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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

Mitteilungen der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens



 
I. In Bukarest fand die IV. Landeskonferenz der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens statt
 

   Wie schon lange vorher angekündigt, fand am 24. September 2005 die IV. Landeskonferenz der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens statt. Die Landeskonferenz ist das höchste Organ der GGR, das für die wichtigsten Organisatorischen Fragen der des germanistischen Fachverbandes in Rumäniens zuständig ist. Es nimmt den Rechenschaftsbericht des amtierenden Landeskomitees und des Präsidenten der GGR entgegen, berät über die bisherige sowie über die weitere Tätigkeit der GGR im Hinblick auf die Bündelung der einheimischen auslandsgermanistischen Potenzen des Landes für die Inangriffnahme und Durchführung von landesweit bedeutenden germanistischen Aktivitäten sowie für die internationale Zusammenarbeit der GGR im Kontext Europas und der Welt und nimmt schließlich die Wahl in die neuen leitenden Ämter der GGR für die nächsten  vier Jahre vor.

   Nach Bukarest kamen Vertreter von 10 GGR-Zweigstellen des Landes. Die Zweigstelle Alba Iulia – Karlsburg entsandte keine Vertreter und bestätigte somit die bereits vorher sich abzeichnende Perspektive der Auflösung dieser Zweigstelle aufgrund der fehlenden Kräfte und Aktivitäten in den letzten Jahren. Die Zahl der zur Landeskonferenz entsandten bzw. für die Konferenz schriftlich bevollmächtigten Vertreter belief sich auf 26 und bewirkte die Beschlußfähigkeit der Landeskonferenz.

   Der Präsident der GGR, Prof. Dr. George Gu]u bot eine beeindruckende Darstellung der von der GGR seit der letzten Landeskonferenz im Jahre 2000 durchgeführten vielseitigen Aktivitäten, die sich im „Archiv“ der GGR, in der neu gestalteten und stets aktualisierten Homepage der GGR www.ggr.ro einprägsam widerspiegele.

   Er unterstrich die Bemühungen aller GGR-Zweigstellen und der Germanistiklehrstühle des Landes um die Festigung der Fachsolidarität aller GermanistInnen in Rumänien, um die Durchführung echter Höhepunkte auslandesgermanistischer Veranstaltungen, die im Endeffekt zur ständigen Zunahme des Ansehens der GGR innerhalb der Auslands- und Inlandsgermanistiken: Es waren dies die bedeutenden Kongresse der Germanisten Rumäniens in Jassy (2000) und in Hermannstadt (2003), deren Vorträge in mehrere Bände der izwischen auf 18 Bände angewachsenen „Zeitschrift der Germanisten Rumäniens“ sowie in das neu geschaffene, von der GGR in Zusammenarbeit mit dem DAAD herausgegebene Fachorgan „transcarpathica germanistisches jahrbuch rumänien“ Aufnahme gefunden haben. Dadurch wurde auch die publizistische Landschaft in Rumänien weiterhin diversifiziert, bereichert.

   Besonders hervorgehoben wurden die von der GGR initiierten und in Zusammenarbeit mit dem Bukarester Germanistiklehrstuhl, mit dem DAAD oder mit anderen Fachverbänden in Europa durchgeführten Fachtagungen über die sich aus dem Bologna-Prozeß ergebenden vielfältigen Herausforderungen, über die kontinuierlichen Bemühungen um die Einführung der Bologna-Vorgaben im Rahmen des sich gegenwärtig konstituierenden Europäischen Hochschulrahmens. Zugleich wurde einige der wichtigsten künftigen Aktivitäten der GGR ins Auge gefaßt.

   Der Tätigkeitsbericht wurde von den Delegierten der IV. Landeskonferenz der GGR einstimmig angenommen.

   Diesen Ausführungen schloß sich ein ausführlicher und mit Belegen untermauerter Bericht über die Finanzlage der GGR, über in dem Zeitraum seit 2000 getätigten Einnahmen und Ausgaben, über die gegenwärtige gute Finanzlage der GGR. Vorgeschlagen wurde die Teilfinanzierung wichtiger Veranstaltungen in Bukarest (100. Jubiläum des Germanistiklehrstuhls; 2005) sowie in Temeswar (50. Jubiläum des Germanistiklehrstuhls sowie VII. Kongreß der Germanisten Rumäniens; 2006), nachdem bereits wissenschaftliche Tagungen in Klausenburg und Temeswar von der GGR finanziell mit getragen wurden. Die von der Vizepräsidentin der GGR, Prof. Dr. Doina Sandu, und vom Schatzmeister der GGR, Doz. Dr. Ioan L`z`rescu, eingesehenen und mit unterzeichneten Belege standen den Delegierten zur Einsicht zur Verfügung. Nach den Wortmeldungen der Delegierten (Temeswar, Kronstadt, Constan]a, Pite[ti, Bukarest) wurde über den Finanzbericht abgestimmt: Einstimmig wurde der Bericht angenommen. Das bisherige Landeskomitee und der Präsident der GGR wurden hiermit entlastet.

   Der nächste Tagesordungspunkt sah die Wahl des neuen Landeskomitees der GGR vor. Nachdem die statutmäßigen Vorgaben im Zusammenhang mit der Wahl vorgelesen und erläutert wurden, wurden Vorschläge für das Amt des Präsidenten der GGR sowie für die Ämter der Vizepräsidenten und des Sekretärs der GGR unterbreitet. Im Namen mehrerer GGR-Zweistellen wurde Prof. Dr. George Gu]u erneut vorgeschlagen, in das Amt des Präsidenten der GGR gewählt zu werden.

   Die Wahl der leitenden Kräfte der GGR und des gesamten Landeskomitees ergab folgendes Ergebnis: Prof. Guþu wurde einstimmig in das Amt des Präsidenten wieder gewählt. Als Vizepräsidentinnen wurden Prof. Dr. Elena Viorel (Klausenburg) und Prof. Dr. Doina Sandu (Bukarest) und als Sekretärin der GGR wurde Prof. Dr. Speranþa Stãnescu gewählt. Doz. Dr. Ioan L`z`rescu wurde erneut ins Amt des Schatzmeisters der GGR gewählt. Dem Landeskomitee gehören außerdem die Leiter der GGR-Zweigstellen an, die ebenfalls gewählt wurde. Die Wahl erfolgte in geheimer schriftlicher Abstimmung. Für die Wahl bestimmten die Delegierten eine Arbeitsgruppe, die die ordnungsgemäße Zählung der Stimmen durchführte und das Wahlergebnis bekannt gab:

1.       Univ.-Prof. Dr. George Guþu, Bukarest/Bucureºti - Präsident

2.       Univ.-Prof. Dr. Elena Viorel, Klausenburg/Cluj-Napoca - Vizepräsidentin

3.       Univ.-Prof. Dr. Doina Sandu, Bukarest/Bucureºti - Vizepräsidentin

4.       Univ.-Prof. Dr. Speranþa Stãnescu, Bukarest/Bucureºti - Sekretärin

5.       Univ.-Doz. Dr. Cornelia Cujbã, Jassy/Iaºi - Mitglied

6.       Univ.-Doz. Dr. Ioana Crãciun-Fischer, Bukarest/Bucureºti - Mitglied

7.       Univ.-Doz. Dr. Angelika Ionaº, Temeswar/Timiºoara - Mitglied

8.       Univ.-Lekt. Carmen Elisabeth Puchianu, Kronstadt/Braºov - Mitglied

9.       Univ.-Assist. Oana Nora Cãpãþânã, Hermannstadt/Sibiu - Mitglied

10.     Univ.-Assist. Maria Muscan, Constanþa - Mitglied

11.     Deutschlehrerin I. Grades Ana Stan, Piteºti - Mitglied

12.     Deutschlehrer I. Grades Gheorghe Cerãceanu, Craiova - Mitglied

13.     Univ.-Lekt. Dd. Orlando Gelu Balaº, Großwardein/Oradea - Mitglied

14.     Univ.-Doz. Dr. Ioan Lãzãrescu, Bukarest/Bucureºti, Schatzmeister

   Dadurch, daß Prof. Viorel zugleich Leiterin der Klausenburger GGR-Zweigstelle ist, erschient sie hier nur als Vizepräsidentin der GGR, die zugleich auch als Leiterin stimmberechtigt ist.

   Wir wünschen dem Landeskomitee Schaffenskraft und Ideenreichtum bei der Gestaltung der zukünftigen Aktivitäten der Gesellschaft der Germanisten Rumäniens als einer der bedeutenden Auslandsgermanistiken unserer Zeit.

*

*     *

II. Ehrendoktorwürde der Universität Bukarest an den Schriftsteller Dieter Schlesak verliehen

   Den festlichen Abschluss der Jubiläumsveranstaltungen aus Anlass des 100. Gründungstages des Bukarester Germanistiklehrstuhls (5.-7. November 2005) bildete – wie schon anfangs berichtet - die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bukarest an den Schriftsteller, Essayisten und Publizisten Dieter Schlesak im Senatssaal der Universität Bukarest. Die Laudatio hielt Prof. Dr. George Gu]u, der Leben und Werk des Geehrten vorstellte und dabei Fragen zu Begriffen wie Heimat, Grenze, Auswanderung und Ortlosigkeit aufwarf. Dieter Schlesak bedankte sich mit einem Vortrag, der den von ihm geprägten Begriff der „Zwischenschaft“ in den Mittelpunkt stellte und den er definierte als „dieses Nicht-Dazugehören, dieses zwischen alle Stühle Gefallen-Sein“. Der Rektor der Universität Bukarest Prof. Dr. Ioan Pânzaru sowie der vormalige Rektor und jetzige Präsident des Verwaltungsrates der Universität Bukarest Prof. Dr. Ioan Mih`ilescu antworteten darauf mit kurzen Ansprachen, die auf das Problem der Grenze in einer zusehends sich globalisierenden Welt eingingen: indem beide darin inhaltlich und über das Höfliche und Konventionelle hinaus auf die in der Rede von Dieter Schlesak geäußerten Bemerkungen eingingen, machten sie deutlich, wie sehr das Werk des Bukarester Ehrendoktors aktuelle Fragen unserer zeitgenössischen Gegenwart berührt. Neben Hans Bergel ist Dieter Schlesak ein weiterer Siebenbürger Sachse, der von der Bukarester Alma Mater mit der Ehrendoktorwürde geehrt wurde.

   Nachstehend geben wir den Wortlaut der Laudatio sowie jenen der Ansprache des hohen Gastes wieder:

 

Auf der Suche nach der Heimkehr

Laudatio auf Dieter Schlesak zur Verleihung der Ehrendoktorwürde

der Universität Bukarest (7. November 2005)

 George Guþu

   Meine Damen und Herren,

   eines der Phänomene, die die gegenwärtige Welt seit einiger Zeit prägt, ist jenes des Exils und der Migration. Dies bedeutet, eine vertraute Umgebung notgedrungen zu verlassen und zugleich den Versuch zu unternehmen, sich in einer fremden, oft feindlich gesinnten Umgebung einzurichten. Das 20. Jahrhundert steht von Anbeginn, in höherem Maße seit den 30-er Jahren, in der langen Zeit der Machtergreifung und der Herrschaft zweier Diktaturarten, Faschismus und Kommunismus, im Zeichen des unfreiwilligen Verlassens der eigenen Heimat in dem Versuch, das eigene Recht auf ein freies, würdevolles Leben zu retten. Unser Gast, der Schriftsteller, Essayist und Publizist Dieter Schlesak war im Zuge seines Schicksals einer von den vielen, die die Emigrationswelle mitgerissen hat, zugleich jedoch einer der nicht allzu vielen, die das Drama der Auswanderung bewußt erlebt, darüber Auskunft gegeben und über jene Momente der Qual, des inneren Bruchs, des Sich-wieder-Aufrichtens nachgedacht hat. Dabei legte er darüber in dauerhaften literarischen Werken, in tiefsinnigen Essays, in pragmatischen Stellungnahmen Zeugnis ab. Schlesak war ein Ausgewanderter, der über sein Schicksal sinniert, sich seines Grenzgängertums, seines Freiheitsdrangs, seiner Ent-Wurzelung, Entfremdung, seines Bruchs und seiner enttäuschenden Bodenlosigkeit bewußt ist. Er sieht sich im unendlichen, eiskalten Weltraum schweben wie ein Kosmonaut, der notgedrungen sein Raumschiff verlassen mußte und nun durch den eisigen Abgrund des unendlichen Alls herum irrt, den allein die Erinnerungen an die früheren Erlebnisse am Leben halten und der sich nun in den endlosen Raum des Geistes flüchtet, in die Polysemantik der Sprache, in die ätherische Sprache der Kunst. 

   Am 7. August 1934 in Schäßburg geboren, war unser früherer Landsmann deutscher Herkunft Dieter Schlesak eine Zeit lang Lehrer. Dann kam er nach Bukarest, um fünf Jahre hier Germanistik an der Universität zu studieren, die ihm nun die Ehre erweist, ihm eine hohe Auszeichnung zu verleihen. 1959 wird er Redakteur der Bukarester deutschsprachigen Literaturzeitschrift „Neue Literatur”, geriet ins Visier der Geheimpolizei unter dem Verdacht, Texte eines verbotenen Autors, Mircea Palaghiu, versteckt zu haben. Und spürte am eigenen Leibe, was Paul Goma in einem an ihn gerichteten Schreiben eine häßlichere „Freiheit” nannte als das Leben in einem Gefängnis. Er ist beeindruckt von der rebellischen Geste Ceauºescus vom 21. August 1968 und entdeckt auf dem Hintergrund einer biographischen „Schuld“, unter seinen Verwandten Mitglieder der SS gehabt zu haben, seine linken Überzeugungen. Daher das Taktieren mit dem Marxismus, der damals im Westen grassierte. 1968 bedeutet für ihn auch das Jahr, in dem sein erster Gedichtband „Grenzstreifen” erschienen ist, das Jahr seiner ersten Reise in den Westen zusammen mit Ion Caraion und Veronica Porumbacu – diese Reise wurde zu seiner ersten traumatischen Auseinandersetzung mit dem Westen Europas, den er vorher auf dem Hintergrund der Unterdrückung daheim mit idyllisierenden Zügen versehen hatte. Zeugnis über diese innere Zerrissenheit legt er ab in seinen Reiseeindrücken „Visa Ost West Lektionen” oder in seinem Kardinalwerk, dem Roman „Vaterlandstage”, der 1995 auch ins Rumänische übersetzt wurde: „Wir kamen von einem anderen Planeten, gingen wie auf dem Mond spazieren”, gesteht der Verfasser. „Der Mond” war Luxemburg als Fenster zu einer anderen Welt, zu anderen Planeten. Der nächstliegende Planet, Deutschland, ließ ihn erschauern, er war froh, sich mit der Realität dieses Landes nicht konfrontieren zu müssen, weil Deutschland für ihn, den ethnischen Minderheitler, die „Mitte” einer Kultur-, Zivilisations- und Sprachwelt bedeutete, die er aus der Ferne, von der „Peripherie”, vom Inseldasein einer seit Jahrhunderten fern von Deutschland, im Herzen Rumäniens, in Siebenbürgen lebenden Minderheit aus pietätvoll bewundert hatte... Deshalb reist er nach Paris, wo er Celans Bukarester Freundin Nina Cassian trifft – Celan jedoch nicht, da dieser in einer Nervenklinik eingeliefert worden war. Das Unvermeidliche tritt ein: Der „Schock” des Kontakts mit der damaligen Bundesrepublik, mit den dreimal – durch die Nazis, durch die Bomben des Krieges und schließlich „durch die gräßliche Architektur des ‚Wirtschaftswunders’“ – zerstörten Städten, wie sich der Nobelpreisträger Heinrich Böll geäußert hatte,  sitzt tief: „Auch die Natur künstlich ... Hetze, menschliche Kälte” – das alles sind Eindrücke, die Schlesak in seinem Roman „Vaterlandstage” oder in „Wenn die Dinge aus den Rahmen fallen” (in rumänischer Übersetzung: „Revolta morþilor”) akribisch beschreibt. „Das „ceausistische Zuhause” nimmt sich sofort seiner an  – „innere Zensur, Redaktion, Spitzelatmosphäre, Elend, nicht mehr aushalten”. Schlesak verspürt immer mehr eine innere Leere, schwebt bereits im intergalaktischen Raum des Vaterlandslosen umher, der beide Heimaten, das Herd, das Zuhause, den Schutz, all das, von dem die Existenz eines jeden Menschen abhängt, verloren hat. Er entscheidet sich für das kleinere Übel – für den Westen. Aus seiner Reise nach Frankfurt zusammen mit Nichita Stãnescu und Virgil Theodorescu kehrt er nicht mehr zurück.

   Illusion:  Das Sich-Wieder-Einrichten in der neuen Heimat kommt nicht zustande. „In Deutschland dachte ich, meine Sinne zu verlieren, sogar das Essen schien mir künstlich” – so  Schlesak in einem Interview. Oder in der Sprache der Dichtung: „Von Westen her täuschend / Ein Licht, gekonnte / Sonnenuntergänge/ Rot / Freizeit Ferienfreude Und / Zweihundertfünfzig Sorten Brot (...) // Schön dieses Mutter / Land // Woher wir kamen / Vor fast tausend Jahren / Dort kommen wieder an. / Mit Grabsteinen im Gepäck.” Innere Zerrissenheit: das Gefühl des „Verrats” an seiner bisherigen Heimat verbindet sich immer deutlicher mit dem Gefühl der historischen „Schuld”. Der Sprachmeister sieht sich genötigt, seine Erinnerungen und Kindheitserinnerungen zu korrigieren, die Selbstgewißheit wird schwächer angesichts handfester Tatsachen: „Fast alle meine männlichen Verwandten waren in der SS gewesen und hatten zu den Wachmannschaften deutscher KZs gehört” – so auch Victor Capesius, ein Verwandter mütterlicherseits. Ein Mega-Thema. Das Ergebnis: 6.000 beschriebene Seiten, aus dem sich der Roman „Vaterlandstage oder die Kunst des Verschwindens” herauskristallisierte – zehn Jahre Arbeit im Schreibprozeß, am Sprachmaterial der Muttersprache, des Deutschen. Ein bekenntnishafter Opus, eine komplexe und komplizierte Textur von Erlebnissen und Reflexionen über das Schreiben, ein unkommerzieller, schwer verdaulicher Roman in einer Welt des Konsumrausches, ein publikumsunwirksamer Roman, keine Spur von Bestseller – die Verlage meiden solche Werke, fallen jedoch leicht in die Falle rezeptgerecht angefertigter Machen nach dem Geschmack naiver, unwissender Leser, die um den Sachverhalt keinerlei Ahnung besitzen um das darin enthaltene, manchmal gravierend verfälschte Zeugnis. Dieter Schelesak ist derart aufrichtig mit sich selbst, daß er oft das Sprach-Messer in der eigenen Wunde dreht, sein poetischer Ausdruck erkundet die historische Wahrheit und die seiner Biographie. Und ist imstande, sich selbst als „Deutschen der dritten Art” zu bezeichnen: Er ist also kein deutscher Deutscher, von der „Mitte”, kein Rumäniendeutscher von der „Peripherie” – er geht sogar weiter und nennt sich gerne, wie Sie gerade auch heute hören werden, einen heimatlosen Deutschen, einen „Zwischenschaftler” – das ist ein Begriff, der schwerlich ins Rumänische übersetzt werden kann und den wir, in gemeinsamer Entscheidung, riskanterweise mit „om aflat în intermediaritate” wiedergeben wollen. Wir halten allerdings fest: Dieter Schlesak nimmt für sich den Zustand eines Ausgewanderten, Exilierten in Anspruch – wir wundern uns (vielleicht entzieht sich das bloß unserer Kenntnis), daß niemand ihn mit Ovid verglichen hat, dem nach Tomis Verbannten. Vieles spricht gegen eine solche Annäherung – und dennoch: Agliano, die Ortschaft, in der Dieter Schlesak seit mehr als 25 Jahren lebt, klingt zauberhaft, der Deutschsprechende mag fasziniert sein, doch wir, die lateinischen Rumänen, aber auch Dieter Schlesak selbst, ein guter Kenner unserer Sprache, spüren den Hauch von „Entfremdung” (lat. „alieno” – der Fremde, Fremde). Dieter Schlesak ist allein in einem echten Paradies... Ovid war ein Fremder im thrakischen Inferno am Pontus Euxinus. Ein vaterlandsloser Fremder, verirrt in einer Sackgasse, Tristan Tzara ähnlich, dem heimatlosen Dichter, den Dieter Schlesak wie folgt darstellte: „Anstatt Selbstmord / beging er / die Fremde / sprachauf / sprachab - // Und fand / keinen Ausgang.”

   Ein anderer großer Ausgewanderte, der Rumäne Emil Cioran, bestätigte in einem Brief aus Paris nach der Lektüre von „Visa Ost West Lektionen” Schlesaks „unbarmherzige Anklage gegen den Osten und Westen” als „eine verzweifelte Konfession von jemandem, der nicht wählen kann”; Schlesaks Werk hätte den Untertitel „’Geschichte einer Enttäuschung’” tragen können. Wir könnten auch vorschlagen: Der Scharfblick eines kühlen Verstandes.

   Als Angehöriger der Sechziger Generation, als Generationskollege von Nichita Stãnescu definierte sich Dieter Schlesak als „antiwilhelmeisterlich”, setzte seine Grenzgänge fort in Bereichen der Politik und Literatur, im Bereich der „Transkommunikation” und der Parapsychologie – diese Problematik legte er dar in einem beachteten Band, der 1975 im Rowohlt-Verlag erschienen ist. Darin ging es um das, was er „die wichtigste, die innere (bewachte) Grenze, die innere Zensur” nannte, aber auch um das „Verschwiegene”, das Parapsychologische. Nach Schelask ist die Errichtung einer neuen Welt notwendig, die „der neuen Zeit” entsprechen soll. „Nach Öffnung der äußeren Grenzen geht es nun um die inneren Grenzen und Verhärtungen”, um das Verhältnis zwischen Mensch und Tod als einem der „Erbsünden”, als dem größten „Betrug”, dem „Sold sozusagen unserer ’Blindheit’ und von allen Herrschaften der Welt usurpiert, ihre Grundlage: Zeit, Empirie, geronnen in Macht und Geld.”

   In all diesen Abenteuern innerhalb der Gegenwart hat Dieter Schlesak zweierlei Halt: die deutsche Sprache (mit all ihrem geistigen Gehalt) und die rumänische Kultur: „ohne die rumänische Kultur kann ich mein geistiges Dasein nicht vorstellen“ – wie er sich einmal ausdrückte. Er bewegte sich ertragreich zwischen beide Polen, war eigentlich stets zu Hause in beiden Kulturen. Schlesak verwandelt beide in Brückenköpfe dessen, was ich fachliterarisch „Interreferentialität” nenne, einen zweispurigen Kommunikationskanal. Die rumänische Kultur verdankt Schlesak die umfangreichste Anthologie rumänischer Lyrik im deutschsprachigen Raum, ein Riesengeschenk an die rumänische Literatur!

   Der Mensch und Dichter Dieter Schlesak – der mehrere Heimaten und zugleich keine besitzt – begab sich schon lange auf geistige Suche nach einer „tieferen Heimat”, der „’geistigen’ Diaspora”. Um eine Hölderlin-Metapher zu verwenden, begab er sich auf die Suche nach den „Vaterlandstagen”. Unter Heranziehung des Titels der erwähnten rumänischen Lyrik-Anthologie begab er sich auf „Gefährliche Serpentinen”. Er sucht nach dem, was Ernst Bloch in seiner berühmten Studie „Das Prinzip Hoffnung” als etwas bezeichnete, „das allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat”.

   Dieter Schlesak hat nun durchaus die Chance, eine Heimat wieder zu finden und meridianhaft zum Ausgangspunkt zu gelangen. Was „Meridian“ bedeutet, erklärte uns einmal Paul Celan, ein weiterer aus Rumänien stammender großer Ausgewanderter, in seiner berühmten Rede bei der Entgegennahme des Georg-Büchner-Preises, und zwar anhand seines eigenen, alles andere als glücklichen Weges. In einem Brief von 1962 an seinen Bukarester Förderer, den Schriftsteller Alfred Margul-Sperber, schrieb er: „In einem gewissen Sinne ist mein Weg noch einmal der Ihre, wie der Ihre beginnt er am Fuße unserer heimatlichen Berge und Buchen, er hat mich, den – um es mit einem Scherzwort zu sagen – karpathisch Fixierten – weit ins Transkarpathische hinausgeführt”[1]. Celan selbst kehrte oft in Gedanken und in seiner Lyrik an den karpatischen Raum zurück wie zu einer „tieferen geistigen Heimat” – so wie auch Dieter Schlesak immer wieder zum rumänischen geistigen Raum zurück kehrte und ihn in seinem literarischen, essayistischen und publizistischen Werk in den verschiedensten Hypostasen evozierte, zu einem Raum, der seine Erinnerungen, seine Vergangenheit und die Gegenwart prägte.

   Dieter Schlesak weilt wieder unter uns, an der Seite eines anderen doctor honoris causa der Universität Bukarest, des Schriftstellers, Essayisten und Publizisten Hans Bergel, zusammen mit weiteren seiner Landsleuten und unseren ehemaligen Landsleuten, die im Dienst der deutschen Sprache stehen wie die bekannten Schriftsteller Oskar Pastior, ehemaliger Student der Bukarester Universität, Herta Müller und Richard Wagner, Werner Söllner, Klaus Hensel und Ernest Wichner, Übersetzer wie Gerhardt Csejka und Georg Aescht – um nur einige anzuführen. Ohne schriftliche Zeugnisse seitens rumänischer Regierungen weisen sich all diese Persönlichkeiten durch ihre Werke als echte Botschafter der rumänischen Kultur und Literatur aus.

   Ebenso wie Dieter Schlesak, unser Laureatus von heute, dem wir uns erlauben – in höchster Aufrichtigkeit und in Dankbarkeit zu sagen: Willkommen aus der „Zwischenschaft”, mindestens für einige Tage, in der Realität einer möglichen tieferen Heimat, in der realen Welt des rumänischen geistigen Lebens!

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*     *

 

DIE ZWISCHENSCHAFT

Ansprache anlässlich der Verleihung des Dr. honoris causa

der Universität Bukarest (7. November 2005)

 Dieter Schlesak

   Meine Damen und Herrn, es ist nicht nur ein großes geistiges „Andenken“, ja Werk- aber auch Gefühlsabenteuer, dass ich heute am 7. November an meiner alten Alma Mater den Ehrendoktor erhalte, nein, es ist wie eine schöne neue Heimkehr aus einer fast vierzigjährigen, sehr lange diktaturbedingten Fremde: 40 Jahre zwischen Sprachen und Ländern, heute nun Heimkehr aus dieser „Zwischenschaft“ zu einer festeren terra cognita einer neuen Zugehörigkeit. Und mein Dank gilt heute dem Rektor der Universität Bukarest, Herrn Prof. Dr. Ioan Pânzaru, Frau Dekan, Prof. Dr. Alexandra Cornilescu, den Vertretern der akademischen Gremien, im besonderen Professor Dr. George Guþu für seine mit mir und meiner zwischenschaftlichen Heimkehr tief mitempfundenen Laudatio, die mit dieser Ehrung mein literarisches Werk mit krönt, zu ihm gehört, weil sie den Bogen schlägt zu meiner alten Uni. Hier nun fast nach einem halben Jahrhundert traumatischer Zeit, die geliebte rumänische Kultur und Sprache immer inmitten, sind in mir noch die Stimmen der Kollegen und Freunde wach; und ich möchte die heutige Ehrung nicht nur auf meine Person bezogen wissen, sondern auch auf meine Kollegen der sechziger Generation, die unter Druck bedeutende geistige Werte hier und in aller Welt geschaffen haben, vor allem auf jene, die in Diktaturzeiten wegen ihres Talentes leiden mussten. Viele Generationskollegen leben nicht mehr; und doch höre ich sie, so höre ich die Stimme meines toten Freundes Nichita Stãnescu: „Singurele lucruri reale, singurele lucruri pe care le ducem cu noi pânã la urmã sunt propriile noastre sentimente, dragostele noastre… Mã-ntreb: noi, la capãtul vieþii noastre, ce-am lãsa în afarã? Bãnuiesc cã putem lãsa niºte sentimente... de dragoste mai ales.“ Ja, eingedenk sein dieser Liebe, die mich in der Fremde geleitet und behütet hat, die Erinnerung, das Land und die Unsterbliche Geliebte, die Kunst, wurden zu einem Leben und Werk. Eine Liebe, die auch ein Raum der Vermittlung zwischen der deutschen und rumänischen Literatur war, ans Zentrum meines Werkes rührt, nun mit dem Glück der Verbindung auch durch den heutigen Tag. Sagen wir es scherzhaft, dass die immer ferne Geliebte Rumänien, dass Ferne und Trennung meine erkennende Liebe gesteigert und wach gehalten hat!

   Nun Rückkehr, Wiederkehr. Die Tür aber bleibt, die verschlossene, die offene? Die Angst des Draußen-vor-der-Tür-Stehens? Des Ausgeschlossen-Seins? Mir ist, als wäre ich heute auf ganz besondere Weise wieder eingelassen worden.

   Doch lassen Sie mich auch etwas Scherzhaftes zu meiner fast naturgegebenen „Zwischenschaft“ sagen, die ja auch mein bestes Erkenntnismittel ist, dieses Nicht-Dazugehören, dieses zwischen alle Stühle Gefallen-Sein. Schon in Bu­karest, bevor ich Deutschland kannte, bevor ich überhaupt die Grenze meiner Heimat Rumänien überschreiten durfte, wo nur in der Sprache diese Sehnsucht saß, wie ein verhindertes Fluggerät, ein Vogel mit gebundenen Flügeln, ein Mensch, der einen Vogel im Kopf hat, da wurde ich gefragt, es war um 1964: was ich denn eigentlich sei, ein Rumäne doch nicht, du bist ja als Siebenbürger Sachse geboren, aber ein Deutscher bist du doch auch nicht: du warst ja noch nie in Deutschland? Du musst ein Jude sein. Als einem Deutschen mit seinem Schuldgefühl kam das einem kleinen Schock gleich! Weil sich jeder deutsche Autor naturgemäß mit Jüdischem beschäftigen muss, und ich es ein Leben lang auch getan habe, mein jüngstes Buch ist ein Roman über den Auschwitzapotheker Capesius, einem transsylvanischen Landsmann! Doch - Stimmt es etwa nicht, das mit dem Jüdischen? Von Marina Zwetajewa, der russischen Lyrikerin, stammt ein erhellendes Wort: Bce poety jidy - alle Dichter sind Juden, d.h., sie bleiben immer Fremde und sie gehen einem Handwerk nach, das, laut Paul Celan, keinen Goldenen Boden, sondern überhaupt keinen Boden hat. Identität gibt es also für diese „Fremden“ nur punktuell, nämlich im Augenblick der inspirierten Selbstherstellung via Schreiben, denn Sprache ist der einzige feste Boden, die stärkste Kraft dieses verhinderten Vogels, der da Mensch heißt.

   Aber nicht nur die Herkunft hat mich zum Zwischenschaftler gemacht, sondern auch die rote Diktatur, sie hat die Verletzlichkeit und die Sprach-Hellhörigkeit in ihren Gefahrenzonen - für ein Gedicht konnte man jahrelang hinter Gitter kommen, wie mein toter Freund Ion Caraion. Sprachangst aber hat den Sprachmut und Sprachsinn enorm geschärft. Ich bin davon überzeugt, und dieses wurde auch nach meiner Herausgabe der vielleicht umfangreichsten deutschen Anthologie (450 Seiten) rumänischer Gegenwartslyrik „Gefährliche Serpentinen“ in Berlin, vielfach analytisch-lobend geschrieben, dass die Weltklasse rumänischer Gegenwarts-Poesie genau auf diesen Erfahrungen und diesem verletzlichen Erleben von Sprache beruhe.

   Es gab damals, diese besondere Kunst der Zwischenschaft, eine Art Interlinearversion, Versteckspiel mit der Metapher, um mit der Wahrheit an den Leser zu kommen, ohne von der Zensur ertappt zu werden. Unsere Generation, die sechziger Generation, vor allem ihr Geist lebt auch in meiner Sprache, in meinem Werk, ihr fühle ich mich zugehörig, vor allem dem Geist ihres wichtigsten Repräsentanten, meines zu früh verstorbenen Kollegen und Freundes Nichita St`nescu, dessen Elf Elegien eben in meiner Übersetzung und mit meiner neuen Deutungs-Studie in Deutschland erschienen sind. St`nescu ist meiner Meinung nach als Dichter in finsterer Zeit ein Pendant zu seinem Landsmann Paul Celan; Celan sublimierte das Trauma der Nazizeit zur abgründigen Metapoesie, St`nescu das Trauma der fünfziger und sechziger Jahre roter Diktaturzeit. Was aber die rumänische sechziger Generation und besonders St`nescu dazu befähigte diese abgründige Metasprache der Weltsprache der Poesie zu schenken, ist nun ganz paradox: nämlich diese Polyphonie und das ästhetisch kodierte hermetische Metaphernspiel, das auch als Ort zu sehen ist, wo man sich verstecken, wohin man flüchten und im Versteckspiel mit der Metapher auch der Zensur ein Schnippchen schlagen konnte. Das ist Geschichte. Doch das Resultat bleibt und ist merkwürdigerweise heute aktuell in der Postmoderne: Es waren Interlinearversionen, wenn auch die einer stilistisch hoch entwickelten Sklavensprache während der Diktatur, in der brisante Aussagen an den Leser gebracht wurden, vor allem „Transzendenz als Politikum“ galt damals.

   War das für die Diktatur so gefährliche Unsichtbare unser eigentliches Zuhause. Aber dieses Zuhause war und ist immateriell UND irdisch wie die Sprache, wir erinnern uns: es durchkreuzt alle Tropen und trifft sich als Meridian im Pol des Einen, ist also in der puren Körperwelt nicht anzutreffen, und muss auch bei einer versuchten zu direkten, zu konkreten „Heimkehr“ wie meiner jetzt zu einer Enttäuschung werden.

   Die tief in uns eingedrungene Herkunft, die wir anscheinend verloren haben, ist nur ein kleiner, aber intensiver Hohl-Spiegel für eine andere, eine verstellte Herkunft und Heimat, die viel tiefer geht und vielleicht unverstellt nur in der Bodenlosigkeit aufleuchten kann!

   Es könnte sein, dass auch Constantin Noicas unübersetzbares rumänisches Grenz- und Feld-Wort „întru ceva“ (Zwischen etwas) diese Zwischenräume der Aura und des kaum aussagbaren Zustandes genau trifft; întru ist ein Limit zwischen Innen und Außen und auch beides zugleich ist, ein Dazwischen- und zugleich Inmitten-Sein, ein zu einer rätselhaften Vollendung Aufdemwegsein, das Eine, das uns nicht verlässt, unser Leben auf diese Eine Heimat zuhält, die späte, reifste Heimkehr ist.

   Sie sehen, meine Damen und Herrn, wir müssen immer wieder dies umkreisen, immer wieder zum eigentlichen Herkunfts-Problem kommen, das uns in unserem Herkunftsbruch ebenfalls besonders angeht: „Zukunft braucht Herkunft.“

   Wenden wir uns noch einmal unserem Begriff „Zwischenschaft“ und auch der Chance des Verlustes zu. ZWISCHENSCHAFT benennt nicht nur das Nirgends-Zuhause-Sein, das zwischen alle Stühle Gefallene, das Bodenlose, sondern inzwischen auch das heute so wichtige Interdisziplinäre, das ja das global Verbindende, ja, Vernetzte ist, sie muss der neuen Immaterialität unserer Wirklichkeit eingedenk sein, um in der wirklichen Gegenwart, in dem, was Historie heute meint, anzukommen. Auch das Handfesteste heute ist davon bestimmt: ich schrieb diese Rede in Italien auf einem PC, ich schickte sie per E-mail in Sekundenschnelle nach Bukarest, damit sie übersetzt, und so von allen hier verstanden werden kann; ich war mir bei komplizierteren Formulierungen nach 40 Jahren Abwesenheit meines geliebten Rumänisch nicht mehr sicher; und das haben viele so im Fremden gehalten, auch von Emile Cioran, erhielt ich viele Briefe, jedoch keinen einzigen rumänischen. Das Fremde ist in uns Heimatfremden zuhause, auch wenn die Geliebte Rumänien heißt. Die Trennung aber wurde von mir jetzt in zwei Stunden mit einer Boeing von Frankfurt nach Bukarest überwunden. Nicht so schnell zwar wie meine Erinnerungen und Gedanken, doch undenkbar schnell. Von unseren lichtgeschwinden „elektronischen Haustieren“, Compu­ter, Radio, Fernsehen ganz zu schweigen. Und diese lichtschnellen Hausgeräte des Alltags heute beruhen auf Formeln, die einmal „Einfälle“ von genialen Menschen waren, ähnliche „Gedankenblitze“ wie in der Poesie? Das Nicht-Materielle, das „Geistige“ bestimmt heute mehr denn je alles, was geschieht, mentale Prozesse machen mit einer durchschlagenden Evidenz Geschichte, Denken wird „objektiv“, lernt sich als mathematische Struktur selbst denken, erfährt sich als Ort, wo Naturgesetze offenbar werden, wird praktisch, beherrscht im Gerät die Natur und die Gesellschaft. Völlig im Gegensatz dazu beherrscht der krasseste Materialismus die Köpfe und das Handeln der Politiker, Ökonomen, Intellektuellen, und auch der Universitäten. Dabei lebt heute im atlantischen Raum niemand mehr in jener alten Körperwelt, heute ist niemand mehr wirklich auf einem festen Boden und nur im geliebten sinnlichen Wahrnehmungs-Raum zu Hause. Nur die arme tägliche Arbeit der Arbeitssklaven vielleicht, doch das Kapital ist immateriell, blitzschnell weltweit aktiv!! Wer meint, es gebe heute noch eine beschränkbare „Heimat“, ist hoffungslos im Gestern befangen. Für mich weiß ich, dass Künstler und Literaten Brückenbauer sein müssen zwischen der alten Sinnenwelt und jener anderen, immateriellen Welt, die geister- und geistnah ist, wo Zeit und Raum aufgehoben sind!

   Meine Damen und Herren, ja, diese Grenzgänge, diese auch nach jenem Einen, einer höheren Heimkehr suchende Anamnesis in der Erinnerungsheimat eines grösseren Sinnraumes von Zusammenhängen sind das Zentrum meines Werkes. Das Motto meines Romans „Vaterlandstage und die Kunst des Verschwindens“ stammt aus Hölderlins „Anmerkungen zur Antigonä“, es lautet: „ … dass jedes, als von unendlicher Umkehr ergriffen, und erschüttert, in unendlicher Form sich fühlt, in der es erschüttert ist. Denn vaterländische Umkehr ist die Umkehr aller Vorstellungsarten und Formen.“

   Es geht nicht nur um die lichtschnellen Geräte, die Zeit und Raum überwinden, es geht auch und vor allem um unsere Zeit nach Auschwitz, den Gulag und Hiroshima, Hiroshima, das erst durch diese lichtschnellen Geräte möglich wurde.

   Wir leben in einer Zeit „unendlicher Umkehr“ durch Schock im radikalen Perpektivwandel zwischem posthumem Leben und sprachlosem Tod.

   Lassen Sie mich aus meinem jüngsten Buch „Zeugen an der Grenze unserer Vorstellung“, das noch in diesem Jahr in München erscheinen wird, einen Absatz zitieren, er ist dem an der Endstation unserer Zivilisation, in Auschwitz 1944 ermordeten rumänischen Poeten und Denker Fundoianu/ Benjamin Fondane gewidmet, er lautet: „Voller Verachtung und Todesverachtung kam Fondane an jenem infernalen Grenzort an, wo alles, was die Geschichte hervorgebracht hatte, ad absurdum geführt wurde. Auch die Sprache, und gerade sie! (…) Mit seinem Tod erlebte Fondane ihren Tod. In jenem grauenhaften Augenblick, über den er nicht mehr Zeugnis ablegen kann, war alles, was er gedacht und geschrieben hatte, bestätigt worden. Angesichts der Gaskammer gilt kein Glaubens- oder Trostspruch mehr, geschweige denn Literatur. Es war etwas offenbar geworden, was nicht seinesgleichen hatte. Fundoianu hat das, worüber wir nur nachdenken können, erfahren, und dann ganz konsequent mit dem Leben bezahlt.“

   Es gibt keinen Vergleich mehr. Unvergleichliches ist auch in den Diktaturen geschehen. Und der neue vielortige zwischenschaftliche Standpunkt ist nur mit einem Blick vom bewusst gewordenen eigenen und historischen Tode her erfassbar.

   Sie werden verstehen, warum auch Paul Celan ein Vor-Bild für mich geworden ist, in seinem Gedicht lebte der Tod seiner Mutter an jener Endstation der Zivilisation: Celans Lyrik ist ein metasprachliches, Phänomen, Grenzgang zwischen Leben und Tod. Ein schöner Bogen auch zu unserem Fest hier, wenn ich an rumänische Urgründe, auch die Paul Celans rühre: und an die wahlverwandtschaftliche Gemeinsamkeit in meiner Celan-Forschung mit der Arbeit von George Gu]u denke. Dabei geht es in seiner Arbeit auch um Kontaminationen mit rumänischer Lyrik. Und die wichtigste Einsicht bei diesen Interferenzen ist, dass auch bei Celan die Grenze zwischen Lebenden und Toten aufgehoben ist, wie etwa bei Lucian Blaga - ein fließender, ununterbrochener Dialog mit den Toten entsteht. Dieser Dialog geht über Zeit- und Raumgrenzen hinaus ins Unsichtbare, ein eigener Raum der Begegnung mit den Opfern entsteht. Das Kreative geht voraus: es ist eine Art Teleskop, Fernrohr, Elektronenmikroskop für Orte, die mit freiem Auge oder Nicht-Sprachlichem Erleben gar nicht da und nachvollziehbar sind. Und das Unsichtbare ist mehr denn je die Hirnsyntax der Geschichte. Unser Weltentwurf scheint an eine Grenze gekommen zu sein, wo es auf gewohnte begriffliche oder anschauliche und sinnliche Weise nicht mehr weiter geht. „Die Wissenschaft führt an eine Schwelle von Erfahrung, die sich der Meditation, aber nicht der Reflexion erschließt“, heißt es beim Physikerphilosophen Carl Friedrich von Weizsäcker, „dies ist vernünftig. Das begriffliche Denken kann einsehen, dass es den Grund seiner Möglichkeit nicht begrifflich bezeichnen kann.“

   Zu jenem Grund seiner eignen Möglichkeit des Denkens zu kommen: Das ist die Chance des geistigen, metaphorischen, also zwischenschaftlichen Brückenbaus, Chance der Literatur. Und nicht ist zu vergessen, dass das Gedicht im Gegensatz zur Macht und Zerstörung durch die „Hure Historie“, wie sie Cioran nennt, immer Gegenwart, aufgeblühtes Jetzt ist, Zuwendung, Gewährenlassen eines Anderen in uns, der inspirativ, anbindend in uns spricht, Gespräch im Augenblick, im Herzen bewegt, „Innigkeit“, Sprache so nah wie möglich im Einen, mit sich im Reinen, Heimkehr.

*

*     *

 

III. Der VII. Kongress der Germanisten Rumäniens. Timi[oara/Temeswar, 22.-25. Mai 2006

VII. Kongress der Germanisten Rumäniens 

Timiºoara/Temeswar, 22.-25. Mai 2006

 - Comitetul / Das Komitee -

Str. Pitar Moº 7-11 / RO-010451 Bucuresti

Tel. + Fax.: 0040-21-252.59.72; Tel.: 0040-21-252.15.51; 0040-21-211.18.20 (int. 27)

E-mail: ggr01@ggr.ro; gutugeorge@yahoo.de

Homepage:  http://www.ggr.ro    

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 - Das Organisationskomitee für den VII. Kongress der Germanisten Rumäniens,

Timiºoara/Temeswar, 22.-25. Mai 2006 -

 

E I N L A D U N G

 

An
Frau/Herrn  ....................................................................................................

                   ...................................................................................................

                   ...................................................................................................
 

                 Bukarest und Temeswar, den 30.05.2005

 

Sehr geehrte Kollegin, sehr geehrter Kollege!

Nachdem 2003 der VI. Kongress der Germanisten Rumäniens in Sibiu/Hermannstadt stattfand, veranstaltet die Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) vom 22. - 25.  Mai  2006 den VII. Kongress der Germanisten Rumäniens, der sich - wie die bisherigen - als eine niveauvolle wissenschaftliche Tagung versteht, zu der nicht nur rumänische, sondern auch ausländische GermanistInnen und DeutschlehrerInnen eingeladen werden.

Auch dieser Kongress will – ebenso wie die vorangegangenen - den gegenwärtigen Stand der rumänischen germanistischen Forschung, der rumänischen Überlegungen zu Fragen des Deutschunterrichts als Fremd-, Mutter- und Unterrichtssprache, zu Aspekten der kulturellen und geistigen deutsch- bzw. österreichisch-rumänischen  Interferenzen veranschaulichen, diesbezüglich Mängel und Lücken aufweisen und damit die Aufgaben sichtbar werden lassen, die die rumänische Germanistik im Zuge verstärkter grenzübergreifender Zusammenarbeit sowie der europaweiten Umwälzungen im Bildungssystem zu bewältigen hat. Zugleich sollen rumänische GermanistInnen und DeutschlehrerInnen Einblick nehmen in die weltweit relevanten Aspekte der inlands- und auslandsgermanistischen Forschung in den Bereichen, die die Sektionen des Kongresses anvisieren. Nicht zuletzt wird der Kongress den rumänischen GermanistInnen die Möglichkeit bieten, einander auch persönlich kennenzulernen und einen nützlichen Erfahrungsaustausch vorzunehmen sowie mit ihren ausländischen KollegInnen, die freundlicherweise zum Kongreß kommen werden, Kontakte anzuknüpfen.

Der Kongress markiert durch ein Sonderkolloquium den 50. Gründungstag des Temeswarer Germanistiklehrstuhls als bedeutender Lehr- und Forschungseinrichtung der Germanistik in Rumänien.

Wir  laden Sie herzlichst ein, an unserem Kongress teilzunehmen !

M i t v e r a n s t a l t e r1  dieser wissenschaftlichen Tagung sind:

* Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) * Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) an der Universität München * Gerhart-Hauptmann-Haus Düsseldorf * Deutscher Germanistenverband (DGV) * Österreichische Gesellschaft für Germanistik (ÖGG) * Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse (INST), Wien * Universität Trier * Robert-Bosch-Stiftung * Hans-Seidel-Stiftung * Conrad-Adenauer-Stiftung * Deutscher Balkanromanistenverband * Demokratisches Forum der Deutschen in Rumänien, Temeswar * Goethe-Gesellschaft in Rumänien

T e r m i n22. - 25.  Mai  2006 (24. Mai 2006 - Landeskundliche Tagesexkursion in der Banater Gegend)

T a g u n g s o r t: Timiºoara – Temeswar / Banat
S e k t i o n e n
: 1) Theoretische und angewandte Linguistik; 2) Literaturwissenschaft; 3) Deutsche Regionalliteraturen in Rumänien. Die Banater deutsche Literatur im interkulturellen Beziehungsgeflecht (in der Betreuung des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der Universität München) 4) Didaktik des Deutschunterrichts (DaF, DaM, DaU); 5a) Rumänisch-Deutsche/Österreichische interkulturelle Grenzgänge (in dt. Sprache); 5b) Interculturalitate transfrontalierã româno-germanã/austriacã (in rum. Sprache); 6) Interkulturelle Kommunikation und anthropologische Interreferentialität; 7) Sonderkolloquium zum 50. Gründungstag des Germanistiklehrstuhls der West-Universität Timiºoara/Temeswar.

F o r e n: F o r e n: 1. Forum: 'Zigeuner' als Fremde und Arme? Zur Darstellung von 'Zigeunern' in literarischen und ethnographischen Texten; 2. Forum: Miteinander im Gespräch - Interkulturelle Kommunikation aus der Perspektive der Pragmalinguistik; 3. Forum: Nicht nur Pulverfass - Der europäische Südosten als agonale Interkulturalitätsarena und kreative Fundgrube (in Zusammenarbeit mit dem Balkanromanistenverband in Deutschland) 4. Forum: Südosteuropäische Germanistik im Zuge des Bologna-Prozesses; 5. Forum studentischer Forschung: Phänomene der Exklusion, Trennungsängste, gefährdete und langwierige Meinungsbildung

Zusätzliche Veranstaltungen:
* L e s u n g e n (deutsche, österreichische, rumäniendeutsche und rumänische Autoren; 22., 23. u. 24. Mai 2006); individuell: Kulturangebot der Stadt Temeswar:  Konzert,  Theateraufführung, Ausstellungen
* Tagesexkursion: Ausflüge in die Banater Region (Timiºoara/Temeswar und Sehenswertes in der Umgebung) – am 24. Mai 2006
 

Für die (etwa 110) rumänischen Teilnehmer (Mitglieder der GGR) übernehmen die  Organisatoren: * Fahrt- und Übernachtungskosten * Vollpension
Rumänische Teilnehmer zahlen selbst eine Kongressgebühr: 600.000 ROL bzw. 60.- RON für Mitglieder der GGR, 700.000 ROL bzw. 70.- RON für Sonstige. 

 

WICHTIG: Die ausländischen Gäste werden gebeten, sich mit Einrichtungen und Institutionen, die in ihren Ländern die akademische Forschung fördern, in Verbindung zu setzen, um Möglichkeiten für die Finanzierung ihrer Teilnahme am VII. Kongress der Germanisten Rumäniens ausfindig zu machen. Teilnahme aufgrund von Selbstfinanzierung ist selbstverständlich möglich. 
* Ausländische Teilnehmer zahlen eine Kongressgebühr von 35.- EUR und eine Tagesexkursionsgebühr (einschl. Mittagessen) von 30.- EUR.

 

Der Wunsch auf Teilnahme, der Titel des Vortrags sowie eine kurze (20zeilige) Zusammenfassung (in zweifacher Anfertigung) werden dem Organisationskomitee spätestens bis zum 25. April 2006 schriftlich mitgeteilt. Anmeldungen ohne Zusammenfassung sowie später einlaufende Anmeldungen können leider nicht mehr berücksichtigt werden. Die Dauer der Vorträge: 20’ (mit Diskussion).

Die Tagungsbeiträge werden in den nächsten Heften der "Zeitschrift der Germanisten Rumäniens" (ZGR) sowie - in ausgebauter Fassung - in "transcarpathica. germanistisches jahrbuch. Rumänien" (GJR) veröffentlicht. Deshalb empfehlen wir, die zu veröffentlichende Fassung des Vortrags während des Kongresses (möglichst auf Diskette 3,5”, Word unter Windows, höhere Versionen und Ausdruck) abzugeben.

Die Option für die landeskundliche Exkursion muß bis 25. April 2006 dem Organisationskomitee schriftlich und bindend bekanntgemacht werden. (Genauere Angaben bitte unserer Kongress-Web-Seite entnehmen:  http://www.ggr.ro/cong7.htm )

Sonstige persönliche Wünsche im Zusammenhang mit dem Rumänienaufenthalt unserer ausländischen Kollegen (Fahrten, Besuche, Kontakte etc.) können der GGR (ggr01@ggr.ro) ebenfalls bis zum 25.04.2006 mitgeteilt werden. Die GGR wird sich als Vermittlerin bemühen, damit diese Wünsche in Erfüllung gehen.

Weitere, neueste Informationen werden den Interessenten in einem Rundschreiben im März 2006 mitgeteilt. Die GGR und das Organisationskomitee erteilt auf Wunsch nähere Informationen. Sehen Sie sich von Zeit zu Zeit die Web-Seite der GGR www.ggr.ro an!

Mit freundlichen Grüßen,

 

Prof. Dr. George Guþu,

Präsident des

Organisationskomitees,

Präsident der GGR

Prof. Dr. Roxana Nubert,

Leiterin des

Germanistiklehrstuhls

der West-Universität Temeswar

Doz. Dr. Angelika Ionaº,

Leiterin der GGR-Zweigstelle

Temeswar

-------------

Berichterstattung vom VII. Kongress und Vorträge in den Sektionen und Foren im nächsten Heft der „ZGR“ sowie in „transcarpathica germanistisches jahrbuch rumänien“.


[1] Brief vom 12.12.1962, in: "Neue Literatur", 7, 1975, S. 59.

1 Einige unserer Partner haben bereits ihre Zusage erteilt. Mit den anderen stehen wir in Verbindung.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

Coordonator sectiune: Madalina Marcu | Asistenti: Cristina Caramihai | Andreea Baranga 

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