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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 13.-14. Jg., Heft 1-2 (25-26) / 2004, 1-2 (27-28) / 2005, S. 456-471

 

 

WORTE DER ACHTUNG

Peter Motzan zum 60. Geburtstag

 

+ George Guþu (S. 456-458) siehe: www.e-scoala.ro\germana\georgegutupeter26.html

+ Antal Mádl (S. 458)

+ Dieter Schlesak (S. 459)

+ Elena Viorel (S. 459-460)

+ Hans Bergel (S. 460)

+ Klaus Werner (S. 460-461)

+ Andrei Corbea-Hoiºie (S. 461-462)

+ Bianca Bican (S. 462)

+ Volker Hoffmann (S. 462)

+ Richard Wagner (S. 463)

+ Maria K³añska (S. 463-464)

+ Zoltán Szendi (S. 464)

+ Martin A. Hainz (S. 464-465)

+ Eduard Schneider (S. 465-467)

+ Raluca Rãdulescu (S. 467)

+ Mariana Lãzãrescu (S. 467-468)

+ Stefan Sienerth (S. 469-470)

+ Matthias Buth (S. 470)

 

   Begegnungen in Fachkreisen sind in einer wissenschaftlichen Laufbahn häufig; nicht jede führt aber zu einer so engen Zusammenarbeit, wie unsere mit dem Jubilar. Wir lernten uns noch in seiner früheren Heimat kennen, trafen uns dann an verschiedenen internationalen Veranstaltungen und arbeiten seit geraumer Zeit an einigen Projekten zusammen. Peter Motzan ist ein harter und gleichzeitig ein sehr angenehmer, liebenswürdiger Partner. Er geht mit für ihn charakteristischen hochgestellten Ansprüchen an jede Frage heran, die auf ihn zukommt, bzw. die ihn selbst beschäftigt, führt seine logischen Argumente in einer sprachlichen Exaktheit vor, die auf eine eigenartige sachliche Weise mit Leidenschaft und  Begeisterung für den Gegenstand zu Ende geführt wird. Verschoben wird nichts und auch ungeklärt darf nichts bleiben! Er holt von sich selbst das Äußerste heraus und zwingt auch den Partner zu einem vollen geistigen Einsatz. Am Schluss geht man – sich gegenseitig überzeugt oder vielleicht auch nicht – in schönster Freundschaft auseinander und bei der nächsten Begegnung kommt unser Freund schon von weitem lächelnd zur neuen Diskussion bereit mit strahlendem Gesicht auf seinen Partner zu.

   Ich frage mich, woher diese hohen Ansprüche und dieses über eine allgemein übliche Toleranz weit hinausweisendes Verhalten, verbunden mit einem unermüdlichen Wahrheit- und Klarheit-Suchen? Sind es die eigenen Lebenserfahrungen? Ist es der genius loci der einstigen Heimat, wo über Jahrhunderte mehrere „Nationen” einander nicht nur toleriert haben, sondern oft in Gemeinsamkeit, gelegentlich mit einander konkurrierend bedeutende geistige Werte geschaffen haben? Ich werde an einen ungarischen Dichter erinnert, der durch seinen Vater auch dieser geistig fruchtbaren Region entstammte, und in schwierigen Zeiten ein Wahrheit- und Gerechtigkeit- Suchender wurde. Er  hat in Thomas Mann „den Europäer unter den Weißen” gefunden. Unser Peter Motzan ist ebenfalls ein Suchender, aber gleichzeitig auch ein Gebender; was er glaubt in einem weiteren Europa „gefunden” zu haben, davon soll auch die einstige Heimat ihren Anteil erhalten.

   Peter Motzan, unserem besten Literaturwissenden zu seinem Sechzigsten von einem toskanischen Transsylvanier und immer noch erschrockenen Emigranten – in Pension

Das Unheil ist noch nicht sicher,  Unheil der Glaube,

dass wir alles und hinter Seinem

Rücken erreichen  auf  unsere Schnelle!

Ich aber liege: -  im Pflegbett lebenslang und schreibe

mich auch dir zu, deinem wachsamen Auge.

Doch - besteht der  innere Wert  nicht darin, bettlägerig  zu sein?

Die metaphysische Wiege, die Toten, die Kinder, ja, alle kommen und

Gehen von da an! Auch im Traum ja diese Schrift! Und du lachst:

Finalität ohne Ziel? Sich abzuwenden vom Werden

der Täuschung, denn damit kamen sie mir, berauscht durch Veränderung:

die Roten legten das Gute in die Besiegten,

die Braunen in die Sieger, doch endeten beide

als Henker.

 

Ein Wundern jetzt schon,

dass ich noch da bin, das klein geschriebene ich, wartend,

ausgefüllt meine Sekunde mit diesem Satz,

eine Straße die stimmt und endet gleich hier,

solange ich schreibe - am Leben.

 

                      Zum 7. 7. 2006

  

   Zu meinen ehemaligen Studenten, die sich sowohl in Rumänien als auch in Deutschland einen Namen als Literaturwissenschaftler oder Schriftsteller gemacht haben, zählt neben Franz Hodjak, Werner Söllner, Stefan Sienerth auch Peter Motzan, unser Jubilar, dem ich zu seinen 60 Lenzen ganz herzlich gratulieren möchte.

   Als sehr gute und motivierte Studenten haben sie sich schon früh  zum Literaturkreis der Klausenburger „Echinox“-Zeitschrift hingezogen gefühlt und versucht, unter den schweren Bedingungen der kommunistischen Diktatur an gute Literatur heranzukommen und als Vertreter der deutschen Minderheit zum rumänischen Kulturleben der 70er und 80er Jahre einen wichtigen Beitrag zu leisten.

   Anfang der 70er wurde Peter Motzan als Assistent an den Germanistiklehrstuhl der Klausenburger Universität berufen. Ein hochgebildeter junger Mann begann hier eine glänzende universitäre Laufbahn, denn Peter Motzan erwies sich als Lehrer von Profession und Passion, der dank seiner sehr guten Kenntnis der deutschen und rumänischen Literatur und Kultur und seiner besonderen menschlichen Eigenschaften (Humor, Toleranz, Hilfsbereitschaft) bei vielen Generationen von Studenten sehr beliebt war und sich auch bei den Kollegen eines sehr guten Rufes erfreute. Denn es war immer eine Wonne, seinen Textinterpretationsstunden und den sich anschließenden Diskussionen beizuwohnen.

   Im Laufe der Zeit hat er viele Beiträge zur deutschen oder rumäniendeutschen Literatur  in „Neuer Weg", „Neue Literatur", „România literarã", „Echinox“, aber auch in literarischen Publikationen aus der ehemaligen DDR, oder in Sammelbänden veröffentlicht. Dazu kamen Essays, Buchbesprechungen, Übersetzungen aus der rumänischen Literatur und Bücher, die sich nach seiner Aussiedlung nach München an Zahl zugenommen haben.

   Die guten freundschaftlichen Beziehungen zu rumänischen und ungarischen Kollegen, seine Bescheidenheit und seinen Gerechtigkeitssinn möchte ich aus diesem Anlass ganz besonders hervorheben. Es gibt auch persönliche Gründe mich bei Peter Motzan für die im Laufe der Zeit gute Zusammenarbeit zu bedanken.

   La mulþi ani!

 

   Zwei Koordinaten bestimmen mein Verhältnis zu Peter Motzan, den ich dank des politischen Irrsinns des 20. Jahrhunderts zu spät kennen lernte. Die eine ist professioneller Natur: Uns verbindet das gleiche Besessensein vom Bedürfnis nach stilistischer Präzision und Eleganz des sprachlichen Ausdrucks. Der klare Stil erwächst aus klarem Denken; Stil ist nicht Fassade, er ist Spiegelbild geistiger Substanz und Beschaffenheit. Auch in der zweiten, persönlicher Natur, begegnen wir uns: Die Einfühlsamkeit, erfuhr ich als Schreibender, ist eine Komponente der Intelligenz; da Peter Motzan über das eine verfügt, besitzt er auch das andere. Dass ich den belesenen Mann der leisen Ironie zum Freund habe, betrachte ich als ein Geschenk meines Schriftstellerlebens.

 

   Mein Bekanntwerden mit Peter Motzan reicht bis 1974/75 zurück, bis in jenes Studienjahr, als ich, seinerzeit Auslandslektor der inzwischen „entschlafenen“ DDR, gastweise am Germanistik-Katheder der Klausenburger Universität unterrichtete. Dieses Bekanntwerden verwandelte sich rasch in Freundschaft und einen Austausch der Herzen und Hirne, der bis heute anhält und nach wie vor zu meiner Grund„nahrung“ gehört. Die ist äußerst bekömmlich, denn Peter war und ist ein Gesprächs- und Wissenschaftspartner, von dem man stets gewinnen kann: an Drauf- und Einsichten. Wie er seine Studenten begeistert und geformt hat! Und ich weiß, wovon ich rede: meine rumäniendeutsche Frau war seine Schülerin. Was aber erst hat er an literaturwissenschaftlicher Basis- und Feinarbeit geleistet! Unüberbietbar seine fundamentale Untersuchung über die rumäniendeutsche Lyrik im 20. Jahrhundert und speziell nach 1945. Im Ohr bleibend die von größter Differenziertheit getragenen Separatinterpretationen literarischer Werke und Einzelporträts von Autoren. Immer anregend, ja herausfordernd, immer den Nagel auf den Kopf treffend und, wenn nötig, den Finger in Wunden legend, seine Problemstudien und Forschungsaufrisse. Nicht zuletzt aber: seine Beiträge auf Konferenzen und Tagungen! Waren das doch durchweg exzellente Auftritte in einer frappierenden Mischung aus tief schürfender Analyse, spontanen Apropos und einem alles überlagernden und alles durchdringenden „Witz“ in der aufklärerischen Bedeutung des Wortes.

   Wie des öfteren so auch jetzt einmal wieder im Ausland tätig, notiere ich dies aus dem Stegreif, ohne bibliographische Recherche: aber mit einem kräftigen Salut, Peterleben!

 

   Der Freund Peter Motzan

   Für mich erweist sich in Peter Motzans Persönlichkeit seit langem, dass eine Freundschaft möglich ist, deren Entstehung nicht unbedingt an gemeinsame Jugenderfahrungen und  auf einen gemeinsamen Ort bezogene Erinnerungen derjenigen, die sich Freunde nennen dürfen, geknüpft ist. Wir haben uns persönlich spät kennengelernt: als Germanistikstudent in Jassy wusste ich wohl, dass unsere Kollegen in Klausenburg die Chance hatten, im Seminar mit einem publizistisch aktiven und geistig besonders interessanten Assistenten zu arbeiten. In meinen damaligen Wertvorstellungen hatte er dann enorm gewonnen, als ich in der „Neuen Literatur“ einen Kommentar von ihm zu den mit der Konstanzer Rezeptionsästhetik zusammenhängenden theoretischen Entwicklungen zu lesen bekam;  ich entdeckte plötzlich, dass meine persönlichen literaturwissenschaftlichen Hierarchien und Prioritäten von rumänischen Gleichgesinnten geteilt wurden. Es scheint umgekehrt auch – wie ich später erfuhr -, dass meine bescheidenen literaturkritischen Produktionen ihm ebenfalls nicht gleichgültig waren.

   Wann und wo genau wir uns darauf zum ersten Mal getroffen hatten, ist mir heute nicht mehr klar in Erinnerung – aber  die „Chemie“ hat zwischen uns von Anfang an „gestimmt“. Zunächst würdigte ich in einer Rezension sein Buch, von dem ich als jemand, der in der Geschichte des  deutschsprachigen Schrifttums Siebenbürgens, dem Banat und der Bukowina noch recht unbewandert war, eine Menge lernte, zumal er gleichzeitig eine gewaltige Rolle in der öffentlichen Unterstützung der jungen Schriftsteller deutscher Sprache in Rumänien spielte. Sein Wissen und seine hermeneutische Begabung – z. B. als Rilke-Foscher – haben ihn dann bei namhaften Germanisten im deutschsprachigen Raum empfohlen, wenngleich er doch vor 1990 nie in den „Westen“ hatte reisen dürfen. Inzwischen entwickelte sich auch unsere Beziehung allmählich, auch wenn wir uns keine langen Briefe schrieben. Man spürt es schon irgendwie, ob und wann man mit jemandem rechnen kann. Ich zumindest empfand es so, wenn es sich um Peter Motzan handelte.

   So ziemlich als Letzter hatte ich erfahren, dass er sich für die Ausreise nach Deutschland entschieden hatte. Dieser Umstand erklärt vermutlich, warum die Zusammenfassung meiner Dissertation, die ich ihm von Bukarest nach Klausenburg gesandt hatte, ihn nie erreichte – der lange Schatten des kommunistischen Staates breitete sich damals auch über unseren Briefwechsel aus! Wie auch in anderen Fällen, in denen einige mir Nahestehende es im Lande Rumänien nun nicht mehr aushielten, schmerzte dies mich – ich selbst konnte damals aus familiären Gründen diesen Schritt doch nicht so einfach wagen und sah mich von Tag zu Tag isolierter. Verständlich schien mir ebenso sein Entschluss, 1990 das sonst recht ehrenvolle Angebot, eine Germanistik-Professur in Klausenburg anzunehmen und somit zu „bleiben“, für seine Zukunft nicht mehr in Betracht zu ziehen. Die geographische Entfernung zwischen uns wuchs freilich, aber die Öffnung der Grenzen brachte uns dann dennoch näher als zuvor. Wir konnten erst jetzt  feststellen, wie nahe wir uns in unseren literaturwissenschaftlichen, aber auch ideologischen Überzeugungen standen. Ich bewunderte auch seinen Elan, mit dem er, zusammen mit seinen Kollegen, das Münchener Institut zu einer überall geschätzten wissenschaftlichen Einrichtung ausbaute, die seitdem die rumänische Germanistik großzügig fördert. Wir gingen in diesen Jahren viele Wege gemeinsam und ich lernte immer wieder Neues von Peter Motzan.

   Weiterhin empfinde ich es so, in München (und Augsburg) einen guten und immer verlässlichen Freund zu haben.

 

   Dr. Peter Motzan hat in seiner doppelten Eigenschaft als Inlands- und Auslandsgermanist das Geschick der Klausenburger Germanistik entscheidend mitgeprägt. Seinen Anregungen und seiner stets wachen Mithilfe ist es zu verdanken, dass an der Babeº-Bolyai-Universität Cluj-Napoca/Klausenburg, an jener rumänischen Universität, wo Dr. Peter Motzan auch als Honorarprofessor tätig ist, der Stiftungslehrstuhl der Bundesrepublik Deutschland für deutsche Literatur im südöstlichen Mitteleuropa gegründet wurde.

   Dem Jubilar wünsche ich aus diesem Anlass alles Gute, Gesundheit und frohes Schaffen in den nächsten sechs Jahrzehnten!

  

   Ich kenne Professor Dr. Peter Motzan seit Jahren als engagierten Kollegen und Lehrbeauftragten am Institut für Deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dort hat er inzwischen eine Generation Studenten mit größter Fachkompetenz in die Literatur Habsburgs und Südosteuropas eingeführt, er hat sie beraten, ihre Seminararbeiten und Klausuren mit großem Aufwand betreut.  Sein Lehrengagement hat dazu beigetragen, dass das Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas 2005 ein An-Institut der Münchner Universität wurde. Gratias agimus et ad multos annos!

 

    Jazz in Hermannstadt

                                 für Peter Motzan

 

Über die Brücken machen sich

die Bürger in die Berge davon

 

Zum Philosophen

der über ihnen wohnt

und damit ihre Neugier weckt

 

Über ihnen wohnen zwar auch die Hirten

Aber das schert sie wenig

 

Zumal die Macht der Hirten

sich auf das Lamm und auf den Hund

beschränkt

 

Und das bedeutet heute wenig

Weniger noch als das Wort

  

   Peter Motzan bin ich wohl nur zweimal begegnet, und doch bleibt der Eindruck, den dieser tiefgründige, bescheidene, sanfte Mensch auf mich gemacht hat, ein überwältigender. Allerdings muss ich einräumen, dass ich zuerst einen Aufsatz von ihm gelesen habe, und zwar einen grundlegenden, aber wohl ist alles, was Peter schreibt, grundlegend. Es war der für eine Einsteigerin in Sachen rumänischdeutscher Literatur wie ich äußerst informative Aufsatz „Die rumäniendeutsche Lyrik nach 1944“, 1980 in Cluj-Napoca veröffentlicht, also selbst im sozialistischen Rumänien konnte man so schreiben! Es war so tiefsinnig und umfassend, aber gleichzeitig so beschwingt, dass ich den Namen des Autors mit seinen ersten drei Buchstaben gleich mit dem polnischen „motyl“ – „Schmetterling“ assoziierte. Dann folgte die Lektüre anderer Texte, die meinen Eindruck bestätigte. Erst 1990 lernte ich diesen „Schmetterling“ bei einer Grazer Tagung kennen! Ein so kluger und so schüchterner, bescheidener Mensch – einer von jenen Sanftmütigen, denen nach den Seligpreisungen Christi das Reich Gottes gehört! Als ich wohl um die Jahrtausendwende von dem Südostdeutschen Kulturwerk eingeladen wurde, am Lexikon auslandsdeutscher Schriftsteller mitzuarbeiten, lehnte ich lange ab, obwohl es durchaus ehrenvoll war - ich hatte einfach zu viele Verpflichtungen und auch persönliche Gründe. Als ich aber im Teilnehmerverzeichnis eines Ludwigsburger Symposiums von 2001, an dem auch ich mich beteiligen sollte, den Namen Peter Motzans gesehen habe, wusste ich: „Dem kann ich nichts abschlagen, wenn er kommt und etwas sagt, werde ich schreiben.“ Und das traf dann ein, da mich nichts derart für kluge Wissenschaftler einnimmt, wie ihre echte Bescheidenheit. So konnte ich dem schüchternen Reiz Peters nicht widerstehen. Ad multos annos, lieber Peter, und bleib wie Du bist, so unmodern gütig, bescheiden und still, denn so sind nach dem chassidischen Glauben die 36 Gerechten, dank denen die Erde nicht untergeht.

  

   Im treuen Dienst seiner Berufung

   Ich weiß nicht mehr genau, wo und wann wir uns zum ersten Mal getroffen haben. Bestimmt bei einer Tagung in unserer Region, wo Peter Motzan mit seinem immer wachsamen Geist die langsam schwindenden Spuren der einst blühenden deutschsprachigen Kultur zu sichern und zu bewahren sucht. Wie es aber meistens der Fall ist, wenn man in einem noch fremden Menschen doch einen schon längst gut Bekannten kennen zu lernen meint, so war es auch mit ihm. Seine urbane Bildung, die großzügig genug ist, um auch das Regionale oder sogar Provinzielle in der Literatur schätzen zu können; die Eloquenz seines Sprachgebrauchs, mit der er wohl auch in der Zeit der Inflation die Ehre der (Auslands-)Germanistik retten kann; die philologische Akribie, mit der er die Bücher redigiert und seine Kollegen aber zur Verzweiflung bringt – all das sind Tugenden, die man nur hoch achten kann und bei dieser festlichen Gelegenheit sogar feiern muss.

   Diese Ehre aber, reicht nicht ganz aus, wenn es sich um menschliche Beziehungen handelt. Womit Peter Motzan uns – trotz seines beruflichen Ernstes und seiner wissenschaftlichen Strenge – immer gewinnt, das ist wohl seine Unmittelbarkeit und die – wahrscheinlich in seiner multikulturellen früheren Heimat geschulte – humorvolle Ironie, die die Mitmenschen auch in ihrer Schwäche versteht. Hoch lebe er noch für seinen Beruf und für die humane Kultur, die uns verbindet!

 

   Peter Motzans Texte sind durch und durch Philologie im besten Sinne: Seine Studien sind immer Antworten, die die Fragen der Literatur ernst nehmen, indem sie einerseits stringent aus der Provokation des bedachten Formproblems hergeleitet; doch andererseits die Antworten eben Motzans sind – und das ist für mich stilistische Verantwortung. Diese zeichnet dann auch die Art und Weise aus, in der Motzan seine Befunde stellt: nämlich glasklar formuliert, doch nirgends simplifizierend. Kaum ist beispielsweise eine angemessenere Würdigung Margul-Sperbers als jene denkbar, die Motzan formulierte – der aufgrund der konzisen Herausarbeitung der Ranghöhe des Lyrikers Alfred Margul-Sperber eben nichts verklären, auch den „Routine-Reim” Margul-Sperbers nicht unterschlagen muss, um sich vor diesem Dichter glaubhaft zu verbeugen. Und zwar vor einem, in dessen Texten mit seinen Zwischentönen Wahrheit „zunachte tritt”, was schließlich auch für nicht minder nuancierte Interpretationen Motzans gilt. Die besten Grüße und Wünsche!

 

   Kompetenz, Konsequenz, Kontinuität

   Ende der 1960er Jahre geriet im Zuge einer politischen Tauwetterperiode, die sich auch auf das literarisch-künstlerische Leben im damaligen Einparteienstaat Rumänien förderlich auswirkte, auch der rumäniendeutsche Literaturbetrieb in Bewegung. Zahlreiche Vertreter einer jungen Generation, neue Namen von Dichtern und Schriftstellern, machten auf sich aufmerksam und Tendenzen, die, abweichend von eingefahrenen Wegen, einer verkrusteten, ideologisch gegängelten kulturellen Betätigung entgegenwirkten, begannen sich durchzusetzen. Was im Bereich der literarischen Produktion zu beobachten war, hatte seine Entsprechung auf dem Gebiet der Literaturkritik, die das Phänomen der Erneuerung, des Einzugs der Moderne in die rumäniendeutsche Literatur generationssolidarisch begleitete und unterstützte. Dies geschah aufgrund beachtlicher Professionalität, waren doch fast alle unter den Kritikern, die sich nun zu Wort meldeten, ausgebildete Germanisten, die im Umkreis dieser Jahre ihr Studium an den Universitäten des Landes, in Bukarest, Klausenburg oder Temeswar beendet hatten. In den deutschsprachigen Zeitungen und in Zeitschriften Rumäniens, u. a. in der Bukarester „Neuen Literatur“, erschienen ihre Beiträge, zuweilen polemisch zugespitzt, wenn es darum ging, den eigenen Standpunkt überholten Positionen gegenüber zu behaupten.

   Unter den neuen Kritikern erwies sich der Klausenburger Hochschullehrer und Publizist Peter Motzan, damals um die 25, bald schon als einer der profiliertesten. In den darauffolgenden Jahrzehnten sollte er auf die Orientierung und Entwicklung der neueren und neuesten rumäniendeutschen Literatur in vielfältiger Weise einen bestimmenden Einfluss ausüben, als aufmerksamer Beobachter der Szene, als Entdecker und Förderer neuer Begabungen, als kritischer Beurteiler literarischer Produktionen, als Buchautor und als Herausgeber wichtiger Anthologien, und nicht zuletzt, neueste Forschungsmethoden aufnehmend, propagierend und anwendend, von literaturwissenschaftlicher Warte aus. Mit gleicher Kompetenz, Konsequenz, Kontinuität und so umfassend wie breitgefächert hat sich keiner seiner Zunftkollegen mit der rumäniendeutschen Literatur nach 1945 befasst. (Parallel richtete sich sein Augenmerk auf die rumäniendeutsche Literatur der Zwischenkriegszeit, hier insbesondere auf die Herausbildung moderner Bestrebungen und Richtungen.)

   Dank eines Sammelbandes rumäniendeutscher Gegenwartslyrik, den Motzan nach seinen 1976 in Klausenburg erschienenen „Vorläufigen Protokollen“ mit Nachdichtungen ins Rumänische zusammenstellte, Vânt potrivit pân` la tare“ („Mäßiger bis starker Wind“, Bukarest 1982 ), bewirkte er einen Nachhall, wie ihn vorher noch kein Buch dieser Minderheitenliteratur in der rumänischen literarischen Öffentlichkeit erzielt hatte. (Der das Rumänische eindringlich beherrschende, intime Kenner zeitgenössischer rumänischer Literatur, über deren Neuerscheinungen er wiederholt schrieb, trat selber öfter auch als Nachdichter neuer rumänischer Lyrik hervor.) Im Ausland machte er mit den im Ostberliner Verlag Volk und Welt veröffentlichten Auswahlbänden „Ein halbes Semester Sommer“ (Prosa, 1981) und „Der Herbst stöbert in den Blättern“ (Lyrik, 1984) auf die (auch im Westen) mit Erstaunen und zunehmendem Interesse wahrgenommene deutschsprachige Literatur in Rumänien aufmerksam, eine Regionalliteratur, die damals gelegentlich auch als „fünfte deutsche Literatur“ bezeichnet wurde.

   Zu einem Standardwerk wurde Peter Motzans minutiös recherchierte, sozialgeschichtlich und wirkungsästhetisch ausgerichtete Untersuchung und Darstellung „Die rumäniendeutsche Lyrik nach 1944. Problemaufriss und historischer Überblick“ (Klausenburg 1980). In gewisser Hinsicht ist das überregional angelegte (in der Fachliteratur zu diesem Thema vielzitierte) Opus auch eine Ausgangsbasis mancher der literarhistorischen Einlassungen des Germanisten, die in der Nachwendezeit in Deutschland entstanden sind, wo er seit 1990 lebt. Im Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas in München, dem vormaligen Südostdeutschen Kulturwerk, seiner neuen Wirkungsstätte, bot und bietet sich dem wissenschaftlichen Mitarbeiter die Chance sein profundes Wissen unter neuen Prämissen und mit entsprechenden Weiterungen einzubringen. Neben der deutschsprachigen Literatur Rumäniens, der er komplexe Untersuchungen, Überblickstudien wie auch größere Beiträge über Einzelautoren widmete, befasste er sich mit bedeutsamen literarischen Repräsentanten auch anderer südosteuropäischer Regionen. Neben Werkausgaben von Alfred Margul-Sperber und Oscar Walter Cisek, mit deren Oeuvre er sich nachhaltig beschäftigte und beschäftigt, betreute er als Editor eine Reihe von Tagungs- und Sammelbänden zu mitunter brisanten, grundlegenden Fragen des Forschungsbereiches. Dafür nur drei Beispiele: „Worte als Gefahr und Gefährdung. Fünf deutsche Schriftsteller vor Gericht“, eine gemeinsam mit Stefan Sienerth erarbeitete und herausgegebene Darstellung und Dokumentation über den vom kommunistischen Regime inszenierten Kronstädter Prozess 1959 (München 1993), „Schriftsteller zwischen (zwei) Sprachen und Kulturen“ (gemeinsam mit Antal Mádl/Bu-dapest (München 1999) und „Deutsche Literatur in Rumänien und das „Dritte Reich“. Vereinnahmung – Verstrickung – Ausgrenzung“, herausgegeben mit Michael Markel (München 2003). Auch an der Herausgabe eines Sonderheftes der Pariser Zeitschrift „Seine et Danube“, in der rumäniendeutsche Autoren vorgestellt wurden, war er mitbeteiligt: „Écrivains allemands nés en Roumanie“ (2004). Wenn man heute ein wachsendes Interesse nicht zuletzt der Forschung an deutschsprachiger Literatur aus Südosteuropa und gerade auch an der deutschsprachigen Literatur Rumäniens beobachten kann, so hat Motzan dazu einen entscheidenden wissenschaftlichen Originalbeitrag geleistet. Der Umstand, dass er, der ehemalige Klausenburger Hochschullehrer und heutige Honorar-Professor der dortigen Universität sich auch als Lehrbeauftragter der Universität München dieser Problematik wie auch der Wahrnehmung und Vermittlung der rumänischen Literatur widmet, neuerdings in einem Eminescu-Seminar, unterstreicht bleibende Schwerpunkte in der gut über dreißigjährigen Karriere des Wissenschaftlers. Eines Wissenschaftlers, der, und das ist bezeichnend für Peter Motzan, auch durch die sprachliche Eleganz seines Vortrags, in Schrift wie in freier Rede, auf unverwechselbare Weise, motzanesk eben, für den von ihm behandelten Gegenstand wirbt. Beiträge des blendend formulierenden Experten, die im Feuilleton großer deutscher Tageszeitungen erscheinen, erweitern sein Wirkungsfeld.

   ... Im Münchener Institut begegnen und sprechen wir uns seit einer guten Weile fast täglich. Trotzdem, auch auf diesem Wege: Nur das Beste, lieber Peter Motzan, zu deinem Sechzigsten, und weiterhin!

  

   Als ich mich 2003 noch als Studentin dazu entschied, über Alfred Margul-Sperber eine Diplomarbeit zu schreiben, empfahl mir die Sekundärliteratur Dr. Peter Motzan als den Fachmann im Bereich. Persönlich lernte ich ihn beim Germanistenkongress in Hermannstadt in demselben Jahr kennen. Der damalige erste Eindruck bewahrheitete sich zwei Jahre später anlässlich meines Aufenthalts im IKGS als Stipendiatin; Herr Dr. Motzan zögerte nicht, mich trotz seiner vielseitigen Projekte mit wertvollen Ratschlägen und Anregungen zu meiner Dissertation zu betreuen. Unvergesslich bleiben jedoch seine humorvollen und nicht selten bissigen Bemerkungen sowie die auf den ersten Blick verblüffenden Fragen, mit denen der Fachmann die Doktoranden im Institut in große Verlegenheit brachte. Von einem Essaytitel von Hans Bergel ausgehend, fragte er mich eines Tages im Vorbeigehen, was ich denn vorziehe, das „Spiel" oder den „Chaos". Solche wissenschaftliche Herausforderungen bildeten keine Ausnahme. Doch beschränkten sich unsere Gespräche nicht nur auf fachliche Anliegen. Beispielsweise warnte er mich und eine slowenische Doktorandin, als er sich in der Institutsküche eine Tasse Kaffe holen wollte, davor, dass Liebe gefährlich sei, weil sie Zeit raube. Weitere Auskunft über Dr. Peter Motzan kann übrigens seine schwarze Katze Lulu geben, die die Richtigkeit der obigen Aussagen vom Hören und Sehen bestätigen kann.

   Hoch sollen Sie leben, sehr geehrter Herr Motzan!

   Einem Freund wünscht man zum Geburtstag alles Gute, viel Gesundheit und Glück, er solle hoch leben, all seine Träume mögen in Erfüllung gehen und Ähnliches. Für den kultivierten Literaturwissenschaftler Peter Motzan möchte man zum Geburtstag Worte und Wendungen erfinden, und wenn das nicht möglich sein sollte, dann sollten es zumindest Worte sein, die nicht abgedroschen klingen. Er verdient es einfach nicht, mit banalen Floskeln beglückwünscht zu werden. Wie kaum einem anderen sind ihm die unendliche Aussagekraft und die versteckte Magie des Wortes vertraut.

   Aus den Titeln seiner zahlreichen Aufsätze und Studien, Bücher und Buchkritiken, Übersetzungen und Interpretationen, Rezensionen und Interviews will ich den Werdegang des Jubilars aus meiner Sicht skizzieren. Das soll ein Beweis dafür sein, dass er sein ganzes Leben der Literatur, Wissenschaft, Lehre und Forschung widmet. Ein Glücksfall für Germanisten. Meine Hommage – ein vielleicht etwas außergewöhnlicher Glückwunsch. Er gilt einem Kollegen, bei dem ich die Arbeitskraft, die gedankliche Originalität und Tiefe, den unverwechselbaren Galgenhumor, die feine Ironie und das geistreiche Auftreten besonders schätze:

 

Stationen des Lebens – Aspekte des Werkes – Spuren der Wirkung

 

Für Peter

 

 „Ich begrüße Sie am Anfang einer großen Karriere.“

Alles, was nötig war.

Abitur, Promotion zum Dr. Phil., Hochschulassistent und Dozent,

Professor honoris causa, kommissarischer Direktor.

Deutsche Literatur. Rumäniendeutsche Lyrik. Lesezeichen. Interpretationen.

Klassische Zitate und Verse.

Rilke.

Die Turmuhr lässt der Zeit den Lauf.

Reflexe.

Ein Einzelgänger.

Mäßiger bis starker Wind.

Ein Proteus.

Entlassung aus dem Hochschuldienst wegen Antragstellung auf Ausreise/

 in die Bundesrepublik Deutschland.

Widersprüchliche Konsequenz und konsequente Widersprüche.

Von der Aneignung zur Abwendung.

Die vielen Wege in den Abschied.

Ein halbes Semester Sommer.

Der Herbst stöbert in den Blättern.

Identität als Vielfalt.

Realitätserkundung, Selbstausforschung und der melancholische Traum vom geschriebenen Glück.

Schriftsteller zwischen (zwei) Sprachen und Kulturen.

Worte als Gefahr und Gefährdung.

Was aber stiften die Literaturhistoriker?

Vorläufige Protokolle.

Reflexion.

Bruchstücke einer ironischen Konfession.

Wegbereiter und Wegbegleiter.

 

   Peter Motzan wird 60

   Es ist vielfache Befangenheit, die sich meiner bemächtigt, wenn ich mich anschicke, dem Freund und Kollegen Peter Motzan anlässlich seines 60. Geburtstages öffentlich zu gratulieren. Eine Laudatio darf es nicht werden, weil er Lobpreisungen, die aus der Feder eines ihm sehr nahe stehenden Gefährten stammen, mit großer Skepsis begegnet. Loben und gelobt zu werden ist seinem Charakter eher fremd, und wer dazu neigt, sich selbst und andere ungebührend zu überschätzen – und in den Berufskreisen, in denen wir verkehren, sind es nicht wenige, die nach Ehrenbezeugungen regelrecht gieren –, den weist er unumgänglich in die Schranken und treibt ihm das (Selbst)Loben aus. Auf den Applaus der Mitmenschen kommt es ihm nicht unbedingt an, und wo es um seine Person geht, untertreibt er lieber.

   Darüber hinaus mit unbefangenem Blick einen Menschen und seine wissenschaftliche Leistung zu würdigen, dem man bereits aus der Studenten­zeit freundschaftlich verbunden ist, mit dem man sich gedanklich seit anderthalb Jahrzehnten sozusagen täglich austauschen kann und dessen liebenswerte Charaktereigenschaften und Schrullen man nach mehr als vierzig Jahren Bekanntschaft zu kennen glaubt, ist alles andere als leicht. Was hier in dürren Worten versucht wird, ist keine Würdigung seiner Leistungen, sondern ein Grußwort zu gegebenem Anlass.

   Unsere Lebens- und Berufswege sind parallel verlaufen, haben sich aber immer wieder gekreuzt. Was uns in der vergleichsweise liberalen Phase der Ceauºescu-Diktatur, als wir in zwei aufeinander folgenden Jahrgängen in Klausenburg studierten, zunächst zusammen führte, war die Liebe zur Literatur und zu ihrem Studium, die uns auch mit anderen der Dichtung zugewandten Kom­militonen verband. Selbst wenn wir am Sinn unseres Tuns vor allem nach unserer Aussiedlung in die Bundesrepublik Deutschland zweifelten, blieb die Prägung, die wir durch die Beschäftigung mit den großen Werken der Weltliteratur, der deutschen, der rumänischen und der rumäniendeutschen, erfahren hatten, nachhaltig. Sie wurde besonders in den Zeiten der nationalkom­munistischen Diktatur auch zur Hilfe in der Überwindung existen­tieller Heraus­for­derungen.

   Nachdem sich unsere Wege nach dem Studium getrennt hatten, begegneten wir einander als junge Universitätslehrer dennoch immer wieder bei Tagungen und Studentenveranstaltungen, in Prü­fungs­kommis­sionen, vor allem aber bei Autorenlesungen und im vertrauten Kreis befreundeter Literaten, sei es in Klausenburg oder in Hermannstadt. Während ich mich der älteren siebenbürgischen Literatur annahm und mich Themen und Gegenständen widmete, die dem bewunderten Freund Stirnerunzeln und bestenfalls ein müdes Lächeln abnötigten, hat er sich von vornherein auf die Gegenwartsliteratur hin orientiert. Peter Motzan erschrieb sich zunächst mit Kritiken, mit denen er den Entwicklungsgang junger rumäniendeutscher Autoren begleitete, einen führenden Platz im zu Beginn der 1970er Jahre noch recht lebendigen rumä­niendeutschen Literaturbetrieb. In den in den 1980er Jahren zunehmend schrumpfenden Kreisen der deutsch schreibenden Literaten Rumäniens bewunderte man seine urteils­freudigen Rezensionen, die pointiert formuliert und nicht selten bohrend spitz, letztendlich aber nie verletzend waren. Auch seine umfangreicheren monographischen Darstellungen, Anthologien und Studien zur Geschichte der rumäniendeutschen Literatur des 20. Jahrhunderts fassten die Erträge der Forschung zusammen, breiteten ein beachtenswertes literaturwissenschaftliches Wissen aus, setzten Maßstäbe analytischer Schärfe und zeichneten sich durch einen kultivierten Sprachgebrauch aus.

   Nicht lange nach unserer Ausreise fanden wir einander zu Beginn des Jahres 1992 im damaligen Südostdeutschen Kulturwerk e. V. in München wieder – einer Nische am Rande des buntscheckigen bundes­republikanischen Kultur- und Literaturbetriebs. An der Qualität und der ansehnlichen Zahl von Büchern, die der Verlag des Kulturwerks, das sich gegen Ende des vorausgegangenen Jahrhunderts sichtlich zu einem Forschungsinstitut mauserte und etwas später die Anerkennung als An-Institut an der Ludwig-Maximilians-Universität errang, intensiver zu produzieren begann, war nicht zuletzt auch Peter Motzan, sowohl als Autor und Herausgeber wie auch als sorgfältiger Redakteur, beteiligt; ebenso als Mitarbeiter an der institutseigenen Zeitschrift „Südostdeutsche Vierteljahresblätter“, deren Rezensions- und Literaturteil er seit Jahren betreut, und als beliebter und geschätzter Universitäts­lehrer, der es, wie vormals in Klausenburg, versteht, seine Studenten und Doktoranden in München wie an den südosteuro­päischen Hochschulen für seinen Forschungs­gegenstand zu begeistern.

   Peter Motzans wissenschaftliche Karriere ist – so könnte man aus Anlass des 60. Geburtstages vorerst resümieren – insgesamt zielstrebig, wenig kurvenreich und glücklich verlaufen, selbst wenn er in akademischer Hinsicht infolge des Landeswechsels nicht die höchsten univer­sitären Stufen hat erklimmen können. Eine von der Universität Klausen­burg 2002 verliehene Ehrenprofessur trägt so gesehen neben der damit im Zusammenhang ausge­sprochenen wissenschaftlichen Anerken­nung auch Züge einer Trost spendenden Wieder­gutmachung.

   Die leicht gebeugten Schultern, das zunehmend von Falten durchzogene, jedoch jugendlich wirkende Gesicht, die immer noch von überwiegend blonden Haaren bedeckte Stirn, die sich besonders dann verdüstert, wenn in seiner Anwesenheit über Dinge diskutiert wird, die ihn nicht interessieren, lassen erkennen, dass die Zeit nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist. In solchen Augenblicken trübt gelegentlich Müdigkeit seinen Blick, der abwesend in die Ferne sticht. Doch wenn von Literatur, Politik oder gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen die Rede ist, kehrt die Frische in sein Antlitz zurück, ein hellwaches Interesse macht sich in griffigen und markanten Sprachbildern, wie eh und je, bemerkbar.

   An der Schwelle zum letzten beruflichen Jahrfünft weiß man, dass man die Zeit nicht mehr aus einem Fass ohne Boden schöpft, und so wünscht man dem Freund und Kollegen, neben Gesundheit und Wohlergehen, dass es ihm gelingen möge, die zahlreichen Projekte, die er noch umsetzen möchte, zu verwirkli­chen. Sein hohes Perfektionsstreben, das immer noch fabelhafte Gedächtnis und seine Verausga­bungs­bereitschaft bilden die Gewähr für deren Umsetzung, sein feiner Witz und seine beißende Ironie schaffen trotz starker Resignations­neigung die nötige und ihm wichtige Distanz zu seinem Tun.

 

    Albumblatt für P. M.

   „Und ist so blass wie Kreide“ (Heinrich Heine). So sehe ich ihn seit Jahren, teilnehmend, zuhörend in Mitten der Worte, der Poesie und der Wissenschaft und doch irgendwie nicht zugehörig der Welt, die seine Lebenssehnsucht wirklich stillen könnte. Er kniet sich in die Verse, stromauf wie die Rheinschiffe, die zur Quelle wollen. Er weiß, dass Rumänien ein naher Nachbar ist, dass die Donau Deutschland und Rumänien verbindet. Das Unterwegssein, das ist sein Ort, „Hand in Hand mit der Sprache / bis zuletzt“ (Hilde Domin). Er hilft anderen, Verse zu finden und zu erhalten, die Geländer sind und ins Offene führen. Alle Dichter aus dem Banat und aus Siebenbürgen, die noch immer dort lebenden und die schon seit langem ins Binnendeutsche gewechselten, gingen durch sein Kopfland. Die Leichtigkeit und Präzision seiner Wissenschaftsprosa sind dem Zweifel abgerungen. Seine Sätze wirken wie lässig geworfene Lassos und fügen sich Wort für Wort zu einem Text, der Verantwortlichkeit und Wärme ausstrahlt. Er verletzt nie und ist doch ein unbeirrbarer Analytiker der Dichtung des 20. Jahrhunderts und der sechs Jahre, die seitdem ins neue Jahrtausend gegangen sind. Er ermutigt, weil er weiß, dass nichts mehr als Trost und Zuspruch die Sprache beflügeln. Er ist ein trauriger Passant in den Alleen der Wolken und den Welten dazwischen. Und gerade deshalb ein so aufmerksamer Sprachbeobachter und nobler Freund der Dichter. Blass wie Kreide – so schaut er mich gelegentlich an: ein Gesicht, das leuchtet auf dunklem Grund.

 

Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

 Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 13.-14. Jg., Heft 1-2 (25-26) / 2004, 1-2 (27-28) / 2005, S. 456-471

 

 

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