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Gesellschaft der Germanisten Rumäniens (GGR) - www.ggr.ro

Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, Jg. 9, Heft 17-18 / 2000, S. 377-401

 

 

"Wortreiche Landschaft"

 - wissenschaftliche Tagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen,

Stuttgart, 18.-20.Oktober 2000

 Übersetzen als Brückenschlagen.

Vielvölkerland Bukowina und seine Mehrsprachigkeit

George Guþu

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***

In den weiteren Überlegungen wollen wir auf einige Aspekte zwischenmenschlicher Kommunikation im Bereich der Bukowina, die mit der Problematik der Zwei- und Mehrsprachigkeit zusammenhängen, insbesondere auch auf einige Momente hinweisen, die einerseits die Früchte des langjährigen Zusammenlebens von Völkerschaften verschiedener Zungen im gleichen geographischen Raum, andererseits die Öffnung einzelsprachlicher geistiger Räume für die Fremdsprachigkeit und für die von ihr getragenen Kultur und Zivilisation offenbaren. Wie dies im kleinen funktioniert, soll als Momentaufnahmen hier dargelegt werden.

Bevor auf einen der vielleicht interessantesten, weil auch sehr dynamischen und in vielerlei Richtungen laufenden Mechanismus -  den der sprachlich-literarischen Übersetzung - eingegangen wird, müssen einige Prolegomena theoretischer Natur in die Diskussion eingebracht werden, ohne die jeglicher Hinweis auf konkrete Aspekte zu totem, leblosem, weitgehend statistischem Positivismus erstarren würde.

*

Wenn nach glaubwürdigen und handfesten Zugängen zu den vielschichtigen und komplexen, alles andere als leicht durchschaubaren soziopolitischen und geistig-kulturellen Phänomenen dieser Region gefragt wird, so kann vielleicht die Mentalitätsgeschichte in großzügigem Maße dazu Hilfe ableisten. Da sie sich von Anfang an gegen die überholungsbedürftige, einseitig ereignisorientierte, politische Geschichte polemisch äußerte, betonte die Mentalitätsgeschichte in ihrem Dirskurs die entscheidende epochenbedingende und -konstitutive Bedeutung von kollektiven oder Gruppenvorstellungen, die zeittypischen Anschauungen sowie die latenten Dispositionen genau bestimmbarer Konstellationen, die in einem gewissen Maße zur Entstehung und Bildung von erkennbaren Verhaltensmustern führen. Es gilt also, auch im Bereich der Kultur alltägliche Umgangsformen sichtbar werden zu lassen, die einerseits aus dem Bedürfnis des besseren gegenseitigen Kennenlernens entstehen und zweitens entsprechende Formen des geistigen Austauschs hervorbringen und fördern.

So heißt es in einer Erläuterung zum Begriff Mentalitätsgeschichte, es gehe diesem Wissenschaftszweig nicht zuletzt darum,

die dem Blick der traditionellen Geschichtsschreibung verborgenen bzw. unbeachteten Dokumente der schriftlichen und kulturellen Überlieferung ausfindig zu machen und deren systematischen Stellenwert im sozialen Gefüge einer Epoche zu erkunden.[62]

Denn diese Vorgehensweise ist grundsätzlich darum bemüht, sowohl esoterische als auch exoterische Bestrebungen der Bildung eines zeittypischen Kulturhorizonts ins Auge zu fassen, um psychologische und emotionale Komponente und Beweggründe zu umreißen, die an der Bewußtseinsbildung in einem nicht geringzuschätzenden Maße teilhaben. Durch die Verwertung und Anwendung von Erkenntnissen der Diskurs-theorie, der interdisziplinär angelegten Bemühungen der Kulturwissenschaften und der Kulturanthropologie ergeben sich für die Forschung ungeahnte, weiträumige literatur- und kulturwissenschaftliche Einsichten und Möglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf eine panoramahafte Gesamtschau eines historischen Phänomens.

Im gleichen Sinne kann die Kulturwissenschaft herangezogen werden, wenn darunter "ein interpretatives, bedeutungsgenerierendes Verfahren" versteht, "das sozial signifikante Wahrnehmungs-, Symbolisierungs- und Kognitionsstile in ihrer lebensweltlichen Wirksamkeit analysiert" -  wie die Erkenntnis von Hartmut Böhme und Klaus R. Scherpe lautet.[63] Es ist fast selbstverständlich und leicht einsehbar, daß dabei Interferenzen mit der komparatistischen Imagologie zustandekommen, mit der Kultursymbolik, mit der literarischen Anthropologie, mit der Geistes- und Ideengeschichte und nicht zuletzt mit der Xenologie (= Fremdheitsforschung). Die in diesem Sinne verstandene, historisch und mentalitätsgeschichtlich vorgehende Kulturwissenschaft bemüht gleichermaßen Konzepte wie Alterität, Erinnerung des kulturellen Gedächtnisses und der Mentalitäten. Bekanntlich läßt sich Mentalität definieren als

ein heterogenes Ensemble aus kognitiven und intelektuellen Dispositionen, Denkmustern und Empfindungsweisen, aus denen sich die teilweise unbewußten Kollektivvorstellungen einer Gesellschaft zusammensetzen.

Es gilt dabei, eine große Schwierigkeit zu überwinden, nämlich die der Auswahl der zweckdienlichen Dokumente aus einer irreduziblen Vielfalt der Überlieferungen, die vor allem im Falle der literaturwissenschaftlich orientierten Forschung Texte und Kunstwerke auf ihre Relevanz und Funktionstüchtigkeit der jeweiligen Mechanismen eines kollektiven bewußten und unbewußten Denkens und Handelns hin zu prüfen sind. In Histoire et mémoire hatte J. Le Goff 1988 davor gewarnt, daß derartige Bemühungen eine "gefährliche Abstraktion" bleiben, wenn sie nicht auf die historische Wirklichkeit in ihrer heterogenen Ausprägungen Bezug nehme.[64]

In dieser dynamischen Verflechtung entstehen oft Untersuchungen, die die Herausbildung und Entwicklung des kollektiven Bewußtseins sowie nationaltypischer Gewohnheiten und Identitäten zu ihrem bevorzugten Gegenstand machen - auch wenn oft die Akzente unterschiedlich gesetzt werden.

*

Denn bevor die Übersetzungswissenschaft zu einer Translationstheorie geworden ist, kam sie dieser kurz skizzierten Herangehensweise doch recht stark entgegen. Noch zur Zeit der deutschen sowie der verspätet einsetzenden rumänischen Romantik  dominierte bekanntlich die Auffassung, daß "sich in der Sprache der Charakter eines Volkes selbst widerspiegelt"[65] (Eminescu), was den Einfluß Humboldtscher Überlegungen verrät:

Die Sprache ist gleichsam die äußerliche Erscheinung des Geistes der Völker; ihre Sprache ist ihr Geist und ihr Geist ihre Sprache, man kann sich beide nicht identisch genug denken.[66]

Das hatte zur Folge, daß die Aneignung einer Sprache das Hineinwachsen in eine andere Kultur bedeutete, d.h. die Übernahme von Wirklichkeitsauffassungen der von dieser Sprache tradierten Kultur. Die Sprache kann kein austauschbares Anhängsel der Identität eines Volkes sein, denn sie ist für die Erfassung von Welt, für ihre Beschreibung und ihr Verstehen durch den einzelnen von grundlegender Bedeutung. Daraus entwickelte Leo Weisgerber seine Auffassung von der Sprachinhaltsforschung, von der Sprache als geistiger Zwischenwelt, vom Weltbild der Muttersprache.[67] Deshalb muß die historisch gewachsene Wirkung einer Sprache in mentalitätsgeschichtlicher und kulturwissenschaftlicher Hinsicht allein auf dem diese Wirkung überhaupt möglich machenden Hintergrund geschichtlicher, politischer, sozialer und ökonomischer Zusammenhänge eruiert werden. Das Englische, das Französische oder das Deutsche haben in sprachwissenschaftlicher Hinsicht keine eigenspezifische Merkmale, die diese Sprachen wichtiger oder interessanter machen als andere Sprachen der Welt -  so auch als das Ukrainische, Tschechische, Rumänische, Ungarische etc. etc. Da sie Kulturen und Mentalitäten tradieren, müssen sie dahingehend betrachtet werden, wie sie zu einem gegebenen Zeitpunkt dem historischen, für ein jedes Volk notwendigen, aber auch spezifischen Fortschritt förderlich oder hemmend sind.

Trotz der theoretisch postulierten offensichtlichen Unübersetzbarkeit bewährte sich die Sprachkommunikation vermittels der Sprachen der einzelnen Völkerschaften in der Bukowina auch in Form von Übersetzungsversuchen oder gar aufgrund von unausweichlich-gegebener Zwei- oder Mehrsprachigkeit als zwischenmenschliches Kommunikationmittel ersten Ranges. Die Übersetzung wurde gerade durch besagte Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit[68] eben möglich, weil sie zugleich auch lebensnotwendig war. Ioan Oros-Rusu, ein Präfekt Avram Iancus, der nach der Niederschlagung aus Siebenbürgen in die Moldau und in die Bukowina flüchtete, berichtet über seine Begegnung mit der aus der Bukowina stammenden Elena Sturdza, der Schwester von Nicu Hurmuzachi, die

sehr gebildet und belesen war und außer der Muttersprache Rumänisch auch die deutsche, französische, italienische, griechische, polnische und russische Sprache sprach. Sie hatte eine sehr schöne und reiche Bibliothek, in der sich die Werke aller zu jener Zeit berühmten Schriftsteller befanden.[69]

Durch Übersetzungen wurde das Bild vom Anderen, vom Fremden etwas lebensnäher, wirklichkeitstreuer, was zur Annäherung und zur Überwindung xenophober Vorurteile und Barrieren beizutragen vermochte -  ohne freilich die geschichtlich notwendigen Entwicklungen bremsen zu können. Denn selbst in den heftigsten Auseinandersetzungen konnte man sich mit Hilfe der Sprache Klarheit verschaffen, um eine soziale oder wirtschaftliche Diagnose zu stellen und dementsprechend Konflikte zu entschärfen. Dies in einem gewissen Grade begriffen zu haben, scheint ein Verdienst der Wiener Behörden und ihrer Politik im Laufe ihrer Herrschaft über andere Völker Mittel- und Osteuropas. Das Jahr 1918 konnte jedoch selbst dadurch nicht vermieden werden. Historisches Schicksal ist demzufolge sowohl sprachabhängig - im Bewußtmachen und Bewußtwerden von einer geschichtlichen Notwendigkeit - als auch in gleichem Maße sprachindifferent.

*

Die rumänische Literatursprache entwickelte sich mächtig in den Jahren, in denen die zahlreichen Übersetzungen kirchlicher Bücher ins Rumänische getätigt und gedruckt wurden, auch wenn zunächst die Übersetzung aus dem Altslawischen oder Griechischen meist ad litteram vorgenommen wurde, so daß sie nicht immer nach dem Geist des Rumänischen, sondern eher nach dem Buchstaben des Originals angefertigt wurde[70]. Seit der Herrschaft des Fürsten Vasile Lupu, des Wirkens des Metropoliten Varlaam bis zur herausgeberischen Tätigkeit des gelehrten Dosoftei stieg die Anzahl der übersetzten kirchlichen Bücher ständig. In der Bukowina geschah dies nicht zuletzt durch die Gründung einer eigenen Druckerei. Veniamin Costache übersetzt 1807 Vieþile sfinþilor und 1814 Scara pãrintelui Ioan aus dem Russischen. Gh. Asachi übersetzte im Jahre 1821 Bordeiul indienesc von B. de Saint Pierre und schreibt im Vorwort:

Nach den letzten tausend Jahren sehen wir die Rumänen erwachen und in allen drei Ländern große Anstrengungen unternehmen[71].

In einer Untersuchung zur Rolle des Buches in der Entwicklung des Nationalbewußtseins in der Moldau bestätigt ªtefan Lemny die Feststellung Asachis:

Die schnelle Zunahme der Übersetzungen aus Fremdsprachen, die Aufnahmebereitschaft gegenüber den freimaurerischen und aufklärerischen Ideen, die immer größere Hinwendung zur moralisierenden Literatur … zeigt einen Radikalisierungsprozeß des Bewußtseins, der sich auch in den Vorworten zu den gedruckten Büchern ihren Ausdruck findet.[72]

Als ein bemerkenswerter Moment der Vermittlungstätigkeit in der Bukowina gilt die Übersetzung des österreichischen Strafgesetzbuches 1807 unter dem Titel Carte de pravilã ce cuprinde legile asupra faptelor rele ºi a cãlcãrilor grele de poliþie[73] und des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches unter dem Titel Cartea legilor de obºte pârgãreºti pentru toate þãrile moºtenitoare a Monarchiei Austrieceºti. Die erste Übersetzung -  schreibt Fritz Lang -

war innerhalb kürzester Zeit erfolgt, vermutlich unter der fachkundigen Anleitung von Ion Budai-Deleanu, und erschien bereits 1812 in Czernowitz in der Druckerei von Peter Eckhardt. … Die Czernowitzer Übersetzung" "bedeutete nicht nur die Verbreitung und Anwendung eines modernen Zivil-Gesetzeswerkes in rumänischer Sprache, sondern auch einen wichtigen Beitrag für die Herausbildung der bis dahin fehlenden modernen Rechtsterminologie im Rumänischen, eine sprachschöpferische Leistung ersten Ranges. Sie war eine der Voraussetzungen für die Verrechtlichung des zwischenstaatlichen Wirtschaftsverkehrs, denn dieses ABGB erfuhr innerhalb weniger Jahre eine umfassende Rezepzion im Fürstentum Moldau und in etwas abgeschwächter Form auch in der Walachei.[74]

Das war eine praktische Notwendigkeit, die sich auch in der Drucklegung zwei- oder mehrsprachiger Bücher für den Religions- oder Schulunterricht niederschlug -  so

ein dreisprachiger Katechismus (rumänisch-deutsch-ukrainisch) nach dem Vorbild einer 1774 in Wien erschienenen viersprachigen Vorlage. Damit wurde nicht nur die rumänisch-ruthenische Symbiose im Bereich der orthodoxen Glaubensgemeinschaft gefördert, sondern auch die lange Reihe zwei- und dreisprachiger Veröffentlichungen der Bukowiner Verwaltungsorgane eingeleitet.[75]

Die Zweisprachigkeit wurde durch die Gründung deutsch-rumänischer Schulen ausgebaut, für die auch entsprechend bilinguale Lehrbücher erstellt werden mußten -  so erschien 1810 die erste Abhandlung zur rumänischen Sprache von Anton de Marki in deutscher und rumänischer Sprache.[76] Ein wallachisch-deutsches Wörterbuch stellte Piuaru-Molnar 1822 zusammen, in dem er auch ein Register der Ortsnahmen in wallachischer und deutscher Sprache erstellte. 1844 sollte Teoctist Blajevici eine Theoretisch praktische Grammatik der Daco-romanischen Sprache, das ist: der moldauischen oder wallachischen Sprache veröffentlichen, die mehrere Auflagen erlebte und über das Deutsche die rumänische Sprache den Interessenten näher zu bringen vermochte.

Teodor Racoce stellte zusammen und veröffentlichte 1820 die erste Auswahl von literarischen Texten in rumänischer Sprache: Chrestomaticul Românesc, in dem Übersetzungen aus dem Lateinischen und z.T. aus dem Deutschen zugänglich gemacht wurden. Im gleichen Jahr kam in Wien Theodor Bendellas Topographisch-statistische Übersicht der Bukowina heraus, während Alexander Popowicz in Grazer Publikationen Berichte über die Bukowina schrieb. Beide Fremdheit abbauende Leistungen sind allein aufgrund der Mehrsprachigkeit zu erklären. Karl Umlauff (später: von Frankwell) übersetzte Schubert-Lieder ins Rumänische usw.

Wenn von Mehrsprachigkeit die Rede ist, so muß auch das Theologische Institut, später die Theologische Fakultät der Czernowitzer Universität erwähnt werden, die Rumänen, Ruthenen, Bulgaren, Serben und Griechen aufnahm und somit neben dem Deutschen auch mit den anderen Sprachen umzugehen wußte, wodurch sie

bis in die Zeit zwischen beiden Weltkriegen ihre überregionale und übernationale Bedeutung wahren konnte[77].

1882 wurde die theologische Zeitschrift der rumänischen und ruthenischen Orthodoxen "Candela" (Das Öllämpchen) gegründet, die bis 1947 zweisprachig erschien. Auch im politischen Bereich -  so durch Sozialdemokraten -  wird in der Bukowina Mehrsprachigkeit vorgeführt: an einer Maifeier 1908 ergriffen verschiedene Redner das Wort:

Grigorovici sprach rumänisch, seine Frau deutsch, Bezpalko ruthenisch, Slowinski polnisch und Tripper jiddisch.[78]

Die Frucht toleranter Einstellung machte sich während der kriegerischen Auseinandersetzungen im Jahre 1914 bemerkbar, als der rumänische griechisch-orthodoxe Erzbischof und Metropolit Dr. Vladimir von Repta fremdes Kulturgut, jüdische Thorarollen des Czernowitzer Tempels, in seine Residenz zur Aufbewahrung holen ließ und als Beschützer aller Einwohner der Stadt wirkte.[79]

*

Daß die Übersetzung hierzulande als Kommunikations- und Verständigungsmittel schon lange Gang und Gäbe war, bezeugt uns der offizielle Schriftverkehr in diesen multiethnischen Gegenden -  so etwa wurde der Brief des Grafen Rumjantzow an den Erzbischof der Moldau aus dem Jahre 1773 rumänisch und russisch verfaßt.[80] Auf die verschiedenen Verordnungen, die ebenfalls in verschiedene Sprachen, darunter auch ins Rumänische übersetzt wurden, haben wir bereits hingewiesen. In der erst 1861 gewählten Versammlung der Rumänen wurden die Sitzungen sowohl in rumänischer Sprache, wodurch eine große Aufwertung dieser Sprache erfolgte und die Bedeutung dieser Völkerschaft anerkannt wurde, als auch in der Staatssprache Deutsch gehalten. Die Protokolle wurden ebenfalls deutsch und rumänisch veröffentlicht.[81]

Interessant ist auch der Umstand, daß die ersten Zeitungen in der Bukowina in der Zeit der österreichischen Herrschaft in rumänischer Sprache erschienen sind. Nach dem bereits 1820 in einer einzigen Nummer aufgelegten "Chrestomaticul Românescu", erschien am 16. Oktober 1848 auch die von den Brüdern Alexandru und Gheorghe Hurmuzaki herausgegebene Wochenschrift "Bucovina, gazeta româneascã pentru politicã, religie ºi literaturã", deren Nachrichtenteil in deutscher Übersetzung gedruckt wurde.[82] Gheorghe Hurmuzaki schrieb in dem Vorwort, das Blatt strebe u.a. die Festigung der Gleichberechtigung aller Nationalitäten und die Verbreitung von "Kenntnissen über die beiden Fürstentümer Moldau und Walachei für Österreich und Deutschland"[83]. Dieses Blatt sollte Mitarbeiter aus allen rumänischen Gebieten, vor allem aus dem durch magyarische Zensurmaßnahmen betroffenen Siebenbürgen, zusammenscharen, so daß Turczynski schlußfolgert:

Durch die Mitarbeit führender Geister und insbesondere prominenter Literaten aus allen rumänischen Siedlungsräumen wurden wichtige Grundlagen für eine weitgespannte literarische Zusammenarbeit geschaffen und die Idee einer Vereinigung aller Rumänen weiterentwickelt.[84]

Dies ist eine Folge der in der Bukowina praktizierten Mehrsprachigkeit und der Mittlerrolle der Intellektuellen, die nicht zuletzt durch ihre Übersetzungstätigkeit zum regen geistigen Austausch beigetragen haben.

*

Mit der allmählichen Entwicklung und Verbreitung der deutschsprachigen Literatur werden auch Angehörige nichtdeutscher Völkerschaften gefördert. Die erste deutschsprachige Bukowiner Zeitung "Bukowina" (seit 1862) brachte auch Werke von Schriftstellern rumänischer (Theodor von Lupul) bzw. ukrainischer (Jurij Fedkowycz) Herkunft heraus. Ihr Herausgeber war der Deutsche Ernst Rudolf Neubauer. Die durch die Ausrufung der staatlichen Unabhängigkeit von der Pforte begeistert auftretenden Rumänen geben eine Zeitung in deutscher Sprache heraus "Der Patriot", um ihr nationales Anliegen bekannt zu machen. Hier liegt ein deutliches Beispiel für die Zweischneidigkeit der Pflege der deutschen Sprache innerhalb der Donaumonarchie vor: denn zum Sprachrohr der Rumänen -  doch dies gilt in gleichem Maße auch für die anderen Nationalitäten des Habsburger Reiches -  wurden "die deutschsprachigen Zeitungen"[85]. Was beweist, daß durch eine Fremdsprache auch eigene Welt- und Wertvorstellungen vermittelt werden können, die ursprünglich in der Muttersprache entwickelt worden sind. Hier zeigt sich recht deutlich, wie durch Sprachkommunikation auch Mentalitätstransfer erfolgt.

Außerdem liegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Beispiele von übersetzerischen Bemühungen vor - so das Poetische Gedenkbuch. Festgeschenk zur Feier des hundertjährigen Jubiläums der Vereinigung des Herzogtums Bukowina mit dem österreichischen Kaiserstaate und der Inauguration der Universität Czernowitz[86], in dem Adolf Simiginowitsch-Staufe (Über-setzungen kleinrussischer Volkslieder, 1870) verschiedene weitere Übersetzungen veröffentlichte. Als guter Vermittler rumänischer Volkslieder wirkte auch Viktor Umlauff.[87] Zum gleichen Zeitpunkt sprach ein Rumäne, der erste Rektor der Czernowitzer Universität Tomaszcuk (Tomaºciuc), bemerkenswerte Worte aus:

Wehe der Nation, die sich fürchten muß vor dem Einfluß fremder Kultur. Diese hat sich selbst das Todesurteil gesprochen…[88]

Was die Übersetzungstechnik anbetrifft, so wurden auch diesbezüglich interessante Überlegungen angestellt. In einer Theaterchronik zur Aufführung eines französischen Stückes führte Eminescu, der selber Übersetzungen anzufertigen bemüht war, folgendes aus:

Was die Sprache des Übersetzers anbetrifft - so könnte diese rumänischer sein. Was soll da prizon (rum. Gefängnis; G.G.) heißen? Haben wir nicht genug rumänische Wörter, um das Hintergitternstecken auszudrücken? Închisoare, temniþã, prinsoare sind dem Übersetzer nicht gut genug? Die Forderung nach der Reinheit der Sprache ist gerecht, doch verpflichtet sie nicht einen jeden. Der Übersetzer braucht sich nur zu fragen, wie das eine oder andere auf Rumänisch heißt, um von der Gallomanie (d.h. vom Gebrauch von Fremdwörtern; G.G.) geheilt zu werden.[89]

Was den Beitrag der deutschsprachigen Schriftsteller in der Bukowina zum kulturell-geistigen Brückenschlagen zwischen den verschiedenen Völkerschaften anbetrifft, so werden

Karl Emil Franzos, Ernst Rudolf Neubauer, Raimund Friedrich Kaindl und andere frühe Vermittler und Editoren" als "typisch für die als ein weiteres Bukowiner Spezifikum herauszustellende Übersetzertätigkeit aus der umgebenden russischen und rumänischen Literatur der Region, der sich von dem erwähnten Simiginowicz-Staufe über Georg v. Drozdowski, Alfred Klug, A Bosch u.v.a. bis zu dem auch darin den Höhepunkt darstellenden Paul Celan[90] verfolgen läßt. Dabei ist diese Übersetzungsarbeit nur der deutlich verfolgbare äußere Weg für die zahlreichen, bei näherer Beschäftigung sich sehr vielfältig erweisenden kulturellen Überschneidungs- und Vermittlungsphänomene. Die wechselseitige kulturelle Befruchtung und Beeinflussung geht ja weit über die Literatur hinaus.[91]

Dies sollte in Rumänien auch noch nach 1945 funktionieren, als die prolektkultistische, isolationistische, doktrinär-engstirnige Entwicklung vor allem auch in der Kultur aller osteuropäischen Länder ihren unheilvollen Einzug hielt. Hans Bergel belegt diesen Trend am Beispiel des Wirkens von Alfred Margul-Sperber im Bukarest der Nachkriegsjahre: dieses Bukarest habe sich "als west-östlicher mehrsprachiger Literaturdiwan" erwiesen, "der es im Jahrzehnt nach 1945 trotz aller politischen Rigorosität noch war…"[92]

Mehrsprachigkeit ist ein Erbe, das von den Bukowina-Forschungseinrichtungen fortgesetzt wird, so auch bei der Publikation mancher Jahrbücher des Bukowina-Instituts in Radautz, die in rumänischer, ukrainischer und deutscher Sprache herausgegeben werden. Dasselbe gilt auch für manche Publikationen der anderen zwei Bukowina-Institute.

Hier jedoch die angekündigten Momentaufnahmen am Beispiel einiger rumänischer, teilweise auch mehrsprachiger Publikationen, die im Rahmen der knapp skizzierten historischen und sozial-politischen sowie sprachlichen Situation bei verständlicher Verteidigung eigener Anliegen ihre Weltoffenheit und ihr Alteritätsverständnis zeigten. Unsere Recherchen erfolgten vor längerer Zeit in Zusammenarbeit mit dem aus der Bukowina stammenden Publizisten Mircea Grigoroviþã, der ein Jahr älter als Paul Celan ist. Celan besuchte zunächst (zwischen 1930-36) dasselbe Gymnasium Liceul ortodox de bãieþi (Liceul Mitropolitul Silvestru) in Czernowitz. Die 7. Und 8. Klasse (1936-37) mußte dann Celan am Liceul @Marele Voievod Mihai" besuchen.[93] Grigoroviþã veröffentlichte bereits[94] mit unserem Einverständnis große Teile dieser Recherchen, die wir nun gemeinsam auch in deutscher Sprache zugänglich machen.

1. Da wäre zunächst die Bukowinische "Junimea Literarã" zu erwähnen, die von 1904 bis 1914 und von 1923 bis 1939 erschienen ist. Einer der aktivsten Mitarbeiter, der für Übersetzungen aus dem Deutschen (Schiller, Goethe, Lenau, Florian) verantwortlich zeichnete, war Iorgu G. Toma (1871-1935). Er veröffentlichte in dieser Publikation zwischen 1907 und 1914 14 Übersetzungen: 7 Gedichte von Lenau, 3 von Goethe, 2 von Schiller, 1 von Bürger und 1 von Gleim. Seine beste Leistung war die Übersetzung des Schillerschen Lied von der Glocke (1909). Auch später ist er in den Spalten dieser Publikation mit Übersetzungen aus dem Deutschen präsent. Im Nachlaß fand man Fassungen von Herders Cid sowie Lenaus Werke in 5 Bänden (Ale lui Nikolaus Lenau opere complete) vor.[95]

Als nächster bedeutender Mitarbeiter tat sich Virgil Tempeanu (1888-1984) hervor, der zwischen 1923 und 1929 14 Gedichte übertrug: 2 von Goethe, je 1 von Rilke, Liliencron, Strachwitz, Platen, Prittwitz, Schiller, Ziel, Hamerling, Mörike. 1926 und 1927 veröffentlicht er die meisten Übersetzungen von Gedichten und von 1925 bis 1928 ist er auch der einzige, der für die "Junimea literarã" Gedichte übersetzt.

Weitere Übersetzer sind Nicu Dracea-Dracinschi (1879-1923), der 9 Gedichte, u. zw. nur aus Theodor Storm übertrug, und Lili (bzw. Liviu Marian), der je 1 Gedicht von Lenau, Rosegger, W. Müller, F. von Saar und J.G. Seidl, aber auch eine Novelle von Hugo Salus (1904) ins Rumänische übersetzte.[96] N. Tcaciuc-Albu (1885-1959) dichtet 2 Gedichte von Lenau und Traian Chelariu (1906-1966) zwei Gedichte von Reiner Maria Rilke (1931 bzw. 1938), Pimen Constantinescu 1 Gedicht von Fallersleben nach.

Iancu Tomoiagã überträgt 1910 ein Gedicht des rumänischen Dichters Ion Calinciuc, der seine Gedichte in deutscher Sprache schrieb, ins Rumänische.

Prosawerke übersetzen neben Victor Morariu auch Felicia Brãtianu, Dumitru Moldoveanu, Ilarie Gheorgheluº und T. Gârbu -  die erste aus Karl Schönherr und die letzten drei aus Peter Rosegger. Doch die wertvollsten Übersetzungen fertigte Constantin Berariu (1870-1929) an und zwar aus Franz Grillparzer (Ale mãrii ºi ale iubirii valuri / Hero und Leandru, 1930), Gerhart Hauptmann (Clopotul scufundat, 1930) und Hugo von Hoffmannsthal (Oricine, spectacolul morþii omului bogat, 1930).

Die Zeitschrift veröffentlichte auch kürzere Beiträge sowie Aufsätze zur deutschen Literatur. So stellte N. Tcaciuc-Albu Spielhagen (1911), Paul Heyse (1914), H. Heine (1913) und Rainer Maria Rilke (1927), Vlad Bãnãþeanu (1900-1963) Carl Spitteler (1925), Eugen Botezatu Haeckel (1914), D. Moldoveanu Rosegger (1913), der zu früh verstorbene Philosophieprofessor von der Universität Czernowitz Vasile Gherasim (1892-1933) Lessing vor. Victor Morariu berichtete in einem kurzen Beitrag über Paralele româno-germane (Rumänisch-deutsche Parallellen, 1923) sowie längere Aufsätze wie: Începuturile nuvelei germane (Die Anfänge der deutschen Novelle; 1928), Din filozofia lui Schiller (Aus Schillers Philosophie; 1929), Ironia ºi romantismul german (Die Ironie und die deutsche Romantik; 1929), Goethe ºi romantismul (Goethe und die Romantik; 1923), Hölderlin ºi Eminescu (1933), Un roman german cu subiect românesc: 'So lang die Erde steht' de Ernst Wurm (Ein deutscher Roman mit einem rumänischen Stoff…; 1935). Ebenfalls in dieser Publikation erschienen: der germanistisch wichtige Aufsatz von Eugen I. Pãunel, dem ehemaligen Direktor der Czernowitzer Universitätsbibliothek, Informatorii lui Goethe asupra Principatelor Dunãrene (Goethes Informanten über die Donaufürstentümer; 1932), Vasile Gherasims Aufsatz Rolul frumosului în filosofia lui Schopenhauer (Die Rolle des Schönen in der Philosophie Schopenhauers; 1932).

Allgemein betrachtet, kann schlußfolgert werden, daß die "Junimea Literarã" bis 1930 mehr Originalliteratur brachte, denn danach erlangen die Aufsätze die Oberhand. Lenau, Goethe, Schiller und Storm sind die Autoren, die am meisten übersetzt wurden. Weniger als Gedichte wurde Prosa vermittelt, wobei insgesamt die größeren deutschen Erzähler unberücksichtigt blieben.

Und wenn man den Anteil der deutschen Lyrik mit den Beiträgen aus anderen Literaturen vergleicht, so fällt ersterer recht hoch aus, was von einer deutlichen Bevorzugung der deutschen Literatur Zeugnis ablegt und mit dem gesamten geistig-kulturellen Kontext eng zusammenhängt. Von den bekannteren Namen der Weltliteratur waren in den Spalten der "Junimea Literarã" folgende Na-men anzutreffen: Ovid, Hugo, Oscar Wilde, Th. Gautier, Baudelaire, Jules Lemaître, Mallarmé, Thomas Percy, Longfellow, Wodsworth, Petöfi.

In der Prosa ist das Verhältnis ein ungekehrtes: hier sind Namen anzutreffen wie Daudet (3 Erzählungen), Prevost, Hugo, Champfleur, Venilot, Maupassant, Tymaire, Geoffroy, Papini, Verga (2), Capuana, Björnson, Galsworthy, Gogol, Turgheniev, Sienkiewicz, Korolenko, Avercenco, Vasile Stefanek, Bozena Nemçova, J. Czech, An-drei Circiristas, Lazar K. Lazarevic, Colette (1). Zugleich ist festzustellen, daß dabei die Literaturen der kleineren Völkerschaften der Donaumonarchie starke Berücksichtigung fanden, was von der Offenheit und geistigen Aufnahmebereitschaft rumänischer Intellektuellen beredtes Zeugnis ablegt. Die starke Präsenz französischer Autoren belegt die generell ausgeprägt westliche, also nicht einseitig deutsche Interessiertheit der Redakteure. Von den deutschen Autoren war Peter Rosegger der meistübersetzte, was höchstwahrscheinlich mit der Bauern- und Heimatproblematik dieses Autors zusammenhängt, die in der Bukowina auf fruchtbaren Boden fiel.

Wenn man die Gesamtheit der Aufsätze zur Weltliteratur[97] berücksichtigt, so bemerkt man interessanterweise nach 1934 eine deutliche Abnahme der Berichte über die deutsche Literatur.

Was die Buchbesprechungen anbetrifft, so beziehen sie sich meistens auf deutsche Veröffentlichungen, auf die Übersetzungen aus dem Rumänischen ins Deutsche und umgekehrt (Nicu Gane, Franz Werfel, Goethe) sowie auf germanistische Beiträge. Dagegen sind andere Literaturen in diesem Teil weniger vertreten, doch das Verhältnis schlägt radikal um in den letzten Jahren des Erscheinens dieser Zeitschrift.[98] Jedenfalls zeichnet sich diese Publikation durch Offenheit sowohl zum deutschen als auch zur weltliterarischen Geistigkeit aus, was allerdings beweist, daß sich pauschale Werturteile in bezug auf eine angebliche nationalistische Haltung beim näheren Ansehen als zumindest fragwürdig, ja eher als tendentiös erweisen.

2. Dasselbe gilt auch für die unter der Schriftleitung von Leca Morariu, dem "aufgeklärten" Professor für rumänische Literatur an der Universität Czernowitz[99], ab 1926 in Suceava, dann in Czernowitz, dann in Bukarest und schließlich wieder in Czernowitz erschienene Zeitschrift "Fãt Frumos".

Aus der deutschen Lyrik wurden Gedichte von Goethe (Leca Morariu, Victor Morariu), von Heine (Pimen Constantinescu), von Gustav Falke (Gebet in drei rumänischen Fassungen von N. Dracea, St. O. Iosif und Horia Petra-Petrescu). Interessanterweise fördert diese Zeitschrift in beträchtlichem Maße die Übersetzung rumänischer Lyrik ins Deutsche: 1936 -  6 Gedichte, 1937 -  5, 1938 -  12, 1940 -  4, 1941 -  2, 1942 -  5, 1943 -  3. Der fleißgste Übersetzer ist Artur Bosch (1884-1935), ein Lyriker aus der Bukowina, mit 16 Übetragungen -  4 Gedichte von ªt. O. Iosif, 2 von Coºbuc, 2 von Vlahuþã, 2 von Ion Pillat, 2 von C. Morariu, 1 von Eminescu, 1 von T. Robeanu, 2 von D. Anghel). Weitere Übersetzer sind Reinhold Scheibler mit 10 Übertragungen -  4 von Eminescu, 6 von Goga, Olivian Sorocea -  mit 6 Übertragungen -  4 von Goga, 1 von Eminescu, 1 von G. Roticã, der Bukowiner Lehrer Laurenþie Tomoiagã -  mit 2 Nachdichtungen aus Eminescu sowie Erich Kipper, Sever Bumbac und Georg Drosdowski -  mit jeweils einem Gedicht.

Auch in der Gattung Prosa läuft der Trend der Übersetzungen in beide Richtungen: Leca Morariu übersetzt 2 Texte aus Rosegger, Georg Busse Palma und Heinrich von Schullern, Victor Morariu ein Fragment aus Wielands Geschichte des Agathon. Aus Ionel Teodoreanus Uliþa copilãriei überträgt Reinhold Scheibler ebenfalls ein Fragment. Obwohl nicht unbedeutend, sind diese Übersetzungen von einem eher bescheidenen Umfang und berücksichtigen nicht die bedeutenderen Autoren.

Im Bereich der kleineren oder unfangreicheren Beiträge verzeichnen wir die Namen von Victor Morariu mit Stellungnahmen zu Peter Rosegger (1927), Povestea vorbii (von Anton Pann -  1928), Klabund despre literatura românã (Klabund über die rumänische Literatur, 1932), Herder ºi românii (Herder und die Rumänen, 1939), Marie Eugenie delle Grazie despre români (M.E. delle G. über die Rumänen), Matthias Fried-wanger (1940), Herder ºi muzica (Herder und die Musik, 1941), 'Ce e patria românã' de Ion Puºcariu ºi 'Was ist des Deutschen Vaterland' (Was ist des Rumänen Vaterland und …, 1942); dann den Namen von Alex. Bibescu: 'Râsul roºu' de Leonid Andreev ºi 'Întoarcerea de pe front' de Erich Maria Remarque ('Der rote Lux' von L.A. und 'Die Rückkehr von der Front' von E.M.R., 1932), von Filimon Taniac über Elegiile lui Goethe în româneºte (Goethes Elegien auf Rumänisch, 1937) und von I. E. Torouþiu, einem Bukowiner, der auch Gastlektor an der Frankfurter Universität war. Letzterer schrieb über Lorelei (ein Fragment aus seiner längeren Studie Heine ºi heinismul în literatura românã -  Heine und der Heinismus in der rumänischen Literatur), 'Hermann ºi Dorothea' de Goethe, Enãchiþã Vãcãrescu ºi Goethe (E.V. und G., wo die Feststellung gemacht wird, der rumänische Lyriker habe Goethes Gedicht Gefunden nicht gekannt). Victor Morariu geht auf folgende Aspekte ein: Romantismul german (Die deutsche Romantik, 1929) und Prima traducere a 'Luceafãrului' (Die erste Übersetzung des 'Abendsterns', 1938) und Alexandru Ieºan über ªcolarul -  Bacca-Laureus din 'Faust' de Goethe (Der Schüler -  Bacca-Laureus in 'Faust' von Goethe, 1932).

Ebenso wie in der "Junimea Literarã", veröffentlichte auch "Fãt Frumos" Übersetzungen aus dem Deutschen (Goethe -  3 Gedichte, Heine -  2, Liliencron, W. von der Vogelweide, Lenau, Geibel, Baumbach, Heigl, Rückert, W. Müller - je 1 Gedicht, G. Falke -  1 Gedicht in drei rumänischen Fassungen) als auch aus dem Rumänischen ins Deutsche (Eminescu -  9 Gedichte, Octavian Goga -  11, ªt. O. Iosif -  5, George Coºbuc, D. Anghel, I. Pillat und Constantin Morariu -  2, G. Roticã und T. Robeanu -  je 1. Das war ein einleuchtendes Beispiel für praktizierte Zweisprachigkeit.

Die sonstige Weltliteratur nimmt im Vergleich zur deutschen einen bescheidenen Platz ein mit Beiträgen über Ibsen, Reymont, Benedetto Croce, Giulio Bertoni, B. Guarini etc.

Die Zeitschrift befaßt sich eingehend mit der übersetzerischen Leistung rumänischer Germanisten und bespricht sie in Rezensionen -  so von Victor Morariu ('Fântâna Blanduziei' în nemþeºte -  'Der Brunnen der Blandusia' auf Deutsch, 1930; 'Gudrun' în traducerea lui Virgil Tempeanu -  'Gudrun' in der Übersetzung von V.T., 1932; Heinrich von Mohrungen: 'Doiniri pe alãutã' în traducerea lui Virgil Tempeanu -  H.v.M.: 'Leierklagen' in der Übersetzung von V.T., 1940), Leca Morariu (zur Übersetzung von Goethes Iphigenie auf Tauris durch Virgil Tempeanu, 1926) und I.E. Torouþiu (kritische Stellungnahme zur Übersetzung von Povestiri fantastice von E.T.A. Hoffmann durch Ludovic Dauº, 1926. Bei der Besprechung der translatorischen Arbeiten wurde auf die mangelnde Korrektheit der linguistischen Entsprechung zum Original sowie auf die Inadäquatheit der zum Tragen kommenden rumänischen Sprache hingewiesen.

Auch vergleichende Ansätze sind in der Publikation anzutreffen -  so wenn Karl Emil Franzos' Novelle Die Hexe mit der Legenda funigeilor -  'Die Legende der Marienfäden' von ªt. O. Iosif und D. Anghel (1936) verglichen wurde. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob die rumänischen Dichter die Novelle Franzos' auch tatsächlich gekannt haben.

Zugleich werden Informationen angeboten über eine in Prag erschienene Übersetzung von Bietul Tric (Der arme Tric) von Al. Brãtescu Voineºti, über die hervorragende Aufführung des Hauptmannschen Stückes Clopotul scufundat (Die versunkene Glocke) in der Übersetzung von Constantin Berariu im Nationaltheater von Czernowitz im Jahre 1928, über die Gründung der Gesellschaft der Rumänischen Germanisten (1932), über die Eichendorff-Feier in Czernowitz, über das Erscheinen einer Geschichte der rumänischen Literatur in ihren Grundzügen in polnischer Sprache mit einer Gedichtsammlung von Biedrzycki (1934) sowie über die Übersetzung von Fragmenten aus Eichendorffs Jurnalul unui pierde varã (Das Tagebuch eines Taugenichts) durch Aurel Barbier (1938).

In den Spalten dieser Zeitschrift wurden auch einige bemerkenswerte Auseinandersetzungen ausgetragen, die sowohl auf persönliche als auch auf zeitbedingte Ursachen zurückzuführen waren. Victor Morariu bringt eine Entgegnung  zu den Începuturile nuvelei germane. Rãspuns domnului dr. Karl Kurt Klein (Die Anfänge der deutschen Novelle. Antwort für Herrn Dr. K.K.K.), die eigentlich auf die Konkurrez beider Personen im Zuge der Ausschreibung des Postens eines Professors für deutsche Sprache und Literatur an der Philologischen und Philosophischen Fakultät in Czernowitz zurückzuführen ist. In den Heften 1-4, 1937 wird andererseits ein Brief von R. Scheibler an Victor Morariu veröffentlicht, in dem letzterer aufgefordert wird, über Scheiblers Übersetzungen aus Eminescu seine Meinung zu äußern, und kritisiert die rumänischen Fassungen der Gedichte von Eminescu, für die Konrad Richter verantwortlich zeichnete.

Durch all diese Beiträge spielte "Fãt Frumos" eine sehr gewichtige brückenschlagende Rolle in der Vermittlung von rumänischer sowie fremder, vor allem deutscher Literatur und Kultur.

3. Am 24. April 1930 erschien in Czernowitz "Buletinul Mihai Eminescu. Lãmuriri pentru viaþa ºi opera lui Eminescu" (Das Mitteilungsblatt M.E. Erläuterungen zum Leben und Werk E.s). Herausgegeben wurde die auf 22 Hefte angestiegene Publikation von Leca Morariu unter Mitarbeit von Gh. Bogdan-Duicã und Garabet Ibrãileanu. Sie brachte im Laufe der Zeit hochwertige Beiträge zur Eminescu-Forschung sowie 11 Übersetzungen aus dem Schaffen Eminescus heraus.[100] Zu den Übersetzern von Gedichten Eminescus gehörten: Artur Bosch (De-or trece anii -  1938, De ce nu-mi vii -  1938 O rãmâi -  1939, Veneþia -  1939), Erich Kipper (Peste vârfuri -  1938), Olvian Sorocean (Scrisoarea I -  1936, Scrisoarea a II-a -  1937 und Somnoroase pãsãrele -  1939) und Georg Drosdowski (O mamã -  1939 und Somnoroase pãsãrele, 1939). Zur Auffassung Drosdowskis vom Übersetzen sowie über seinen Beitrag zur Nachdichtung von Gedichten Eminescus, die er auch in der deutschsprachigen Presse veröffentlichte[101], haben wir uns ausführlich in einem thematischen Band zur Zweisprachigkeit geäußert.[102]

Daß Eminescu selbst ständig auch als Vermittler zwischen deutscher und rumänischer Kultur und Literatur aufgetreten ist, weist Gheorghe Bogdan-Duicã überzeugend nach. Er kommentiert einen Brief Eminescus, der wahrscheinlich dem Empfänger nicht zugeschickt wurde und in dem der Dichter sich zu kritischen Stellungnahmen der deutschen Presse zu Schopehauer äußert (1, 1930); Bogdan-Duicã bezieht sich dann auf übersetzerische Versuche Eminescus -  so auf ein Gedicht Goethes, das in Berlin angefertigt wurde, auf Fragmente aus Don Carlos, aus Torquato Tasso und aus Clavigo (2, 1932). Ausgehend von einem Zitat aus Jean Paul stellt sich Duicã die Frage, ob das Gedicht Venere ºi madonã unter dem Einfluß dieses deutschen Dichters entstanden sei (10, 1930). Dokumentarisch belegt wird auch Eminescus unvollendeter Versuch, das Gedicht Unsere praktische Seite von Hoffmann von Fallersleben zu übersetzen (3, 1930). Aus der Berliner Zeit stammt auch die vollständige Übersetzung eines wissenschaftlichen Beitrags von J.R. Mayer (11, 1933). Das Fragment aus Torquato Tasso wird im Heft 15, 1937 mitgeteilt -  darüber haben wir uns in einer Untersuchung zum Verhältnis Eminescus zur deutschen Klassik ebenfalls ausführlich geäußert.[103] In einer interessanten Studie zur Muzicalitatea lui Schiller ºi Eminescu (Die Musikalität Sch.s und E.s) wirft Bogdan-Duicã die Frage nach einem möglichen direkten Einfluß Schillers auf den rumänischen Dichter auf (9, 1932). Weitere germanistische Aspekte werden von Leca Morariu aufgerissen -  so vertritt er die Meinung, daß das Gedicht La steaua von Eminescu qualitativ über das offensichtliche Muster, Gottfried Kellers Siehst du den Stern, hinausgehe (Astronomia lui Eminescu ºi a altora -  E.s sowie anderer Astronomie; 9, 1932), und weist nach, daß Eminescu ausgezeichnete Kenntnisse der deutschen Sprache besaß (Patenta germanã a lui Eminescu -  E.s deutsche Prägung; 16, 1938).

Victor Morariu beleuchtet unterschiedliche Aspekte der Übertragung von Gedichten Eminescus ins Deutsche. In einer großangelegten Untersuchung nimmt er Stellung zu den deutschen Fassungen des Luceafãrul, für die folgende Autoren verantwortlich zeichnen: Edgar von Herz, Maximilian Schroff, N.N. Botez und Reinhold Scheibler. Er schlußfolgert, daß seiner Meinung nach Scheibler die beste Übersetzung gelungen sei. Zugleich teilt er dem Leser mit, daß er im Besitz weiterer Fassungen desselben Gedichts sei, die den Bukowinern Olvian Soroceanu und Laurenþie Tomoiagã zu verdanken sind.

"Buletinul Mihai Eminescu..." nahm ausführlich und betont kritisch Stellung zu den deutschen Übertragungen aus Eminescu, die Konrad Richter angefertigt hatte. Zu den Fehlleistungen Richters äußerte sich Victor Morariu in 'Luceafãrul' în nemþeºte. Traducerea d-lui Konrad Richter ('Der Abendstern' auf Deutsch. Die Übersetzung des Herrn K.R. -  15, 1937). Ebenfalls kritisch wertet er in dem Beitrag Boot jetzt, tot jetzt (16, 1938) die mangelhafte Nachdichtung des Gedichts Adio (Leb wohl). In einer anderen Stellungnahme Cincvantenarul unei traduceri germane a 'Luceafãrului' (Eine deutsche Übersetzung des 'Luceafãrul' vor fünfzig Jahren -  17, 1939) nimmt Morariu Bezug auf die erste Übertragung des berühmten und bedeutendsten Gedichts Eminescus ins Deutsche, die L.V. Fischer besorgte und in der Temeswarer "Romänischen Revue" erschienen war. Ihrerseits kritisiert Leca Morariu besonders heftig die deutschen Fassungen von Konrad Richter in drei Beiträgen: Inconºtienþã, cinism sau … academism (Leichtsinn, Zynismus oder … Akademismus -  15, 1937), Coincidenþã semnificativã (Bezeichnender Zufall -  15, 1937) und Eminescu în nemþeºte (E. auf Deutsch -  14, 1936). Zur gleichen Zeit veröffentlicht das Mitteilungsblatt auch einen Brief von Reinhold Scheibler über die Übersetzungen Richters, in dem darauf hingewiesen wird, daß auch Georg Drosdowski in der "Deutschen Tagespost" von Czernowitz vom 15. Juni 1939 dazu kritisch Stellung genommen hatte.[104]

Gutgeheißen werden von Victor Morariu dagegen die deutschen Übersetzungen von Artur Bosch (Patru elegii în traducere germanã -  Vier Elegien in deutscher Übersetzung -  13, 1935: Pe lângã plopii fãrã soþ, Adio, S-a dus amorul, Te duci). In derselben Publikation kündigte Morariu an, Reinhold Scheibler habe einen Band mit Übersetzungen aus Eminescu angefertigt, führte gelungene Beispiele aus Im Volkston (La mijloc de codru), Doina, Scrisoarea a III-a (III. Brief) an und drückte die Hoffnung aus, der Band werde ein großer Erfolg sein. Doch dieser Band ist bisher nicht erschienen.

Die Kontroversen um die verschiedenen übersetzerischen Leistungen innerhalb dieser Publikation haben gezeigt, daß die translatorische Kommunikation in diesem geistigen Raum eine vordergründige Rolle spielte und zum weitgehend friedlichen Zusammenleben der in der Bukowina lebenden Völkerschaften beizutragen vermochte.

4. Eine weitere und letzte Publikation, die wir gemeinsam mit Mircea Grigoroviþã recherchiert und ausgewertet haben, ist "Calendarul Glasul Bucovinei" (Der Kalender Die Stimme der Bukowina), die zwischen 1920 und 1940 von Ion Nistor herausgegeben wurde. Aufgrund des volkstümlichen Charakters des Kalenders wurden keine Debatten ausgetragen, sondern wurden dem Leser rumänische und Weltliteratur, praktische Hinweise sowie populärwissenschaftliche Kenntnisse angeboten, so daß der Kalender eine deutlich aufklärerische Rolle zu spielen hatte. Die Palette der durch Übersetzungen vermittelten Literaturen ist viel reicher als bei den bisher recherchierten Publikationen. So veröffentlichte der Kalender Texte aus der französischen, deutschen, englischen, russischen, italienischen, tschechischen, ungarischen, griechischen sowie aus der indischen und chinesischen Literatur. Die Namen der Übersetzer sind. Constantin Morariu, Nicu Dracea, Taniu Dracinski, Constantin Berariu, Elena Popescu (aus der deutschen Literatur), Vasile Grecu, Vasile Loichiþa, Oltea I. Nistor, Lili Bulandra, Carolina ªesan (Vera Mora), Elena ªesan. Sowohl aus dem Deutschen als auch aus anderen Sprachen übersetzten Iorgu G. Toma, Victor Morariu und N. Tcaciuc-Albu.

Die Autoren der Weltliteratur, die dem rumänischen Leser zugänglich gemacht wurden, sind: Alfred de Musset, R. Gignaux, Colette, Sacha Guitry, Scarron, Viennet, Florian, Panard, Beranger, Jean Voilquin, Verlaine, Xaver de Maistre, Boileau, Rebaul, Leon Thévenin, Lermontov, Petöfi, Bozena Nemçova, Lloyd George, Clemenceau.

Aus der deutschen Literatur wurden übersetzt:  3 Gedichte von Rudolf Baumbach (1920: Grãdina iubitei, Jurãmântul, Ruga; 1921: Nauzicaa -  Ü: Taniu Dracinschi), 1 Gedicht von Gustav Falke (1920: Ruga) und 2 von Theodor Storm (1925: Oraºul meu, Cântec de Crãciun -  Ü: Nicu Dracea), 1 Gedicht von Wilhelm Müller (1938: Lãutarul -  Ü: Elena Popescu), 3 Gedichte Schillers (1926: Icoana învelitã din Sais, Ghici-tori -  Ü: Victor Morariu und 1923: Cufundãtorul -  Ü: Victor Morariu) sowie Cugetãri Schillers (1922 -  Ü: Iorgu G. Toma), 2 Gedichte von Lenau (1920: Crucea; 1922: Cântece de stuf -  Ü: Iorgu I. Toma) und 1 Gedicht von Hagedorn (1923: Cerbul ºi mistreþul -  Ü: N. Tcaciuc-Albu), 1 Gedicht von Hoffmannsthal (1931 -  Ü: Constantin Berariu).

Die deutsche Dramatik ist in dieser Publikation durch H. v. Hoffmannsthals Stück Oricine (1931 -  Ü: Constantin Berariu) vertreten.

Über einige deutsch-rumänische Interferenzen berichtete Victor Morariu in Un scriitor german despre România de acum 36 de ani (Ein deutscher Schriftsteller über Rumänien vor 36 Jahren -  1925), wo er auch einige Seiten aus dem humoristischen Roman Frau Buchholz im Orient (erschienen 1888) von Julius Stinde (1845-1901) übersetzt. In seinem Roman stellte der deutsche Autor fest, daß man in Bukarest schöne Menschen sehen kann und daß in der Hauptstadt Rumäniens Ordnung und Sauberkeit herrschten.

Ebenfalls Victor Morariu weist in dem Beitrag Goethe ºi poporul român (Goethe und das rumänische Volk, 1933) darauf hin, daß Goethe in Rom in den Räumlichkeiten der De Propaganda Fide Menschen gehört habe, die Rumänisch sprachen. Dann zitiert er aus einem Gedicht Goethes, in dem der moldauische Fürst Alexandru Sturdza satirisch erwähnt wird, und macht auf einige Übersetzungen aus Goethes Werk ins Rumänische aufmerksam.

Weitere Einzelheiten insbesondere über die Goethe-Feier in Czernowitz sowie in ganz Rumänien, Berichte über die Mobilität deutscher und rumänischer Intellektuellen ergänzen die ohnehin vielfältigen Informationen über die interkulturellen Vorgänge in der mehrsprachig, also multikulturell geprägten Bukowina, die alle vier hier näher untersuchten Publikationen mit ausfürlichem Material belegen. Es zeigt sich, daß für die Multikulturalität sowie für die Zirkularität[105] von Stoffen, Motiven, Bildern, Metaphern sowie mentalitätsspezifischen Vorgängen und Handlungen nicht immer nur die großen, epochemachenden Leistungen allein ausschlaggebend sind, sondern daß die kleinen, oft im Stillen erfolgten geistigen und menschlichen Kontakte und Interferenzen eine ganze Menge zu bewegen und zur Annäherung an das Fremde, Unbekannte in einem hohen Maße beizutragen vermögen. So werden "sich sehr vielfältig erweisende kulturelle Überschneidungs- und Vermittlungsphänomene"[106] (Kurt Rein) erst sichtbar, also auch verständlicher.

Denn über den tendentiösen Auslegungen sei es national gesinnter, sei es kulturell-aufklärerisch eingestellter Forscher und Beobachter stehen die nackten, unabweisbaren historischen, geistigen, kulturellen, literarischen Tatsachen, die nur in ihrer Zeitbezogenheit und -bedingtheit sowie in ihrer konjunkturellen Komplexität eruierbar und schließlich erklärbar sind. Noch so schöne historische Rückblenden, die in Rosafaben als virtuelle Zukunftsmusik hinausposaunt werden, vermögen den kritischen Blick nicht zu verstellen, sie müssen allerdings stets auf den Boden der historischen Realitäten zurückgeholt werden.

Momentaufnahmen wie solche, die wir hier anhand der vier Publikationen aus der Bukowina geboten haben, sind in höherem Maße dazu geeignet, geistige Interferenz- und Assimmilationsmechanismen zu beleuchten und verständiger zu machen als die großen theoretisch angelegten und oft hochtrabend an der eigentlichen kulturellen und literarischen Wirklichkeit vorbeiredenden Abhandlungen. Solche Zeugnisse wie die vier Publikationen zeigen im Kleinen die amoebenhafte Verteilung und Verflechtung von geistig-mentalen sowie heuristischen Lebensvorgängen in mehrsprachig geprägten Kulturlandschaften. Diese Erkenntnisse müßte man auch ukrainischen, polnischen, deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften aus der Bukowina abgewinnen, um sie alle zu einem übernationalen, kulturwissenschaftlich eruierbaren Phänomen zusammenzufügen.

Unsere Ausführungen bezweckten nachzuweisen, daß heuristische Impulse notwendig sind, um den wissenschaftlich-theoretischen Forschungsdiskurs zu relativieren, um die Transparenz, die Selbstbefragung, die Autonomie eigenen Denkens, das Eingestehen eigener Defizite oder Fehlleistungen zu fördern. Vorwissen ist immer kritisch durchzusichten, woraus neue Erkenntnisse gewonnen, festgefahrene, stereotype Vorstellungen gesprengt, abgebaut und neue Herangehensweisen ausprobiert werden. Denn historische Modelle können heute bei der Entwicklung neuer multikultureller, mehrsprachiger Gemeinschaften höchstens als historische Erfahrung herbeigerufen werden.

Eine differenziertere, auf stereotype Vorstellungen und auf verfestigte pauschale Werturteile verzichtende Analyse ist der historischen Wahrheit förderlicher und heuristisch in jeglicher Hinsicht gewinnbringender.

 

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[62] Annette Simonis, Mentalitätsgeschichte. In: Metz-ler Lexikon Literatur und Kulturtheorie, hrsg. v. Ansgar Nünning, Metzler, Stuttgart / Weimar, 1998, S. 358.

[63] Hartmut Böhme, Klaus R. Scherpe (Hgg.): Literatur und Kulturwissenschaften. Positionen, Theorien, Modelle, Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 1996, S. 16.

[64] J. Le Goff: Histoire et mémoire, Paris, 1988, S. 167.

[65] Mihai Eminescu: ["Se vorbeºte cã în consiliu…"], a.a.O., S. 140.

[66] Wilhelm von Humboldt: Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts. Hg. u. Nachwort v. H. Nette, Darmstadt 1949, S. 60f.

[67] Leo Weisgerber: Grundzüge der inhaltsbezogenen Grammatik. Düsseldorf 41971.

[68] s. dazu F. v. Ingen: Das Problem der lyrischen Mehrsprachigkeit bei Paul Celan. In: Psalm und Hawdalah. Zum Werk Paul Celans. Akten des Internationalen Paul-Celans-Kolloquiums New York 1985. Hg. v. J. P. Strelka, Bern 1987, S. 64-78.

[69] In: Mircea Cenuºã: Memoriile unui prefect al lui Avram Iancu. In: Suceava. Anuarul Muzeului Judeþean, XI-XII, 1984-1985.

[70] s. Mihai Eminescu: B. Petriceicu Hasdeu, "Cuvente den betrãni -  Limba românã vorbitã între 1556-1600…, a.a.O., S. 328.

[71] B.R.V., III, S. 384.

[72] ªtefan Lemny: Rolul cãrþii în dezvoltarea conºti-inþei naþionale -  Contribuþia Moldovei [Die Rolle des Buches in der Entwicklung des nationalen Bewußtseins -  Der Beitrag der Moldau]. In: Suceava. Anuarul Muzeului Judeþean, XI-XII, 1984-1985, S. 273.

[73] Czernowitz: Druckerei Peter Eckhardt 1807.

[74] Turczynski, a.a.O., S. 51f.

[75] Ebd., S. 72f.

[76] Anton de Marki: Auszug aus der für Normal- und Hauptschulen vorgeschriebenen deutschen Sprach-lehre in deutscher und vallachischer Sprache. Czernowitz: Druckerei Peter Eckhardt 1810.

[77] Turczynski, a.a.O., S. 102.

[78] Ebd. S. 192.

[79] Leon Arie Schmelzer: Die Juden in der Bukwina. 1914-1918. In: Hugo Gold (Hg.): Geschichte der Juden in der Bukowina, Tel Aviv, 1958, Bd. I, S. 68.

[80] Apud: Mihai Eminescu: Basarabia, a.a.O., S. 293.

[81] I.G. Sbiera: Familiea Sbiera dupã tradiþiune ºi istorie ºi Amintiri din viaþa autorului. Cernãuþi: Tipo-grafia universitarã a lui R. Eckhardt 1899, S. 162.

[82] s. Erich Prokopowitsch: Die Entwicklung des Pressewesens in der Bukowina, Wien: Verlag der Typographischen Anstalt 1962, S. 9f.

[83] Ebd., S. 89f.

[84] Turczynski, a.a.O., S. 124. Siehe dazu auch Constantin Loghin, Istoria literaturii române din Bucovina. 1775-1918, Cernãuþi 1926.

[85] Turczynski, a.a.O., S. 166.

[86] Poetisches Gedenkbuch. Festgeschenk…, a.a.O.

[87] s. weitere Angaben bei Fritz Lang: Sprache und Literatur der Deutschen in der Bukowina. In: Buchenland. Hundertfünfzig Jahre Deutschtum in der Bukowina, hgg. V. F. L., München 1961, S. 412f.

[88] Turczynski,a.a.O., S. 150.

[89] Mihai Eminescu: Revista teatralã ["Joi în 25 noiemvrie…"], a.a.O., S. 174.

[90] s. dazu die Veröffentlichungen von George Guþu zur Übersetzungstätigkeit des frühen Paul Celan: 1. Die Lyrik Paul Celans und die rumänische Dichtung der Zwischenkriegszeit, Editura Universitãþii din Bucureºti, 1994, S. 191-213; 2. Auch in: Neue Literatur (Bukarest), 8,1989, S. 72-80; 5-6, 1990-91, S. 110-117; 7-8, 1990-91, S. 152-156; 3. Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 1/1992, S. 43-54.

[91] Kurt Rein: Politische und kulturgeschichtliche Grundlagen…, a.a.O., S. 44.

[92] Hans Bergel: Erinnerungen an Alfred Margul Sper-ber. In: Dietmar Goltschnigg / Anton Schwob: Die Bukowina…., a.a.O., S. 192.

[93] Hier hat Paul Celan seine Reifeprüfung (Abitur) abgelegt. Vorsitzender der Prüfungskommission war Radu Zbiera, Lateinprofessor von der Universität Czernowitz. (Angaben von Mircea Grigoroviþã.)

[94] Mircea Grigoroviþã: Preocupãri germaniste în unele periodice bucovinene. In: Suceava. Anuarul Muzeului Judeþean, XI-XII, 1984-1985, S. 307-315.

[95] s. Nachruf in: Revista Germaniºtilor Români, 1, 1935, S. 94-95.

[96] s. auch Eugen Dimitriu / Petru Froicu: Liviu Marian -  La centenarul naºterii scriitorului. In: Sucea-va. Anuarul Muzeului Judeþean, X, 1983, S. 797.

[97] Aufsätze wurden veröffentlicht über H. Ibsen, Lazar K. Lazarevici (1907), über den Pirandelismus, Edmondo de Amicis (1925), Courteline (1926), Estaunié, philosophische Elemente in der französischen Literatur, San Francesci d'Assisi (1927), Taine, den Biologismus Shakespeares (1928), Tolstoi, Prevos, Monti, Bergson, Gide, Socrate (1928), einige Theoretiker der Liebe (1932), Clemenceau und Demostenes (1933), das Problem des Bösen bei Dostojewski (1935), die Eigennamen in der tschechischen Sprache und der historische Roman (1936).

[98] Besprochen werden Arbeiten von Gisela Bogenhardt, Emil Fischer, W. Schmidt, Kaindl, Scots Viator (über die österreichisch-ungarische Monarchie), Otto Hauser, Ottokar Czernin, Victor Morariu, Carl Siegel, Karl Kurt Klein, Alfred Klug, Ionel Calinciuc, George Kaiser, Max Dauthendey. Erinnert wird an Schiller, Anastasius Grün, Heine, Matthias Friedwanger, Carducci, Longfellow, Wordsworth, Mistral.

[99] I. D. Lãudat: Universitatea Româneascã în perioada 1918-1948, Iaºi 1980, S. 48.

[100] Eine bibliographische Auflistung dieses Mitteilungsblatts erstellte 1971 die Zentrale Universitätsbibliothek in Jassy.

[101] Czernowitzer Tagespost vom 15. Juni 1939, S. 4.

[102] George Guþu: Georg von Drosdowskis interkulturell-poetische Leistung. In: Antal Mádl / Peter Motzan (Hgg.): Schriftsteller zwischen (zwei) Sprachen und Kulturen. Internationales Symposion Veszprém und Budapest, 6.-8. November 1995, S. 195-216.

[103] George Guþu: Rezeptionsgeschichtliches am Rande der Übersetzungen von Goethes “Torquato Tasso” durch Mihai Eminescu und Laura M. Dragomirescu. In: Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, 1-2 (7-8), 1995, S. 22-32. Auch: George Guþu: Aspekte der Rezeption des Dramas “Torquato Tasso” von Goethe in Rumänien. In: Rumänien und die deutsche Klassik. Deutsch-rumänisches Wissenschaftliches Symposion der Südosteuropa-Gesellschaft und der Rumänischen Kulturstiftung, Weimar 20. bis 22. März, hg. v. Eva Behring, München 1996, S. 73-85.

[104] s. Anm. 79.

[105] s. dazu auch George Guþu: Literarische Zirkulation. Überlegungen zur rekursiven Variabilität von Konstanten. In: Heinrich Stiehler (Hrsg.), Literarische Mehrsprachigkeit, Editura Universitãþii "Al. I. Cuza" Iaºi / Hartung-Gore Verlag Konstanz, 1996, S. 66-85.

[106] s. Anm. 72!

 

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Zeitschrift der Germanisten Rumäniens, Jg. 9, Heft 17-18 / 2000, S. 377-401

 

 

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