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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 211-215

 

 

INFORMATIONSSTRUKTUR UND TEXTAUFBAU DER GESCHÄFTSBRIEFE

 

Lora Constantinescu

 

 

1. Fachsprache und fachkommunikative Kompetenz

Zwar richtet sich heute das Interesse den mündlichen Aspekten und deren begleitenden Erscheinungen in der Wirtschaftskommunikation zu, die Geschäftsbriefe gehören noch immer zum bedeutenden Komplex des fachbezogenen Lesens / Verstehens / Schreibens. Sie stellen einen Übergangsbereich zwischen reproduktiven und produktiven Fertigkeiten dar. Die Arbeit an und mit den Geschäftsbriefen ist eine Arbeit an der zu entwickelnden Mitteilungsfähigkeit und wird in der FS- und Fachsprachen-Didaktik des Öfteren als eine Art „Problemlösungsvorgang“ betrachtet (Baumann 1995:333).

Angesichts der im FSU und FaSU angestrebten kommunikativen Kompetenz spricht man von einer zu unternehmenden Differenzierung zwischen den fachlichen Inhalten an und für sich und andererseits der verfahrensbezogenen Komponente. Diese steuert erst die kommunikative Umsetzung von Sachverhalten und Erkenntnissen des jeweiligen Fachgebietes. Fachkommunikative Kompetenz bedeutet folglich, laut Baumann (1995:335), daß der Lerner imstande ist, „...sprachliche Einheiten zu produzieren bzw. zu reproduzieren, die sachlogisch gegliedert, semantisch strukturiert, linear sequentiell und hierarchisch organisiert sind. Diese sind die Fachtexte.

Diesen sprachlichen Einheiten (den Geschäftsbrieftexten) ist eigen, daß sie sprachliche Mittel in den Dienst fachlicher Inhalte (u.zw. der Durchführung eines Geschäftsvorganges) stellen, so daß die Textproduktion den fachlichen Handlungs-und Kommunikationsnormen entspricht (Buhlmann/ Fearns 1987:104).

 

2. Die Eigenart des Geschhäftsbriefes für FS-Lerner und -lehrende

Der Geschäftsbrief als eine in die betriebsexterne Fachkommunikation eingesetzte Textsorte impliziert ein Zwischenspiel der Fachkompetenzen und der FS(Deutsch)-Kenntnisse. Das bedeutet, wie schon erwähnt, eine adäquate Verknüpfung sprachlicher Mittel mit fachspezifischen Sachverhalten zwecks Vollbringung einer Kommunikation unter Fachleuten.

Für die FS-Didaktikerin Herrmann (1990:19) gehört der Geschäftsbrief in die 3. Gruppe identifizierbarer Wirtschaftstextsorten im Marketingumfeld, u.zw. der berufssprachlichen. Hinzu kommt die fachlich bestimmte außerbetriebliche Richtung der Handelskorrespondenz. In dieser Hinsicht kommt die Behandlung der Handelskorrespondenz mit ihren Etappen und typischen Aspekten der beruflichen Motivation der FS-Lernenden entgegen, wobei das muttersprachlich erworbene Fachwissen selbstverständlich eine geeignete Grundlage bieten kann.

Hierzu ist aber an die Warnung der beiden Autorinnen Buhlmann/ Fearns (1987: 156-157) vor das schon erwähnte Zusammenspiel der Kompetenzen zu erinnern. In ihrem Handbuch beziehen sie sich wiederholt darauf, daß Fachleute (mit Fachkenntnissen und entsprechenden Denkstrukturen) eigentlich Strategien zum Verstehen der L2-Texte und zur L2-Textproduktion brauchen. Die Deutschlerner im Bereich der Fremd- und Fachsprache Wirtschaftsdeutsch im fachorientierten Hochschulwesen sind meistens nicht völlig fachkompetente Lerner. Auf der anderen Seite sind die Deutsch-Lehrenden in der Regel nicht oder wenig(er) fachkompetent. Daher verwechselt der FS-Lehrer, laut Buhlmann/ Fearns, die Schwierigkeit der Form (fremdsprachliche Fachausdrücke) mit der des Inhalts (in unserem Falle die Eigenart des Geschäftsbereichs).

 

3. Über das ,,Wissensschema“, die Informationsstruktur und den Textaufbau

Bei der wiederholten Überdenkung der FSU-Ziele, ist in den etwa 2 letzten Jahrzehnten ein Prinzip festgemacht worden: Texte bearbeiten heißt, über deren Auswahl, ihre Absichten, Wirkungsfaktoren und Auslegungsmuster Bescheid zu wissen.

In diesem Kontext bemerken Buhlmann/ Fearns (1987:83), der FSU sei grundlegend textstrukturbezogen. Das besagt in der neueren, auf die Formalisierung sprachlicher Aktivitäten ausgerichteten Fachdidaktik die Notwendigkeit, bei den FS(Deutsch)- Lernern jene sprachliche Sensibilität zu entwickeln, welche, laut Mair / Meter (1981:79), „für den kritischen Umgang mit Diskursen aller Art unerlässlich“ ist. Die Herausarbeitung und Vermittlung dieser Textstrukturen kann sich positiv auf die Entwicklung fachlicher (geschäfts-bezogener) Denkstrukturen auswirken.

JAHR (1995:213) bringt alles auf den Punkt: Informationsentnahme, Verstehen und Speicherung erfolgen auf Grund bestimmter Regeln, so daß die Art und Weise der Vermittlung fachlicher Denk-(Text)-Strukturen die eingangs erwähnte fremdsprachliche Fachkompetenz beeinflußt. Ich beziehe mich an dieser Stelle auf die von Jahr (1995:214) postulierte und in jedwelchem Text vorfindbare (d.h. identifizierbare) Wissensstruktur.

Diese ist kein „ruhendes“ Schema, sondern weist verschiedene Wirkungsweisen auf. Der Terminus bezeichnet die „kognitive Basis“ für die im Text enthaltenen Sachverhalte und zeigt die hierarchischen Positionen der Bedeutungsinhalte und deren Relationen zueinander. Zu den Aufgaben des FS-Lehrers zählt also die Strategienvermittlung zur Textrezeption und -produktion.

Jahr (1995:216-217) synthetisiert die wichtigsten Aspekte der Schema- Entwicklung:

 ØSelektion relevanter Informationen und geeigneter Sprachmittel durch Aufklärung logischer Zusammenhänge (was ist los ?, welcher Zweck ?, welche ist die Wirkung?, wie ist die Argumentation ?, usw.)

 ØUnterscheidung des Allgemeinen vom Einzelfall

 ØHierarchie der inhaltlichen Zusammenhänge

 ØBehalten der Textinformation (durch Erinnerungstechniken) und die Verwendung der kognitiven Basis (des Wissensschemas) in der Textproduktion, ohne Vorlage.

Das Behalten der Textinformationen sollte, laut Jahr (1995:217), nach den Annahmen der Schema-Theorie dadurch gefördert werden, daß Erinnerungslücken als Leerstellen im Schema anzusehen sind. Diese werden bei der Vermittlung der Textinformationen als ganze kognitive Schemata leichter ausgefüllt. Das verhilft zum besseren Behalten und Zuordnen von lexikalischen Einheiten. Im FSU können auf dem Hintergrund der Informationsstruktur- Enwicklung lexikalische Mittel und grammatische Strukturen vermittelt und auch eingeübt werden.

Im Folgenden beziehe ich mich auf die 2. der von Jahr (1995:214-215) angeführten Analysearten, u. zw. die dreiteilige Struktur des Textes. Es wird zuerst festgestellt, welches Ereignis, welche Situation, welche Vorstellung im Text thematisiert ist. Das ist der Ausgangspunkt des Ereignisses. Dem Text ist weiter zu entnehmen, welcher grundlegender Sachverhalt das Ereignis darstellt. Schließlich wird nach den Folgen des zentralen Ereignisses / Sachverhaltes / Gedankens gefragt.

Mit der Textinformationsstruktur beginnt der 2. Teil der Textarbeit, d.h. die Arbeit an den syntaktischen ,,Sprachreduktionen“ (Synthetisierungen), auf die die Grammatiker aufmerksam machen. Erst auf diese Weise wird das Wissensschema funktional.

BEISPIEL 1: Das Wissensschema in den Geschäftsbriefen - Ablehnung des Angebots und Gegenangebot. (vgl. SACHS 1991 : 41)

 

1. A. Ablehnung des Angebots

Der Brieftext: Sehr geehrter Herr van Straten, wir danken Ihnen für Ihr Angebot vom 12.8. Da wir z.Z. noch größere Lagerbestände haben, können wir leider davon keinen Gebrauch machen. Sobald wir wieder Bedarf an Gemüsekonserven haben, werden wir Ihnen dies mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen...

Ausgangspunkt des Ereignisses Ø

Ein Lieferant / Verkäufer / Exporteur kann aus eigenem Antrieb ein Angebot unterbreiten. Dies ist ein unverlangtes und unverbindliches Angebot. Der potentielle Kaufinteressent kann es ablehnen, wobei er annehmbare Begründungen formuliert. Der Kaufinteressent hat im Augenblick des Angebots keinen besonderen Bedarf an der offerierten Ware. Er kann und wird die Offerte ablehnen.

Zentraler Sachverhalt  Ø

Der potentielle Käufer kann die (auf alle Fälle vorteilhafte) Offerte zurückweisen /ablehnen, indem er mit Hilfe seiner Lagerbestände argumentiert.

Folge(n)  Ø

Der potentielle Käufer kann in der Zukunft auf das Angebot zurückkommen und mit dem Offertanten tatsächlich ins Geschäft kommen. Vorsichtig /diplomatisch (oder auch nur formal) drückt er diese Hoffnung auf das künftige Geschäft aus. Der Anbietende darf seinerseits mit einem potentiellen Kunden rechnen.

 

1. B. Gegenangebot des Kaufinteressenten

Der Brieftext :

Sehr geehrte Frau McKinley, besten Dank für Ihr Angebot und das uns überlassene Muster des Artikels 8831/44. Mit der Qualität des Materials sind wir zufrieden, nur der Preis scheint uns zu hoch zu sein. Von einem anderen Lieferanten in Schottland wurde uns eine ähnliche Qualität zu DM... /m angeboten. Wenn Sie uns den gleichen Preis machen können, sind wir gerne bereit, 30 Stück zu bestellen. Es würde uns freuen, wenn es Ihnen möglich wäre, unseren Vorschlag anzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen....

Ausgangspunkt des Ereignisses  Ø

Ein potentieller Kaufinteressent erhält ein verlangtes oder ein unverlangtes Angebot über Textilien. In beiden Situationen darf er sich die Geschäftsbedingungen näher überlegen und sich entweder für die Annahme oder eine Revidierung der Offerte entscheiden.

Zentraler Sachverhalt  Ø

 Das Gegenangebot besteht aus der Neuformulierung einer oder mehreren Geschäftsbedingungen (aller sogar), wenn dies den Interessen des Käufers entspricht. Der Anbietende muß mit einer solchen Alternative rechnen (die Bereitschaft des Käufers zu bestellen hängt unmittelbar von der Annahme der Vorschläge seitens des Lieferanten ab).

Folge(n) Ø

Die voraussehbare Folge ist die Annahme der Änderungen. Falls sich der Lieferant trotzdem an seinem ursprünglichen Angebot (hartnäckig) hält, ist eine Fortsetzung der Kommunikation in Form eines Gegenangebots des Lieferanten möglich (in dieser Situation ist es für den Verkäufer üblich, Entgegenkommen zu zeigen, da er weiß, er könnte den Kunden leicht verlieren).

BEISPIEL 2.: Das Wissensschema in den Geschäftsbriefen - Erste und Zweite Mahnung. (vgl. SACHS 1991:95)

 

2. A. Erste Mahnung

Der Brieftext :

Sehr geehrter Herr Brandsma,

wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, daß unsere Rechnung vom 11.9. noch offensteht. Für eine baldige Überweisung des fälligen Betrages wären wir Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen...

Ausgangspunkt des Ereignisses  Ø

Der Lieferant ist wegen der nicht vollständigen Rechnungsbegleichung besorgt, möchte es aber nicht offen zeigen. Es ist anzunehmen, daß dies dem Käufer einfach entgangen ist, daß er gewisse Schwierigkeiten hat, wegen deren er seinen Zahlungspflichten nicht nachgekommen ist (durchaus möglich ist auch ein Kunde, dessen Bonität nicht rechtzeitig oder zu spät geprüft wurde). Auf jeden Fall ist diese Mahnung bloß eine freundliche Zahlungserinnerung.

Zentraler Sachverhalt  Ø

Der Lieferant erinnert den säumigen Zahler neutral-freundlich an die unbeglichene Rechnung. Er bittet um die baldige Überweisung des betreffenden Rechnungsbetrages. (im Adjektiv baldige und in der Intensivierung der Bitte über das Superlativ sehr dankbar ist jedoch ein gewisse Unruhe zu verspüren...).

Folge(n)  Ø

Falls keine Rechnungsbegleichung erfolgt oder irgendwelche aufklärende Mitteilung seitens des Käufers eintrifft, wird der (ziemlich stark besorgte) Lieferant eine 2. Mahnung absenden.

 

2. B. Zweite Mahnung

Der Brieftext :

Sehr geehrter Herr Brandsma,   wir kommen heute auf unser Schreiben vom 12.10. zurück, in dem wir Sie an die fällige Zahlung unserer Rechnung vom 11.9. erinnerten. Leider ist bis heute noch keine Überweisung von Ihnen eingegangen. Da wir auf den prompten Eingang unserer Außenstände angewiesen sind, um unseren eigenen Verpflichtungen nachkommen zu können, bitten wir Sie nochmals höflich, Ihr Konto umgehend auszugleichen.

Mit freundlichen Grüßen...

Ausgangspunkt des Ereignisses Ø

Dies ist die nicht beantwortete 1. Mahnung und folglich die (tiefer gewordene) Besorgnis des Lieferanten.

Zentraler Sachverhalt  Ø

Der Lieferant drückt vorsichtig - höflich aber kategorisch seine Unzufriedenheit und Besorgnis aus. Er erwähnt die erste abgesandte Mahnung und bittet nachdrücklich um die Zahlung. Er argumentiert durch eigene Zahlungspflichten.

Folge(n)  Ø

Bei Beantwortung der 2. Mahnung wird das Mahnverfahren eingestellt. Sonst ist anzunehmen, daß sich der (höchst unzufriedene) Lieferant auf die Absendung der 3. (möglicherweise letzten, ultimativen) Mahnung vorbereitet (Duric 1994 : 17-18). Hovermann / Hovermann (1998:192) erwähnen aber die (geschäftsübliche !) Tatsache, daß bis zu 10 Mahnungen geschrieben werden können.

 

4. Die Herausarbeitung des Wissensschemas mit Hilfe syntaktischer Komprimierungsoperationen

Nach der Segmentierung des Brieftextes in ,,Sinnblöcke“ gemäß JAHRs (1995) dreiteiliger Struktur erfolgt die schrittweise Verdichtung der Bedeutungsteile.

Die Umformulierung kann in einer ersten Phase durch den Übergang vom Ich- oder Wir-Stil zum Erzählstil in 3. Person stattfinden. Die grammatische Ausdrucksweise ist der Aussagesatz (in Kurzform), in dieser Arbeitsphase ein für Grundstufenlerner viel zugänglicherer Weg als die unmittelbare Komprimierung durch Nominalisierung. Der resultierende (Erzähl)Text verhilft zum besseren Textverständnis. Die 3teilige Informationsstruktur wird anschließend verdichtet. Dazu müssen die Lerner eine Minimaleinsicht in die verschiedenen grammatischen Transformationen erhalten.

Die Nominalisierung ist im Fachsprachenbereich (und nicht nur) ein viel diskutiertes, sogar umstrittenes Thema. Außer der bereichsspezifischen Informationsverdichtung stehen hier auch der Hang zur überflüssigen Sprachkomprimierung, die unnatürliche, artifizielle Fachsprache zur Diskussion. Nach Engel / Tertel (1993: 277) ist aber die Nominalisierung keine grammatische Spielerei. Sie verfolgt ein kommunikatives Ziel (Spracheinsparung zwecks Synthese, Abstrahierung) und erscheint völlig anwendbar und annehmbar, auch wenn es Ausnahmen und nicht feste Regeln gibt (wie bei den Verben). Die beiden Autoren sowie Helbig / Buscha (1980: 256,483,485,569,574,580) führen vergleichsweise ähnliche Nominaliserungsmöglichkeiten an :

1. Wenn Sachverhalte wie ein Gegenstand zu behandeln sind (Engel / Tertel 1993: 276), wird das satzregierende Verb zu einem neutralen oder femininen Nomen (vereinzelt auch Maskulina) und der ganze Satz in eine Nominalgruppe verwandelt. Wie z.B. :

 Ø wir danken Ihnen für.... (1.A.)  è Das Danken (der Dank) für...

 Ø Von einem anderen Lieferanten...wurde uns eine ähnliche Qualität... angeboten. (1. B.)  è Das Anbieten einer ähnlichen Qualität...

2. Der Verbstamm erhält die Suffixe -ung oder -e(re)i, die den Vorgang sowie das Resultat der Aktion angeben. Wie z.B. :

 Ø. Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen, daß... (2.A.)  è Die Aufmerksammachung des Käufers (säumigen Zahlers)

 Ø...bitten wir Sie...höflich, Ihr Konto umgehend auszugleichen (2.B.)  è Bitte des Verkäufers an den Käufer um dessen Kontoausgleichung

3. Akkusativergänzungen werden zu Genitivattributen und / oder präpositionalen Attributen, wie z.B. :

 Ø Da wir noch größere Lagerbestände haben,... (1.A.)  è Das Besitzen größerer Lagerbestände.. (hier jedoch durch Umschreibung).

 Ø Wir möchten Sie darauf aufmerksam machen,... (2.A.)  è Die Aufmerksammachung des Käufers durch den Lieferanten

4. Das Subjekt des Obersatzes transformiert sich in ein Genitivattribut des neutralen Nomens, das den Sachverhalt indiziert, wie z.B.:

 Ø...bitten wir Sie nochmals höflich,...(2. B.)  è Das Bitten (die Bitte) des Lieferanten an...

 Ø Es würde uns freuen,... (1.A.)  è Die Freude des Käufers auf... (hier als logisches Subjekt)

5. Dativergänzungen werden auch zu präpositionalen Attributen :

 Ø... werden wir Ihnen dies mitteilen.(1.A.)  è Mitteilung des Käufers an den Anbietenden

6. Sätze mit sein-Prädikat und Adjektivalergänzung (Prädikativum) werden über letzteres nominalisiert, während das Subjekt zum possessiven Determinativum wird :

 Ø... sind wir gerne bereit, 30 Stück zu bestellen. (1.B.)  è Die Bereitschaft des Käufers zu bestellen

 Ø Für eine baldige Überweisung...wären wir Ihnen sehr dankbar. (2.A.)  è Das Dankbarsein des Lieferanten (Gläubigers) für eine baldige Überweisung

 Ø Mit der Qualität des Materials sind wir zufrieden,... (1.B.)  èDas Zufriedensein des Käufers über...

Es ist leicht ersichtlich, wie sich die angeführten Nominalisierungsvarianten im Textumfeld kombinieren lassen. Bei allen Schwierigkeiten und der etwaigen Monotonie können bestimmte fast formelhafte Verkettungen beobachtet werden, wie z.B.:

 ØDie Mitteilung des Käufers an den Lieferanten

 Die Aufmerksammachung des Käufers durch den Lieferanten (Nomen+Genattr+ Präpattr)

 ØDie Freude des Käufers auf die mögliche Annahme seines Vorschlages durch den Lieferanten

(Nomen+Genattr+Präpattr+Genattr+ Präpattr)

Selbstverständlich sind auch Umschreibungsvarianten in Kauf zu nehmen, an die sich auch die Anfänger / Grundstufenlerner gewöhnen müssen :

 Ø Leider ist bis heute noch keine Überweisung von Ihnen eingegangen (2.B.)  è Unzufriedenheit des Lieferanten über ausbleibende/ verspätete Zahlung (hier kann man sich leicht auf die emotionalen Werte der Modalwörter beziehen)

Wie sieht folglich das so mühsam erarbeitete Wissensschema aus ? Wir nehmen das Beispiel 1.A.:

1 - Dank (des Käufers) für das erhaltene Angebot

2 - Die Formulierung der Ablehnung (Gebrauchsunmöglichkeit) bei Angabe gewisser Hindernisse oder beim Bezug auf die existierenden Lagerbestände (Begründung)

3 - Die Erwähnung einer möglichen (Hoffnung darauf) zukünftigen Kooperation. Aus Platzgründen verzichte ich auf die Darstellung der anderen Schema- Varianten.

Auf ähnliche Weise ist bei der Rekonstruktion des betreffenden Geschäftsbriefes, bei der Umwandlung der knappen Formulierungen in einem normalen Brieftext vorzugehen (man vergleiche hierzu auch die Schemata bei Gladigau / Breitkreuz /Richter 1991). Ich ziehe es aber auch vor, die Lerner mit Hilfe von imperativischen Sätzen zu stimulieren, (so wie sie z.B. bei Kirst / Mannekeller 1991 vorkommen), die genau den zentralen Sachverhalt formulieren:

Drücken Sie Ihren Dank für... aus!

Zeigen Sie (vorsichtig / heftig/) Ihre Besorgnis über... und beziehen Sie sich auf die Folgen... !.

Vorstellbar ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, an verschiedene Ausdrucksmittel zu appellieren. Die betonte Unzufriedenheit in 2.B. (der 2. Mahnung) läßt sich über Modalitätswörter, die Verben des Bedauerns (jmd. über etwas leid tun, bedauern, verärgert sein), sogar idiomatische Ausdrücke verbalisieren, falls man die der 2. und 3. Mahnung innewohnende Rhetorisierung intensivieren möchte.

So kann man mit der reproduktiv - kreativen Rekonstruktionsübung und z.T. mit dem Lückentext den Lernern Arbeitsmittel an die Hand geben, die schließlich für fast alle Textsorten, bei der Hauslektüre und selbstverständlich für die Erledigung der Lern- sowie der Forschungsaufgaben zu beachten sind.

 

 

Literatur:

1.     BAUMANN, K.D. - Fachsprachen und Fachsprachendidaktik. In: BAUSCH, K.R. / CHRIST, H.

2.     KRUMM, H.J. (Hrsg.): Handbuch des FSU. 3. Auflage, Francke, Tübingen 1995, S. 333 - 335.

3.     BUHLMANN, R. / FEARNS, A. - Handbuch des Fachsprachenunterrichts. Langenscheidt, Berlin u.a. 1987.

4.     DURIC, K. - Ungeliebte Mahnungen. In: Texten SYMBOL 38 \f "Symbol" \s 9& Schreiben. Sprachpraxis beruflich und privat, 3/1994, S. 16-18.

5.     ENGEL, U. / TERTEL, R. - Kommunikative Grammatik DaF. Iudicium, München 1993.

6.     HELBIG, G./ BUSCHA, J. - Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. 8. Auflage, VEB Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1980.

7.     HERRMANN, K. - Wirtschaftstexte im Unterricht. Goethe - Institut München 1990.

8.     JAHR, S. - Strategien zum Textverstehen im FSU. In: SPILLNER, B. (Hrsg.): Verstehen und Verständlichkeit. Kongreßbeiträge zur 25. Jahrestagung GAL. Bd. 28. Forum Angewandte Linguistik. P. Lang, Frankfurt am Main P. 1995, S. 213 - 217.

9.     MAIR, W.N. / METER, H. - Fremdsprachenunterricht - wozu ? G. Narr, Tübingen 1981.

 

 

Lehr-und Nachschlagewerke:

1.     GLADIGAU,G./ BREITKREUZ, R. / RICHTER, K. - Gutes Deutsch. Gute Briefe. Fachbuch für den Schriftverkehr in Wirtschaft und Verwaltung. Neubearbeitung, 17. Auflage, Westermann, Braunschweig 1991.

2.     HOVERMANN, C. / HOVERMANN, E. - Das große Buch der Musterbriefe. Humboldt Taschenbuchverlag, München 1998.

3.     KIRST, H. / MANNEKELLER, W. - Moderne Korrespondenz. Falken, Niederhausen 1991.

4.     SACHS, R. - Deutsche Handelskorrespondenz. Der Briefwechsel in Export und Import. Neubearbeitung, Hueber, Ismaning 1991.


 

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Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga

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