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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

MANGELNDE VERSTÄNDLICHKEIT

als Ausdruck der Subjektivität in der Textsorte Reportage

Iunia Martin

1. Einleitung

Der vorliegende Beitrag stellt einige Aspekte aus meiner Masterarbeit zum Wechselspiel zwischen Objektivität und Subjektivität in der Textsorte Reportage vor.

Ausgehend von Häusermanns (1993, 26) Vorstellung vom autonomen Adressaten, die zur Eigenart der Presse als Kommunikationsmedium gehört, lassen sich die journalistischen Darstellungsformen in informative und objektive auf der einen, bzw. in meinungsäußernde und subjektive Textsorten auf der anderen Seite, einteilen. In der journalistischen Fachliteratur zählt die Reportage zu den informierenden Darstellungsformen und sollte daher dem Anspruch auf Objektivität gerecht werden. Ziel meiner Forschungsarbeit war herauszufinden, was die Objektivität, bzw. die Subjektivität einer Reportage ausmacht und inwieweit diese erzielt werden können. Dabei habe ich festgestellt, dass das Merkmal Verständlichkeit eine wichtige Rolle spielt und ihm besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Mein erweiterter Korpus besteht aus 50 Pressetexten aus deutschen regionalen und überregionalen Tages- und Wochenzeitungen, die ich über drei Monate (Juni-August 2005) gesammelt habe. Die Einsammlung ist nach verschiedenen Kriterien erfolgt, wie z.B. Textlänge, Veröffentlichung auf bestimmten Seiten, Kennzeichnung des Texts als Reportage, Angabe des Namens des Verfassers usw. Bei näherer Betrachtung ergaben sich aber viele dieser Texte als an der Reportage grenzende Darstellungsformen wie z.B. Bericht oder Feature zugehörend. In der engeren Auswahl blieben 21 Reportagen aus der bundesdeutschen überregionalen Wochenzeitung „Die Zeit“, die je nach Standardaufgabe und -situation, Art des Themas, Themenentfaltungsmuster, Themenstrukturmuster und Sequenzierungsmuster klassifiziert wurden.

2. Subjektivität, Objektivität und Verständlichkeit in der Berichterstattung

Der Pressekodex des Deutschen Presserats Ziffer 2, zitiert nach LaRoche (1992, 117), verlangt in Zusammenhang mit der geforderten „Achtung vor der Wahrheit“, dass der Sinn der öffentlichen „Nachrichten und Informationen in Wort und Bild“ nicht „durch Bearbeitung, Überschrift und Bildbeschriftung ... entstellt“ oder „verfälscht“ wird. Wie im Falle der geschriebenen Presse würden die Rundfunkgesetze von den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in ähnlichen Formulierungen, wie z.B. das Bayerische Rundfunkgesetz, zitiert nach LaRoche (1992, 117),  „bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten ... Objektivität und Überparteilichkeit“ verlangen.

Das Duden-Universalwörterbuch (1996) führt in Zusammenhang mit dem Wort Objektivität die Erklärung „objektive Darstellung, Beurteilung“ an, wobei objektiv als „unabhängig von einem Subjekt und seinem Bewußtsein existierend; tatsächlich: die objektiven Gegebenheiten, Tatsachen“ zu deuten sei und ferner, als „nicht von Gefühlen, Vorurteilen bestimmt; sachlich, unvoreingenommen, unparteiisch“. Zum Stichwort Subjektivität verzeichnet das Duden „subjektives Wesen (einer Sache)“, „subjektive Haltung; das Subjektivsein“, wobei „subjektiv“ als „zu einem Subjekt gehörend, von einem Subjekt ausgehend, abhängig“ oder „von persönlichen Gefühlen, Interessen, von Vorurteilen bestimmt; voreingenommen, befangen, unsachlich“ zu deuten sei.

In diesem Zusammenhang erscheint das Merkmal der Verständlichkeit in der Berichterstattung, mit seinen zwei Dimensionen, Anschaulichkeit und Genauigkeit (LaRoche, 1992, 99) als ausschlaggebend für die objektive, bzw. subjektive Haltung des Reporters. Eine Darstellung kann  nur dann als objektiv betrachtet werden, wenn sie auch verständlich ist, denn nur dann kann sie unabhängig von einem Subjekt und seinem Bewußtsein existieren. Sonst ist sie als subjektiv zu betrachten, denn ihr Wahrheitsgehalt hängt von der Glaubwürdigkeit des Berichterstatters ab.

Hallers (1997, 71) funktionaler Ansatz zur Bestimmung der Reportage, Brinkers (1992, 132) Textsortenlehre und Gerhards Aufbau-Muster (194, 157f) berücksichtigend, schlage ich folgende Definition der Reportage vor:

Die journalistische Darstellungsform Reportage ist eine schriftliche, monologische, öffentliche und informative Textsorte, die einen typischen Aufbau (Einstieg, roter Faden, Schluss) aufweist und dessen Hauptfunktion darin besteht, soziale Distanzen und institutionelle Barrieren zu überwinden und die Leser an aktuellen oder mittelbar aktuellen Ereignissen teilhaben zu lassen, die als Erlebnisse vermittelt werden.

3. Analyse einer Reportage (T8)

T8 (Zwischen Westen und Walachei / Von Christian Tenbrock) ist nach meiner Definition und Klassifikation der Reportagen als eine Ortsreportage zu bezeichnen. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht hier die Stadt Hunedoara und ferner, Rumänien als Wirtschaftsstandort. Veröffentlicht wurde der Text auf die Wirtschaftsseite der Zeitung und kann daher von der Standardsituation aus gesehen auch als Wirtschaftsreportage betrachtet werden. Was die Art des Themas betrifft, ist die Reportage dem Nachrichtenstoff zugeordnet, denn die Aktualität des Themas ergibt sich aus der Tatsache, dass Rumänien voraussichtlich 2007 der Europäischen Union beitreten wird, unter dessen Mitglied-Ländern sich auch die Bundesrepublik Deutschland befindet.

Funktional weist die Reportage Ähnlichkeiten mit der Darstellungsform Feature auf, dessen Aufgabe darin besteht, abstrakte Themen durch Veranschaulichung zu konkretisieren. Die Klärung der explizit geäußerten Fragen „Ist Rumänien reif für die EU?“ und „Gehört ein solches Land in die EU?“ scheint durchaus eine der zentralen Aufgaben des Textes zu sein. Die Möglichkeit, diese Fragen zu klären, hat der Autor in der Veranschaulichung der Umstände vor Ort gefunden.

T8 ist also ein gutes Beispiel für die Tatsache, dass die Übergänge zwischen den journalistischen Darstellungsformen fließend sein können. Der Grund, weswegen sich der Text letzten Endes doch als Reportage einstufen lässt, ist die Existenz des für die Reportage unabdingbaren authentischen Erlebnis- oder Augenzeugenberichts, auf den ein Feature eher verzichtet, um das Exemplarische der beschriebenen Situation zu unterstreichen. Die Szenen in diesem Text sind nicht fiktiv, wie im Falle des Features, sondern real. Davon zeugen Auszüge aus Gesprächen mit öffentlichen Personen wie z. B. Sorana Pârvulescu (SAR), Adrian Severin (ehemaligem Außenminister), Dirk Rütze (Chef der Deutsch-Rumänischen Handelskammer) usw., die im Text in indirekter Rede wiedergegeben werden. Andererseits werden diese Szenen, obzwar real, nicht individualisiert, wie in den meisten Reportagen üblich ist, sondern als Fälle typisiert – was wiederum charakteristisch für Features ist. Als ein treffendes Beispiel gilt ein Zitat, in dem drei eigenständige Aussagen unterschiedlicher Personen vom Autor als sinnverwandt wiedergegeben werden:

Dieser ‚König Europa’, meint Severin, habe Rumänien Disziplin gebracht, einen legalen Rahmen geliefert, dazu den Anstoß gegeben, aus einer autoritären eine aufgeklärte Gesellschaft zu machen. In einfacheren Worten hört man Ähnliches immer wieder: ‚Europa gibt uns die Sicherheit, dass wir frei sein können’, sagt Stefan Varfalvi, der Chef des Arbeitgeberverbandes Ugir. ‚Europa gibt den Menschen Vertrauen in die Zukunft und mehr Selbstbewusstsein’, sagt der deutsche Manager Harald Glitschner. 

Vom Aufbau her, weist diese Reportage eine Kombination von zwei typischen Einstiegen auf (szenischer Einstieg und abstrakte Betrachtung oder Reflexion), und zwar, die abstrakte Betrachtung einer Szene:

Wer will, kann die Stadt Hunedoara als Beweis aller negativen Urteile über Rumänien nutzen. Am Morgen, in dem kleinen Gasthof im nahe gelegenen Simeria, hatte der Wirt von dem lokalen Mafioso berichtet, der ihn um 20 000 Euro Schutzgeld erleichtern wollte; auf der Fahrt versperrten Pferdekarren immer wieder den Weg. In Calan, nur zehn Kilometer von Hunedoara, stehen verfallene Plattenbauten gegenüber dem ausgeweideten Gerippe einer riesigen, lange aufgegebenen Industrieanlage.

Der Schluss schlägt eine Brücke zum Einstieg, indem die anfangs erwähnten negativen Urteile relativiert werden:

Polen verzeichnete 1991 ein Pro-Kopf-Einkommen von 2000 Euro, heute ist es etwa fünfmal so hoch. Wächst Lettland so weiter wie bisher, werden seine Menschen im Jahr 2032 im Durchschnitt mehr Geld zur Verfügung haben als die Deutschen. Warum soll es in Rumänien anders gehen?

Der rote Faden besteht hier aus den Erkundungen des Reporters vor Ort, die natürlich nicht beliebig wiedergegeben werden, sondern einer gewissen Logik folgen. Der Themenentfaltungsmuster ist deskriptiv. Das Thema, Rumänien als Wirtschafts-standort in der erweiterten Europäischen Union, wird in Teilthemen dargestellt: die sozialen Umstände in der Industriestadt Hunedoara, Einschätzungen eines rumänischen Politikers über die Entwicklungsaussichten des Landes, Geständnis eines rumänischen Managers über Schmiergeld, Aussage der Vertreterin einer Bürgerrechtsgruppe zum Thema Korruption, Verbesserung der Rechtslage nach den letzten Wahlen, Aussagen des Chefs der Deutsch-Rumänischen Handelskammer über die Vorteile, die Rumänien als Wirtschaftsstandort den ausländischen Investoren anbietet, Aussagen deutscher Investoren, die die Aussagen des Handelskammer-Chefs bekräftigen, Vergleich mit Ländern, die in ähnlichen Situationen waren.

Das Themenstrukturmuster ist komplettierend. Die wiedergegebenen Aussagen werden vom Reporter entweder durch Hintergrundinformation oder durch Aussagen anderer Menschen bekräftigt oder ergänzt. Im folgenden Textausschnitt werden sowohl Aussagen zweier Menschen, als auch Hintergrundinformation zusammengebracht:

‚Europa’ sei eines der beiden Wörter, mit dem jeder Bürger seines Landes derzeit morgens wach werde, lächelt der Bukarester Politologe Radu Carp. Das andere? – ‚Korruption’. Korruption sei ‚eine der Hauptgefahren für die nationale Sicherheit’ Rumäniens, sagt der konservative Staatspräsident Traian Bãsescu. Über sie berichten die Zeitungen täglich, bei ihr mischen alle mit. Auf dem Index der Korruptionsbekämpfer von Transparency International liegt Rumänien auf Rang 87, gleichauf mit der Dominikanischen Republik.

Die erste Aussage, die des Politologen Alexandru Carp, ist eine öffentliche, weil sie womöglich aus einem Interview mit dem Verfasser der Reportage stammt. Die zweite Aussage, die des Staatspräsidenten Bãsescu, ist offiziell und wirkt durch ihren besonderen Status bekräftigend auf die erste Aussage. Ebenfalls bekräftigend wird auch die Hintergrundinformation eingesetzt, die aus Statistiken einer international anerkannten regierungsunabhängigen Organisation entnommen wird.

Das Sequenzierungsmuster ist chronologiefern. In seinem Versuch, Rumänien als Wirtschafttstandort vorzustellen, schildert der Reporter die aktuellen Umstände vor Ort im Vergleich zu den Umständen vor der 89er Revolution und gleich nach der Wende. So zum Beispiel wird Hunedoara als eine verfallene Stadt gezeigt, die im politischen Wandel den Umsprung nicht geschafft hat:

Die Stadt ist düster, so düster wie die alles überragende Burg, deren Mauern dunkel geworden sind vom Ruß, der Jahrzehnte lang aus den Schornsteinen des im Tal liegenden Stahlwerks drängte. Das Stahlwerk gab einmal 35 000 Menschen Arbeit, jetzt sind es noch 1200.

Im Gegensatz zur ehemaligen Industriestadt Hunedoara, wird Bukarest heute als eine boomende Hauptstadt vorgestellt:

Auf den Straßen von Bukarest fahren heute zweimal mehr Autos als Ende der neunziger Jahre.

Die Korruption in Rumänien wird als ein Phänomen beschrieben, das sich von der Zeit gleich nach der Wende bis zum heutigen Tag erstreckt:

So ging das damals, und so geht es heute noch.

Zum Stichpunkt „Verständlichkeit“ als Merkmal aller journalistischen Darstellungsformen gibt es auch in dieser Reportage einen gewissen Grad an Anschaulichkeit und Genauigkeit. Deutsche Leser betrachten diesen Text als Auslandsreportage, also als eine Reportage, die ihnen die Wirklichkeit aus einem fremden Land näher bringt. Anschaulichkeit wird also oft dadurch geschaffen, dass fremden Sachverhalten vertraute gegenübergestellt werden. Anhand eigener Erfahrungen können die autonomen Leser die eigentlich unbekannte Situation einschätzen. So erklärt zum Beispiel der Reporter, dass „Rumäniens Durchschnittslöhne derzeit zehnmal niedriger sind als die in Deutschland“, indem er davon ausgeht, dass ein jeder Deutscher weiss, wie viel die deutschen Durchschnittslöhne betragen. Anders können auch die Umstände vor Ort anschaulich beschrieben werden. So kann sich der Leser ein Bild machen über den großen Unterschied zwischen Lebensstandards in Großstädten und im Rest des Landes, wenn der Reporter berichtet, dass in einem der besten Restaurants der Hauptstadt das Essen „so viel wie ein rumänischer Wochenlohn“ kostet.

Zur Anschaulichkeit gehören auch Angaben zur geografischen Positionierung der Orte, über die berichtet wird. Konsequent berichtet der Reporter über „die ostru-mänische Stadt Bacãu”, das „nordrumänische Satu Mare“, die „mittelalterliche City“ und den „deutschstämmigen Bürgermeister“ von Sibiu, „Certeze nahe Satu Mare“ oder die „(nordostrumänische) Moldauregion“ und verzichtet auf nähere Angaben zur geografischen Positionierung gerade in Zusammenhang mit Hunedoara, der einzigen rumänischen Stadt, die beschrieben wird. Man erfährt zwar von dem „nahe gelegenen Simeria“ und von „Calan, nur zehn Kilometer vor Hunedoara“, aber wo genau die Stadt in Rumänien zu finden ist, steht in diesem Text nicht geschrieben. Ebenso wird von Siebenbürgen gesprochen, ohne dass irgendwo erklärt wird, wo sich Siebenbürgen in Rumänien überhaupt befindet. Auf der Wirtschaftsseite, neben der Reportage, wurde auch eine Landkarte von Rumänien abgedruckt, auf der die Leser erkennen können, wo Hunedoara genau liegt. Bei der Karte mangelt es aber an Anschaulichkeit, was die rumänischen Regionen anbelangt, denn die einzige aufgeschriebene Region ist die Walachei. Auch die Landkarte hilft den Lesern also nicht, Siebenbürgen zu erörtern.

Ein anderes Merkmal zum Thema Verständlichkeit der Reportage ist die Genauigkeit in der Berichterstattung, die an T8 bemängelt wird. Der Reporter berichtet, dass „in einem der besten Restaurants der Hauptstadt“ das Essen so viel wie ein rumänischer Wochenlohn kostet, ohne den Namen des Restaurants anzugeben. Bemängelt wird die Ungenauigkeit der Information in erster Reihe weil sie eine Wertung beinhaltet (das Restaurant sei eines der besten) und weil, gestützt auf dieser Wertung, eine Parallele aufgebaut wird zu den sozialen Umständen in der rumänischen Hauptstadt. Die Wertung und der Vergleich, die die Aussage ausmachen, können also nicht objektiv überprüft werden, denn sie hängen von einer Information ab, die der Reporter zwar gekannt, aber nicht weitergegeben hat. Die Wahrheit dieses persönlichen Berichts lebt also allein von der Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit des Reporters, der seine Aufgabe als Vermittler mangelhaft erfüllt.

Zur Genauigkeit in der Berichterstattung gehört außerdem, dass Personen beim Namen genannt und  Begriffe und Abkürzungen erklärt werden. Beiden Aspekten wird hier nicht immer gerecht. So zum Beispiel wird die Aussage eines „ehemaligen Ministers“ wiedergegeben, ohne dass er beim Namen genannt wird. Da er die Meinung vertritt, dass Rumänien nicht reif für die Aufnahme in die EU sei und diese auf der Wirtschaftseite einer überregionalen deutschen Zeitung abgedruckt ist, die von einem Zielpublikum gelesen wird, das aus möglichen Investoren und entscheidungstragenden Politikern besteht, kann diese Aussage schwerwiegende Folgen haben. In diesem Kontext wäre die Enthüllung des Namens dieses ehemaligen Ministers relevant gewesen, denn er hätte weitere Auskunft darüber gegeben, welcher Legislaturperiode oder welcher politischen Partei er angehört.

Weiter wird das Geständnis eines Managers angeführt, der wiederum nicht beim Namen genannt wird, obwohl es Hinweise im Text gibt, dass die Szene nicht fiktiv ist. Unerklärlich in diesem Fall ist, warum sich der Reporter für Details im Falle des Ortes im engeren Kontext entscheidet („im Kellergewölbe des Gasthofs“) und letzten Endes auf die genaue Ortsangabe im weiteren Kontext verzichtet („in einer mittelalterlichen Stadt in Siebenbürgen“), obwohl letztere relevanter für einen deutschen Leser wäre. Auch unter einem „intimen Kenner Rumäniens in der EU-Vertretung in Bukarest“ kann sich der Leser so gut wie gar nichts vorstellen. Was bedeutet „intim“ in diesem Fall? Was für eine Ausbildung, sprich Kompetenz, hat die Person? Welche Nationalität hat die Person? Aus welcher Position fällt die Person dieses Urteil? Die fehlenden Antworten auf diese Fragen im Text deuten auf eine mangelnde Vermittlung der vorhandenen Information hin. Da der Reporter im Zusammenhang mit der Person eine politische Organisation nennt, lässt uns schlussfolgern, dass es sich nicht um eine private, sondern um eine öffentliche, wenn nicht sogar offizielle Person gehandelt haben muss. Der Grund, weswegen der Reporter den Namen der interviewten Person nicht wiedergegeben hat, wird im Text nicht erläutert und kann daher als persönlich betrachtet werden, was von der Subjektivität des Reporters zeugt.

Als mangelnde Genauigkeit im Text kann auch die Angabe „von der Bürgerrechtsgruppe SAR in Bukarest“ zur Person von Sorana Pârvulescu betrachtet werden. Die Abkürzung des Namens der Bürgerrechtsgruppe sagt einem deutschen Leser überhaupt nichts. Verständlich wäre es gewesen, wenn der Reporter den Namen der Organisation (Societatea Academicã Românã) ausgeschrieben und die deutsche Übersetzung in Klammern wiedergegeben hätte. Auch Angaben zur Funktion der Person innerhalb der Organisation, wie z.B. Pressesprecherin, Vorsitzende, Mitglied usw. wären angebracht gewesen.

Im Abschnitt über den ehemaligen Außenminister Adrian Severin, „darunter seine Parteifreunde Nãstase und Ion Iliescu“, fehlt der Vorname „Adrian“ im Zusammenhang mit „Nãstase“, obwohl die Person zum ersten Mal in diesem Text erwähnt wird. Außerdem wäre in diesem Kontext relevant gewesen, weitere Auskunft über die zwei „Parteifreunde“ von Adrian Severin zu geben, wie z.B., dass es sich dabei um den ehemaligen rumänischen Premierminister und bzw. dem ehemaligen rumänischen Staatspräsidenten handelt. Eine Anspielung auf ihren hohen Status wird zwar durch die Metapher „frühe rumänische ’Könige’“ versucht, nur ist es durchaus fraglich, ob sie verständlich ist.

Schließlich wird zum Stichpunkt Genauigkeit von Siebenbürgen gesprochen, ohne dass die Städte Sibiu und Sighiºoara konsequenterweise Hermannstadt bzw. Schäß-burg genannt werden.

Objektivierend wirkt außerdem die Genauigkeit in der Vermittlung statistischer Daten, die von der Berücksichtigung mehrerer Quellen zeugt:

Zwischen einem Viertel und der Hälfte der Wirtschaftstätigkeit – die Schätzungen variieren – spielt sich im Untergrund ab.

Zur Steigerung der Objektivität gehört außerdem die Angabe verschiedener Ansichten zur selben Tatsache, soweit es sie natürlich gibt. Auch in diesem Text werden unterschiedliche Ansichten wiedergegeben aber nur, um eine von ihnen durch die andere zu bekräftigen, wie in dem Abschnitt, der in der Folge eines Abschnitts kommt, in dem die Korruption in Rumänien auf allen Stufen veranschaulicht wird:

Nicht alle, die in Rumänien heute reich sind, wurden dies durch Korruption. Dem früheren Boris-Becker-Berater Ion Þiriac (...) wird nachgesagt, dass er sein Firmenimperium mit Cleverness, nicht mit Betrug aufbaute.

Þiriacs Fall wird also als eine Ausnahme geschildert, die den großen Ausmaß an Korruption bekräftigen soll. Interessant ist auch, dass sich der Verfasser des Textes für die Schilderung des Þiriac-Falles entschieden hat, da sowohl in Deutschland, als auch in Rumänien bekannt ist, dass Þiriac lange Zeit in Deutschland gelebt hat und auch heute dort immer noch Geschäfte macht. In diesem Sinne kann er nicht als ein typisch rumänischer Fall betrachtet werden. Ferner kann man eine Verbindung herstellen zur oben erwähnten Ansicht des Reporters, der zufolge ausländische Investoren zur Verbesserung der Umstände in Rumänien beitragen könnten.

Von einer impliziten Subjektivität zeugen auch die Fehlerquellen in der Berichterstattung, deren Art nicht immer nachvollziehbar ist. Der Regierungsberater aus Bukarest, Andrei Stoiciu, erscheint im Text mit dem Vornamen „Andre“. In diesem Fall ist es nicht klar, ob es sich um einen physiologischen Fehler des Berichtenden (Verhören, Versehen oder Übersehen) oder um einen technischen Fehler der Übertragung (Schreibfehler, Setzfehler usw.) handelt. Genauso steht es auch im Falle des fälschlicherweise als „Sighi Suara“ graphierten Namens der Stadt Sighiºoara auf der Landkarte.

 Ein anderer Beweis von Subjektivität liefert ein Beispiel zum Thema „Sprach-Takt“. Der Verfasser des Textes zitiert den Chef der Deutsch-Rumänischen Außenhandelskammer, der behauptet, dass die deutschen Investitionen in Rumänien bisher „ein Fliegenschiss“ gewesen seien. Das zitierte Wort zeugt von einer Aussage, die eigentlich keinen öffentlichen Wert hat und ihre Wiedergabe in der Zeitung als Ausdruck der Entscheidung des Reporters von seiner impliziten Subjektivität zeugt.

4. Fazit

Die analysierte Reportage ist dem Nachrichtenstoff thematisch zugeordnet. Ausgehend von der Vorstellung des autonomen Adressaten hat der Leser die Möglichkeit, Informationen aus der Reportage mit Informationen aus anderen Quellen zu vergleichen und sie schließlich autonom zu bewerten. Von der Beziehung des Lesers zum Thema her, ist T8 eine Auslandsreportage. Zwar besteht die Aufgabe der Reportage darin, soziale Distanzen und institutionelle Barrieren zu überwinden doch für eine Reportage über einen fremden Ort ist es wesentlich schwieriger, diese Aufgabe zu erfüllen als für eine Inlandsreportage. Zum Stichpunkt Verständlichkeit weist diese Ortsreportage Mängel auf. Dies gilt sowohl für die Anschaulichkeit, als auch für die Genauigkeit in der Berichterstattung. So zum Beispiel werden fremde Begriffe unzureichend erklärt oder Quellen nicht angegeben, Namenskürzel von Institutionen nicht ausgeschrieben oder erläutert usw.

Ebenfalls im Zusammenhang mit der Verständlichkeit sind die Fehler in der Berichterstattung zu erwähnen. Dovifats (1967) Fehlerquellen berücksichtigend lassen sich hier physiologische Fehler des Berichtenden (Verhören, Versehen, Übersehen) und technische Fehler der Übertragung (Schreibfehler, Setzfehler usw.) erkennen. Eine Reportage, die Fehler aufweist, kann dem Anspruch auf Objektivität deshalb nicht völlig gerecht werden, weil der deutsche Pressekodex verlangt, dass der Sinn der öffentlichen Informationen nicht durch Bearbeitung „entstellt“ oder „verfälscht“ wird, d.h., objektiv vermittelt werden muss.

Objektivierend wirkt die Wiedergabe von Hintergrundinformation (statistische Daten, zum Beispiel). Als objektiviert gelten die intersubjektiv überprüften Darstellungen.

Von einer impliziten Subjektivität kann man im Zusammenhang mit den Erkundungen des Reporters vor Ort reden, besonders wenn diese zum roten Faden der Reportage gemacht werden, was an diesem Text der Fall ist. Ausgeglichen wird diese Subjektivität durch eine objektivierte Berichterstattung, die nur dann erreicht werden kann, wenn der Reporter der ihm zugeschriebenen Rolle eines Vermittlers gerecht wird. Die Mischung aus Subjektivität und Objektivität macht die von den Rezipienten festgestellte Wahrhaftigkeit der Reportage aus.

Literatur:

1.        Adamzik, Kirsten (Hrsg.) (2000): Textsorten: Reflexionen und Analysen. Stauffenburg-Verlag, Tübingen.

2.       Brinker, Klaus (1992): Linguistische Textanalyse: eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 3., durchgesehene und erweiterte Auflage. Erich Schmidt, Berlin.

3.       Dovifat, Emil (1967): Zeitungslehre. 1. und 2. Band. 5., neubearbeitete Auflage. Walter de Gruyter&Co, Berlin.

4.       Duden: Deutsches Universalwörterbuch (1996). Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.). 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich

5.        Faulstich, Werner (Hrsg.) (1994): Grundwissen Medien. Fink, München.

6.       Gerhard, Rudolf (1994): Lesebuch für Schreiber: vom journalistischen Umgang mit der Sprache; ein Ratgeber in Beispielen. 2. Auflage. IMK, Frankfurt am Main.

7.        Haller, Michael (Hrsg.) (1997): Die Reportage. Ein Handbuch für Journalisten. 4. Auflage. UVK Medien, Konstanz.

8.       Häusermann, Jürg (1993): Journalistisches Texten: sprachliche Grundlagen für professionelles Informieren. Hrsg.: Medienbildungszentrum Luzern. Sauerländer, Aarau, Frankfurt am Main.

9.       LaRoche, Walther von (1992): Einführung in den praktischen Journalismus. 13., neubearbeitete Auflage. List Verlag, München, Leipzig.

10.     Strassner, Erich (1998): Medienkommunikation: Zeitung. Max-Niemeier-Verlag, Tübin-gen.

Korpus:

 

1.        T1 Das ganz große Geschäft / Von Wolfgang Gehrmann. Die Zeit, 4. 08. 2005

2.       T2 Ein Professor im Häuserkampf / Von Elisabeth Niejahr. Die Zeit, 4. 08. 2005

3.       T3 Im kühlen Grund / Von Christian Kortmann.  Die Zeit, 4. 08. 2005

4.       T4 Im Visier der Wasserpolizei / Von Thomas Kleine-Brockhoff. Die Zeit, 4. 08. 2005

5.        T5 Ordnung ist die halbe Insel / Von Christof Siemes. Die Zeit, 4.08. 2005

6.       T6 Riesig für Gott / Von Andrea Böhm. Die Zeit, 4. 08. 2005

7.        T7 Was bewegt... Amancio Ortega? / Von Stefanie Müller, 4. 08. 2005

8.       T8 Zwischen Westen und Walachei / Von Christian Tenbrock. Die Zeit, 4. 08. 2005

9.       T9 Abtauchen in der Großstadt / Von Susanne Kippenberger. Die Zeit, 11. 08. 2005

10.     T10 Die dritte Hand / Von Ruedi Leuthold. Die Zeit, 11. 08. 2005

11.      T11 Fremd ohne Frust / Von Jan-Martin Wiarda. Die Zeit, 11. 08. 2005

12.     T12 Johanns Himmelhütte / Von Wolfram Goertz. Die Zeit, 11. 08. 2005

13.     T13 Land erobern – warum nicht? / Von Rainer Luyken. Die Zeit, 11. 08. 2005

14.     T14 Was bewegt... Susanne Birkenstock? / Von Katrin Wilkens. Die Zeit, 11.08. 2005

15.     T15 Zur Krippe kommet / Von Kosma Schmitt. Die Zeit, 11. 08. 2005

16.     T16 Adria, erste Reihe / Von Birgit Schönau. Die Zeit 18. 08. 2005

17.     T17 Auf dem Gottes-Trip / Von Patrik Schwarz. Die Zeit 18. 08. 2005

18.     T18 Auf dem Holzweg / Von Erwin Koch. Die Zeit 18. 08. 2005

19.     T19 Der Abendschüler / Von Marin Majica. Die Zeit 18. 08. 2005

20.    T20 Die Einstein-Fabrik / Von Bartholomäus Grill. Die Zeit 18. 08. 2005

21.     T21 Schuhkarton zu vermieten / Von Dirk Asendorpf. Die Zeit 18. 08. 2005

Anhang:

Verständlichkeit in der Reportage T8:

Verständlichkeit

Anschaulichkeit

Genauigkeit

+

-

+

-

„Rumäniens Durchschnittslöhne derzeit zehnmal niedriger (...) als die in Deutschland“

Hunedoara

„im Kellergewölbe des Gasthofs“

„in einem der besten Restaurants der Hauptstadt“

Essen kostet „so viel wie ein rumänischer Wochenlohn“

Siebenbürgen

„Zwischen einem Viertel und der Hälfte der Wirt-schaftstätigkeit – die Schätzungen variieren – spielt sich im Untergrund ab“

ein „ehemaliger Mini-ster“

„die ostrumänische Stadt Bacãu“

Walachei

 

„in einer mittelalterlichen Stadt in Siebenbürgen“

dem „nordrumänischen Satu Mare“

„frühe rumänische ’Könige’“

 

„intimen Kenner Rumäniens in der EU-Vertretung in Bukarest“

der „mittelalterlichen City“

Sibiu

 

„Sorana Pârvulescu von der Bürgerrechtsgruppe SAR in Bukarest“

dem „deutschstämmigen Bürgermeister“ von Sibiu

Sighiºoara

 

„darunter seine Parteifreunde Nãstase und Ion Iliescu“

„Certeze nahe Satu Mare“

 

 

 

der „(nordostrumänischen) Moldauregion“

 

 

 

dem „nahe gelegenen Simeria“

 

 

 

„Calan, nur zehn Kilometer vor Hunedoara“

 

 

 

 

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