68, S. 476 

Gesammelte Werke:

1.         Kästner, Erich: Der Karneval des Kaufmanns. Gesammelte Texte aus der Leipziger Zeit1923-1927. Herausgegeben von Klaus Schuhmann. Leipzig 2004

2.        Ders.: Werke. Band II. Chanson, Kabarett, Kleine Prosa. Herausgegeben von Franz Josef Görtz und Hans Sarkowicz. München 1998.

3.        Ders.: Werke. Band VI. Publizistik. Herausgegeben von Franz Josef Görtz und Hans Sarkowicz. München 1998.

4.        Ders.: Werke. Band VII. Romane für Kinder I. Herausgegeben von Franz Josef Görtz und Hans Sarkowicz. München 1998.

Sekundärliteratur:

1.         Angress, Ruth K.: Erich Kästners Kinderbücher kritisch gesehen. In: Lützeler, P. M. (Hrsg.): Zeitgenossenschaft. Festschrift für Egon Schwarz zum 65. Frankfurt a. M. 1987. S. 91-102.

2.        Bartels, Beate: Das weibliche Charakterideal und die Schule. In: Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 3 (1927), S. 245-249.

3.        Bäumler, Marianne: Die aufgeräumte Wirklichkeit des Erich Kästner. Köln 1984.

4.        Bemmann, Helga: Humor auf Taille. Erich Kästner – Leben und Werk. Berlin-Ost 1983.

5.         Beutler, Kurt: Erich Kästner. Eine literaturpädagogische Untersuchung. Marburg 1966.

6.        Brons, Patricia: Erich Kästner, un écrivain Journaliste. Bern 2002.

7.         Drouve, Andreas: Erich Kästner. Moralist mit doppeltem Boden. Marburg 1993.

8.        Fricke, Harald / Zymner, Rüdiger: Einübung in die Literaturwissenschaft: Parodieren geht über studieren. 4. Auflage. Paderborn 2000.

9.        Greiner, Norbert: Figur. In: Greiner, Norbert u. a. (Hrsg.): Einführung in das Drama. Bd. 2. München und Wien 1982. S. 10-67.

10.      Jeßing, Benedikt: Arbeitstechniken des literaturwissenschaftlichen Studiums. Stuttgart 2001.

11.       Karrenbrock, Helga: Erich Kästners kinderliterarische Anfänge. In: Kinder- und Jugendliteraturforschung 5 (1998/99), S. 29-40.

12.      Kiesel, Helmuth: Erich Kästner. München 1981.

13.      Ludwig, Hans-Werner: Problemfeld V: Figur und Handlung. In: Ludwig, Hans-Werner (Hrsg.): Arbeitsbuch Romananalyse. 6. Auflage. Tübingen 1998. S. 106-144.

14.      Lutz, Hildegard: Schule und Erziehung der weiblichen Jugend. In: Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 2 (1926), S. 433-443.

15.      Mang, Richard Le: Gedanken zur Mädchenbildung. In: Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 2 (1926), S. 193-199.

16.      Oehlinger, Grete: Gedanken über die weibliche Psyche und die Bildung der weiblichen Jugend. In: Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 2 (1926), S. 337-344.

17.      Ott, Ulrich: Die Sache mit Emil: Ein strapazierfähiger Junge. In: Marbacher Magazin 86 (1999). S. 8-18.

18.      Pfister, Manfred: Das Drama. München 1977.

19.      Platz-Waury, Elke: Drama und Theater. 5. Auflage. Tübingen 1999.

20.     Reck, Alexander: Bibliographie der Beiträge Erich Kästners im Familienmagazin Beyers für Alle und in der Kinderzeitung von Klaus und Kläre (1926-1932). In: Kinder- und Jugendliteraturforschung 5 (1998/99), S. 41-49.

21.      Rühle-Gerstel, Alice: Die Frau und der Kapitalismus. Eine psychologische Bilanz (1932). Erstmals erschienen 1932 unter dem Titel „Das Frauenproblem der Gegenwart. Eine psychologische Bilanz“. Frankfurt a. M. 1972.

22.     Schneider, Jost: Einführung in die moderne Literaturwissenschaft. Bielefeld 1998.

23.     Schuhmann, Klaus: Nachwort. In: Kästner, Erich: Der Karneval des Kaufmanns. Gesammelte Texte aus der Leipziger Zeit 1923-1927. Herausgegeben von Klaus Schuhmann. Leipzig 2004. S. 451-473.

24.     Tiling, Magdalene von: Die psychologische Bedeutung der häuslichen Betätigungen für das Mädchen im Entwicklungsalter. In: Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 3 (1927), S. 408-414.

25.     Zonneveld, Johan: Erich Kästner als Rezensent 1923- 1933. Frankfurt a. M. 1991

 

(Siehe die Anhänge auf den nächsten Seiten! ®)

 


[1] Kästner: Pünktchen und Anton. Werke VII, S. 545.

[2] Kästner: Jugend, Literatur und Jugendliteratur. Werke VI, S. 604.

[3] Ebd., S. 610.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Angress: Erich Kästners Kinderbücher kritisch gesehen; Bäumler: Die aufgeräumte Wirklichkeit des Erich Kästner; Beutler: Erich Kästner; Drouve: Erich Kästner.

[6] Vgl. Bemmann: Humor auf Taille; Brons: Erich Kästner, un écrivain journaliste; Karrenbrock: Erich Kästners kinderliterarische Anfänge; Ott: Die Sache mit Emil; Reck: Bibliographie; Schuhmann: Nachwort; Zonneveld: Erich Kästner als Rezensent.

[7] Vgl. Ludwig: Problemfeld V: Figur und Handlung. S. 141-144.

[8] Vgl. z. B. Fricke/Zymner: Einübung in die Literaturwissenschaft; Greiner: Einführung in das Drama; Platz-Waury: Drama und Theater.

[9] Vgl. z. B. Jeßing: Arbeitstechniken des literaturwissenschaftlichen Studiums; Schneider: Einführung in die moderne Literaturwissenschaft.

[10] Manfred Pfisters „Das Drama“ erschien 2003 in der 11. Auflage im UTB-Verlag. Hans-Werner Ludwigs „Arbeitsbuch Romananalyse“ erschien 1998 in der 6. Auflage im Gunter Narr Verlag.

[11] Vgl. Pfister: Das Drama. S. 251.

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Vgl. ebd.

[15] Pfister: Das Drama. S. 257.

[16] Vgl. ebd. S. 259.

[17] Ebd. S. 257.

[18] Vgl. ebd. S. 262.

[19] Vgl. ebd. S. 263.

[20] Pfister: Das Drama. S. 251.

[21] Ludwig: Problemfeld V: Figur und Handlung. S. 143.

[22] Kinderzeitung von Klaus und Kläre 2 (1929), Heft 34, S. 203.

[23] Kinderzeitung von Klaus und Kläre 2 (1929), Heft 38, S. 236.

[24] Rühle-Gerstel: Die Frau und der Kapitalismus. S. 59.

[25] Vgl. Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 2 (1926), S. 193-199, 337-344, 431-443.; Deutsche Mädchenbildung. Zeitschrift für das gesamte höhere Mädchenschulwesen 3 (1927), S. 245-249, 388-392, 408-414.

[26] Vgl. Kinderzeitung von Klaus und Kläre 1 (1928), Heft 18, S. 69: Sowohl Klaus als auch Kläre vertreten gegenüber einem Erwachsenen, nämlich Onkel Emil-Kurt, ganz offen ihre Meinung.

[27] Die gesamte Mitarbeit in der Redaktion der Kinderzeitung kann als Ausdruck von Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit gewertet werden.

[28] Vgl. Kinderzeitung von Klaus und Kläre 3 (1930), Heft 59, S. 297: Klaus und Kläre fordern ihre Leser auf, sie zu kritisieren und Verbesserungsvorschläge zu machen.; Kinderzeitung von Klaus und Kläre 3 (1930), Heft 68, S. 476: Klaus und Kläre fordern ihre Leser auf, sich an einer Abstimmung zu beteiligen.

[29] Bartels: Das weibliche Charakterideal und die Schule. S. 248.

[30] Vgl. z. B. Kinderzeitung von Klaus und Kläre 3 (1930), Heft 60, S. 411: „Am liebsten helfe ich bei der Bäckerei.“

[31] Vgl. Kinderzeitung von Klaus und Kläre 1 (1928), Heft 8, S. 31.

[32] Vgl. ebd.

[33] Kästner: Kästner über Kästner. Werke II. S. 326.

[34] Kiesel: Erich Kästner. S. 116.

[35] Beutler: Erich Kästner. S. 268.

[36] Ebd. S. 262.

[37] Ebd. S. 265.

[38] Vgl. Beutler: Erich Kästner. S. 199.

 

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