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Hugo Loetscher

 


Mein Trickfilm

 

   Auch ich habe meine special effects. Die sind gut, wenn man sie nicht als solche wahrnimmt ("er ist halt so"). Erst recht gut, wenn man nicht merkt, wie sie gemacht sind ("komisch aber anscheinend"). Am besten, wenn man sich gar nicht fragt, wie ist er über das oder über jenes hinweggekommen - ob Entlassung, Liebe, Alltag oder Tod.

   In der Tat, ich lernte einiges an Tricks.

   Und sei es nur, dass ich Gesagtes noch einmal belichte. Siehe da, was klar schien, erhält einen Geistereffekt, natürlich erst, nachdem ich die Erinnerung zurückgespult habe.

   Ja, die Kunst der Mehrfachbelichtung. Bei der ersten Aufnahme eine Hälfte abgedeckt und auf der andern Hälfte mein Gesicht abgelichtet. Bei der zweiten Aufname das eigene Gesicht abgedeckt und den Leerplatz dem andern überlassen. Und beim dritten Mal beide zusammen aufgenommen, als würden wir uns je Aug in Aug gegenüber stehen. So kriege ich im Bild zusammen, was sich im Bett nicht fand - und sei's nur als Photo überm Bett.

   Natürlich ging das nicht ohne Übung. Es brauchte einiges, bis ich im Ofen das Gesicht backen konnte, das ich im Verlauf der Lebensjahrzehnte jeweils benötigt habe. Glücklicherweise diente für jedes Make-up der immer gleiche Abguss meines Originalgesichts: den Negativabdruck mit Hartgips ausgieβen und davon ein Positiv machen. Danach an die Anpassung gehen. So hab ich mir mit Plastilin das fröhlichste Gesicht zugelegt: wie anders schon wirkt, verdickt man die Brauen oder verbreitert man das Kinn, mühelos, mein Alter zu korrigieren. Schwierig allerdings  vom Aufmodellierten zusammen mit dem Gipspositiv wieder einen  Negativabdruck verfertigen. Bis nur das Plastilin entfernt und der Raum zwischen dem Gipspositiv und dem Gipsnegativ mit einem speziellen Latexschaum ausgefüllt ist. Dann die Gipsschalen in einen Ofen von gleichmäβiger Temperatur schieben. Was für eine Entdeckerfreude, den ausgebackenen Schaumteil in den Händen zu halten: ofenfrisch mein Anteilnahme-Gesicht, meine Gemütlichkeits-Visage oder meine Kommissions-Fratze. Jetzt nur noch die Feinarbeit des Einschminkens - mit einigem Geschick lege ich mir, wenn's sein muss, eine appetitgeile Fresse zu; selbst mein innerstes Monster ist modellierbar, ein Horror, den das Originalgesicht nie gezeigt hätte.

   All meine Abdeckmasken, ein Leben voll Applikationen, für die mich Maskenbildner beneiden und Karrieristen loben.

   Nein, nicht alles war umständlich. Wenn ich daran denke, was es braucht, bis ein Gebäude bei einer Feuersbrunst einstürzt, nur schon all die brennbaren Hausruinen und Flammensäulen, die separat vor einem geschwärzten Himmel aufgenommen werden müssen. Mein Gott, ich habe eine jahrelange Beziehung mit einem einzigen Wort im Bruchteil einer Minute zu Fall gebracht. Für meine Pyrotechnik stieg nicht Rauch von einem Trümmerfeld hoch, sondern der Qualm einer Zigarette.

   Man sollte natürlich den Umgang mit Spiegeln pflegen, auch wenn  sich da vieles altmodisch ausnimmt. In meinem Fall war es ergiebig, dass ich mit  Hilfe eines gemalten Hintergrunds zur unglücklichen Kindheit zurückfand. Erstaunlich, was ich mit dem kolorierten Jungen, der sich im Kohlenkeller versteckte, an Effekt erzielte.

   Ich habe weiβgott genug schwarz-weiss erlebt. Wäre es da nicht unbedacht wenn nicht gar sträflich, all dem in der Kopier- und Reflexion-Maschine nicht zu etwas Farbe zu verhelfen, viragieren, wie man in unseren Kreisen sagt, eine Methode, die vom Gericht übernommen wurde fürs Einfärben von Urteilen.  

   Ohne Kniff wäre ich nicht am Leben geblieben. Eine Nummer, nicht nur fürs Cabaret, sondern auch für die groβe Bühne. Da steh ich auf der Brücke und unter mir der Fluss, ein einladendes Rauschen. Wenn ich jetzt gesprungen wäre, hätte ich nie davon erzählen können, wie abgrundtief meine Verzweiflung war. Also ersetzte ich mich für den Sprung durch einen Dummy, der während des Sturzes glaubwürdig mit Armen und Beinen ruderte. Für die Wellen nach dem Aufprall benutzte ich einen Quirl, wie ich dies bei einer indischen Gottheit lernte.

   Um nie den Anschluss an mich selber zu verlieren, diente mir zuweilen das Nabel-Schau-Kabel - was soll's, ich war immer mein eigener Originalschauplatz.

   Bei diesem Gang durch die Welt - nur nicht verraten, worauf sich meine Beine abstützen, lediglich vorführen, wie und dass sie sich bewegen, als wären die Füβe auf sich selber gestellt und nicht auf Stelzen einer Animationsschiene, die, das Bodenlose überbrückend, mich einen Alltag weiter in die nächste schlaflose Nacht bringt - nicht aufzulisten, was mich alles animierte.

   Vieles war Kleinarbeit - nicht  nur, um Miniaturen mit Weitwinkelaugen zu betrachten. Ich habe Gefühle in unzählige Bilder zerlegt, auch meine Vorstellungen vom Küssen und Streicheln, und die unzähligen Einzelbilder auf Streifen aneinander gereiht. Wenn ich diese Teilchen durch den Projektionsapparat meiner Wünsche schicke, sieht es aus, als würde geküsst und geliebt, und dieser Eindruck von Laufbildern erlange ich dank der Langsamkeit des Auges und der des Herzens, um nicht von deren Trägheit zu reden. Bei entsprechender Bildgeschwindigkeit bringe ich es pro Sekunde bis zu 96 Küssen.

   Wie wichtig die Geschwindigkeit ist, habe ich allerdings bei einem Magier gelernt. Mit den Fingern einen Blumenstrauβ aus einer Kerze zaubern, und damit die Aufmerksamkeit vom Gesicht ablenken, wo gleichzeitig geweint wird. Die Augen erst auftreten lassen, nachdem sie getrocknet sind, und als Kunststück unter der Hemdmanschette hervor die benutzten Taschentücher ziehen, eines bunter als das andere, eines ans andere geknüpft, eine Leine lang.

   Anderseits habe ich mich nicht sehr an Kartenspieler gehalten. Was sollen mir gezinkte Karten bei dem heutigen Ausstoβ von schöner Literatur. Was soll  mir der gutgemeinte Tip, den Schatten nicht zur Mittagszeit verkaufen, wenn die Sonne hochsteht, sondern gegen Abend, wenn die Schatten länger sind. Der mir das riet, hatte eine Gesinnung wie ein Wassertropfen, der lässt sich bekanntlich nicht verkleinern, aber er kann verdunsten.

   Man kann in der Effektenbranche manches dazu lernen. Auch von Politikern, wie von jenen, die ein Schweinchen zum Reden bringen, das vom Glück im Kober erzählt, froh, Speck werden zu dürfen fürs allgemeine Schinken- Programm. Dass Schafe nicht einfach blöcken, sondern jubilieren, kann man getrost dem Tonmeister der Partei überlassen; der ist fürs Synchrone verantwortlich, damit Schafe nicht applaudieren, bevor der Vorsitzende gesprochen und der Gute Hirt gepredigt hat -  einer, der sich auskennt bei der Applaus-Zugabe und der darauf achtet, dass die Solidarität lippensynchrom ist..

   Den Verlockungen der Kniffe bin ich schon als Teenager erlegen. Als Gymnasiast war ich Statist an einer renommierten Bühne. Ich hatte das Vertrauen des Requisiteurs gewonnen, ich durfte zwei halbe Kokosschalen rhythmisch gegeneinander schlagen, so dass der Hauptdarsteller auf der Bühne aufhorchte: "Uff, ich höre Pferdegetrampel" Und ich half, auf Blech einzuschlagen, so dass man ob dem Donner im Zuschauerraum erschrak und die Komparsen sich duckten.

   Das war in einem Alter, als ich nicht mehr davon träumte, einer der sieben Zwerge zu werden, der Schneewittchen antwortet: "Ja, du hast aus meinem Tellerchen gegessen, und ja, du hast in meinem Bettchen geschlafen". Damals gab es noch nicht computer-animierte Urtiere, die über die Bildschirm Steppe liefen; da hat noch kein Brachosaurier bei einem Tyrannus Rex aufgetrumpft mit dem Speicher von Gygabyte, die für seine Zeugung notwendig waren. 

   Natürlich hab ich gestaunt, wenn ich hörte, ich hätte bei den Wahlen mitgelacht, obwohl ich gar nicht an die Urne gegangen war - das Lachen  kam aus der Konservenbüchse wie so manche Zustimmung, wenn wieder ein Dosenöffner-Regisseur fürs Volkswohl an der Serienarbeit war.

   Nicht dass ich jeden Trick übernehmen würde -  das mit der Falltür finde ich hinterhältig mies, ich bin auf andere Weise zu meiner Leiche im Keller gekommen; schwieriger war das Wegretouchieren von Blutspritzern.

   Nicht alles Retouchieren ist mir gelungen. Da habe ich auf Souvenirphotos versucht die oder jene Person auszuradieren. Es gelang mir zwar, sie zu entfernen, aber es blieb ein hässlicher Klecks zurück, sofort sichtbar, dass dort, wo nun ein Geschmier ist, einmal was anderes war. Nein, nicht gegen  alle Personen, die man kannte, hilft Fleckenwasser.

   Natürlich bewundere ich Einfälle, auf die ich selber nie gekommen wäre: Mehl benutzen für den Staub, der aufwirbelt, wenn das Raumschiff, an Hartgummi Planeten vorbei, auf der Plattform aufsetzt. Dankbar übernahm ich den Hinweis, für eine persönliche Sintflut Gewitterwolken aus der Füllwatte herzustellen, wie man sie für Polstermöbel  verwendet.

   Gerne legte ich mir die höhere Bildung dessen zu, was die Fachleute morphing nennen: Das stufenlose Verwandeln eines Objekts oder eines Wesens in ein anderes vorgegebenes Wesen. Mittels dieser Kenntnis könnte  mir die Schöpfungsgeschichte einleuchten. Der stufenlose Übergang vom Affen zum Menschen. Hätte Darwin die Technik des digitalen morphing beherrscht, wir hätten uns nicht mit dem missing link abquälen müssen.

   Andererseits habe ich studiert, Tote auferstehen zu lassen -  genauer nur einen Toten, jemanden, der mir weggestorben war und den ich lieb gehabt habe. Im Namen der Sanskrit-Avatar-Methode, der Wiedergeburt eines Gottes in verschiedenen Gestalten, habe ich ihn  aus dem Totenreich eines Photoalbums auf ein Magnetband zurückgeholt, und ihm, der sehr jung das Leben verlieβ, zu verschiedenen Gestalten verholfen, soweit ich von seinen Träumen wuβte. Ich habe ihn zum Rennfahrer Formel 1 gemacht wie zum Dichter. Da er zur Lebzeit nur einen Leser hatte, mich, habe ich mich im Rechner geklont, so dass er zu tausend Zuhörern kam -  nein, das ist keine Leichenfledderei, das ist Ostern mit elektronischem Impuls.

   Ohne Schulbildung hätte ich manchen Dreh nicht gelernt, dankbar für das Pflichtfach Filterkunde: der blauäugige Filter fürs Patriotische, in der Mathematik der rote fürs Soll und der schwarze fürs Haben und in der  Naturkunde der Hetero-Filter.

   Für die tausendfächrige Trickkiste hat es mir jedoch nie gereicht, denke ich an Adolfo und seinen Honoris causa für Phantomatik, ein Meister der Klappmaulfiguren. Tief religiös war er überzeugt, dass Gott das Budget nicht reichte, als der die Welt schuf, worauf er die Altlasten den Menschen überlieβ. Adolfo hatte sich zum Forschungsziel gesetzt, eine Katze zu erfinden, die Computermäuse frisst, aber hatte es dabei lediglich zu einigen Viren gebracht.

   Ich weiβ nicht mehr, wie der Höhlenbewohner hieβ, der mir beibrachte, dem Wildeber sechs Beine zu zeichnen, in der Erwartung, dass er deswegen, auf die Felswand gekritzelt, rascher läuft.

   Ich hätte nie wie meine Mutter die Geduld aufgebracht, auf ein Wunder zu warten; als sie bettlägrig war, kam keiner und sagte: Steh auf, nimm dein Bett und wandere. Wir besorgten ihr einen Rollstuhl und gingen mit der Krankenkasse bis vor Gericht, ahnungslos, dass der Trick im Kleingedruckten liegt.

   Man hat auch mir mit einem Taufschein einen Himmel versprochen. Damit an diesem Himmel Engel flogen, brauchte es Kranen und Hängevorrichtungen. Seile und Drähte wurden dank dem Exegesen-Trick der Heaven Control Factory unsichtbar; mit einigen nachträglichen  Zeitlupen war manche  Halleluja- Korrektur am Paradies möglich. 

   Nicht nur aus Respekt zu meiner Mutter, sondern, da man mit allen Himmeln rechnen muss, habe ich im Labor neben der Alarmanlage einen Seitenalter für einen Heiligen eingerichtet, für Santo Provisorio; ich hatte ihn auch dem Vatikan als Schutzpatron  fürs Fegefeuer empfohlen. Jedenfalls hat er sich, ein Steuersitz im Schädel und ein Blasbalg in der Brust, bewährt, als wir Kochen im siedenden Öl und Grillieren mit Echtzeit Teufeln simulierten, lediglich das Schreien der Andersgesinnten war unerträglich; aber wir haben den Ton mit einem Mausklick abgestellt.

   Was wollen Sie - ich war als Säugling kein Designermodell. Als Treatment hatte ich lediglich eine Geburtsurkunde, was für action kaum genügte. Verstehen Sie, warum ich zunächst einmal reklamierte - statt einer Brust ein Trick- Schnuller, an den sie Honig schmierten, als wäre die Welt ein Honiglecken.

   Ach ja, der Weg allen Fleisches vom Zelluloid zum Bildschirm.

   Nein ohne Kniffe ging es nicht. Das galt schon für den Anfang: in der Wärme gezeugt und in die Kälte geboren, das war mein erster Trick.

Anmerkung der Redaktion: Vorliegender noch unveröffentlichter Text wurde uns vom Verfasser aus Anlaß seines Rumänien-Besuchs im März 2005 freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

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Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

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