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JOSEPH ROTHS HIOB

Literarische (Re-)Konstruktion verlorener „Heimat“-Grenzen

Gheorghe Nicolaescu

In einem Fragment gebliebenen Roman beschreibt Joseph Roth das Schicksal des galizischen Wasserträgers Mendel in Wien.[1] Da er in seiner osteuropäischen Heimat nicht gelernt hat, Geschäfte zu treiben, zu „handeln“, geht es ihm im Westen genauso schlecht wie im Osten, auch wenn das auf eine andere Weise geschieht. Obwohl er eine „staatliche Unterstützung für Flüchtlinge aus dem Osten“[2] bekommt und bei seinem bereits früher nach Wien emigrierten Sohn wohnen kann, gelingt es ihm nicht, der Armut zu entweichen. Seine einzige Rettung ist die Armenküche.[3] Kurz vor dem Ende des Fragments bekommt Mendel die Nachricht, dass sein Sohn im Weltkrieg verwundet wurde. Dieser neue Schicksalsschlag überzeugt „ihn von der Nutzlosigkeit aller Gebete“[4]. Er bleibt auf sich selbst gestellt und muss handeln: mit einem geliehenen „kleinen Betriebskapital, gegen angemessene Zinsen“ geht er „auf die Tour“[5], jedoch ohne Aussicht auf irgendeinen Erfolg.

Die Thematisierung der Spannung zwischen Ost und West[6] stellt eine literarische Strategie Roths dar, die auch in dem 1927 publizierten Essay Juden auf Wanderschaft feststellbar ist. Hier entwickelt Roth eine scharfe Polemik gegen den Westen und zeigt eine warme Sympathie für die orthodoxen Juden, die sich jeglicher Art von Kompromissen fernhalten. Bereits im Vorwort wird dem Leser deutlich gemacht, was von ihm erwartet wird. Es handelt sich dabei um eine Inszenierung des Erzählers, die dazu verhelfen soll, ein bestimmtes westeuropäisches Lesepublikum durch einen aggressiven Sprachgebrauch zu beleidigen, um es damit von einer möglichen Lektüre des vorgelegten Textes abzuhalten. Auf eine herausfordernde Art und Weise wird die Existenz westlicher Leser in Frage gestellt, die sich der Sache der Juden aus dem Osten mit Liebe statt wissenschaftlicher Objektivität annehmen würden:

Der Verfasser hegt die törichte Hoffnung, daß es noch Leser gibt, vor denen man die Ostjuden nicht zu verteidigen braucht; Leser, die Achtung haben vor Schmerz, menschlicher Größe und vor dem Schmutz, der überall das Leid begleitet; Westeuropäer, die auf ihre sauberen Matrazen nicht stolz sind; die fühlen, daß sie vom Osten viel zu empfangen haben, und die vielleicht wissen, daß aus Galizien, Rußland, Litauen, Rumänien große Menschen und große Ideen kommen, aber auch (in ihrem Sinne) nützliche, die das feste Gefüge westlicher Zivilisation stützen und ausbauen helfen - nicht nur die Taschendiebe, die das niederträchtigste Produkt des westlichen Europäertums, nämlich der Lokalbericht, als ‘Gäste aus dem Osten’ bezeichnet.[7]

Dieses Verfahren beabsichtigt keineswegs die Beschränkung des Lesepublikums, sondern ist dazu geeignet, „im Allgemeinen das Implizite explizit zu machen und dabei eine gewisse polemische Atmosphäre zu stiften, die den Text charakterisiert und kontextualisiert“.[8] In einer direkten und gefühlsbetonten Sprache, die sehr stark vom üblichen logischen und relativierenden Stil der westlichen Essayistik abweicht, widerlegt der Autor die negativen Meinungen und Klischees der Westeuropäer gegenüber den Ostjuden. Die Neigung, die westliche Zivilisation wegen ihrer vorwiegend materiellen Orientierung zu diskreditieren, macht sich auch in anderen Werken Joseph Roths bemerkbar. Der Verzicht auf Objektivität ermöglicht  dem Autor eine Denkkategorie auszuschalten, die der Westen als ausschlaggebenden Maßstab in der Konfrontation mit dem Osten anerkennt. Da aber der Ostmensch anders denkt und lebt, wird er in der westlichen Zivilisation zum Opfer im Kampf um individuelle Behauptung, es sei denn, er passt sich den vorgegebenen Bedingungen an.

Eine starke Identifikation mit den Werten des Ostjudentums prägt auch die epische Ausarbeitung derselben Thematik in dem 1930 veröffentlichten Roman Hiob, der eine scheinbar deutliche Zäsur im Schaffen Joseph Roths belegt: die Wandlung vom linksorientierten Journalisten und Autor sozialkritischer Romane zum Verfechter der Tradition sowohl im ideologischen als auch im künstlerischen Bereich. Dennoch bleibt der Roman auch der Neigung verpflichtet, Erscheinungen einer krisenhaften Umbruchszeit nachzuzeichnen, denn das Aufbrechen der traditionellen Welt der Ostjuden stellt einen epischen Rahmen dar, in dem die literarischen Figuren in ihrem Streben um den Erhalt der eigenen Identität als Opfer einer undurchschaubaren Entwicklung dargestellt werden. Zu der Annahme, mit Hiob habe sich eine Wende zum Konservativen vollzogen, tragen auch Aspekte der Erzählstruktur und der Rekurs auf den biblischen Prätext bei. Roth greift Erzählformen des im 19. Jahrhundert praktizierten poetischen Realismus und gelegentlich auch narrative Techniken des Märchens auf.

Der Roman erzählt die Geschichte einer ostjüdischen Familie, die sich durch äußere Umstände gezwungen sieht, die gewohnte Lebensweise aufzugeben. Am Anfang deutet nichts auf eine Veränderung der erstarrten Verhältnisse:

Vor vielen Jahren lebte in Zuchnow ein Mann namens Mendel Singer. Er war fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich, ein ganz alltäglicher Jude. Er übte den schlichten Beruf eines Lehrers aus. In seinem Haus, das nur aus einer geräumigen Küche bestand, vermittelte er Kindern die Kenntnis der Bibel. Er lehrte mit ehrlichem Eifer und ohne aufsehenerregenden Erfolg. Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.[9]

Erst die Geburt eines missgebildeten Kindes veranlasst Mendel Singers Frau, Deborah, den alltäglichen Verpflichtungen den Versuch vorzuziehen, die Heilung ihres Sohnes vom Rabbi in direkter Konfrontation mit zahlreichen in ähnlicher Weise vom Schicksal Heimgesuchten zu erflehen. Die Grenzen des Mikrokosmos, in dem die Familie Singer lebt, werden zum ersten Mal überschritten. Danach folgt eine Reihe von anderen Grenzüberschreitungen, die letztendlich in der Auswanderung eines Teils der Familie nach Amerika kulminiert. ‘Der einfache Mann’ Mendel Singer muss seine bisherige Lebenshaltung unter neuen räumlichen und zeitlichen Bedingungen behaupten, oder er passt sich den neuen Verhältnissen an.

Was in Juden auf Wanderschaft allgemein der westlichen Zivilisation gilt, trifft im Roman auf Amerika zu. Der Aufbruch der Familie Singer nach Amerika ist Teil eines Prozesses, der sich als charakteristisch für die moderne Geschichte erweist: Auf der Suche nach einem ‘Paradies auf Erden’ ziehen immer mehr Menschen von der Peripherie ins Zentrum, vom Land in die Stadt, von den armen in die reichen Länder. Diese Grundbewegung vollzieht sich unter äußeren und inneren Zwängen.

Für Mendel Singer bedeutet die Entscheidung, nach Amerika zu gehen, nicht die Erfüllung eines lang ersehnten Traumes, sondern einen verzweifelten Versuch, den sich aufhäufenden unlösbaren Problemen zu entlaufen. Damit rebelliert er zum ersten Mal gegen Gott, sei es nur zögernd, und gibt dem verführenden Gedanken nach, er könnte sich dem Zersetzungsprozess alter Existenzmuster erfolgreich widersetzen. Der von ihm eingeschlagene Weg führt aus einem monotonen Ablauf der Dinge heraus in den dramatischen Raum der Geschichtlichkeit und in den Untergang der eigenen, selbstverständlich anmutenden Lebenswelt. Zur literarischen Strategie Roths gehört auch der Gebrauch von Stereotypien und Klischees in der Beschreibung der Neuen Welt. Mendel Singer wird von einem Reisegefährten auf den ersten Kontakt mit Amerika vorbereitet:

Den vierzehnten Abend der Seereise erleuchteten die großen feurigen Kugeln, die von den Leuchtschiffen abgeschossen wurden. ‘Jetzt erscheint’, sagte ein Jude, der schon zweimal diese Fahrt mitgemacht hatte, zu Mendel Singer, ‘die Freiheitsstatue. Sie ist hunderteinundfünfzig Fuß hoch, im Inneren hohl, man kann sie besteigen. Um den Kopf trägt sie eine Strahlenkrone. In der Rechten hält sie eine Fackel. Und das  schönste ist, daß diese Fackel in der Nacht brennt und dennoch niemals ganz verbrennen kann. Denn sie ist nur elektrisch beleuchtet. Solche Kunststücke macht man in Amerika.[10]

So wird Mendel Singer, der Hauptgestalt des Romans Hiob, eines der markantesten Symbole Amerikas vorgestellt. Es wird jedoch nicht auf den symbolischen Gehalt hingewiesen, sondern auf die technische Leistung  als solche. Demgegenüber hat der mit seiner Familie aus seiner Heimat in Ostgalizien ausgewanderte Jude nicht zu erwidern. Er hat sich aus anderen Gründen zur Auswanderung entschieden, wohl auch im Sinne einer gewissen Zweckmäßigkeit, die aber keineswegs der Erfüllung materieller Bedürfnisse zu entsprechen hat. Um seine Tochter Mirjam, die sich mit Kosaken eingelassen hat, den Gefahren der moralischen Promiskuität zu entreißen, fällt er eine auf der Hand liegende Entscheidung: nach Amerika zu gehen, wo sein zweitältester Sohn Schemariah, genannt Sam, nach der gelungenen Flucht vor der Einziehung zum Militärdienst im zaristischen Russland schon seit einiger Zeit erfolgreich eine neue Existenz aufbaut.

Die Wiederbegegnung mit dem Sohn im New Yorker Hafen deutet bereits auf die Kluft zwischen den Welten, auf die Schwierigkeiten der Kommunikation, die auf eine fortgeschrittene Anpassung Schemariahs an die amerikanischen Lebensgewohnheiten zurückzuführen sind. Die Erfahrung der obligatorischen Quarantäne verstärkt das Unbehagen der ‘Gäste aus dem Osten’ an der neuen Umgebung. Es ist für sie das erste Zeichen der westlichen Heuchelei; was die Freiheitsstatue verspricht, wird nur unter bestimmten Bedingungen eingelöst. Die Rhetorik der Ironie wird hier meisterhaft eingesetzt. Nicht nur die Freiheitsstatue ist ‘hohl’ im Inneren, sondern auch der Begriff der Freiheit selbst. Mendels erste unmittelbare Erfahrung der amerikanischen Welt ist eine Fahrt durch die New Yorker Straßen, die ihm und seiner Familie ermöglichen soll, sich in der riesigen Stadt schneller einzuleben. Stattdessen fällt er den westlichen Fetischen, Geschwindigkeit, Überfluss und Unternehmungslust zum Opfer:

Vor den Augen Mendels wehte ein dichtgewebter Schleier aus Ruß, Staub und Hitze.   /../ Die wahnsinnige Eile, in der sie jetzt dahinrasten, weckte zwar einen Wind, aber es war ein heißer Wind, der feurige Atem der Hölle. Statt zu kühlen, glühte er. Der Wind war kein Wind, er bestand aus Lärm und Geschrei, es war ein wehender Lärm. Er setzte sich zusammen  aus einem schrillen Klingeln von hundert unsichtbaren Glocken, aus dem gefährlichen, metallenen Dröhnen der Bahnen, aus dem Tuten unzähliger Trompeten, aus dem flehentlichen Kreischen der Schienen an den Kurven der Streets, aus dem Gebrüll Macs, der durch einen übermächtigen Trichter seinen Passagieren Amerika erläuterte, aus dem Gemurmel der Menschen ringsum, aus dem schallenden Gelächter eines fremden Mitreisenden hinter Mendels Rücken, aus den unaufhörlichen Reden, die Sam in des Vaters Gesicht warf, Reden, die Mendel nicht verstand, zu denen er aber fortwährend nickte, ein furchtsames und zugleich freundliches Lächeln um die Lippen, wie eine schmerzende Klammer aus Eisen. /.../ Bald wußte er nicht mehr, was zu hören, zu sehen, zu riechen war. Er lächelte immer noch und nickte mit dem Kopfe. Amerika drang auf ihn ein, Amerika zerbrach ihn, Amerika zerschmetterte ihn. Nach einigen Minuten wurde er ohnmächtig.[11]

In dieser ‘Hölle’, die keine der vermeintlichen paradiesischen Züge aufweist, bleibt Mendel nichts anderes übrig als sich auf ein einsames Leben einzurichten. Menuchim, den versehrten Sohn, hat er in der alten Heimat zurückgelassen, und diesen Verlust kann er nicht verschmerzen, begreift er jetzt doch, dass dadurch seine Identität gefährdet ist. Für Mendel Singer bleibt nur noch die Hoffnung, sein jüngster Sohn könne allen Widrigkeiten zum Trotz am Leben bleiben. Der alte Ostjude sieht sich der unerbittlichen Kommunikationslosigkeit ausgeliefert:

Was gehen mich diese Leute an? dachte Mendel. Was geht mich Amerika an? Mein Sohn, meine Frau, meine Tochter, dieser Mac? Bin ich noch Mendel Singer? Wo ist mein Sohn Menuchim? Es war ihm, als wäre er aus sich selbst herausgestoßen worden, von sich selbst getrennt würde er fortan leben müssen. Es war ihm, als hätte er sich selbst in Zuchnow zurückgelassen, in der Nähe Menuchims. Und während es um seine Lippen lächelte und während es seinen Kopf schüttelte, begann sein Herz langsam zu vereisen, es pochte wie ein metallener Schlegel gegen kaltes Glas. Schon war er einsam, Mendel Singer: schon war er in Amerika...[12]

Der Gebrauch des unpersönlichen Pronomens ‘es’ in den Sätzen, die eine personengebundene Mimik beschreiben, verdeutlicht zusätzlich die Identitätskrise: der Mensch hat sich selbst verloren und kann weiterhin nur noch ein unpersönliches Dasein führen.

Und dennoch, was gleich nach der Ankunft in Amerika unvorstellbar scheint, wird nach einigen Monaten möglich. Mendel Singer entdeckt, dass „dieses Amerika“ eigentlich keine neue Welt ist, und gewöhnt sich mehr und mehr an die neue Lebensweise. „Mit dem Geld kam Debora auch hier nicht aus. Das Leben verteuerte sich zusehends, vom Sparen konnte sie nicht lassen, das gewohnte Dielenbrett verdeckte bereits achtzehnundeinhalb Dollar, die Karotten verringerten sich, die Eier  wurden hohl, die Kartoffeln gefroren, die Suppen wässerig, die Karpfen schmal und die Hechte kurz, die Enten mager, die Gänse hart und die Hühner ein Nichts.“[13]

Von Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit umgeben, machen Mendel und seine Frau die bittere Erfahrung der aufkommenden Gewissensbisse. Sie bereuen ständig ihre Entscheidung, ihren kranken Sohn zurückgelassen zu haben. Dem Wunsch des Vaters, in die Heimat zu fahren, um Menuchim wieder zu sehen, werden von Sam praktische Argumente entgegengesetzt. Die Geldausgabe sei sinnlos, eine bessere Lösung sei, zu angebrachter Zeit Menuchim nach Amerika zu holen, wo „die beste Medizin der Welt“ ihn heilen könnte. Von diesem Augenblick an verzichtet Mendel auf jegliche Initiative. Im jüdischen Getto der Stadt führt er ein anonymes Dasein. Er ist auch nicht mehr bereit, kritisch die umgebende Welt zu sehen. Die Meinungen seiner Kinder fungieren als Ersatz direkter, eigener Erfahrung.

Er glaubte seinen Kindern aufs Wort, daß Amerika das Land Gottes war, New York die Stadt der Wunder und Englisch die schönste Sprache. Die Amerikaner waren gesund, die Amerikannerinen schön, der Sport wichtig, die Zeit kostbar, die Armut ein Laster, der Reichtum ein Verdienst, die Tugend der halbe Erfolg, der Glaube an sich selbst ein ganzer, der Tanz hygienisch, Rollschuhlaufen eine Pflicht, Wohltätigkeit eine Kapitalanlage, Anarchismus ein Verbrechen, Streikende die Feinde der Menschheit, Aufwiegler Verbündete des Teufels, moderne Maschinen Segen des Himmels, Edison das größte Genie. Bald werden die Menschen fliegen wie Vögel, schwimmen wie Fische, die Zukunft sehen wie Propheten, im ewigen Frieden leben und in vollkommener Eintracht bis zu den Sternen Wolkenkratzer bauen.[14]

Nachdem die Tochter Mirjam in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird, der zum Amerikaner gewordene Sohn im ersten Weltkrieg fällt und Sarah stirbt, zieht Mendel das Fazit seiner amerikanischen Erfahrung: „Amerika hat uns getötet. Amerika ist ein Vaterland, aber ein tödliches Vaterland. Was bei uns Tag ist, ist hier Nacht. Was bei uns Leben war, ist hier Tod.“[15]

Mendel hat Grenzen und Möglichkeiten einer utilitaristischen Welt ergründet. Was ihm durch Zutun der Menschen nicht gegönnt ist, geschieht durch ein Wunder: Wie in einem Märchen erfüllt sich die Prophezeiung des Rabbi:

Seinesgleichen wird es nicht viele geben in Israel. Der Schmerz wird ihn weise machen, die Häßlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark. Seine Augen werden weit sein und tief, seine Ohren hell und voll Widerhall. Sein Mund wird Schweigen, aber wenn er die Lippen auftun wird, werden sie Gutes künden.[16]

Als berühmter Musiker kommt Menuchim nach Amerika, wo er seinem Vater begegnet und zur Geborgenheit einer wieder gefundenen Identität verhilft. Der Schluss steht im Zeichen des Unwirklichen, des Wunschdenkens. Eine Limonadenreklame bewundert Mendel als „die vollkommenste Darstellung des menschlichen Glücks und der goldenen Gesundheit.“ Am nächsten Tag reisen Vater und Sohn ans Meer: „Und sie gelangten  in eine Welt, wo der weiche Sand gelb war, das weite Meer blau und alle Häuser weiß.“[17] Die ironische Distanzierung des Erzählers lässt das Glück und die Wunder fast wie eine halluzinatorische Einbildung, ein Traum des alten Mendel erscheinen, der hofft, sein jüngster Sohn könne noch am Leben sein und ihn erlösen. Somit wird in der Wirklichkeit der westlichen wie der östlichen Welt das Recht abgesprochen, sich das „Paradies auf Erden“ zu nennen. Unter diesen Umständen kommt dem Schreibakt selbst die Aufgabe zu, zur Suche nach einem neuen sinnvollen Weltbild aufzubrechen.


 

[1] Joseph Roth, Wasserträger Mendel, in: Joseph Roth, Werke 5, Köln/Amsterdam, S. 850-870.

[2] Ebd., S. 862.

[3] Ebd., S. 863.

[4] Ebd., S. 870.

[5] Ebd., S. 870.

[6] Vgl. dazu Mark H. Gelber, „Juden auf Wanderschaft“ und die Rhetorik der Ost-West-Debatte im Werk Joseph Roths, in: Michael Kessler, Fritz Hackert (Hrsg.), Joseph Roth. Interpretationen, Rezeption, Kritik, Tübingen 1994, S. 127-141.

[7] Joseph Roth, Juden auf Wanderschaft, in: Joseph Roth, Werke 2, Köln/Amsterdam, S. 827.

[8] Mark H. Gelber, “Jüden auf Wanderschaft“ und die Thetorik der Ost-West-Debatte im Werk Joseph Roths, in: Michael Kessler, Fritz Hackert (Hrsg.), Joseph Roth. Interpretation, Rezeption, Kritik, Tübingen 1994, S. 128.

[9] Joseph Roth, Hiob. Roman eines einfachen Mannes, in: Joseph Roth, Die Rebellion (Frühe Romane), Berlin und Weimar 1984, S. 553.

[10] Ebd., S. 630.

[11] Ebd., S. 632 f.

[12] Ebd., S. 634.

[13] Ebd., S. 638.

[14] Ebd.

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd., S. 700.

 

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