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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens (ZGR), 9. Jg., Heft 17-18 / 2000, S. 135-143

 

 

DAS BILD WIENS IN DEN ROMANEN ZWISCHENSTATIONEN VON VLADIMIR VERTLIB

UND HERRN KUKAS EMPFEHLUNGEN VON RADEK KNAPP

 

Maria Staudacher


 

Über Wien wurde schon viel geschrieben, ganze Reisetaschen lassen sich in der Zentrale der Städtischen Büchereien in der Skodagasse mit Reiseführern füllen, klassischen[1], alternativen[2] oder Spezialführern[3] - wozu auch die literarischen zählen[4]; Anthologien mit Lyrik[5] und Prosa[6], ganz abgesehen von Romanen und Autobiographien, deren Schauplatz Wien ist.[7]

Daß das Wien-Bild ein widersprüchliches ist, daß Hochkultur, Volkskulturen und tiefste Unkultur nebeneinander bestehen[8], damit hat sich jeder auseinanderzusetzen, der aus der Fülle repräsentative Texte auswählen soll. Joseph Strelka, dessen Auswahlband für Touristen gedacht ist, will explizit ein schönes Bild der Stadt zeigen[9] und verweist auf Gerhard Roths Essaysammlung „Eine Reise in das Innere von Wien“[10] als düstere Ergänzung seines hellen, charmanten Wien-Bildes.

Auch das Image der Stadtbewohner schwankt zwischen dem „goldenen Wienerherz“ und dem Ringelspielbesitzer und mehrfachen Frauenmörder aus H. C. Artmanns populären Dialekt-Gedichten[11], die Wiener selber „sehen sich selbst gerne als gemütliche, liebenswerte Zeitgenossen, in der Literatur oft als morosen, schwermütigen, todessehnsüchtigen Charakter, der durchaus nicht nur die posititiven Seiten der verschiedenen Nationen des habsburgischen Vielvölkerstaates in sich vereinigt.“[12] Illustriert wird diese Aussage mit einem Bild von Helmut Qualtinger in der Rolle des Zauberkönigs in der Verfilmung von Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Die aus Kroatien stammende Übersetzerin Irina Slosar meint: „Was ich in Wien bemerkt habe, ist, daß Leute grantig sind, so grantig, das ist etwas sehr Wienerisches. Das trifft man vielleicht als eine Krankheit anderswo, aber hier ist es sozusagen eine kultivierte Krankheit, das ist ein Kulturgut.“[13] Das Raunzen (nörgeln) als Ausdruck einer mangelnden Konfliktkultur – man redet nicht offen über Probleme, sondern versteckt sich hinter Konventionen und Höflichkeit; die Titelsucht, die Dummheit als Statussymbol der Reichen und Einflußreichen, Stagnation und Zeitverzögerung (selbst junge Leute wirken schon alt); Nekrophilie und Todessehnsucht, wie sie in den Heurigenliedern, der hohen Selbstmordrate und in der schönen Leich‘ (einem pompösen Begräbnis) als letztem Höhepunkt des irdischen Daseins zum Ausdruck kommt, sind weitere Charakteristika, die in einem Schnellkurs in Stadtkunde angeführt werden.[14]

Als im Frühjahr 1990 bekannt wurde, daß Wien wieder wächst, war das eine unerhörte Neuigkeit.[15] Seit dem Ende des 1. Weltkriegs war die Bevölkerung stets geschrumpft, von 2 Millionen auf 1, 5 Millionen, trotz verschiedener Flüchtlingswellen nach dem 2. Weltkrieg (Sudetendeutsche nach dem Krieg, Ungarn 1956, Tschechoslowaken 1968, Polen 1980). Die meisten Neu-Wiener stammen allerdings aus den Bundesländern.[16] Zur Zeit der Jahrhundertwende war Wien die zweitgrößte tschechische und jüdische Stadt. Man spricht gern von der integrativen Kraft des Schmelztiegels Wien [17]zur Zeit der Jahrhundertwende, vergißt dabei freilich oft die Ambivalenzen, die Homogenisierungstendenzen und den Assimilationsdruck. Bürgermeister Karl Lueger verlangte von Einbürgerungswilligen das Bekenntnis, den deutschen Charakter der Stadt zu befördern[18]. Zwiespältig aufgenommen wurde auch die neue Dynamik nach dem Zerfall des Ostblocks. Von der Angst vor Veränderungen profitieren populistische Politiker, bei den letzten Landtagswahlen im Oktober 1996 war die FPÖ zweitstärkste Partei im Wiener Landtag[19].

Bei genauerer Betrachtung war und ist Wien stets eine Stadt der Zuwanderung und der Vermischung unterschiedlicher Völker gewesen, gleichzeitig war die Ablehnung häufig ein Teil des Selbstverständnisses des Wieners und nicht selten sind ausgerechnet jene die eiferndsten Wiener, die noch nicht einmal ihre Koffer ausgepackt haben, sofern sie überhaupt welche hatten. Der Psychoanalytiker Harald Leupold-Löwenthal brachte die Verhältnisse auf den Punkt: „Wir Wiener sind nicht xenophob, wir hassen die Fremden nicht – wir mögen sie nur nicht.“[20]

Dem Bild der Stadt und ihrer Bewohner soll nun in zwei im Vorjahr erschienen Romanen nachgegangen werden, beide von Autoren verfaßt, die heute Mitte 30 sind und als Migrantenkinder in Wien aufgewachsen sind. Beide Autoren sind einerseits „Zuag‘raste“, andererseits auch „gelernte Wiener“, sie vereinen in ihrer Person Innensicht und Außensicht.

Vladimir Vertlib: Zwischenstationen[21]

Zwischenstationen ist ein Roman, keine Autobiographie, so der Autor explizit in einem Interview[22], nur das eingefangene Gefühl sei biographisch und an den beschriebenen Orten sei er auch gewesen. Zwischen Vertlibs Lebenslauf und dem seines Protagonisten gibt es viele Parallelen: 1966 im damaligen Leningrad geboren, 1971 Emigration mit den Eltern nach Israel, der vom gelobten Land enttäuschte Vater bringt die Familie nach Österreich (Wien), dann nach Italien (Rom). Weitere Stationen sind im Winter 1972 wieder Österreich, die Niederlande (Amsterdam) im Sommer 1975, noch einmal Israel, wieder Italien – Rom unde Ostia im Sommer 1976 (vergebliche Bemühungen um ein Visum für die USA, Lateinamerika steht auch zur Diskussion), wieder Wien. 1980 lebt die Familie über ein Jahr illegal in den USA, schließlich kehrt sie im Herbst des Jahres 1981 nolens volens wieder nach Wien zurück. Seit 12 Jahren ist Vladimir Vertlib österreichischer Staatsbürger, er hat Volkswirtschaft studiert und ist seit 1993 freier Schriftsteller und Übersetzer in Salzburg und Wien. Er hat eine sozialwissenschaftliche Studie[23] über die osteuropäische Zuwanderung nach Österreich verfaßt. 1995 erschien seine erste Erzählung Abschiebung, die eine Episode aus der Emigration einer russisch-jüdischen Familie schildert. „Ich wollte danach zu anderen Themen übergehen. Aber die Figuren haben an meine Türe geklopft und gesagt: Wir möchten mehr Raum. Also habe ich einen Roman geschrieben.“[24]

Von dieser Odyssee berichtet der Ich-Erzähler in 12 Abschnitten, die je einer Zwischenstation entsprechen. Diese Episoden könnten auch als abgeschlossene Erzählungen gelten, sie enden pointiert, grotesk (im ersten Kapitel wird vom Tod der Großmutter in Leningrad berichtet, daß die Urne mit ihrer Asche im überfüllten Bus zu Boden gefallen sei und nur ein Rest auf dem Friedhof angekommen sei, S. 23f) oder voll schwarzen Humors wie die Episode „Ostia“: nach monatelangen fruchtlosen Bemühungen um ein US-Visum fährt die Familie im Nachtzug nach Österreich zurück, der Vater monologisiert sich seine Enttäuschung von der Seele:

Er beteuerte, daß jetzt ein neues Leben beginne, Rom eine Zäsur gewesen sei, die Brücken zur Vergangenheit, zu Rußland und Israel nun endgültig abgebrochen seien. „Es gibt keinen Weg zurück!“ sagte er mit so lauter Stimme, daß ich aus dem Halbschlaf hochfuhr. „Jetzt heißt es neue Brücken bauen.“ Und als wäre dies ein Ereignis, das die Worte meines Vaters symbolträchtig unterstreichen wollte, stürzte in derselben Nacht in Wien die Reichsbrücke ein. (S. 158)

Vertlib gelingt es, seine Figuren durch die Dialogführung plastisch erstehen zu lassen, besonders seine Eltern, die ironische, praktisch-lebenskluge Mutter und den die Welt verbessern wollenden Vater.

Geradelinig, „unprätentiös zuweilen bis zur stilistischen Anspruchslosigkeit“[25], in einem emotionslosen Tonfall erzählt Vertlib von seinen Erfahrungen mit Xenophobie (als Schulkind in Israel läßt er sich selber damit anstecken); aus der Perspektive eines Kindes, aber keineswegs naiv.

Wiener Schauplätze

Wie ein Bumerang kommt die Familie Vertlib immer wieder nach Wien zurück, vor allem in den 20. Bezirk, „das Hinterhaus Wiens“[26]. Die Brigittenau ist der westliche Teil der zwischen Donaukanal und Donau gelegenen „Mazzesinsel“[27], wo im 17. Jahrhundert ein jüdisches Ghetto entstanden war. In den zwanziger Jahren war fast die Hälfte der Bevölkerung des 2. Bezirks Juden, die meisten stammten aus dem Osten und kamen am Nordbahnhof an, den Joseph Roth in dem Essay „Juden auf Wanderschaft“[28] als schönsten und größten Bahnhof der Monarchie beschrieben hatte, als offenes Tor zum Rückweg, wo noch ein Aroma von Heimat zu spüren war.

In den siebziger Jahren kamen aus der Sowjetunion neue Juden nach Wien[29], die sich hauptsächlich im 2. und 20. Bezirk ansiedelten. „Wenn ich in die Brigittenau komme, beginne ich Russisch zu denken“[30], sagt Vertlib. Den ersten Aufenthalt nahm die Familie Vertlib im „russischen Schloß“, einem alten Mietshaus mit Substandard-Wohnung, in dem fast ausschließlich russische Juden lebten, die z. T. auf ihre Rückkehrerlaubnis in die Sowjetunion warteten, meist erfolglos. Der kleine Ich-Erzähler

 ... verließ das Haus kaum und glaubte beinahe, die eigentümliche Außenwelt dieses fremden Landes existiere gar nicht, sei nur ein Gerücht oder ein Märchen. Ich dachte manchmal, ich sei in Israel, dann wieder, ich sei in Rußland, bis ich verstand, daß beides stimmte. Das Haus war ein Teil Israels und Rußlands, der sich in einer fremden Welt namens Wien befand. Keine Frage: die Welt war wie eine Anzahl von Schachteln aufgebaut, die ineinanderpaßten. (S. 31)

Später, als der Vater von der Emigration in die USA träumt und Bildbände mit nach Hause bringt, wird dem zum Teenager herangewachsenen Erzähler die Brigittenau zu New York: die Wallensteinstraße wird zum Broadway, die schäbigen Mietskasernen zu glitzernden Hochhäusern, der Donaukanal zum East River, die Friedensbrücke zur Brooklyn Bridge und die Müllverbrennungsanlage Spittelau zur Freiheitsstatue. (S. 166f) Ansonsten interessiert er sich – psychologisch unschwer zu interpretieren – brennend für den Fortgang der U-Bahn-Bauarbeiten, was ihm in der Schule den Spitznamen „Baustellen-Ruß“ einträgt.

Im Augarten, einem an der Grenze zwischen 2. und 20. Bezirk gelegenen Park, in dem Wiener Institutionen wie die Sängerknaben und die Porzellan-Manufaktur untergebracht sind, und wo zwei klobige Flaktürme unübersehbar an die braune Vergangenheit erinnern, findet die Familie so etwas wie Heimat. Obwohl längst in einen anderen Bezirk übersiedelt, sucht der Sohn nach einer Auseinandersetzung den Vater dort. Als er seiner Verzweiflung Luft machen will, tut er das auf russisch: „Immer wenn ich in die Brigittenau komme, wechsle ich automatisch die Sprache.“ (S. 291)

Die Wiener

Im Stiegenhaus, auf der Straße, auf Wohnungssuche, in der Schule macht die Familie Erfahrungen mit der Verachtung der Einheimischen. Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus sind kaum zu trennen, die ersten wienerischen Vokabeln, die sich dem Vorschulkind einprägen sind „Saubuam, depperte“ und „Tschuschn“ (S. 35) Das Schimpfwort „Bagage“ nimmt es wörtlich:

Bagage? Ich verstehe nicht, warum meine Eltern Gepäck sein sollen. „Meine Eltern sind keine Koffer“, schluchzte ich. „Doch!“ brüllte der Mann. „Vollkoffer.“ (S. 61)[31]

Das 3. Kapitel „Nachmittage“ porträtiert die Nachbarin Ernestine Berger, die nachmittags auf den Buben aufpaßt, wenn die Mutter arbeitet.

In ihrer Wohnung voller ausgestopfter Tiere und Hirschgeweihe gefällt es dem Kind recht gut, es sitzt gerne auf dem Schoß der gebrechlichen alten Frau, obwohl sie es ein wenig an die Baba Jaga aus dem Märchenbuch erinnert. Der Bub wiederum erinnert die Frau an ihren Sohn, der am 6. Mai 1945 gefallen war. Sie erzählt ihm endlose Geschichten, die der Bub nicht versteht, von Oberschlesien, von der Flucht, vom Neubeginn in Österreich und der  Überheblichkeit der Wiener. „Ich war hier auch einmal eine Fremde. Ich und deine Eltern, wir haben viel gemeinsam.“ (S. 53) Manchmal holt sie auch ein Hitler-Bild hervor und schenkt dem Buben ein Zigarettenetui mit dem Deutschen Reich in den Grenzen vom Herbst 1938. Der wundert sich, daß Wien auch im Deutschen Reich liegt, er weiß genau, daß es die Hauptstadt von Österreich ist. Auch die Volksschullehrerin schüttelt den Kopf und wird ungewöhnlich streng, die Eltern werden in die Sprechstunde zitiert.

Nach dem Tod der Frau Berger muß die Mutter das Kind zur Arbeit mitnehmen, die promovierte Physikerin hat in einer großen Versicherung am Donaukanal eine Stelle als Putzfrau gefunden. Sie wundert sich über die geringe Frauenberufstätigkeit und mangelnden Kinderbetreuungseinrichtungen im Westen, auch erscheint es ihr wenig fortschrittlich, daß die Frauen bei der Heirat den Namen des Mannes annehmen. (S. 58f)

In der Versicherung regiert die Frau Chefputzfrau Dorfmeister, würdevoll und machtbewußt. Ihre Befehle erteilt sie in Pidgin-Deutsch: „Du Mistkübel ausleeren in Büros ... Nicht vergessen Staubwischen großer Tisch“ (S. 68) Der Bub wundert sich, warum die Frau Chefputzfrau so falsch spricht, manchmal sogar russisch: „Ja dann, raboti, raboti! Gemma, gemma!“(S. 69) Höflich korrigiert sie die Mutter dann. Genau wegen dieser Eigenschaft wird sie von den Versicherungs-Angestellten geschätzt, alle wollen mit ihrem Titel angesprochen werden: Herr Doktor, Herr Abteilungsleiter, Herr akademisch geprüfter Versicherungsmathematiker. Beim Prokuristen, der für die großen Schadensfälle zuständig ist, bedankt sich das Kind für Schokolade artig mit „Herr Doktor Prokurist Großschädling“ (S. 71)

Strategien, eine Heimat zu finden

Wo findet ein Kind, das ein Nomadenleben führen muß, Halt, Identität, Heimat?

Im Zusammenhalt der Familie, die trotz der Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Vater, der alle Fragen grundsätzlich angeht, und der pragmatischen Mutter, fest zusammenhält. Je älter aber der Erzähler wird, desto weniger hält er dieses Leben aus und beginnt, die fertigen Antworten des Vaters zu hinterfragen.

Wichtig sind ihm Bücher: lange, bis Ostia, begleiten den Erzähler seine russischen Kinderbücher; in Amerika erschwindelt er sich den Zugang zur Boston Public Library. Die Kenntnis von Goethes Leiden des jungen Werthers bewahrt ihn nach einer Prügelei vor dem Schulausschluß. Als Gymnasiast zieht er sich geistig ins antike Griechenland zurück, die Augarten-Mauer wird zur Stadtmauer Athens (S. 258). Erst, als er sich verliebt, kehrt er in die Wirklichkeit zurück.

Halt gibt auch das Leistungsethos seiner Mutter, die ihn dazu bringt, in einem Gewaltmarsch alle Prüfungen des in Amerika verlorenen Schuljahres nachzuholen. In dieser Anstrengung ertränkt er seine Erinnerungen in Jahreszahlen, Logarithmen und Deklinationen (S. 257)

Wien und die Provinz

Im letzten Kapitel sehen wir den Erzähler zum Westbahnhof eilen, um mit einem Zug in seine neue Heimat Salzburg abzureisen, sehr zum Mißfallen seiner Eltern, die schon die Wiener Vorurteile gegen die Provinz übernommen haben.

Während der Zugsfahrt denkt der Erzähler an sein neues peripheres Dasein:

Plötzlich muß ich lachen. Ich bin tatsächlich zum Österreicher geworden, besser gesagt, zum Wiener. Ich muß Wien verlassen, um zu begreifen, daß ich im Laufe der Zeit alle Vorurteile dieser Stadt übernommen habe – die Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit, Egozentrik und narzißtische Haßliebe, die Verachtung der „Provinz“, ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber dem Ausland und nostalgische Verklärung der einstigen Bedeutung als Metropole. Und erkenne auch in diesen Überlegungen die in Österreich gängigen Klischees über Wien und fühle mich noch wohler, daß ich sie übernommen habe und insgeheim an sie glauben muß und nach längerem Aufenthalt in Salzburg über den Wasserkopf Wien schimpfen werde und über die Präpotenz der Wiener. (S. 291)

Das neue provinzielle Dasein verlangt nach einem äußerlich sichtbaren Zeichen: In Salzburg angekommen kommt er an einem Trachtengeschäft vorbei.

Ich lasse den Koffer kurz stehen, gehe in das Geschäft und kaufe mir den erstbesten grünen Hut mit Feder. Holloraitujliijöötuliahii. (S. 292)

Radek Knapp: Herrn Kukas Empfehlungen

Radek Knapp, 1964 in Warschau geboren, kam im Alter von 12 Jahren unfreiwillig nach Wien, weil seine Mutter dort „hängengeblieben“ war. In Wien studierte er Philosophie, daneben übte er verschiedene Berufe (Würstelverkäufer, Saunaaufgießer, Tennislehrer) aus. „Ich pendle zwischen zwei Kulturen: der unverbrauchten und etwas chaotischen slawischen und der westlichen, die sehr geordnet, aber manchmal auch ein bißchen langweilig ist“[32], sagt Knapp. Er schreibe in seiner Muttersprache „nur Gedichte für den Privatgebrauch und für schöne Fräuleins“, seine Geschichten schreibt er auf deutsch. 1994 trat er mit dem Erzählband Franio[33] an die Öffentlichkeit, für den er den viel Kritikerlob[34] und den Aspekte-Literaturpreis erhielt.

Schauplatz dieser Geschichten ist das Dörfchen Anin in der Nähe von Warschau, die Stadt Wien kommt in den Erzählungen seiner skurrilen Bewohner zwei Mal vor: Der Herumtreiber Franio, der Held der titelgebenden Erzählung, behauptet, vor 3 Jahren als blinder Passagier im Zug nach Wien gelangt zu sein, dort in einem Park mit Ententeich übernachtet zu haben und bei der Besichtigung einer Bankfiliale in einen Überfall geraten zu sein. Er sei dabei in einem Ledersessel eingeschlafen und es sei sogar in der Zeitung über ihn berichtet worden. Den Beweis, den Zeitungsausschnitt, hat er wohl unterwegs verloren, aber eine Ansichtskarte kann er vorweisen.

In der Erzählung Schwager Wilhelm wird von drei Männern und der Kneipenwirtin Hanka das Schicksal des Titelhelden besprochen, von dessen Begräbnis der Bäcker Mostek gerade aus Wien zurückgekommen ist. Wilhelm war als Junge nach Wien gekommen, war Zahnarzt geworden und hatte es zu Wohlstand, einer Villa in Hietzing und einer Vorzeige-Familie gebracht. Doch dann wird er Opfer alptraumhafter Vorfälle: auf dem Weg nach Hause wird er von zwei sadistischen Räubern überfallen, die ihn nicht nur ausrauben, sondern ihm auch das rechte Auge ausbrennen. Im Nachtzug zum Zahnärzte-Kongreß in der Schweiz erwarten ihn die beiden Ganoven auf der Toilette und hacken ihm die rechte Hand ab. Ein Glasauge und eine Prothese machen alles wieder gut. Zu Weihnachten schließt sich Wilhelm in seinem Zimmer ein, um Beethoven zu hören, da kommen die Räuber wieder und schlitzen ihm den Bauch auf. Die Polizei kann die Mörder nicht ausforschen, die Witwe findet unter dem Bett die Beute und Tatwerkzeuge aus den vergangenen Überfällen sowie einen Abschiedsbrief, in dem Wilhelm vom Ekel vor sich selbst und seinem Körper schreibt. Wilhelm schenkt der Witwe einen Kanarienvogel aus seiner Zucht – Hanka fragt sich, ob es diesem wohl so ergehen werde wie Wilhelm, die Männer lachen sie aus.

Herrn Kukas Empfehlungen erschien im letzten Jahr[35] und wurde von der Darmstädter Jury zum Buch des Monats Dezember gewählt[36]

Im Rückblick berichtet der Ich-Erzähler von den Ereignissen der letzten Monate, die er so klar vor sich sieht, als läge er im Sterben. Waldemar, genannt Waldi, ein junger Warschauer, will in den Ferien in den Westen fahren. Sein zwielichtiger Nachbar, Herr Kuka, versorgt ihn mit drei überlebenswichtigen Ratschlägen, außerdem rät er ihm, nicht nach Deutschland zu fahren, sondern nach Österreich. Am Ende der Audienz gibt er ihm noch ein altes Feuerzeug mit auf den Weg, als Glücksbringer. Waldemar macht sich auf den Weg, den Befürchtungen seiner Eltern zum Trotz. Mit 1000 Schilling und 30 Dosen Thunfisch im Rucksack besteigt er den Bus der Linie Dream Travel, der aussieht wie ein umgestürzter Kühlschrank. Waldis Reisegefährten, darunter eine blonde, leider recht abweisende Dame und ein Muskelprotz namens Arnold, schmuggeln Wodka und Zigaretten. Geschickt tricksen sie an der Grenze den Zoll-Schäferhund namens Schimanski mit Hilfe einer Krakauerwurst aus. Endstation der Fahrt ist die polnische Kirche[37], mit deren Pfarrer er im Auftrag von Herrn Kuka Kontakt aufnehmen soll. Jetzt erst merkt Waldi, daß er als Kurier für geschmuggelte Münzen benutzt worden ist. Auch das von Herrn Kuka empfohlene Hotel Vier Jahreszeiten enttäuscht auf den ersten Blick: es besteht aus einer Parkbank, hinter Hecken versteckt im Belvedere-Garten. Dort nächtigt Waldi im Freien, mit einem der schönsten Ausblicke auf das Schloß Belvedere, in Gesellschaft von vier Marmorgrazien, die die Jahreszeiten verkörpern, und einem Brunnen, in den der Sternenhimmel gefallen zu sein scheint.

Die erste Woche verbringt Waldi auf normalen touristischen Pfaden, er klappert die Sehenswürdigkeiten ab, die die Reiseführer zu empfehlen pflegen: Schloß Schönbrunn, den Stephansdom, das Riesenrad, .... Als sein Geld schließlich knapp wird, begibt er sich auf Arbeitssuche, die sich als schwierig herausstellt: eine Fleischhauerei will ihn nur mit Gesundheitszeugnis anstellen, auch zahlreiche andere Bewerbungen enden erfolglos. Nur ein nobler Innenstadtfriseur will ihn sofort aufnehmen, trotz seiner zweifelhaften Qualifikationen und obwohl er sich wenig glaubwürdig als Franzose ausgibt – doch die geforderte Toleranz und das rätselhafte Renommee des Salons werden Waldi unheimlich, und er kann gerade noch flüchten.

So bleibt ihm nur der Arbeiterstrich im Norden der Stadt. Dort trifft er seine Reisegefährten aus dem Schmugglerbus wieder. Ein Landsmann heuert die Arbeitskräfte an, bis zum Abend ein Schwimmbecken im Ausmaß von 10 mal 7 mal 2 Metern auf seinem Grundstück auszuheben. Abends, als Waldemar schon eine große Blase an der Hand hat vom vielen Schaufeln, kommt statt des Auftraggebers die Polizei. Die Schwarzarbeiter werden verhaftet, auch die Kautionen, die sie für die Spaten erlegen mußten, sind verloren. Waldi hatte Glück: seine Manieren aus dem 19. Jahrhundert hinderten ihn daran, vor allen Leuten zu urinieren, darum war er während der Razzia im Gebüsch. Auch Bolek aus Tschenstochau ging der Polizei durch die Lappen. Die beiden freunden sich an. Entsprechend der alten Weisheit, daß ein Unglück selten allein kommt, werden Waldi und Bolek in der U-Bahn von Skinheads angepöbelt. Der kräftige Bolek verprügelt sie im Alleingang.

Über Boleks Vermittlung findet Waldi einen Arbeitsplatz als Spielzeugverkäufer im Billig-Laden des Josef Bernstein am Mexikoplatz. Er zieht zu Bolek in dessen Substandard-Wohnung im Stuwerviertel. Der dritte Mitbewohner dort ist der Student Lothar aus Stuttgart, ein philosophierender Kleptomane.

An Waldis Geburtstag bereiten ihm die Freunde eine spezielle Überraschung: seine Reisegefährtin aus dem Bus kommt auf Besuch und auch sehr rasch zur Sache, doch auf ihren Rücken sind Geburtstagswünsche seiner Mitbewohner geschrieben, die sie engagiert haben.

Bei einem Museumsbesuch trifft er auf Irina, die junge Geliebte seines Chefs Bernstein, philosophiert mit ihr über weibliche Schönheit, als es ihm einfällt: sie sieht der Herbstgrazie im Belvedere-Garten verblüffend ähnlich!

Auf diese Glücksmomente folgt schreckliches Pech: als Waldi die Wochen-einnahmen des Spielwarengeschäfts zur Bank bringen soll, wird er in der U-Bahn-Station von jenen Skinheads überfallen, die einst von Bolek verprügelt wurden. 40 000 Schilling sind weg. Der Freund Lothar will ihm helfen, mit einer Wasserpistole aus dem Spielzeugladen verübt er einen außergewöhnlichen Banküberfall in der Direktionsetage, der schief geht. Zwar nimmt er ein glimpfliches Ende, aber Lothar zittern zum ersten Mal die Hände, ein Gefühl, das er zeitlebens vermißt hat.

Doch wieder hat Waldi unglaubliches Glück: Herr Bernstein gesteht, zurückgekehrt von einer mißglückten Wochenendreise mit Irina, daß in der Geldbombe gar kein Geld war, sondern seine Liebesgedichte für Irina, die Frau Bernstein in seiner Abwesenheit nicht finden sollte.

Schließlich rückt der Tag der Abreise näher. Das Schluß-Tableau zeigt Waldi und Irina nackt im Brunnen des abendlichen Belvedere-Gartens planschend. Warum ist er hierhergekommen? Irina weiß die Antwort: „Um hier zu sein.“ (S. 251)

Die meisten Rezensenten ordnen den Roman dem Genre des Schelmenromans zu[38] oder sie vergleichen den Protagonisten Waldi mit dem Zauberlehrling[39], mit Parzival[40] oder wegen seiner romantischen Begeisterungsfähigkeit mit dem Eichendorff’schen Taugenichts[41]. Gelobt wurde der hintergründige Humor der Geschichte („eines der unterhaltsamsten und durchtriebensten Bücher der Saison“[42]) und die ironische Simulation eines kindlich-naiven Blickes.[43]

Es geht bei Waldis West-Reise auch um den Übergang von der Kindheit zum Erwachsen-Sein: Im Dream Travel-Bus sieht Waldi einen toten Nachtfalter im Fenster, dessen Flügel im Fahrtwind weiterflattern. Waldi fühlt sich „merkwürdig glücklich“ bei dessen Anblick: „Ab jetzt trug ich für alles die Verantwortung.“ (S. 25) Trotzdem hat sich Waldi ein kindliches Gemüt bewahrt: als Spielzeugverkäufer kann er ausgiebig mit Lego-Steinen spielen. Waldi geht aus Unglücksfällen unbeschadet an Leib und Seele hervor, er hat immer Glück im Unglück: als er von der Arbeitssuche deprimiert im Supermarkt eine Dose Kaviar stiehlt, läßt ihn die Kassierin – sie ist seine Landsmännin – laufen. Schlimme Wendungen entpuppen sich als Segen: die Obdachlosigkeit wird durch den schönsten Ausblick der Stadt ausgeglichen, jedes Mißgeschick bringt ihn seinem Ziel näher.

Man kann dem Roman Harmonisierung vorwerfen, daß er kritischen Punkten, z. B. der Ausländerfeindlichkeit, ausweicht[44]. Knapp meinte in einem Interview während der Arbeit am Roman, als Ideal schwebe ihm eine leichte Geschichte wie J. D. Salingers Der Fänger im Roggen vor, bei der dem Leser das Lachen in der Kehle steckenbleibe.[45] Auf den Vorwurf, er erzähle (zu) konventionell, der ihm schon bei Franio gemacht wurde, kontert Knapp, Bücher seien eben zum Lesen da, wie Vögel zum Fliegen oder Autos zum Fahren.[46]

Wiener Sehenswürdigkeiten

Waldi erhält seine ersten Eindrücke von Wien, als der Schmugglerbus über die Ringstraße fährt, seine Begeisterung wird von der abgebrühten Reisebegleiterin konterkariert: „...das ist das Parlament: Hier beschließen sie übrigens alle möglichen Gesetze gegen Tschuschen, Polacken und gegen sich selbst.“ (S. 44). An der Ampel wird der klapprige Bus mit den übernächtigen Passagieren („ein paar Visagen, die in jedem Piratenfilm Furore gemacht hätten“, S. 45) zu einer exotischen Attraktion für einen Bus voller belgischer Pensionisten, weit interessanter als die Repräsentationsbauten der Ringstraße. Auf seinen Fußwanderungen wirft Waldi weitere „fremde Blicke“ auf die westlichen Touristen (Sony-Kamera, Goretex-Jacke) und die gängigen Sehenswürdigkeiten: in Schönbrunn fallen ihm die schmutzigen Fingernägel des feschen Fremdenführers auf, der seinen Kunden vorschwindelt, die Karpfen im Teich wären noch von Kaiser Franz Joseph persönlich gefüttert worden. Am Stephansdom beeindruckt den ehemaligen Ministranten nur die solide westliche Qualität des Altarsockels und eine Spendendose, die automatische „Gott vergelt’s [sic!]“ (S. 75) sagt. In der Aida[47]-Filiale bestellt er sich einen Lipizzaner, was laut Herrn Kuka ein berühmtes Eisdessert sein sollte. Bei der Adresse eines anderen berühmten Mehlspeistempels ist Knapp ein Fehler unterlaufen: der Demel befindet sich nicht auf dem Graben, sondern auf dem Kohlmarkt. (S. 160)

Waldi bekommt aber auch Gegenden zu Gesicht, die in den gängigen Reiseführern meist fehlen: die Fleischhauerei voller Fliegen im 14. Bezirk, in der ein Nachfahre des Oskar aus Horvaths Geschichten aus dem Wienerwald werkt. Auf dem Mexikoplatz, traditionell Umschlagplatz für Schmuggelgüter von Donauschiffen[48] findet Waldi Arbeit, im angrenzenden verrufenen Stuwerviertel (zwischen Prater und Reichsbrücke gelegen, sein zentraler Platz ist nicht umsonst nach einem Pionier der Sozialreportage, Max Winter, benannt[49]) wohnt er in einer Bassena-Wohnung mit Blick aufs Riesenrad und Klo auf dem Gang.

Die Wiener

Die Vermieterin, Frau Simacek, gibt ein anschauliches Bild der gemütlichen Spielart der Ausländerfeindlichkeit. Die siebzigjährige Kriegswitwe im Strickmini, mit hochhackigen Schuhen und grellem Make-Up („immerhin war es die erste Frau in Wien, die sich für mich schön gemacht hatte“, S. 161), läßt sich von ihren Mietern hofieren und bewirten. Beim Kaffeeplausch gesteht sie, aus lauter Liebe zu den guten Ausländern die FPÖ zu wählen, und rät das auch ihren Mietern, die aber als Ausländer gar nicht wahlberechtigt sind. Frau Simacek tröstet sie damit, daß Wiener zu sein auch nicht so einfach sei, Beispiele für seelische Verirrungen entnimmt sie den Schlagzeilen der Kronenzeitung. Bolek spricht sie als „Herr Diplomingenieur“ an.

Vorher war Waldi neben den vielen Verbotsschildern schon aufgefallen, daß die Wiener eifersüchtig über alles wachen, was ihnen gehört oder auch nicht. Den bösen Blick eines „Tirolerpaares“ (denn am Trachtenanzug seien die echten Wiener zu erkennen, S. 67f), als er ein Juweliersschaufenster betrachtet, kann er mit einem freundlichen Grüß Gott entschärfen- schon schmelzen sie dahin. Auch die alten Heimatfilme im Nachmittagsprogramm des Fernsehens sind ein nützlicher Anschauungsunterricht. (S. 162)

Mit der Sprache hat Waldi seine Probleme, obwohl er von Herrn Kuka vorgewarnt worden war: „In Wien sprechen sie zwar eine eigene Sprache, aber wenn du Deutsch kannst, ist das schon mal ein Anfang.“ (S. 12f) Waldi fürchtet schon, sein ganzer Deutsch-Unterricht sei umsonst gewesen, den ersten hochdeutschen Satz in Wien hört er von einem als Mozart verkleideten Opernkarten-Verkäufer. Schon an der Grenze hatte ihn der Zöllner im Pidgin-Deutsch gefragt: „Warum du zu Austria wollen?“ Waldi kommentiert: „Irgendwie hatte ich von uns beiden die eindeutig bessere Aussprache.“ (S. 30)

Wien als Stadt im Westen

Vor Beginn seiner Reise hat Waldi den zwielichtigen Herrn Kuka konsultiert. Er gilt als Experte für Westreisen und verspricht Informationen, die herkömmliche Reiseführer nicht bieten. Herr Kuka gibt Waldi drei wichtige Lektionen mit auf den Weg:

1. Der Westen sei überall – es komme nur drauf an, wie man zurückkomme, nicht mit einem „Womit kann ich dienen“-T-Shirt, das er tragen als rollschuhfahrender Supermarkt-Tiefkühlregalbetreuer mußte. Die 2. Lektion hat er am Grab Chopins in Paris gelernt, als er in Hundescheiße getreten war: Westliche und östliche Kacke seien identisch. (S. 10) Der dritte Ratschlag lautet, niemals zuzugeben, woher er wirklich kommt, nicht mal unter der Folter. Ein vierter Hinweis bezieht sich auf die Wahl des Reiseziels: Nicht Deutschland, denn es habe gerade erst 20 Millionen neue Landsleute, „noch launischer als meine zweite Ehefrau“ (S. 12) dazubekommen, da würde er sich als Slawe nicht auch noch aufdrängen.

Waldi ist fasziniert von der Sauberkeit der Straßen, vom akkuraten Wuchs der Bäume, von den Marmorfassaden, der unerklärlichen Langsamkeit des Straßenverkehrs (S. 37f). Auch fällt ihm auf, daß die Wiener nicht anhand ihrer Kleidung sozialen Klassen zuzuordnen sind. Ein elegantes Paar hält er für eine Operndiva und einen Testpiloten, seine Reisegefährtin bemerkt trocken, die beiden seien wahrscheinlich Sekretärin und Turnlehrer an einer Hauptschule. (S. 41f)

Waldis Zimmerkollege Lothar beneidet ihn um seine naive Freude, denn er, der Medizinstudent aus wohlhabendem Stuttgarter Haus, langweilt sich so sehr, daß er stehlen muß, vor allem Delikatessen und Elektrogeräte. Er fühlt sich wie Schneewittchen im Glassarg, und sehnt sich nach einem Erlebnis, das ihn aus dem Schlaf reißt und seine Hände zittern läßt. Der mißglückte Banküberfall verhilft ihm endlich zu dieser Erfahrung, zum Gefühl, aus seinem Schlaf erwacht zu sein. (S. 220)


 


 

[1] z. B. Marianne Mehling (Hg): Knaurs Kulturführer in Farbe. Wien und Umgebung. München 1991

[2] Anders reisen Wien. Ein Reisebuch in den Alltag. Hrsg. Vom Falter. Aktualisierte Auflage Reinbek bei Hamburg 1994 (= rororo 7563)

[3] z. B. Werner Meisinger: Das süße Wien. Ein Führer zu den besten Konditoreien, Confiserien und Eissalons von Wien. Die wichtigsten Süßwaren, die wichtigsten Rezepte, die süßesten Wiener. Wien 1995

Antonia Kreppel: Wien für Frauen. Zürich 1998

Dietmar Grieser: Wiener Adressen. Ein kulturhistorischer Wegweiser mit Straßenplänen und Fotos. Frankfurt am Main 1989 (= it 1203)

Mörderisches Wien. City-Guide zu den Schauplätzen des Schreckens. Wien/Scharnstein 1996

[4] z. B. Wien poetisch. Ein literarischer Stadtführer. Hrsg. Von Kurt Sommer. Wien 1987

[5] Wien im Gedicht. Hrsg. Von Gerhard C. Krischker. Frankfurt am Main und Leipzig 1993 (= it 1488)

[6] z. B. Wien, Wien allein. Literarische Nahaufnahmen. Hrsg. Von Erich Hackl. Darmstadt/Neuwied 1987 (= SL 705); Wien erzählt. Hrsg. von Jutta Freund. Frankfurt am Main 1995 (= Fischer TB 12732); Europa erlesen – Wien. Hrsg. von Helmuth A. Niederle. Klagenfurt (Celovec) 1997; Joseph Peter Strelka (Hg): Wien. Ein literarisches Porträt. Frankfurt am Main/Leipzig 1995 (= it 1573); Franz M. Eybl (Hg): Ganz Wien ist ein Beisel. Literarische Eindrücke aus Wiener Hotels und Gaststätten. Wien 1998; Richard Reichensperger (Hg): Vorfreude Wien. Literarische Warnungen 1945-1995. Frankfurt am Main 1995

[7] Es seien hier nur Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“, Heimito von Doderers „Die Strudel-hofstiege“ und Ingeborg Bachmanns „Malina“ angeführt.

[8] Vgl. Niederle (Hg): Wien, S. 293

[9] im Nachwort „Literarischer Spaziergang durch die Erinnerung“ seiner Anthologie, besonders  S. 235 ff

[10] Frankfurt am Main 1991. Roth erkundet darin den realen und seelischen Untergrund Wiens, u. a. die Katakomben der Inneren Stadt, die Künstler in der psychiatrischen Anstalt Gugging, das Männerwohn-heim in der Meldemannstraße, in dem Hitler gewohnt hatte.

[11] med ana schwoazzn dintn. Gedichta r aus bradnsee. Salzburg 1958

[12] Wien poetisch, S. 127.

[13] Zit. Nach Antonia Kreppel: Wien für Frauen, S. 199.

[14] Vgl. Anders reisen Wien, S. 10 - 21

[15] vgl. Rüdiger Wischenbart: Die Sehnsucht nach der großen Stadt. Fremdlingsgeschichten aus Wien. Wien 1996, S 106

[16] vgl. Kreppel, S. 194 ff.

[17] vgl. Schmelztiegel Wien – einst und jetzt. Hrsg. von Michael John und Albert Lichtblau. Mit einer Einleitung von Erich Zöllner. Wien 1990

[18] vgl.Wischenbart, S. 28 ff

[19] vgl. Profil Nr. 42 (1996), S. 24ff, 38ff.

[20] Helmut Niederle im Nachwort von Europa erlesen – Wien, S. 241.

[21] Wien: Deuticke 1999

[22] Kirstin Breitenfellner: „Holloraitujijöötuliahii“. In: Der Falter Nr. 11 (19. 3. 1999), S. 69

[23] Osteuropäische Zuwanderung nach Österreich (1976-1991), unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen Immagration aus der ehemaligen Sowjetunion. Quantitative und qualitative Aspekte. Wien 1995 (= Österreichische Akademie der Wissenschaften, Institut für Demographie, Forschungsberichte, Bd. 15)

[24] zit. Nach Breitenfellner ( Falter)

[25] ebenda

[26] vgl. Anders reisen Wien, S. 241 - 247

[27] vgl. Ruth Beckermann(Hg): Die Mazzesinsel. Juden in der Wiener Leopoldstadt 1918-1938. Wien/München 1984

[28] Vgl. Beckermann, S. 24 f.

[29] Rüdiger Wischenbart porträtiert eine aus Vilnius stammende Frau, die einen den „Zwischenstationen“ ähnlichen Lebenslauf hat. Vgl. Fremdlingsgeschichten. S. 92

[30] zit. Nach Breitenfellner (Falter)

[31] Tschusch: Schimpfwort für Gastarbeiter, Bezeichnung für einen Angehörigen eines südosteuropäischen oder eines orientalischen Volkes; Bagage: Pack, Gesindel. Vgl. Österreichisches Wörterbuch. Hrsg. im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Sport. 37., überarbeitete Auflage Wien 1994, S. 155 und 425.

Vollkoffer: sehr dummer Mensch

[32] zit. nach: Bettina Wörgötter: Vom Lachen, das in der Kehle steckenbleibt. In: Tiroler Tageszeitung, 27. 11. 1997, S. 8

[33] Wien: Deuticke 1994

[34] vgl. Anne Goebel: Das Spiel mit der Unschärfe. In: Süddeutsche Zeitung, 25. 10. 1999, S. 22

[35] München: Piper 1999

[36] Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 12. 1999, S. 46

[37] die Gardekirche am Rennweg 5a, 1755-63 im Auftrag Maria Theresias für die polnische Leibgarde der Kaiserin erbaut. Vgl. Mehling: Knaurs Kulturführer Wien, S. 29

[38] z. B. Daniel Kehlmann: Waldemar im Westen. In: Der Starndard, 11. 9. 1999, Album, S. 9

Anne Goebel: Das Spiel mit der Unschärfe. In: Süddeutsche Zeitung, 25. 10. 1999, S. 22

[39] Der Spiegel Nr. 47 (22. 11.99), S. 283

[40] Thomas Wirtz: Im Glücksschatten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. 11. 1999, S. L5.

[41] Konstanze Fliedl: Rezension in Ex libris, Ö1, 12. 9. 1999

[42] Der Spiegel 49/1999

[43] Kehlmann (Standard)

[44] vgl. Fliedl, Ex libris

[45] Wörgötter, Tiroler Tageszeitung

[46] Goebel, SZ

[47] Diese Konditoreien sind bekannt für die Qualität der Waren und für ihre ungemütlichen Lokale : „Die Aidas sind Wiens Zweckbauten der Mehlspeis- und Kaffeekultur“ Vgl. Meisinger: Das süße Wien, S. 63

[48] vgl. Martin Pollack/Christoph Ransmayr: Wien, Mexikoplatz. In: Wien, Wien allein. Literarische Nahaufnahmen. Hrsg. von Erich Hackl. Darmstadt/ Neuwied 1987 (=SL 705), S. 133-145

[49] vgl. Anders reisen Wien, S. 206ff.

 

 

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