Home | BAC/Teze | Biblioteca | Jobs | Referate | Horoscop | Muzica | Dex | Games | Barbie

 

Search!

     

 

Index | Forum | E-mail

   

 Bine ati venit in sectiunea dedicata limbii si literaturii germane. In aceasta sectiune veti avea posibilitatea sa descoperiti multe lucruri utile care speram sa va ajute la cursuri. Willkommen bei ScoalaOnline!

 

 
 
 
 
 + Click:  Grupuri | Newsletter | Portal | Ziare,Radio/TV | Forum discutii | Premii de excelenta | Europa





 

 

 

Zuruck zum index

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

INTEGRATION DURCH SPRACHE?

Das Hochplateau Französisch – unerreichbar für Migranten

Matthias Buth

Französische Unruhen

Wie wird der Herbst 2007? Was kommt von Frankreich nach Deutschland? In den Herbstmonaten des Jahres 2005 brannten in Frankreich tausende von Autos. In den Vororten der großen Städte der französischen Republik, in den Banlieues, begannen Krawalle. Jugendliche Migranten und viele junge Franzosen, die sich aus sozialen Gründen zu den Chancenlosen zählten, begingen Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und Körperverletzungen in Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Unruhen breiteten sich rasch aus, zunächst betrafen sie nur das Pariser Umland und ausgehend vom Oktober 2005 erfassten sie fast alle Départements. Erst nachdem fast 30.000 Autos in einigen Wochen in Flammen aufgegangen, 17.500 Müllcontainer verbrannt und viele städtische Einrichtungen (wie Bushaltestellen und Telefonzellen) zu Bruch gegangen waren, konnte nach massivem Einsatz der Gendarmerie und nach Ausrufung des Ausnahmezustandes durch die französische Zentralregierung ein vorläufiges Ende der Krawalle herbeigeführt werden. Ein wirtschaftlicher Schaden von ca. 240 Mio. € war entstanden.

Auslöser für diese Krawalle war der Tod von zwei Jugendlichen, die sich der Polizeikontrolle entziehen wollten und dabei zu Tode kamen. Es waren junge Menschen mit sog. Migrationshintergrund, also Einwanderer überwiegend aus Nordafrika, die vor der Polizei flüchteten. Auch im März und Ende Mai 2006 kam es wieder zu flächendeckenden Protestaktionen, diesmal in den französischen Universitäten. Die Studenten und die sich rasch mit ihnen solidarisierenden Universitätspräsidenten wollten eine arbeitsrechtliche Verschärfung nicht akzeptieren, wonach sie in einem Zeitraum von 24 Monaten bei einer Anfangsstelle jederzeit gekündigt werden konnten, somit geradezu rechtlos sein würden. Diese erneuten Unruhen in Frankreich führten dazu, dass der französische Premierminister de Villepin seine Reise nach Berlin zum deutsch-französischen Ministerrat am 14. März 2006 absagte und in Paris blieb. Am 12. Oktober 2006 trat der deutsch-französische Ministerrat wieder zusammen. Die Unruhen von 2005 flammten wieder auf. Die Lunte brennt weiter, - 2007 und die folgenden Jahre.

Der in Frankreich lebende libanesische Schriftsteller Amin Maalouf äußerte sich in Quantara.de analytisch und betonte, dass das Problem der Integration in Frankreich vernachlässigt worden sei. Man sei davon ausgegangen, es gäbe „eine Art Zaubereffekt, der irgendwann einträfe und die Jungen aus den Vorstädten irgendwann zu richtigen Franzosen werden ließe”. Was fehle, sei eine „gründliche und von der Politik unabhängige gedankliche Aufarbeitung des Problems”, was aber nicht in Sicht sei.

Es gebe keine Verständigung mehr zwischen Arabern und dem Westen und „der Gaben zwischen Orient und Okzident” sei „tiefer als noch vor 20 oder 30 Jahren”. Trotz der gemeinsamen Sprache gebe es keine Verständigung. Zwar sage man den Kindern der Einwanderer, dass sie alle Franzosen seien, aber die Betroffenen fühlten sich von der französischen Gesellschaft abgeschnitten und auf die eigene Gemeinschaft zurückgeworfen. Die Luftangriffe Israels im Juli/August 2006 auf den Libanon und die weit reichenden Raketen der von Syrien und Iran gesteuerten Hisbollahtruppen auf israelische Städte zerstören nicht nur Menschenleben, sondern vertiefen auch die mentalen Gräben in den europäischen Einwanderungsgesellschaften wie Frankreich.

Die Unruhen und die Besorgnisse in der jüngeren Generation sind also tief liegend und tangieren das Grundverständnis der französischen Gesellschaft. Während die letzteren genereller Natur sind und alle Jugendlichen erfasst, sind die Banlieues-Unruhen vom Herbst 2005 ein Spezifikum der Migrantenjugendlichen in den Ballungszentren der Vororte der großen Städte, insbesondere von Paris. Sie werden bald wieder ausbrechen. Die Gründe für die Unruhen sind zwar unterschiedlich, jedoch in einem gleich, nämlich in der Perspektivlosigkeit vieler junger Menschen in Frankreich, getragen von dem Gefühl, nicht dazuzugehören, nicht richtig wahrgenommen zu werden. Wenn der französische Premierminister de Villepin dabei sogar den Begriff Unruhe („riots”) für die Banlieue-Krise vermeidet und lediglich von sozialer Unrast spricht und der französische Innenminister Sarkozy durch Gesetzesänderungen noch schärfere Kontrollen der Einwanderung nach Frankreich in Aussicht stellt und Imigration einzig dem nationalen Interesse Frankreich unterordnen und zudem die Familienzusammenführung erschweren und das schon bestehende Polygamie-Verbot bei Migrantenfamilien stärker überwachen will, ist damit ein Klima entstanden, das weitere Unruhen befürchten lässt. Gleichzeitig wird erkennbar, dass sich die französische Gesellschaft atomisiert und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit zu sozialen Spannungen führt. Besonders gravierend ist dies in den eingekapselten Migrantensiedlungen.

Von den 3,2 Mio. Ende 1999 legal im französischen Mutterland lebenden Ausländern kamen 37,8 % aus anderen EU-Ländern (Anteil der Portugiesen 47,2 %), 37 % aus Maghrebstaaten (Algerier 47,6 %), 9,7 % aus sonstigen europäischen und 8 % aus anderen afrikanischen Staaten.

Integration und Kultur

Wie Frankreich steht auch Deutschland vor großen Problemen in der Integration von zugewanderten Minderheiten. Allerdings vermeidet die französische Staatsregierung gerne den Begriff „Integration” – er klingt nach Defizit und Versagen – und spricht lieber von „Chancengleichheit und Antidiskriminierung”, - so die offizielle Regierungssemantik der französischen Regierung.

Will man sich den Ursachen nähern, ist es erforderlich, sich über die grundlegenden Begriffe der Migrationsforschung zu verständigen. Es ist ja eine Tatsache, dass in einer Gesellschaft mehrere Ethnien und soziale Gruppen leben, die sich nicht nur durch die Sprache und ihr Herkommen, sondern zumeist auch durch unterschiedliche Weltanschauungen - getragen meist durch religiöse Überzeugungen – unterscheiden. Entscheidend für die unterschiedlichen Probleme und Verwerfungen der Gesellschaften in Frankreich aber auch in Deutschland ist der Verlust einer gemeinsamen Sprache bzw. das Nichteintreten in den sprachlichen Code der Mehrheitsgesellschaft. Leitbe­griff für die Soziologie ist im Bereich der Migrationsforschung der von Friedrich Heckmann geprägte Begriff Ethnizität, der bedeutet, dass Gruppen von Menschen kulturelle Gemeinsamkeiten haben aufgrund von geschichtlichen und aktuellen Erfahrungen, die sie mit Vorstellungen über gemeinsame Herkunft verbinden und somit ein Identitäts- und Solidarbewusstsein herausbilden. Für die Zusammenfassung der Begriffe „Stamm, Rasse, Volk, Nation, ethnische Gruppe” bietet sich dieser Begriff an. Die zunehmende Bedeutung der Ethnizität ist meist eine Antwort auf gemeinsame Diskriminierungserfahrungen wie in Frankreich, so dass Angehörige ethnischer Gruppen versuchen, durch wechselseitige Unterstützungen und Belebung einer Gruppenkultur ihre Gruppe und ethnische Kultur zu stärken. Die Stärkung der ethnischen Gruppe wird Teil eines Widerstandes gegen Diskriminierung und Benachteilungen. Ethnizität ist ein Reflex bisher benachteiligter Gruppen auf das Aufbrechen älterer politischer und ökonomischer Strukturen.

Die Ethnizität der Migrantengruppen äußert sich vor allem sprachlich, d.h. in der mitgebrachten Sprache (meist der arabischen Sprachen aus den Magrebregionen) und im „mitgebrachten” Französisch der französischen Überseeprovinzen und Regionen sowie anderer französischsprachiger Länder, also in einem Französisch, das nicht genau dem der französischen Mehrheitsgesellschaft entspricht und insofern sozial auffällig ist.

Nationalstaatsvorstellungen

Das Migrantenproblem wird besonders von der Nationalstaatsidee Frankreichs bestimmt. Dieses wurzelt im Sprachregime der französischen Republik. Es ist Ausdruck des nationalen Kulturprinzips, das sich schon im 18. Jahrhundert vor der Französischen Revolution im Jahre 1789 in Frankreich und auch in Deutschland entwickelte. Die Fürsten der Renaissance setzten Staatenbildung gegen lokale Feudalgewalten und kosmopolitisches Christentum durch. Im Gegensatz zu Deutschland, wo adelige, ritterliche und kirchliche Feudalherren und später auch die Städte bestrebt waren, eine feste politische Organisation und selbständige Staatsgewalt zu verhindern, war die Entwicklung in Frankreich mit einem zentralen Königtum, das absolutistische Macht konzentrierte, völlig anders. Die Nationalstaatsidee entwickelte sich so in Frankreich aus einem Zentrum, in Deutschland hingegen polyzentrisch in den zahlreichen Fürstentümern, Städten und letztlich auch durch die Reformation, mit der Partikularinteressen verfolgt wurden.

Deutschland ist ein ethnisch und kulturgeschichtlich begründeter Nationalstaat, der ethnische Minderheiten als Problem empfinden muss, quasi als Verletzer einer Staatsidee. Dieses Problem lässt sich entweder durch Assimilierung oder durch Kontrolle fremder Minderheiten lösen. In Frankreich besteht jedoch eher das demotisch-unitarische Nationskonzept, d.h. die Nation wird politisch begründet durch die Gemeinsamkeit von Wertvorstellungen, Institutionen und politischen Überzeugungen und ist nicht primär abgeleitet aus einer gemeinsamen Abstammung. Nation ist dabei ein innergesellschaftlicher Begriff und nicht ein Begriff, der die Außenbegrenzung des Staates meint.

Hauptakteur der französischen Revolution von 1789 war eben nicht „der Franzose”, sondern der „citoyen”. Politisches und nicht-ethnisches Denken zeigte sich dabei auch bei der sog. Judenfrage, wonach entscheidend war, ob ein Jude an den gemeinsamen Aufgaben mitarbeiten könne und nicht, ob die Juden gleicher, d.h. französischer Abstammung waren. Die Französische Revolution erforderte ein kulturelles Vereinheitlichungs- und Zentralisierungsprogramm, das Ideen aus dem absolutistischen Staat fortführte. Entscheidende Mittel waren: Allgemeine Wehrpflicht, die Volksarmee und als militärische Notwendigkeit die Vereinheitlichung der Nationalsprache. Genau darauf kam und kommt es im Frankreich der Vergangenheit und Gegenwart stets an. Das ethnische und kulturelle Herkommen der Minderheiten hat sich also unmittelbar im (neuen) Status als französischer Staatsbürger aufzulösen. Abstammung und kulturgeschichtliche Begründung des Individuums sind für Frankreich unbedeutende Größen. Aus diesen Grundvorstellungen entwickelte sich der Begriff „citoyenneté”, der nicht nur nationale Zugehörigkeit bezeichnet, sondern als politisches Projekt Ausdruck des französischen Selbstverständnisses ist.

Nach der Nationalstaatsidee Frankreichs müsste das Migrantenproblem ein geringeres sein als in Deutschland, d.h. jeder kann Franzose werden, der dem Legitimationsprinzip entspricht, nämlich bereit zu sein, die Werte der französischen Republik zu übernehmen und „citoyen” zu werden.

Das französische Staatszugehörigkeitsrecht ist ein Kompromiss zwischen „Bodenrecht” (jus soli) und „Blutsrecht” (jus sanguinis). Das jus soli des Ancien Régime, das bis zur Revolution 1789 Gültigkeit hatte, ersetzte Napoleon I. im bürgerlichen Gesetzbuch durch das jus sanguinis. Das Staatszugehörigkeitsrecht wurde allerdings nach und nach durch Regelungen nach dem jus solis geändert, denn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging es darum, aus Ausländern Franzosen zu machen, weil Frankreich sein im Vergleich zum übrigen Europa frühzeitiges demographisches Defizit durch Einwanderung und Einbürgerung wettmachen wollte: Frankreich brauchte Soldaten. Das 1851, 1869, 1889, 1927, 1945 und 1973 geänderte Staatsangehörigkeitsrecht ist heute im Gesetz vom 25. Juni 1993 verankert, das wiederum in den Gesetzen vom 16. März 1998 und 26. November 2003 novelliert wurde.

Man ist Franzose, wenn man die Sprache spricht, da man damit die Kultur verinnerlicht hat und so am politischen und ökonomischen Leben teilnehmen kann. Und so ist es selbstverständlich, dass für Frankreich Albert Camus ein Franzose ist und nicht etwa ein Algerier oder ein Schriftsteller aus dem Volk der Berber. Das macht auch verständlich, dass die Unterstützung des Petitums Algiers, Frankreich solle sich für die Kolonisierung Algeriens von 1830-1962 entschuldigen, zwar durch den ehemaligen Kulturminister Jack Lang gegeben ist, das offizielle Frankreich jedoch nie zustande bringen wird. Mit dem Eintritt in die französische Sprache und besonders in die französische Hochsprache und Literatur hat er sein Franzosentum in besonderer Weise manifestiert. Die Sprache ist das, was – um Goethes „Faust” frei zu zitieren – Frankreich „im Innersten zusammenhält”. Je mehr perfekt und assimiliert die französische Sprache beherrscht wird, desto eher findet der Migrant Eintritt in die französische Gesellschaft oder eben nicht.

Die Entwicklung der französischen Sprache

Es ist deshalb erhellend, sich die Sprachwerdung des Französischen zu vergegenwärtigen, denn diese ist bestimmend für das nationale Werden und das Selbstverständnis Frankreichs. Die französische Sprache gehört zu denjenigen indo-europäischen Sprachen, die sich aus dem Latein entwickelt haben. Das Latein hat einen großen Einfluss auf die Grammatik und auf den Wortschatz der romanischen Sprachen gehabt und hat viele Spuren hinterlassen. Die Entwicklung des Französischen hängt einerseits mit den Kontakten zu anderen Völkern, andererseits mit den regionalen Entwicklungen und Veränderungen zusammen. Im Mittelalter waren die offiziellen Sprachen in Frankreich das Latein für die Kirche, für die Gelehrten und die Politiker und die Dialekte, die vom Volk gesprochen wurden. Diese Koexistenz blieb bis zum 17. Jahrhundert erhalten, in kirchlichen und universitären Bereichen auch länger.

In dieser Zeit entwickelte sich die französische Sprache in mehreren verschiedenen Dialekte, die von Region zu Region sehr unterschiedlichen waren. Man kann grundsätzlich die Dialekte vom Norden (langue d’oeil) und die vom Süden (langue d’oc) unterscheiden.

Im Mittelalter entwickelt sich eine besondere französische Literatur an den Höfen. Es gab die „trouvères” im Norden Frankreichs, die Geschichten und Lieder auf „langue d’oeil” unter den reichen Leuten verbreiteten. Im Süden wurden sie „troubadours” genannt und sangen auf „langue d’oc”.

Im Jahr 1539 wird von Villers-Cotterêt eine „ordonnance” proklamiert, mit der der König François I. will, dass alle Gesetze auf Französisch übersetzt werden. Dadurch kann sie auch das Volk verstehen.

Am Ende des 13. Jahrhunderts gibt es in Frankreich noch zwei offizielle Sprachen: Latein und Französisch. Man beginnt jedoch das Französische als „Sprache des Königs und des Volkes” zu erkennen. Während des Hundertjährigen Krieges und durch den Humanismus wird es häufiger verwendet, die Grammatik und die Aussprache werden vereinfacht, der Wortschatz bereichert.

Mit der Renaissance entwickelt sich der Buchdruck, die Problematik der offiziellen Sprache verstärkt sich. Dadurch entsteht das Bedürfnis, die politischen und religiösen Schriften zu übersetzen. In dieser Zeit verbreitet sich der Gebrauch der französischen Sprache und es werden erstmals Wörterbücher veröffentlicht.

Es entsteht die „Pléïade”, ein Verbund von Gelehrten, die den Gebrauch der alten Sprache stark kritisieren, um die „Deffence et illustration de la langue française” zu betonen. Nicot und Estienne veröffentlichen zwei neue Wörterbücher.

Mit der Entstehung der „Académie française” beschäftigen sich die Gelehrten und die Intellektuellen mit den Bereichen der Grammatik, Orthographie, Lexikologie und Aussprache. Noch heute verpflichtet sich die „Académie française” zur Bewahrung, Erhaltung und Veränderung des Französischen.

In der Aufklärung verbreitet und raffiniert sich die Lehre der französischen Sprache dank der zahlreichen Veröffentlichungen von Wörterbüchern, Büchern und dem Erscheinen der „Encyclopédie”. Die französische Sprache wird eine internationale Diplomaten-Sprache, die an allen Höfen und Konsulaten gesprochen wird. Diderot, Voltaire und andere Intellektuelle verfechten die These, dass diese Sprache dank ihrer Klarheit und Rationalität perfekt sei.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Epoche der Revolution. In der Sprache verschwinden Begriffe, um Platz für neue politische, institutionelle und soziale Begriffe, auch aus der englischen Sprache, freizumachen. Während der Revolution kann ein großer Teil der Bevölkerung die französische Sprache verstehen, aber nicht schreiben: jeder vierte Einwohner, vor allem auf dem Land kann nichts anderes als die „patois” oder den regionalen Dialekt. Die Syntax entwickelt sich ständig und manche Begriffe werden in allen Ländern gleich übersetzt und verwendet, zum Beispiel „citoyen”.

Es verbreiten sich langsam die Gymnasien, in denen es eine Rückkehr zur lateinischen Sprache gibt und die wissenschaftlichen Fächer immer mehr Gewicht bekommen. Es erscheinen die neuen Wörterbücher von Larousse und Littré, denen neue wissenschaftliche Begriffe hinzugefügt sind. Volkssprache und „argot” erhalten ab jetzt das Recht, in der Literatur zu erscheinen.

Der Fortschritt der öffentlichen Volksbildung hat allgemein eine bessere Kenntnis der Sprache und die Entwicklung der Gesellschaft bewirkt, dass jeder Bürger durch die Sprache die Fähigkeit erwirbt, sich auch in dem Alltag zu verteidigen und seine Rechte ausüben zu können.

Die mündliche Sprache scheint in den letzten Jahrzehnten ständig Sprünge nach vorne zu machen. Die Abkürzungen vermehren sich, wie zum Beispiel „métro, ciné, accu” etc. Der Wortschatz der Wörterbücher vergrößert sich und die Medien verbreiten die neuen Wörter in der Öffentlichkeit. Als Gegenwirkung macht sich die Tendenz bemerkbar, dass sich all diese spezifischen Begriffe vermischen und vereinfachen.

Die Ausdehnung des anglo-amerikanischen Einflusses auf die Sprache bedeutet zwar keinen Rückschritt in der Entwicklung der nationalen Sprache, sondern eher eine Bereicherung und Koexistenz der eigenen Sprache, dennoch besteht in Frankreich eine ständig wachsende Sorge, die Reinheit des Französischen zu verlieren. Damit werden politische Befürchtungen transportiert.

François I. hat zwar schon 1539 Französisch als „seule et unique langue du royaume de France” und somit als Amtssprache deklariert, seitdem hält man diese aber auch für gefährdet. Dies wird gegen Ende des 20. Jahrhunderts besonders deutlich.

Mit der Verfassungsreform vom Juni 1992 wurde Französisch in der Verfassung als Sprache der Republik festgeschrieben (Art. 2). Obwohl das Französische in der gesamten Republik auch Schul- und allgemeine Verkehrssprache ist, existieren neun unterschiedlich weit verbreitete Regionalsprachen.

Von den 59 Millionen Franzosen sprechen rund 15 Millionen neben Französisch auch eine zweite Regionalsprache. Über eine Million Elsässer beherrschen z.B. den deutschen Dialekt, 800.000 Franzosen rund um Nizza sprechen Italienisch, und ein Großteil der Basken parliert ebenfalls in der Regionalsprache. Doch die Tendenz, diese Sprachen zu benutzen ist deutlich rückläufig. Waren es vor dem Zweiten Weltkrieg noch mehr als 1,3 Millionen Bretonen, die sich ihrer Regionalsprache bedienten, so beherrschen sie heute nur noch 300.000 Einwohner. Immer mehr Regionalsprachen sind in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Alltag verschwunden, nicht zuletzt weil die Regierung eine Förderung dieser Sprachen immer wieder mit dem Hinweis, die Sprache der Republik sei Französisch, abgelehnt hat. Bis zum heutigen Tag wird keine Regionalsprache offiziell anerkannt. Eine leichte Abkehr von der ablehnenden Haltung scheint sich aber in der Folge des Korsika-Konfliktes zu entwickeln. Der damalige Premierminister Lionel Jospin hatte in seinem Korsika-Reformgesetz eine wohlwollende Haltung gegenüber Korsisch-Unterricht in der Schule eingenommen.

Hintergrund für die Verweigerungshaltung des Zentralstaats ist die alte jakobinische Angst, Sprache als Mittel der Kultur könne die Einheit der Nation untergraben und separatistischen Tendenzen Vorschub leisten. Bereits 1789 predigte der revolutionäre Abt Grégoire die Notwendigkeit, die Dialekte auszulöschen und das Französische universal zu machen. Es entspricht diesem Prinzip, dass höhere Ämter (Präfekten, Unterpräfekten etc.) von der Zentralregierung heute meist durch Personen besetzt werden, die die jeweilige Regionalsprache gerade nicht beherrschen.

Europäische Charta zum Schutz von Minderheiten- und Regionalsprachen

Ein Beispiel für die Unvereinbarkeit von Sprachenvielfalt und Verfassung lieferte die Überprüfung der von der Regierung nach langem Zögern am 7. Mai 1999 unterzeichneten „Europäischen Charta zum Schutz von Minderheiten- und Regionalsprachen” durch den Verfassungsrat (Conseil constitutionnel).

Genau wie der Staatsrat (Conseil d'Etat) - das Beratungsorgan der Regierung für alle mit Gesetzen und Verordnungen zusammenhängenden Fragen - sah der Verfassungsrat in dieser Charta einen Verstoß gegen die Verfassung. Der Staatsrat empfahl in seiner Stellungnahme, den Zusatz „Die Sprache der Republik ist Französisch” mit der Europarats-Charta in Einklang zu bringen, sah aber sonst keine weiteren Verfassungsprinzipien in Frage gestellt.

Die Verfassungsrichter machten bei der Überprüfung des Abkommens einen Verstoß gegen das Prinzip der Unteilbarkeit der Republik, der Gleichheit vor dem Recht und der Einheit des französischen Volkes geltend. Unteilbarkeit der Republik und Einheit des französischen Volkes wähnten die Richter in Gefahr, weil die Charta ihrer Meinung nach abgegrenzte Bevölkerungsgruppen anerkenne und für sie neue Rechte schaffe. Eine gesetzliche Trennung zwischen Franzosen, die eine Regionalsprache beherrschen und denjenigen, die sie nicht beherrschen, vorzunehmen, verstoße, so der Verfassungsrat, gegen das Prinzip der Unteilbarkeit der Republik und gegen die Einheitlichkeit und Gleichheit des französischen Volkes. Den Einwand, dass in der Präambel ebenfalls festgelegt ist, dass der Schutz und die Förderung der Minderheitensprachen nicht zu Lasten der Amtsprache gehen dürfen, ließen die Richter dabei nicht gelten.

Das Urteil des Verfassungsrates steht in der Tradition national-republikanischer Kräfte, die in der Charta eine politische Waffe für Autonomiebewegungen und regionale Organisationen sehen. In diesem Zusammenhang ängstigt sie vor allem die Vorstellung, die Übertragung von Rechten an die Regionen könnte ein Auseinanderbrechen des Nationalstaats zur Folge haben bzw. die Bildung eines Europas der Regionen beschleunigen. Der ehemalige Innenminister Jean-Pierre Chevènement sah in der Charta sogar die Gefahr einer Balkanisierung Frankreichs und vertrat damit eine Ansicht, die quer durch das politische Spektrum von den „Jakobinern” geteilt wird.

Weil er auf eine Verfassungsänderung verzichten will, hatte Staatspräsident Jacques Chirac auf die Entscheidung des Verfassungsrates mit einer Verschiebung der Ratifizierung auf „unbestimmte Zeit” reagiert, da er die Grundprinzipien der Verfassung nicht zur Debatte stellen wollte. Auch der Gesetzentwurf vom September 2005 wurde auf die lange Bank geschoben.

Die „Trias” als Staatsraison

“Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit”, das sind im breiten Verständnis die Losungsworte der Französischen Revolution, die zum Wahlspruch des französischen Staates geworden sind. Die Zweite Republik (1848 - 1851) übernahm sie als Leitbegriffe, während der Dritten Republik (1870 - 1940) wurden sie zur offiziellen Devise erklärt. Seitdem fehlt diese “geschichtsmächtige Trias” in keiner Verfassung. Auch die Vorstellung einer einheitlichen und unteilbaren Republik (La France une et indivisible), einer homogenen Nation, in der alle Bürgerinnen und Bürger mit den gleichen Rechten und Freiheiten ausgestattet sind, durchzieht als Tenor die Verfassungen Frankreichs der letzten 150 Jahre, einschließlich der am 4. Oktober 1958 in Kraft getretenen, die bis heute die Grundlage der V. Republik bildet. In Artikel 1 wird auch hier die Beschwörungsformel von der “homogenen Nation” benutzt. Sie bestimmt die Staatsraison.

Dies ist von großer Tragweite. So gibt es in Frankreich offiziell keine ethnischen, religiösen oder sprachlichen Minderheiten, sondern nur französische Staatsbürger mit ethnischen, religiösen oder sprachlichen Besonderheiten. Daran ändern auch die 1982 unter Staatspräsident Mitterrand erlassenen Dezentralisierungsgesetze nichts, in denen Begriffe wie zivilisatorische Einheitlichkeit, kulturelle Uniformität und politischer Zentralismus nur scheinbar infrage gestellt sind. Auch wenn der Begriff “Minderheiten” in Frankreich nicht verwendet wird und Minderheiten als solche nicht anerkannt werden, sind sie durch die Garantie, die allen Bürgern gewährt wird - also auch denjenigen, die zu einer de facto Minderheit gehören - vor Ungleichbehandlung durch das Gesetz geschützt: Sie dürfen nicht diskriminiert werden, sie genießen die Möglichkeit, ungehindert ihren Glauben auszuüben, ihre Traditionen zu pflegen und ihre besonderen Merkmale zu erhalten. Minderheitenschutz, soweit man in Frankreich davon sprechen kann, ist also im Sinne von “Schutz vor Diskriminierung” zu verstehen.

Folgerichtig vertritt Frankreich auch international die Auffassung, dass z. B. Minderheitenrechte i. S. von Artikel 27 des Internationalen Pakts für bürgerliche und politische Rechte (CCPR) vom 19. Dezember 1966 nicht auf Frankreich anwendbar seien, so z.B. bei deren Ratifizierung: “… l'article 27 n'a pas lieu de s'appliquer en ce qui concerne la République”. Die Begründung für die Ablehnung des Minderheitenbegriffs bezüglich Frankreichs wird u.a. in einer Deklaration Frankreichs bei der UNO deutlich: “Le peuple français n'admet aucune distinction établie sur des caractères ethniques, et écarte par-là même toute notion de minorité. Le gouvernement français se voit contraint aux termes de la Constitution de la République française de s'opposer au principe même d'une telle étude”.

Trotz aller staatlichen Emphase und obrigkeitlichen Bevormundung ist die französische Identität brüchig und seit dem 2. Weltkrieg ständig Gegenstand breiter Diskussion der Pariser Intellektuellen. Die Verwerfungen machen sich auch in der Europa-Diskussion sichtbar und besonders in der Ablehnung des Europäischen Vertrages im Sommer 2005 durch die klare Mehrheit der französischen Wahlbürger.

Französisch, das Hochplateau

Die Probleme der Integration wären für Frankreich geringer, wenn sichtbar würde, wohin sich die Migranten integrieren könnten. Das Sprachregime der Regierung ist allerdings so rigide, dass es die Einwanderer nie schaffen werden, voll in die französische Gesellschaft aufgenommen zu werden. Ihre Andersartigkeit sowie das fremde Herkommen und mittransportierte Familien- und Kulturgeschichte wird stets die Sprachfähigkeit der Migranten bestimmten. Den Status als zu schützende Minderheit werden sie nicht erlangen, dies umso mehr, als selbst die Regionalsprachen von der Pariser Regierung nicht anerkannt werden, also nicht einmal Franzosen ihre sprachliche Vielfalt gesetzlich geschützt sehen.

Das Wort „Integration” wird denn auch gerne von der Regierung vermieden und stattdessen von „Chancengleichheit” und „Antidiskriminierung” gesprochen: das Sprachregime wird semantisch bis ins einzelne Wort durchgesetzt. So wird Französisch ein Hochplateau, das unerreichbar bleibt für jeden, der von außen kommt und den Reinheitsvorstellungen der französischen Gesellschaft nicht entsprechen kann oder will. In den Vorstadtschulen Frankreichs liegt denn auch seit Jahren ein erhebliches Konfliktpotential, da sich die soziale Gettobildung dort fortsetzt. Im Schuljahr 2004/5 hatte es 1651 Gewalttaten gegen Lehrer gegeben und in Problemschulen werden jedes Jahr 80 % der Lehrer ausgetauscht. Der renommierte französische Soziologe Alain Tourraine sieht zurecht einen Zusammenhang der gegenwärtigen Unruhen mit denen im November 2005 und stellt fest, dass sich die französische Gesellschaft „in einer Phase der Auflösung und sozialen Desintegration befinde und betont, dass die Schule zu einem Instrument der Ungleichheit geworden sei. Sie passe „in keiner Weise mehr zu dem republikanischen Selbstbild des Landes, das Gleichheit über alle kulturellen Differenzen” propagiere.

Unser französischer Nachbar steht vor einer zersplitterten Illusion. Wenn in Frankreich die Sprache der einzige Code bleibt für das nationale Selbstverständnis, sind in der globalen Welt, im Zeitalter der Migrationen weitere große innere Konflikte unvermeidbar. Indes: den Gründungsmythos Frankreichs als über Jahrhunderte gewachsene und reglementierte Sprachnation in Frage zu stellen, könnte den ordre public und die Idee einer einheitlichen Nation aufkündigen. Also wird verkrampft am Design festgehalten, am Sprach-Design genauso wie an besonderen Formen der staatlichen Selbstinszenierung. Dabei ist das Problem der faktischen Nichtintegration nicht auf die Migranten begrenzt; es hat seine Relevanz auch im Hinblick auf ländliche Bevölkerung und regionale Situation. Es geht im Kern um einen tiefen Widerspruch: Im Namen des Universalismus (Mirabeau 1784) werden die Vernunft und die sie tragende Sprache, das Französische, zur Norm erhoben. Dabei wird aber nicht nur die Universalität der Menschenrechte propagiert, sondern stillschweigend ein soziales und eben nicht egalitäres Idealbild zur universellen Norm erhoben. Das lässt sich am honnête homme, an der Sprachnorm des Bon usage („la cour et la plus saine partie de la ville”) und am Konversationsideal festmachen. Dieses soziale elitäre Idealbild, das sich universell aufrüstet, wird dann im 19. Jahrhundert demokratisiert: bon usage für alle Schüler, sobald es die allgemeine Schulpflicht gibt. Das ist noch heute das Credo der republikanischen Schule, das ist die Wurzel der Idee von Chancengleichheit. Die Wirklichkeit aber ist, dass die Demokratisierung des sozial definierten Sprachkanons nicht gelungen ist und nicht gelingen kann. Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Vielleicht ist Frankreich – bedingt durch die Probleme der Minderheiten und sozialen Verwerfungen – schon sehr bald gezwungen, seine Staatsphilosophie zu überdenken. Die Nation existiere nicht mehr als aktiver Körper (meint Wolfgang Schmale), wie es die Körpermetaphern seit dem hohen Mittelalter trotz aller Modifikationen ausdrücken, sondern als Gedächtnis, als historisches Sediment.

Unser französischer Nachbar steht vor einer zersplitterten Illusion. Wenn in Frankreich die Sprache der einzige Code bleibt für das nationale Selbstverständnis, sind in der globalen Welt, im Zeitalter der Migrationen, weitere große innere Konflikte unvermeidbar.

Die Präsidentschaftswahlen im April 2007 haben keinen Paradigmenwechsel eingeleitet, im Gegenteil der neue Präsident mit ungarischem Migrationshintergrund wird eine Entwicklung beschleunigen, die er eigentlich aufhalten will: die nationale Zersplitterung Frankreichs, der Mythos einer homogenen Nation ist perdu.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

+ Asociatia Studentilor din Facultatea de Limbi Straine | Contact

 

 

Home | BAC/Teze | Biblioteca | Referate | Games | Horoscop | Muzica | Versuri | Limbi straine | DEX

Modele CV | Wallpaper | Download gratuit | JOB & CARIERA | Harti | Bancuri si perle | Jocuri Barbie

Iluzii optice | Romana | Geografie | Chimie | Biologie | Engleza | Psihologie | Economie | Istorie | Chat

 

Joburi Studenti JOB-Studenti.ro

Oportunitati si locuri de munca pentru studenti si tineri profesionisti - afla cele mai noi oferte de job!

Online StudentOnlineStudent.ro

Viata in campus: stiri, burse, cazari, cluburi, baluri ale bobocilor - afla totul despre viata in studentie!

Cariere si modele CVStudentCV.ro

Dezvoltare personala pentru tineri - investeste in tine si invata ponturi pentru succesul tau in cariera!

 

 > Contribuie la proiect - Trimite un articol scris de tine

Gazduit de eXtrem computers | Project Manager: Bogdan Gavrila (C)  

 

Toate Drepturile Rezervate - ScoalaOnline Romania