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MIT DEM BLICK DES IMAGOLOGEN: DAS ENDSPIEL DER FUSSBALL-WELTMEISTERSCHAFT 74

im Roman Die Vertreibung aus der Hölle von Robert Menasse

Annegret Middeke

„Die Vertreibung aus der Hölle“ besteht aus zwei parallelen und zugleich einander durchdringenden fiktiven Biographien, von denen die eine, die des Rabbiners Samuel Manasseh ben Israel in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, und die andere, die des Wiener Halbjuden Viktor Abravanel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts spielt. Am 07. Juli 1974 schaut Viktor gemeinsam mit seinen Kommilitonen, überzeugten wie Zeitgeistkommunisten, im Café Museum in Wien das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft: Deutschland gegen Holland. Versammelt sind

alle linken Kaffeehausintellektuellen, die gesamte studentische Linke, die Künstler, die Journalisten, das jüdische Wien, alle, die damals noch Antifaschismus mit Antideutsch verwechselten, kurz: Viktors ganze Welt. (S. 311)

Doch auch diejenigen, die im Alltag der politisch so stark polarisierten Zeit Gegner der Intellektuellen sind, sind gegen die deutsche und damit für die holländische Mannschaft, erscheinen in dieser dem Alltag enthobenen, außerordentlichen Zeit des Fußballspiels als Verbündete im Kampf gegen den gemeinsamen Gegner: „(...) Idioten, die noch zuvor an ihren Stammtischen mit aufgeregten Satzstummeln die Einweisung von Studenten in Arbeitslager gefordert hatten“ (S. 312), skandieren in 90minütiger Eintracht „Ho-Ho-Ho“, was jetzt nicht „Ho-Tchi-Minh“, sondern „Holland“ bedeutet. Die holländischen Spieler, deren Namen die österreichischen Kinder und „Väter im Schlaf aufsagen [können]“ (S. 311), sind zufällige Identifikationsfiguren – es könnten, hätten sie das Halbfinale gewonnen, auch die brasilianischen Spieler sein –, und so wird „Holland an diesem einen Tag zu einer „Metapher für das österreichische Lebensgefühl in Hinblick auf die Deutschen“ (S. 315).

Imagologisch ist dies eine interessante Konstellation, insofern als a) erst durch das Fremdbild (Deutschland) ein homogenes/einträchtiges Eigenbild (Österreich) entsteht, und b) der Binarismus der sich gegenseitig bedingenden „Eigen- und Fremdbilder“ um ein das Eigene (das Österreichische) stellvertretendes Fremdbild (Holland) erweitert wird. Obendrein sind zwei mit den Ebenen der Diegese korrelierende Bildebenen vorhanden: die Ebene der Stereotypen in der Figuren- und der Erzählerrede – der Erzähler ist als Figur zwar extradiegetisch, aber als Bewusstsein ein Sympathisant von „Viktors ganze[r] Welt“[1] – und die Ebene der literarischen Bilder im narrativen Diskurs des Romans.

Als Stereotyp definiert Quasthoff (1989: 39) den

verbale[n] Ausdruck einer auf soziale Gruppen oder einzelne Personen als deren Mitglieder gerichtete Überzeugung. Es hat die logische Form eines Urteils, das in ungerechtfertigt vereinfachender und generalisierender Weise, mit emotional wertender Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigenschaften oder Verhaltensweisen zu- oder abspricht. (...) Es zeichnet sich durch einen hohen Verbreitungsgrad innerhalb der kulturellen Bezugsgruppe aus.

Ausgehend vom konstruktivistischen Ansatz, dass es eine Diskrepanz zwischen der objektiven Beschaffenheit der Welt und dem subjektiven Wissen von der Welt gibt, sind Stereotype weniger als Information über, sondern mehr als Projektion auf den „erfassten“ Gegenstand anzusehen. Neben den negativen Funktionen des Stereotypisierens, deren destruktivster Aspekt es ist, Menschen aus einer anderen Kultur geringschätzig zu betrachten, formuliert Quasthoff (1989: 40-45) auch positive, nämlich: eine kognitive Funktion, welche der Informationsverarbeitung dient, eine affektive Funktion, welche bei der Rationalisierung psychischer Einstellungen hilft, und eine soziale Funktion, welche die Orientierung in der Sozialstruktur des alltäglichen Zusammenlebens erleichtert. Insofern können Stereotype als kulturspezifisches und kulturübergreifendes „Wissen von Welt“ mit verstehensfundierender Funktion angesehen werden. Ausgestattet mit diesem „Weltwissen“ (so sind sie, die Deutschen, so sind sie, die Holländer, so sind wir, die Österreicher) wird das sportliche Ereignis zu einem Akt der Selbstvergewisserung, zur Bestätigung der eigenen Selbstachtung, des eigenen Wertebewusstseins, der eigenen Stellung und Rechte auf dieser Welt (vgl. Hoffmann 2002: 145).

(...) Das liberale, das freie, das fröhliche oranje Holland gegen den deutschen Anspruch, die Welt in Schwarz-Weiß zu beherrschen. (S. 311)

Breitner hatte den Elfmeter aus dem Stand geschossen. Aus dem Stand! Einfach so! So sind sie, die Deutschen! Sie demütigen, wo sie nur demütigen können. Jeder andere Spieler hätte sich angeschissen vor Nervosität, da war das Café sich einig, aber die Deutschen: eiskalt wie ein Landser im Bastei-Roman, nur auf eines aus: demütigen, erniedrigen, fertigmachen. Da kannten die Wiener sich aus. So kannten sie die Deutschen! (S. 313)

Das stereotype Bild von „dem Deutschen“ und „dem Holländer“ an sich, ein Produkt aus historischen und gesellschaftlichen Erfahrungszusammenhängen und medialer Berichterstattung, wird auf der Erzähler- und Figurenebene weder bezweifelt noch reflektiert, geschweige denn revidiert. Im Gegenteil: Es wird begründet und damit manifestiert:[2]

Es war ein ‚typisches Müller-Tor’. (...) // In Nürnberg hatte Müller bei einem Entscheidungsspiel zur WM-Qualifikation dem österreichischen Nationalteam in der letzten Minute ein Tor gemacht, genau so, aus dem Nichts. // Der damalige Tormann hieß Gernot Fraydl. Er war in seiner Glanzeit wohl einer der besten Tormänner der Welt gewesen – und hatte nie bei einer Weltmeisterschaft spielen dürfen. (...) eine vorbildliche Karriere wurde durch Müller in der letzten Sekunde um ihren Höhepunkt betrogen. (S. 314)

Hier findet eine Mythologisierung des Fußballs durch dessen Darstellung in der Form einer monumentalisierenden epischen Erzählung statt,[3] in welcher der geniale Held zum tragisch gedemütigten Opfer von Willkür und Heimtücke wird. Und damit ist bewiesen:

So sind sie, die Deutschen! Sie demütigen, wo sie nur können! (S. 313).

Anders als die Stereotype werden die literarischen Bilder nicht auf der Ebene der Figuren- und Erzählerrede generiert, sondern auf der Ebene jener Instanz, die all diese Stimmen ordnet, der Ebene des „abstrakten Autors“. Literarische Images unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Struktur und Funktion im Diskurs von Stereotypen dadurch, dass sie über die imagotypischen Aussagen hinaus originelle Einzelsichtweisen zur Entfaltung bringen (s. Logvinov 2003: 205). Auch die literarischen Fremdbilder haben eine verstehensfundierende Funktion, doch nicht durch Komplexitätsbereinigung wie die Stereotype, sondern genau umgekehrt durch Sensibilisierung für Komplexität. Zum einen, weil sie „als Elemente ästhetischer Kontexte erscheinen“ (Bleicher 1980: 20), welche bekanntlich auf der Verfremdung von Zeichen basieren und damit in der Lage sind, für den Umgang mit Zeichen überhaupt zu sensibilisieren (vgl. Mecklenburg 1990: 96). Zum anderen, weil sie selbst intertextuelle und interkulturelle[4] Zeichen sind, die, eingebunden in einen vielfach kodierten, polysemantischen Verweisungszusammenhang, zum aktiven Mitspieler der Semiogenese werden.

Hinlänglich bekannt ist, dass Fußball durchaus politisch gelesen werden kann und wird.[5] Pethes (2004) etwa weist darauf hin, dass „dasselbe WM-Finale 1954, das dem Historiker Fest zufolge das ‚Gründungsdatum der Bundesrepublik’ war, im unterlegenen Ungarn als einer der Auslöser des Volksaufstandes von 1956 interpretiert [wird].“ Auch die Fußballszene in der Vertreibung aus der Hölle enthält zahlreiche politische Implikationen, von denen der Umstand, dass fünfundzwanzig Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation „deutsch“ noch immer synonym mit „faschistisch“ ist, am meisten verwundern mag – zumindest auf den ersten Blick; immerhin hat es die Frankfurter Auschwitz-Prozesse, die Proteste gegen den Besuch das Schahs in Berlin und überhaupt die Studentenbewegung, die Gründung der APO, Brandts Kniefall in Warschau, den Kampf um den Paragraphen 218 gegeben. Doch die Fußballmannschaft repräsentiert nicht das alternative, protestierende, sondern das offizielle Deutschland, und dem entspricht – nach Meinung jener Wiener Intellektuellen – das Bild aus der Zeit des Nationalsozialismus und seiner Substrate im aktuellen Deutschland; einem Deutschland, in dem die „Verjährungsdebatten“ von 1965 und 1969 zugunsten der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands, die mit der Forderung „Schluss mit der Vergangenheitsbewältigung“ bei mehreren Landtagswahlen Erfolg hat, entschieden werden, in dem der Tod des Studenten Benno Ohnesorg die manipulativen Mechanismen des Polizeistaats und der Medien[6] offenbart, in dem trotz großen Widerstands die Notstandsverfassung beschlossen wird, in dem Brandts Politik der Ostannäherung ihm Morddrohungen und den Schimpfnamen „Verzichtspolitiker“ einbringen.

Die holländische Mannschaft, für 90 Minuten im wahrsten Sinne des Wortes die Verkörperung des Antideutschen, ist „die große Hoffnung“ (S. 311) der situativ geeinten Österreicher, die Hoffnung, dass das Unrecht der politischen Geschichte durch Fußballgeschichte gerächt würde:

Niemand, den die Entscheidungsschlacht unberührt ließ. (...) Das liberale, das freie, das fröhliche oranje Holland gegen den deutschen Anspruch, die Welt in Schwarz-Weiß zu beherrschen. (S. 311)

Der Zusammenhang von Sport als Inszenierung des gesunden, kampfbereiten Körpers und der Ästhetik des Totalitarismus ist ein häufig besprochenes Thema, man denke nur an die zahlreichen Diskussionen über Leni Riefenstahls Olympia-Filme oder die Instrumentalisierung des Sports zu ideologischen Zwecken in faschistischen[7] wie sozialistischen[8] Gesellschaftssystemen, in denen sportliche Erfolge ein entsprechendes faschistisches/sozialistisches Persönlichkeitsprofil des Leistungssportlers voraussetzen. „Eine Spielart männlicher Körperüberwindung“ im „Mythos der Kameradschaft bzw. Mannschaft“ haben Pethes und Plener (2006: 73 f.) in deutschen Fußballer-Autobiographien, deren erste Fritz Walters im WM-Jahr 1954 veröffentlichtes 3:2 ist, nachgewiesen. Im „Element der Mannschaft“ habe „der Kollektivitäts-Diskurs (...) einen moralisch nicht zu beanstandenden Speicherort für Männlichkeitsmythen aus der NS-Zeit finden“ können, welcher der jungen Demokratie in Deutschland noch näher gestanden habe, als die Deutschen es sich „auf der Suche nach einem neuen Selbstbewusstsein eingestehen mochten.“ Vor dem Hintergrund erweist sich das WM-Endspiel 1974 erst recht als der Kampf („die Entscheidungsschlacht“ [!]), in dem der Faschismus symbolisch besiegt werden kann.

Doch die Hoffnungen werden enttäuscht und „die Holländer schwer dafür bestraft, daß die Österreicher sich so radikal mit ihnen identifizierten“ (S. 315). In dieser alogischen Verknüpfung wird Österreich als Unglücksbringer in einem Ereignis stilisiert, das einzig durch den Kunstgriff seiner Mythologisierung – das vorausgegangene tragische Schicksal des österreichischen Helden, des Torwarts Fraydl – mit Österreich in Verbindung gebracht werden kann. Unauffällig und scheinbar arglos wird damit der in der „Moskauer Deklaration“ begründete Opfermythos fortgeschrieben.[9] Unter der Metaphorik der „großen Erzählung“ des von Deutschland vernichteten österreichischen Genies („Eine beeindruckende Karriere, die Tausende junge Menschen auf allen Wiesen Österreichs dazu verführt hatte, nicht Stürmer, sondern Tormann spielen zu wollen, die Streite unter besten Freunden heraufbeschwörte, wer ‚der Fraydl’ sein durfte, eine vorbildliche Sportlerkarriere“ [S. 314]) lauern tabuisierte Codes, welche sich kaum noch von denen der unsichtbaren Ideologie des Alltags- und Massenbewusstseins und der automatisierten Semantik seiner Phraseologismen und Stereotypen unterscheiden. Und plötzlich erscheint die antifaschistische Mission der Fußball schauenden „linken Kaffeehausintellektuellen, der gesamten studentischen Linken, der Künstler, der Journalisten, des jüdischen Wiens“ als bloße Rhetorik und modischer Habitus.

‚Na ja, der Breitner soll immerhin Maoist sein. (...)’ // ‚Was heißt immerhin? Maoismus ist doch typisch deutscher Trost. Die Sehnsucht der bedrängten deutschen Seele nach einem neuen Reich, dem imaginären Reich der Mitte, die Kulturrevolution der Täterkinder, der Geist geistloser Umerziehung, das Opium –’ // ‚Hör auf!’ // ‚– der Erben!’ // ‚Hör auf! Über Fußball kann man mit dir echt nicht reden!’ (S. 315)

Genau betrachtet sind sie, die politischen Aktivisten, nichts als Trittbrettfahrer, deren Rolle als Zuschauer des den Sieg über den Faschismus verabsäumten Fußballspiels durchaus vergleichbar ist mit der „historische[n] Funktion Österreichs“ in der Welt nach 1945, die Menasse einst als „die eines Muppets-Logenplatzes“ bezeichnet hat:

Wir sitzen da wie die Puppen, diese alten Räsonierer in der Loge, die den Ereignissen auf der Bühne zuschauen, haben immer Kommentare parat und sind dabei noch völlig unkorrumpierbar, weil wir nicht wirklich Bedeutung für den Fortgang des Geschehens haben (Menasse in „Über Deutschland“: 7).

Entsprechend lächerlich wirkt es, wenn „der fette“ (!) Friedl nicht nur einen Topfenstrudel essen muss, weil er „vor dem Kampf eine Stärkung [braucht]“ (S. 312), sondern deswegen auch noch den Beginn des Spiels und damit das erste Tor, das 1:0 für Holland, verpasst.

Was vordergründig wie ein Katalog von antideutschen Stereotypen aussieht, erweist sich im narrativen Gesamtgefüge als eines von zahlreichen karikierenden Verfahren bezüglich des Milieus der Wiener Intellektuellen der sechziger und siebziger Jahre. Der Erzähler selbst bedient sich in persiflierender Weise ihrer überanstrengt „philosophisierenden“ Sprache, etwa wenn er den „ganze[n] Kojève“ als „Fußnote von verschwindender Bedeutung, verglichen mit dem Fußballzauberer Cruyff“ (S. 311) bezeichnet oder im professoralen Duktus ausführt, dass ein „typisches Müller Tor dann gegeben [war], wenn zwei Bestimmungen zutrafen“ (S. 314). Letzten Endes geht es in der Fußballpassage nicht um eine Abrechnung mit dem Faschismus in Deutschland, sondern – das zieht sich durch den ganzen zeitgenössischen Teil des Romans – mit der dogmatischen Heuchelei der Wiener Nachkriegsgesellschaft und vor allem der sich so intellektuell und liberal/libertinär gebenden Studenten, in deren Kreise (genauer: repressiver WG mit obligatorischen Marx- und Orgasmuslesezirkeln) Viktor gerät, nachdem er von zu Hause ausgezogen ist – ausgezogen in die Freiheit, die nichts anderes ist als „das Bewusstsein der Unfreiheit“ (S. 291).

Als genau diese Intellektuellen Viktor wegen angeblichen Sexismus’ (er soll, was nicht zutrifft, eine Studentin geschwängert und sich vor der Verantwortung gedrückt haben) den Prozess machen, wird Viktor sich der Lächerlichkeit ihrer Posen und Inszenierungen bewusst:

Plötzlich begann der Nebel, durch den Viktor blickte, sich flockig aufzulösen, da waren geradezu heitere Figuren, die sich vor seinen Augen abbildeten, das waren Farcen, die vorangegangene Tragödien wiederholen wollten, das war rostiger Sinn, der abblätterte vom Besinnungslosen, mit dem die Welt vor Zeiten lackiert worden war. Es ist lächerlich! dachte Viktor. Sie spielen Moskau der dreißiger Jahre! Sie spielen es allen Ernstes! (S. 432).

In der Tat erinnert der ganze Vorgang (vom Gesinnungsterror über die Denunziation bis hin zum Bann) an die Schauprozesse in der Sowjetunion. Dass „[a]usgerechnet die, die sich von den Nazivätern abgrenzen wollen, nicht anders [können], als deren (...) Methoden nachzuahmen“ (Nord 2001: 12), ist ein weiterer Beleg für die mangelnde Vergangenheitsbewältigung in der österreichischen Gesellschaft. Um dieses so elementare wie kritische Moment in der österreichischen Nachkriegsgeschichte geht es in dem vermeintlich „missglückten“[10] zeitgenössischen Teil der „Vertreibung aus der Hölle“, in dem anhand einer fiktiven Biographie (oder fiktionalisierten Autobiographie?) ein satirisches Porträt des Studenten- und Intellektuellenmilieus im Wien der 60er und 70er Jahre (Menasses eigene Generation!) gezeichnet wird.

 

Literatur:

Primärliteratur:

1.        Menasse, Robert: Die Vertreibung aus der Hölle. Roman. Frankfurt a. M. 2003.

Sekundärliteratur:

1.      Austermühle, Theo (1997): Der DDR-Sport im Lichte der Totalitarismus-Theorien. In: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, H. 1, S. 28-51.

2.      Baur, Jürgen/Spitzer, Giselher/Telschow, Stephan (1997): Der DDR-Sport als gesellschaftliches Teilsystem. In: Sportwissenschaft, H. 4, S. 369-390.

3.      Bernett, Hajo (Hg.) (1994): Körperkultur und Sport in der DDR. Dokumentation eines geschlossenen Systems. Schorndorf.

4.      Bleicher, Thomas (1980): Elemente einer komparatistischen Imagologie. In: Literarische Imagologie – Formen und Funktionen nationaler Stereotype in der Literatur, H. 2, S. 12-24.

5.      Csaky, Eva-Marie (1980): Der Weg zu Freiheit und Neutralität: Dokumentation zur österreichischen Außenpolitik 1945-1955. Wien.

6.      Drynda, Joanna (2003): Schöner Schein, unklares Sein. Poetik der Österreichkritik im Werk von Gerhardt Roth, Robert Menasse und Josef Haslinger. Poznañ.

7.      Egger, Sabine (2002): „Komparatistische Imagologie“ im Interkulturellen Literaturunterricht. In: Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht [Online] 6 (3). (= www.ualberta.ca/~german/ejournal/imagologie/htm [01.03.2006].)

8.       Hoffmann, Tina (2002): „Ein Bild ist da, wo die Wirklichkeit ein Loch hat.“ Deutschlandbilder in Europa – ein Erklärungsansatz anhand der Stereotypenforschung. In: Dimova, Ana/Boitscheva, Snejana (Hg.): Beiträge zur Germanistik und zu Deutsch als Fremdsprache. Schumen, S. 144-151.

9.       Holler, Verena (2003): Felder der Literatur. Eine literatursoziologische Studie am Beispiel von Robert Menasse. Frankfurt a. M./Berlin/Bruxelles/New York/Oxford/Wien. (= Europäische Hochschulschriften Bd. 1861.)

10.     Jäger, Susanne (2001): Befragungen im Marx-Lesekreis. Antisemitismus stellt Robert Menasse in den Mittelpunkt seines aktuellen Romans. In: Vorarlberger Nachrichten vom 06.10., S. D6.

11.      Logvinov, Michail N. (2003): Studia imagologica: Zwei methodologische Ansätze zur komparatistischen Imagologie. In: Vollstedt, Marina (Hg.): Das Wort. Germanistisches Jahrbuch GUS. Moskau: Metatext, S. 203-220.

12.     Lotman, Jurij M. (2001): Semiosfera. Sankt Peterburg.

13.     Mecklenburg, Norbert (1990): Über kulturelle und poetische Alterität. Kultur- und literaturtheoretische Grundprobleme einer interkulturellen Germanistik. In: Krusche, Dietrich/ Wierlacher, Alois (Hg.): Hermeneutik der Fremde. München, S. 80-102.

14.     Nord, Cristina (2001): Einmal Tragödie, einmal Farce. Über Robert Menasses Roman „Die Vertreibung aus der Hölle“. In: Wiener Zeitung vom 19.10., Beilage „Extra“, S. 12.

15.     Peiffer, Lorenz/Spitzer, Giselher (1990): „Sport im Nationalsozialismus“ im Spiegel der sporthistorischen Forschung . In: Sozial- und Zeitgeschichte des Sports, H. 4, S. 35-74.

16.     Pethes, Nicolas (2004): Fußlümmelei oder Sphärenharmonie? Intellektuelle und Fußball. In: Kakanien revisited, 16.10.2004. (= http://www.kakanien.ac.at/beitr/materialien /NPethes2.pdf [01.05.2006].)

17.     Plener, Peter/Pethes, Nicolas (2006): Wir, die Tore. Vorüberlegungen zu einer Literaturgeschichte des Fußballs. In: Kreisky, Eva/Spitaler, Georg (Hg.): Arena der Männlichkeit. Über das Verhältnis von Fußball und Geschlecht. Frankfurt a. M., S. 66-82 (= Politik der Geschlechterverhältnisse 30).

18.     Quasthoff, Uta M. (1989): Ethnozentrische Verarbeitung von Informationen: Zur Ambivalenz der Funktion von Stereotypen in der interkulturellen Kommunikation. In: Matusche, Petra (Hg.): Wie verstehen wir Fremdes? Aspekte zur Klärung von Verstehensprozessen. München (Goethe-Institut), S. 37-62.

19.     Rossade, Werner (1987): Sport und Kultur in der DDR. Sportpolitisches Konzept und weiter Kulturbegriff in Ideologie und Praxis der SED. München.

20.    Thiele, Martina (2005): Österreich im „Spiegel“, Deutschland im „profil“. Die Berichterstattung der Nachrichtenmagazine über ihren Nachbarn. In: Thiele, Martina (Hg.): Konkurrenz der Wirklichkeiten. Wilfried Scharf zum 60. Geburtstag. Göttingen, S. 189-216.

21.     „Über Deutschland“ (1989). Ein Weimarer Protokoll nachbarlicher Gespräche vom 24. und 25. Oktober 1997. Teilnehmer: Henryk M. Broder, Eduard Goldstücker, Robert Menasse, Adam Michnik, Willem van Reijen, Rolf Schneider; Moderator: Antonin Liehm. In: Sprache und Literatur, H. 81, S. 6-71.

22.    Internetquelle 1: Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus: http://de.wikipedia.org/ wiki/Nationalsozialismus_in_%C3%96sterreich (01.05.2006)


 

[1] Die Figur Viktor wird autobiographisch interpretiert, z. B. in den Dissertationen von Joanna Drynda (2003) und Verena Holler (2003), auch in zahlreichen Rezensionen der „Vertreibung aus der Hölle“.

[2] Die Beständigkeit von Stereotypen basiert nach Festingers „Theorie der kognitiven Dissonanz“ darauf, dass die Menschen dazu neigen, Dissonanzen, d. h. Widersprüche zwischen äußeren Reizen und inneren Modellen der Realität, zu vermeiden bzw. auszugleichen, indem sie ihre Wahrnehmung auf Aspekte richten, die das Stereotyp stützen, und jene vernachlässigen, die ihm widersprechen (vgl. Thiele 2005: 192).

[3] Auf die „Fußballgeschichte als epische Erzählung“ weist Pethes (2004) hin: „Die Helden sind Stars, die Schlachten das Endspiel, blinde Seher sind blinden Schiedsrichtern gewichen – und doch erkennen wir eine Abfolge legendärer Triumphe, nie gerächter Niederlagen und archaischer Rivalitäten zwischen Vereinen, die nicht umsonst Namen wie Ajax und Roma tragen. (...) Man kennt den Fußballkanon – die Ranglisten der Besten und ihre Meisterwerke.“

[4] Aus der Sicht der Kulturwissenschaften ist Literatur eine der materialen Formen, in denen sich das mentale Programm einer Kultur niederschlägt, und zugleich eines der textuellen Medien, mit denen es vermittelt wird. Sie ist ein „elaborierter Interdiskurs“ (Egger 2002) innerhalb der dominanten Diskurse einer kulturellen Gemeinschaft, welche in gewissem Maße dem „zentral Kulturellen“ („central’nye sfery kul’tury“) in Lotmans (2001) Modell der Kultur als konzentrischem System semiosischer Sphären entsprechen.

[5] Das bestätigt wohl auch Menasses Drama „Das Paradies der Ungeliebten“, eine allegorisch angelegte Politsatire, in der sämtliche Figuren Namen von Spielern der dänischen Fußballeuropameistermannschaft (1992) tragen.

[6] „Die blutigen Krawalle“ hätten jetzt „ein Todesopfer gefordert“, schreibt die BILD-Zeitung am 03.06.1967 über den Tod Ohnesorgs, so dass der Eindruck entsteht, als hätte einer der Studenten und nicht ein Polizist geschossen.

[7] Eine ausführliche Bibliographie enthält der Aufsatz „Sport im Nationalsozialismus“ von Peiffer/Spitz 1990.

[8] Zum Sport in der DDR z. B. s. Austermühle 1997, Baur/Spitzer/Telschow 1997; Bernett 1997; Rossade 1997 u.a.

[9] Der Opfermythos besagt, dass Österreich im Nationalsozialismus nicht Täter, sondern „das erste freie Land, das der typischen Angriffspolitik Hitlers zum Opfer fallen sollte“ (zit nach. Csaky 1980: 33), gewesen sei. Nicht berücksichtigt wird bei der Berufung auf die Moskauer Deklaration die folgende – den meisten wohl unbekannte – Passage, in der Österreich durchaus eine Mitschuld zur Last gelegt wird: „Österreich wird aber auch daran erinnert, dass es für die Teilnahme am Kriege an der Seite Hitler-Deutschlands eine Verantwortung trägt, der es nicht entrinnen kann, und dass anlässlich der endgültigen Abrechnung Bedachtnahme darauf, wie viel es selbst zu seiner Befreiung beigetragen haben wird, unvermeidlich sein wird“ (zit. nach Csaky 1980: 34). Nach einer Umfrage, die am 11.09.1987 in der Wochenpresse veröffentlicht wurde, betrachtete „[d]ie Mehrheit der Österreicher sich noch lange als Opfer des NS-Regimes, weil sie ‚verführt’ worden waren oder bloß ihre ‚Pflicht erfüllt’ hätten – der überwiegende Teil rechtfertigte sich damit, es wäre ihm ‚nichts anderes übrig geblieben’ (s. Internetquelle 1).

[10] Fast alle Rezensionen stimmen darin überein, dass der zweite (zeitgenössische) Teil im Vergleich zum ersten (historischen) wesentlich schwächer sei. Nach meinen Recherchen wertet nur eine Rezension (Jäger 2001) diesen als „Highlight des Romans“.

 

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