Home | BAC/Teze | Biblioteca | Jobs | Referate | Horoscop | Muzica | Dex | Games | Barbie

 

Search!

     

 

Index | Forum | E-mail

   

 Bine ati venit in sectiunea dedicata limbii si literaturii germane. In aceasta sectiune veti avea posibilitatea sa descoperiti multe lucruri utile care speram sa va ajute la cursuri. Willkommen bei ScoalaOnline!

 

 
 
 
 
 + Click:  Grupuri | Newsletter | Portal | Ziare,Radio/TV | Forum discutii | Premii de excelenta | Europa





 

 

 

Zuruck zum index

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

LINGUISTISCHE ANMERKUNGEN

zum poetischen Hervorhebungsverfahren bei Novalis

Mioara Mocanu

            Motto:

Die meisten Schriftsteller sind zugleich Leser, indem sie schreiben, und daher entstehen in den Werken so viele Spuren des Lesers, so viele kritische Rücksichten, so manches, was dem Leser zukömmt und nicht dem Schriftsteller. Gedankenstriche – großgedruckte Worte – herausgehobene Stellen – alles dies gehört in das Gebiet des Lesers. Der Leser setzt den Akzent unwillkürlich; er macht eigentlich aus dem Buche, was er will […]. Es gibt kein allgemeingeltendes Lesen, im gewöhnlichen Sinn. Lesen ist eine freie Operation. Wie ich und was ich lesen soll kann mir keiner vorschreiben.[1]

Die Mannigfaltigkeit von Denkinhalten, die der Sprecher oder der Schriftsteller ausdrücken will, bringt auch eine bestimmte äußere Form mit sich, die so beschaffen sein muss, dass diese adäquat übermittelt werden können. Sprachmelodie, Betonung, Lautstärke, Rhythmus, Sprechpausen sind suprasegmentale Einheiten, die meistens kommunikative Verhältnisse signalisieren. Damit sind individuelle Stimmlage oder Artikulation gemeint. Der parasprachliche Bereich betrifft aber die Inhalte einer Äußerung nicht, sondern die Art und Weise, wie sie gemacht wird (Lüger, 1993).

Im deutschen Satz kann jedes Satzelement den Intonationsakzent heranziehen, ohne dass es dafür seinen Platz verlassen muss (Bußmann 1990, 114). Das gilt offensichtlich für die gesprochene Sprache.

Setzt in der lautsprachlichen Kommunikation der Sprecher außer den sprachlichen und parasprachlichen Mitteln, um seine Rede gedrängt, gefühlvoll, sprechend, prägnant zu machen, auch eine bestimmte Gestik und/oder Mimik in Gang, so verfügt der geschriebene Text vor allem über die letzten Möglichkeiten nicht. Der nichtsprachliche Anteil von Sprechakten unterstützt die für den Dialog überhaupt charakteristische Ostension. Die ostensive Referenz ist das, worauf sich ein Dialog letztlich bezieht, die den Gesprächspartnern gemeinsame Situation, d. h. Aspekte der Wirklichkeit, auf die man mit dem Finger hinweisen kann. Bei geschriebenem Text muss aber die Rede für sich selbst sprechen.

Da die Emphatisierung mancher Aussagen in der mündlichen Rede und in der geschriebenen Sprache sich anders verhält, soll dieses Problem daher auch differenziert gestellt werden. Nonverbales Verhalten bezieht sich auf nichtsprachliche Phänomene, die für das Verständnis gesprochener Sprache sehr wichtig sind.

Erwähnt sei hier auch gleich, die Rede, vornehmlich als Satz bedacht, hat eine doppelte Referenz: Wirklichkeitsbezug und Sprachreferenz oder Selbstreferenz – also die reflexive Gerichtetheit auf ein Selbst. Mit anderen Worten: Die Rede bezieht sich auf eine außersprachliche Wirklichkeit und auf ihren Sprecher, und das durch linguistische Spezifika, z. B. durch Personalpronomen, Tempora, Demonstrativa usw., die nur im Satz funktionieren. An dieser Stelle ließe sich mit Paul Ricoeur (1996, 63) die Frage stellen, wie man von der der Rede zugrunde liegenden Polarität von – Sinn und Bedeutung, sense und meaning – sprechen kann.

In der Auffassung von Frege (1969, 40ff) ist die Dimension des Sinns als die immanente Absicht der Rede zu verstehen und die Dimension der Bedeutung, auch Referenz genannt, ist hingegen die Anwendbarkeit der Rede auf eine außersprachliche Wirklichkeit und gilt als intentionaler Bezug auf eine Welt.

Bekanntlich spricht das Werk – und hier kommt insbesondere das literarische Werk, das seine eigene „Welt“ aufbauen soll, ins Auge – von Dingen, die evoziert werden, aber nicht da sind. „Wir haben hier“, meint Müller (1971, 155), “keine andere als sprachliche oder sprachlich begründete Wirklichkeit zu erwarten.“ So sieht sich der Schriftsteller gezwungen, mit seinem Werk spezifische Ausdrucksverfahren zu schaffen, um seine Aussagen in bestmögliche sprachliche Gestalt zu bringen. Dabei ist zu bedenken, dass die semantische und die stilistische Qualität eines Wortes eine untrennbare Einheit bilden. Deshalb werden Sprachformen angestrebt, die den (neuen) Inhalt der Aussage treffend, wirksam und ästhetisch befriedigend zum Ausdruck bringen.

Als Einstieg in das Thema des vorliegenden Beitrags „Linguistische Anmerkungen zum poetischen Hervorhebungsverfahren bei Novalis“ soll zunächst ein kurzer historischer Überblick über die von verschiedenen Stilkundlern angebotenen Definitionen, aber auch über manche Ergebnisse der vorwiegend in den letzten vierzig Jahren entwickelten, linguistischen Forschung – gegeben werden, der verdeutlicht, mit welcher Problematik das Studium der Hervorhebungsverfahren konfrontiert ist. Kurzgefasst kann man grosso modo bei der Untersuchung der Emphase – denn es geht in ersten Linie um dieses Stilmittel – ist von zwei grundlegenden, als komplementär anzusehenden Modalitäten sprechen: einer stilistisch-rhetorischen und einer semiotisch-sprachwissenschaftlichen.

Im zweiten Teil des Aufsatzes soll die interpretatorische Wirksamkeit von vorwiegend linguistischen Begriffen am Beispiel von Auszügen aus dem Werk Hardenbergs nachgewiesen werden.

Bei der Zusammenstellung des zu untersuchenden Korpus wurden nur solche emphatisch geprägte Fragmente aufgenommen, die unmittelbar mit dem Begriff “Typographie” zusammenhängen. Es handelt sich um Autoreneingriffe, die von der normgerechten Schreibweise des Deutschen abweichen. Inwieweit die Wörter durch ihre graphische Gestaltung eine neue Dimension an Aussagekraft hinzugewinnen ist eine Frage, die im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung steht.

Es soll von vorn herein betont werden, dass in einem Text, der die zwei wesentlichen Merkmale der Literarität und der Poetizität, im Sinne R. Jakobsons, befriedigt, die Emphase nie in reinem Zustand vorliegt. Die Belegstellen wurden aussschließlich aus operativen, einsatzfähigen Gründen für die Analyse selegiert.

Die durch in einem bestimmten Satz verwendeten lexikalischen Mitteln oder durch eine Konstruktionsfigur entstandene Abänderung der Wortstellung realisierte Emphase steuert die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Nachricht und steht somit in engem Zusammenhang sowohl mit der diskursiven Intensivierung, als auch mit der auktorialen Intentionalität.

Der “Nachdruckakzent”, wie ein Großteil der Stilforscher die Emphase nennt, trägt dazu bei, vor allem “den richtigen Sinn der Äußerung zu erkennen.”[2]

Bezeichnet die Emphase im sprachwissenschaftlichen Bereich “Unterstreichung” überhaupt, so ist sie für die Stilforscher eher als eine kennzeichnende oder als eine konnotative, systematisch hyperbolisierende Betonung, sei es auf der lexikalischen Ebene, sei es auf der der allgemeinen Kennzeichnenden zu verstehen[3]. Die Emphase gehört dem Umfang der Variationstechnicken der Abkürzung, der Zusammenfassung an. Molinié weist darauf hin, die Emphase wäre ”den stilschmückenden Sprachmitteln (der elocutio) unterzuordnen”, indem sie am häufigsten eine anregende, unser Wohlgefallen erweckende Rolle spiele. Darüber hinaus habe sie die Kraft, den Stil mit einer Art ´Aura´, von einer ungewöhnlichen Ausstrahlung” zu umgeben, so dass dieser einen höheren Wert” bekomme.[4]

Für die rhetorische Tradition war die Emphase dem demonstrativen, ja auch dem gerichtlichen Genre geeignet, wo diese zur Steigerung der argumentierenden Kraft lohnend gebraucht wurde. Bei Fabius Quintilianus kann man von Emphase nur dann sprechen, wenn “man dem Wort einen umfangreicheren Sinn zu geben vermag, als das überhaupt ausdrückt” oder “wenn ein Wort einen verborgenen Sinn merken lässt”[5] 

Die Anhänger der generativen Transformationsgrammatik bringen den Begriff der Fokussierung ins Spiel. Diese Erscheinung weist darauf hin, dass das hervorgehobene Wort (das Argument des Verbes oder andere linguistische Spezifika) zum “intonatorischen Satzzentrum, zum höchsten Punkt des melodischen Umrisses werde”[6]. Für die Mitglieder des Prager Zirkels (Mathesius, Bene¹, Dane¹, Hausenblas, Palek, u. a.) wird die Thema-Rhema-Gliederung (die englischen Termini für diesen Unterschied sind topic und comment) unter dem Blickwinkel der intersubjektiven, im Diskurs bestehenden/herstellbaren Beziehungen analysiert und als “pragmatische” Begriffe erfasst. Zwecks Differenzierung vom Prädikat, das von syntaktisch-semantischer Natur wäre, nennen sie das Rhema focus[7]; das als das Neue, und zwar als die allein im Rahmen des Kontextes erkennbare Information gilt. Im Gegensatz dazu ist das Thema als lokal Vorausgesetztes aufzufassen, das heißt die bereits angeführte, die schon bekannte, manchmal aber nicht obligatorisch vom Kontext abgeleitete Information. In diesem Zusammenhang sind diese Begriffe mit den in den traditionell fixierten Definitionen des Subjekts bzw. des psychologischen Prädikats fast unmöglich zu verwechseln.

In seiner Arbeit Dicþionarul figurilor de stil bietet Gh. N. Dragomirescu eine ähnliche Definition wie jene seines berühmten Vorgängers – Quintilianus. Die Emphase, meint er, “liegt darin, einem Wort, ja einer vollkommenen Aussage eine besondere Bedeutung zu verleihen, wobei sie im Kontext/ in der sprachlichen Situation dank der Betonung mehr zum Ausdruck bringt”. Ich stimme dem rumänischen Verfasser vollkommen zu, wenn er die Emphase als “eine der feinsten Stilfiguren” betrachtet, die eben deshalb “eine sachgemäße Behandlung erfordert”[8].

Was die Rezeption anbelangt, dient die Emphase zum Unterstreichen der Form, des Ausdrucks: die perzeptiven Prozesse werden dadurch in Anspruch genommen und nur auf das Zeichen konzentriert.

Für Novalis spielt die Aufmerksamkeit eine sehr wichtige Rolle und er betont mehrmals diesen Aspekt, sei es in seinen theoretischen Fragmenten, sei es in seinen literarischen Werken. Sehr erhellend wirkt in diesem Sinne das folgende Zitat aus den Lehrlingen zu Sais:

Auf alles, was der Mensch sich vornimmt, muß er seine ungeteilte Aufmerksamkeit oder sein Ich richten […], und wenn er dieses getan hat, so entstehen bald Gedanken oder eine neue Art von Wahrnehmungen, die nichts als zarte Bewegungen eines färbenden oder klappernden Stifts oder wunderliche Zusammenziehungen und Figurationen einer elastischen Flüssigkeit zu sein scheinen, auf eine wunderbare Weise in ihm.

Nach diesem einführenden Teil zur gegenwärtigen Stellung der hervorhebenden Mittel in der literarischen, also schriftlichen Kommunikationsform wird im Folgenden das Profil der Hervorhebungsverfahren in Bezug auf ihre Wirkung und Funktion eingehender beleuchtet.

Der poetische Diskurs von Novalis weist an der Oberflächenstruktur sehr viele “Spuren des Lesers”, und auch die des Erzählers/des Textproduzenten als des ersten Lesers seiner Dichtungen, auf. So lassen sich an verschiedenen Textstellen erkennen neben der Topikalisierung, Nominalisierung und anderen Betonungstechniken der groß gedruckte Buchstabe im Anlaut oder Wörter in Kursivschrift mitsamt spezifisch verwendeter Interpunktion, wie z. B. der Gedankenstrich, dessen häufiges Auftreten dem Satz oder einem ganzen Textabschnitt den Anschein einer Lochstickerei hingibt.

Als Hervorhebungsmittel vertreten groß gedruckte Buchstaben auch im Deutschen, wo die Großschreibung des Nomens als Norm der Rechtschreibung gilt, die nichtsprachlichen Signale in der gesprochenen Sprache, die sie ikonisch widerspiegeln, zumal da sie durch ihren markierten Gebrauch den melodischen Akzent beim Vorlesen mit heranziehen. Mit einer Seefahrtmetapher könnte man sagen, diese orientieren, einem Leuchtturm gleich, und helfen dem Leser auf dem weiten Textmeer, seine Sicht und Einsicht auf den sicheren Ankerplatz und somit auf jenen Zeitpunkt der Erzählung zu richten, der keineswegs unbemerkt bleiben muss.

Aufgrund eingehender Untersuchung wird sich zeigen lassen, wie der (früh)ro-mantische Verfasser in seinem Umgang mit der deutschen Sprache, die trefflichsten Mittel (er)findet, um seine Rede viel sagender, gemütvoller, überzeugender zu machen.

So beginnt die Rede Christenheit oder Europa von Novalis:

Es waren schöne glänzende Zeiten, wo Europa ein christliches Land war, wo Eine Christenheit diesen menschlich gestalteten Weltteil bewohnte; Ein großes gemeinschaftliches Interesse verband die entlegensten Provinzen dieses weiten geistlichen Reichs.

Dieses komplexe, elegante, der oratorischen Periode sich annährende Satzgefüge umfasst grammatisch vier Sätze und beweist sich bei näherer Betrachtung seiner syntaktischen Form als symmetrisch: zwei Hauptsätze – der eine in Anfangsstellung und der andere in Endstellung –, die zwei Nebensätze umrahmen. Beide Relativsätze dienen zur Charakterisierung der Nomengruppe schöne glänzende Zeiten des ersten Satzes. Mit dem emphatisierenden Syntagma es waren wird der Eintritt in die narrative Welt angedeutet. Der Sprecher eröffnet den Text auf seine kennzeichnende Art, die doch nicht weit von dem allbekannten, fabelähnlich formulierten Inzipit (als dessen Variation wahrgenommen) ist, um dem Leser den raumzeitlichen Rahmen als optimales Medium zum Installieren seiner Geschichte anzuzeigen und sein Interesse durch die Mittel einer verführerischen Strategie, die der captatio benevolentiae, anzuregen. Das anaphorische Imperfekt ermöglicht die Charakterisierung eines temporalen Themas, das „Zurückgreifen“ eines vergangenen Zeitpunktes der europäischen Geschichte. Denn das anaphorische Imperfekt beleuchtet von seiner Natur her diesen Effekt des Zusammenhanges mit einem Vorhergebauten, das gerade das Imperfekt herstellt. Dieses Vorerwähnte fehlt hier und kann nur durch die Einbildungskraft des Lesers wiederbelebt und wieder gutgemacht werden. Die novalissche Geschichte fällt in eine unbestimmte Vergangenheit – unbestimmt im Sinne, dass sie auf undatierte Fakten hinweist. Vielfach emphatisiert und, wie gesagt, undatiert verlieren diese schönen, glänzenden Zeiten, auf deren märchenhaften Herrlichkeit abgezielt wird, an die ihr anhaftende Relativität und stellen sich vor, als ob sie Vergangenheit auf immer gewesen wären. Verwiesen werden soll hier gerade auf die paradoxe Kraft des sprachlichen Mittels, das der Relativität selbst einen absoluten Wert gewährt. So wird der besagte raumzeitliche Rahmen in einer fingierten Narration eingespielt, die mit K. Walton[9] (1990) eine make-believe-Tätigkeit (die auf akzeptierte Spielregeln fußt) kennzeichnet, deren Rolle darin besteht, den Leser einzuladen, sich eine fiktive Welt in Übereinstimmung mit den fiktiven Propositionen auszudenken.

Die Lettern, die die Hervorhebung des Inhalts der beiden Satzsubjekte vor und nach dem Semikolon unterstützen, vertreten die allem menschlichen Sprechen innewohnende ostensive Funktion und nehmen demnach den Charakter eines deiktischen Zeichens an. Was besonders auffallend wirkt, ist die dreifache Erscheinung des unbestimmten Artikels ein/Eine/Ein (wo es überraschenderweise, weil regelwidrig (offensichtlich als Abweichung von der Regeln der deutschen Rechtschreibung), zuerst unbetont, weil normal geschrieben, dann zweimal großgeschrieben, die (letzten) als Spuren einer Subjektivität, die damit auch eine Gradualität der persönlichen Implikation zeigen. – Das sind Bestimmungswörter für die Nomen Land, Christenheit, Interesse, die die definitorischen Termini für Europa in dieselbe Konstellation zusammenbringen. Darunter die mittlere Nomengruppe – Eine Christenheit – ist die, die eine bemerkenswerte Evidenz gewinnt, dadurch dass sie in den Mittelpunkt des Satzes rückt, denn sie soll als das wesentliche Glied dieser Satzverbindung gelten.

Einen besonderen Nachdruck gewinnt das Attribut christlich, das im folgenden Relativsatz wiederkehrt, um durch die vom Sprecher eingesetzte Nominalisierung – Christenheit – objektiviert zu sein; es entsteht also eine repetitive Form, von der man nicht sagen dürfte, sie bleibe etwa unbemerkt. Der unbestimmte, mit groß gedrucktem Anfangsbuchstaben geschriebene Artikel für den Nomen Christenheit will genau die Idee der Vereinigung der entlegensten Provinzen dieses weiten geistlichen Reiches unterstreichen, ein gemeinsames Territorium, das “einmal” ein geistig körperlicher, der Menschengestalt ähnlicher und anscheinend nach der Leibnizschen präetablierten Harmonie hergestellter Bund war. Denn genau die Bedeutung dieses Wortes wird seitens des Erzählers betrachtet, durch die schon angedeutete Anwendung eines zweiten emphatiesierenden Verfahrens der Nominalisierung, in den Vordergrund rückt und sie soll seitens dem Leser als Lösung für den geistig-materiellen Wohlstand der europäischen Gemeinschaft überhaupt angesehen werden.

Die Wirkung der drei emphatisierenden Mittel (a) es waren schöne, glänzende Zeiten, Eine Christenheit, Ein gemeinsames Interesse) wird auch dadurch verstärkt, dass der Satz ein repetitives, für eine Sondersprechsituation charakteristisches Deixis enthält. Der Doppelgebrauch des Demonstrativums (diesen, dieses), das durch Verweis auf Naheliegendes im Kontext auch eine direkte und simultane Sprechart anzeigt, zum einen auf den Signifikat des vorerwähnten Lexems, Europa, zum anderen auf den des Syntagmas ein christliches Land zurückweist, indem beide dank der Kopula (war) eine Identitätsbeziehung (Europa = ein christliches Land) herstellen. Mit den von den besagten Artikelwörtern bestimmten Nomengruppen diesen menschlich gestalteten Weltteil und dieses weiten geistlichen Reichs, die immer weitere Gegenden bezeichnen, wird doch das eng Geographische überholt, um eine weitere, geistige Topographie anzudeuten. Der Satz hat den Anschein einer “Pendelfahrt zwischen den Welten” dadurch, dass das Narrative doch nämlich zwischen Phantasie und Realität, Sein und Schein, (historischem) Fakt und (aktuellem) Erlebnis schwankt; sprachliche, mit Bezugsfunktion versehene Elemente, die so bedacht sind, dass sie auf die dem physischen Universum (Europa) angehörigen Dingen hinauf weisen, paaren sich mit anderen, die “referentiell schwach” sind. Sie verlieren an ihrer “materiellen” Haltbarkeit und bekommen somit “einen zarten, vagen Umriss”.

Termini solcherart, die “denotationsfrei” sind, deren Denotation also ausgeräumt wurde – oder wenn wir die von Frege eingeführte Distinktion (Polarität) in Betracht ziehen wollen, Sinn haben, dafür aber keine Bedeutung, machen die Absicht des Erzählers erkennbar, eine kontinuierliche Skala von semantisch “nichthomogenen”[10], mehr oder weniger “wahren”, mehr oder weniger “fiktionalen” Welten in die Einbildungskraft des Adressaten einzuführen[11]. Das charakteristische Merkmal, dem Nomen Land zugeschriebene christlich, stellt gar keine zufällige Erscheinung in diesem Kontext dar: dieses Attribut aktualisiert/aktiviert nämlich das vollkommen latente Bedeutungspotential dieses Wortes. Für den christlichen Leser ist das ein Wort, dessen semantische Tragweite reich an emotionalen und geistlich-kulturellen Konnotationen ist, die der Satz übrigens freigibt. Das oben genannte Attribut wird in dem zweiten epithetischen Relativsatz zum Nomen Christenheit – eine Eigenschaft, die eigentlich demselben Toponym Europa zukommt – umgewandelt, was das Zeichen einer schon formulierten Identität (anhand der Kopula) wiederholt.

Der einleitende Satz ist der Darstellung des auktoriellen Standpunktes auf eine explizite und betonungsreiche Weise gewidmet, ein schon im Titel entworfener Standpunkt, so dass dieser Satz im Vergleich zur Überschrift durch die direkte und periphrastische Wiederaufnahme als deren verlockende Erweiterung erfasst werden kann. So wird verifiziert, dass das oft als exklusiv empfundene “oder” nicht den Willen ausdrückt, auf eine Differenz, sondern vielmehr auf eine Identität zwischen den dadurch verknüpften Termini zu verweisen. Die als bestmögliche Welt unter dem Szepter eines Papstes dargestellte Christenheit scheint auch die beste Lösung/der beste Vorschlag zur Begründung einer (best)möglichen Welt zu sein. Das steht im genauen Verhältnis zu der inneren Absicht des Werkes.

Großgeschriebene Anfangsbuchstaben im Anlaut, so etwa an einer anderen Stelle in Christenheit oder Europa, unterstützt den dialogisch-dramatischen Charakter dieser Rede, ein Charakter, den R. Samuel in einem Aufsatz von 1962, in dem er erstmals nachdrücklich auf die poetisch-rhetorische Struktur der Rede aufmerksam machte.

Die durch eine am Wortanfang wiederum fehlerhaft gesetzte Majuskel entstandene Emphase erscheint an einem anderen Stelle in Christenheit oder Europa, wo das Vermittelte dem Leser als das Wesentliche, Festzuhaltende und im Gedächtnis oder in der Erinnerung Bleibende “eingemeißelt” werden soll. Es handelt sich um eine Ordinalzahl im substantivischen Gebrauch, die in diesem Falle eine Kontrastwirkung stilistisch-semantisch erzielt:

In der Vergessenheit ihres eigentlichen Amts, die Ersten unter den Menschen an Geist, Einsicht und Bildung zu sein, waren ihnen die niedrigsten Begierden zu Kopf gewachsen, und die Gemeinheit und Niedrigkeit ihrer Denkungsart wurde durch ihre Kleidung und ihren Beruf noch widerlicher.

In dieser offenbar polemisch angelegten Äußerung wird die Funktion der Unterstreichung so gerichtet, um einen von der Schwäche des theologischen Systems verursachten Krisenzustand zu beschreiben und zu betonen. Hier spiegelt die Ordinalzahl die Ersten eine Hierarchie der geistlichen Werte ikonisch wider und somit ironisch-kritisch einen Kontrast und gleichzeitig die Distanz aus der Sicht des Sprechers gegenüber der aktuellen “widerlich” gewordenen Verhaltensweise des geistlichen Standes, der einer dringenden Reform bedarf. Die Majuskel ist ein Indikator für den Kernpunkt der Kritik, Signal einer Aufforderung und als Mittel der Verstärkung der Direktheit eingesetzt – Die anvisierten Personen als potentiell angesprochene Leser müssen das Gemeinte erst über den Umweg von Implikaturen erschließen. Die Geistlichen sollen also unverzüglich an die Spitenzstelle der Rangordnung zurückkehren und das werden, was sie einmal waren, würdige Diener und “eigentliche” Vertreter Christus als Gott auf Erden – als eine der notwendigen Prämissen zur Konstruktion des schon am Essayanfang großzügig dargestellten Projektes.

Schanze[12] bemerkt die satirischen, provozierenden und parodistischen Züge der Darstellung. Er zeigt das Interesse Hardenbergs an der Lösung gegenwärtiger Zeitprobleme und dessen Traum von einer poetischen Konstruktion der Geschichte.

Dem Auge präsentiert sich Hymne an der Nacht 5 [13], die „scheinbar einen historischen Triadenschritt“ folgt, nicht als ein regelmäßig geformtes Gebilde. Drei Prosaabschnitte gliedern den Gesamttext in ebenso viele Teile, die sich dreimal an in Vers gebrachte Textsequenzen anknüpfen.

Diese Gliederung bringt die Formstruktur des Märchens zur Geltung und kommt mit einer romantischen Vorstellung in Bezug auf Rolle und Funktion der Literatur in Übereinstimmung. In diesem Sinne kann man sagen, dass der gereimte Gedichttext sich dem Merkvers als Zauberspruch der Fabel annährt. Novalis selbst verteidigte die Idee der Vermischung aller literarischen Gattungen in einem und demselben Werk, das dem Gesetz der narrativen Märchenstruktur folgen sollte[14].

Der unten angeführte Vierzeiler entstammt der letzten Verspassage (sieben achtzeilige Strophen, Kreuzreim), dem Klausurteil der Hymne. Das ist das Lied eines Christen, der die Vision einer ewigen Nacht entwirft. Der groß gedruckte Anfangsbuchstabe des Bestimmungswortes Eine, das das Syntagma Nacht der Wonne determiniert, wird in erster Linie augenfällig. Diese graphische Erscheinung wirkt, als ob sie die Absicht der schöpferischen Instanz hervorheben möchte, das Unantastbare plötzlich tastbar, das Implizite explizit zu machen:

Nur Eine Nacht der Wonne –

Ein ewiges Gedicht

Und unser aller Sonne

Ist Gottes Angesicht.

Der groß gedruckte Schriftzeichen deutet auf den dichterischen Willen hin, den Sinn von Nacht und Wonne höher zu bewerten. Die zusätzliche Unterstreichung (gemeint ist das Adverb nur[15]) dieser Termini dient zum Ausdruck der Tiefe und der Individualisierungsabsicht eines Gefühls (die Wonne), das bei Novalis eine spezifische auch mit der Religion zusammenhängende Bedeutung annimmt. Der Akzent liegt vielleicht nicht zufällig auf den unbestimmten Artikel Eine, der auf der prosodischen Ebene mit dem Adjektiv ewig zum Gedicht verbunden ist. Es wird dabei betont auch das Wesensmerkmal des romantischen Menschen der homo poeticus und homo religiosus zugleich werden kann, und soll. Es geht ohne Zweifel um den der Goldenen Zeit angehörigen Menschen, also um jenes menschliche Wesen, dessen Handlungen immer ein Höheres darstellen.

Bekanntlich weist das Bruchstückhafte auf das Romantische hin. Der knappe, nüchterne Stil, die verkürzte Sprache ist auf die wesentlichen Aussagen beschränkt. In den ersten zwei Zeilen merken wir gleich, dass der emphatisierte Inhalt (der Satzsubjekt) – auf der ersten Zeile durch den Gedankenstrich signalisiert – in einer elliptischen Aussage auftaucht, wo die Bilder prädikatslos aufeinander folgen, sozusagen wie ein partielles Bild aus der Erinnerung, das sich an weitere Bilder als Erinnerungsreste reiht. Das elidierte Verbum finitum gewährleistet die Kürze und Knappheit dieser Angabenaufzählung. Damit wird auch der Rhythmus und die Einprägsamkeit dieser für den Sprecher anscheinend sehr wichtige Aussage vorbereitet. Trotzdem zeigt die zusammenhangslose Anordnung von Dingen aus heterogenen Vorstellungsbereichen über den isolierenden Gedankenstrich paradoxerweise einen kontinuierlichen Charakter an. Die beiden (scheinbar) diskreten Elemente Nur Eine Nacht der Wonne –/Ein ewiges Gedicht sind vom stilistischen Gesichtspunkt gesehen zwei Metapher in absentia, die das stark Emotionale (Wonne) und (s)ein sprachlich künstlerisches Äquivalent (Gedicht) veranschaulichen.

Von der Denotation her lässt sich das Wort Nacht mit “Zeitraum vom Untergang der Sonne bis zum nächsten Aufgang” beschreiben und konnotiert Komponenten wie “unheimlich”, “einsam” oder selbst “romantisch”[16].

Außerdem zeugen diese Zeilen von einer programmatischen Denkart des Lyrikers, die sich in der poetischen Sprache nur als eine lückenhafte Aussage (das Ausbleiben einiger Wörter ist hier möglich) offenbaren lassen, was nicht nur einmal den interpretativen Auftrag des Lesers schwer belastet, gar hemmt. Denn der Text lässt bedeutende Termini, die die Zeit, das Raum, die Kausalität beschreiben könnten, beiseite.

Die scheinbar willkürliche Aneinanderreihung unlogischen Begriffe betont nochmals die Hast, mit welcher die Worten durch Satzabbruch gesprochen sind. Das Lückenhafte soll dementsprechend ein Zeichen der Dringlichkeit sein, dieses Projekt unentwegt in Taten umzusetzen.

Elision und Interpunktion sind, meiner Meinung nach, wahrscheinliche Signale “einer inneren Selbstsprache”, um mit Novalis zu sprechen; andererseits wirken dieselben als implizite Kommunikationsbrücken zwischen dem Autor und seinem Leser und gibt dem letzten die Chance, aus mehreren Interpretationsvarianten die treffende herauszuziehen.

Die die dritte Zeile einleitende Konjunktion und fungiert als Verbindungselement zwischen dem eben Gesagten und dem neuen, rhematischen Inhalt. Sie trägt zu einer gradualen Erweiterung, gar zur Hyperbolisierung der Zielsetzung, des Ergebnisses eines geheimen Prozesses bei. Der funktionale und semantische Status dieser Konjunktion ist aber hier gar nicht eindeutig und es ist schwer zu entscheiden, ob sie koordinierend oder Teil einer anderen Relationsart ist. Und schildert in diesem Kontext eher ein Schwanken zwischen einem Rapport der Konsequenz und einer Relation der Identität.

In diesem konklusiven Gedichtteil wurde wohl die Konjunktivform des Verbes sein verschwiegen, was dem Vers 54 einen erläuternden Wert für das im Text vorher Erwähnten verleihen könnte (wenn…und…dann). Die ersten zwei Zeilen dürften aber genauso gut eine Aufzählung von zwei Bedingungen – sine qua non – sein: die unschuldige Lust und das Gedicht als Fundamentsteine einer Konstruktion angesichts der Umwandlung in Bezug auf unsere Vision über das Kosmos und dessen Schöpfers. Diese zwei (kategorischen) Aufforderungen sind ohne weiteres in eine Wechselbeziehung impliziert, so dass eine zur Metapher der anderen wird.

Das Umwandlungsprozess soll nicht nur den Sprecher, sondern die ganze Menschheit betreffen. Und das wird bestätigt von der Verwendung des personal-deiktischen, inklusiven “wir”, das als Determinativum (gemeint ist das adjektivische Possesivpro-nomen unser) zum Substantiv Sonne im Text waltet, wobei dasselbe wir die konnotative Vervielfältigung dieses motivischen Gemeinplatzes konzentriert. Die allgemein anerkannte heilende, erheiternde, ermunternde und beleuchtende Kraft dieses Himmelskörpers spielt offensichtlich die (therapeutische) Rolle, die Furcht vor dem Unheimlichen oder anders ausgedrückt: Die Angst vor der Alterität zu verscheuchen – ein alter, das auf den allvernichtenden Tod verweisen soll.

Die letzte Zeile bringt die Idee des “ewigen” Lebens mit sich. Die Metapher “Gottes Angesicht” (ein für die Augen falsches Kompositum, das sich hingegen (nur) von dem Ohr “richtig” vernehmen lässt – und diese Technik, die auf der lexikalischen Ebene agiert und ihre wohl nicht zufällige Korrespondenz in der oben erwähnten von der Syntax und Logik her hinfällige Anordnung der Satzglieder findet, suggeriert dabei, dass das all Göttliche immer die Oberhand vor dem Tod hat.

Die explizite Hervorhebung zielt in diesem Kontext darauf, den diskreten Charakter, oder wenn wir einen von dem französischen Forscher Jean-Claude Milner entwickelten Terminus verwenden wollen, den klassifikatorischen[17] Wert von eine /ein aufheben, was auch die unvollständige Syntax der der beiden Zeilen von vornherein uns ahnen ließ...

Durch dieselbe Technik können nicht nur Artikelwörter oder Ordinalzahlen, sondern auch andere lexikalische Elemente hervorgehoben werden. So etwa im Gedicht Zu Sophiens Geburtstag:

Wenn dann noch ein Süßer Trauter

Unsre Lolly fest umschlang –

O – ! Dann tönt noch zehnfach lauter

Unsres Jubels Hochgesang

Der Diskurseinsatz ist in der vorletzten Strophe dieses Gedichtes nicht, wie wohl erwartet, der vom Prädikat fest umschlang bezeichnete Aktion des Subjektes und auch nicht dem Objekt – Lolly -, als der Träger des Vorgangs, die sich den rhematischen Status (nachweisbar bei der Interogationsprobe) streitig machen, sondern dem Täter selbst mit seiner definitorischen Eigenschaft beizumessen.

Diese sprachliche Manipulationsart wird im zitierten Gedicht – ein Liebeshymne an Sophie, die Geliebte Hardenbergs – zwei mal gerechtfertigt:

a.       Erstens macht sich das Syntagma ein Süßer Trauter hier durch das Beiwort Süß als Erstes bemerkbar; der großgeschriebene Buchstabe fungiert als Steigerung der Bedeutung des Adjektivs. Es sei auch betont werden, der erste Satz – ein Konditionalsatz – der analysierten Strophe (genauer: des Achtzeilers) begann mit dem Verweis auf die Mutter (vgl: Wenn nur unsre Mutter wieder/Frisch und ledig bei uns steht), die häufig (in der religiösen Lyrik) die Qualifizierung „süß“ aufweist. Von diesem Epitheton her lässt sich anscheinend auch ein Trauter (steht für Christus oder als Metapher für die religiöse Atmosphäre) auf „natürlichen“ Weg semantisch kontaminieren. Diese semiotische Erscheinung, die aus der Tiefenstruktur des Inhaltes, also aus dem Bereich der impliziten Bedeutungssphäre ableitbar ist, wird dadurch unterstützt, dass der zweite Vierzeiler auf der syntaktischen Ebene der Obenflächenstruktur, genauso wie der erste ein wenn-Satz ist. Es wird sich weiter zeigen lassen, wie süß nicht nur lokal, sondern auf einen weiteren Kontext seine stilistischen Kräfte ausstrahlt.

b.      Zweitens taucht dieselbe Konstruktion fest umschlang auch früher in diesem Gedicht, am Anfang der zweiten Strophe identisch und doch kontrapunktisch auf, dadurch, dass umschlingt diesmal die Präsensform ist. So gesteht der Sprecher seine unermessliche Liebe für die Adressatin dieser (Gelegenheits-)Poesie und damit seine Gewissheit, dass die schon im Himmel vorher bestimmte Vereinigung mit seiner Sophie ewig bestehen muss:

Fest umschlingt den Bund der Herzen

Nun der Ring der Ewigkeit

Und es bricht der Stab der Schmerzen

Am Altar der Einigkeit

O! – im Himmel ist geschlossen

Unser Herzen süßer Bund.

Ist ein heißer Spruch entflossen

Je des Schicksals weisem Mund?

Die aus den unter den oben und weiter unten angeführten linguistischen Anmerkungen zusammengesetzten Punkten erschließenden Gemeinsamkeiten lassen anhand syntaktisch und semantisch feststellbarer Parallellismen ein Interferenzspiel entstehen, zumal dass diese einerseits im Rahmen der vorletzten Strophe und andererseits zwischen dieser und der zweiten Strophe formale Symmetrien auf der Ebene der Komposition erkennbar sind. Außerdem tritt Süßer Trauter aufgrund „Rappel“-Funktion in Resonanz mit zwei semantisch ähnlichen Syntagmen aus der zweiten Strophe ein, die wiederum zueinander symmetrisch arrangiert sind, und zwar am Anfang des ersten und des zweiten Vierzeilers:

Fest umschlingt den Bund der Herzen

Nun der Ring der Ewigkeit

O! – im Himmel ist geschlossen

Unser Herzen süßer Bund

wo ist geschlossen als partiell synonym, als eine Art Repetition-Variation von fest umschlang gilt; so wird der Bedeutungsfeld dieses heißen Spruchs mit der illokutiven Kraft einer Beschwörung (die eines Sprechaktes im Sinne Searle) bereichert und intensiviert.

Mit dem isomorphen Strophenaufbau wird der Anlass geschaffen, im Gedächtnis des Lesers eine Relation der Identität zwischen Subjekt und Objekt, zwischen den im Text nahe und fern liegenden Angaben herzustellen. Dieser Sachverhalt ermöglicht die Erkennung einer Reihe von Analogien zum einen, zwischen in diesem Gedicht bestehenden, also textimmanenten Syntagmen wie süßer Bund, süßer Trauter und was Novalis in anderen seinen Dichtungen durch das süße Paar oder das selige Paar bezeichnet und synthetisiert, zum anderen auf der Ebene der Texttranszendenz, die sich ins Biographische mündet, zwischen z. B. dem seligen Paar (dem fingierten Paar Heinrich-Mathilde in „Ofterdingen“ beschreibend) und dem realen Paar Friedrich-Sophie. In diesem Falle fokussiert ist nicht nur das grammatische Subjekt, das sich mit dem Topic dieses Diskurssegmentes deckt, und damit die oben erwähnte sinnliche (und gemäß Kants Auffassung über den Geschmack, auch ästhetische) Qualität, sondern alles, was von dem Prestige und von der Autorität der Bibel Ableitbare, die auf diese art und Weise einen Mehrwert an Erkenntnis und Affekt gewinnen. Süß ist neben selig, zart und der Farbsymbolik eines der am häufigsten verwendeten Adjektive im Werk Novalis´.

Aufgrund eingehender Untersuchung hatte unser Beitrag vor, zu zeigen, inwieweit der deutsche Verfasser in seinem Umgang mit der deutschen Sprache und Schriftweise, die trefflichsten, schon an der Textoberfläche erkennbaren Mittel (er)findet, um seine Rede viel sagend, gemütvoller, überzeugender zu machen, um sich uns als ein „Sprachbegeisterter“[18] entdecken zu lassen.

Die auf graphischer Ebene nur skizzenhaft durchgeführte Untersuchungen des novalisschen Textes geben Aufschluss über die Fähigkeit der Emphase dank ihrer lokal zwingenden Rolle neue semantische Beziehungen entstehen zu lassen.

 Die graphischen Akzente sind relativ häufig, doch mit Maß und immer an der passenden Stelle bei Novalis verwendet. Durch solche Hervorhebungsmittel wird jedes Mal nur das unterstrichen, was für den Sprecher sowie für den Angesprochenen das Schwerwiegendste in der Informationsökonomie des Satzes gelten muss. Sie liegen in allen Textsorten (unabhängig von der literarischen Gattung) Hardenbergs vor, bei denen sein Werk in seiner Gesamtheit zugegriffen hat, so dass es als sein Stilzug angesehen werden kann. Die Betonung z. B. von ein, eine und deren spezifisches Bedeutungsanteil lässt sich verhältnismäßig leicht dadurch erläutern, dass Hardenberg als Vertreter der Frühromantik von der Rückgewinnung der “verlorenen Einheit” träumte.

 

Literatur:

 

1.        Bussmann, Hadumod (1990): Lexikon der Sprachwissenschaft, zweite Auflage, Alfred Körner Verlag, Stuttgart

2.       Dragomirescu, Gh. (1995): Dicþionarul figurilor de stil. Terminologia fundamentalã a analizei textului poetic, Editura ºtiinþificã, Bucureºti

3.       Frege, G. (1969): Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf logische Studien, Göttingen

4.       Gheorghiu, Mãrioara (1994): L’Emphase, Chemarea, Iaºi

5.        Gülich E. / Raible, Wolfgang (1977): Linguistische Textmodelle, Wilhelm Fink Verlag, München

6.       Koch, E. (1987): Zum Einfluß suprasegmentaler Ausprägungsgrade auf den Prozeß der Rezeption von Texten, Diss. A Jena

7.        Lüger, Heinz-Helmut (1993): Routinen und Rituale in der Alltagskommunikation, Langenscheidt, Tübingen

8.       Ricoeur, Paul (1996): “Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik”, In: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart, Stuttgart

9.       Mazaleyrat, Jean / Molinié, Georges (1989): Vocabulaire de la stylistique, PUF, Paris

10.     Milner, Jean-Claude (1978), De la syntaxe à l’interprétation, Seuil, Paris

11.      Molinié, Georges (1992): Dictionnaire de rhétorique, Librairie Générale Française, Paris

12.     Müller, Günther (1971): „Über die Seinsweise der Dichtung“, In: Methoden der deutschen

13.     Literaturwissenschaft hrsg. von Viktor ®megaè, Athenäum Verlag, Frankfurt am Main

14.     Novalis (1923): Werke, hrsg. J. Minor, Jena         .

15.     Pavel, Thomas (1988): Univers de la fiction, Paris

16.     Pott, Sandra, (2004), Poetiken. Poetologische Lyrik. Poetik und Ästhetik von Novalis bis Rilke, Walter de Gruyter, Berlin New York

17.     Uerlings, Herbert (1991): Friedrich von Hardenberg genannt Novalis, Stuttgart

18.     Uerlings, Herbert (2004) “Novalis. Poesie und Poetik” in Schriften der Internat onalen Novalis-Gesellschaft, Bd. 4, Tübingen

19.     Schanze (1976): Romantik und Aufklärung, 2. Auflage

20.    Walton, K. (1990): Mimesis as Make-believe, Cambridge


 

[1] Novalis, “Fragmente vermischten Inhalts”, II247/248, in: Werke, hrsg. von J. Minor 1923, Jena.

[2] E. Koch (1987): Zum Einfluß suprasegmentaler Ausprägungsgrade auf den Prozeß der Rezeption von Texten, Diss. A Jena, S. 34.

[3] Jean Mazaleyrat, Georges Molinié (1989): Vocabulaire de la stylistique, PUF, Paris.

[4] G. Molinié (1992): Dictionnaire de rhétorique, Librairie Générale Française, Paris, s.v.

[5] M. Fabius Quintilian (1974): Arta oratoricã, Editura Minerva, Bucureºti, (3. Band, S. 20), zitiert nach Gh. N. Dragomirescu (1995): Dicþionarul figurilor de stil. Terminologia fundamentalã a analizei textului poetic, Editura ºtiinþificã, Bucureºti.

[6] Vgl. Mãrioara Gheorghium (1994): L’Emphase, Chemarea, Iaºi, S. 37.

[7] Vgl. Elisabeth Gülich/ Wolfgang Raible (1977): Linguistische Textmodelle, Wilhelm Fink Verlag, München, S. 69-74.

[8] Gh. N. Dragomirescu (1995), s.v.

[9] K. Walton (1990): Mimesis as Make-believe, Cambridge.

[10] Lubomir Dole¾el (1988): “Mimesis and possible worlds”, in Poetics Today, 9, 3, p. 475-496.

[11] Vgl. Thomas Pavel (1988):Univers de la fiction, Paris.

 

[12] Schanze (1976): Romantik und Aufklärung, 2. Auflage, S. 151-160.

[13] Nach Uerlings (1991) nimmt diese Hymne in Hardenbergs Lyrik eine zentrale Stellung an, deren Darstellung der romantischen Triade, dem Dreischritt von paradisieschem Ursprung, Zerfall und Erneuerung folgt”, Friedrich von Hardenberg genannt Novalis, Stuttgart, S. 311.

[14] “Es lassen sich”, sagt Novalis in einem besonders merkwürdigen Fragment (1799-1800), “Erzählungen ohne Zusammenhang, jedoch mit Association, wie Träume, denken; Gedichte, die bloß wohlklingend und voll schöner Worte sind, aber auch ohne allen Sinn und Zusammenhang, höchstens einzelne Strophen verständlich, wie Bruchstücke aus den verschiedenartigsten Dingen. Diese wahre Poesie kann höchstens einen allegorischen Sinn im Großen und eine indirecte Wirkung wie Musik haben. Darum ist die Natur so rein poetisch wie die Stube eines Zauberers, eines Physikers, eine Kinderstube, eine Polter- und Vorratskammer” (III, 372/113).

[15] Der Begriff “Gradpartikel”, der auch unter den englischen Bezeichnungen “focusing adjunct” oder “scalar particle” bekannt ist, wurde zum ersten Mal von H. Altmann (1976) für die Bezeichnung einer nach der semnatischen Funktion definierten Klasse eingeführt. Vgl. H. Altmann (1976): Die Gradpartikeln im Deutschen. Untersuchungen zu ihrer Syntak, Semantik und Pragmatik, Tübingen.

[16] Siehe Bußmann (1990), S. 166.

[17] Milner (1978) : De la syntaxe à l’interprétation, Seuil, Paris.

 

[18] Das ist die metaphorische Bezeichnung für (jeden) „Schriftsteller“, die Novalis in seinem Monolog verwendet.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

+ Asociatia Studentilor din Facultatea de Limbi Straine | Contact

 

 

Home | BAC/Teze | Biblioteca | Referate | Games | Horoscop | Muzica | Versuri | Limbi straine | DEX

Modele CV | Wallpaper | Download gratuit | JOB & CARIERA | Harti | Bancuri si perle | Jocuri Barbie

Iluzii optice | Romana | Geografie | Chimie | Biologie | Engleza | Psihologie | Economie | Istorie | Chat

 

Joburi Studenti JOB-Studenti.ro

Oportunitati si locuri de munca pentru studenti si tineri profesionisti - afla cele mai noi oferte de job!

Online StudentOnlineStudent.ro

Viata in campus: stiri, burse, cazari, cluburi, baluri ale bobocilor - afla totul despre viata in studentie!

Cariere si modele CVStudentCV.ro

Dezvoltare personala pentru tineri - investeste in tine si invata ponturi pentru succesul tau in cariera!

 

 > Contribuie la proiect - Trimite un articol scris de tine

Gazduit de eXtrem computers | Project Manager: Bogdan Gavrila (C)  

 

Toate Drepturile Rezervate - ScoalaOnline Romania