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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 

 

 

Wulf Kirsten (Weimar)

Texte

 

schafe

 

auf dem eindunkelnden steilhang wie aufgestickte weiße perlen an einer herunterhängenden fahne aus weiter entfernung über das tiefeingeschnittene hochgebirgstal hinweg, bis man endlich bewegung wahrnimmt. Langsam wie der stundenzeiger zieht die herde abwärts. Hirten und hunde sind mit bloßem auge nicht zu erkennen. Auf dem steinigen bergpfad streckt sich die herde zum band, knäult sich wieder zusammen: bewegliches ornament auf der schrundigen haut der erde.

 

***

 

Büffel

 

Der Alt ist mit heuschwaden gesäumt. Das breite tal befindet sich fest in den händen der mäher und der sonne. Ein landstreifen ist unter gabeln und harken gesetzt worden. Heufuder türmen sich, wiesebäume geschultert. Wo der fluß behäbiger dahinzieht, sind die büffel ins wasser gestiegen, die löwensonne von den schwarzen flanken zu schütteln. Die ungefügen leiber sömmern im kiesigen flußbett. Ihre widerriste ziehen sich wie riffe unter dem spiegel hin. Unbändige kraft, geduckt. Nilpferden zum verwechseln ähnlich, wie sie ohne jede bewegung stoisch verharren. Nur die feuchten flotzmäuler ragen aus dem wasser und glänzen, als wären sie mit speckschwarte abgerieben.

 

***

 

wortknecht

 

auf dem Bahnhof in Bukarest sah ich einen touristen mit einem geschnitzten ochsenjoch davonziehen. soll er sich demütigen. es soll auch zaunspitzensammler geben. andere sind genügsamer und tragen bloß ein wort über die grenzen.

in der Frauerdorfer kirchenburg erklärte uns der kirchenvater die sitzordnung, die auch heutigentags noch eingehalten werde. die strengeren bräuche seien freilich in verfall geraten. da habe früher der altknecht gesessen und dort der wortknecht, der der um ihn versammelten jugend eine rede auszurichten hatte. wortknecht: ein wort, das man vergeblich in den einschlägigen handbüchern sucht. Ein wort ohne gebrauchswert wie eine lichtputzschere, die man mitnimmt und zu hause blank reibt.

 

***

 

fledermausabend

 

in betrachtung des himmels, sterne

noch nicht im geschirr, ein senken

und sinken, als es schon dämmert,

zwischen abend und nacht stehn,

auf einer terasse, die uns trägt,

fremd und verwundert über das bildnis,

das der andere himmel zur ansicht

ausrollt, schattenhaft huscht es

nachthin und schwirrt, war es ein

luftzug im dunkelnden licht, flieder-

mausabend, hier holt sie mich ein,

umkreist mich die kindheit, schwarz-

geflügelte wesen, abendfrieden,

inszeniert von langer hand,

tagwerk bis in die nacht hinein,

drei kühe im gras, ein bauer mit

schemel und melkeimer, aufschäumendes

abendgemelk, nicht aufzuhalten

das fußfällige dunkel, soll ich ihm

beipflichten, wenn es die erde berührt?

Fledermausabend, bald schon gestirnt.

 

 

***

die fähre

 

unterwegs über den fluß

stunde um stunde bis in die nacht

fahrgäste, fahrzeuge von ufer zu ufer,

dirigiert von zwei stakenden männern

die fähre, eines wintermorgens,

nebelverhangen, bei eisgang,

abgängig, ketten ausgeschert,

weit hinunter abgetrieben, hinüber

zur flußinsel, von saatkrähen

zerkrächzt und gefleckt

das winterquartier, unwirsch

umflogen langsam gealterte baumgruppe

mitten im nebelwallenden wasser,

knirschend aufgefahren, morgenmüd

schlotternd die pendler, vom frost

eingenommen, auf niemandsland

verfrachtet, murrend und krächzend

gleich dem pulk schreiender krähen

im winterbild, rufe aus den baumkronen

und von der kiesbank hinüber

zum festland, der strom voller treibeis,

das nicht strandet, des winters grind

fährt zu grunde, flutwelle flutet

die insel im fluß.

 

***

 

die schaukel

 

vor meinem fenster

schaukelt ein mädchen.

ruhig schwebt und schwingt es

selbstvergessen behände

unter dem blühenden birnbaum.

das störrische astwerk

zum blütenweißen leib geballt

und summend aufgewölbt.

ein volk von honigbienen

tummeln sich

im eignen fleiß.

still vor sich hin

schwebt das mädchen

über den rasen.

im pendelschlag schwingt es

zwischen erde und baumblut.

das mädchen hebt den frühling

in den himmel.

der himmel lenkt die schaukel

wieder zur erde.

 

***

 

zeitgenossen

 

verstümmelte armesünderseelen, im unheil

verhockt und verstockt, das weggeschwiegene

samt vergesslichen zeitgenossen mit wechselnden

parteiabzeichen, haufenweise auf die schippe

genommen oder flottweg in die tinte geritten,

koste es, was es wolle, das blatt hat sich gewendet,

und schon wieder sind sie aus dem schneider, wie

ladendiebe aus der eignen geschichte auf und davon,

klammheimlich, sage noch einer, es sei, wie es wolle,

es war doch…, aus und vorbei, so sei es doch gar

nicht gewesen, das leben, wie es war, immer schön

zurechtgelogen, bis die balken sich gebogen, ach,

wie tröstlich, was schon Goethe hat erkannt und

gerochen vorzeiten: das durchaus scheißige

dieser unserer zeitigen herrlichkeit auf erden,

das sich nun unvermindert fortschreibt und

zum himmel stinkt, wennschon, dennschon,

seit Augustinus, der die zeitlose zeit

von jener geschieden, die jedweden chronisten

dazu verdammt hat, anzuschreiben gegen das schäbige

vergessen, das so viele leben einschließt,

leben aus lauter vergangenheit.

 

***

 

poesie

 

wenn tod, wenn grab

dann kommt uns nicht,

was ist das: poesie,

die hingabe ans wort,

das feuer, das in den worten brennt,

der stachel, der schmerzhaft einsticht,

wohin er auch blindlings trifft.

Die trauer aller dinge, auch

Wenn sie gar kein gesicht haben,

aus dem zu lesen wäre, die aber tot

sind und leben und wie verrückt

anfangen zu leben, in jeder zeile

sich forttragen, in jeder faser

vibrieren und wissen, was es heißt,

schweigen in schwermut, schweigen

für immer, wenn tod, wenn grab,

viel zu jung sterben die dichter

in Polen.

 

 

[Alle Gedichte wurden vom Dichter ausgewählt und entstammen verschiedenen seiner Bände.

Die ZGR-Redaktion]

 

 

Wulf Kirsten wurde 1934 in Klipphausen/Sachsen geboren. Er arbeitete als Kaufmanngehilfe, machte 1960 das Abitur und studierte Germanistik und Russistik. Von 1964-1987 arbeitete er als Lektor des Aufbau Verlages in Weimar. Er erhielt für sein Schaffen zahlreiche Preise, unter anderen den Johannes-R.-Becher-Preis sowie den Schiller-Preis. Wulf Kirsten lebt in Weimar. Am 9. November 2007 las er auf der Tagung „Interkulturelle Perspektiven. Rumäniendeutsche Literatur im europäischen Dialog“, Bukarest, aus seinem Werk.

 

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